Abkühlung. Oder?

28 Grad. Eigentlich ist das Abkühlung. Wir messen 38 Grad, als wir vor ein paar Tagen unterwegs sind. Die Luftfeuchtigkeit ist nach den Gewittern der letzten Tage hoch. Hochsommer wie früher, würde ich sagen. Wir hier atmen erleichtert durch. Eine volle 32. Kalenderwoche liegt hinter mir. Ich nehme dich wieder mit.

Wochenrückblick KW 32

  1. Handpuppen in der Frauengruppe
  2. Sommer und Urlaub
  3. Ein Loop schließt sich
  4. Fleisch und eine Lektion
  5. Cosmea und mein Vater
  6. Sommer und Social Media
  7. Motivation, um weiter zu tun

Handpuppen in der Frauengruppe

Seit 2019 suche ich Gruppen, in denen vor Ort Figuren, Puppen und Skulpturen gemacht werden. Es sieht so aus, als hätte ich nach sieben Jahren die erste und einzige gefunden. Was ich am Wochenende in der „Villa Marienheim“ in der Künstlerstadt Gmünd erlebe, ist die Erfüllung meiner Träume als Puppenmacherin. Eine Kleingruppe. Tolle Anleitung einer erfahrenen Frau. Ein erfrischendes und fantasievolles Thema für ein Wochenende. Pappmaché. Ton. Und ganz viel Lachen, Lernen und Ausprobieren.

Ich baue eine Apfel-Buchhalterin. Haha. Ausgerechnet ich. Die, die Buchhaltung liebt. Ich habe Lust darauf, mich mit dem Buchhaltungsthema auf meine Art auseinander zu setzen. Sowohl diese Figur, als auch die „Villa Marienheim“ sind etwas, worüber ich einen eigenen Blogbeitrag schreiben werde. Demnächst auf der neuen Website.

Matilda. Sie weiß alles über ihre Äpfel an den Apfelbäumen. Weil sie Buch führt. Listen erstellt. Und dir gaaanz genau auf die Finger schaut, wenn du ihr im Garten hilfst.

Sommer und Urlaub

Auf den Straßen hat sich das Bild verändert. Die Blechlawine rollt nicht mehr nur nach Süden. Sondern sie rollt nach Süden u n d nach Norden. Tag und Nacht. Wir nutzen unsere Landesstraßen, weil der Stress auf der Autobahn viel zu viel ist.

Ich habe sowieso das Gefühl, mit meinem Auto gerade an in einem sechsspurigem Kreisverkehr im Kreis zu fahren. Und die Ausfahrt nicht zu finden. Sechs (!) Wege funkeln und verlocken zum Weitergehen. Ich bin ehrlich unschlüssig, ob ich wie früher einfach jenen im Sturm erobern soll, bei mein Herz am wildesten klopft. Oder doch warte. Oder gar keinen nehme?

Zu meiner Vision passen alle Ausfahrten. Ich erzähle meinem Liebsten davon. „Was, wenn du den restlichen Sommer dazu nutzt, einfach alle sechs auszuprobieren und mit ihnen noch ausgiebig zu spielen und sie auszuprobieren?“, fragt der Klügste von allen. Das war genau die Antwort, die meinen inneren Stress verpuffen lässt. Spielen, ausprobieren und dann im Oktober weitersehen.

Karl Valentin. Er hatte so oft so recht. Hängt in der Küche der Villa Marienheim in Gmünd. Könnte nicht mehr stimmen.

Ein Loop schließt sich

Als mein Vater vor drei Jahrzehnten vorschlägt, ich solle nach Gmünd ziehen, lehne ich bestimmt ab. Nun, als Queenager, Spätzünderin und endlich auf dem in mir angelegten Weg, sehe ich die Vorteile, in so einem Künstlerumfeld zu leben. Jetzt nutze ich das sehr bewusst und bin einigermaßen erstaunt, dass mein Vater so hellsichtig war. Wie gern ich ihm das in unserer gemeinsamen Zeit gesagt hätte…

Schon bei meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin vor ein paar Jahren empfinde ich herzklopfend, dass es mich in dieses Feld des Theaterspiels mit Puppen zieht. Die Ausbildung war ein Hineingustieren in die Möglichkeiten, ein Kratzen an der Oberfläche, um einen Überblick zu bekommen. Mittlerweile bekomme ich das Wissen im Kopf mehr in den Körper. Jeux Dramatiques mit einer erfahrenen Übungsgruppe. Jetzt lerne ich auch noch eine begnadete Puppenspielerin und Puppenbauerin kennen. Allein, wie sie die Figuren angreift, führt und ihre jeweiligen Geschichten erzählt, ist zum Hinknien berührend. So wenig ist nötig, um beim zuschauenden Menschen Gefühle zu erzeugen. Ich zeige ihr zwei meiner aktuellen Figuren. Und sie sagt, dass man sie spielen könnte. Sie haben genug Charakter.

