Abwarten und Locken nähen

Ich schlafe nicht sehr ruhig in diesen Tagen. Es tut sich viel im Untergrund. Ich würde schon gerne Entscheidungen treffen. Abarbeiten. Weiter gehen. Doch das Leben fordert Langsamkeit. Abwarten. Geduld. Die üblichen Alpträume sind manchmal da, ich muss schon fast lachen, weil sie mir so klar sagen, dass es jetzt nichts zu tun gibt, es gibt keine Entscheidung zu treffen, keine Lösung zu finden. Durchatmen. Weiter warten. Den späten Sommer genießen. Die Schmetterlingsraupe platzt noch nicht aus allen Nähten.

In der Chefinnensupervisionsgruppe rund um Ute Habenicht bearbeiten wir geniale Frauenthemen für Führungskräfte. Selten in meinem Leben erlebe ich so einen wertschätzenden, fröhlichen, erfrischenden und fokussierten Austausch. Komme mit aktuellen Themen weiter. Genieße die für mich so typische Magie der Gruppe und finde Antworten auf Fragen, die ich mir bewusst gar nicht gestellt habe. Wie ich das liebe.

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Auch handwerklich geht es weiter. Derzeit weiß ich nicht, ob ich zuerst an den Handpuppen weiter arbeiten soll oder an den nächsten beiden Stoffpuppen. Heute ist eine weitere Elfe dran, bekommt ihre Arme und ihre angenähten Füßchen. Meine erste Mohairperücke entsteht dank Fabs und Astrid, meinen geliebten Lehrerinnen. Es tut gut, allein zu arbeiten und sich nicht alleine zu fühlen. Meine Finger sind vom Lanolin der Mohairziegenlocken ganz weich. Ich verarbeite zum ersten Mal ungewaschene Rohlocken, das wird in Zukunft wichtig sein, falls wir gemeinsam in unserer Puppengruppe wirklich unsere eigenen Schafe züchten und scheren. Sami hockt bei mir und stichelt an seinem Monster aus dem Kreativkoffer weiter, den wir an unserem Familienwochenende im Werkbuchcafé entdeckt haben. Wie geschickt er ist! Ich hätte niemals gedacht, dass er drei Stunden ununterbrochen da sitzt und entwirft und ausschneidet und näht. Er hat heuer durch den Sprung in die dritte Klasse ganz überraschend einen männlichen Lehrer, wirkt glücklich und zufrieden. Auch hier tut sich offensichtlich etwas.

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Nebenbei gibt es viele theoretische Texte zu verfassen, weil eine homepage einen Relaunch bekommt und die andere seit ein paar Wochen neu entsteht. Endlich. Ich bin froh, wenn wir das gut hinbekommen. Aischa, unser Digitalprofi, gibt alles, damit wir fertig werden. Raumsuche für die kalten Wintermonate steht ebenso am Programm wie direkter Austausch mit Menschen, die zu uns und unseren Projekten passen könnten in den nächsten Jahren. Die zweiseitige A4-to-do-Liste ist von gestern auf heute beinahe abgearbeitet. Und meine eigenen Themen vom gestrigen Chefinnenabend haben heute begonnen, sich wie durch Magie selbst zu lösen oder in Bewegung zu kommen. Es stimmt schon, dass Energie der Aufmerksamkeit folgt.

Vom Filz zum Papier

Ganz fest hatte ich mir das für den heurigen August vorgenommen. Handpuppen herstellen. Mit und ohne Kinder. Material: vollkommen unklar. Erste Versuche natürlich mit Filz und Trikotstoff. Marionetten. Stellen sich als viel zu aufwändig für Kinder heraus. Und irgendwie zu weit weg von der Kinderhand. Grübeln, tüfteln, herum fragen. Sami bringt mir von irgendwo her ein uraltes Brunnen-Reihe-Büchlein mit, voll mit Kasperlfiguren, Greteln, Krokodilen. Von Kindern und Erwachsenen ausprobiert. Very old fashioned. Hinweise auf Pappmaché sind da. Vage Rezepte ebenfalls.

