Ein Wirtschaftsmärchen

Im ersten Semester dieses Schuljahres beschäftigen sich 30 Kinder der Volksschule Bad Kleinkirchheim (Kärnten/Österreich) mit grundlegendem Wirtschaftswissen. Sie gründen unter Anleitung der „Junior Mini Company“ eine Firma und lernen Marketing kennen. Als Direktorin Veronika Zeiner mich einlädt, mit den Kindern von Januar bis Ende März kreativ und künstlerisch zu arbeiten, denken wir diesen Wirtschaftsgedanken märchenhaft weiter. Was, wenn wir miteinander durchspielen, ob es in der Wirtschaft noch um andere Dinge als Geld geht? Wie sehen das Kinder?

Hier gehts zu einem turbulenten Rückblick:

  1. Wie es beginnt
  2. Die Techniken
  3. Jahreszeit Fasching
  4. Die weitere Handlung der Geschichte
  5. Musik, Musik
  6. Jeux Dramatiques, was ist das?
  7. Das hat mich überrascht
  8. Kompetenzen
  9. Finanzierung
  10. Statistik und Zahlen
  11. Warum mache ich das?

Wie es beginnt

Mit zwei Sagen aus dieser Region lande ich bei der Vorentwicklung der Geschichte rasch im Mittelalter. Es existiert geschichtlich eine „Adlerburg“, in der es einen Schatz geben soll. Ein „Golddrache“ ist also naheliegend, der seit Ewigkeiten diesen Schatz bewacht. Dem stinklangweilig und fad ist, weil sich keiner mehr für diesen Goldschatz interessiert, da es ja Geld und Banken gibt. Außerdem gibt es die Sage von der „Glücksfichte“, an deren Wurzeln ebenfalls ein Schatz liegen soll. Der gehörte angeblich einem geizigen Altbauern, der sein Geld vor seinen Erben im Wald vergrub. Ein Junge bringt eine weitere Geschichte mit ein – die vom Räuber Paul Zopf. Auch sie wird im Laufe des Spiels integriert.

Die Techniken

31 Klappmäuler, 31 Kopfzuschnitte, 62 Arme – das Wochenende vor dem Workshop verbringe ich an der Nähmaschine.

Wie (fast) immer übernehme ich mich gewaltig. Als ich in der Werkstatt 30 Grundfiguren plus eine Vorführfigur für Klappmaulpuppen zuschneide und zusammennähe wird mir rasch klar, dass Stoff alleine für den Kopf der Figur nicht reicht. Ich fertige Schaumstoffoberteile für die Pappe-Klapp-Mäuler, damit die Kopfform nicht in sich zusammenfällt. Ich nähe 62 Arme vor.

Zusätzlich bereite ich 30 Werkpakete in Säckchen mit bunten Filzresten für Iris und Pupille, Tischtennisbällen für die Augenkugeln, Filzbändern für Augenbrauen und Webreste für wilde Haare vor. So viel Einkauf wie nötig, so viel Upcycling als möglich. Die Arme aus Socken werden später an die Grundkörper der Handpuppen angenäht. Danke an dieser Stelle an die Werklehrerinnen für euren Einsatz. Alleine hätten wir das niemals geschafft! Heißkleber oder mein amerikanischer Tacky Glue sind das Hauptwerkzeug der Kinder, um die Utensilien miteinander zu fixieren.

Für die Weiterentwicklung der Geschichte arbeite ich wieder mit Mitteln des „Jeux Dramatiques“. Das erkläre ich weiter unten ein bisschen detaillierter.

Jahreszeit Fasching

Der rote Koffer mit den vielen Tüchern in allen Farben ist ein Magnet für die Kinder.

Weil wir uns mitten in der närrischen Zeit befinden, stürzen sich die Kinder auf meine Verkleidungsutensilien. Ich komme mit einem Koffer voller bunter Tücher. Und mit Hüten, Brillen, Krönchen und anderen Verkleidungmöglichkeiten. Der Funke springt über. Die Kinder bringen rasch eigene Kostüme von zu Hause mit. So haben wir bald zwei Katzen. Einen wilden Räuber und eine ebenbürtige Räuberin mit Köpfchen. Sechs magische Waldwesen. Eine Königin mit ihren vier Prinzessinnen-Töchtern. Nach ein paar Wochen stößt auch ein Ritter dazu. Jäger, Koch und Kellner samt Wirt und Rezeptionistin stellen sich ein. Einige Kinder möchten einfach Bäume sein, die sich im Wind wiegen und alles sehen und alles hören.

Die weitere Handlung der Geschichte

Der tiefe Schlaf der beiden Prinzessinnen. Zum Glück gibt es hilfsbereite magische Wesen, die alle Kräfte bündeln und die beiden Mädchen wieder aus ihrem Zauberschlaf erlösen.
  • der alte, einsame Golddrache klagt sein Leid, wie sehr es ihn langweilt, einen Schatz zu hüten, den niemand mehr interessiert
  • eine sehr konservative Königinmutter mit vier Töchtern lebt ein höfisches Leben im Schloss
  • die rebellische Königstochter Lea will raus aus dem Schloss und Abenteuer erleben, ihre Schwester Dajana schließt sich im Laufe der Spielrunden an, sie machen sich zu zweit auf die Suche nach dem sagenhaften Goldschatz
  • der Sohn des Bauern aus der alten Sage kann nichts mit dem Hof anfangen, verspielt alles und feiert lieber mit seinen Freunden im Wirtshaus
  • zwei Glücksfichten lassen sich nicht von Menschen umschneiden und bekommen Hilfe von magischen Waldwesen
  • der Wald und seine Bäume sind stetig da und bilden eine prächtige Kulisse für die Handlung
  • der gewitzte Räuber Paul Zopf und seine kluge Gefährtin Sarah können gut von sich selbst ablenken und stehlen, bis sie allen nur noch auf die Nerven gehen
  • ein stolzer Wirt, der sich vor allem für sich und seinen Reichtum begeistert, pocht auf seine Ordnung im Wirtshaus Trattlerhof
  • zwei kluge Katzen entdecken die gestohlenen Schätze und das Geld aus dem Wirtshaus und überreden die Königin und alle anderen Menschen, es an den Wald, seine Bewohner und an die Menschen in Bad Kleinkirchheim zu verschenken
  • der Golddrache bannt die beiden Räuber mit einem Bannspruch und gewinnt dadurch endlich Freunde

Musik, Musik

Michael Minnesänger und der Golddrache singen ein gewaltiges Duett. Unter dem Jubel der Besucherinnen und Besucher des Wirtshauses Trattlerhof.

Ein Junge will unbedingt den Star „Michael Minnesänger“ spielen. „Ich liebe es, zu singen, und anderen damit Freude zu machen!“, sagt er. Wir haben schon im Vorfeld besprochen, dass der Schulchor beim Projekt mitmacht. Kurz vor den Semesterferien bietet mir die Direktorin die musikalische Mitarbeit ihres Sohnes Peter Zeiner an. Wenn ich einen Liedtext schreibe, komponiert er uns einen Song. Und der Schulchor unter der kongenialen Leitung von Mathias Aschbacher lernt dieses und andere Lieder.

Gesagt, getan. Ich liefere meinen Text noch vor den Semesterferien. Ein schwungvoller Song, die Golddrachen-Ballade, entsteht durch Peter Zeiner. Der Musikpädagoge Mathias schreibt ihn so um, dass die Kinder die Ballade in vier Strophen singen können. Michael Minnesänger singt von Anfang an ein selbst ausgewähltes Lied, kräftig unterstützt von allen Kindern. Erst im letzten Drittel des Projektes höre ich, was die Kinder noch einstudiert haben. Da weiß ich noch nicht, dass unsere fast einstündige Präsentation der Szenen durch diese Musik so richtig stimmig wird.

Jeux Dramatiques, was ist das?

Endlich interessieren sich Menschen für den Drachen, und nicht so sehr für sein Gold. Ende gut. Alles gut.

Ich bin immer noch so dankbar, dass die Schulleitung Direktorin Veronika Zeiner und der Projektleiter Armin Kramer zugestimmt haben, kein „normales“ Theaterstück einzustudieren. Denn so arbeite ich nicht. Als ich in meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin das „Jeux Dramatiques“ kennenlerne, bin ich hellauf begeistert. Am besten erklärt das ein Schüler gleich zu Beginn unserer Arbeit: „Das ist ja wie im echten Leben!“, sagt er, als wir den Ablauf und die wenigen, dafür klaren Regeln festlegen. Freiwilligkeit ist ein wichtiger Bestandteil. Niemand wird gezwungen, etwas bestimmtes zu spielen. Aber alle suchen sich eine Rolle aus. Das darf auch Wind und Wetter sein. Oder ein Gefühl.

Die Kinder bereiten den Ort ihres Spieleinsatzes mit Tüchern und wenigen Utensilien vor. Auch sich selbst verkleiden sie mit passenden Tüchern und den mitgebrachten Requisiten. Dann lese ich die Geschichte vor, wie sie bis jetzt ist. Ein mitgebrachter Gong beginnt und beendet die Szenen und das Standbild, wenn Chaos ausbricht und wir den weiteren Ablauf klären müssen. Und dann – spielen die Kinder mit Mimik und Gestik weiter und ich begleite mit Worten, was ich sehe. Dabei entwickelt sich eine Handlung.

Für die Aufführung ersetzen die meisten Kinder zunehmend Mimik und Gestik durch Worte. Manche Kinder behalten lieber Mimik und Gestik bei und sind weiterhin auf diese Art beim Spiel dabei. Alles ist erlaubt und möglich.

Das hat mich überrascht

Ich biete den Kindern nach diesen mörderischen Spieldurchgängen neue Handlungsmöglichkeiten an. Sie nehmen sie (fast) ohne zu murren an.

Womit ich überhaupt nicht rechne, ist das begeisterte Töten durch Schießen und Köpfen im Spiel. So viel Aufgestautes in den Kindern wird in diesem Angebot zum offenen Spiel frei! In den ersten Runden liegen überhaupt nur tote Darsteller am Boden. Und Mädchen bedecken die Körper mit Tüchern und Plastikblumen und spielen Begräbnis.

Ich führe ein neue Regel ein. Statt zu töten gibt es neue Handlungsmöglichkeiten wie

  • einen Zaubertrank einsetzen, der in einen tiefen Schlaf mündet
  • verhandeln
  • tauschen
  • Hilfe holen
  • tricksen, ablenken
  • eine Aufgabe, zum Beispiel ein schwieriges Rätsel stellen

Wer tötet oder getötet wird, setzt eine Spielrunde aus. Dann führe ich noch den „Königlichen Rat“ ein. Die Königin kann gerufen werden, wenn sich Kinder im Spiel nicht einigen können. Und sie, die mächtigste Position im Spiel, entscheidet, wie das Spiel weitergeht.

Tatsächlich greifen die Kinder zum Zaubertrank, zum Tricksen und eine Baumwächterin stellt einer Mitspielerin ein kompliziertes Rätsel, damit das Spiel weitergeht. Genial. Ein Jäger wird bis zum letzten Aufführungstag säuerlich sagen: „Wenn ich schon kein Tier töten darf, dann will ich wenigstens mit meinen Freunden feiern“. Der köngliche Rat war für diese Altersgruppe zu kompliziert. Die Königin muss nie entscheiden, weil sie nie angerufen wird. Aber – sie steht zur Verfügung. Aus der leisen Königin der ersten Stunden wird dadurch sehr schnell eine königliche und würdevolle Mitspielende.

Kompetenzen

Eine Waldelfe, verzaubert von der selbst angefertigten Waldelfe.

Für mich ist es nicht so erstaunlich, wie sehr sich die Kinder als Menschen weiterentwickeln. Für meine Begleiterinnen und den Begleiter des Projektes schon.

  • eine stille Königin ist zu Beginn kaum zu verstehen; am Ende sorgt sie klar und gut für ihre Familie
  • ein lebendiger und lauter Musikstar und eine wilde Prinzessin erkennen im Laufe des Spieles, dass sie dramaturgisch wichtige Teile der Handlung UND nicht die einzig Wichtigen des Spiels sind – sie gehen auch auf die anderen Kinder zu und lassen ihnen Raum
  • Kinder mit Schwierigkeiten der deutschen Sprache sprechen ihre Rollen zunehmend klar und deutlich
  • ein ständig beleidigter Junge bleibt zwar im Hintergrund, spielt aber am Ende seine Rolle ohne Schmollen
  • zwei Katzen sind mutiger, wenn sie alle Texte zu zweit sprechen und sorgen dafür, dass Geld und Gold an alle fair-teilt wird
  • ein sehr leiser Wirt hat Schwierigkeiten, den reichen Angeber heraushängen zu lassen, schlüpft aber zum Projektende doch in diese Rolle und begeistert das Publikum
  • den magischen Waldwesen ist das Wohlergehen und der Schutz der Bäume des Waldes zunehmend wichtig
  • einige Kinder wagen es, eigene Texte einzubauen und ihre Rollen zu erweitern
  • drei Buben sind bis zum Schluss nicht dazu zu bewegen, wirklich mitzuspielen – auch das muss man als Spielleitung und Begleitung tragen und aushalten
  • alle Kinder verbinden sich gut mit ihren Figuren und schaffen es, die Klappmaulpuppen ziemlich silbengenau mitsingen und sprechen zu lassen

Finanzierung

Herzlichen Dank an dieser Stelle, das so geniale Theaterprojekte für Kinder unterstützt werden!

Schulprojekte, wie ich sie mache, werden vom Österreichischen OEAD teilfinanziert. Ich beantrage nach Absprache mit einer Schule das Projekt, indem ich ausführe, was wir vorhaben und was wir planen. Dann wird das Projekt geprüft und im Idealfall genehmigt. Material- und Fahrtkosten sowie Gerätemiete müssen noch mitfinanziert werden. Und schon kann es losgehen.

Statistik und Zahlen

Die Kinder spielen ihre Präsentation vor vollem Hause. Was für eine Wertschätzung durch die Angehörigen! Sie geben alles und machen diesen letzten wichtigen Lernschritt des Herzeigens voller Einsatz, Freude und Begeisterung.
  • 11 Vormittage à 5 Stunden plus eine Abendvorstellung
  • zuerst 29 Kinder, nach 2 Monaten 30 Kinder
  • 20 Chorkinder
  • 1 Projektpartner aus der Schule
  • 2 PädagogInnen, die regelmäßig mitarbeiten
  • 1 Komponist, der einen Song komponiert
  • 1 Musiklehrer, der die passenden Lieder im Chorgesang mit den Kindern einstudiert
  • zahllose Näh- und Bastelstunden durch die Werklehrerinnen
  • zahllose Vorbereitungsstunden und Einkäufe für das Riesenbuffet durch Eltern bei der Abendaufführung

Warum mache ich das?

Wenn aus Kinderzeichnungen Theater von Kindern für Kinder entsteht, das allen Freude gemacht hat – dann habe ich mein Ziel erreicht!

Mir bedeutet es sehr viel, dass ich Kindern mit meiner Arbeit an Schulen Räume schaffen kann, in denen sich ihre Kreativität frei ausdrückt. Kein Lehrplan. Keine Noten. Kein Richtig oder Falsch. Sondern ein Projekt, das sie reizt und in das sie sich einbringen. Jedes Kind auf seine Art. Ich arbeite nicht mit vorgegebenen Ideen. Es ist ganz bestimmt aufwändiger, sich ganz auf die Kinder einzulassen und nicht schon alles vorzubereiten. Doch genau das zahlt sich aus.

