Frauen und Räume

Während ich an meinen Elfenwesen stichle, Taschen nähe oder mich sonstwie künstlerisch ausdrücke, tobt in den sozialen Medien ein Krieg zwischen den Menschen, weil sexuelle Übergriffe und sogar Missbrauch an Frauen ein öffentliches Thema wird, das in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt. Er beschäftigt mich, auch wenn ich mich selten dazu äußere. Als eine enge Freundin es wagte, unter #metoo via facebook an die Öffentlichkeit zu gehen, traute ich mich nicht, es ihr gleich zu tun. Ich brauchte ein paar Nächte des Nachspürens und Nachfühlens, ob ich diesen Schritt für mich gehen wolle. Es war meine Frauensolidarität, die mich schließlich herzklopfend dazu bewog.

Der befürchtete shitstorm blieb aus. Zu Beginn. Ich brauche hier nicht darüber schreiben, was nun los ist. Ich bin wirklich erschüttert. Abgesehen davon, dass offensichtlich noch immer vorhandene Reste meiner eigenen Traumen sich ein weiteres Mal erheben, erschreckt mich die Wut und die Arroganz und die Würdelosigkeit in den Kommentaren, mit der sich jene Frauen konfrontiert sehen, die mit Details an die Öffentlichkeit gehen. Von Männern. Und von Frauen. Ja, es wird polarisiert und verallgemeinert. Ja, einige Frauen schießen übers Ziel hinaus. Das hat es so auf sich mit lange unterdrückten Emotionen.

Ich war selber viele Jahre in der Opferrolle gefangen. Viel zu lange. Als sehr angepasstes, braves Mädchen und später als junge Frau stellte ich kaum Regeln in Frage. Das ist meine Verantwortung. Und ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden, als ich mich auf die Suche nach mir selbst machte. Ich hatte das große, das riesige Glück, dass mein „Hinausgehen“ mit dem Missbrauchsthema in anonymen Gruppen in Deutschland geschah. Ich wurde liebevollst behandelt, in den Arm genommen, Frauen und Männer weinten mit mir und ich konnte tiefe Traumen still und leise aufarbeiten. Meine Opferhaltung durfte ich selber als nicht mehr passendes und unbrauchbares Muster erkennen. Und es in meinem Tempo bearbeiten. Kein einziges Mal schlug mir solche Häme, solche Demontierung meines Seins entgegen, wie es nun geschieht.

Der Wunsch, in sozialen Medien Gehör zu finden ist meiner Meinung nach der steinigste Weg, den jemand wählen kann, der sich mit seiner Missbrauchsvergangenheit auseinander setzt. Hut ab vor jenen Frauen und Männern, die ihn gehen. Ich gehöre nicht dazu.

Ängste und Schätze

„Lisa, wir können jetzt auf Schatzsuche gehen, da ist ein Regenbogen!“ Sami ist aufgeregt. Dunkel und bedrohlich sind die schwarzen Sturmwolken, die aus der Steiermark herüber winken. Ein leuchtender Regenbogen überspannt das ganze Tal. Es gibt viele Schätze draußen. Es ist warm. Im Winterapfelbaum neben dem Brunnenhäuschen pfeifen Stare. Sie futtern, was in ihre kleinen Mägen geht. Böig frischt der Wind auf, die Schafe trollen sich. Auch die Katzen sind unruhig und verkriechen sich. Und dann prasselt der Regen los und fegt der Sturm über uns hinweg. Glücklich über die eindeutigen Zeichen kehre ich zurück in meine Werkstatt und stichle und pinsle und stopfe und fädle weiter an meiner Elfe herum, die seit gestern Abend entsteht.

Meine Gedanken wandern noch einmal zurück zum Freitag, als Menschen so vieler Kulturen vollkommen problemlos miteinander sprachen, fotografierten, sich gegenseitig halfen oder Modell standen. Wie sehr ich mir wünschte, wir könnten noch mehr Menschen in diese für uns normalen Alltagserfahrungen einbinden. Wir haben ein gemeinsames künstlerisches, kreatives Ziel bei all unseren Aktivitäten. Eine Ausrichtung. Wir fotografieren zu bestimmten Themen. Nähen und Upcycling gehört für uns zum normalen Prozess. Malen und Holzwerkstatt sind momentan kein Thema. Ende November hat sich eine polnische Liedermacherin aus Feldkirchen für ein Konzert eingeladen. Wir kennen einander seit acht Jahren. Sie war dabei, als wir in St. Veit mit meiner Freundin Jutta grenzenlos gekocht und später auch gegartelt haben. Nach dieser langen Pause wird es der Seminarküche gut tun, wenn wir kochen und Rezepte austauschen und plaudern. Mit einem wunderschönen Abschlusskonzert.