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Und siehe da: wer Puppen filzt, kann sich auch mit weicher, formbarer Masse ausprobieren. Meine Ungeduld ist legendär. Also gestern erster Start allein, um meine Familie zu schonen. Meine Freundin Michi hat uns vor einer Weile für genau so einen Zweck einen Schredderapparat geschenkt, der nicht mehr benötigt wurde. Der lief gestern auf Hochtouren. Heißes Wasser dazu, sagen Tutorials online. Aufkochen, sagen andere. Kleister dazu, und nicht zu knapp, sagen wieder andere. Meine alte Küchenmaschine und ihre Rührhaken kommen wieder zum Einsatz. Auch ein Pürierstab, als das Ganze durchgekocht ist. Die ersten Ergebnisse des Formens sind gar nicht so schlecht.

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Weiterrecherchieren. Sägespäne werden mir empfohlen. Heute bin ich übermütig und gebe viel zu viel Kleister zur nach drei Stunden gut durchweichten Pulpe. Also bettle ich Alexander um Sägemehl aus der Tischlerwerkstatt an. Maiskornstärke, ein weiterer Tipp aus dem Netz. Kartoffelstärke haben wir im Haus. Der klebrige Startteig fühlt sich nach ordentlichem Kneten und Rühren sofort besser an. Und nein, genaue Dosierungen habe ich mir nicht aufgeschrieben. Der Teig fühlt sich einfach richtig an. Noch immer klebrig, aber richtig.

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Sami und Alexander werkeln heute mit. Wer meinen Mann kennt der weiß, dass er künstlerisch sowieso alles kann. Natürlich auch Köpfe formen. Und nein, ich bin nicht neidfrei. Gar nicht. Ich bin frustriert. Zum ersten Mal mit vollkommen neuem Material zu arbeiten und dann gleich einen Ghandi zu formen, das kann einfach nur er. Sami und ich, wir plagen uns herum. Sami möchte eine Katze formen. Diese Dinge haben ja bekanntermaßen ein Eigenleben, deshalb wird seine Katze eine absolut coole Hund-Löwin-Hyänen-Mischung mit offenem Maul und Zunge. Sensationell. Und mir wird nach zwei viel zu kurz geratenen Köpfen plötzlich klar, dass die Köpfe eine Eierform brauchen, um zu wirken. Liebenswerte Babypüppchen und fast ovale Querköpfe sehen wunderhübsch aus. Diese karikaturartigen Wesen sind erwachsener. Und haben andere Proportionen.

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Morgen machen wir weiter. Und Sami hat mir versprochen, einen reduzierten Puppenkopf zu probieren – nur Wangen, Mund, Nase und Ohren auf eine runde Hohlkugel, der Rest könne ja aufgemalt werden. So sieht er sich über eine menschliche Puppe drüber. Außerdem machen wir einen einen Teig wie heute und geben noch Nelkenöl, Essig, Backsoda und Öl dazu Auch ein online Tipp. To be continued!

Abschied, Ankunft und Geburtstag

Wir versuchen, in unserem Leben wieder Fuß zu fassen. Treffen in den letzten Tagen Menschen, mit denen wir unseren Weg weiter gehen. Die Familie(n)mitglieder, bei Patchworkfamilien sind das immer viele, versammeln sich um unsere Tische. Wir brauchen noch ein bisschen, doch es wird schon leichter.

 

Wir haben uns gestern von Herzen und mental darauf eingerichtet, dass heute das feierliche Abschiednehmen eines geliebten Herzensmenschen in London am Programm steht. Gestern brannte eine Kerze bis tief in die Nacht, heute brannte eine weitere den ganzen Tag. Die Blumen auf unseren Tischen waren auch für dich. Du warst bei uns. Wir haben dich gespürt, dein fröhliches Lachen gehört, dein gepfeffertes Verfechten von Wahrheiten, die unseren so nahe sind. Haben dich als Kind gespürt, das aus Berlin flüchten musste. Als Jugendliche, die aus Bardolino nach London floh. Wir haben dich gespürt in deiner Zeit in London, dein offenes Herz, deine Liebe zu jungen Menschen, zu Hilfesuchenden. Wir haben an deine Kinder und Kindeskinder gedacht, denen heute noch einmal das Herz besonders schwer ist. An deine Freundinnen und Freunde am Kontinent und auf deiner Insel. Du wirst uns so fehlen. Danke, dass wir dich noch einmal sehen, dich spüren und mit dir lachen konnten. Du lebst in unseren Herzen weiter. Fare well, we’ll meet again ❤