Wenn ich in eine Klasse komme und die ersten Gesprächs- und Spielrunden mit den Kindern durchführe, dann zeigt sich recht schnell, wo die Talente und die Fähigkeiten sich schon voll zeigen. Und wo sie sich noch schlummernd verstecken. Wir treten alle gemeinsam als Gruppe, als Netzwerk an. Alle Kinder sind Teil des Projektes.

Es gibt klare Regeln, wie wir unser Miteinander gestalten. Innerhalb dieser Regeln kann Kreativität fließen. Die klaren Grenzen ermöglichen, dass sich auch die Kinder auf eine neue Art kennenlernen. Auch die klassenführenden PädagogInnen erfahren Neues über die ihnen anvertrauten Kinder.



Frühlingsbeginn und Aufwachen

Jetzt ist es soweit! Der Frühling zieht auch astronomisch ins Land herein. Pünktlich zum ersten Frühlings-Wochenende fühlt es sich hier in den Alpen wieder nach Schnee und Kälte an. Ich schaue im dieswöchigen Wochenrückblick der 12 Kalenderwoche auf eine starke Woche zurück.

Weiterlesen: Frühlingsbeginn und Aufwachen

Ich muss dir sicher nicht erzählen, dass zumindest im DACH-Raum endlich genug Feuer am Dach ist, was Frauenanliegen betrifft. Collien Fernandes gilt meine ganze Hochachtung für ihren Mut, mit ihrem digitalen Missbrauch an die Öffentlichkeit zu gehen. Gefühlt ist ihr Sichtbarwerden der Tropfen, der endlich das Fass zum Überlaufen bringt. Noch nie habe ich auf Linkedin so viele Beiträge von Männern gelesen, die ihre Bereitschaft signalisieren, auch in der eigenen Bubble und im eigenen Leben genauer auf strukturellen Sexismus zu achten. Ich möchte hier an dieser Stelle auf das Buch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“ von Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr verweisen. Es ist augenöffnend und unterstützt all das, was wir Frauen schon immer gefühlt, aber nicht immer zu hören bekommen haben. Und es bietet sehr gute Impulse an, die in den Alltag zu integrieren sind.

Auch ich frage mich, ob ich überhaupt noch irgendetwas Erfreuliches schreiben soll, wenn es in den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaften so zugeht wie gerade. Und entscheide mich. Ich mache weiter. Vielleicht ist es mein kleiner Beitrag, dass auch du ein paar Minuten abschalten kannst.

Wochenrückblick Kalenderwoche 12

  1. Freundinnen und Kommunikation
  2. Ich bin schon ich
  3. Paulo und seine Namensvettern
  4. Künstliche und menschliche Intelligenz
  5. Schulfotos vom Liebsten
  6. Wertvolles Fallen auf die Nase
  7. Und du?

    Freundinnen und Kommunikation

    Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Gehen miteinander durch dick und dünn. Meinen englischen Ladies geht der Gesprächsstoff grundsätzlich nie aus!

    Aus dem Human Design Feld höre ich immer wieder, eine meiner Stärken sei in meiner Kehle. Was soviel wie „du solltest mehr sprechen“ bedeutet. Nun habe ich grundsätzlich wenig Bedürfnis und Anlass, ZU Menschen zu sprechen. Außer in meinen raren Videos über meine Arbeit. Da verstecke ich mich gern hinter Voice Over und lasse meine Figuren sprechen. Was ich aber sehr liebe, ist der echte Austausch mit anderen Frauen und Männern. Gerade diese Woche wieder erlebt, wie unterschiedlich die Energie fließt. Wie sie sich vervielfacht und ausbreitet, wenn offenes, liebevolles und wertschätzendes Zuhören im Raum ist. Gemeinsam über Sätze zu lachen wie „Es fühlt sich nicht schwer an, also ist es keine Arbeit“. Aus dem tiefen Wissen, wie tief wir solche Sprüche verinnerlicht haben. Sie schallend gemeinsam auszulachen, die Sprüche. Wie gut wir sie kennen! Vom Lachen erleichtert gehen wir weiter in unseren Alltag.

    Mein zweiter Energiebooster diese Woche ist eines dieser Gespräche mit dem Liebsten, als ich ihm erzähle, dass ein Rahmen nicht genug Tiefe für wirkungsvolles Diorama hat. Ich beschreibe ihm in allen Details, was fehlt – und höre mich sagen: „Ein Spiegel. Ein Spiegel müsste an die Rückwand. Spiegelfolie, ich bestelle eine Spiegelfolie!“ Ich schwöre, die Lösung ist vorher nicht da. Sondern fällt mir einfach aus dem Mund. Wir lachen mittlerweile über meine regelmäßige und sehr akkurate „Lösungsfindung“, wenn mein Mann einfach zuhört. Kennst du das vielleicht auch?

    Ich bin schon ich

    Auch so ein „das war ja nur ein Schnappschuss“-Sager. Wer sagt, dass die richtigen Fotos zur rechten Zeit nicht wertvoll sind?

    Als ich vor zehn Jahren entscheide, diesen neuen Weg der Künstlerin in diesem Leben wirklich und echt zu gehen, habe ich einfach keine Ahnung. Da ist eine verschwommene Vorstellung von immerwährendem Glück, weil ich endlich tue, wovon ich immer träumte. Da ist die vage Vorstellung des Selbermachens. Und nicht mehr nur über Künstlerinnen und Künstler zu berichten. Sondern selbst in dieses Feld einzutauchen Und eine tiefe Sehnsucht, in mir anzukommen. Ein tiefes Wissen, was ich auf keinen Fall mehr machen will. Dafür steige ich in eine Hochschaubahn der Gefühle, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe.

    Vergangene Woche sage ich zu einer guten Bekannten im Brustton der Überzeugung: „Ich bin schon ich. Ich suche nicht mehr.“ Ich erschrecke, was ich da ausspreche. Wann ist das geschehen? Seit wann suche ich nicht mehr? Wann habe ich diesen neuen Raum betreten? Der Unterschied zu 2016 ist – ich fühle diesen Satz in jeder Zelle meines Körpers. Seit Montag schwebe ich ein bisschen auf Wolke Sieben.

    Paulo und seine Namensvettern

    Schau gern einmal bei meiner Kundin Claudia di Chio vorbei. Sie ist als Herzschätzerin angetreten, um gesunde Arbeitskultur und Resilienz in Unternehmen zu fördern. An ihrer Seite ist ab sofort Paulo für die nonverbale Auseinandersetzung zuständig und unterstützt sie mit all seiner Klarheit und seiner Freundlichkeit!

    Nun ist es ganz offiziell: der von mir angefertigte Paulo mit den verschränkten Armen und dem freundlichen Lächeln darf jetzt ins Licht der Öffentlichkeit. Und sein Publikum als „Türsteher der Gedanken“ inspirieren und verzaubern. Er entsteht im März, parallel zur „Mini Me“ meiner Freundin Anita. Seine Entstehungsgeschichte läuft eher im Hintergrund ab. Bei mir heißt er eigentlich Max. Du weißt schon, das erzählt er mir im Prozess. Also ist das sein erster Arbeitsname.

    Schon während der Entstehung und im Austausch mit meiner Kundin schwebt der Name „Paolo“ oder „Paulo“ durch unseren Kopf. Paulo wohnt sehr kurz zur Probe bei seiner Auftraggeberin. Und als klar wird, dass er sich häuslich niederlässt, mache ich seine Reisepapiere fertig. Echtheitszertifikat. Seine Entstehungsgeschichte. Überall steht „Paulos“. Ja, ich kenne einen Paulos. Der begabteste afrikanische Trommler, der hier in Kärnten lebt. Wir kennen uns gut.

    Ich bin erschüttert, als ich erfahre, dass die Reisepapiere schlicht und ergreifend einen falschen Vornamen tragen. Mittlerweile sind die neuen Papiere unterwegs. Fünf Mal korrekturgelesen. Wenn ich mir irgendwann Bürohilfe leisten kann, dann wird das nicht nur eine Buchhalterin, sondern auch eine Lektorin sein!

    Künstliche und menschliche Intelligenz

    Diese Zeichnung hat der Liebste angefertigt. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Tanzend!

    Done. Erledigt. Geschafft. Chat GPT ist nicht mehr Teil meines Lebens. Nach Facebook, Spotify und CapCut verabschiede ich mich wieder von einer vertrauten Plattform. Ich trauere meiner Handvoll digitaler Prompts nach, die ich mir irgendwann einmal geleistet habe. Und viel zu selten angewandt habe. Jetzt sind sie im Datennirwana verschwunden. Gemini muss mich erst kennenlernen und wird wieder als Suchmaschine trainiert. Also füttere ich sie mit meinen eigenen Texten und lasse sie eventuell Vergessenes dazu fantasieren. Ich bin AI-müde. Die Plattform macht definitiv schönere Bilder als Chat GPT. So viel kann ich jetzt einmal positiv zu ihr sagen.

    Ganz ohne KI weiß ich, dass die Bremsen der Familienkutsche schleifen und ich höre, dass mindestens ein Stoßdämpfer die winterlichen Fahrbahnen und die heurige Kälte nicht so gut verkraftet hat. Kommende Woche hat das Auto Reifenwechseltermin. Ganz analog und händisch. Und dann schauen wir einmal, wie lange es die nun schon in die Jahre gekommene Dame noch mit uns aushält.

    Schulfotos vom Liebsten

    Alexander kommt am Dienstag mit in die Schule. Ich möchte den letzten Tag im lichtdurchfluteten Musikzimmer noch einmal nutzen, dass wir Fotos von Kindern in Aktion machen. Ich lasse dir hier ein paar Juwelen. Kommende Woche ziehen wir um und proben nur mehr im Festsaal neben der Schule. Donnerstag ist unsere Abschlussveranstaltung. Die Kinder sind schon ganz schön aufgeregt und eifrig dabei, die Nerven der Erwachsenen mit kinderkrankheitsbedingten Ausfällen stark zu beanspruchen. Ich werde berichten!

    Wertvolles Fallen auf die Nase

    Meine Ratten und Rättinnen gehörten zu den mutigsten Figuren meiner bisherigen Laufbahn. Sie haben großen Ekel ausgelöst und große Liebe. Sie waren jeden Handgriff wert!

    Maren Martschenko und Anna Koschinkski tauschen sich auf dem „Verbindung schaffen“-Podcast über „Magnetismus, Bademäntel und naked blogging“ aus. Sowas von hörenswert, große Emfpehlung. Und Maren fragt im Rahmen ihres klugen #reflectandlearn diese Woche: Was ist es wert zu tun, auch wenn ich damit vollkommen auf die Nase falle?“ Rückblickend ist das definitiv meine Entscheidung gewesen, diesen neuen Weg der Künstlerin vor zehn Jahren wenig kompromissbereits einzuschlagen. Aktuell sind es die Riesenfiguren, die ich im Sommer bauen will. Kann sein, dass das komplett in die Hose geht. Wir werden sehen – mich zieht es schon so lange zu dieser Erfahrung des Machens. Wir werden sehen, was und ob wir etwas sehen!

    Und du?

    Was riskierst du heuer oder eben und gerade, auch wenn du dabei auf die Nase fallen könntest?








    Familienfotos und Pappexperimente

    Beim Blick in den Kalender vergangene Woche bin ich zuerst erleichtet.

    Weiterlesen: Familienfotos und Pappexperimente

    Dann ruft eine Freundin an, ob ich unseren Termin vergessen habe. Habe ich, aber wie! Und dann dreht sich das Rad wieder rasanter. Willkommen beim Wochenrückblick der Kalenderwoche 11 dieses jungen Jahres. Heute mit einer Buchempfehlung ohne Affiliate-Link. Selbst und freiwillig gekauft. Für unglaublich gut befunden. Und deshalb hier in den Rückblick aufgenommen.

    Hier gehts zum Inhaltsverzeichnis:

    1. Gemeinsam gehts leichter
    2. Trotzdem Zuhause
    3. Klappmaulpuppen lernen singen
    4. Gesunde Intervalle und ich
    5. Diorama und Pappe
    6. 26 Jahre digitale Fotos
    7. Wie machst du das mit deinen Familienfotos?

    Gemeinsam gehts leichter

    Gemeinsam zu arbeiten ist gut gegen Prokrastinieren. Bei mir auf alle Fälle!

    In meinem Kopf schwirren so viele Ideen umher, dass ich froh bin, jeden Dienstag Abend in meiner Accountability Gruppe einzutauchen und mich mit anderen Künstlerinnen zu besprechen, was gerade wirklich ansteht. Dieser nächste wichtige Schritt, um an einer Sache dran zu bleiben. Die regelmäßige Gruppe ist gut gegen Prokrastinieren. Danke ihr wunderbaren Frauen!

    Ebenso dankbar bin ich für die monatlichen Treffen der Spittaler BPW. Vergangene Woche war wieder eines. So viele kreative Inputs an einem Abend. So gute und bestärkende Gespräche. So oft das Gefühl, wir alle kennen die typischen Herausforderungen. Jede einzelne. Warum ich sechzig Jahre alt werden musste, um so eine Gruppe zu finden, das weiß der Himmel.

    Trotzdem Zuhause

    Das hier ist ein Screenshot des neuen Buches dieser wundervollen Autorin. Mehr dazu im Text!

    So heißt das neue Buch von Tupoka Ogette. Kennen- und schätzen gelernt habe ich die Autorin irgendwann um 2015, als wir Wege suchen, rassistischer Sprache besser zu begegnen. Zu lernen, dass systemischer Rassismus auch in mir angelegt ist, hat bei einem Workshop weh getan. Doch wie weh es tut, diesem rassistischem Widerstand in uns allen als Kind und Heranwachsende ausgeliefert zu sein, das spüre ich beim Lesen jedes Kapitels. Ich bin einfach nur dankbar, dass Tupoka nie aufgegeben hat und heute so erfolgreich als Brückenbauerin wirkt.

    In mir sind beim Lesen dieser so persönlichen Geschichte eines Mädchens, das mit brauner Haut in der ehemaligen DDR aufwächst, Tränen gekommen. Und weitere Türen aufgegangen. Ich verstehe noch besser, warum Tupoka ihre Akademie betreibt und so viele Workshops gibt. Warum sie so klar ist. Wir sind, verdammt noch mal, Brüder und Schwestern hier auf diesem Planeten. Wir alle. Können wir endlich aufhören, unsere sozialisierten Grenzen im Kopf zu pflegen? Bestimmt schafft es dieses herzberührende Buch besser als ich.

    Klappmaulpuppen lernen singen

    Ein Golddrache fliegt seit Jahrhunderten über Kärnten. Oder bewacht ganz traurig den alten Schatz, für den sich keiner mehr interessiert. Wie gut, dass er zu singen lernt!

    Die gemeinsame Zeit mit den Kindern beginnt zu wirken, wie ich es mir jedes Mal bei so einem Projekt wünsche. Laute Klassenclowns erkennen, dass es nur gemeinsam geht und halten sich an ihre Struktur. Immer mehr stille Kinder erweitern ihre Rolle und verblüffen uns mit leichten Szenenänderungen und zunehmendem Sprechen während des Spiels. Ich habe vor den Semesterferien eine Ballade für den Golddrachen geschrieben. Der Sohn der Schuldirektorin – ich liefere den Namen nach, versprochen! – hat uns den Text vertont. Der Musikpädagoge Mathias hat Text und Musik an die Möglichkeiten des Schulchores angepasst. Und ich habe wirklich Gänsehaut, als die Kinder mir am Donnerstag zum ersten Mal vorsingen, was aus dem Text geworden ist.

    Nun lernen auch die Klappmaulpuppen, dass sie Vokale mit offenem Mund und silbenkonform mitgestalten sollten, damit es echt aussieht. In zwei Wochen führen sie das Stück auf. Ich freue mich schon sehr!