Der alte Traum erwacht wieder zum Leben. Leicht ist genau nichts beim Spiel mit Handpuppen. Persönlich scheitere ich gerade auf ganzer Linie. Hier wird nichts erzählt, hier wird gespielt. Und angedeutet. Ich habe wackelige Knie, das ist sowas von neu für mich. Von der höchst motivierten und ein bisschen erfahrenen Puppenmacherin nun also zur Puppenspielerin. Ich werde berichten.

Matilda nascht offensichtlich von den Keksen, wenn keiner hinschaut…

Fleisch und eine Lektion

Wir essen seit Monaten so gut wie kein Fleisch. Das Angebot an Ersatzprodukten aus Erbsen, Hafer oder Soja wird immer besser. Fleisch schmeckt auch nur, wenn es gut gewürzt ist. Das genau Gleiche gilt für vegetarisch-vegane Produkte.

Und was mache ich?

Wir sind eingeladen. Zum Grillen. Und klar esse ich mit, worauf wir eingeladen sind und was köstlich duftet und wunderbar schmeckt. Wir verbringen einen sehr erfreulichen und schönen Nachmittag im familiären Kreis und es scheint, dass mein Stoffwechsel das Gegessene ganz gut hinbekommt. Doch etwas ist anders. Ich bin angerührt wegen Kleinigkeiten. Zornig und aufbrausend wegen Nichtigkeiten. Zwei Tage lang nerve ich alle in der Familie. Ob das am Fleisch liegt oder am Sonnensturm, dem Neumond oder dem Wechsel – ich kehre auf alle Fälle freiwillig und gerne zurück in unsere bevorzugte Form der Ernährung.

Paradeiser und Zucchini und Bohnen aus dem Garten. Im Sommer ist der Tisch immer prächtigst gedeckt und die Teller sind rasch leer.

Cosmea und mein Vater

Vor zwei Jahrzehnten ist mein Vater nach kurzer, heftiger Krankheit verstorben. Seine Lieblingsblume war die Bauernblume Cosmea. Er bettelte ihre Samen einer alten Frau im Kärntner Bodental ab, Und seither wächst sie in all unseren Familiengärten. Auch an seiner Gedenkstätte.

Diese Cosmea hat sich heuer ganz besonders prächtig versät. Weil sie alle anderen Pflanzen im kleinen Hochbeet zurückdrängt, entscheide ich: Du darfst gern bei mir wachsen. Aber so geht das nicht weiter.

Meine Intuition, mein Vater oder mein grüner Daumen reden mir zu, die Pflanzen trotz Hitzewelle jetzt sofort aus der ohnehin staubtrockenen Erde zu ziehen und sie umzusetzen. Ein Platz hinter dem Zirkuswagen am Abhang scheint mir der richtige zu sein. Ich setze sie wie Geschwister in zwei große Gruben, baue ihnen ein Gerüst und gieße ein paar Tage ausgiebig. Es geht gut, sie wachsen an!

Als ich am Mittwoch meine Morgenseiten schreibe, fällt mein Blick aus dem Fenster auf diese Blumen meines Vaters. Sie wiegen sich im Wind. Dunkelrosa, hellrosa und weiß. Distelfinken nutzen die langen, elastischen Halme, um besser an die Samen der Kanadischen Goldrute zu kommen, die ebenfalls hier wächst.

Cosmea oder Schmuckkörbchen. Als ob mein sensibler Vater von der anderen Seite des Weges zu mir herein winken würde.

Sommer und Social Media

Ich bin selbst überrascht. Vergangene Woche entsteht kein einziger Linkedin-Beitrag. Die Hitze macht mir zum ersten Mal gesundheitlich zu schaffen. Außerdem habe ich gerade überhaupt nichts berufliches oder privates zu sagen. So viele aus meiner Bubble sind sowieso noch urlaubend unterwegs. Ein paar persönliche Nachrichten gehen immer im Hintergrund hin und her. Mehr nicht.

Rundherum brummt das echte Leben. Reale Treffen. Ausstellungen und Vernissagen. Einladungen. Fantastische Workshops an allen Ecken und Enden. Ein Sechzehnjähriger mit Sommerferien. Besucherinnen und Besucher. Die neue Website. Ich könnte mich echt zerreißen, so viele kulturelle Angebote gibt es gerade. Bevor uns der jährliche Winterschlaf in Südösterreich wieder übermannt und die Rollläden am See überall wieder hochgezogen werden.

Auszeit von Social Media. Und ganz da sein im Moment. Viel zu schnell ist so ein Sommer wieder um.

