Heiß und kalt

Es ist Sonntag Nachmittag. Zeit für den Wochenrückblick der Kalenderwoche 29 dieses Jahres. Wollsocken, dicker Pulli, heißer Kräutertee. Hochsommer 2026. Vor zwei Tagen sause ich im Bikini im Halbstundentakt unter die solarbetriebene Lauwarmdusche, um die Hitze besser auszuhalten. Es ist ein großes Lernen, mit dem veränderten Klima und seinen Auswirkungen umzugehen.

Wochenrückblick KW 29

  1. Wochenrückblick KW 29
  2. Video und andere Lörnings
  3. Peinlichkeit und große Freude
  4. Pflanzentod und Schimmelalarm
  5. Retterspitz und mein Handgelenk
  6. Kinder und Workshops
  7. Die kanadische Goldrute und Lebensmagie
  8. Gedanken eines Queenagers
  9. #reflect&learn

Video und andere Lörnings

Ich habe mir vorgenommen, mich mit Videos vertrauter zu machen. Meine Lehrerin Julia Gorr hat uns ein tolles Begleitskript gegeben, wie wir uns besser strukturieren. Daran halte ich mich. Was mir deutlich mehr Arbeit macht als das vorherige Skripten und Aufnehmen ist die Filmnachbearbeitung. Da sind gut und gerne zwei, drei Stunden um, bis ich zufrieden bin. Und ganz egal, ob ich mich in einem Jahr wegen der Qualität dieser ersten Filme in Grund und Boden geniere oder nicht: ich übe weiter, bis Film mir nicht mehr so fremd ist.

Gern lade ich dich ein, dir einen Beitrag zu meiner Arbeit im Zirkuswagen und John Steinbeck von dieser Woche anzusehen. Du findest ihn im Link unter der Bildbeschreibung auf Linkedin.

Hier gehts zum Linkedin-Beitrag auf meiner Lieblingsplattform in Social Media.

Peinlichkeit und große Freude

Meine britische Freundin Sue hat ein Kinderbuch geschrieben. Über zwei Erdmännchen im naturwissenschaftlichen Museum in London. Es hat mich gereizt, ob ich ihre Sprachmelodie in die deutsche Sprache übertragen kann. Ihren Sinn für Humor, ihre Sicht auf die Welt. Zuerst geht einfach alles schief. Meine Vorschläge für Übersetzungen sind Kommentare im Korrekturprogramm. Sue, die noch nicht gut Deutsch spricht, klickt dankbar für meine Arbeit auf das orangefarbene Häkchen. Im guten Glauben, die Vorschläge seien nun im Text angekommen. Pustekuchen. Sie hat nur akzeptiert, dass es einen Vorschlag gibt – und futsch ist er.

Was nichts gemacht hätte. Doch Sue druckt sofort und begeistert Autorenexemplare. Ein typisches Sprachmissverständnis zwischen uns beiden. Ich habe Vorschläge gemacht. Sie hat das als Korrektur verstanden. Als sie mir ein frisch gedrucktes Exemplar mitbringt, falle ich fast vom Sitz vor Schreck. Schon am Titel prangt ein erster kapitaler Genitivfehler, der nicht mal im Skript war. Ich blättere mich durch die Seiten. Fehler über Fehler. Wo sind meine Korrekturen? Manche Stellen sind doppelt, einmal korrigiert, einmal in der alten Übersetzung der Künstlichen Intelligenz. Sue schenkt ihrer Nachbarin ein Exemplar. Eine ehemalige Englischlehrerin. Nie wieder kann die ehemalige Journalistin mit recht guten Deutschkenntnissen der Dame unter die Augen treten…

Ich setze mich noch einmal zwei Nächte an den Text. Korrigiere jetzt ungeniert und konsequent. Arbeite mit DeepL und suche nach Formulierungen, die das Britische erhalten und in unserem Deutsch verständlich werden. Jetzt, im zweiten Durchgang, fühlt sich der Text endlich stimmig an. Und glückicherweise befinden wir uns immer noch v o r dem nächsten Druck. Das Augenzwinkern ist erhalten geblieben, dem Himmel sei Dank. Und jetzt stimmt auch die Grammatik. Die Englischlehrerin darf jetzt unbedingt noch einmal Korrektur lesen. Sechs Augen sehen mehr als vier…

Auszug aus einem Kinderbuch, in dem ich mich zum ersten Mal in diesem Leben als Übersetzungshilfe etabliert habe. Wir lernen halt nie aus…

Pflanzentod und Schimmelalarm

Ich wundere mich, warum neben den Tomaten so starke Pflanzen aufgehen. Die scheinbar auch die Tomatenpflanzen bedrängen. Also nehme ich mir ein Herz und reiße ein paar aus. Staune noch, warum das so schwer geht. Beikräuter gehen sonst ganz leicht weg. Als mich mein Mann fragt, wo wir eigentlich heuer die Physalis hingesetzt haben, wird mir heiß…

Dann will ich meine Queenager-Tänzerin weitergestalten. Hole den Paperclay aus dem Kühlschrank. Er ist magentafarben und grau mit Schimmel überwuchert. Im Kühlschrank. Was für ein Schreck! Ich stelle mich sofort hin und koche den nächsten Kleber aus Mehl, Wasser, Zucker und einer ordentlichen Menge Essig, bevor ich die anderen Zugaben einknete. Dieses Mal muss ich schneller sein als der Schimmel dieses Sommers.