    Gesunde Intervalle und ich

    Egal, ob Getreidekaffee oder Kaffee mit oder ohne Coffein – Hauptsache, wir halten unsere Pausen ein!

    Nicht nur, dass ich endlich wieder meinen Magen ab 16 Uhr ausruhen lasse. Außerdem verpasse ich mir eine andere Arbeitsstruktur. Ich bin zwei Tage in der Woche ausschließlich für mich und meine Kunstprojekte im Atelier. Auftragsarbeiten mache ich an zwei anderen Tagen. Einen Tag reserviere ich für all das, was Unternehmerinnen wie wir eben auch noch so machen müssen. Management. Marketing. Verkauf und Kunden. Pausen sind nicht (mehr) verhandelbar.

    Diorama und Scheitern mit Pappe

    „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ wusste schon Hermann Hesse.

    Ich habe es mir echt so schön vorgestellt. Ein tiefer Rahmen für die dreidimensionalen Szenen. Bemal- oder beklebbar. Zwei bis drei Ebenen aus Pappe, auf einen u-förmigen Einschubkarton montiert. Ganz easy zu machen. Ganz elegant eingeschoben. Dann noch eine Lichterkette montiert – und fertig.

    So ist die Realität.

    Die geschnittene Pappe sieht an den Rändern unschön aus. Glücklicherweise verwende ich in meinem Fall von diesem Menschen getragene Textilien. Also einmal über die unschöne Kante geschlagen und die Kante ist verdeckt. Ich verwende Tapetenkleister, um die Textilien zu fixieren. Ganz weit hinten in der Erinnerung meldet sich eine Stimme. War da nicht schon mal was?

    Die Pappe weicht – wieder, wie bei den Pinselfiguren im ersten Durchgang – vollkommen auf. Zieht sich beim Trocknen zusammen. Schnell pappe ich auf die Rückseite ebenfalls reichlich Tapetenkleister. Und beschwere das Ganze mit schweren Büchern. Die Bücher verhindern, dass am nächsten Tag der Kleister getrocknet ist. Also weg damit. Ein paar Stunden später ist alles trocken. Und dramatisch gebogen. Also Bücher wieder drauf!

    Kleine Schweißausbrüche, wenn ich an den Workshop denke. Fehler, Denkfehler! Das muss ich anders machen. Der Liebste sagt: nimm Weißleim dazu! Dann hält das besser! Ich glaube eher, ich verwende das nächste Mal Sprühkleber. Oder ein anderes Basismaterial als Pappe. Nächste Woche gehts weiter mit der Forschungsarbeit in der Praxis.

    Mein Diorama rund um einen Trauerfall in der Familie ist übrigens am Wochenende fertig geworden. Endlich. Irgendwas in meinem System hält nicht mehr die Luft an. Sondern atmet durch. Nächste Woche gestalten wir die Familienwand, von der wir schon so lange reden. Dieses Diorama macht den Anfang und wird ein sehr geliebter Teil davon sein.

    26 Jahre digitale Fotos

    Fotografieren – will auch frühzeitig gelernt werden. Darf ich vorstellen? Meine jüngste interessierte Schülerin!

    Die Zahl müsste stimmen. 26 bis 30 Jahre. Als ich erleichtert auf die Digitalkamera umsteige, ahne ich noch nicht, wieviele Daten das irgendwann einmal sind. Ich mache nebenbei weiter mit dem digitalen und ganz privaten Frühlingsputz meiner Fotos. Ordner für Ordner. Manches ist doppelt, dreifach und vierfach auf der externen Festplatte gesichert. Sicher – ist sicher, nicht wahr?

    Nun geht es darum, was kann weg? Was bleibt gespeichert? Derzeit gehen die Bilder zurück bis ins Jahr 2000. Ich weiß, dass ich noch gebrannte CDs in einer Schublade habe, die vor den Festplatten waren. Irgendwann gehen wir auch diese technische Herausforderung an.

    Und weißt du, was richtig gut ist? Ich kann die Ordner mit meinen erwachsenen Kindern teilen. Wir greifen auf unsere gemeinsame Vergangenheit zu. Mit einer Mutter, die Fotografin war, ist das eine spezielle Herausforderung…

    Und wie machst du das mit deinen Familienfotos?

    Früher haben wir gesagt – im Winter, im Winter ist Zeit. Dann kleben wir all die Papierfotos ins Album. Ich habe bis heute kein Album.
    Wie löst du das?

    Von Frauen und von Männern

    Diese Woche ist gespickt mit Abschlüssen. Ein Mann. Und eine Frau. Sie ziehen aus dem Atelier aus und weiter in ihre neuen Familien. Dieser Wochenrückblick ist voller Abschiede. Komm mit und lies selbst.

    Weiterlesen: Von Frauen und von Männern

    Und hier gehts zum Inhaltsverzeichnis dieses Wochenrückblicks:

    1. Abschied von Maschinen
    2. Abschied von zwei Figuren
    3. Abschied von einer Weide
    4. Theater, wir kommen!
    5. Hoppalas
    6. Worauf ich mich freue
    7. Ein neuer Blickwinkel

    Abschied von Maschinen

    Wie klein und putzig dieses riesige Paket aussieht! Gute Reise, ihr lieben Maschinen, ihr werdet schon sehnsüchtig in Portugal erwartet.

    Er war im innerfamiliären Bauteam, als wir unsere Tiny Houses auf Rädern bauten. Und jetzt baut er selbst. Nicht hier vor Ort. Sondern in seiner neuen Heimat, in Portugal. Die Rede ist von meinem erstgeborenen Sohn. Der Bruder kommt am Sonntag vorbei und wir packen essentielle Baumaschinen auf eine Euro-Palette. Er und der Liebste kommen ganz schön ins Denken und ins Schwitzen, wie sie die sperrigen Teile so übereinanderstapeln, dass nichts kaputt geht. Sie filmen und fotografieren, wie sie die Maschinen zerlegen. Schrauben werden in Plastiksackerln einsortiert, beschriftet und an die richtige Stelle geklebt. Nichts darf über die Palette nach außen ragen. Nach dreieinhalb Stunden wickeln sie stolz die extra angeschaffte, klebrige Plastikfolie um das Kunstwerk à la Christo. Nur durchsichtiger. Versehen mit unseren allerbesten Wünschen, die wir auf die Folie zeichnen.

    „I warat in zwei Minuten da“, ruft der Fahrer zwei Tage später ins Telefon, als wir noch überlegen, ob wir einen Termin vereinbaren sollen. Und dann gehts ganz schnell. Eine vorübergehende Straßenblockade. Leichte Schwierigkeiten, mit den langen Eisenstangen unter die Palette zu kommen. Kreative Lösung finden. Einladen. Losfahren. Und jetzt ist das Paket unterwegs zu seiner neuen Bestimmung!

    Abschied von zwei Figuren

    Paulos kommt wie gerufen in mein Leben. Er geht einer Serie von Figuren voraus, die im Herbst das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. Lass dich überraschen!

    Ich habe in meiner Künstlerinnenlaufbahn bis jetzt nur zwei Männer geformt. Einer war ein Zwerg. Und einer war der Gefährte einer weiblichen Filzfigur. Als jetzt eine zauberhafte Auftraggeberin anklopft und fragt, ob ich ihr eine ganz bestimmte Figur für ihre Arbeit mit Menschen anfertigen kann, wissen wir beide: das MUSS eine männliche Figur werden. Wir brauchen genau diese zielstrebige, durchsetzende und logisch-rationale Energie.

    Paulos verlässt mich vergangene Woche und kommt bereits am Montag in seinem neuen Zuhause an. Als ich am Abend ein Unpacking-Video bekomme, darf ich spüren, wie sehr sich eine Frau über eine Figur freut, deren Entstehung sie zwar in den letzten Wochen online verfolgen konnte. Echt ist dann doch anders.

    Ja, ich teile bei Auftragsarbeiten auf Wunsch auch Überlegungen, Fotos und Videos! Am Ende, zum Verabschieden, schaute der junge Mann noch einmal bei mir in einem Fotoshooting vorbei. Viel Erfolg bei deiner wichtigen Arbeit, geschätzter Paulos!

    Verbunden. Mit sich. Mit der Welt. Mit Allem-was-Ist. Auf Social Media verbindet sie vergangene Woche Menschen im Austausch.

    Einen Tag später darf ich die zweite Figur des Februars persönlich in ihr neues Zuhause chauffieren. Es ist Winter 2025, als ich mit dieser Art von Künstlerfiguren beginne. Ich stehe noch sehr unter dem Eindruck der Kunst und Biografie von Niki de Saint Phalle. Und ich weiß, künstlerisch geht es in diese Richtung weiter. Gefühle ausdrücken. Mich vom Prozess leiten lassen. Weiblichkeit, Spüren und Frausein im Mittelpunkt meines Schaffens.

    Als ich den Auftrag einer lieben Freundin bekomme, ihr eine Figur zu machen, die zu ihr passt, weiß ich tief drinnen, dass es genau diese Art von Figur sein könnte. Ich zeige ihr einen Prototypen, mit dem ich noch nicht ganz zufrieden bin. Die begeisterte Reaktion gibt mir recht. Nach unserem intensiven Gespräch weiß ich noch ein bisschen besser, wovon sie träumt, was sie als Mensch und als Künstlerin ausmacht. Und dann ist auch diese Figur fertig, die von mir den Titel „VERBUNDEN“ erhält.

    Drüben, auf Social Media und Linkedin, wurde die Figur sehr gut aufgenommen. Unter dem Foto ist ein Link, falls du dort nachlesen willst, was den Menschen durch den Kopf ging.

    P.S. Eine Veranstalterin meldet sich und fragt an, ob ich nächstes Jahr mit einer Serie solcher Figuren bei einer Ausstellung dabei sein könnte. Einmal mehr fühle ich mich so bestärkt, auf meine innere Stimme zu hören!

    Abschied von einer Weide

    Nun ist Großmutter Weide viele morsche Äste leichter geworden!

    Aber nicht ganz!

    Als wir vor fast drei Jahren (!) den Zirkuswagen vor einer Weide abstellen, ist es der Schatten am hitzigen Pfingstwochenende, der uns magisch anzieht. Wir standen vorher mit den Tiny Houses in der prallen Sonne und wenn es eines gibt, das im Tiny House unangenehm ist, dann ist das Hitze im Sommer. Vor allem Nachts, wenn frau gerne schlafen würde.

    Drei Jahre später ist dieser alte Baum kräftig weitergewachsen. Seine dicken Äste klopfen bei starkem Wind an das Dach. Irgendein neues, klebriges Insekt nistet im Sommer an den Blättern und es tropft unentwegt. Naja, und es ist nicht mehr schattig, sondern finster im Zirkuswagen. Von den Gelsen und Tigermücken, die den feuchten Schatten lieben, will ich gar nicht reden.

    Nun bin ich so gemacht, dass ich lieber zehn Mal überlege, ob eine Pflanze ausgerissen oder ein Baum umgeschnitten wird. Bei der Weide war klar: sie ist teilweise morsch. Gefahr in Verzug. Und – wir kappen ungefähr ein Drittel.

    In einem gemeinsamen und doch stundenlangen Ho-Ruck, zwei Männer, eine Frau, eine Akku-Motorsäge und viel Glück und Können, ist der Raum vor und im Zirkuswagen nun deutlich heller und zugänglicher. Die gekappten Äste werden in den nächsten Tagen zu Hackschnitzeln verarbeitet. Und lichter Schatten wird uns den Sommer versüßen.

    Und Leute, es hat 19 Grad, als wir am frühen Abend matt und fertig in den Stühlen hängen und uns zu diesem Schritt gratulieren! Neunzehn Grad! Der Frühling nimmt gerade voll Fahrt auf.

    Theater, wir kommen!

    Bis jetzt haben die Kinder ihre Geschichte verkleidet aufgeführt. Ab nun kommen ihre selbst angefertigten Klappmaulpuppen dazu. Wie sie sich darauf gefreut haben – die Kinder, und die Figuren!

    Als ich mich am Mittwoch für den Theaterdonnerstag in der Volksschule vorbereite, bin ich erstaunlich entspannt. Schon vergangene Woche war mir schrittweise klar, wie ich mit dieser großen Gruppe besser weiter arbeiten kann. Und dass es jetzt zielgerichtet auf die Aufführung kurz vor den Osterferien zugeht.

    Was ich mir dieses Mal bei der Anfahrt erlaube, ist hilfreich: ich höre keine aktuellen Nachrichten. Bekomme ich mit, was in der Welt los ist? Aber sicher, ich lebe ja nicht im Elfenbeinturm. Ich will entspannt und ohne Sorgenenergien mit den Kindern sein. Also höre ich meinen geliebten Sting und sein Musical „The Last Ship“. Solltest du so ein Musikfan sein wie ich, dann könnte dir das vielleicht auch gefallen.

    Als mir die ersten Mädchen entgegen purzeln, als ich vor der Schule vorfahre, weiß ich: so mache ich das in Zukunft immer. Ich komme entspannt, egal, wie sich Erwachsene da draußen in der Welt benehmen. Für fünf Stunden sind es die Kinder, ihre beiden pädagogischen Begleiter, ihr selbst entwickeltes Stück, ihre Figuren – und ich. Und sonst gar nichts.

    Wir sind so vertieft in zwei Durchgänge Theater, dass ich aufs Fotografieren vollkommen vergesse. Nun sind auch alle Erwachsenen wieder zuversichtlich und entspannt. Die Kinder haben die Geschichte in meiner krankheitsbedingten Abwesenheit tiefer integriert als angenommen.

    Hoppalas

    Diese Woche muss ich ein bisschen schärfer nachdenken, ob auch etwas schiefgegangen ist. Aber klar – hier ist ein technischer Fail, der mich die nächsten Wochen beschäftigen wird. Ich habe schon eine Weile im Hinterkopf, dass ich meine Online-Zugänge besser absichern sollte. Dieses Mal geht es um die Passwörter. Ich führe ein Heft, handschriftlich. Seit einigen Jahren. Meine Kinder schlagen jedes Mal die Hände überm Kopf zusammen …

    „Alles ganz easy“, sagt der jüngste Sohn. „Wirst sehen, das geht ganz leicht mit der Umstellung auf einen Passwortmanager“. Du kennst mich. Triggerwarnung. Alarm. Alaaaarm! Was kommt da wieder auf mich zu?

    Dass ich derzeit Umwege gehen muss, damit ich meine e-banking-Geschäfte machen kann, das nehme ich einfach zur Kenntnis. Ich halt wieder. Fakt ist – es ist kompliziert, jeden Zugang neu einzustellen. Klar werde ich das machen. Aber schön einen Schritt nach dem anderen. Die Expertin bei der Bank und ich, wir lachen, als ich ihr erkläre, was ich bis jetzt unternommen habe, um wieder ein „Normal“ herzustellen. Einfach – ist einfach anders! Da sind wir uns einig.

    Worauf ich mich freue

    Nächste Woche treffe ich einerseits einen Puppenspieler, der von mir drei Figuren gemacht haben will. Und ich beginne ein neues Projekt, das mich fordert: ich baue Dioramas für einen Workshop. Gemeinsam mit einer professionellen Begleiterin entsteht ein neues Projekt, in dem Menschen erleben, wie hilfreich und heilsam Kreativität ist. Auch oder besonders in stark herausfordernden Zeiten.

    Mehr dazu in den nächsten Wochen, versprochen!

    Ein neuer Blickwinkel

    Ich bin dem Oead wirklich dankbar, dass er Menschen wie mich und Schulen finanziell dabei unterstützt, kreative Freiräume zu ermöglichen.