Motivation, um weiter zu tun

Maren Martschenko fragt in ihrem #reflectandleaarn zusätzlich, was uns motiviert hat, Geplantes zu erledigen. Viele Erledigungen waren das vergangene Woche nicht. Oder doch. Ich habe keinen einzigen der vielen Termine verpasst, vergessen oder verschoben, weil alle in meinem digitalen Kalender eingetragen waren. Also – hat mein Kalender ein Motivationssternchen verdient.

Das zweite Sternchen bekommt meine wunderbare Webdesignerin in Portugal und unser ebenfalls eingetragener und geplanter WochenCall am Freitag. Das Ziel ist klar professionelles Feedback für eine Website und das Ausfassen neuer, abschließender Aufgaben. Doch die Freude am privaten Austausch, am Zuhören und Mitfühlen, überwiegt bei uns beiden eindeutig.

Schließlich war ich vergangene Woche äußerst motiviert, Familienwäsche zu waschen. Ein weiteres Sternchen für die uralte Waschmaschine, die zuverlässig einweicht und auch wieder schleudert. Irgendwann ist trotz Sommer und wenig Kleidungsbedarf Schluss mit sauberer Wäsche. Jetzt sind unsere Laden und Kästen wieder eine Weile gut gefüllt.

Auch Bär und Puppe brauchen einmal einen Waschtag!




Zwischen Güte und Getriebensein

Ich schaue auf die dritte Woche meiner Social-Media-Auszeit zurück. Und bin sowas von dankbar für dieses Selbst-Experiment. Wieviel Zeit plötzlich für andere Dinge bleibt! Ich lade dich ein, schau mit mir gemeinsam zurück auf meine Woche und genieße diesen dritten Auszeit-Wochenrückblick.

Wochenrückblick Kalenderwoche 16

  1. Welche Freiheit habe ich mir gegönnt?
  2. Mit wem fühlte ich mich diese Woche besonders verbunden?
  3. Was war mein größter Erfolg?
  4. Worüber habe ich mich wirklich geärgert?
  5. Was hat mir Energie gegeben?
  6. Was macht mich nachdenklich?
  7. Was hat vergangene Woche überhaupt nicht funktioniert?

Welche Freiheit habe ich mir gegönnt?

Ganz ohne Ängste in die Welt der Zahlen einzutauchen, das gehört für mich mittlerweile zum Leben dazu.

Stell dir vor, du prokrastinierst seit zig Jahrzehnten die gleiche Arbeit. Widerstand. Verzweiflung. Ablehnung. Jahr um Jahr das Selbe. Und der gleiche unglückliche Prozess.

Aber heuer nicht.

Nicht nur trage ich vergangene Woche in einem Rutsch alle Ein- und Ausgaben eines halben Jahres ein und drucke sämtliche Belege aus und hefte sie chronologisch ab. Ich habe auch ausreichend geflucht, weil ich mir immer wieder den Kopf zerbrechen muss, für welche Ausgabe ein Beleg stehen könnte. Ein Jahr später erinnert sich mein zahlenlegasthenes Gehirn schwer daran, welcher berufliche Sinn hinter einer Zahl oder einem Kassenausdruck steht.

Sondern – ich entdecke endlich (!) auch, dass es wenig einfachere Tätigkeiten in meinem Leben gibt, als Zahlen in passende Spalten einzutragen. Weder muss ich mir bei Buchhaltung um ein ganzheitliches und zur Tätigkeit passendes Gesamtkonzept Gedanken machen. Noch frage ich mich bei Zahlen, ob ich empathischer, liebevoller, fordernder mit ihnen umgehen soll. Buchhaltung zählt zur unkreativste Arbeit meiner Laufbahn als Selbstständige. Und genau genommen ist sie die am wenigsten aufwändige.

Und noch eine Freiheit: alles Belege dieses fast neuen Jahres liegen bereits nach Datum geordnet in meiner Ablagemappe und werden kommende Woche in einem weiteren Rutsch eingetragen. Ab Mai mache ich einmal im Monat all die kleinen Eintragung- und Ablegeschritte für den abgelaufenen Monat. Warum ich als Kind von Steuerberatereltern für diese neue Haltung so lange brauchte, weiß ich. Mit 60 Jahren scheine ich dieses Problem überwunden zu haben und atme erleichtert durch.

Mit wem fühlte ich mich diese Woche besonders verbunden?

Papa oder Mama Feuerssalamander im dunklen Reich mit vielen Gängen. Hier sind sie gut geschützt vor räuberischen Katzen und bewegen sich in einem unglaublich langsamen Tempo.

Wenn du in der Stadt lebst, kannst du das vielleicht nicht so gut verstehen. Doch ich lebe seit fünf Jahren den Luxus, in der warmen Jahreszeit der Natur näher zu rücken. Seit vier Jahren wecke ich nach dem Winter meinen Zirkuswagen auf, räume ihn frisch ein und verbringe so viel Zeit als möglich am naturbelassenen Campingplatz unserer Wahl. Der Liebste würde am liebsten noch im urbanen und gemütlichen Winterquartier bleiben. Doch er lässt sich stundenweise von meiner Aufbruchsenergie anstecken.

