Dieser Wochenrückblick erscheint zum ersten Mal in diesem Jahr mit einem Tag Verspätung.
Warum das so ist? Das wirst du in einem Abschnitt des Blogbeitrages lesen. Als ich am Samstag meinen handschriftlichen Rückblick zusammenstelle, denke ich noch – naja, keine besonders bewegte Woche.
Doch es kommt schnell anders.
Das Leben spielt mir eine Erfahrung zu, die den angelegten Perfektionismus, das angelernte „Ich-muss-das-unter-allen-umständen-auch-noch-Schaffen“, vor Augen führt. Ausgerechnet an einem Sonntag. Und dann – hält die Welt für einen Moment den Atem an. Und du entscheidest. Aus der alten Kurve auszusteigen. Oder weiterzumachen as usual. Ich hab den Ausstieg aus der alten Schleife gewählt und habe alles getan, um mein Nervensystem zu beruhigen.
Danke Gesundheitssystem!
Wir packen gerade zusammen, um zu einer Veranstaltung nach Villach zu fahren und Freundinnen zu treffen. „Hey Lisa, mir gehts gerade nicht so gut!“ sagt der Liebste. Er atmet ein bisschen schnell. Sein Puls hüpft und schlägt Purzelbäume. Das erkenne sogar ich, mit dem Finger am Puls, die keine Ahnung von Pulsfrequenzen hat. „Ich möchte ins Krankenhaus“, sagt einer, der kaum einen größeren Bogen um diese Orte machen kann. Ich drücke meine aufsteigende Panik weg. Und wir verbringen den Sonntag im Überwachungszimmer der Intensivstation. Und erfahren erst später, dass kein Bett auf den normalen Stationen frei war. Vollmond. Wetterumschwung. Auch am Nachmittag ist noch alles voller besorgter Menschen.
Nun ist er, medikamentengestützt, am Weg der Besserung. Ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich bin über die Freundlichkeit, die Umsicht und die tatkräftige Hilfe im rechten Moment.

Gab es vergangene Woche echte Verbundenheit?
Oh ja, sehr viel davon:
- eine langjährige Freundin besucht mich und wir genießen miteinander die Zeit, die wir uns auf der baumbeschatteten Terrasse schenken
- mein Ältester nimmt mich bei unserem Telefonat via Live-Video mit auf einen Rundgang durch seine neue Werkstatt am Atlantik und durch die Räume, die die wachsende Gemeinschaft herstellen wird
- ein dazukommender junger Mann bedankt sich bei mir für den tollen Sohn, der zu ihnen gekommen ist
- als ich ehrlich zugebe, dass ich diese Woche nicht zu meiner Website komme, fühlt sich die verständnisvolle Antwort (m)einer jungen WebDesignerin an wie eine warme, liebevolle Umarmung
- drei Menschen aus meiner Seelenfamilie schauen bei uns vorbei und wir reden genau dort weiter, wo wir vor einem Jahr aufgehört haben
- der Sprachaustausch mit einer sehr lieben Freundin rettet uns über eine viel zu lange Pause, die berufsbedingt entstanden ist
- ein Online-Workshop zum Thema „Videoproduktion“ bei einer Lehrerin, die meinem Herzen sehr nahe ist, macht mir wieder Mut, Videos zu produzieren

Habe ich neue Ideen geschaffen, statt einfach nur zu funktionieren?
Also spricht Frau Queenager. Muss ich mich perfekt(ionistisch) an das halten, was ich mir ausdenke? Nein. Ich meine, YES! Ich stelle im Tun fest, dass Türen für meine mit Stoff bekleideten Regale eine Schnapsidee sind. Schnapsidee, das ist österreichisch für Humbug, Blödsinn oder Ganz-falsch-Gedacht. Das Öffnen solcher Türen verbraucht viel zu viel Platz. Zwei Meter Vierzig in der Breite inklusive eleganter Durchgang wollen gut geplant sein.
Jetzt habe ich schon Übung. Nach der ersten Umkleidung des ganzen Gestells ist das Nähen einer einfachen Vorderfront eigentlich ein Klacks. Klacks ist österreichisch für „Easy Peasy“. Just saying. Ich nähe rollbare Textilbahnen aus Möbelstoffen. Schneide. Nähe. Schneide noch ein Stück und passe es ein, weil unten einige Zentimeter fehlen. Und fertig. Natürlich vergesse ich Perfektionistin, dass ich Fotos machen soll. Beim nächsten Regal dann. Fingers crossed.
Ich finde bei den getrockneten Schilfhalmen für meine Pflanzen ein ziemlich gerades Stück und schiebe es unten in den Tunnel, den ich extra nähe.
Hier geht es mir zum ersten Mal durch den Kopf: es darf unperfekt sein, was ich mache. Klar könnte ich auch jemanden beauftragen, mir das Ganze fachmännisch aus Holz einzubauen. Mache ich vielleicht auch noch. Irgendwann. Aber jetzt – jetzt ist genau das richtig. Und ich stecke mich mit meiner eigenen Freude des Erschaffens an.
Et voilà! Jetzt tüftle ich an einer intelligenten Lösung für Stoffbahnen, die vom Wagenhimmel hängen und alles verdecken, was sich dahinter versteckt. Wie diese Bambusrollos, die wir früher hatten. Nur schöner. To be continued!