    Die Bonusfrage von Maren Martschenko diese Woche beantworte ich gerne. Ich weiß, warum ich in diesem Leben nicht Lehrerin geworden bin. Ich hätte sehr gerne mit Kindern gearbeitet. Meine Schulzeit war entmutigend und ich verabschiedete mich noch als Schülerin von dieser Idee. Aber sie lässt mich nicht los. Seit zwanzig Jahren gehe ich als Außenstehende an Schulen und biete unterschiedlichste kreative Workshops an.

    Vergangene Woche tausche ich mich mit einem Pädagogen über meine Beobachtungen und Veränderungen im Umgang mit den Kindern heute aus. Und er erzählt mir, wie wenig Zeit bleibt für Zeiten, wie ich sie den Kindern anbieten kann. In denen sie wirklich spielen, sich und ihren Platz in der Gemeinschaft besser kennenlernen. In denen sie Rollen ausprobieren, für die im Schulalltag schlicht und ergreifend kein Raum ist. Wieder höre ich, wie stark die Bürokratie in der Schule zugenommen hat. Testungen, die das System herausfordern. Und dass wenig Zeit bleibt, all die Gewalt, die damit verbundenen Ängste, Sorgen und Fantasien, die durch die Kinder- und Schulzimmer schwappen, zu benennen und zu besprechen.

    Mir ist bewusst, dass meine Arbeit ein wertvoller, aber eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Und ich merke, ich werde geduldiger und verständnisvoller mit Pädagoginnen und Pädagogen, die, jeder und jede auf seine Art, ihr Bestes geben.

    Und du?

    Hast auch du dich vergangene Woche verstärkt von Umständen, Situationen oder Menschen verabschiedet?








    Virenschleuder und Aufträge

    Wir befinden uns in der neunten Kalenderwoche dieses Jahres. Ich bewege mich zwischen Kranksein und Atelier hin und her. Willkommen zu einem Wochenrückblick aus der Sicht einer etwas angeschlagenen Kunstschaffenden.

    Inhaltsangabe zur Kalenderwoche 09:

    1. Verbundenheit mit Arbeitsprozessen und Gesundheit
    2. Auftragsarbeiten und Erkenntnisse
    3. Mein Weg als Künstlerin
    4. Druck erzeugt Widerstand
    5. Sechs Jahrzehnte in Fotos
    6. Technik & Me
    7. Das war wohl nix
    8. Kreativität & Me
    9. Vorfreude und Planung

    Verbundenheit mit Arbeitsprozessen und Gesundheit

    Die letzte Woche meiner Auftragsarbeiten rauscht herbei. Mich legt am Sonntag vollkommen überraschend ein Virus flach. „Leg dich hin und kurier dich aus“, sagt der Liebste. Ich bleibe einen Tag lang brav liegen. Wohl wissend, dass die kommende Woche mir Einiges abverlangt. Das Fieber sinkt. Ich niese und schlafe mich durch den Tag. Am Montag Morgen fühle ich mich besser. Und stürze mich in den Tag. Der Körper einer Auftragsfigur bekommt seine Kleidung. Die andere Figur soll geschliffen, grundiert, bemalt und beklebt werden.

    Hier entsteht ein Körper aufgrund einer Zeichnung und einer Idee


    Mir ist es eine große Freude, dass ich nur über wenige Holprigkeiten stolpere, ich komme gut voran. Genau so, wie ich es mir vorgenommen habe. Weil es erwünscht ist, versende ich während des Arbeitsprozesses Fotos und Videos. Der Technik sei Dank. Dieses Entgegenkommen hilft allen Beteiligten, wenn sie nicht zu mir ins Atelier kommen können.

    Papermachéfigur mit Fühlern in die Welt

    In der Mitte der Woche beginnt das Fieber wieder zu steigen. Was zuerst nur die rechte Stirnhöhle betrifft, wandert nun auch in die linke. Meine Bronchien und die Lunge senden morgens Signale von Beklemmung und Überlastung. Hatte meine Freundin also doch recht, der ich bereits absagte – ich bekomme eine Bronchitis? Jetzt wird mir mulmig. Also – stundenweise zurück in die liegende Position. Literweise Yogi-Tee zum Aufheizen, Badewanne, Hustensaft und Einschmieren.

    Diese Woche gibt es Regelunterricht an der Schule der Kinder. Nächste Woche starten wir dann wieder durch.

    Und ich sage den Schultermin mit sehr schlechtem Gefühl ab. Ich bin ganz schön wackelig und fiebere noch. Und anstecken will ich niemanden. Bekomme die Rückmeldung, dass in der Schule sehr viele Kinder krank sind. Das verschafft mir Zeit, mich um meine Gesundheit zu kümmern. Irgendwie werde ich diesen Vormittag in den nächsten vier Wochen wieder einarbeiten.

    Auftragsarbeiten und Erkenntnisse

    Handgemachte, winzige Schuhe brauchen viele Handgriffe, damit sie echt aussehen.

    Mir hat es die letzen zehn Jahre riesige Freude gemacht, für mich und meine Themen künstlerisch tätig zu sein. Diese Freude an der Auseinandersetzung wird nie enden. Nur bin ich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen auf diesem Planeten, ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch, das Zuhören, das Beisteuern eigener Erfahrungen. Gruppe ist Magie und sowas von hilfreich!

    Wenn ich ausstelle oder meine Figuren herzeige, erfahre ich Resonanz von anderen Menschen. Immer wieder höre ich, wie sehr diese Figuren berühren. Und ob ich auch Auftragsfiguren herstelle. Ganz individuell. Ganz auf einen Menschen zugeschnitten und maßgeschneidert. Wie sagt meine Freundin Pippi: „Das habe ich noch nie gemacht, also kann es nur gut werden!“ Mit dem mir eigenen Mut zu Neuem biete ich das seit 2025 an.

    Dieser Februar beschert mir zwei Auftragsarbeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Figur soll eine Idee verwandeln, mit der sich sogar die Künstliche Intelligenz auseinander gesetzt hat. Was für mich vollkommen neu ist. Die andere Figur soll mein Spüren einer Person darstellen, ihre Essenz, ihre Seelenanteile, ihr Wirken in der Welt.

    Mit den Figuren erlebe ich zwei sich ergänzende Seiten von Auftragsarbeit. Totale Freiheit auf der einen, klare Vorgabe auf der anderen. Es passt zu mir, dass beides zugleich da ist. Dass dieser scheinbare Widerspruch eine geniale Ergänzung ist. Ich glaube nämlich höchst selten an Schwarz oder Weiß im Leben. Mich interessiert das Feld dazwischen. Schwarz und Weiß machen dieses Feld klarer, sichtbarer. Ich ziehe es sowieso vor, Situationen und Menschen von vielen Seiten und Perspektiven zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

    Nun sind beide Figuren fertig. Ich habe so viel dazu gelernt wie lange nicht mehr. Handwerklich. Menschlich. Und kreativ. Es sind Türen für mich aufgegangen, die ich vorher nicht einmal gesehen habe. Danke für euer Vertrauen in mein Tun, ihr beiden Frauen!

    Mein Weg als Künstlerin

    Das Jahresthema für 2026 kommt im November zu mir, als mein Körper mich drei Mal zur Ruhe und zum Reflektieren verdonnert. Mein heuriges Jahresthema ist kein Leitwort, sondern ein Leitsatz: „Meinem Weg als Künstlerin vertrauen“. Wie gut, dass Korina mich inspiriert und online zu einer Blogparade über Jahresthemen einlädt. Der Link zum Beitrag ist auch unter dem Beitragsbild zu finden!

    Druck erzeugt Widerstand

    Wenn sich das Netz an Erwartungen über dich wirft, wie reagierst du darauf?

    Druck in Form künstlicher Verknappung beleidigt meine Intelligenz. Spoiler und Warnung: in diesem Abschnitt wird geschimpft.

    Gerade und speziell auf Social Media erhöht sich in diesen Monaten die Dichte dieser Angebote. Mir ist klar, dass wir vor wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Wir alle. Das macht Existenzängste und kratzt am Selbstwert. Doch es ist eine Entscheidung, diese Ängste in Schafspelze verpackt weiter zu geben. Oder sich ihnen in einer stillen Stunde zu stellen und sie zu fragen, was sie zu sagen haben.

    Ich wollte das einfach einmal aufgeschrieben und ausgesprochen haben. Ich lese das. Entfolge dich nach dem dritten Nein und vergesse dein Angebot sofort.

    Auch mein Spam-Ordner quillt derzeit über vor Drohungen, mein Konto oder meine Fotos (!) zu löschen. Vor der Erinnerung, nicht bestellte Paketen zurückzusenden, vor unnötigen Angeboten und Last Minute Checks. „Ich habe nur mehr x Plätze frei, besser, du buchst heute noch“ oder „Einen Monat bekommst du meine Dienstleistung noch um diesen Preis, dann verdoppelt sich der Beitrag“. Ich staune, dass irgend jemand überhaupt darauf reagiert. Also, wozu dieser künstliche Hustle?

    Nachdem ich gestern Nacht sämtliche Kontolöschungen und diverse andere Drohungen gelöscht habe, ist heute Morgen mein SPAM-Ordner schon wieder gut gefüllt.


    Das ist so durchschaubar! Bei mir greift Werbung nicht, wenn wir keine Beziehung entwickelt haben. Wenn ich den Sinn für dein Angebot nicht spüre oder sehe. Und wenn ich gar nicht auf der Suche bin! Ich bin bekannt dafür, dass ich alle Hebel in Bewegung setze, wenn ich etwas für mich oder für andere ermöglichen will. Wenn ich es wirklich, wirklich brauche. Da kann ich all meine Kreativität einsetzen. Mir muss niemand eine saftige Karotte vor die Nase hängen!

    • Der Termin passt gerade nicht?
    • Ich habe das Geld dafür nicht?
    • Was solls!
    • Wenn es diese Zusammenarbeit, diese Ausbildung nicht zustande kommt, dann kommt eben die nächste.
    • Womöglich sogar die, die besser zu mir und zu meiner Situation passt. Und das Gleiche gilt für dich.
    • Enspann dich!

    Fotos und eine Reise durch die Jahrzehnte

    Geschwister. Erkennst du mich?

    Meine Familie schenkt mir zum Geburtstag, zum runden, ein Fotobuch. Hach. Da fließen Tränen. Kindheitsfotos. Dann wenige Fotos aus den Zwischenzeiten einer jungen Mutter, weil ich die Fotografierende bin. Und seit zwanzig Jahren wieder mehr Fotos, weil auch andere fotografieren. Und weil Fotos der mobilen Telefone druckbar werden.

    Mein jüngster Sohn speichert Familienfotos und Videos auf einem extra angeschafften und aufgesetzten Server. Immer wieder zieht es mich dorthin. Schon berührend, auf so eine lange Zeitspanne mit Familie, Herausforderungen und den vielen beruflichen Aufträgen zurückzuschauen. Ich staune, wieviele Fotos ich vergessen habe. Sie kommen jetzt nach und nach hier auf der Website zum Vorschein.

    Technik & Me

    So fotografiere ich mir im Leben kleine Helferleins herbei …

    Diese Woche gibt es, krankheitsbedingt, weniger Herausforderungen im Office als sonst. Die Nähmaschine schnurrt zuverlässig vor sich hin und bekommt demnächst ein Service, damit das auch so bleibt. Das Filmschneideprogramm Da Vinci Resolve kann frau sang- und klanglos verlernen, wenn sie wochenlang nicht damit arbeitet und dann auch noch ein Riesen-Update herunterlädt.

    Die Notizenfunktion in meinem Pocket-Book entdecke ich erst jetzt. Ich lese zum zweiten Mal ein Buch über Nicki du Saint Phalle . In ihrer Anfangszeit als junge Mutter und Künstlerin begeistert sie sich sehr für den spanischen Gaudi-Garten. Jetzt aber, das will ich nicht wieder vergessen! Mir erschließt sich das Angebot des Markers im Notizenbereich nicht, weil es so spartanisch und zeitverzögert angelegt ist. Wohl aber das Lesezeichen. Das scheint später im Inhaltsverzeichnis wieder auf.

    Das war wohl nix

    Hier hat wohl jemand vergessen, die Wand zu verputzen?

    Mein größtes Hoppala! diese Woche:

    Für die Zukunft bitte merken: wenn der Körper sagt, du bist krank, dann meint er das so. Und will sich auskurieren. Wie schon Mutter immer sagte, einen Tag fieberfrei sein, bevor er und sie sich wieder ins Getümmel schmeißt. Sonst dauert der Prozess länger als erwartet. Und vermutlich auch länger als notwendig. So ein Rückfall ist anstrengend und unlustig.

    Kreativität & Me

    So schaut es momentan bei mir auf #linkedin aus. Ich freue mich, wenn du mir auch hier folgst!

    Was liegend immer möglich ist, sind geschriebene Beiträge. Ich lade dich herzlich ein, mir auch auf Linkedin, meiner favorisierten Social Media Plattform, zu folgen. Dort gibt es regen Austausch unter meinen Artikeln und ich komme direkt mit dir ins Gespräch.

    Einerseits habe ich diese Woche einen Beitrag zur Stecknadel veröffentlicht. Und außerdem einen VLOG über meine praktische Arbeit im Atelier.

    Vorfreude und Planung

    Danke liebe Maren Martschenko für dein unermüdliches Zurverfügungstellen von Reflexionsfragen. Sie sind immer die Vorstufe zu meinen Wochenrückblicken. Für diese Woche geht es um das Thema Vorfreude. Selbstverständlich finde ich schnell einen Grund.

    Während wir dieses Wochenende die Maschinen des Liebsten zusammenpacken, damit sie nächste Woche mit der Spedition nach Portugal in die neue Werkstatt meines Sohnes gefahren werden, freue ich mich schon wie verrückt. Wir reisen den Maschinen Ende April, Anfang Mai für einen Urlaub nach. Dann sind sie dort schon in Verwendung.

    Portugal kenne ich noch überhaupt nicht. Ich freue mich auf eine Reise durch Frankreich und Spanien und ins neue Lebensumfeld meines Ältesten.

    Vor einem Jahr packt er nach einem Urlaub seine sieben Sachen und wandert voller Vorfreude aus. Man beachte den Kärntner Kren in der Außentasche. Der durfte in Portugal zu Ostern nicht fehlen.

    Ein Jahr später entsteht ein neues Leben mit neuen Menschen und neuen Aufgaben.
    That’s Life!

    Und wie hast du diese letzte Woche im Februar erlebt?


    Von Passagen und anderen Übergängen

    Während ich diesen Wochenrückblick auf die siebente Kalenderwoche dieses Jahres schreibe, ist er mit der Veröffentlichung da. Der gefürchtete Sechziger. Punktgenau vor 60 Jahren habe ich mit vielen anderen Feuerpferdgeborenen ins Licht dieser Welt geblinzelt. Und nun wiederholt es sich. Ein neues Feuerpferdjahr beginnt. Täglich sehe ich Bilder für das Neue Jahr in China, mit all den roten Pferdedekorationen. Und den Hoffnungen, die Menschen in diese Energie setzen. Ich füge dir ein bisschen weiter unten im Beitrag zwei Links zum Thema ein.

    Und falls du das Beitragbild siehst: ein bisschen Echtheit in der Online-Welt. Mein Arbeitsplatz am Fenster, selbst entworfen und vom Liebsten gebaut. Mit Blick in den Garten komme ich richtig gut durch die lichtarme Zeit unseres Winterdomizils.