Fun Fact und Auflösung: vergangenen Montag düsen wir noch einmal zum schwedischen Einkaufsriesen nach Klagenfurt. Du weißt schon, ich habe eine Außenküche gekauft. Und erst beim Auspacken entdeckt, dass sowohl die Spüle als auch die Armatur für den Gartenschlauch fehlen. Die freundliche Beraterin im Möbelhaus stimmt mir zu, dass der Text im Ausstellungsstück nicht hundertprozentig eindeutig ist. Und sucht uns die Bestandteile digital zusammen. Als sie mir nachgelaufen kommt, weil ich bei der gemeinsamen Suche meine Brieftasche (!) bei ihr liegengelassen habe, habe ich das Gefühl: hej, alles ist gut. Ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit war es wert. Und einen gemeinsamen Vormittag zu erleben, das hat uns auch gut getan.

Ich verbringe einen ganzen Tag allein am Platz, um die Küchenelemente zusammen zu bauen. Zum ersten Mal fließt beim Abwaschen Wasser in ein Waschbecken. Keiner muss sich mehr mit zwei klappernden Abwaschschüsseln zum Waschhaus abschleppen. Übrigens: die Familie der Feuersalamander im Wasserschacht hat zwei wunderschöne Kinder bekommen. Amseln, Rotkehlchen und die Gartengrasmücke singen mir Loblieder. Es könnte allerdings auch sein, dass sie den Frühling bejubeln, der nach dem kurzen Regen üppig ausgebrochen ist.

Was war mein größter Erfolg?

Ein Freund, der den Sand bringt.
Ein Liebster, der mithilft.
Werkzeug, das seinem Namen alle Ehre macht.
Wir haben fertig!

Ich habe Ende März davon geträumt, dass wir im April eine Terrasse zwischen unsere Tiny Houses bauen. Vergangene Woche haben wir dafür mehrere wichtige Arbeiten abgeschlossen:

  • warum ich mir ein Atelier am See bauen? ich will am Platz im Sommer zwei oder drei Kurse für Kinder und/oder Erwachsene anbieten – mein See-Atelier mit Terrasse und Zirkuswagen wird nicht direkt am See, sondern 20 Gehminuten vom See entfernt sein – und in diese Vision investiere ich im April alles!
  • der Platz ist ausgemessen: der Liebste berechnet Lärchenholz, die Menge an Stahlschrauben, die ungefähre Menge an Sand und die Menge der Paletten, die wir unterlegen
  • wir schaufeln in einer zweistündigen Aktion händisch zwei Kubikmeter Sand auf den unebenen Platz zwischen den Häusern; ich entdecke, dass ich mit Rechen und Schaufel wesentlich effizienter arbeiten kann als mit der viel zu schweren Schaufel und hui, schon sind wir fertig
  • nun warten wir ab, ob der versprochene Regen das Geschaufelte ausreichend planiert oder ob wir das Gelände noch mit dem Rüttler gerade machen
  • ich träume schon lange davon, verwurzelte Figuren herzustellen – im Sand finden wir wunderschöne Wurzelhölzer von Nachtkerze, Pappel und Ackerschachtelhalm; ich werde sie trocknen und im Laufe des Jahres sehen, ob sie geeignet sind
  • mein süchtiger Social-Media-Konsum ist nur mehr ein entferntes Raunen und wie damals beim Ende des Rauchens eine große Verwunderung
  • als uns unser Freund die Fuhre mit Sand bringt, schenkt er mir auch einen riesigen Wurzelstock mit Schilfgras – Dusche und Außentoilette bekommen heuer einen Sichtschutz

Worüber habe ich mich wirklich geärgert?

Merime ist eine Bienenkönigin, die sich ihrer Würde, ihrer Empathie und Kraft sehr bewusst ist. Entstanden 2020 für ein Theaterstück mit Kindern, das nie zur Aufführung kam. Die Würde ist ihr geblieben.

Ich beschäftige mich noch immer mit alten Märchen. Vergangene Woche habe ich die Möglichkeit, im „Jeux Dramatiques“ tiefer ins Märchen vom „König Drosselbart“ einsteigen. Als Kind höre ich regelmäßig eine Märchenplatte mit diesem Märchen. Als die Husaren mit ihren Pferden die mühsam aufgebaute Keramik am Markt zerdeppern, bin ich inbrünstig der Meinung: geschieht der hochnäsigen Prinzessin ganz recht. Das Leben ist kein Ponyhof, wir müssen uns alle anpassen.