 

Alles Gute zum Geburtstag, mein Liebster! Danke all jenen, die es geschafft haben, trotz Urlaub, trotz Hitze, trotz Sommerferien. Sorry all jenen, die auf den Fotos nicht sichtbar sind – die Kamera ist derzeit so sehr Nebensache, die Gespräche und Begegnungen mit euch sind uns viel wichtiger. Danke für das wundervolle schottische Konzert, die Jamsession im schummrigen Wintergarten, ihr seid einfach nur berührend. Danke für all die Pflanzen, sie bekommen eure Namen und gute Plätze. Es ist neu, dass wir den 12. August im Lande verbringen. Und es ist schön, im August hier zu sein. Die heutige evangelische Messe am Wörthersee war eine einzige Bereicherung, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal freiwillig einem Gottesdienst lauschte. Heute hat es auf so vielen Ebenen gepasst.

 

learning by doing

Langsam finde ich zurück in meine Welt des Handwerks. Unser Jüngster entschleunigt unser Leben mit einer Sommergrippe. Wir wären sonst sicher unterwegs, von einem See zum nächsten. Die derzeitigen Hitzespitzen in meiner kühlen Werkstatt zu verbringen ist auch nicht die schlechteste Idee. Also filze ich wieder vor mich hin.

Geholfen haben mir sicher meine Freundinnen in unserer offenen Puppenmacherpraxisgruppe. Wir tauschen uns aus, ich erfahre viel Neues aus der Praxis jeder Einzelnen. Sommer auf der Terasse, was für ein Genuss. Zwei Kinder plantschen und quietschen im Pool, eine Teenie modelliert interessiert mit und bekommt ein paar Handgriffe gezeigt. Wir geben einander unser Teilwissen weiter, logisch. Hemma war im Sommer bei einem Gathering von Profis in Holland und zeigt und erzählt von Handgriffen, Ticks und Tipps. Ich lechze danach, in so ein Feld einzutauchen, mich mit anderen Frauen anderer Kulturen auszutauschen – und ja, auch heuer waren es Frauen, die lehrten.

 

Es ist eine Sache, sich durch die vielen Tutorials zu arbeiten, die Fotos zu bestaunen, Bücher zu lesen. Davon bekomme ich jedes Mal massives, belebendes Herzklopfen. Und es ist eine ganz andere Sache, das Material in die Hand zu nehmen und anzufangen. Und dann wieder Rat suchend über den Tutorials zu hocken, zwanzig Mal die Pausetaste zu drücken, um den so einfach aussehenden Handgriff zu lernen. Und nein, das ist nicht immer lustig, manchmal tut ein Wutspaziergang durch den Garten gut.

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Vorgestern ging mir ein weiterer Knopf beim Modellieren mit Filz auf. Oft genug sind es kleine und größere Fehler, die zumindest bei mir großes Erschrecken auslösen. Ma, das ging doch schon so gut, warum passiert das jetzt, das wird nix mit diesem Kopf, die ganze Puppe wird nix werden. Und so weiter und so fort. Um dann mit ein wenig Abstand draufzukommen – ja hey, da ist ja ein ganz neuer Gesichtszug entstanden! Wenn die Augenlinie auf diese Art und Weise „falsch“ verläuft, dass der Gesichtsausdruck eben nicht mehr neutral sondern eindeutiger wird, dann ist das ein Lernen. Wenn das Kinn zu weit hinten angesetzt wurde, fliehend wird, dann macht auch das was mit dem ganzen Kopf.  Und so ist das mit den Augen, der Stirn, der Nase, dem Mund, den Augen, mit den Proportionen insgesamt. Ich schaue mir zur Zeit sehr genau Profile und Gesichtszüge von Menschen an. Wie unterschiedlich wir doch sind! Kein Gesicht ist wie das andere, da ist eine ganz eigene Harmonie oder auch Disharmonie in den Formen, Linien und Strukturen, die sich im restlichen Körper fortsetzt. Ganz abgesehen davon, dass kindliche Proportionen ganz anders sind als die Erwachsener – und auch da gibt es keine fixen Dinge. Äußerst interessant.