Ich höre mir die Ängste der Menschen an. Auch ich mache unangenehme Erfahrungen. Aber Himmel, ich kann doch nicht von einzelnen schwarzen Schafen auf alle schließen! Ich lese von Erfahrungen im Umgang miteinander in sozialen Medien, in den Kommentaren zur Politik. Der Wahlkampf mit seiner Polemik hat Öl ins Feuer geschüttet. Auch nach zwei Jahren sind Ängste und gute Erfahrungen ungebrochen da. Derzeit scheinen die Ängste wieder Oberhand zu bekommen. Da hat man gehört und gelesen und wurde einem erzählt. Vor allem Grauslichkeiten natürlich. In meinem eigenen Kreis höre ich von allen möglichen Erfahrungen, vom Scheitern und vom Gelingen. Aber so viel ist schwarz oder weiß. Heiß oder kalt. Gut oder schlecht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in so polarisierenden Zeiten gelebt zu haben. Muss selber gut auf mich achten, den Menschen zu sehen, nicht eine Schublade. Ich dachte, unsere Integrationsarbeit sei abgeschlossen und getan. Ich habe mich getäuscht. Wir machen weiter.

Meine Gedanken schweifen noch einmal zur Fotogruppe. Ich weiß seit Freitag, dass man mit Konsequenzen rechnen muss, wenn man auf eine Fullsensorkamera umsteigt. Alle Objektive ab 50mm sind unbrauchbar. Auch mit künstlerischem Gesichtspunkt ist die Vignettierung zu stark. Ich brauche also auch neue Objektive.

Wir sind für Mahdi auf der Suche nach einem halbwegs starken alten PC oder Laptop, an dem er die Fotos meiner uralten Kamera bearbeiten kann. Wenn er das schafft, was vor eineinhalb Jahren mein erster syrischer Schüler geschafft hat, nämlich mit dieser alten Kamera vernünftige Fotos zu machen, dann will er das. Hach, was für ein Oldtimer 😀 Wie gut es tut, Menschen wie ihm zu begegnen. Es scheint, als sei er Künstler durch und durch. Ich weiß noch so wenig von ihm. Er ist scheu und zurück haltend, wir treffen einander neuerdings beim Tanztheaterstück vom Verein VOBIS, das meine Freundinnen Klaudia und Laura anleiten. Mahdi macht, wenn er nicht mit dem Smartphone filmt oder fotografiert, afghanische Glücksbringer aus bunten Fäden. Arash war vor dem Krieg Grafiker und Fotograf. Das sieht man an seinen umwerfend schönen Kompositionen, die er am Freitag hergestellt hat. Ich bin sicher, wir werden uns gegenseitig genug Impulse geben, unsere Fotografie weiter zu entwickeln. Hussain wird in etwa zwei Wochen wissen, ob er und seine Familie in Österreich bleiben darf. Es geht mir selber nahe, wie nervös er ist. Das kann ihm niemand abnehmen. Brigitte und Gertraud haben überhaupt keine Berührungsängste mit den Jungs. Billan, der Restaurator und bildende Künstler, kommt wie immer eine halbe Stunde zu spät und bringt sich fließend mit seinem lila Schirm ein. Und verschwindet auch eine halbe Stunde früher wieder. Ganz neu dabei ist dieses Mal auch Levi, ein Jugendlicher mit seiner nagelneuen SLR-Kamera. Auch er ist vor allem mit seiner Kamera beschäftigt, schaut den anderen über die Schulter, wenn etwas erklärt oder ausprobiert wird. Keine Berührungsängste. Auch vor mir nicht. Kunst ist schon ein geniales Mittel, um Brücken zu bauen.

