Im wilden Teil unseres Paradieses leben Glühwürmchen. Ich freue mich schon die ganze Woche darauf, dir davon beim Wochenrückblick der Kalenderwoche 25 davon zu erzählen.
Tagsüber sehen wir die unscheinbaren braunen Käfer nicht. Doch nachts, wenn das Licht sich Richtung Dunkelheit neigt, sind die grünen, glühenden Pünktchen im Essigbaumwald unterwegs. Manche sitzen ruhig da und blinken. Andere fliegen eifrig durch die Gegend. Wie Irrlichter. Mir kommen die Tränen. Was für ein Glück, so etwas wieder zu erleben! Keine digitale Welt kann mir diese ursprüngliche Freude machen…
Ich nehme dich nach einem angenehmen Gewitter und Temperaturen um 20 Grad mit in meinen Wochenrückblick:
- Essigbaum und Sumach
- Verbundenheit und Kunst
- Kreativer Flow und eine welkende Duftrose
- Leises Privileg oder lauter Aufbruch?
- Papermaché und ein Sechzehnjähriger
- Mein Vater und seine Ahnung
- Was alles nicht funktioniert hat?
- Mein #hurraderwoche
- Den Fokus halten
- Meine Social Media Welt
Essigbaum und Sumach
Seit Montag schlafe ich auch im Zirkuswagen. Warum? Die Schneckenmonster hören nicht auf, meinen Muskatellersalbei anzunagen und zu löchern. Da kennen sie mich aber schlecht. Ich erwische sie, eine nach der anderen. Die nackten Roten, den Tigerschnegel und eine gelbe Schnirkelschnecke. Der Muskatellersalbei setzt wieder neue Blätter an. Und ich bin weiterhin nachts unterwegs und siedle die schmatzenden Freundinnen aus.
Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich nur manchmal im Wald oder am Ufer des schönen Millstätter Sees spazieren gehe. Oder ob ich 24 Stunden direkt in der Natur lebe. Das Grün, die in allen Farben blühenden Blüten, die so unterschiedlichen Vogelgesänge und das Grillengezirpe tun mir deutlich besser als der Lärm der Stadt.
Weil heuer so viel Quendel wächst, möchte ich endlich mein eigenes Zatar machen. Das ist eine köstliche Gewürzmischung aus dem arabischen Raum, mit Sesam und Thymian und Salz, das kommt für den Winter ins Glas. In einem Rezept lese ich, dass eigentlich das säuerliche Sumach zu dieser Gewürzmischung gehört. Wir lesen nach. Essigbaum! Sumach sind die roten Fasern des Blütenstandes des Essigbaumes. Hinter unseren Wägen sind die Hänge voll mit dieser ungeliebten Gartenpflanze. Die ich persönlich sehr mag, vor allem wegen ihrer wunderschönen Herbstverfärbung. Wer hätte gedacht, dass wir aus den roten Blütenständen einen so wichtigen Bestandteil für Zatar extrahieren können!

Verbundenheit und Kunst
Einer meiner Feuerpferdfreundinnen schenke ich heuer zum Sechziger einen gemeinsamen Tag in Gmünd. Kennst du dieses Gefühl, dass sich manchmal ein Mensch wie deine Schwester oder dein Bruder anfühlt? Es ist wundervoll, sich mit einer Freundin durch Ausstellungen und Galerien dieser wunderschönen Künstlerstadt treiben zu lassen. Die Hauptausstellung im Kunsthaus ist nett, haut uns aber nicht um.
Umso begeisterter sind wir, als sich Gretel Miklautz für uns Zeit nimmt. Sie führt uns durch ihre tolle Ausstellung in der hinteren Gasse. Große Empfehlung! Sei unbedingt lange vor der Mittagspause um 13 Uhr oder überhaupt erst am Nachmittag ab 15 Uhr bei ihr. Vielleicht hast du Glück und bekommst eine Privatführung dieser belesenen, klugen Frau, die zu jedem Werk Hintergründe und Geschichten erzählen kann.