Das Machen und Gestalten von Puppen ist eine Tradition, die in Österreich kaum (noch) gelebt wird. In den Kindergärten und Schulen nach Rudolf Steiner gibt es ausgezeichnete Expertinnen. Online folge ich einigen, die mit diesem Basiswissen weiter arbeiten und Puppen nach Waldorfart machen. Und praktisch freue ich mich im Herbst auf eine Zusammenarbeit mit einer dieser Lehrerinnen. Doch die Palette ist viel, viel breiter. Und das zu erforschen wird mich vermutlich die nächsten Jahre beschäftigen. Drahtgestelle mit anmodellierten Filzwesen spuken schon geraume Zeit in meinem Kopf herum. Fix am Plan ist dieses Jahr im Herbst ein Projekt mit Handpuppen und Kindern und Schreibwerkstatt, auf das ich mich persönlich sehr freue, weil ich nicht genau abschätzen kann, wohin dieser Weg führt. Und ebenso werden wir mit Erwachsenen beginnen, sehr einfache Wesen in Workshops selbst herzustellen. Basiswissen plus Eigenes. Plus Upcycling. Plus Begeisterung beim Tun. Mensch kommt sich selbst beim Herstellen eines menschenähnlichen Wesens sehr nahe – bei jeder Puppe ein bisschen mehr.

Elfen und Finley

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Dieses Wesen hier hat mich nun ein paar Tage beschäftigt. Eigentlich sollte Er eine Sie werden. Schon wieder. Das Herstellen von diesen Wesen ist weniger eine Sache des Wollens. Obwohl so viel Wolle eine Rolle spielt, harrharr. Es ist eher eine – keine Ahnung, welche Sache eigentlich? Intuition? Herz? Kind? Wesensanteil? Eigentlich eh vollkommen egal. Ich habs schon geahnt, dass die Haare dieses Mal wieder kupferrot werden könnten. Die Mohairwolle von Dolly Mo ist eine feine Sache. Und ich hätte noch gerne Grün-, Rosa- und Blautöne. Schottland, wir kommen! Ich bin das erste Mal richtig zufrieden mit dem Profil. Es darf noch ausgeprägter werden – aber der Weg stimmt jetzt. Danke #figandme für deine superfeinen Tipps. Die Augenform verändert sich, auch eine interessante Sache, die beim Machen entsteht. Oder die mir eingeflüstert wird.

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Sind Elfen androgyne Wesen? Ich hab auch dieses hier eingehend und immer wieder befragt. Und es kam nur Gekicher, Augenrollen und vergnügtes Schenkelklopfen. Wenn ich es richtig deute, dann SIND sie einfach, diese Wesen. Nicht menschlich einordenbar. Das ist neu für mich. Finley heißt der Elf. Sagt er/sie/es. Na gut. Dann eben Finley. Schön dass du da bist.

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Eigentlich wollten wir ja ausgiebig fotografieren. Aber. Finley. Kraxelte. Auf. Bäume. Und blödelte und kasperte in einer Tour. Wollte lieber über den Zaun klettern, statt sich ausgiebig bewundern zu lassen. Er hat es geschafft, das weit entfernte Gewitter so schnell näher zu ziehen, dass wir statt zu fotografieren zur Wäschespinne rennen mussten, um die halbwegs trockenen Sachen auch halbwegs trocken ins Haus zu bekommen. Tja, nun kennst du also auch Regen. Und in feuchter Wäsche neben dem Fotoapparat durchgeschüttelt zu werden. Kaum waren wir herinnen, war auch der Regenguss vorbei. Kerl. Süßer Kerl. Mit einer Menge Temperament und Durchsetzungskraft.

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#tdz18 Gegenwart und Zukunft

Ja, wir waren da. Michaela und ich, mit unserem Puppenprojekt. Bei den Tagen der Zukunft 2018 in Arnoldstein vom Institut für Zukunftskompetenzen. Mit genialen Coaches und Expertinnen und Experten aus dem Alltag, empathisch, klug, erfahren und mit der Fähigkeit, zuzuhören.