    Doch hier ist einmal der Rückblick auf die vergangene Woche:

    1. Marina Abramovic und die Passage
    2. Netzwerke, wohin ich schaue
    3. Auftragsarbeiten und Auftragsarbeiten
    4. Ein besonderer Anruf
    5. Was nicht so gut funktioniert hat
    6. Ein Plädoyer fürs Schreiben
    7. Feuerpferd, Social Media und China

    Marina Abramović und die Passage

    Meine Familie schenkt mir am Wochenende vor und zum heurigen Sechziger einen Besuch der Retrospektive der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramovic in Wien. „Der Körper war ihr Subjekt und zugleich ihr Medium. Indem sie sich Schmerz, totaler Erschöpfung und Gefahr aussetzte, testete sie ihre physischen und psychischen Grenzen aus, immer auf der Suche nach emotionaler und spiritueller Transformation“ lese ich über sie.

    Diese Ausstellung fordert uns auch in der Familie heraus. Marina Abramović wünscht sich, dass die Menschen diese Ausstellung wie eine „Passage“ erleben. Das ist ihr auf alle Fälle gelungen. Die Meinungen über diese Form der Kunst sind auch in meiner kleinen Familie geteilt. Ihr Werk ist keine Kunst, die man sich zu Hause hinstellt. Sondern es ist die Dokumentation einer Kunst, die etwas in uns in Bewegung bringt. Die Live-Performances berühren unmittelbar. Ich brauche selbst einige Stunden und wohl noch Tage und Wochen, bis ich integriere, was ich an diesem Nachmittag sehe.

    Und ja, mir gelingt tatsächlich eine Passage in eine neue Art, Kunst zu verstehen. Auch meine eigene unter einen neuen Blickwinkel zu stellen.

    Kunst ist eben nicht nur das Schöne und Angreifbare, das Wohnungen unserer Käuferinnen und Käufer aufwertet. Worauf sie gerne hinschauen. Kunst macht auch sichtbar, wie wir diese Welt erfahren. „Wir sind Seismographen, die auf die Umgebung und unsere eigene Wahrnehmung reagieren“, versucht mein Mann, ebenfalls schon ein Leben lang Künstler, unsere gemischten Gefühle nach der Ausstellung in Worte zu kleiden. Künstlerische Werke sollen und dürfen dazu inspirieren, selbst und im eigenen Leben genauer hinzusehen. Zu spüren. Nachzuforschen, was nicht für alle Augen sichtbar ist. Und das Gefühlte und Gespürte für andere Menschen sichtbar zu machen.

    Werde ich jetzt Performance-Künstlerin? Eher nicht. Wobei – wenn ich an die Riesenfiguren denke, die ich im heurigen Sommer machen werde…

    Das Portal. Retrospektive Marina Abramovic, ALBERTINA Museum Wien. Meine erleuchtete Tochter am Weg ins Neue.

    Netzwerke, wohin ich schaue

    Die vergangene Woche füllt sich mit vielen freudvollen Begegnungen. Sowohl online. Als auch im realen Leben. Face to Face.

    Ich wünsche mir zu Weihnachten von meiner Tochter und den erwachsenen Söhnen, dass wir meinen kommenden Sechziger alle zusammen feiern. Meine Tochter organisiert das. Neben ihrer Lohn-Arbeit und dem frisch begonnenen Studium. Ich erfahre bis Freitag nicht, was sie geplant hat. Umso schöner ist es, dass alle da sind – aus Wien, aus Kärnten und über Prag auch aus Portugal. Sogar zwei von Alexanders Töchtern tauchen im Laufe des Samstags auf und schließen sich uns kurz an. Ich hab euch so lieb, ihr drei Großen und der Rest der Riesenfamilie!

    Family – mit Freundinnen.

    Nach zwei Jahren und ein paar Wochen kann ich endlich sagen, dass ich meine Friseurin gefunden habe. Klar könnte ich meine Haare weiterhin selbst schneiden und gelegentlich schnitttechnisch verpfuschen. Ich empfinde es aber mittlerweile als absoluten und durchaus nötigen Luxus, mir mittlerweile alle paar Monate einen Termin bei ihr zu gönnen. Meine Figur staunt und möchte jetzt auch zu ihr.



    „Vive la Reine“ heißt das Online-Format mit der Künstlerin und Kreativ-Coachin Claudia Rogge, die mittlerweile Vollzeit in der Provence lebt und arbeitet. Wir tauschen uns über Carneval, Fasching & Co in den versammelten Regionen aus. Als ich gefragt werde, ob ich diese närrische Zeit liebe oder nicht, bin ich noch der Meinung, dass ich eher ein Faschingsmuffel bin. Erst hinterher fällt mir ein, wie sehr ich es liebe, in dieser Zeit zu fotografieren. Meine persönliche Sicht auf Verkleidung, Masken und Masken im Alltag beizutragen. Das führt dazu, dass ich in alten Ordnern stöbere und Fotos ans Licht hole, die dieses Gefühl so perfekt wiedergeben. Und zu einem Linkedin-Beitrag, der deutlich mehr Zugriffe hat als üblicherweise.

    Einmal im Monat treffen sich die Business- und Professional Women aus dem Spittaler Raum zum Austausch. „Vom Glück reden“ ist dieses Mal der abendliche Impuls. Ich bin sehr berührt von den offenen Worten der vier Frauen, die sich dieses Thema ausgesucht haben. Der Grundtenor: was geschieht, wenn wir nicht nur unsere Businesserfolge wertschätzen und als Glück empfinden, sondern auch die stillen Momente. Allein. Und mit anderen Menschen. Als ich heimkomme, schreibe ich eine ganze Weile darüber, was ich als Glück empfinde. Abgesehen vom Glück, endlich aktive Frauen vor Ort kennen zu lernen. Ich schätze das sehr!

    #equalpayday in Österreich. Erst ab dem 11. Februar verdienen wir in Österreich so viel wie Männer ab dem 1. Januar. Danke für das wichtige Foto Nina Hader!

    Auftragsarbeiten und Auftragsarbeiten

    Derzeit arbeite ich an zwei Figuren, die Aufträge sind. Bei einer bin ich vollkommen frei und darf mich in ganze neue Bereiche meines Schaffens ausdehnen. Bei der anderen gibt es klare Vorgaben, wie die Figur am Ende idealerweise aussieht.

    Mag ich einen Prozess mehr als den anderen? Kann ich verneinen. Es ist ganz anders. Die beiden Prozesse bei der Erschaffung fließen ineinander. Vice & Versa. Und ich lerne so viel dazu!

    Eine der Figuren wird bei der Villacher Ausnahmekünstlerin Anita Wiegele wohnen. Direkt vor einer ihrer besonderen Affreschi-Wände mit ihren persönlichen Kompositionen. Ich freue mich schon so sehr auf den Moment der Übergabe liebe Anita! Das wird eine Figur, wie sie mir seit der Ausstellung von Niki de Saint Phalle in Hannover und später im Tarot-Garten in der Toskana im Kopf herum geht. Diese Figur entsteht aus Draht, altem Zeitungspapier und selbst gekochtem Pappmaché.

    Die andere hat ebenfalls Draht als Rückgrat und bei den Gliedmaßen intus, aber auch Schafwolle. Außerdem ist sie überzogen mit amerikanischem, synthetischem Puppentrikot. Beide Figuren sind die Startfiguren von Serien, die heuer entstehen. Und die ich im Herbst launche. Manchmal passt alles perfekt zusammen.

    Noch sehr roh und trotzdem schon ganz schön lebendig – das wird eine sehr neue Figur mit einer sehr speziellen Intention. Lass dich überraschen!

    Ein besonderer Anruf

    Es gibt Freundschaften, die überdauern die Jahre. So eine besondere Freundin ruft mich vergangene Woche an. Und gratuliert mir. Nein, nicht zum bevorstehenden Geburtstag. Sondern zu meinem Erfolg als Künstlerin. Sie lässt keinerlei Einwände von mir gelten, die instant versuchen, alles ein bisschen klein zu reden. Eine Freundin eben. Sie kennt mich besser als ich mich selbst.

    „Du bist dir und deinem Weg treu geblieben. Aus winzig kleinen Schrittchen als Künstlerin vor 15 Jahren sind große, sichere Schritte geworden“, wischt sie meine Einwände vom Tisch. „Und das nennt man in unserer Welt einen Erfolg. Ich gratuliere dir.“

    Das sitzt. Ich bekomme Herzklopfen. Und fühle Freude im ganzen Körper. Sie hat vollkommen Recht.

    Mir fällt eine Geschichte ein, die Gerald Hüther immer wieder gern erzählt. Von einem Jungen in wirklich schwierigen Verhältnissen, dem ein einziges Mal in seinem Leben in den Slums gesagt wurde, welches große Talent er hätte. Der sich an dieser kurzen Begegnung festhält, sich aus dem Feld heraus arbeitet und tatsächlich ein erfolgreiches Leben aufbaut.

    Es ist eigentlich nicht so schwer, Menschen in unserem Leben Mut zu machen, indem wir ihr Talent und ihre Fähigkeiten aufrichtig und ehrlich bezeugen, oder?

    Technik und Struktur im Kunstbusiness

    • Ich stelle gerade fest, dass mein so toll und schön bunt aufgestellter Wochenplan „for the fishes“ ist. Er funktioniert überhaupt nicht so, wie ich mir das im Dezember ausgemalt habe. Eigentlich schon seit Silvester nicht. Und doch halte ich krampfhaft an seiner Struktur fest. Hey, das war so viel Kopfzerbrechen und Mühe – und jetzt kann ich ihn wegschmeißen. Doch Halt! Wenn ich nächste Woche noch einmal darüber schreibe, dass ich unbedingt die Struktur ändern MUSS, weise mich bitte darauf hin. Dann habe ich es nämlich wieder verschoben. Falls wir uns heuer treffen, in echt, lade ich dich auf einen Kaffee ein. Fürs Erinnern!
    • Ich bin mir äußerst unklar, ob es klug ist, den Wochenrückblick am Montag zu schreiben. Das fühlt sich weder stimmig noch besonders effizient an. Machst du dir diese Arbeit und was bewährt sich bei dir? Samstag oder Sonntag oder doch an einem Werktag? Ich habe gerade keine gute Lösung.
    • Und – die neue Website. Himmel, diese Website. Schon deshalb muss ich meine Struktur ändern. Damit ich entspannt zwei Tagesblöcke nur in diese Website investieren kann, weil ich mir Platz dafür eingeräumt habe. Und nicht schon wieder an meinen Figuren sitzen soll. Kunst ist nicht nur Atelierzeit. Leider oder zum Glück, das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Mein Kunstbusiness funktioniert bei mir nur, wenn es „streng“ organisiert und geregelt ist. Sonst habe ich dauerhaft schlechtes Gewissen, im Atelier und im Office. Und das ist echte Zeitverschwendung.
    • Auch wenn der Wochenplan nicht dran schuld ist: ich habe Zeit verschleudert, als ich in alten Ordnern auf dem externen Server nach Fotos suche. Frau Prokrastinieren hat mich einen ganzen Abend lang in ihren Klauen gehabt, statt mich ins Bett zu schicken. Dafür weiß ich jetzt, dass ich 2009 alle meine Fotos, auch die privaten, drei Mal gesichert habe. Unstrukturiert, das konnte ich immer schon am besten. Dafür habe ich jetzt viele Bytes gelöscht und die Festplatte des Servers erleichtert.
    Das hat auch nicht geklappt – der nächtliche Blick in den Garten der Siedlung. Aber nächstes Mal!

    Ein Plädoyer fürs Schreiben

    Ich zähle es zu den Sternstunden meines Lebens, dass ich als sehr junges Mädchen das Schreiben für mich entdeckt habe. Mit etwa 40 Jahren kommen die Morgenseiten als Technik in mein Leben. Das dazupassende Buch „Der Weg der Künstlerin“ von Julia Cameron rettet mich, die Vielbeschäftigte. Das Leben hat zu dieser Zeit völlig andere Prioritäten. Schreibend erschaffe ich mir im größten Trubel ausreichend Raum, dass die Flamme meiner Kreativität als Künstlerin nicht erlischt. Und das reflektierende Schreiben hilft mir, mich immer wieder neu zu sortieren, zu ordnen und auf meinem Weg auszurichten. Ohne Camerons Übungen, dem Künstlertreffpunkt mit mir selbst, den Morgenseiten und ab und an auch dem Spaziergang mit einer speziellen Frage wäre ich heute nicht da, wo ich nun unterwegs bin.

    Schreibe ich noch regelmäßig Morgenseiten? Für mich hat es sich als sehr sinnvoll herausgestellt, sofort morgens nach dem Aufwachen zu schreiben. Es vergehen wenige Tage, an denen ich das nicht mache. Mittlerweile habe ich meine eigene Form entwickelt und fülle nicht mehr automatisch Seite um Seite. Ich nutze Elemente des Journaling genauso wie Wochen- und Quartalsreflexionen, was meinen beruflichen Weg betrifft. Mein Privatleben fließt ebenfalls in diese Reflexionen und bleibt privat.

    Hier insistiert eine Figur darauf, gefilmt zu werden. Was nicht so einfach ist, wenn der zweite Bildschirm der Handykamera alles auf den Kopf stellt. Technik eben. Ich gehe dann mal schreiben.

    Feuerpferd, Social Media und China

    Wie versprochen füge ich dir hier noch Links zu diesem Detail des Jahres 2026 ein, das in unserer achten Kalenderwoche in China beginnt. 17. Februar 2026. Da gibt es zum Einen einen interessanten Instagram-Beitrag mit praktischen und kurzen Details und möglichen To-Dos für dieses Jahr: Lori Haberkorn. Und hier ist noch ein kurzer Beitrag unmittelbar vor Mitternacht, zwischen der Holzschlange und dem Feuerpferd, viel Vergnügen!

    Was meinst du, wird uns das chinesische Feuerpferd global befeuern oder wirkt es sich ohnehin nur in China aus, weil dort mehr Menschen davon wissen?











    Eine Woche der Entscheidungen

    Wer mich kennt. weiß um meine Liebe zu Neuem. Ich liebe Herausforderungen. Neue Wege. Das Öffnen neuer Türen. Neu ist auf alle Fälle, dass mein heuriges Jahr unter einem Jahresmotto steht. „Meinem Weg vertrauen“. Ich habe es leicht vor mich hinformuliert. Und merke, dass mich dieses Thema herausfordert. Ein bisschen Einblick zu meinen Entscheidungen und wie sie fallen gebe ich dir in meinem Wochenrückblick.

    1. Körper-Proportionen sind nicht ohne
    2. Kleine Welt am Millstätter See
    3. Eigene und andere Wege
    4. Atelier am See
    5. Viele Kinder und ein Gong
    6. Nachrichten und andere Ärgernisse
    7. Nachrichten aus Mexico und Portugal

    Körper-Proportionen sind nicht ohne

    Jede Auftragskunst für eine Kundin oder einen Kunden ist für eine Figurenmacherin wie mich ein bisschen anders. Auch hinsichtlich der Proportionen der Figuren. Eine realistische Figur hat völlig andere Körperproportionen als beispielsweise eine Fantasyfigur oder ein Figur aus der Märchenwelt. Das Verhältinis des Kopfes zum restlichen Körper entscheidet stark über den Gesamteindruck, den eine Figur beim Betrachtenden hinterlässt. Das läuft auf einer unbewussten Ebene ab. Ich tüftle nun an einer Herangehensweise, wie ich das in Zukunft im Vorhinein gut sichtbar machen kann. Meine Skizee macht ein bisschen klarer, wovon ich rede.