Der Samstag gehört meinen zwei Freundinnen aus der Puppenecke und einer interessierten Besucherin. Und heute arbeite ich überhaupt alleine vor mich hin. Die erste Elfe wird fertig. Ich mache Fehler. Im neuen Buch sind unglaublich viele Anleitungsfehler. Das zwingt mich, auf mein ganzes erlerntes Wissen des letzten Jahres zurück zu greifen. Mich beschäftigt, ob es einen logischen Zusammenhang gibt zwischen der Wollmenge, der Breite des Mullbindenschlauches, dem Kopftrikotstück und natürlich der Körpergröße der Puppe. Mathematik. Pur. Via whatsapp frage ich bei meinen Freundinnen nach. Nein, Erfahrungswerte sagt mir Hemma. Und abhängig davon, wie fest man wickelt und bindet. Gut. Schreibe ich mir eben die Erfahrungswerte auf. Von Puppe zu Puppe. Irgendwann wird sich schon eine Regel ablesen lassen. Vielleicht. Oder auch nicht.

Ich spüre, dass mit diesen Puppen, mit den dazu passenden Tragetaschen und dem Zubehör mehr möglich ist. Schön fände ich, wenn zur österreichischen Puppenmacher-Tradition einer Elli Riehl auch noch andere dazu kämen. Die waldorfartigen Wesen sind mein ganz persönlicher Ausgangspunkt. Ich weiß, dass im skandinavischen Raum die Herstellung von Puppen eine eigene Tradition hat. Auch Deutschland ist organisierter und gründlicher. Hier in Österreich ist es eine glückliche Fügung, jemanden in der Nähe zu wissen. Wir können hier locker noch ein Jahr weiter üben, lernen, ausprobieren, uns ganz neue Dinge trauen. Und wünschen, wünschen darf ich mir alles. In diesem Fall Männer und Frauen aus der ganzen Welt, die ihre Art, ihren Zugang oder ihr Interesse zu diesen Wesen mit in unseren Kreis bringen. Bitte auch gerne weiter sagen. Wir bleiben dafür als Praxis- und Erprobungsgruppe offen. Und geben einmal im Monat das bis dahin Erlernte an Interessierte weiter.

Genau betrachtet war das ganze Wochenende eine einzige Schatzfindezeit…

Menschen und Menschen

Draußen weht ein erstaunlich kalter Sommerwind ums Haus. Zwingt ganz natürlich zum Rückzug, zum Pausieren, zum Innehalten.

Bin das noch ich in all meinen Projekten, denen ich derzeit nachgehe? Dass ich mich so einer Frage überhaupt stellen kann zeigt, wie privilegiert ich lebe. Ich entscheide, ob ich (m)ein Hamsterrad am Laufen halte. Oder ob ich freiwillig von außen zuschaue, was ich tue. Was ist noch stimmig? Wo beginne ich, mich zu verbiegen, mich zu bemühen, zu sehr zu wollen und vor lauter Anstrengung kleine Dinge zu übersehen, die mir gut getan hätten?

Irgendwann diese Woche blättere ich im Propheten von Khalil Ghibran. Zufällig. Lese diese alten Weisheiten zu Recht und Unrecht, Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück. Irgendetwas berührt mich an an den Worten. Ich kann es noch nicht so recht zuordnen.

Einen Tag später begegnen wir Konrad, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus alten, kaputten Fahrrädern in einer Hilfe-zur-Selbsthilfe-Weise wieder funktionierende mobile Untersätze zu basteln. Er spricht eine einfache, klare Sprache. Erzählt uns ein bisschen seiner Lebensgeschichte, die ihn dorthin geführt hat, wo er nun unterwegs ist. Er hat sich jeden Schritt zu Ämtern und Behörden selbst erarbeitet, nicht zu ihm und seinem Projekt Passendes ausgeschieden und zugegriffen, wenn es gestimmt hat. Er weiß genau, was er gerade tut, wie er tut und warum er tut. Kein einziges verletzendes Wort, kein einziges Urteil über einen anderen Menschen verlässt seinen Mund. Mein Mann wird später sagen, das Gespräch sei so friedlich gewesen. Das trifft es auf den Punkt. Wir sind einem Menschen begegnet, der sich vollkommen annimmt und das auch ausstrahlt. Es ist der reine Genuss. Hinterher fällt mir auf, dass Sätze gefallen sind, die ich im Propheten gelesen habe…

