Winterliche Sommerkälte und andere Resonanzen

Als ich ankomme, sehe ich den roten Klatschmohn, der nach den Regengüssen dringend Stütze braucht. Frau Buntspecht fegt mich fast vom Gartenstuhl, als ich auf der Terrasse in IHER Flugschneise sitze. Ich schreibe meinen handschriftlichen Überblick des Wochenrückblicks der KW23. Herr Buntspecht fliegt Sekunden später die selbe Flugroute schon einen Meter höher, bevor er an der Weide landet. Die beiden schönen Vögel rennen den Stamm hinauf und hinunter. Dann fliegen sie weiter.

Und hier spazieren wir zum Wochenrückblick:

  1. Welches Übel stellte sich als Segen heraus?
  2. Wofür lobe ich mich?
  3. Welcher Veränderung begeistert mich gerade?
  4. Gab es freudvolle Momente?
  5. Mit wem fühlte ich mich besonders verbunden?
  6. Wann war Zeit für einen Neuanfang à la Queenager?
  7. Was hat nicht geklappt?
  8. Inwiefern fühle ich mich diese Woche in meinem Weg bestätigt?
  9. 🎁 Wann bin ich zuletzt bewusst dahin gegangen, wo die Angst war?
  10. Ein Plädoyer für praktisches Handarbeiten?


Welches Übel stellte sich als Segen heraus?

Die Kärntner Berge werden letzte Woche vom Winter noch einmal angezuckert. Die Meteorologen kündigen so tiefe Temperaturen an, dass ich Angst um meine Südländerinnen im Garten hatte. Zucchini, Gurke, Tomaten, Paprika, Chillischoten und Basilikum. Ob sie das packen? Ich jedenfalls ziehe freiwillig mit einigen meiner Sachen aus dem Zirkuswagen in die Stadtwohnung, in der sich die Sommerwärme der letzten Wochen gut hält. Und nutze die Zeit, um endlich Kontakte zu pflegen, die schon dringend meiner Aufmerksamkeit bedürfen.

Die bleierne Müdigkeit der letzten Woche vergeht, weil ich ihr meine Aufmerksamkeit schenke. Und weil ich eine Freundin habe, die mir logisch und gut zuredet. Nach all der Aufregung um den Liebsten darf mein Nervensystem und mein Körper sich wieder erholen.

Meine drei Stabpuppen beende ich ebenfalls in der Stadtwohnung. Ich liebe es, wie sie sich entwickelt haben. Jetzt kann ich sie getrost weiterziehen lassen. Du willst mehr darüber lesen? Ich nehme dich dafür mit auf meine Linkedin-Profilseite.

Da hatte Herr KA.I noch keinen Mund, nicht einmal den winzigen, den ich ihm später aufgemalt habe.

Wofür lobe ich mich?

Das wissen nicht viele Menschen von mir. Ich mag telefonieren nicht sonderlich gern. Umso stolzer bin ich auf mich, dass ich diese Woche ganz viele vor mir hergeschobene Telefonate erledige, die es mir ermöglichen, Menschen wieder real zu treffen. Denn dann stimmt für mich alles. Sehen, hören, riechen und fühlen geht bei mir nur persönlich. Sonst spreche ich mit Fragmenten und mir fehlt Wesentliches.

Was magst du mehr, telefonieren? Oder in echt treffen? Oder beides gleichwertig?

Welcher Veränderung begeistert mich gerade?

Der heurige frühe Umzug in den Zirkuswagen (solange die Temperaturen mitspielen, brrr) ist schon ein Meilenstein. Doch auch meine Website zieht um. Zwei Jahre habe ich prokrastiniert, probiert und wieder aufgegeben. Dank meiner liebsten Mediendesignerin Alayna entsteht ein neuer Raum für meine Kunst. Die Räume sind neu angeordnet. Sie werden neu möbliert und es darf noch viel mehr Licht herein. Nur die Farben des frischen Maiskolbens in der Natur, die dürfen von der alten Website auf die neue mitziehen.

Ist es anstrengend? Oh ja. Ich habe immer wieder denkende Knoten im Hirn. Die Geister des veralteten Templates, das ich vor zwei Jahren gekauft habe, die werde ich nicht so leicht los. Es tut so gut, ein professionelles Gegenüber mit praktischer Erfahrung zu haben. Fragen stellen zu können. Antworten abzuwägen und eigene Ideen mitzubringen.

Dieses Wochenende fotografiere ich einen großen Teil jener Figuren neu, die noch bei mir leben. Kein Schwarz und Grau mehr im Hintergrund, nein danke. Es werde Licht!

Sorry für die Qualität, Screenshot für ein Arbeitsvideo! Dafür sehr, sehr real…

Gab es freudvolle Momente?

Überraschend viel echte Kunst begegnet uns. Eigentlich wollen wir nur ein Café und sein Angebot beim Impuls Center Seeboden testen. Ich weiß schon, dass im Stiegenhaus des Centers eine Galerie sein soll. Sie ist tatsächlich schon am Vormittag geöffnet und wir staunen über die spannenden Bilder des Kärntner Malers Gernot Fischer-Kondratovitch. Der Kaffee im Café ist übrigens auch ganz ausgezeichnet!