    Bei meiner Figur kamen wir über meine Zeichnung zu einer Entscheidung. Wohooo, herausfordernd. Und irgendwie genial, was mit Stift und Papier alles sichtbar gemacht werden kann. Merkst du den spürbaren Unterschied bei den unterschiedlichen Darstellungen?

    Ein Körper. Drei verschiedene Proportionen. Welche spricht dich am meisten an?

    Kleine Welt am Millstätter See

    Was waren wir zu Silvester traurig, als wir im Lieblings-Kino-Kaffee mitgeholfen haben, Tische und Stühle, Bilder und Geschirr, Gläser und Küchenzubehör aus den Räumen zu schleppen. Mittlerweile treffen wir uns deutlich beengter, dafür kommunikativer im Café ein paar Türen weiter. Wir tauschen uns mit einem Adriano-Celenteno-Fan aus, der ein sehr besonderes Hotel am See leitet. Lachen uns kringelig über den Humor eines Oberkärntners, der in Wien lebt. Bekommen hautnah Einblick in das neue Thema und die heuer startende Jahresausstellung des Vereins millstART „DAS TIER. UND WIR“. Und freuen uns mit einer gebürtigen Schwäbin mit, als sie uns darüber aufklärt, dass sie die Großzügigkeit der Kärntner Bevölkerung so liebt.

    Wir erleben alle gemeinsam mit, wie sich das Wetter an einem grauen Vormittag von Schneeregen in Dauerschneefall umstellt. Es ist heuer wirklich ein Winter wie früher. Große, dicke Flocken fallen vom Himmel. Zwanzig Zentimeter werden es am nächsten Tag in der Früh in der Stadt sein. Traumhaft schön. Beim Sonnenspaziergang durchs blendende Weiß wird allerdings klar: die Erde nähert sich wieder der Sonne. Sie ist jeden Tag eine Spur wärmer und länger spürbar.

    Spaziergang im wunderschönen Skigebiet der Innerkrems, an der Grenze zwischen Kärnten und Salzburg.

    Eigene und andere Wege

    Es hätte mir heuer sehr viel Freude gemacht. Ich hatte es mir schon so schön ausgemalt und vorgestellt. Bei einer Besprechung fühlt sich Einiges unstimmig an. Mein innerer Motor will und will nicht anspringen. Und wenn er, ganz vorsichtig, in Bewegung kommt, wird er schnell gestoppt. Im Nachgang, beim gründlichen Reflektieren, wird mir erst klar, dass hier das Leben eingreift. In Form von Menschen, die andere Pläne haben. Die ganz wunderbar sind. Aber eben nicht zu meinem heurigen Jahr passen.

    Also lasse ich los. Ich bin ein paar Tage wirklich traurig. Frustriert. Suche den Fehler bei mir. Himmel, das kann ich immer wieder gut. Und entdecke täglich ein Stück mehr, dass es darum geht, mir treu zu sein. Passt dieser Weg wundervoller Menschen zu mir oder passt er nicht zu mir? Das in Ruhe zu kommunizieren, liebevoll und vor allem bei mir zu bleiben, ist ein großer Schritt gewesen. Kein Krieg. Kein „Meine Wahrheit ist wahrer“, kein „Wenn du nicht für mich bist, bist du dagegen“.

    Was bleibt ist Dankbarkeit für das, was war. Und ganz viel Liebe. Und Weitergehen.

    Atelier am See

    Als ich in einem Interview für eine Wochenzeitung gefragt werde, was ich mir für das Jahr 2026 wünsche, ist ein Atelier am See einer meiner großen Wünsche. Wir informieren uns, wo es im Sommer Räumlichkeiten zu mieten gäbe. Und finden einige Möglichkeiten.

    Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Zirkuswagen! Ich will ihn heuer sowieso ausbauen. Warum nicht gleich ein Atelier draus machen? Atelier mit Schlafmöglichkeit. Atelier mit ganz viel Natur rundherum. Warum ist mir das nicht schon früher eingefallen?

    Wir entscheiden spontan: wir bauen heuer endlich eine Terrasse zwischen die beiden mobilen Wohnräume. Sobald der Frost und die größte Nässe vorbei ist, wird der Boden mit Sand nivelliert. Wir bauen eine Unterkonstruktion und verlegen Lärchenbretter, die gut mit Feuchtigkeit umgehen können. Ein Dach soll diesen Raum regenfest machen. Von diesem überdachten Platz träumen wir, seit wir die Wägen hierher gezogen haben. Ich bekomme Herzklopfen, wenn ich nur daran denke.

    Ringelblumen, ein Zirkuswagen und eine neue Terrasse: der Sommer darf kommen!

    Viele Kinder und ein Gong

    Theaterspiel ist Spiel. Auch die aufmerksamsten Kinder verlieren sich im Tun. Bis jetzt habe ich zuerst mit einem Glas und einem Löffel versucht, Pausen und das „Standbild“ auszurufen. Mit wenig Erfolg. Die Weihnachtsglocke ist viel zu hell und leise, die geht ebenfalls im lebendigen Spiel unter. Mein Liebster bestellt mir einen kleinen Gong. Und der – wirkt. Ich bin überrascht, wie schnell sich die Kinder am Klang orientieren und in ihr „Freeze“ (Stillstand, Abwarten, Schauen, Spüren) gehen. Diese Anschaffung hat sich wirklich gelohnt.

    Ein äußerst gefährlicher Räuber entdeckt diese Woche: ich brauche keine Gewalt. Ich habe Köpfchen!

    Nachrichten und andere Ärgernisse

    Ich lösche vergangene Woche wieder Newsletter, die ich ohnehin nicht lese. Alles an Zeit am PC, die ich nicht vorsorglich regle, ufert bei mir sofort in einer oder zwei Stunden Online-Zeit aus. Dann erwische ich mich dabei, wie ich voller Abscheu Berichte über das Rundherum um die Epstein-Files oder die Brutalos der amerikanischen Heimattreuen lese und mich hilflos und ohnmächtig fühle. Also beschränke ich meinen Medienkonsum auf Nachrichtenportale meines Vertrauens. Idealerweise nicht abends vorm Zubettgehen, sondern irgendwann in der Tagesmitte. So habe ich eher Zeit, das Gehörte und Gelesene zu verdauen.

    Nein, mir ist überhaupt nicht egal, was gerade passiert. Wenn die alten Systeme zerbrechen und sich noch einmal mächtig aufbäumen, führt das zu diesem Durcheinander. Das jetzt als Sechzigjährige mitzuerleben erschreckt mich. Weniger für mich als für die Generationen nach uns. Ich hätte noch vor wenigen Jahren so ein kriegerisches Durcheinander nicht für möglich gehalten. Falls es einen größeren Sinn dahinter gibt, werden wir ihn ohnehin erst rückwirkend erkennen.

    Nachrichten aus Mexico und Portugal

    Ich schließe meinen Kalenderwoche-06-Rückblick mit guten Nachrichten: zwei meiner Puppenfiguren wurden direkt in Mexico versteigert, um ein wirksames Frauenprojekt zu unterstützen. Ich freue mich darauf, der Projektleiterin Professorin Doktorin Katrin Feldmann bald in echt zu begegnen und mehr zu erfahren. Zum Glück gibt es Social Media und ich kann hier von Kärnten aus sehen, wie aktiv sie vor Ort ist.

    Mein Ältester in Portugal erlebt seinen ersten durchgehenden Winter in Portugal. „Es sind Jahrhundertereignisse“, berichtet er mir schön regelmäßig am Telefon, wenn wir wieder ganz aufgeregt anrufen, ob dieses Mal der Sturm, der Regen, die Unwetter Schaden angerichtet haben. Die Schäden sind mittlerweile enorm und wir hoffen alle, dass mit dem Frühling wieder ein bisschen mehr Ruhe für die Menschen in Portugal, Spanien und Marokko einkehrt.


    Eine meiner Figuren, die nun in Mexico eine neue Heimat gefunden hat und mit ihrer Anwesenheit ein Frauenprojekt unterstützt.
    Ich verspreche, mehr darüber zu berichten, sobald es mir möglich ist!

    Was machst du, um nicht zu sehr von Social Media und schlechten Nachrichten erdrückt zu werden? Oder kannst du ganz leicht damit umgehen? Bin sehr dankbar für Tipps und Techniken.



    Der Frühling beginnt, zu beginnen

    Imbolc. Oder Maria Lichtmess. Hast du es gespürt? Wir haben hier einen Rappel gekriegt. In wenigen Stunden ist Weihnachten in Kisten verpackt, liebevoll einsortiert und verräumt. 40 Tage nach Weihnachten. Und sechs Wochen bis zum heurigen Frühlingsbeginn. Er darf nun langsam kommen. Dass wir ihm entgegen gefahren sind, dazu verrate ich dir in einem der nächsten Absätze mehr.

    1. Werklehrerin ist ein Beruf?
    2. Ruhe für Körper, Geist und Seele
    3. Dem Frühling entgegen
    4. Freudvolle Momente in der Schule
    5. Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt
    6. Große Dankbarkeit

    Werklehrerin ist ein Beruf?

    „Ist das echt dein Beruf?“ fragt der Zehnjährige die Werklehrerin. „Ja, Werklehrerin, das ist mein Beruf. Was hast du denn gedacht?“, wundert sich die junge Frau, die erst seit diesem Schuljahr hier unterrichtet.

    Ich schmunzle in mich hinein. Zur Abwechslung einmal werde nicht ich das gefragt. „Aber du bastelst ja nur mit uns!“, hilft ihm ein Kollege. So ist das.
    So sehen das Kinder. Und so sehen das auch viele Erwachsene. Kreatives Handwerk, Kunst, das ist kein Beruf.

    Als ich nach Hause fahre, ganz erfüllt von einem wunderschönen Vormittag mit Kindern, die ihre Klappmaulfiguren für ein Wirtschaftsmärchen gestalten, denke ich: Stimmt. Von Kunst zu leben, das kann in den Anfangsjahren ganz schön schwierig sein.

    Einen „Job“ zu machen, um das Konto ausgeglichen zu halten, das kenne ich nur zu gut. Was für ein Geschenk, dass mein sehr spezielles Handwerk, das Puppenmachen, ein so breites Feld ist. Und kein Job mehr. Sondern eine kunstnahe Tätigkeit, die mein ganzes Sein glücklich macht und mein künstlerisches Können ergänzt. Die Wissensweitergabe dieses Handwerks garantiert mir, dass ich weiterhin Kunst machen kann, wie sie mir gefällt.

    Werklehrer ist wirklich ein Beruf?

    Ruhe für Körper, Geist und Seele

    Ich habe lange gesucht, bis ich eine Gruppe finde, die Qi Gong praktiziert. Meine Übungen vorm PC, online, sind nicht wertlos. Aber beim Üben mit vier anderen Frauen und einer Anleiterin wird mir klar, warum der Oberkörper der junge Frau online immer ganz ruhig blieb, wenn sie ihre Hüften kreiste. Und bei mir nicht. Puh, anstrengend. Und so hilfreich, wenn jemand genauer hinschaut. Nach diesen ersten 90 Minuten schlafe ich in der Nacht darauf zehn Stunden am Stück durch. Ich glaube, ich habe meine Art der wöchentlichen Bewegung gefunden.

    Selbstliebe und Selbstfürsorge mögen aktuelle Schlagworte sein, die keiner mehr hören kann. Meinem Perfektionismus als Mutter, als Frau, als Künstlerin und als Teil der Menschheitsfamilie schadet es nicht, immer wieder genauer hinzufühlen, was ich wirklich, wirklich brauche. Mit meinem heurigen Jahresthema „Meinem Weg vertrauen“ habe ich mir eine sehr wichtige Botschaft vorgenommen. Und ich bin dankbar für Freundinnen, die mich verstehen.

    Dem Frühling entgegen

    Wir frühstücken spät. Der ganze Oberkärntner Himmel ist wieder einmal grau in grau. Kurz entschlossen entscheiden wir, südwärts zu fahren. Auf der Fahrt nach Koper/Slowenien klart der Himmel kurz vorm Meer auf. Strahlender Sonnenschein. Wärme. Gänseblümchenmeer mit Blick aufs Meer. Wie wir spazieren große Menschengruppen am Meer entlang. Die Cafés sind voller Menschen. Alles spielt sich draußen ab.

    Als wir heimkommen, entdecke ich am Hartriegel und am Schneeball, den wir im Herbst geschenkt bekommen, die ersten zarten Blättchen. Den ganzen Winter bin ich unsicher, ob die beiden Stauden es überlebt haben, dass sie wochenlang in der Garage lagen. Als ich sie halb vertrocknet dort entdecke, gebe ich ihnen diese eine Chance. Ich pflanze sie ein und stelle sie indoor an ein Nordfenster. Und jetzt – spüren sie, dass der Frühling nicht mehr weit ist.

    Absolut keine Ahnung, was das für eine tolle blühende Pflanze an einem Zaun in Slowenien ist. Farben! Mir macht das Hoffnung auf den Frühling.

    Freudvolle Momente in der Schule

    Vergangene Woche spielen wir kein Theater. Sondern beginnen mit den Klappmaulfiguren. Meine Rechnung mit den abgepackten Materialsäcken geht voll auf. Die Kinder entwickeln kreative Eigenheiten bei der Gestaltung mit Material, das sich kaum vom Material des Nachbarn unterscheidet. Wir kleben die vorbereiteten Klappmaulkartons in die Grundschnitte. Die Kinder müssen viel schneiden und plagen sich mit den Scheren. Ich bestelle zwei Linkshänderscheren, damit wir in Zukunft besser gerüstet sind.

    In der Pause kommt einer der ganz stillen Jungs mit ukrainischen Wurzeln zu mir und fragt mich, ob er mir etwas zeigen darf. Er hält mir eine Mappe hin. Als ich sie öffne, bestaune ich mit Bleistift gezeichnete Unterwassertiere. Einsiedlerkrebse mit und ohne Muschel. Tintenfische, Riesenkraken und alle möglichen Formen und Ansichten von Kraken. Sogar eine Qualle ist dabei. Wie offensichtlich talentiert und begabt manche Kinder schon mit neun Jahren sind!

    Warten, dass die Spiele endlich beginnen!

    Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt

    Die ganze Woche beschäftigt mich die Frage, wie ich mit den Kindern aus dem offensichtlichen Bedürfnis herauskomme, Gewaltphantasien im Theaterspiel auszuagieren. Soll und muss ich Grenzen setzen, damit wir aus den Begräbnisfeierlichkeiten aussteigen und neue Szenen entwickeln?

    Oder geht es darum, neue Handlungsmöglichkeiten anzubieten? Ich bin sehr niedergeschlagen, als ich in meinen klugen Büchern kaum Hinweise auf Mord- und Totschlag im Jeux Dramatiques finde. Also – frage ich meine technische Assistentin mit Bezahlzugang, Frau Chat GPT. Eine Stunde lang frage und feile ich an Vorschlägen. Sortiere aus, bringe eigene Ideen ein, stelle um und finde langsam wieder mögliche Wege. Und dann stelle ich zwei Tage lang Hilfskärtchen her. Hilfskärtchen für mich. Und für die Kinder.

    Ob sie es annehmen, dass wir Fingerpistole und menschliche Gewalt durch andere Strategien ersetzen? Darüber berichte ich dann nächste Woche!

    Izola, Slowenien, Ende Januar 2026 – wir sind viele, die es draußen schon gut aushalten.

    Große Dankbarkeit

    „Meinst du, wir könnten schon ein paar Figuren herzeigen? Wir bekommen hohen Besuch aus Klagenfurt“, fragt mich die Direktorin der Schule. Ich stimme zu, meine Musterfigur da zu lassen, damit sie etwas vorzuweisen hat. Dann erzähle ich meinem Mann davon, dass es eigentlich eine coole Sache wäre, die halbfertigen Figuren auf Stäben aufzubewahren, bis wir sie weiter bearbeiten. Die Tischtennisaugen reagieren empfindlich auf Druck.

