Vanlife, sommers wie winters

Seit Mitte November schauen wir online jede Menge Tutorials rund um den Bau von Tiny Houses und Zirkuswägen, den Aufbau von Gemeinschaften und ach, so vielem mehr.

Busausbau, beispielsweise. Als uns Georg Fotos von seinem ausgebauten Dachstuhl im Tiny House schickt, entscheiden wir uns. Eine Baustelle zum Angreifen, zum direkten Austausch. Ein Mensch in echt, den wir fragen können. Ein Bettgestell muss innerhalb von Stunden in den Bus rein. Das Allernotwendigste wird in Kisten unter dieses Bettgestell geschoben. Juhuuu, die alten schönen Holzladen vom kleinen Auto passen ebenfalls hinein. Und dann nix wie hin zur Baustelle. Wir fahren bis an die tschechische Grenze, die wir zum ersten Mal seit so vielen Jahren nicht einfach so überqueren dürfen. Kaffee trinken bei den Nachbarn. Wir lieben das. Ein ziemlich komisches Gefühl, es gar nicht erst zu probieren. Im nördlichsten Waldviertel fühlt es sich allerdings schon recht nordslawisch an. Jaja, ich halte das aus, wenn ich jetzt wieder Prügel beziehe. Ich liebe zweisprachige Ortsschilder. Ich liebe Regionen an politischen und kulturellen Grenzen. Da fühle ich mich zu Hause. Jede Zelle meiner slawischen Wurzeln jubelt. Die Häuser werden immer kleiner und das Land immer menschenleerer. Der Frühling ist auch noch nicht so richtig ausgebrochen. Die Besichtigung der Baustelle hilft vor allem Alexander riesig weiter. Danke Georg für deine vielen guten Bau- und Material-Tipps. Einiges ist jetzt noch klarer als vorher. Und danke für das feine vegane Abendessen am offenen Feuer! Ich freue mich darauf, wenn du mit deinem Haus an dem Platz landest, den du liebst!

Es ist ganz schön frisch, als wir am Morgen am Rande des Heidenreichsteiner Moores aufwachen. Ein junges Alpaka-Männchen studiert unsere Annäherungsversuche und lässt sich ansonsten nicht aus der Ruhe bringen. Zukünftige Vogeleltern balzen und flattern quer durch Büsche und torkeln über die Wiesen. Sie ignorieren uns vollkommen. Wir sehen auch hier, wie in den letzten Tagen in Kärnten, die ersten Schwalben. Ihr besonderes Zwitschern ist unverkennbar. Restaurants, Bars, Kaffees – covidbedingt ist alles zu und geschlossen. Die nächste Investition in diesen Zeiten ist ganz bestimmt die Trocken-Trenn-Toilette und eine Mikro-Küche für den Bus. Nur die Natur schert sich nicht um unsere menschlichen Probleme. Sie bereitet sich wie jedes Jahr auf den Frühling vor.

Alexander liest mir aus dem Handy vor, dass eine Helferin von Lesbos in der Nacht vor ihrer Abreise nach Griechenland friedlich eingeschlafen ist. Helga lebt nicht mehr. Es gibt mir einen Stich ins Herz. Eine wunderbare, starke und mutige Frau ist nicht mehr auf diesem Planeten. Ist nicht mehr mit uns. Danke, dass ich dich wenigstens online gelesen und mich mit dir ausgetauscht habe. Wie gern hätte ich dich persönlich kennen gelernt und gedrückt… Ich vergesse dich nicht! Und wir unterstützen deine Arbeit in deinem Sinn weiter.

Unser nächster fixer Termin ist erst am nächsten Tag. Wir beschließen, den freien Tag zu nutzen und uns durchs Salzkammergut zu bewegen. Schon bei der Herfahrt war sichtbar, wie grün es dort bereits ist. Wir spazieren viel an den Seen, genießen auch hier, dass zwar Menschen unterwegs sind. Allerdings keine Massen. Auch am Sonntag nicht. Uns fallen die vielen kleinen Häuschen rund um die Seen auf. Sie sind zwar nicht mobil. Aber tiny auf jeden Fall. Und siehe da, wir entdecken auch ein Mobile Home auf Rädern, das ganz offensichtlich selbst gebaut ist. Ameisen zerlegen eine Baumwurzel entlang einer Straßenböschung. Auch hier werden Wohnungen hergerichtet. Und ich esse zum ersten Mal in meinem Leben frisch gekeimte Buchensprösslinge, die zu Hunderten aus dem Boden wachsen. Was für ein Leckerbissen! Wie gut das tut! Rehe, Hasen, ich verstehe euch! Es ist sommerlich warm und ich stelle fest, wie sehr mir dieses Unterwegssein gefehlt hat. Von mir aus könnte es jetzt dann so weiter gehen, ein paar Wochen, ein paar Monate…

Nach einer Nacht an einem Salzburger See wache ich in unserem gemütlichen Bett im Bus auf. Und bin zum ersten Mal in meinem Leben so richtig dankbar, heute aufgewacht zu sein. Einen neuen Tag vor mir zu haben. Wie schnell doch so ein Menschenleben endet. Danke Leben, danke!! Mein Morgenmuffel-Dasein vor dem Coffein endet hier und heute. Ich verspreche es.

Wir genießen ein covidbedingtes Salzburger Busfrühstück mit Kaffee und Gebäck aus einer Salzburger Bäckerei. Danke liebe Kirche, dass ihr Menschen eure Infrastruktur mit öffentlicher Toilette 24 Stunden anbietet. Die dunklen Wolken am Himmel sind irritierend. Und das Handy sagt uns dann, dass der Winter zurück kommt. Unsere gute Laune trübt kein Tropfen und kein Schneeflöckchen. Wir machen uns auf zu einer Gemeinschaft nach Kärnten, um miteinander eine gemeinsame Zukunft zu planen und zu koordinieren. Als ich am Abend ins Bett krieche, hat es seit Stunden geschüttet. Und wir haben seit Stunden geredet. Ich bin so richtig müde. Unser erstes eingebautes Fenster an der Wagenrückwand hält leider nicht, was wir uns von ihm versprochen hatten. Nämlich den Regen draußen, außerhalb der Buswand. Es rinnt und tropft an der Innenseite herunter. Die Matratze ist nass. Mit Müllsäcken und Klebeband verhindern wir eine Überschwemmung. Wissen allerdings, dass dieses Fenster noch einmal abgedichtet werden muss. Die Nacht ist eisig kalt. Wir Glücklichen sind mit Decken und Schlafsäcken so gut ausgerüstet, dass wir auch das packen. Der morgendliche Anblick von Schnee auf den Bäumen und am Boden ist schockierend. Und dann auch wieder nicht. Aprilwetter eben. Und heuer besonders ausgeprägt. Die Menschen in der Gemeinschaft, die vielen guten Begegnungen und Gespräche machen das bisschen Winter im April wieder wett. Wir dichten die Fugen zwischen Blech und Fenster fein säuberlich mit Gewebeband ab. Und sind dankbar, dass wir beim Einbau des zweiten Fensters schon viel besser wussten, wie es geht. Nicht ein Tropfen Wasser hat sich einen Weg nach innen gesucht.

Abschließend noch ein Filmchen von den zwei Reisetagen – du weißt schon, ich übe noch. Und wechsle zwischen Fotoapparat und Filmkamera hin und her. Die Schneidesoftware ist nicht mehr ganz so chinesisch. Ich lerne dauernd dazu. Das wird schon werden.

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