Kreativer Flow und eine welkende Duftrose
Als vergangene Woche ein starker Regen meine rankenden Kletterrosen am Zirkuswagen beutelt, schneide ich eine prachtvolle, voll erblühte Rose ab und stelle sie mir an den Schreibtisch. Der Duft! Die Farbe! Betörend.
An einem Morgen, als ich die ersten Wege ins Freie mache, fällt mein Blick auf meine tanzende Figur aus der Serie „Queenager“. Sie steht zum Trocknen am Südfenster, die duftende große Rosenblüte neben sich. Und ich bekomme fast Schnappatmung. Was für ein wunderschönes Bild! ein tanzender Frauenkörper, diese Riesenrose, die nicht mehr taufrisch aber immer noch wunderschön ist.
Wozu mich das inspiriert? Die abgeschnittene Rose wird verwelken, das ist ganz sicher. Aber jetzt, jetzt duftet und blüht sie. Wie eine Erinnerung, das Leben zu leben, so lange es dauert.

Leises Privileg oder lauter Aufbruch?
Ich habe mir nicht leicht damit getan, zu Wochenbeginn in den Zirkuswagen zu ziehen. Der Liebste ist nicht fit. Ich hole ihn jeden Morgen zum Frühstücken aus der Stadt. Und bringe ihn am Abend wieder zurück. Meine Mutter geht gesundheitlich durch eine schwierigere Phase. Ich bleibe täglich mit ihr in Verbindung.
Und ich merke, wie sehr ich alleine an unserem schönen Platz auftanke. Egal, ob ich abends Glühwürmchen im Garten bewundere oder lese oder einfach sitze und vor mich hinschaue und genau gar nichts mache. Ich bin mit mir allein auch sehr glücklich.
„All-Eins-Sein“ hat Anne Wilson-Schaef das genannt. Ich brauche keine Kirche, keine Glaubensgruppe und keine Verhaltensregeln. Je näher ich in der Natur und bei mir sein kann, desto entspannter ist mein Nervenkostüm. Mit frisch aufgeladenen Lebensbatterien schaffe ich auch einen schwierigeren Alltag. Und bis jetzt funktioniert diese Strategie sehr gut.
Übrigens: seit letzter Woche hängen alle geplanten Vorhänge vor den bezogenen Regalen im Zirkuswagen. Mein Raum ist lang und freundlich und sehr viel ruhiger als vorher. Bestätigt auch der liebste Tischler, der immer wieder staunt, was alles mit Textilien zu machen ist.
Papermaché und ein Sechzehnjähriger
Ich bin diese Woche sehr stolz, als ich mir wieder mein eigenes Papermaché koche und aus vielen Materialien zusammen knete. Es ist kein Vergleich, ob ich gekauftes Trockenpulver anrühre. Oder selbst das nötige Material herstelle. Der Teig ist glatt und lässt sich wunderbar verarbeiten. Er hält nur im Kühlschrank länger und sollte zügig verarbeitet werden.
Und dann kommt der Sechzehnjährige. Druckst herum. Es geht um ein Schulprojekt im Atelier der plastischen Kunst. Ein Booknook nach eigenen Ideen. Er ist in diesem Semester mit der Arbeit an diesem Projekt nicht fertig geworden. Hat zwei Mal alles daheim vergessen und jetzt muss er liefern. Natürlich braucht er Papermaché! Am Ende sitzen wir zu dritt und überlegen, wie er das Begonnene zügig zu Ende bringen könnte. Bis auf einen kleinen Rest bin ich mein Material nach dem Wochenende los. Was solls. Nächste Woche koche ich mir neues!