Dieses Mal – mit 60 – packt mich schon beim Zuhören die kalte Wut. Warum muss die verwöhnte Prinzessin den nächsten dahergelaufenen Bettler heiraten, wieso bestimmt der Vater so über sie? Wo ist die Mutter, um ihr zu helfen? Wieso endet dieses Märchen mit der Tatsache, dass sie am Ende glücklich mit dem als Bettler verkleideten König in den Sonnenuntergang reitet? Will sie das überhaupt?!

Missmutig wähle ich im „Jeux Dramatiques“ die Rolle der vier unterschiedlichen Handwerke, die ihr helfen sollen, von ihrem hohen Ross herunter zu kommen. Körbe weben, spinnen, das Haus rein halten und später in der Küche im Schloss des Königs arbeiten. Ich bin voller Widerstand, als ich spiele. Ein Handwerk nach dem anderen muss ich im Spiel der verzweifelten Prinzessin anbieten. Sie pendelt zwischen Weinen um das verlorene Paradies und trotzigem Widerstand gegen das Neue hin und her. Der als Bettler verkleidete König bleibt ruhig, erstaunlich gütig und wachsam an ihrer Seite und arbeitet im Spiel mit mir zusammen, um sie mit ihrem unfreiwilligen neuen Weg vertrauter zu machen. Erst in der abschließenden Gruppen-Reflexion beruhige ich mich, weil im Spiel eine Frau einen so gütigen jungen König spielt, der alles andere in den Hintergrund treten lässt. Jetzt wäre der Zeitpunkt, diese Geschichte neu weiter zu erzählen, darüber sind wir uns einig…

In meiner Rolle als „Handwerk“ lerne ich das Gefühl kennen, dass in solchen Lebensumbrüchen Sicherheit, Liebe und Güte eine wichtigere Rolle spielen als die völlig unbekannte Arbeit mit den Händen. Und dass es für mich ganz schön anstrengend ist, alles gut vorzubereiten, auch auf die Gefahr hin, dass es gar nicht erwünscht ist. Im Spiel tut es mir gut, zu beobachten, was geschieht und mich nicht allzu wichtig zu nehmen. Im Märchen wäre mein Angebot vielleicht nach dem sicheren Ritt in den Sonnenuntergang sinnvoller.

Ich bin immer noch empört, welche Rollen Frauen und Männer in der Zeit der Grimm’schen Märchen einnehmen. Mir ist inzwischen klar, dass Märchen das „Social Media“, das Fernsehen, die Filme oder Bild-Zeitungen unserer Zeit gewesen sein müssen: sie wurden erzählt, gelesen, aufgeführt und ganz bestimmt diskutiert. Es sind Spiegel und Wahrheiten einer alten Zeit. Und gerade jetzt, wo sich so viele wieder ins „alte Normal“ zurückwünschen, in diese EINE Form von Familie, von Mann- oder Frausein, stößt mir dieses Erkennen besonders auf.

Was hat mir Energie gegeben?

Ein kleiner, unscheinbarer Strauch am Hang. Keiner weiß, warum er hier wächst. Aus Knöpfchen werden dichte Büschel aus gelben Blättern. Sie leuchten mir beim Zirkuswagenfenster herein.
  • take action – und zwar freiwillig!
  • wir fahren immer öfter mit dem Zug und entdecken, dass in den letzten Jahren ein Paralleluniversum mit Menschen, Rollkoffern und Rucksäcken entstanden ist, das uns total anspricht
  • Danke an dieser Stelle an die Menschen unserer innerfamiliären nächsten Generation, die uns für neue Mobilitätswege zu begeistern versucht, auch wenn wir im trotzigen Widerstand sind
  • ich finde in einem Newsletter „zufällig“ eine Zwei- Tagesanleitung für eine Zugfahrt mit Nachtfahrt über Zürich und Barcelona nach Lissabon – die Planung für unser Septemberabenteuer per Zug nach Portugal hat begonnen
  • wieder in der Natur leben und den Frühling riechen, spüren und sehen
  • der Regen! endlich bekommt das ausgetrocknete Land wieder Regen – ich atme als Mensch ebenfalls auf!
  • alles draußen machen – kochen, abwaschen, nähen, zeichnen und ausruhen
  • Newsletter lesen, die mich interessieren und jene abbestellen, die ich nicht lese
  • Musik der 70er und 80er Jahre
  • der berührende Film „The Old Oak“ – herzwarme Empfehlung!
  • Video-Telefonate mit meinen Lieben in Portugal und meinem anderen Sohn in Kärnten und der Überraschungsbrunch mit meiner Tochter in Kärnten!
  • das ausgelassene Gelächter in der „Jeux Dramatiques“-Gruppe, als sich jede von uns als höchst an der Prinzessin interessierter Freier mit körperlich sichtbarer Unannehmlichkeit präsentieren muss

Was macht mich nachdenklich?