Wenn ich gedanklich in einem Projekt drinstecke, mit anderen drüber rede, in der Werkstatt sitze und darüber nachdenke und versuche, die nächsten Schritte zu sehen, dann ist das eine Möglichkeit. Gruppe ist die andere. Es bedeutet, sich zu zeigen, sich zu öffnen. Draufzukommen, holla, wir haben uns eine Sprache angeeignet, die andere nicht mehr verstehen, weil sie in einer anderen Realität leben. Ich sehe manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht (mehr), das Naheliegende wird unsichtbar und ist oft genug die perfekte Lösung. Wir haben Zeit, auszuformulieren, was uns wichtig ist. Nachzufragen, was das Gegenüber nicht versteht. Oder, wie es Maria Maunz-Ranacher mit uns machte, eine papierene Struktur füllen. Die relativ schnell sichtbar macht, wo wir schon gut unterwegs sind. Und wo wir es noch nicht geschafft haben, hinzuschauen. Wir sind gut unterwegs. Schon die ganze Zeit. Aus dem kreativen Chaos der Ideen zu diesem Projekt ist eine derzeitige Struktur geworden, wo sogar chronologisch Schritte ablesbar sind. Keine der Ideen ist weg, sie sind logisch geordnet. Als speziell meine Formulierungen für den Pitch begannen, sehr hölzern und unlebendig zu werden, erinnerte ich mich an Maria’s Angebot zur Bewegung. Gott sei Dank. Bewegt und mit Frischluft außerhalb der Seminarräume gings leicht und fröhlich weiter. Seit letztem Donnerstag Abend ist für die nächste überschaubare Phase klar, wofür  der Prozess des Herstellens von Puppen und anderer Wesen steht. Wohin er führt. An wen wir uns mit diesem Angebot wenden. Wer sich mit uns vernetzen kann, damit das Angebot noch mehr vom Umfeld abdeckt und dem Weg auch andere Ziele gibt. Und dass die Herstellung einer Puppe keineswegs die kindische Sache ist, die ich immer wieder befürchte. Und Danke all den „Hummeln“, die kurz bei uns blieben und ihre Ideen da ließen, bevor sie zur nächsten Gruppe weiter zogen und dort ihre Impulse fallen ließen. Ihr ward immer genau am Punkt mit euren Wahrnehmungen, das war sehr hilfreich.

Überall, in allen 12 Projekten, wurde intensiv gearbeitet. Und wir hatten, wie immer zum Abschluss der Tage, am Ende eine Minute Zeit, unser Projekt zu präsentieren. Nein, ich mag dieses Pitchen, wie das neudeutsch genannt wird, überhaupt nicht. Und – es hat mir, wie immer, geholfen, eine sehr einfache Sprache zu finden und Menschen damit zu erreichen.

Danke, liebes Dreamteam rund um Harald und Cornelia, dass ihr dieses Schenken, dieses Geben und Nehmen möglich macht. Dass jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer durchgehend das Gefühl hatte, willkommen und wichtig zu sein. Danke all den Coaches, die sich jedes Jahr zur Verfügung stellen. Einfach so. Danke den Mitarbeitern der Gemeinde Arnoldstein und dem Burgherrn, der ununterbrochen für uns alle da war.  Und Danke Marco für das Foto von mir beim Pitch, nichts ist unmöglich mit Freunden! Mögen all die Projekte, die ich heuer gehört habe, blühen und gedeihen und andere anstecken, ihre Träume und Herzensangelegenheiten zum Wohle unseres Planeten und der Kinder dieser Gesellschaft, die nach uns hier leben wollen, zu verwirklichen.