    „Ich schneide dir etwas zu“, bietet er mir an. Ich warne vor. 28 Unterteile. 28 Buchenholzstäbe. Und dann sind ja noch die Stäbe zu schneiden und mit Schraube zu präparieren, damit wir sie an einen Figurenarm montieren können. Das Ende vom Lied? Wir düsen zum Baumarkt. Und dann in die Werkstatt. Und dann werkeln wir gemeinsam. Nicht auszudenken, wenn ich das alles alleine machen müsste! Danke!

    Am zweiten Tag in der Schule zeigt mir die Werklehrerin, dass sie schon einige Arme angenäht hat. Nähen, das klappt nur bei ganz wenigen Kindern. Einige lassen sich von mir einweihen und sticheln tapfer vor sich hin. Die meisten Kinder sind überfordert. Sie verspricht mir, so viel als möglich dieser Näharbeit einzuplanen, wenn sie zwischendurch Zeit hat.

    Am Ende ist es dann nicht nur meine Figur, die mir entgegen lacht. Es sind einige, die schon Arme und Augen haben. Wir werden sehen, ob wir diese Woche neben dem Theaterspiel noch Zeit finden, alle Figuren auf den gleichen Stand der Fertigstellung zu bekommen.

    Klebepunkt für Klebepunkt nähern wir uns dem Gesicht der Klappmaulfiguren.

    Bist du gut im zweiten Monat des neuen Jahres angekommen? Und vergeht bei dir die Zeit heuer gefühlt auch so schnell?




    Stress, lass nach!

    Mein Atelier verwandelt sich am Wochenende in eine Schneiderwerkstatt. Obwohl ich eigentlich entspannt meinen Wochenrückblick der vierten Woche schreiben will. So ist das, wenn frau sich für eine neue Gestaltungsform in ihrem Handwerk interessiert. Und Kindern etwas verspricht. Glücklicherweise schneit es das Wochenende mehr oder weniger durch. Die Männer schaufeln sich durch einen Winter wie anno dazumal. Wir liegen genau im Bereich der Schneefallgrenze. Manchmal mischt sich ein Regentropfen in das Weiß. Der Rest des Niederschlages – er bleibt ein paar Stunden als weißer Schnee liegen. Bis die Mittelmeerwärme durchgreift.

    Zurück zum Stress. Und warum Schneiderwerkstatt? Dazu liest du hier später ein bisschen mehr.

    1. Menschen, Menschen und ein Kater
    2. Kinder, so ein Theater
    3. Oh du liebe Technik
    4. Ohrensausen und der eigene Weg
    5. Musik und Vielfalt
    6. Meine Stolperer
    7. Charity und Mexico

    Menschen, Menschen und ein Kater

    Es kommt noch nicht sehr oft vor, dass ich eine ehemalige Schulkollegin der noch ehemaligeren Frauenberufschule treffe. Sie erkennt mich vollständig. Mit Namen und allem drum und dran. Ganz im Gegensatz zu mir. Spieleabend in der Künstlerstadt Gmünd. Mit dem Auto ist das von unserer Stadtwohnung zwanzig Minuten Fahrzeit entfernt. „Zwischen Raum“ heißt das Projekt. Im Sommer geben sich hier Artists in Residenz die Galerie-Tür in die Hand. Im Winter nutzen Interessierte die Räumlichkeiten für Workshops, Austausch, Ausstellungen und zwangloses Zusammenkommen. Wir kommen ganz bestimmt wieder. Wir lachen zwei Stunden durch. Kennst du das Spiel „Stadt, Land, Vollpfosten?“ Und denkst du auch so kompliziert?!

    Kater Leo, der jetzt Bertl heißt, lässt sich dieses Mal nicht blicken. Letzte Woche hat er, mit dickem Winterfell, durch die Glastür hereingestarrt, weil ein Hund im Raum war. Leo, also Bertl, ist übrigens unser Freigängerkater, der es vor zwei Jahren irgendwie geschafft hat, von Seeboden nach Gmünd umzuziehen. Wir wissen bis heute nicht, wie das gegangen ist. Da er in jedes Auto kraxelt, wird ihn wohl einmal ein Spaziergänger mitgenommen haben. Wir freuen uns einfach, dass unser freiheitsliebende Kater hier so geliebt und offensichtlich auch gefüttert wird. Er freut sich, uns zu sehen. Und dann zieht er weiter.

    Zwei Vorgespräche mit Kundinnen vergangene Woche zeigen mir einmal mehr, wie verbunden wir Menschen manchmal sind. Beide Frauen drücken mit eigenen Worten genau das aus, was auch in mir an Prozessen im Gange ist. Ich halte es kaum aus, dass ich noch ein paar Tage 12 Stunden am Tag an einer anderen Sache dran bin. Nächste Woche hüpfe ich in die Arbeit an zwei Auftragsfiguren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

    Kinder, so ein Theater

    „Darf ich auch ein Baum sein?“, fragt der Knirps. Meine Idee, dass wir Bäume aus Kartons zuschneiden und bemalen könnten, kann ich mir abschminken. Aus diesem Feld kommt er, der Stress. Eigentlich – eigentlich wollte ich mit 29 Kindern einfache Sockenpuppen nähen. Überzeugt von meiner unendlichen Energie – und dem großen Festsaal neben der Schule – entscheide ich, es werden größere Köpfe. Und wenn es schon sein soll, dann bauen wir Rod Puppets mit Klappmaul. Rod ist der Stab für den beweglichen Arm der Figur. Klappmaul ist ein Kopf, der den Mund öffnen und schließen kann.

    So weit. So gut. Einen Schnitt finde ich dankenswerterweise online. Chat GPT ist einfach eine tolle Suchmaschine! Das Kartonklappmaul, neunundzwanzig Mal zugeschnitten, ist in ein paar Stunden fertig. Kann ja alles nicht so viel Arbeit sein. Ich durchsuche mein Lager nach dehnbarem, farblich passendem Material. Immer noch greife ich auf tolle Textilien aus den Jahren 2016 bis 2018 zurück, die uns damals geschenkt wurden. Upcycling as usual.

    Halbzeit im Nähmarathon am Winterwochenende!

    Wieder einmal vergesse ich darauf, zu essen und zu trinken. Ein Glück, dass der Liebste für unsere Familie sorgt. Ich husche kurz an den gemeinsamen Esstisch, dann schneide ich weiter zu, stecke Teile aneinander und nähe sie zusammen. Selbstverständlich genau nach Vorgabe der Kinder. Zwei Katzen, eine ganze Menge Bäume, die Königinmutter und ihre zahlreichen Töchter. Sogar der Glücksdrache gelingt, als ich mich mit dem Sechzehnjährigen bespreche.

    Tut mir dieser Stress gut? Nein. Ich habe den Aufwand unterschätzt. Nach zweieinhalb Tagen bin ich heute zu Mittag fertig geworden. Wie immer gibt es etwas Gutes im Wilden: vor drei Jahren scheiterte ich kläglich beim ersten Versuch, eine Klappmaulpuppe zu gestalten. Ich scheiterte vor allem am Kontaktkleber. Nach 29 Klappmäulern aus Karton und Schaumstoff weiß ich, wie der Kontaktkleber gern behandelt werden möchte. Dann dient er mir vorzüglich. Außerdem lerne ich, dass mein weicher Schaumstoff ganz einfach mit der Papierschere geschnitten werden kann.

    Oh du liebe Technik

    Seit einem Jahr lerne ich Notion. Kennen. Wir sind uns schon ein bisschen vertrauter. Aber noch nicht ganz. Auf der Suche nach Möglichkeiten, wie ich beispielsweise mein Werksverzeichnis als PDF an interessierte Kundinnen weiterleiten könnte, bekomme ich nur zusammengequetschte Hochkantausdrucke, die einfach schrecklich aussehen. Dafür entdecke ich eine Galerieansicht und die Möglichkeit, nicht alle Spalten der Tabelle anzuzeigen. Ob das die Lösung sein wird? Ich probiere es weiter.

    Auf Linkedin spricht vergangenes Jahr eine Filmerin über die Möglichkeit, sich ein Display an das iPhone zu heften, um mit der Frontkamera zu filmen und nicht mit der schwachen Selfiekamera. Das fällt mir ein, als ich mich dazu durchringe, endlich wieder meinen Arbeitsprozess mitzufilmen. Dass der Akku so gut wie leer ist, war zu erwarten. Kabel? Im Paket ist eines für Android. Himmel, habe ich was Falsches gekauft? Mir fällt ein, dass beim Refurbed iPhone ein Kabel mit Apple-Anschluss und kleinem USB-Stecker dabei war. Eigentlich will ich ja nähen. Aber gut, das teste ich jetzt. Kabelsuche. Kabel ordnungsgemäß in der Packung. Ich kann das iPhone jetzt mit dem Display verbinden. Der Bildschirm bleibt schwarz. Ich sollte den Beipacktext lesen. Einschalten mit Knopf auf der Seite. Am Display auf English Anweisungen zum „Mirroring“. Ein bissel suchen und yeah! Ich kann die beiden Geräte aufeinander abstimmen! Hält das Display am iPhone, dank Magnet? Aber ja! Und mit Halterung? Leider nein. Also noch ein Stativ gesucht, Display mit Stativ verbunden, iPhone daneben. Nach etwa vier Sekunden friert das Display ein. 4K packt das Baby wohl nicht. Bei den Zeitrafferaufnahmen schaut es besser aus. Ach ja, und ich habe dann noch stundenlang genäht. Und nicht alles aufgenommen.

    Was, du kannst das immer noch nicht? Abracadabra, das ist doch so einfach!

    Ohrensausen und der eigene Weg

    Eines Morgens beim Schreiben fällt es mir wie Schuppen von den Augen: mein immer mal wiederkehrender Alptraum, ich habe ihn möglicherweise nie richtig verstanden. Ich träume ihn, seit ich erwachsen bin. Es ist ein Traum, bei dem ich entweder durch einen mir völlig unbekannten Wald, durch Schlamm oder ein fremdes Dorf hetze und ein Rätsel lösen muss. Ich habe keine Ahnung, wie ich in diese Sache hinein geraten bin. Ich weiß nur, ich muss. Auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich eigentlich muss. Ich muss einfach. Irgendetwas vollkommen Sinnloses, das nichts mit mir zu tun hat. Einen Zug kreieren und von A nach B bringen. Irgendetwas gestalten, ohne Zusatzinfos. Solche Sachen eben! Mittlerweile schaffe ich es meistens, mich während des Traumes aufzuwecken und erleichtert aufzuatmen, dass es nur dieser blöde Traum war. Und zu hoffen, dass er nicht weiter geht.

    Was, wenn mir dieser Traum sagen will, dass ich nicht auf meinem Weg bin? Dass es nicht alte Schul-Traumen sind, die sich immer noch verarbeiten, sondern einfach klare Hinweise, dass ich mehr auf meine Intuition und mein Bauchgefühl hören soll? Meine TCM-Fachfrau sagt, mein Ohrensausen deutet auf Anspannung und Stress hin, Leber- und Gallen Chi. Ob ich etwas verändern könnte? Im Nein-Sagen fällt mir ein – ich habe etwas beendet, das mir zu stressig war. Und ich spüre mich wieder. Meine singenden Ohren und meine Träume, ich nehme mich wieder ernster.

    Intuition und Bauchgefühl. Sag ich doch immer!

    Musik und Vielfalt

    Mein Marathonwochenende ist vorbei. Und ich nehme etwas mit, das mir so unglaublich gut tut. Musik ist etwas, das mich schon mein ganzes Leben begleitet. Ich bin keine Künstlerin, was Musik betrifft. Habe keine Melodien im Kopf, die unbedingt auf die Welt wollen. In dieser Welt bin ich einfach Gast und genieße. Was du nicht weißt: als Kind wachse ich mit klassischer Musik auf. Die Mutter spielt immer wieder am Flügel. Wir Kinder lernen sehr früh, ernsthafte Musik zu singen. Mich zieht es relativ schnell zu Filmmusik. Ich kaufe mir sogar Schallplatten und höre diese Musik stundenlang. Auch wenn ich später wie alle Jugendlichen auch Rock und Pop höre und mitsinge, bleibt Filmmusik meine heimliche Liebe.

    Dieses Wochenende höre ich mir endlich die aktuelle Filmmusik eines Musikers auf Linkedin an, Selcuk Torun. Fantastisch. Das Gute an TIDAL ist, dass es mir nach Ende dieser einen Filmmusik sofort Ähnliches vorschlägt. So lande ich, wie so oft, bei der wundervollen Filmmusik des Films „Chocolat“ von Rachel Portman. Höre mir da ein paar Alben an. Entdecke auch andere Filmmusik von anderen Musikern, die mich begeistert. Und entdecke am Ende die Gruppe Penguin Cafe Orchestra. Kennst du diese britische Band? Äußerst empfehlenswert, wenn du auch so ein Cross-Over-Fan bist wie ich. Diese Briten mixten überhaupt alles und bringen mich zum Lachen.

    So leise ist es nur zu Beginn des Jeux Dramatiques, gleich geht es los!

    Meine Stolperer

    Jutefäden jucken. Ein klarer Fall von „so geht das nicht“. Bei 29 Kindern dauert es zu lange, den Namen auf Band zu schreiben und auf die Kleidung zu kleben. Also sorge ich vor, mache Namensschilder und hänge sie den Kindern um. Die Kärtchen landen schnell woanders, weil die Schnur so unangenehm auf der Haut ist.

    Die Theaterform „Jeux Dramatiques“ kann auch in ein wildes Durcheinander ausarten. Dann hast du vom Spielen hingerissene und begeisterte Kinder, die ich oft mit der Glocke „einfrieren“ muss, damit wir weiter spielen können. Und die in unserem Fall am Ende zustimmen, dass es vielleicht doch gut wäre, Szenen hintereinander zu spielen. Heute bekomme ich die Zusage, dass ich ab Februar bei einer echten Gruppe in Gmünd dabei sein kann. Ich kann nur besser werden!

    Als ich vergangene Woche meine Flipchart für das Schulprojekt aus dem Keller ins Auto packen will, stelle ich fest – da ist keine Flipchart mehr. Nur mehr die hölzerne Variante, die Alexander mal für mich gebaut hat, als gar kein Geld für eine neue da war. Ich erinnere mich, dass ich die aus Metall und Plastik vor einem Dreivierteljahr beim letzten Schulprojekt dabei hatte. Ob ich sie wirklich dort vergessen habe? Und mir ist das gar nicht aufgefallen? Die Direktorin schreibt mir freundlich zurück, dass es ihr leid tue – aber in ihrer Schule sei die Flipchart leider nicht. Ich lasse sie los. Dann eben wieder mit dem hölzernen Ding arbeiten. Freitag Mittag, eine neue Mail: die Flipchart ist doch in der Schule. Ich kann sie jederzeit holen kommen. Manche Stolperer haben einfach ein Happy End.

    Was ich diese Woche nicht auf die Reihe gebracht habe: den Wochenrückblick auf die beiden ersten Kalenderwochen. Damit lasse ich sie los. Es wird einen eigenen Beitrag über das Workshopwochenende der zweiten Januarwoche in Heidelberg geben, sobald ich es spüre.

    Dafür habe ich es geschafft, mir in Google Forms ein Feedbackformular zu erstellen und die Workshopteilnehmerinnen zu kontaktieren. Was ich nächstes Mal unbedingt machen sollte: die Namen von Beginn an abfragen. Jetzt weiß ich das auch!