Am selben Tag sitzen wir mit Menschen zusammen, die uns in ihre Mitte aufnehmen mit unserer Tätigkeit in und um unseren Verein. Ein neuer Wind weht uns um die Ohren, wir feilen miteinander an Formulierungen und Wörtern, die unser Menschlichsein in den Mittelpunkt unserer Tätigkeit stellen und das auch kommunizieren. Ich spüre am eigenen Leib, wie jahrzehntelang eingeübte hohle Phrasen auch mich im Griff haben. Da IST Platz für Neues. Und viel Gewohntes wirkt noch. Es tut einmal mehr gut, in einer Gruppe zu sein. Die anderen und ihre Weisheit zu spüren und auch mal nur zuzuhören. Einfach mitzugehen und erst wieder zu sprechen, wenn es nötig wird. Ganz schön eine Herausforderung für mich. Mein Mann tut sich da viel leichter. Wenn ich ehrlich bin, finde ich es ganz schön aufregend, schon wieder neue Wege auszuprobieren, die mit Entscheidungsfindung und Kommunikation zu tun haben.

Gestern war ich eingeladen, unseren Verein und unsere Fotoplattform bei einer Österreichtagung der Katholischen Frauenbewegung in Knappenberg zu präsentieren. Es tut mir gut, immer wieder auch sprechend zu reflektieren, was ich eigentlich tue. Was wir hier tun. Und wie wir tun. Weil ich nicht genau weiß, was auf mich zukommt, habe ich der Früh kurzfristig jene zwei Stücke aus dem Näh.Raum eingepackt, die mir persönlich in der Herstellung am meisten Freude bereiten. Das Holzschiff aus Altholz mit den Slama’schen Stoffmustersegeln in Lila. Und die Babypuppe aus grünem Samtvorhangstoff. Beim Nähen denke ich dauernd an meine erste Enkelin, die Anfang Oktober unsere Familie beleben wird.

Ich staune von Herzen, wie begeistert die Menschen von diesen Stücken sind, an denen auch mein Herz hängt. Diese eine Babypuppe aus moosig grünem Vorhangstoff muss ich folgerichtig loslassen. Eine werdende Großmutter verliebt sich augenblicklich in sie. Meine schwangere Tochter, die mich begleitet, nimmt das locker. Und bestellt eine in Zartrosa. Aber auch so plüschig und schmusig und mit dieser dunklen Haut. Das Leben bestätigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auf mein Herzklopfen beim Puppennähen zu hören.

Silvia, meine wirklich geniale coachende Mitgeherin, lacht nächste Woche vermutlich mit mir, wenn ich staunend erzähle, wie ihre intuitiven Worte und Bilder zu leb- und spürbaren Wahrheiten in meinem Leben werden. Wie sich die Magie meines Lebens ihren Weg sucht. Wie sehr mein Herzklopfen, mein inneres Leuchten sichere Wegweiser sind. Es tut mir gut, dass sie mich in dieser Übergangszeit konsequent zu mir und meinem Leuchten zurück holt, wenn ich zu viele Menschen in mein grad so schön fahrendes Boot einladen will.

Unser Sami wünscht sich einen Rucksack. Wir haben einen alten, auseinander fallenden zerlegt, einen einfachen Schnitt gezeichnet. Wie gut es mir getan hat, im Moorquell unzählige Einkaufstaschen und Shopper zu zeichnen und zu nähen. Ich habe viel Praxis erworben. Dieser Schnitt geht schon wie von selbst. Sami bestimmt, dass wieder einmal ein Drache auf ihm leben soll. Ich sehe ihn schon vor mir. Alexander zeichnet beim Frühstück einen Entwurf. Ich wühle in den wundervollen geschenkten Möbel- und Vorhangstoffen und schaue, was am ehesten als Drachenhaut in Frage kommt. Das Ganze klingt sehr nach Patchwork und Applizieren und Sticken. Fotos folgen, sobald was Herzeigbares entstanden ist.

