Kalenderwoche 23. Und in vierzehn Tagen ist schon Sommersonnenwende. Vergeht deine Zeit heuer auch so schnell? So viel Zeit muss sein. Es ist Sonntag Abend und mein Wochenrückblick entwickelt sich beim Schreiben.
- Was lerne ich gerade?
- Wofür lobe ich mich?
- Was war mein größter Erfolg?
- Wer hat mich inspiriert?
- Was ging langsamer als erwartet?
- Welchen Aspekt meiner Freiheit als Queenager genieße ich?
- Bleibe ich meinem Weg treu?
- Wann war ich zuletzt unbekümmert?
Was lerne ich gerade?
- Squarespace: ich baue an meiner neuen Website – with a big help from family – danke Alayna, kommende Woche geht es weiter!
- Notion: nach einer langen Pause nutze ich dieses Tool wieder mehr und wundere mich, warum ich immer wieder davon abkomme.
- Affinity: Photoshop hat mich mindestens die letzten 25 Jahre begleitet; auf Affinity umzusteigen macht mir zu schaffen, wird aber zunehmend leichter. Übung macht die Meisterin!
- Noch ein Systemwechsel: mit Apple habe ich immer schon geliebäugelt. Jetzt wird die Apfel-Hard- and Software mein Business-Partner – manche Dinge geschehen spontan.
- Wenn ein Familienmitglied ernsthaft erkrankt und Hilfe braucht, kannst du alle gut gemachten Pläne kippen. Sie funktionieren einfach nicht mehr oder ich vergesse Termine und Abmaschungen. Mensch vor Business. Das ist auch mit 60 Jahren so. Eine ganz wichtige Lernkurve für mich…

Wofür lobe ich mich?
Ich habe meine Einkommensteuererklärung 2025 endlich, endlich bei Finanzonline eingegeben. Wenn ich diese Arbeit einmal pro Jahr mache, dann merke ich, wie schnell ich die technische Vorgangsweise des Online-Eingebens jedes Jahr verdränge. Ich schreibe mir zwar immer Schritt für Schritt mit, was ich zu tun habe. Doch dann geschieht das Unausweichliche: minimale Veränderungen verwirren mich total, heuer meine Kennzahl als Künstlerin, dann eine winzigkleine neue Herangehensweise dort. Und ich bekomme Schnappatmung. Das schaff ich nicht. Ich bin zu blöd dafür. Ich hasse Technik. All diese liebevollen Einflüsterer… Ironie Off!
Jedes, wirklich jedes Jahr vergesse ich, am Ende „für die Richtigkeit der Angaben“ das Häkchen zu setzen. Steht einfach in keiner Mitschrift. Rote Maske. Rote Maske!! Drama! Ach so – es geht mal wieder nur ums Häkchen… Heuer habe ich es als Abschlussschritt aufgeschrieben. Mal sehen, ob ich in nächstes Jahr noch weiß, worum es da ging.

Was war mein größter Erfolg?
Ungefähr zur Wochenmitte bemerkte ich, wie ausgebrannt und müde ich gerade bin. Offenbar habe ich mich auch verkühlt, meine Nebenhöhlen sind voll. Ich hätte so viel Lust auf die Entwicklung neuer, fantastischer Figuren. Aber ich habe keine Kraft. Alles geht schwer und langsam und ist erschöpfend. Die Endlichkeit dieses Lebens klopft in Träumen und Schwingungen bei mir an. Die damit verbundenen Gefühle wollen gehört werden. Im Gespräch mit mir selbst stelle ich mich ein weiteres Mal in diesem Leben all diesen Ängsten. Schreibend. Ehrlich und direkt.
Nach so einem Tag setze ich mich am Abend an meine Squarespace-Site und beginne, sie mit Texten und Fotos zu füllen. Macherin, die ich bin, übertreibe ich. Und laufe die nächsten Tage mit einer dicken Bindehautentzündung durch die Gegend. Aber hey, ich verstehe langsam die Struktur dieser neuen Plattform. Die neue Website wird übersichtlicher, freundlich und hell. Ich übernehme wider besseren Wissens aus dem Business-Studium meine schönen alten Grundfarben. Grau und Schwarz, das freut mich einfach nicht. Lass dich überraschen!

Wer hat mich inspiriert?
Kennst du Thorben Schiffer, den Schiffer Tree und Quentin Kupfer? Die beiden arbeiten gemeinsam und intensiv daran, dass wir uns mit der konventionellen Bienenhaltung kritisch auseinandersetzen. Was das mit mir zu tun hat und warum ich die beiden mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln unterstütze, das habe ich in einem Linkedin-Beitrag niedergeschrieben. Du findest ihn hier.