 

 

Elfen und andere Spitzohren

Morgen fahre ich mit der Idee für ein internationales Puppenprojekt zu den drei Tagen der Zukunft nach Arnoldstein. Bin ein wenig bang, ob ich gut genug vorbereitet bin. Und übe mich in zähneknirschender Gelassenheit, dass unser Drucker mal wieder keine Nachfüllpatrone aus dem Fachhandel erkennt und ich mir nicht einmal mein vorbereitetes paper ausdrucken kann. Mal sehen, ob es mit Google-Drive und Smartphone klappt. Wenigstens spare ich so Papier und Druckertinte. Ich möchte dieses Mal im Auto schlafen. Ausprobieren, wie das ist, welche Seen zum morgendlichen Baden ich finde, ein bisschen vom Gailtal kennen lernen. Es wird sich heraus stellen ob ich es schaffe, ein bissel was auf Instagram zu posten.

Auch wenn in den letzten Wochen vor lauter Papierkram und intensivem Nach- und Vorausdenken kaum Zeit für eine neue Figur war, ist sie heute fertig geworden. Geplant war eine Elfe. Prinzessinnenhaft. Mit grünen Locken, spitzen Ohren, dem üblichen Schalk im Nacken. Geworden ists ein Arthur. Tja, so gehts Puppenmacherinnen. Diese Wesen entwickeln in sehr kurzer Zeit ein Eigenleben. Spätestens, wenn das Gesicht dran ist. Und es ist zu spät für eigene Befindlichkeiten, wenn die Puppe Augen bekommt und mir bei jedem Handgriff zusieht. Ab da übernimmt sie die Regie.

Die grünen Locken habe ich wieder eingepackt. Habe sie voll Vorfreude via Internet bestellt. Und stelle fest, mit diesem extrem verfilzten Material (ob das beim Färben passiert?)  kann ich vielleicht einen flotten Wintermantelkragen filzen. Aber sicher keine Perücke mit weichen Locken nähen. Gott sei Dank hat unsere Lehrerin in Holland gutes Material. Und Gott sei Dank lassen sich die Schafe scheren. Sie hat einen Bauern gefunden, der sie mit wunderbarem Material versorgt, dass sie dann verarbeitet und in die Community weiter verkauft. Die nächste Puppe bekommt dann holländische Schafslocken. Auch da habe ich noch viel, viel zu lernen. Mohair und häkeln hat sich bei Arthur allerdings mehr als ausgezahlt, erist ein fescher Elf geworden. Meine ersten (Elfen)-Ohren verschwanden unter dem Lockengemenge, jetzt ragen die spitzinge Dinger klein und fein hervor. Und Sami, unser Spitzohrsami, sagt, das sei eine richtige Elfe. Also ein Elfenmann. Und wenn er das sagt, dann wird das schon stimmen.

 

 

 

Kindertheater

Die Idee lässt mich einfach nicht los. Kindertheater. Marionetten selbst machen. Figuren grundsätzlich selbst machen. Der erste Prototyp einer drei- bzw. bei Bedarf vierfädigen Marionette hängt bereits herum, begeistert mich vom Aussehen wenig. Doch ein bisschen zu brav für unsere quirligen jungen Menschen. Ist in der Herstellung zu aufwändig für Kinderfinger, das müsste viel einfacher machbar sein. MIR macht die Herstellung Spaß. Sami war nur beim Filzen dabei, danach wurde es zu kompliziert für seine Finger.

Weil grad ein bisschen zu wenig Zeit ist zum Herumprobieren und Tun, träum ich von Pappmaché mit Kleister und selber leichte Figuren modellieren. Anleitungen und Tutorials hab ich mir schon angesehen. Das wird was für den Sommer, wenn es wieder warm ist und wir im Garten arbeiten können. Jetzt ists mir draußen ein bisschen zu nass. Mal sehen, was unsere Englandreise da an Inspiration zu bieten hat.

Mein Ex-Mann ist übrigens seit Monaten in Mexico. Und erzählt mir, dass es dort ebenfalls ein geniales Puppenmuseum mit alten, handgefertigten Puppen gibt. Mal sehen, was er da an Material mitbringen wird, bin schon sehr gespannt.

