Kunst statt künstlicher Erregung

Debussy-Klänge plätschern an mein Ohr. Mein Atelierofen hat es endlich geschafft, die nächtliche Kälte zu vertreiben. Draußen rieselt lautlos Schnee vom Himmel. Tiefer Winter eines Jahres, von dem ich wie alle anderen nicht weiß, wohin es sich entwickeln wird. Meine Intuition hat mir geraten, keine Vorsätze zu fassen sondern offen und bereit zu sein für alles, was kommt. Wie geht es dir so in der Mitte dieses ersten Monats des neuen Jahres? Spürst du schon, dass das Tageslicht wieder mehr wird? Die Bauern arbeiten wie wild im Wald, das bedeutet vermutlich, dass der Saft in den Bäumen demnächst zu steigen beginnt und es hoch an der Zeit ist, Brenn- und Bauholz zu schlagen.

Auf meinem Arbeitstisch im Atelier liegen interessante Wesen. Keines gleicht dem anderen. Scheinbar. Dabei sind alle Körper im tiefwinterlichen November und Dezember beim abendlichen Fernsehen entstanden. Oh ja, heuer kann ich gar nicht genug kriegen von Bauanleitungen für Zirkuswägen und Tiny Houses. Von Reportagen nach Alaska und Kanada. Und von gut gemachten nordischen Krimis. Strickend kann ich mich gut in meine Maschen vertiefen, wenn es mir zu gruselig wird. Zwei Wesen sind dabei, fertig zu werden. Es werden Göttinnen. Frauen mit Kurven. Frauen mit Körpern. Verwurzelt und verankert. Und jede hat eine Botschaft. In erster Linie für mich. Vermutlich auch für dich und andere Betrachter*innen.

Pinkhaariger Puppenkopf und riesiger Nase und grünen Augen rechts, links grünhaariger Puppenkopf mit grünen Augen, handgemalt, handgenäht und gestrickter Körper, den man angeschnitten sieht
Lass uns ein bisschen ruhige Musik hören!

Als ich heute Vormittag meine beidhändigen Befragungen eines Wesen mache, das ich wohl am besten „Gerechte Entrüstung“ nenne, bekomme ich sehr klare Botschaften um die Ohren geklatscht. „Warum hörst du zu?“, „Wer schaut am Tag 50 Mal in die ‚Standard App‘ und zieht sich dann auch noch Google News rein?“, „Viel Lärm um nichts“ und als Krönung „Viel künstliche Erregung statt Kunst zu schaffen“. Pfoah. Meiner Entrüstung geht die Luft aus wie einem angepieksten Luftballon. Stimmt. Ich bestimme über meinen Medienkonsum. Vor allem über das zeitliche Ausmaß. Einmal am Tag eine Stunde müsste ausreichend sein. Dann bleibt wenigstens keine Zeit für die Kommentar-Community diverser Foren und Social Media Plattformen. Kommentare, die mir meistens ohnehin zum Halse heraus hängen. Zuhören ist eine Fähigkeit, die nur wenige Menschen pflegen. Gesagt, getan. Heute habe ich mir noch einige Male dabei zugesehen, wie die Hand zum Handy zuckt und mitliest. Ich kenne mich. Morgen und übermorgen noch komische Gefühle. Dann ist auch diese Abhängigkeit wieder ausgestanden. Und diese Zeit fließt in meine künstlerische Arbeit. Und genau an meinem Arbeitstisch setze ich mich dann mit Dingen auseinander, die ich wichtig finde. Die mich beschäftigen, die mich entrüsten und wo ich mich einbringen kann. Die mich innerlich durcheinander wirbeln. Und über die ich gründlich nachdenken will und tiefer hinein spüren möchte, um die Wurzeln frei zu legen. Die Ergebnisse des Prozesses zeigen sich dann in meinen Wesen. Das macht sie so lebendig und vielfältig.

blauhaariges Wesen mit weiß-türkisfarbenem Strickkörper, bestickt mit Pailletten in Grün, Blau und Türkis, stilisierte Yoni, die mit roten Perlen umstickt ist
Ich zeige mich

Ich lasse dir ein paar Bilder da, die einen Prozess abbilden, der noch in vollem Gange ist. Meine Damen bekommen richtig viele Kurven. Sie werden bunt, bunter am buntesten. Bis auf eine. Die hat einen ganz besonderen Auftrag und kommt als nächste dran.

gehäkelter Planet Erde in der gefilzten Hand eines Wesens, das Mother Earth heißen wird
Einen Planeten umarmen

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