Hier entsteht aus Schaumstoff, Stoff und giftigem Kleber ein Unikat für eine Theaterproduktion.

Ich arbeite in diesem freien April gemütlich an meinem Klappmauldrachen „Der Muats“ weiter. Mache vieles zwei- oder drei Mal, weil ich aus meinen Fehlern lerne. Arbeite zum ersten Mal intensiv mit Schaumstoff und Kontaktkleber. Als ich eines Abends aus heiterem Himmel eine Magenkolik bekomme, empfiehlt mir der Liebste, ich solle Hafermilch mit einem Schuss Schlagobers trinken. Er kenne diese Magenreaktion von seinen giftigen Holzklebern und das würde ihm helfen. Ich habe eine Stunde lang vergessen, das Fenster zu kippen, als ich flächig Teile aneinanderklebe! Der angefertigte Kakao hilft augenblicklich.

Gemini macht mir bei der nachfolgenden Suche wenig Hoffnung, dass ich ungiftigeren Kleber für mein Arbeitsmaterial finde. Ein Freund lacht herzlich und sagt, andere würden wenigstens high von diesem Geruch! Der Fachmann im Geschäft verkauft mir fürsorglich eine teure Lackiermaske mit Aktivkohlefilter und klärt mich über den richtigen Umgang auf.

Will ich das? Will ich mit so giftigem Material weiterarbeiten? Ich trauere meiner Schafwollzeit hinterher. Wir cool wäre es, solche Klappmaulpuppen aus Schafwolle herzustellen. Ich kann sie mittlerweile locker so formen, wie ich das will. Ich könnte auch Hohlkörper im Nassfilzverfahren herstellen, sie füllen und weiter nadelmodellieren. Aber was mache ich bezüglich ihrer Haltbarkeit? Mein Ältester meint, es gäbe Installationswolle, die mit Salzen bearbeitet wurde, damit keine Motten einfielen.

Hast du eine Idee – zu weniger giftigen Klebern oder gute Haltbarkeitserfahrungen mit Schafwoll-Klappmaulpuppen?

Was hat vergangene Woche überhaupt nicht funktioniert?

Schreiben mit der Hand zählt für mich immer noch zu den wichtigsten Reflexionsmöglichkeiten. Das geeignete Schreibmaterial sind für mich Füllfeder, Bleistift oder Farbstifte.
  • ich komme auch in Woche 3 keinen Schritt mit meiner Website weiter – ich gebe auf und plane sie nächsten Arbeitsmonat in meine Wochenabläufe ein – jetzt ist Erholungszeit
  • ich habe meine neue Füllfeder verloren oder verlegt, also säubere ich den alten Federhalter meines Vaters und befülle sie mit stinknormaler blauer Tinte in der Hoffnung, dass sie nicht mehr so schnell verstopft
  • ich habe wieder eine tolle Episode mit Gemini und staune über das überschwängliche Geschwafel und Gerate, dass sie mir durchaus logisch vermittelt – nur stimmt es halt überhaupt nicht, was sie sich ausdenkt; sie sieht ihren Fehler schnell ein, entschuldigt sich freundlich und macht genauso schwafelig weiter

Wie war deine Woche?

Und sind dir vielleicht auf Social Media oder Dokumentationen Klappmaulfiguren untergekommen, die nicht aus Schaumstoff oder Styropor geformt wurden? Ich bin aus gutem Grund – siehe hier – dankbar für neue Sichtweisen in den Kommentaren!

Jahresbegleiterinnen 2026

Wir sind mutig. Und ein bisschen kribbelig. Das stellen Korina Dielschneider und ich fest, als wir uns zum letzten Mal Online treffen. Zum letzten Mal? Ohja! Bevor wir uns in echt sehen. Wir starten das Jahr gemeinsam mit sieben anderen Frauen. Ob die Übung gelingt? Davon gibt es hier eine Menge nachzulesen.

Was bisher geschah

Ich erzähle Korina in einem unserer Online-Kennenlern-Gespräche des Jahres 2025 von meinem Wunsch, reisend unterwegs zu sein. Und zu arbeiten. Ich habe viel praktisches und theoretisches Wissen rund um das Anfertigen von Figuren und Puppen gesammelt. Mir macht es große Freude, diese bei uns wenig bekannte Kunstform begreifbar zu machen. Und mein Wissen zu teilen. Ich weiß nach sechs Jahren, dass diese Art von Arbeit uns auch innen berührt. Und mir fehlt schlicht und ergreifend die Kompetenz, innere Prozesse zu begleiten. Ich mache das, was ich gut kann – handwerken. Und suche jemanden, der diesen Prozessen einen gesunden Rahmen gibt.

