Zurück in den künstlerischen Prozess

Eine geschätzte und geliebte Freundin stirbt vergangene Woche. Aus heiterem Himmel.

Es ist wie ein Schlag in den Magen. Mit einem spitzen Ellenbogen. Der Schmerz bohrt sich seinen Weg in mein Bewusstsein. Ganz kann ich es noch immer nicht glauben. Der Schmerz wirft auch persönliche Fragen auf, wie Schmerz das immer tut. Wie gehen die erwachsenen Kinder mit so einem Verlust um? Wie mit den nicht manifestierten Träumen der Mutter, von denen sie wussten? War ich ausreichend da, um diesen Träumen zum Leben zu verhelfen? Es ist tröstlich, dass wir uns im August zwei Mal gesehen haben. Und es tut weiter weh…

In Gedenken an eine viel zu früh Verstorbene…

Eine Freundin aus der Gruppe sagt einem Interessierten, das Tinyhouse gehöre der älteren Frau, die hier am Platz lebt. Sie meint mich. Ich erlebe zum ersten Mal, dass ich tatsächlich „die Ältere“ bin. Hier begegnen mir die jüngeren Menschen äußerst wertschätzend. Und das hat auch mit meinem Alter zu tun. Ja, ich bin inzwischen ziemlich grauhaarig. Ein äußeres Merkmal des Alterns. Ich habe es aufgegeben, meine Haare knallrot zu färben. Es wird zu mühsam, so sehr ich das Hennarot auch geliebt habe. Ein holländischer Vertrauter fragt mich, wie alt ich bin. Wir reden darüber, dass ich heuer 55 Jahre alt geworden bin. Dass ich mich innen drinnen höchstens wie fünfunddreißig fühle. Am nächsten Morgen fällt ein weiterer Interessierter fast um, als ich ihm sage, dass ich die Fünfzig schon vor ein paar Jährchen hinter mich gebracht habe. Mein Außen spiegelt mir eindrucksvoll meine innere Zerrissenheit mit dem Thema. Ich weiß vom Verstand her klar, woher das alles kommt. Und ich stelle mich dem Thema. Das ja auch seine schönen und seine fröhlichen Seiten hat. Und das gerade hier, gerade in dieser Gruppe, natürlich und vernünftig wie in einem Tribe behandelt wird. Ich muss einfach hineinwachsen in dieses neue Paar Schuhe.

Warum ich überhaupt darüber schreibe? Weil mich all die Tränen, das Nachdenken, das Trauern um einen lieben Menschen und die Reflektion meines ganz privaten Prozesses mit meinem gelebten Alter zurück in meinen künstlerischen Prozess bringt. Danke liebe Freundin auf der anderen Seite. Danke dass du mich erinnerst, dass das Leben endlich ist und gelebt werden will. Dass mir wieder bewusst wird, wie sehr ich diese künstlerische Tätigkeit brauche, um gut auf meine innere Stimme zu hören. Es sind auch die Kinder am Platz, die in mein vorübergehendes Zuhause drängen, weil sie meine Wesen entdeckt haben. Während sie selbstvergessen in ihre Rollenspiele eintauchen, die viel mit sich selbst transformierenden Wesen (!) zu tun haben, mache ich mir endlich wieder die Hände dreckig und forme Hände, die zu meiner Seherin passen. Sie kommt mit in meine Ausstellung im Oktober im Kunstbahnhof in Velden. Oder wandert direkt in den Online-Shop, falls Covid wieder zuschlägt.

Es tut mir ausgesprochen gut, wieder von meinen Wesen umringt zu sein. Ihrem Raunen und Flüstern zu lauschen. Und ich hoffe so sehr, dass wir außerhalb meiner abendlichen Werkstattzeiten wieder mehr am Zirkuswagen weiter bauen. Der Herbst zieht für mich überraschend früh ins Land. Ich träume von einem hitzigen Schiffsofen. Im Sommermonat August. Der Basilikum an meiner Treppe bekommt die typischen Kälteflecken dieser wärmeliebenden Süd-Pflanze. Und ich bin froh und dankbar über meine Zweitdecke, in die ich mich Nächtens gut einkuschle. Wo bist du nur hingekommen, 2021? In knapp vier Monaten ist dieses Jahr um. So viel Veränderung. Es ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben…

Hängende Baumfrüchte

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