Danke für euren Besuch im UpcyclingStore im Moorquell, Barbara und Horst! Was für eine Freude, Menschen aus den sozialen Netzwerken persönlich kennen zu lernen und sich mit euch auszutauschen. Nidhal hat sich volle über die Jeansstoffe gefreut, ich bin schon gespannt, wie die nächsten Smartphone- und Tablethüllen mit diesem Jeansnachschub nun ausschauen werden! Danke euch auch, dass euer Hund Popeye angstvolle Kinder zu Freunden gemacht hat. Was für ein wunderbarer Hund… Wir freuen uns auf die nächste Begegnung mit euch!

Ich wünsche euch ein friedliches und wunderschönes Wochenende – keep on shining!

 

Elefant und Animation

 

24 Stunden später. Zwei blutige Anfänger und Gott sei Dank eine Aischa. Im Großen und Ganzen wäre es ganz einfach gewesen. Carina und ich haben heute winzige Details geschnitten, Alexander hat weitergezeichnet. Am frühen Nachmittag haben wir die erste Animation gelegt. Aufregend. Und dann doch ein bissel Ernüchterung. Die Farben sind sehr blass. Trotz meiner Fotoprofilampe hat das Ganze einen Gelbstich, den wir nicht und nicht wegbekommen. Anne ist in England. Sie kann mir heute nicht weiterhelfen. Hätte ich so ein blasses Bild, ich würde sofort mit Photoshop ein paar Klicks machen und alles wäre gut.

Aischa sieht das auch so. Und ich lerne in Photoshop die Bearbeitung von frames kennen. Und erkenne, dass die Bearbeitung dort im Großen und Ganzen sehr ähnlich ist wie bei Standbildern. Ach die Konvertierung in eine GIF Datei lerne ich heute kennen. Endlich.

Alexander saust während meiner Aischastunde nach Althofen, um eine kältere Birne für die Nichtprofilampe zu erwerben. Und jetzt zeichnet er alles noch einmal. Wir werden heute Abend versuchen, die Einzelfotos am PC zu färben – kräftiger und facettenreicher. Nächster Schritt. Was noch vollkommen fehlt ist eine Tonspur. Auch Flügelschlagen finden wir noch. Oder wir machen eben hier ein Soundstudio, die HUE Kamera ist auch dafür ausgerüstet.

Fazit nach dem zweiten Arbeitstag: die Kamerahardware ist gut zu bedienen, auch das Schärfen funktioniert überraschend gut. Die Software tut was sie soll, das „Zwiebelschalensystem“ des Legens ist mehr als hilfreich. Im mitgelieferten Buch, das ich auch als deutsche Ausgabe als pdf habe, sind sehr geniale Tipps angeführt – ich bekomme Lust, mehr zu probieren. Was ich vermisse ist wie gesagt eine Bearbeitung für den Film – ein Umwandeln in andere Kelvin oder Black-and-White. Dafür gibt es vermutlich eine Profiversion. Die, die ich gestern irrtümlich herunter lud. Wir sollten vielleicht doch ein Storyboard anfertigen, nur der Flug des Elefanten hat schon eine Reihenfolge und Struktur erzwungen mit Nummerierung und Aufpassen. Es soll aber nicht beim Flug allein bleiben. Doch lasst euch überraschen….

Anfängergeist

Vier Fotografen, drei Modelle. Fotografenlehrherz, was willst du mehr. Was für eine coole Truppe ihr doch seid! Immer mehr wird Hussain zum Lehrer, der sein Wissen weiter gibt. Er macht das sensationell gut. Einfach und klar. Offene Fragen können so schnell geklärt werden. Es ist der erste warme Tag seit langem. Die Herzogstadt St. Veit zeigt sich von ihrer schönen Seite. Sowohl im Rathaus drinnen. Als auch draußen vorm Tor. Und dann in den Räumlichkeiten einer Praxis mitten in der Altstadt.

Vorgabe: eine korrekte Belichtung, und dann ausprobieren, was geschieht, wenn Blende und Verschlusszeit verändert werden. Was machte eine offene Blende, wie drückt sie sich technisch aus, wo stelle ich das um? Und was macht eine kurze Verschlusszeit im Gegensatz zu einer langen Verschlusszeit mit meinen Fotos. Und tja, was sind eigentlich ISO? Und wo stellt man die ein? Da kanns schon mal vorkommen, dass Hirnwindungen sich verknoten und Köpfe rauchen.