Im Herbst 2025 treffen wir uns mal wieder auf einen Austausch. Der Sommer war lang. Wir spüren beide unsere Ruhebedürftigkeit. Und einigen uns darauf, Workshop, jetzt? Eher nicht. Wir verschieben das.

Und dann geschieht etwas, das ich leider nicht aufgezeichnet habe. Ich zeige Korina, was ich geplant gehabt hätte. Konjunktiv. Eine Figur aus geschliffenem Flussholz, mit viel Blau und Türkis und Federn und einem Gesicht, das ich vorher gegossen und gestaltet habe. Als ich diese Twig Doll, die Astpuppe, in die Kamera halte, ändert sich die Energie im Zoom-Raum schlagartig. Am Ende des Meetings sind wir beide Feuer und Flamme und entscheiden, das wir in der zweiten Januarwoche einen Workshop für eine Jahresbegleiterin 2026 durchführen. Eveline Bareiß stimmt recht schnell zu, ihre Räume zur Verfügung zu stellen. Wir drucken Postkarten, um zu diesem Neujahrsevent einzuladen. Und vertrauen darauf, dass die richtigen Menschen sich angezogen fühlen und kommen werden.

Es braucht einige Treffen, bevor wir uns darüber klar sind, Korina und ich. Wir laden zu einem Workshop ein, bei dem Kunst und Coaching den Versuch wagen, sich zu verbinden. Wir sind gespannt, wie sich diese neue Workshopreihe entwickelt!

Wir sind ausgebucht!

Es wird Weihnachten. Silvester. Zwei Wochen vor dem geplanten Workshop überlege ich, ob ich auch für die vier Anmeldungen die lange Reise antrete. Oder den Workshop online anbiete für jene, die sich bereits angemeldet haben. Da setzt sich Korina hin und informiert noch einmal ihr ganzes Netzwerk. Und siehe da – wir sind übers Wochenende ausgebucht. Ich packe voller Vorfreude meine Kisten mit passendem Material weiter. Gieße sicherheitshalber deutlich mehr Gesichter, als wir brauchen werden. Grundiere sie in vier Durchgängen in hellen und dunkleren Hauttönen. Nur die Augenpartie bekommt nur weißes Gesso ab. Die Augen werden der Figur die Seele geben und müssen unbedingt selbst gestaltet werden.

Ich schreibe den ganzen geplanten Ablauf für meine Tätigkeiten genau zusammen, wie ich das immer mache. Und füge am Ende Korinas und meinen Plan zusammen. Drucke eine einfache Anleitung für unsere Teilnehmerinnen aus. Dotted Sheets für die Reflexionsrunden. Immer wieder fallen mir Materialien, Werkzeuge und Zubehör, das ich unbedingt und sicherheitshalber einpacke. Ich kenne den Raum überhaupt nicht. Sicher ist sicher.

Gegossene Köpfe. Hier ist noch alles möglich.

Die Vorfreude steigt

Ich trinke seit Tagen keinen koffeinhaltigen Kaffee. Wir gut mir das tut! Ich bestelle mir einen neuen Moleskine-Jahreskalender und mache erste Pläne für das neue Arbeitsjahr. Noch nix Konkretes. Doch auch ich stelle mich auf das neue Jahr ein. Obwohl ich täglich mit Packen beschäftigt bin, habe ich auch am letzten Tag noch ausreichend Arbeit. Ich kann keine einzige Kiste über Nacht ins Auto stellen. Es hat -26 Grad, das würden weder Acrylfarben noch Kleber oder Stifte gut vertragen.

Ob das Auto morgen früh anspringt? Es ist zwar eisig kalt. Doch der Motor schnurrt bald.

Google Maps schwafelt etwas von erhöhtem Verkehrsaufkommen und achteinhalb Stunden Fahrzeit. Ohne Pausen. Mir ist alles recht. Die Nomadin in mir freut sich aufs Unterwegssein. Musik von meiner Lieblingsplattform TIDAL, Dota Kehr begleitet mich eine ganze Weile via Autoradio. Ich tauche in den Hohen Tauern zum ersten Mal in dichte Schneewolken ein. Um München schneit es so stark, dass meine Scheibenwaschanlage bald leer ist. Habe ich vorgesorgt? Natürlich. Wie ein Profi fülle ich Scheibenwasser nach. Und bin am Parkplatz überhaupt nicht alleine mit dieser Arbeit.

Sechs Stunden Fahrzeit und etwa eine Stunde Pause später rufe ich von unterwegs an, weil ich schon fast da bin. Korina und Ralf empfangen mich mit einem warmen Essen. Ich verstaue meine Kisten im Workshopraum von Eveline. Und dann schlafe ich wie eine Königin in meinem feinen Bett im Extrazimmer.

