Traum und Realität

Endlich ist der Dachdecker da!

Was für ein Zittern. Tagelanges Sorgen. Hirnkino vom zerfledderten Dach, weil wir es halbfertig reisen lassen müssen. Aber nun ist er da, der Dachdecker. Und deckt Alexander’s Tinyhouse. Die beiden Männer montieren die letzten beiden Außenfensterrahmen. Den Innenboden haben mein Sohn und ich am Wochenende mit einer eingeriebenen Schutzschicht aus Ölen bezugsfertig gemacht. Fürs Erste. Wir werden ganz sicher noch einen Boden machen müssen, die schweren Stehleitern haben ihre Spuren hinterlassen. Während Alexander ganz überraschend einen Auftrag für Zeichnungen finalisiert, der mit der Zeit seiner ersten Gemeinschaftserfahrung bei RAPUNZEL Naturkost zu tun hat. Seine Art zu zeichnen wird wieder geschätzt. Freude. Riesenfreude. All das geschieht in diesem Flow, diesem Prozess, in dem wir derzeit schwimmen. Kleine Änderungen wirbeln einen ohnehin wirbeligen Alltag durcheinander. Alexander mit dem Ergebnis glücklich zu sehen entschädigt für meine Aufregung. Er ist ohnehin relativ entspannt.

Fensterrahmen einrichten

Immer und immer wieder muss ich mich in diesen Wochen herunter holen und mir sagen: „Du wolltest das. Davon hast du dein ganzes Leben geträumt. Du machst das sogar freiwillig!“ Ja, ich wollte in Gemeinschaft leben. Und ja, so gut kenne ich mich, ich wollte das vor allem mit Wohnraum, der nicht im Zentrum der Gemeinschaft ist. Dass es auch noch ein Zirkuswagen werden soll ist eine ganz fantastische Draufgabe des Lebens. Das hätte ich mir nicht (mehr) erwartet. Speziell vorm Einschlafen kommen die Gedanken. Die von der erschlagenden Sorte. Was, wenn das nicht klappt? Was machen wir, wenn diese Lösung nicht die richtige war, wir Gemeinschaft gar nicht aushalten, Wind und Wasser und Schnee uns zusetzen? Ob die Transportfirma Fakt XY bedacht hat, wo sie doch noch nie so ein Tinyhouse transportiert hat? Und ob die Männer das wirklich alles gut ausgeredet haben? Bei all dem Gedanken wie – nein, wir können nicht mehr zurück ins Alte. Das Alte gibt es nicht mehr, das Haus ist verkauft. Es geht jetzt nur mehr vorwärts. Ganz zufällig höre ich am Montag Morgen in der Früh einer Youtuberin zu, der es exakt und genauso geht. Auch sie hat (für ein Jahr) alles aufgegeben, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Auch sie spricht davon, dass sie der Mut verlässt, sie plötzlich Angst hat vor der eigenen Courage. Danke Schwester, dir zuzuhören hat mir heute so geholfen! Du hast mich zum Schmunzeln gebracht, vor allem über mich selbst.

Sonnengrüße

Bei einem Vollmondritual letzte Woche habe ich getrocknetes Johanniskraut ins lodernde Feuer gegeben. Verbunden mit dem Wunsch, dieses Kopfkino, dieses leicht destruktive Denken und eine Tendenz, mir unter großem Lebensdruck unnötig viele Sorgen zu machen, zu verbrennen. Ich bin wieder klarer im Kopf. Die nächsten Wochen werden sehr lebendig und ganz bestimmt auch turbulent und aufregend. Das ist logisch und absehbar und vollkommen real. Mein Gefühl sagt mir, wenn wir die nächsten Schritte gemacht haben, den Transport und das Aufstellen des Hauses am neuen Platz, dann haben wir die Hälfte geschafft. Wir verkleinern uns noch einmal, in einem zweiten großen Schritt nach vergangenem Herbst. Die Momox-App läuft wieder auf Hochtouren. Kisten mit Verschenkbüchern warten auf neue Leser*innen. Und ich sortiere auch im Atelier noch einmal massiv aus. Ein letztes Mal die Einladung, vorbei zu kommen, falls du Stoffe brauchst.

Wolken

Einer meiner Beruhigungsanker in diesen Wochen ist und bleibt das Freie Sticken. Sami hat mir eine so geniale Zeichnung von einer Wetterschlange, die unseren Planeten erschaffen hat, geschenkt. Die setze ich jede freie Minute in Stickerei um. In Farben und Formen. In enger Abstimmung mit dem elfjährigen Erschaffer der Zeichnung. Alexander staunt, wie geduldig ich erscheine. Der Schein trügt. Ich weiß, was ich tue. Ich habe mir einen Rahmen gegeben, der ganz klar und strukturiert ist. Innerhalb dieses Rahmens bin ich frei, mit Farben zu spielen, mit Stickgarnstärken und wie viel und wie lange ich Abends arbeiten möchte. Diese Form des Tuns gibt mir Ruhe und Entspannung. Der Denkerin in mir tut es gut, das Hirn zu entleeren und Stich für Stich, Knötchen für Knötchen, Paillette für Paillette ein Bild entstehen zu lassen. Ich bade in den Farben und tanke dabei auf. Egal, wie viele Stunden oder Wochen es im Endeffekt sind. Beziehungsweise gewesen sein werden. Diese bunte Wetterschlange steht irgendwie für den Auszug aus dem Alten und dem Weiterziehen ins Neue. Mehr muss ich derzeit nicht dazu wissen.

WIP

Während ich das hier schreibe, wachsen um mich herum Transportkistentürme in die Höhe. Packe ich zwischendurch mit an, wenn eine Halle ausgeräumt, das Baumaterial für den Zirkuswagen zwischengelagert und ein Teil des schon gelagerten Baumaterials auf den Abtransport in die neue Halle wartet. Bitte wundere dich nicht, wenn es zwischen den Zeilen flirrt und ruckelt. Alles voll authentisch, real und echt. Genauso fühlt es sich derzeit an, unser Leben.

Chaos, aber nur scheinbar

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