Was habe ich als Schritt am Weg zu einem weit entfernten Ziel gemacht?
Ich liebäugle so sehr damit, meine Kunst filmisch so gut einzufangen, wie ich das als Fotografin kann. Nur ist Video ein ganz anderes Metier. Also buche ich bei meiner Lieblingsfilmlehrerin Julia Gorr einen weiteren Termin, um den roten Faden wieder aufzunehmen, den ich im Herbst vorübergehend ablegte.
Und ich lerne, dass meine Scheu vor der Kamera nicht weggeht, wenn ich dem iPhone handgemachte Augen anklebe. Auch wenn mir dieser Tipp vor zwei Jahren unglaublich geholfen hat, als ich vor allem Angst vor der vielen Technik hatte. Danke bei dieser Gelegenheit Alex de Vito!
Es ist wie damals beim Singen. Ich hatte vor jedem Auftritt so schreckliches Lampenfieber, dass ich die ersten drei Songs stimmlich fast nicht zu erkennen bin. So sehr klemmt alles. Eines Tages kapiere ich es intuitiv: es geht auf der Bühne nicht nur um mich. Nicht um die Perfektion meines Auftritts. Es geht darum, mich herzuschenken. Mich mit den Menschen zu verbinden, die zuhören.
So ist das auch beim Film. Ich filme mich gerade täglich. Zu Themen, die mir wichtig sind. Keines der Videos wird es in die Welt schaffen. Ich lerne noch! Aber lass dir die Details doch von Julia selbst erklären, wenn sie im Herbst das als Workshop anbietet, was wir gerade praktisch ausprobieren.

Ich bin – eine Nomadin
Ich flippe fast aus, als ich irgendwo in den Schlagzeilen lese, dass die österreichische Polizei vor Romni- und Sintiza-Familien warnt, die ihre Dienste anbieten. Es sind ungefähr dreißig Familien unterwegs. Zwei davon machen Schwierigkeiten, sagen die Vertreter im Interview. Wir haben letztes Jahr am Platz eine Gruppe erlebt, die sich nicht einmal traute, einem von uns bei Begegnungen in die Augen zu schauen. Oder gar zu sprechen. Sie waren höflich, distanziert und haben den Platz genau so verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben. Die Angst in den Kinderaugen vergesse ich nie!
Als ich mit einer Freundin über die aktuellen Schlagzeilen und die rassistischen Kommentare unter dem Beitrag rede, erinnert sie mich daran, dass mich das „Sesshaftsein versus Unterwegssein“ schon mein ganzes Leben beschäftigt. Ich bin keine Getriebene. Sondern ich habe das „Unterwegssein“ irgendwo in meinen Genen gespeichert. Vielleicht ist das Unterwegssein als Menschheit sogar archaischer als das Bauen von Einfamilienhäusern, Dörfern und Städten.
Ich habe einfach Glück. Wenn ich immer früher im Jahr in meinen Zirkuswagen ziehe, um dort zu arbeiten, dann passt das zu mir. Dann fühle ich mich angekommen. Im Winter wieder in der Stadtwohnung zu sein hat eine andere Qualität. Ich bleibe beweglich und kann wechseln. Was für ein Luxus!

Habe ich neue Räume kennengelernt?
Danke liebe Maren Martschenko für diese Bonusfrage aus deinem #reflect&learn! Ich kann das begeistert positiv beantworten. Auch ich lerne neben den digitalen Räumen zunehmend wieder analoge Räume kennen. Sie tun mir gut. Und sie tun den Menschen gut, weil wir uns austauschen. Dieses Mal ist es eine britische Frau, die mich zu sich nach Hause einlädt. Sie hat vor zwei Jahren ihren Job als Dolmetscherin an die KI verloren. Sehr frustrierend.
In dieser Krise fällt ihr ein, dass sie seit zwanzig (!) Jahren einen Traum von einem Kinderbuch in sich trägt. Geschichten, die seit zwanzig Jahren darauf warten, erzählt zu werden. Ich freue mich so über ihr Vertrauen, dass ich mich mit der deutschen Übersetzung einer KI auseinander setzen soll und ihr einen österreichischen Stempel verpassen darf.

Und was war auf Social Media los?
Ich spüre in meiner Bubble immer noch, dass Pfingstferien sind. Gönne das all den Menschen, die jetzt vor der Hauptsaison im Süden unterwegs sind oder einfach Pause machen. Das hat mich nicht davon abgehalten, auf meiner Lieblingsplattform zwei Beiträge zu teilen:
- Ob ich biografische Kunstfiguren nur für Frauen mache? Das fragen naturgemäß eher Männer. Meine Antwort darauf liest du hier: https://www.linkedin.com/posts/elisabeth-engel-art_hi-lisa-stellst-du-eigentlich-nur-activity-7464922068439154688-uWS3?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAACM5LKkBOqVNj7GXT_MoPxHgQaO8TY2HQxQ
- Und ob ich wirklich mit 60 einen neuen Garten anlege? Die Antwort darauf ist die hier: https://www.linkedin.com/posts/elisabeth-engel-art_atelierengel-tinygarden-pflanzenmitgeschichte-activity-7465496418527563778-gIYh?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAACM5LKkBOqVNj7GXT_MoPxHgQaO8TY2HQxQ
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