Mit Nadeln und Fäden malen

Es gibt eine Lust, mit Nadel und Faden Spuren zu ziehen.

Rückblick

Ich habe als Kind viel gestickt. Meine Eltern versuchten, meiner Schwester und mir die langen Sommerferien mit Arbeiten im Alltag zu strukturieren. Das war neben dem täglichen Kochen das Behäkeln von Kleiderbügeln. Stricken eher weniger, vermutlich weil es damals wie heute im Sommer dafür zu heiß ist. Aber das Sticken. Das Sticken liebte ich. Sticken in meiner Kindheit und Jugend bestand hauptsächlich aus der Kreuzsticktechnik. Was bedeutete, ich bekam ein Muster. Die Stickgarne und das zu bestickende Stoffmaterial. Und dann stickte ich. Ich weiß nicht ob das in allen Kulturen gleich ist. Bei uns war es neben einem appetitlichen und adretten vorderen Teil des Stickstücks immens wichtig, was hinten abging. Also ob lange Fäden hin und her verliefen – ganz schlecht. Wie die Spur begonnen und wie sie beendet wurde. Da gab es hohe Anforderungen. Wie effizient und vor allem fädensparend gestickt wurde. Maximale Kritikpunkte. So entwickelten wir unsere eigene Strategie, diesen Vorgaben zu entsprechen. Sticken machte mir jedenfalls mehr Freude als das Behäkeln besagter Bügel. Wobei ich heute feststelle – in meinem Kasten gibt es noch Überreste dieser Bügel. Kreuzstichdecken besitze ich keine einzige. Sie waren auch nie für meinen persönlichen Gebrauch gedacht. Das kam erst später.

Gegenwart

Während der Tinyhouse-Bau-Zeit 2020 und auch noch 2021 reduziert sich mein Arbeitsplatz auf den Werkstattbus. Mit einem Stoffsack voll Stickgarn, Nadeln und dem passenden Stickrahmen fertige ich erste Stickbilder. Mache bei Stickkursen von Online-Tutorials mit. Erfahre, dass kunstvolles Sticken aus der Notwendigkeit des Reparierens entstanden ist. Auf jedem Kontinent mit anderen interessanten Aspekten und Techniken. Ich entferne mich in den zwei Jahren vollkommen von der Stickerei nach Vorgaben oder Techniken. Das handwerkliche Können meiner Kindheit und Jugend ist tief in meinem Körpergedächtnis verankert. Und hilft mir, eine künstlerische Richtung einzuschlagen, die sich am ehesten mit #embodiedstitching beschreiben lässt. Ich male mit Nadel und Fäden. Mit Anleitung. Ohne Anleitung. Füge Perlen, Pailletten und Dinge, die mir unterkommen, in die Kompositionen. Vernähe Fäden und lasse sie hängen. Repariere Zerrissenes und male weit ausladend darüber hinaus. Gezeichnete Darstellungen durch unseren Sami sind mir als Vorlage sehr willkommen. Ich lasse den Fluss von Farben und Formen in meinem Körpersystem bewusst zu. Sticken zu bestimmten Themen. Sticken, bei dem ich einer inneren Spur folge und die auch umsetze. Herzklopfend, intuitiv und mit Hirn. Eine Kombination, die ich auch im Leben am meisten liebe. Einige von euch haben einen Teil dieser Stickbilder in Ausstellungen gesehen. Ein paar von ihnen gibt es noch und erfreuen täglich mein Auge. Ein paar hängen heute bei Menschen, die sie sich wünschten.

Die Lust am „freien“ Sticken ist aus diesen zwei Jahren in meinem Leben geblieben. Ich sticke auf meinen Wesen. Ich sticke auf der Bekleidung der Wesen. Und ich nadelmale, was mir durch den Kopf geht.

Ausblick

Beim Workshop „Eine Grafik sticken“ diesen Freitag Abend um 19 Uhr erarbeiten wir uns eine ganz einfache Grafik. Ich bringe das Rundherum wie Stickrahmen, Material und Nadeln mit. Und du entwirfst oder kopierst schon vorher eine Grafik in der Größe von 15x15cm. Wir bringen deine Grafik mit dem Lichttisch auf das Material und sticken in deinen Lieblingsfarben drauf los. Es kann eine einfache Grafik mit einfachen Stichen bleiben. Und es darf entstehen, was entstehen will. Hauptsache, du entdeckst deine Freude am Malen mit Nadel und Faden (wieder). Ich freue mich sehr, wenn dieser Kurs angenommen wird. Junge Menschen sind mir ebenfalls willkommen, wenn sie schon ein bisschen Ahnung von der Technik des Stickens haben. Wenn sich meine Freude überträgt, dann traue ich mir auch zu, dir ganz andere Sachen aus meinem Nähkörbchen zu zeigen. Aber darüber reden wir dann am Freitag Abend. Bitte unbedingt anmelden, hinterlasse eine Nachricht in den Kommentaren, dann melde ich mich bei dir – es gibt nur begrenzten Platz!

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