Slow living und eine Baustelle

Seit einer knappen Woche ist mein Atelier geschlossen. Mehr oder weniger. Ein Jahr lang habe ich intensiv an meiner Ausrichtung, an meinen handwerklichen Fähigkeiten und am Ernstnehmen meiner inneren Stimme gearbeitet.

Noch vor Covid war ich unendlich traurig, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, textile Kunst zu studieren. An einer Uni, mit dem in Österreich so wichtigen Zertifikaten. Studienabschluss habe ich nach wie vor keinen. Und doch habe ich zwei Semester studiert wie eine Wilde. Dieses Feld, in dem ich mich seit drei Jahren bewege, wird immer weiter und größer. Unsere Ausbildungen und Kurse finden auf der ganzen Welt statt. Online. Meistens in englischer Sprache. Ich weiß es nicht, ob ich analog je die Möglichkeit gehabt hätte, diesen genialen Künstlerinnen zu begegnen und von ihnen zu lernen. Mit ihnen in philosophischen Diskurs zu gehen. Innenschau zu halten, zu reflektieren und mich an meinem Wesen auszurichten. Es spielt auch keine Rolle mehr, was gewesen hätte sein können. Online wurde es für mich nun möglich. Ein bisschen fehlt es mir, das Studieren. Spätestens im Winter, wenn wir an unserem neuen Platz angekommen und eingerichtet sind, geht es weiter. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich gern zu gegebener Zeit erzählen werde…

Jetzt sind vor allem meine handwerklichen Fähigkeiten auf der Baustelle gefragt. Eher Kategorie Hilfsarbeiterin. Ich lerne, Buswände zu isolieren. Vorsichtig an der Tischkreissäge zu arbeiten und harte Materialien zu bearbeiten. Die rüttelnde Tischsäge entlang von Linien um Kurven und Ecken zu bewegen. Textiles Material ist wesentlich mitmachbegeisterter. Wildgewordene Klebekartuschen sind vorm Davonquellen zu bewahren. Und Bits und Schraubengrößen, Körner und Japansäge und all die Werkzeuge einer Männerwerkstatt zu finden und intelligent anzuwenden. Wir haben zu zweit staunend gelernt, dass Siebdruckplatten echte Primadonnen sind und vier Arbeitsschritte fordern, um eine Schraube zu montieren. Ohne sie abzureißen. Zwei solche Bodenplatten liegen in diesem Sommer noch vor uns. Die vom Tiny House. Und die vom Zirkuswagen. Und tadaaaa, wir haben es geschafft, innerhalb von fünf Stunden ein kleines Busfenster zu montieren. Selten hat mein Alexander so geflucht. Einer von uns musste die Ruhe bewahren, die Dinger waren teuer und sind ein bissel schade zum Durch-die-Gegend-Pfeffern. Das rechte Klappfenster hat also Platz, passt und wird uns Atemluft herein lassen, wenn wir unterwegs sind. Vielleicht kriegen wir morgen das zweite Fenster flotter in die Hintertür. Ich fürchte mich ein bisschen vorm Dachfenster mit Ventilator. Und ob wir es wasserdicht bekommen.

Was gibt es noch Aktuelles? Ach ja. Irgendwie entfleucht mir die Dringlichkeit und meine Aufmerksamkeit für Social Media. Einerseits. Wir, verdreckt und fluchend auf der Baustelle, das gibt fotografisch nicht viel her. Und interessiert auch dich vermutlich nicht sonderlich. Andererseits lerne ich, mit einer kleinen feinen Kamera Filme zu machen. Ein wirklich langjähriger Wunsch, der sich jetzt erfüllt. Ich scheitere seit drei Wochen daran, die Filme mit einer sicher tollen Software 1. auf den PC zu überspielen, ohne die zierliche Karte aus dem Slot zu futzeln und vermutlich irgendwann zu knicken. Und dann diese Filme 2. mit einer noch viel tolleren Software und ein paar Klicks (wirst sehen Mum, voll easy, geht ganz leicht) zu bearbeiten. Irgendein Pfad geht nicht, ist nicht da, vielleicht hab ich ihn irrtümlich gelöscht. Ich weiß, dass ich auch das lernen werde. Ich bin so gemacht. Irgendwann hab ich’s, weil mir irgendwer den ultimativen Tipp wegen der selbst gelegten langen Leitung gibt und es weiter geht. Derweil filme ich halt vor mich hin und lerne dieses kleine Wunderding kennen. Ein Zehntel der Größe meiner feinen Spiegelreflexkamera. Tausendmal handlicher. Und wenn es dann mal vielleicht klappt, mit qualitativ gutem Material. Stay tuned.

Unsere dänischen Fenster sind da, juhuuu! Mensch, sind die zierlichen Dinger schwer. Sie sind in der rasch zum Lager umgebauten Garage in österreichischer Quarantäne. Gebrauchte Fenster, die mich sehr an das Haus der Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf erinnern. Alle müssen renoviert und neu gestrichen werden, bevor sie ins Tiny House und vermutlich türkis gestrichen an den Zirkuswagen kommen. Stilecht. Aber hey, sie werden sich nach außen öffnen und das Licht hereinscheinen lassen, dass es eine Freude ist. Ich bin ganz verliebt in diese schmalen Fensterrahmen. Und in die schönen Sturmhaken.

…. wenigstens ein Fenster ist mal drin!

Das Tollste für mich ist zur Zeit wohl, dass wir wieder vorwiegend draußen leben. Raus aus dem Haus. Ins Licht. In die endlich wärmende Sonne. Ganz nahe an Pflanzen, am Wind, an dem zur Zeit vorherrschenden Duft der weißen Veilchen. Die Katzen erobern sich den Raum zurück, vor dem sie im Winter geflüchtet waren. Die ersten grünen Blättchen von Giersch und Portulak schmecken himmlisch. Die Hummelköniginnen würden sehr gerne im Bus neue Nester bauen. Und neugierige Rotkehlchen beäugen mit glänzenden schwarzen Knopfaugen unser Tun. Der Bus ist den Bodenbrütern für den Nestbau zu unsicher, schläft doch mindestens eine Katze zusammengerollt am Fahrersitz. Die Umstellung auf die Sommerzeit in der schulfreien Karwoche ist erträglich. Der spontane Besuch von lieben Freundinnen und Freunden ist erwünscht und willkommen. Draußen ist gut Abstand halten. Nur die Winterstiefel. Die Winterstiefel unseres Jüngsten sind bei 23 Grad unpassend. Der junge Mann wächst gerade in alle Richtungen zugleich los. Ein bisschen unheimlich, wenn die Vorpubertät von einer Stunde zur nächsten zuschlägt. Morgen ist jedenfalls vorm Baustellenbesuch Schuhe kaufen angesagt.

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