    Sogar der Mistkübel findet, dass er mir die Zunge zeigen soll.

    Charity und Mexico

    Eine Freundin, die lange Zeit in Mexico studiert und gelebt hat, weist mich auf ein Frauenprojekt von Dr. Katrin Feldermann in Mexico hin, für das gerade gesammelt wird. Ein oder zwei Mal pro Jahr unterstütze ich andere Projekte auf diesem Planeten mit meinem Handwerk oder mit meiner Kunst. Ganz besonders, wenn es dem Wohlergehen von Frauen und Kindern dient. Jetzt sind zwei meiner Kinderpuppen auf dem Flug nach Mexico, um dort bei einer Tombola versteigert zu werden. Ich freue mich schon darauf, wenn ich dir mehr darüber erzählen kann!

    Auf dem Weg nach Mexico, um bei einem tollen Projekt mitzuhelfen, für Frauen ein besseres Leben aufzubauen.


    In wenigen Tagen endet dieser erste Monat des neuen Jahres schon.

    • Wie geht es dir?
    • Wie fühlt sich dieser Januar 2026 für dich bis jetzt an?
    • Kommst du gut klar mit dem Spagat zwischen einer verrückten Welt und deinem Alltag?












    Der nächste Jahresrückblick wird anders

    Dieser Januar ist ungewohnt. Kein Ausruhen. Kein „Was kommt denn jetzt?“. Kein entspanntes ins Jahr hinein planen. Sondern sehr aktiv machen und tun, was noch im alten Jahr geplant wurde. Und dann eine grobe Erkenntnis: nach drei Wochen stelle ich fest, dass mein Jahresrückblog 2025 zwar gewohnt ausführlich und voller Überraschungen für mich selbst ist. Ich aber heuer nicht so rund damit bin wie in den vergangenen zwei Jahren. Fotos und Kalendereinträge helfen tatsächlich, auf das ganze Jahr zurückzuschauen und mich an Fakten zu erinnern. Doch die Fakten kratzen nur an der Oberfläche meiner Entwicklung. 2025 war ein starkes Jahr der Veränderung. Das sich auf heuer auswirken wird. Und es möglicherweise schon tut.

    Deshalb meine Entscheidung: ich schreibe ab sofort Wochenrückblicksreflexionen, solange der Prozess noch frisch ist. Gegliedert nach Lebensthemen, die schon immer meinen kurvigen und bunten Weg ausmachten. Es wird das ganze Jahr, Woche für Woche, um Verbundenheit, Vielfalt, Struktur und Potenzialentfaltung gehen. Ob es bei den jetzigen vier Überschriften bleiben wird? Das erzähle ich dir dann am Jahresende.

    Übersicht Kalenderwoche 3

    1. Verbundenheit und Alleinsein
    2. Vielfalt und Buntheit
    3. Struktur und Technik, (m)eine Hassliebe
    4. Potenzialentfaltung und Lernen

    Verbundenheit und Alleinsein

    Ganz langsam lerne ich in Lienz/Osttirol Menschen kennen. Eine Geburtstagseinladung. Fünf Frauen, ein Mann. Alle Menschen in meinem Lieblingsalter, nämlich Queenager. Nach zwei Jahren in dieser Region zwischen Kärnten und Osttirol ist es eine Wohltat, einen so entspannten und herzwarmen Abend zu erleben. Auf der nächtlichen Heimfahrt durch mystische Nebelschleier, die mich an die Saligen Frauen erinnern, die Idee: vielleicht wird es Zeit, eine Gruppe zu gründen, in der wir uns selbst Begleiterinnen erschaffen.

    • Begleiterinnen aus Wurzeln, Hölzern, Pappmaché und Textilien
    • Begleiterinnen, die uns daran erinnern, was wir im Leben schon alles erlebt, geschafft, gefeiert und durchgestanden haben.
    • Die uns daran erinnern, wie resilient wir nach diesen Jahrzehnten sind.
    • Mir fällt der Spruch von Barb Kobe ein. Sie sagt: „Wir sind nicht kaputt und müssen auch nicht repariert werden!“ In Your Face, allgegenwärtiger Selbstoptimierungswahn!

    Schon am nächsten Abend ein Treffen der Spittaler BPW-Frauen. Business Professional Women. Ich bin unsicher, ob ich in diese Gruppe auch so gut hinein passe wie am Vorabend. Und wie so oft ist alles anders als befürchtet. Fußläufig, im coolsten Lokal der ganzen Kleinstadt, trifft sich eine sehr lebendige Gruppe von Frauen aller Altersstufen. Ein für mich vollkommen überraschender und herausragend recherchierter Vortrag über Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts und womit sie sich als Frauen, Musen und Handwerkerinnen herumschlugen. Dann eine Hoffnungsträgerin. Eine der Frauen erzählt von der Aktion des Langen Freitag der Frauen in Island im Jahr 1975 und von Islands Ex-Präsidentin Vigdis Finnbogadottir. Was für eine mutmachende Frau! Es gibt auch eine packende Doku dazu. „Ein Tag ohne Frauen“ – über diese Aktion, als über 90 Prozent der Frauen jede Form von Arbeit hinlegten und spürbar wurde, was es bedeutet, wenn Frauen privat und beruflich keine Arbeit mehr leisten.

    Ein Lichtblick an diesem Abend ist auch die Moderatorin und Motivatorin Martina Klementin, die Mut macht und mehr Frauen auf den Bühnen des Lebens sehen will. Wir lachen leise und laut über all die angesprochenen Schwellenängste, die vor allem Frauen daran hindern, sich zu zeigen und ihr Können zu präsentieren. Ich nehme für mich vor allem mit, in Zukunft wertschätzende Rückmeldung an Frauen weiterzugeben, wenn sie sich auf eine Bühne getraut und vor Publikum gesprochen haben. Denn so einfach ist das nicht. Es will auch gelernt und geübt werden.

    Donnerstag Abend. Es wäre ein perfekter Abend, um zu sagen: „Heute fahren wir nach Millstatt ins Kino“. Der Lieblingskinobetreiber hat aber mit Ende Dezember aus vielen Gründen resigniert und aufgehört. Es gibt mir immer noch jedes Mal einen Stich ins Herz, wenn die Realität mich an diesen traurigen Fakt erinnert. Ich weiß nicht, wie es uns in den letzten beiden Jahren nach unserem Umzug ergangen wäre, wären Max und das Kinocafé und die Energie dort nicht für uns dagewesen. Das war ein Ort für alle Menschen. Auch für die seltsamsten, verrücktesten und erstaunlichsten Menschen. Es fehlt. Und fehlt. Und fehlt. Ich hoffe immer noch, dass ein Wunder geschieht.

    Am fünften Abend der Woche, am Freitag, besuchen wir unsere Freundin und Künstlerin Sabine I. Weinert, die nach Kärnten zurückgekehrt ist. Vernissage im St. Veiter Rathaus. Tolle Kunstwerke für einen guten Zweck. Abgesehen von der Wiedersehensfreude rieselt es warm meinen Rücken hinunter. So viele bekannte Gesichter! Hier habe ich zwanzig Jahre meines Lebens verbracht. Privat als Mama und Freundin. Und beruflich als Journalistin und Pressefotografin und beginnende Künstlerin. Es fühlt sich warm an, vertraut und sicher. Das Neue, die Veränderung, die ich so liebe, sie ist aufregend und inspirierend. Immer. Und doch ist es mir an diesem Abend noch nie so bewusst gewesen wie vergangenen Freitag, wie sehr ich mich in diesen zwanzig Jahren verwurzelt hatte. In der Region, und mit anderen Menschen. Und wie sehr mir diese Wurzeln gerade fehlen.

    Wie gut es in diesen Wochen tut, sich warm anzuziehen und die saubere Luft in den Bergen zu genießen! Hier bin ich schneewandernd in der Innerkrems, hart an der Grenze zu unseren österreichischen Bundeslandnachbarn in Salzburg.

    Bei aller Wehmut um Erinnerungen an vergangene Jahre tut es mir trotzdem gut, viel Zeit mit mir selbst zu verbringen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, dass ich seit Oktober jeden Morgen schreibe und schreibe und schreibe. Ich muss mich überhaupt nicht zwingen. Es will zuerst einfach weggeschrieben werden, was sich in meinem Kopf dreht. Und wenn ich dran bleibe, dann ordnen sich meine Überlegungen. Ich habe heute meinem Mann erzählt, dass ich eigentlich meine Office-Zeit idealerweise morgens zwischen knapp vor sieben Uhr und neun Uhr im Bett verbringen sollte. Nach meinen durchträumten Nächten bin ich morgens am klarsten und sehe den nächsten Schritt besser als später am Tag.

    Vielfalt und Buntheit

    Eine Volksschule in den Kärntner Bergen. Ein großes Schulprojekt bis Ostern. „Ich mag nicht mitspielen“, sagt der Neunjährige. Trotzig rutscht er auf dem harten Holzstuhl nach vorn und wird gefühlt immer breiter und flacher und kleiner. 28 Kinder. Wir lernen einander im Theaterspiel und mit Elementen der Theaterspielform „Jeux Dramatiques“ kennen. „Kein Problem. Ich bin die Erzählerin und brauche dringend einen Vorhang. Einmal Vorhang runter am Anfang, wenn die Glocke ertönt. Einmal Vorhang hoch am Ende, wenn sie wieder ertönt. Kannst du dir das vorstellen?“ frage ich ihn. Er nickt. Wenig begeistert. Nein, auf keinen Fall will er ein rotes Tuch holen. Ich hole ein braunes, das offenbar keiner wollte. Er nimmt es. Gelangweilt.

    Ich lese aus meinem extra für diese Kinder angefertigten schönen Geschichtenbuch. Er harrt tapfer an meiner Seite aus, als die anderen siebenundzwanzig Kinder dreißig Minuten lang eine ganze Handvoll Prinzessinnen, einen Golddrachen oder Bäume und den Goldschatz spielen. Abschließende Runde. „Wie ist es euch mit eurer Rolle gegangen?“, frage ich von Kind zu Kind durch die fröhliche Runde. „Vorhang war fad. Geht auch Koch?“, fragt der Achtjährige. Tja, Problem gelöst. Und irgendwie sogar alle Spielregeln eingehalten.

    Struktur und Technik, (m)eine Hassliebe

    Diese fünf Überschriften, die du hier zum ersten Mal als Gliederung meiner Wochenrückblicke liest, sind währende eines Arbeitsmeetings mit mir, der Künstlerin, und mit mir, der Managerin und Social-Media-Betreuerin meines Kunst-Business, entstanden. Ich bin nicht nur als Künstlerin bunt und vielfältig. Das weiß ich. Und das ist für andere manchmal verwirrend und keiner versteht, was ich eigentlich mache.

    Deshalb diese Entscheidung zu Jahresbeginn: ich helfe mit. Ich schreibe strukturierter. Tut auch mir gut. Ich habe mir neben meiner täglichen Reflexion ein zweites Journaling-Buch zugelegt, in dem es ebenfalls inhaltlich geordnet zugeht. Sogar mit Seitenzahlen und Inhaltsverzeichnis.

    Machst du auch so etwas Ähnliches? Und was hilft dir, bei all der Struktur du zu bleiben?

    Nach zwei intensiven Jahren des Studiums an der Ikonenschmiede ist es für mich Zeit, weiterzuziehen und das Gelernte auf meine Weise anzuwenden. Und für mich anzupassen. Diese zwei Jahre haben mir als Künstlerin und Unternehmerin sehr viel Klarheit gebracht. Ich habe eine Intention entwickelt, die es mir in Zukunft erlaubt, in Serien zu arbeiten und mich geordneter auszudrücken. Danke von Herzen für die gute Absicht und die vielen tollen Lektionen!

    Technische und ständig neue Begriffe aus dem Online Business kosten mir, der fast Sechzigjährigen, immer wieder ein genervtes Lächeln. Himmel, wie oft mussten wir in den Siebziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts geborenen Menschen schon komplett umlernen! Ich bin wirklich dankbar, dass ich heutzutage beim IT-studierenden Sohn immer wieder aufschlagen und meine unprofessionellen Fragen stellen darf. Dann blicke ich eine Weile wieder besser durch. Ich bin nicht mehr 25, doch mein Verstand funktioniert noch zuverlässig.

    Was ich sehr liebe, ist unsere kleine, feine Accountabilitygruppe. Früher nannten wir das „Empowerment-Team“. Barbara Sher, do you remember? Die Idee, dass Menschen sich regelmäßig treffen und Ziele setzen und sich dabei unterstützen, sie auch zu erreichen, sie lebt noch. Wir treffen uns online wöchentlich als Künstlerinnen. Vereinbaren Wochenziele und tauschen uns aus. Es gibt Feedback, wenn das jemand wünscht. Und Inspiration frei Haus. Selbst wenn ich meine Wochen-Aufgaben in den letzten Stunden vorm Meeting erledige – ich erledige sie! Diese Gruppe hilft mir und ist so richtig gut gegen prokrastinieren.

    Womit ich ringe und kämpfe? Derzeit damit, bei all der praktischen Arbeit wieder in meinen Flow von vor den Weihnachtsfeiertagen zu kommen und die neue, übersichtliche Website mit Galerie zu füllen. Seit den Feiertagen ruhte alles und ich muss mich erst wieder hineinfuchsen. Und dann ist da noch ein tolles Aufnahmegerät, das nicht so tut, wie ich will. „Voice Over“ geht auch mit iPhone und tragbaren Mikros.

    Schon ein bisschen verzaubert, unser Stadtpark im heurigen Winter – mit Schnee! Das hatten wir schon ganz lange nicht mehr.

    Potenzialentfaltung und Lernen

    Wenn es nach mir ginge, würde ich ständig Neues lernen (wollen). Ein sehr intensives Gespräch mit Korina Dielschneider nach unserem tollen Workshop in Reilingen bei Heidelberg schenkte mir eine neue Perspektive: was, wenn ich Gelerntes weitergebe und vertiefe, damit ich es mir ermögliche, Neues zu erlernen? Was, wenn aus meinem Schwarzweiß-Denken zu Alt und Neu – Verbundenes, Verträgliches entstünde? Dieser Frage spüre ich noch ein bisschen nach. Schon der Gedanke, das beides nebeneinander möglich ist, lässt unruhige innere Suche in mir zur Ruhe kommen. Wer weiß, was ich bei all der Suche nach Neuem an Offensichtlichem übersehen habe.

    Nach dem Workshop „Neues Jahr, Neues Glück“ in Deutschland beschäftigen mich Archetypen mehr denn je. Wie passen die vertrauten Jung’schen Archetypen mit dem tollen Karten- und Emotions-Set des „Inneren Teams“ von Dirk Rossom zusammen? Und was hat das mit den Begleiterinnen und möglicherweise mit der Arbeit von Barb Kobe zu tun? Ich spüre schon, dass ich am richtigen Weg bin. Auch wenn ich noch sagen kann, wohin er geht.

    Angeblich muss man dieser Katze irgendwas goldig wischen, um irgendetwas Außerordentliches zu bekommen. Korina und ich, wie haben ganz schnell gewischt und uns dann fotografiert, bevor die nächsten Schatzsucher an die Katze an der Brücke über den Neckar ran wollten.

    Interessiert es dich, den Rückblick für Woche 1 und 2 dieses Neuen Jahres hier zu lesen? Dann würde ich das machen. Handschriftlich gäbe es da ein paar Dinge, die ich in meinen Büchern aufgeschrieben habe. Zum Beispiel den Bericht über einen tollen Workshop mit tollen Frauen und ihren Puppen-Begleiterinnen…

    Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!