Die Luftballons waren eine gute Wahl. Und unsere Models tauen zunehmend auf und zeigen, in welchen Rollen sie sich gern zur Verfügung stellen. Am Ende ist rasch klar, dass zwei der Models beim nächsten Mal mit Kamera dabei sein werden. Der Funke ist übergesprungen. So soll es sein.

Foto Volontariat

Yeeeeiiiih, die interkulturelle Foto-Gruppe kommt zustande! Danke Leben, dass Hussein aus dem Irak von „Lisa“ gehört hat, die „in Althofen Menschen bei ihren Hobbys unterstützt“. Wer auch immer Hussein das erzählt hat, er fühle sich umarmt! An zwei Terminen vor Weihnachten werden wir uns mit der Kamera vertraut  machen. Hussein will eine Lehrstelle als Fotograf suchen, sobald er seinen Bescheid hat. Und bis dahin üben wir. In den Weihnachtsferien rücken wir öfter gemeinsam aus, weil er nicht zur Schule muss. Hussein hat bereits ein bisschen Photoshop Wissen und möchte außerdem auch Film ausprobieren. Es wird das passieren, was ich am meisten liebe – wir werden uns gegenseitig unterrichten. Und miteinander Neues ausprobieren.

Liebe ÖsterreicherInnen, wenn ihr euch fürs Fotografieren interessiert, noch Anfänger seid – dann kommt dazu. Meldet euch bei mir. Auch Jugendliche ab 15 Jahren sind willkommen. Die Erfahrung der letzten 15 Monate hat so eindrucksvoll gezeigt, dass im gemeinsamen Tun Ängste thematisiert und verbalisiert werden können. Dass es einen Riesenspaß macht, die vielen unterschiedlichen Perspektiven beim Tun auszuprobieren. Miteinander die Ergebnisse zu betrachten. Voneinander zu lernen. Sich gegenseitig zu unterstützen. Miteinander ganz Neues zu schaffen. Diese Foto-Gruppe bleibt eine offene Gruppe, bis erste Grundkenntnisse erworben sind. Dann schließen wir sie, um gemeinsam weiter zu gehen. Das wird voraussichtlich im Frühling der Fall sein. Die nächsten Termine können direkt bei mir erfragt werden, bitte einfach Kontakt aufnehmen!

Approaches – Annäherungen

Wir haben unser Bürgertheaterprojekt abgeschlossen!

http://www.stadttheater-klagenfurt.at/de/produktionen/annaeherungen_approaches/

Von Mitte Februar bis Anfang Juni trafen wir uns wöchentlich zu Meetings, Erfahrungsaustausch, Kennenlernen, Ausflügen und dem Versuch, ein Stück zu erarbeiten. Die Proben betrafen vor allem die körperliche und seelische Arbeit eines Schauspielers, dem Gruppenzusammenführen und langsam aber sicher auch einer Stückentwicklung. Zwei Wochen vor der Premiere waren wir dann täglich zusammen, stundenlang. Eine Szene nach der anderen wurde entwickelt und verworfen, neu gestaltet und weiter entwickelt – total lebendig und auch sehr spannend, so ein Prozess. Johannes Flaschberger und Michael Kuglitsch verloren aus irgendeinem Grund nie die Nerven. Das babylonische Sprachgewirr war groß. Arabisch, Englisch, Kurdisch, Deutsch waren unsere Arbeitssprachen. Unendlich viel Übersetzung war nötig, damit auch wirklich jeder und jede verstand, worum es ging.

copyright Mohammad Al Khalili copyright Mohammad Al Khalili

Die Premiere auf der Wiesenbühne zwischen den zwei uralten Laubbäumen im Maria Saaler Tonhofgarten war ausverkauft, das Wetter spielte vollkommen mit – es war echt begeisternd. Für uns genauso wie für das Publikum. Die zweite Aufführung fand wetterbedingt im Stadel statt. Sie war wieder ausverkauft. Die Leute waren zu syrischem Essen vom Feinsten eingeladen. Und beim Essen war es auch leicht, sich mit ihnen zu unterhalten und anzufreunden.

Danke an alle, die zu diesem wertvollen Theaterevent beigetragen haben. Wir sind zu einer großen Theaterfamilie zusammengewachsen. Das Annähern ist mehr als gelungen. Ich bin schon gespannt, wohin wir eingeladen werden, dieses Stück wieder aufzuführen!