Dann erinnert uns der Sechzehnjährige, dass die Jahresausstellung der CHS im Villacher Dienzlschloss endet. Und ob wir uns die Werke noch gemeinsam anschauen wollen? Gefragt und gemacht. Wir verbringen eine höchst interessante Zeit mit Werken junger Künstlerinnen und Künstler und sind beeindruckt über die Vielfalt und die Qualität der Schülerarbeiten.

Am Freitag wollen wir eigentlich zu einem feinen Konzert in die Waldarena nach Krumpendorf fahren. Der Veranstalter sagt aus Sorge vor Wetterkapriolen ab, so haben wir frei für eine weitere Vernissage in der Galerie im Drauknie in Sachsenburg. Und sehen viele dynamische Arbeiten des Seebodner Künstlers Peter Winkler. Eine gegenstandsfreie Serie in kräftigen Türkis- und Brauntönen zieht mich total in ihren Bann.

Soll noch einer sagen, am Land in Südösterreich gibt es wenig Möglichkeiten, mit Kunst in Kontakt zu kommen!

Mit dem Sechzehnjährigen bei seiner zweiten Ausstellung in diesem Leben. So eine große Vielfalt zum Thema „Nostalgie“ habe ich nicht erwartet!

Mit wem fühlte ich mich besonders verbunden?

Wenn ich ehrlich bin, war diese Woche überhaupt eine starke Woche der Resonanzen. Auf ganz vielen Ebenen. Hervorheben möchte ich die Traumatherapeutin Dami Charf. Ich habe erst durch ihre Bücher und Podcasts und einen Workshop verstanden, was Entwicklungstraumen sind und wie sie sich aufs Leben auswirken können.

Ich mag aber auch ihre erdige Haltung, dass nicht jede unschöne Erfahrung ein Trauma ist. Im Gespräch mit einer weiteren Frau, die ich sehr schätze, Marietta Ullmann, spricht sie mir manchmal fast wörtlich direkt aus meinem Herzen. Ich füge dir hier den Link zu diesem sehr feinen Gespräch zwischen zwei erfahrenen, logischen und praktischen Frauen ein. Zu Tränen gerührt hat mich dann auch ein Beratungsgespräch mit einer Frau, die von Kind an mit sich selbst Krieg führt. Mit diesem Link landest du direkt im Youtube-Kanal dieser für mich besonders hilfreichen Traumatherapeutin.

Ein alkoholfreies Walderdbeeren-Hoch auf gelernte und erfahrene Profis im Bereich der Traumatherapie!

Wann war Zeit für einen Neuanfang à la Queenager?

Ich habe für meine neue Website ursprünglich schön brav die vorgeschlagenen Fotos vor dunklem Hintergrund hergestellt. Ich bin Profifotografin. Ich weiß, wie frau das macht.

Durch die andere Herangehensweise mit der neuen Website wird schnell klar: die Bilder kann ich nicht mehr verwenden. Entweder ist die Grundfarbe der Website hell, freundlich und durchlichtet. Oder eben Grau/Schwarz/Beige. Passt für ganz viele Menschen und ihr Angebot. Auch für Künstlerinnrn. Für mich halt nicht.

Also – baue ich im Zirkuswagen wieder um, was ich letzte Woche schon eingebaut habe. Einige neu eingedrähte Haken später schaffe ich Platz für einen Hintergrund, der von Decke des Zirkuswagens abhängen kann. Neben einem der großen Fenster, ideal, um auch Tageslicht miteinzubeziehen. Mein Blick fällt zufällig (!) auf das Notenpult, das ich mir für Voice-Over-Aufnahmen mitgebracht habe. Wenn ich das Teleskop maximal ausfahre, oben den Hintergrund einhänge und unten einen Tisch konstruiere, dann könnte ich mein Fotostudio nach dem Fotografieren easy peesy wieder verräumen.

Dachte ich. Ein tolles Indoor-Studio.

Und was mache ich an einem Sonntag Vormittag? Ich ziehe aus dem vorbereiteten Zirkuswagen aus. Packe das Notenpult, den weißen Hintergrund, den Aufheller, die Kamera und meine Figuren und fotografiere alles draußen auf der Terrasse. Mit echtem Baumschattentageslicht, das noch nicht sticht. Mit echtem Wind, der mir immer wieder den kunstvoll arrangierten Aufheller umschmeißt. Mit Ergebnissen, die mich glücklich machen.

Weißt du jetzt, warum es „Queenager“ heißt? So spontan war ich schon als Teenager, meine Mutter kann das seufzend bestätigen. Morgen wird mein Körper ächzen und stöhnen. Heute bin ich einfach glücklich über die tolle Fotosession.

Wie schade, dass du den Vogelgesang in meinem Outdoor-Studios bei Fotos nicht hören kannst!