Mein Vater und seine Ahnung
Als ich eine junge, verheiratete Frau mit zwei kleinen Kindern bin, eröffnet mein Vater eine zweite Steuerberatungs-Kanzlei in Gmünd.in Kärnten/Österreich. Und bietet mir an, ebenfalls in diese kleine Stadt zu ziehen. Ich bin am Anfang meiner arg verspäteten Pubertät. Will alles, nur nicht hier in diesem Bezirk wohnen bleiben. Und sage ihm ab.
Mir ist heute ein bisschen weh ums Herz, dass ich damals nicht erkenne, dass mein Vater vollkommen richtig spürte, dass hier der ideale Boden für die Künstlerin in mir entsteht. In meiner jahrzehntelangen Abwesenheit hat sich diese Stadt zu einer vorzeigbaren Künstlerstadt mit offenen Ateliers, Galerien und vielen Künstlerinnen und Künstlern entwickelt, die ganzjährig oder als Artist in Residence hier leben.
Ich habe das damals überhaupt nicht gespürt oder erkannt. Und sehe erst jetzt, wie feinfühlig er manchmal war.
Was alles nicht funktioniert hat?
Kaum ist meine Lieblingsdesignerin einen Freitag nicht da, kippe ich in den Boykott meiner vorgenommenen Arbeiten an der Website. Na gut. Es gibt auch ein technisches Problem. Mein neu angeschafftes Macbook kann zwar meine alten externen Datenfestplatten lesen, aber nicht darauf schreiben und sie neu strukturieren. Ist gerade ein bisschen kompliziert, weil der Arbeitsspeicher klein und meine Bilder- und Videodatenmengen riesig sind. Und ich eigentlich alles auf eine externe Festplatte speichern sollte.
Neue Woche. Neue Chance. Und die Designerin ist auch wieder da!
Mein #hurraderwoche
Ich sitze naturgemäß viel, um meine Figuren herzustellen. Deshalb habe ich auf Anraten von Freundinnen mit gezielten Turnübungen für mein Lymphsystem begonnen. Morgens gegen acht Uhr schüttle, dehne und strecke ich meinen sechzigjährigen Körper. Eigentlich probiere ich schon seit Winter aus, was mir in dieser Hinsicht gut tut. Einige der jetzigen Übungen kenne ich gut. Eine sehr geliebte Drachenübung aus dem Qi Gong hänge ich an. In dieser Reihenfolge und Konsequenz – ich arbeite mit einer kleinen Spickliste 10 Übungen pro Morgen ab – tun sie mir erstaunlich gut.
Den Fokus halten
Maren Martschenko fragt Zusatzfragen im Rahmen ihres #reflect&learn, und ich antworte auch diese Woche sehr gern. Wie halte ich meinen Fokus, privat und arbeitend:
- noch immer sind alle Benachrichtigungen (e-mails, Social Media, Nachrichten, Abos) am iPhone ausgeschalten, auch nach der Totalsperre im April
- noch immer habe ich fixe Zeiten, um auf Social Media etwas zu teilen und zu kommentieren beziehungsweise e-mails zu beantworten oder einen Blogbeitrag zu schreiben
- ich habe fixe Arbeitszeiten für meine Arbeit im Atelier, egal ob innen oder draußen in der Natur
- ich bin fast immer gegen 22.30 Uhr im Bett, schlafend ordnet sich auch das größte Durcheinander
- Turnübungen nach dem Aufstehen wecken meine Lebensgeister und meinen Körper
- ich führe Wochen- und Tageslisten und reflektiere jeden Morgen nach dem Aufwachen schriftlich; wie sehr dieses Schreiben mein Leben am Laufen hält. Mehr zum Schreiben und zum Glück sagt die wunderbare Dr. Nawal El Saadawi viel besser als ich (Link zum ganzen Video unter dem Screenshot)

Meine Social Media Welt
Falls du Lust hast, mit mir und anderen direkt auf Linkedin zu kommunizieren, dann komm gern dazu, wenn wir uns austauschen. Vergangene Woche erscheinen zwei Beiträge, einer zu meinem Über-Drüber-Outdoor-Studio und einer zur zauberhaften Aurica und ihrem Lippfisch.
Komm gut in die neue Arbeitswoche und trink genug! Dieser Sommer wird heiß!
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