Als ich heute mit Amira und Samuel fantasiere und mit Händen und Füßen rede und tüftle und rede und mir die Kinder zeichnend zeigen, wo es lang geht, wird mir klar, dass es um Handpuppen gehen wird. Handpuppen, in die sie mit drei Fingern hinein schlüpfen können. Amira kennt keine Marionetten. Wir schauen uns im Internet ein paar Fotos an, ihre sonst überschäumende Begeisterung hält sich in Grenzen. Dat kannste knicken, liebe Lisa. Mal sehen, was wir aus alten Socken zusammenbringen. Ideen hab ich schon wieder massig…

Jedenfalls nimmt die Geschichte mit dem König Dagobert (hieß der nicht mal ganz anders?!) und seiner jetzt doch nicht an einer schweren Erkrankung verstorbenen Frau, die eigentlich seine Schwester ist, Formen an. Zu den vier Hauptfiguren, ihr erinnert euch, die guten Zwei, Jamie und Olivia, die bösen Zwei, Katzenplotz und Hotzenplotz, kommen jetzt zwei niedliche Hauskatzen dazu. Mir ist ihre Funktion noch vollkommen unklar, aber bin ich die Regisseurin? Nein. Ich frage nur. Und schreibe folgsam mit. Ein Regenbogen ist aufgetaucht, der auch irgendeine Wichtigkeit hat. Ahja, und eine Katze, die in einen Hügel gräbt, der mit Wasser gefüllt ist und deshalb erbärmlich und blubbernd um Hilfe miaut.

Fortsetzung folgt…

Cats and Dolls

Manche Tage sind schon besonders. Als ich heute Morgen schweren Kopfes aufwache, wohl wissend, ich muss die Mitschrift der letzten zwei Tage reinschreiben, damit irgendwas von all der Projekt- und Zeitmanagementtheorie verfügbar bleibt, hocke ich mich sofort vor den PC. Der Morgen graut gerade. Und danach – gebe ich mir frei. Kein Projekt heute, ein Tag ohne PC, mehr oder weniger. Das muss nach all dem tagelangen Aufsetzen und Schreiben von einem (!) Projektantrag drinnen sein.

Gesagt, getan. Prof. Dr. Gerald Hüther rät uns, die Puppen vor allem mit und für Kinder herzustellen. Und er meint damit Puppentheater. Solche Ideen, auf dich ich selber nie kommen würde, greife ich sofort auf. Und bevor wir uns beim Fest der Freude in Klagenfurt mit vielen Kindern darüber hermachen, übe ich ein bisschen im Vorfeld. Sami ist begeistert. Innerhalb von zehn Minuten steht ein supergeniales Drehbuch, gemindmappt und geclustert auf meinem Schmierzettel. Opa Alexander fabuliert heiter mit, wir haben eine Riesengaude. Die Geschichte ist mit so viel tagesaktuellem und politischem Bezug, dass mir zwischendurch die Spucke weg bleibt. Unsere Kinder bekommen viel mehr mit, als wir denken. Nur so viel: ein König und seine Königin und ein Reich voller guter und böser Katzen. Ganz sicher wird es Updates hier geben.

Apropos Katzen. Dieses Thema beschäftigt uns seit heute Mittag. Da wuselt ein aufgeregter Achtjähriger daher, eine Katze im Schlepptau. Aber nicht irgendeine Katze. Eine echte Grumpy Cat. Vorbiss. Lange Haare. Hellgrüne Augen. Perserin oder Angora, ich kenn mich da nicht so gut aus. Was aber das Wildeste ist: sie ist bis auf Kopf und Schweif komplett geschoren. Voller Zecken. Jammernd und wehklagend. Sieht mehr wie ein Pudel aus mit ihren bis zu den Pfoten rasierten und dann als Patscherl übrig gelassenen Haaren. So wie sich diese Katze an uns ranschmeißt ist mir relativ schnell klar, dass das eine ausgesetzte Katze ist. Vielleicht hängt es mit dem schwarzen Jeep zusammen, den ich um sieben Uhr herumfahren sah. Vielleicht auch nicht. Irgendwann sagt Sami, beim verlassenen Nachbarhaus im Stroh sei auch Futter. Futter?! Ja, ein Sack stehe da herum. Er saust rüber, kommt mit einem ganzen und einem fast leeren Sack Whiskas daher. Und einer Colaflasche voll Wasser. Am Ende stellt sich heraus, dass auch zwei Schüsseln dabei stehen. Irgendjemand hat sich wenigstens Mühe gemacht, dass das Tier ein paar Tage überlebt.