Heidelberg ist jede Reise wert

Korina erfüllt mir den Wunsch, einen Abstecher nach Heidelberg zu machen. Ich habe Schwierigkeiten, mir den Namen zu merken. Es ist nicht die Heidelbeere, sondern Heidelberg. So herum wird ein Schuh draus. Auch Reilingen merke ich mir nur langsam, den bezaubernden kleinen Ort unseres Workshops. Mit der genialsten Töpferei von Eveline. Wie frühlingshaft warm es in dieser Region ist! Und wie schön diese Universitätsstadt ist. Darüber könnte ich einen eigenen Beitrag verfassen. Lieber lasse ich dir hier ein paar Fotos, damit du im Bilde bist.

Lasset die Spiele beginnen

Alle Teilnehmerinnen sind pünktlich da. Wir hüpfen und tanzen, um alle miteinander gut im Raum anzukommen. Der Abend ist herzlich, voller Vorfreude. Unsere Teilnehmerinnen machen sich intensiv Gedanken. Und gestalten im Anschluss sowohl das „Rückgrat“ für ihre Figur, als auch die ersten Körperformen. Sie wählen den grundierten Kopf, der sie am meisten anspricht. Das Materialbuffet wird eingehend betrachtet.

Ein ganzer Tag mit der Jahresbegleiterin

Am nächsten Tag in der Früh machen wir noch einmal ganz klar, wie viel Zeit wir für kreative Prozesse geplant haben. Dass wir eine gemeinsame Mittagspause mit selbstgekochter Suppe verbringen. Und ab wann wir am Nachmittag in die Reflexionsrunden gehen. Es ist so ein Vergnügen, mitzuerleben, wie die Frauen in den kreativen und in den reflektierenden Prozess eintauchen. Immer wieder beantworte ich Fragen zum Handwerk, Korina steht für alles andere zur Verfügung. Und ich sehe voller Begeisterung , wie diese individuellen Wesen entstehen, von denen wir geträumt haben.

Ich fotografiere und filme, so gut ich dazu komme. Der Ofen heizt uns ordentlich ein. Das warme Wetter hat sich verändert, es schneit und regnet vor sich hin. Genau richtig für so einen Samstag am gemeinsamen Arbeitstisch. Ich bekomme von den Gesprächen zwischen den Teilnehmerinnen nur wenig mit. Und entschließe mich, mir das Feedback hinterher und online einzuholen. Alle Figuren erzählen eine Geschichte. Und wenn eine Teilnehmerin Lust hat, kann sie im Laufe des Jahres noch an ihrer Figur weiter arbeiten.

Und wie ist das Feedback der Teilnehmerinnen?

Einige sagen, wie sehr sie es genossen haben, in der Gruppe mit anderen Frauen zu arbeiten. Andere erinnern sich wieder daran, wie gern sie mit den Händen arbeiten. Wir werden sehr bestärkt in unserer Intention, kreatives Handwerk und Austausch zu verbinden.

„Ich bin sehr offen in den Workshop gegangen – und war dann wirklich angenehm überrascht, wie kraftvoll aus Zweigen, Wolle und Stoff eine echte „Jahresbegleiterin“ entstehen kann. In der heimeligen Atmosphäre mit prasselndem Kaminfeuer und wertschätzendem Austausch unter kreativen Frauen ist etwas entstanden, das mich dieses Jahr vermutlich tragen wird.“

Andrea R.

„Ich bin sehr neugierig in das Kurswochenende gestartet. Überrascht darüber, dass eine sich unbekannte Gruppe so schnell zu einem „Gemeinsam“ zusammenwachsen kann. Das war ein Balsam-für-die-Seele Workshop. Dank der wunderbaren Anleitung und Begleitung von Lisa und Korina ist eine mich sehr berührende Puppe entstanden, die mich in meinem Kreativraum schon sehr oft zum Zwiegespräch eingeladen hat.“

Eveline B.

„Ein sehr inspirierender Workshop, bei dem man auch mal von sich selbst überrascht wird.“

Anita F.

„Ich hatte gar keine Erwartungen, sondern war offen. Ich war überrascht, wie begeistert ich vom Prozess und Outcome war. Vertrauensvolle und offene Atmosphäre. Der Workshop hat mein Inneres nach Außen transportiert und wirkt jeden Tag kraftvoll nach.

Susanne S.

Hier werden ganz neue Techniken ausprobiert.

Alle hätten gut und gerne noch ein bisschen mehr Zeit mit uns und ihren Figuren verbracht.
Wir werden sehen. Vielleicht hängen wir das nächste Mal noch einen halben Tag an.

Hättest du Lust, in die Kunst des Puppenmachens einzutauchen? Ich meine das ernst, ich komme gerne, sobald sich eine Mindestteilnehmerzahl Interessierter findet. Sprich mich gerne an und lass uns ein Event in deiner Nähe planen!