Was ging langsamer als erwartet?
Ich habe hier drei Stabpuppen für ein Puppentheaterprojekt stehen. So sehr ich es auch will, ich komme derzeit nur in kleinen Schritten voran. Papermaché braucht immer wieder Trocknungsphasen, um gut weiter bearbeitet zu werden. Mittlerweile sind alle drei Köpfe mit gefärbtem Gesso grundiert. In der kommenden Woche will ich sie bemalen, ihnen Stoffe an den Hals nähen und ihre Stäbe mit schwarzem Lack streichen. Im Moment häkle ich ihnen Haarperücken.
Klar könnte ich auch durch diese Phasen einfach durchhetzen. Aber ich kenne das schon: wenn ich anfange, mich zu beeilen, dann spüren das meine Kundinnen und Kunden. Und meistens bricht dann etwas oder eine Sache geht vollkommen schief. Alles braucht seine Zeit. Mein Kunde beruhigt mich. Auch er kommt gerade mit der Geschichte für das Stück nicht weiter. Ich bin sehr gespannt, was wir hier gemeinsam erschaffen!

Welchen Aspekt meiner Freiheit als Queenager genieße ich?
Ich nehme mich sehr ernst mit dem Vorhaben, dass mein Atelier Woche für Woche mehr im Zirkuswagen und nicht mehr in der Stadtwohnung ist. Das Ankleiden meiner Regale geht auch langsam voran. Ich bin jeden Tag vor Ort.

Und ich nehme es mindestens so wichtig, im Laufe des Tages immer wieder Pausen einzulegen. Dann setze ich mich mit einem frisch gebrauten Kräutertee auf die Terrasse und höre all den Amseln zu, in deren Reich wir offensichtlich wohnen. Sie werden immer zahmer, bleiben sogar sitzen, wenn ich langsam an ihnen vorbei gehe. Sie sind mindestens so neugierig wie ich und betrachten mich aus glänzenden Knopfaugen.
Als ich beim Einkaufen eine blaue Vogeltränke sehe, nehme ich sie mit. Ich binde eine heranwachsenden Pappel an einen Birkenstock und hänge den tiefen Teller in den entstandenen Bogen. Mal sehen, ob die Vögel das Angebot annehmen, wenn es wieder wärmer und trockener wird.

Bleibe ich meinem Weg treu?
Beim Entwickeln der Texte für die neue Website tauche ich auch tief ins Fotoarchiv der letzten elf Jahre. Und ich komme ins Grübeln. In den Jahren 2020 bis 2023 explodierte ich förmlich vor Ideen für neue Figuren. Ich kümmerte mich überhaupt nicht um Marketing, Office oder Traumkundinnen. Ich forschte und lernte und probierte aus, was möglich war. Nicht einmal eines nach dem anderen, sondern vieles zugleich.
Meine patente Geldwäscherin, Marie van Piepen, fällt mir wieder ein. Himmel, ich wollte doch…
Es mag an dieser überraschenden Care-Zeit im Moment liegen, dass ich diesen Drang gerade nicht in mir spüre. Was ich derzeit mache, ist, alte Tagebücher durchzublättern. Ich weiß, dass ich vergangenen Herbst sehr viel aufgeschrieben habe. Habe ich den roten Faden verloren? Oder bin ich noch auf meinem Weg? Ich habe gerade keine zufriedenstellende Antwort…

Wann war ich zuletzt unbekümmert?
Sehr gute Sonderfrage diese Woche, liebe Maren Martschenko! Im Rahmen des wöchentlichen #reflect&learn kann ich sie gar nicht so einfach beantworten. Wann habe ich zuletzt unbekümmert gelacht und in die Zukunft geträumt? Seit letztem Sonntag und dem Tag auf der Intensivstation mit dem Liebsten eher nicht.
Ein wenig im Fotoarchiv wühlen hilft. Es war am Wochenende davor. Freunde besuchen uns. Und wir staunen über eine Österreich-Torte aus der hiesigen Bäckerei. Sie hat Schichten aus Rot-Weiß-Rot. Aus Teig selbstverständlich. Mit Himbeermarmeladeschichten dazwischen. Sie schmeckt viel besser, als wir uns das vorstellen konnten. Dieser ganze Nachmittag ist unbeschwert und heiter. Gut, sich daran zu erinnern!

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