Während Sami und ich nadelfilzen und die ersten Marionettenkörper testweise und teilweise herstellen – hach, der junge Mann ist unverletzt – begutachtet Klein-Leonie (so muss sie heißen, Sami hat gewählt) das Gelände. Unsere Altkatze ist beleidigt. Nach dem Tod ihres Bruders war sie ein halbes Jahr die Solokatze hier am Hof. Nun kann sie sich wieder mit einer jungen, frechen und in allen Tonlagen knurrenden und jammernden Göre herumärgern. Sie taucht den restlichen Tag nicht mehr auf.

Mal sehen, ob Leonie bleiben darf oder ob sie wer sucht oder sie zu sehr ins Revier der Seniorkatze eindringt. Das werden die nächsten Tage zeigen. Im übrigen: das Wochenthema für unsere Foto-Challenge #derraum365 ist, tadaaaa, #cat 😀

 

Schneckenkinder und der Frühling

Ich muss dauernd hinaus ins Licht, in die Sonne, in den Wald, an die frische Luft. Dankbarkeit ohne Ende, dass es warm wird, dass die Zeit im Haus vorbei ist.

Bei einem dieser Kameraausflüge runter zur Gurk fielen mir die vielen leeren Schneckenhäuser auf, die auf der Erde lagen. Schneckenfriedhöfe? Ich weiß es nicht. Liebste Hemma, ich hab uns hier einen link gefunden, der einige offene Fragen beantwortet 😀 Bei meinem nächsten Spaziergang schlüpfte ich in wasserdichte Winterschuhe, und mit Mann und Kind und Kübel rückten wir aus, um diese Schönheiten einzusammeln. Die schönen, zarten Gebilde in sehr unterschiedlichen Größen und Farbschattierungen dürften zum größten Teil Weinbergschnecken sein. Einige hatten noch Reste der Winterverdeckelung aus Kalk, sehr spannend. Wie wenig wir doch über unsere Tiergeschwister wissen. Was übrigens erklärt, warum unsere Nacktschneckenplage sich in Grenzen hält. Angeblich frisst die Weinbergschnecke die Gelege der spanischen Nacktschnecke. Unsere Hühner haben diesem Gleichgewicht vor ein paar Jahren mächtig zugesetzt, weil sie die Gehäuseschnecken mit Begeisterung verspeisten. Inzwischen dürfte sich der Bestand wieder erholt haben. Und übrigens: die Brunnenkresse ist da! Jihaaa!

Es dauerte eine Weile, bis alle Häuschen unter dem Wasserstrahl gereinigt, gespült, geschrubbt und auch wieder getrocknet waren. Im Kopf hatte ich schon Bilder von kleinen Wesen, die im Schneckenhaus leben, noch schlafen, neugierig heraus blinzeln. Handwerklich wollte ich filzend an die Lösung der Herausforderung heran kommen. Und als gestern Hemma für unseren Puppenpraxiskurs mit ihren halbfertigen Puppen auftauchte war klar, jetzt sind sie dran, die Schneckenkinder. Hemma hatte die gute Idee, dass sie ihre Häuschen auch am Rücken tragen können. Die wunderbar gefärbten Walkstrickreste der Friesacher Firma Boos sind perfekt geeignet für die kleinen Schneckenoveralls, die zu entwickeln waren. Und für die langen Zipfelmützen. Ich werde heute noch ein wenig mit Maria’s Dekoblüten und anderen Resten herumjonglieren. Und möglicherweise entstehen neue Schneckenhausreiche – ich werde einige Bilder im Kopf umsetzen. Draußen, auf der Sonnenterrasse. Neben den Goldfischen, die durchs getaute Wasser schießen und sich wie durch Magie nur um ein oder zwei Fischchen pro Jahr vermehren. Vorgestern schwamm übrigens Frau Kröte mit den Goldfischen im Kreis. Was bedeutet, dass unser Terrassenbiotop bald wieder voll ist mit kleinen Kaulquappen, die sich über das Fischfutter hermachen.

Schönen Sonntag rundherum!