Was hat nicht geklappt?

Ich könnte jetzt sagen, das Wetter hat mich nicht begeistert. Doch mich hat eine ganz andere Erfahrung zur Verzweiflung gebracht.

Mein Wein trägt heuer zum ersten Mal Weintrauben. Zur Feier dieser Tatsache habe ich zwei wunderschöne Muskatellersalbei-Pflanzen gekauft und sie zu seinen Füßen eingepflanzt. Die Weintrauben sollen dadurch noch besser schmecken.

Ein paar Wochen geht alles gut. Doch dann fängt es an. Drei Löcher hier. Vier Löcher da. Glitzernde Schleimspuren. Welche der Schnecken ist der Übeltäter? Die eleganten Weinbergschnecken, die zierlichen Schnirkelschnecken, die klebrigen Nacktschnecken oder gar der gemütliche schwarze Tigerschnegel? Tagelang sehe ich zu, wie die Löcher immer mehr, die Blätter immer weniger werden. Ich erwische keine gefrässige Räuberin. Und mir ist zum Heulen.

Samstag Nacht um 00:35 gehe ich zum letzten Mal mit dem Licht des Smartphones zu den Pflanzen – und finde den orangen Dieb. Sie kriecht gerade auf eines der letzten heilen Blätter des derangierten Salbeis. Falls es noch Schwestern gibt, die es ebenfalls auf diese Pflanze abgesehen haben, werde ich das in den nächsten Tagen wissen. Fühlt euch gewarnt!

Frau oder Herr Weinbergschnecke war es dieses Mal nicht. Die hier hat den Weg aus meinem riesigen Fotoarchiv in den Beitrag gefunden.

Inwiefern fühle ich mich diese Woche in meinem Weg bestätigt?

Für mich ist die Künstliche Intelligenz ein hilfreiches Gegenüber, wenn es um das Bändigen und logische Ordnen meiner bunt ins Feld schießenden Ideenblüten geht. Mit meinem aktuellen Workshop „Websitebauen für Dummis“ bin ich immer wieder gezwungen, diese mir innewohnende Vielfalt zu einem fassbaren Strauß zu binden. Damit nicht nur ich mich verstehe. Sondern auch andere Menschen. Potenzielle Lieblingskunndinnen beispielsweise.

Und mir wird erst jetzt klar, was bei mir ineinander fließt! Die langjährige Journalistin hat neben dem Einsammeln von Fakten das zuhörende und nachspürende Geschichtensammeln von der Pike auf gelernt. Die Fotografin hat immer schon Räume geschaffen, in denen Menschen es wagten, sich wirklich mit ihrem ganzen Wesen zu zeigen, inklusive Ecken und Kanten. Es ist eigentlich vollkommen logisch, dass auf diesem Wissen aufbauend die Künstlerin menschliche Träume, Visionen und Utopien begreifbar macht, indem sie individuelle Kunstfiguren formt.

Sommerarbeitsplatz – da wird auch die Angst vor der KI kleiner.

🎁 Wann bin ich zuletzt bewusst dahin gegangen, wo die Angst war?

Mein ganzer Wochenrückblick beantwortet immer wieder diese Bonusfrage des #reflect&learn liebe Maren Martschenko! Der Plattformwechsel hat mich zwei Jahre beschäftigt. Von WordPress zu Squarespace. Es fühlt sich an wie ein ganz neues Paar Schuhe. WordPress habe ich halbwegs verstanden, es war mir vertraut. Squarespace stellt mich noch vor große Herausforderungen. Meine Ängste waren überhaupt nicht unbegründet.

Und was ist Schönes passiert? Das ist Marens Anschlussfrage. In meinem Fall: Ich habe jemanden um Hilfe gebeten, der Web-Design kann. Fragend und redend finde ich oft selbst gute Antworten auf Herausfordungen. Es gibt Menschen, die mir zuhören und mir auch eigene Antworten zutrauen. Doch manchmal tut es gut, sich fallen zu lassen. Und sich einer Expertin anzuvertrauen. SIE entscheiden zu lassen, was besser aussehen wird. So ist auch ein Plattformwechsel überraschend schaffbar. Und weil ich ganz praktisch Aufgaben bis zum nächsten Mal selbst umsetze, werde ich in Zukunft durch die eigenen praktischen Schritte wissen, wie ich diese Website aktuell halten kann.

Die Weise Rättin. Sie hat mir vor ein paar Jahren die Angst vor einem pandemischen Virus ausgekehrt. Mit viel Güte, Humor und einer Riesenportion Weisheit. Auch sie wartet darauf, noch einmal vor einem hellen Hintergrund fotografiert zu werden.

Ein Plädoyer für praktisches Handarbeiten?

Vergangene Woche auf Linkedin ist es wieder so weit. Ich schreibe mich zum langsamen und genussvollen Arbieten mit den Händen heiß. Kennst du das, wenn du dich im kreativen Flow zeitlich vollkommen verlierst? Meine Form ist gibt es zum Nachlesen hier


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