Retterspitz und mein Handgelenk

Seit etwa 18 Monaten schmerzt mein linkes Handgelenk. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal sehr. Ich gewöhne mich an Schmerzen, bin ja nicht mehr die Jüngste. Als ich wegen meines verdrehten Knies hinkend zu einem Konzert komme, erzählt mir eine Frau von der Tinktur ‚Retterspitz‘. Meine Freundin Christine ist die Einzige, die sofort weiß, was das ist. Und redet mir gut zu. Also hole ich mir ‚das’Retterspitz‘ aus der Apotheke. Ich bin skeptisch und mache einen nächtlichen Wickel ums Handgelenk. Und was soll ich sagen: die Mischung wirkt! Meine Handgelenksschmerzen sind deutlich weniger, nach nur zwei Behandlungen. Und nein, das ist keine versteckte Werbung, selbst gekauft, selbst angewandt und für gut befunden.

Kinder und Workshops

Ich habs wirklich geschafft! Vergangene Woche ist Dead Line für die Überarbeitung von Schulangeboten in Österreich. Mir ist schon länger klar, dass ich neue Angebote für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren machen will. Ich füttere die Künstliche Intelligenz mit meinen eigenen Überlegungen und Vorstellungen. Mit dem, was ich auf keinen Fall mehr machen will. Und mit dem, was es statt dessen sein soll.

Melde dich sehr gern bei mir, wenn du in Kärnten oder Wien an einer Schule arbeitest und Kunstprojekte mit Figuren umsetzen willst! Dann sende ich dir meine Planung für 2026/27!

Hier ist der Link zu meinem Angebot für Schulen!

Die kanadische Goldrute und Lebensmagie

Der Liebste schneidet eines Morgens viel der kanadischen Goldrute aus unserer Wildnis. Er setzt die Blüten mit Alkohol an, weil er damit malen will. Und ich denke schlagartig an Canada. An meine Reise vor elf Jahren. Sehnsucht durchflutet meinen ganzen Körper. Damals weiß ich noch nicht, dass ich Figuren machen werde. Ich kenne auch Kate Church noch nicht, die dort lebt. Ohne große Erwartung durchsuche ich am Abend Google Maps, wo diese tolle Künstlerin eigentlich lebt. Vergleiche die gefundene Kleinstadt mit den gemachten Fotos der Reise in meinem Archiv – und dann trifft mich fast der Blitz. Ich war da! Herzklopfen!! Ich war doch auf der Reise runter nach Halifax in der Bay, in der Kate lebt und lehrt. Und ich hatte keine Ahnung… Ich habe dazu vergangene Woche einen Linkedin-Beitrag gemacht.

Was mir das sagt? Eine Freundin meint, dass manche Wege einfach so anfangen. Du hast noch keine Ahnung vom zukünftigen Weg. Aber dein Weg beginnt, sich von selbst zu entrollen. Gänsehaut. All over. Heute säße ich sofort in einem ihrer raren Präsenzworkshops, das wäre ganz oben auf meiner Reiseliste!

Wenn nicht in Präsenz und reisend, dann eben daheim und ausprobierend. Danke Kate Church für deine tollen Figuren! Ich bekomme jedes Mal Herzklopfen, wenn ich deinen Blogbeiträge lese.

Gedanken eines Queenagers

Als ich als junge Mama Barbara Shers Buch über Scanner lese, bin ich sehr sicher, dass ich ein Buch über mich lese. Ich verändere alle zwei Jahre meine Vorliebe(n). Ich ziehe ständig um, wenn mensch mich lässt. Ich mache dauernd 15 Sachen zugleich. Und ich bin sehr lange ein bisschen stolz drauf. Endlich meine Schublade des Andersseins gefunden. So vielfältig und bunt bin ich eben. Das zeichnet mich aus. Das musst du aushalten, wenn du mit mir zusammen sein willst.

Mittlerweile sehe ich das ein wenig anders. Was, wenn mein Charakter des Scanners ehe eine Antwort auf die vielen schwerst verarbeitbaren Reize meines Lebens bin? Weil ich grundsätzlich Schwierigkeiten mit Reizverarbeitung habe? Und ganz praktisch: dient es mir wirklich, an meiner Website zwei Tage intensiv zu arbeiten, dann drei neue Projekte anzufangen, weil sie mich reizen – und dann nach zwei Wochen wieder mit der Website von vorne anzufangen, weil ich schlicht und ergreifend vergessen habe, wie weit ich schon war und was der nächste geplante Schritt gewesen wäre?

Dieses Mal mache ich es anders. Website hat gerade Priorität. Genau d e s h a l b war es liebeboll und klug vom Leben, mir heuer sämtliche Sommer-Kinder-Workshops zu streichen. Ich hätte mich wieder heillos überfordert, weil meine Ansprüche an mich sehr hoch sind. Und im Herbst wäre garantiert keine Website fertig gewesen. Zusätzlich ist jetzt meine Lieblings-Web-Designerin eine Königin des Dranbleibens. An einer Sache. Wir werden in ein oder zwei Wochen fertig sein. Ein Projekt in knappen zweieinhalb Monaten beendet haben, das zwei Jahre nicht und nicht entstehen konnte.

Falls du ein Scanner bist und dich damit wohl fühlst und erfolgreich bist, vergiss bitte meine Überlegungen. Mir hat es damals lesend sehr geholfen, mich so anzunehmen, wie ich bin. Heute erkenne ich, dass das möglicherweise eine Strategie war, die mir weniger gedient hat als ich dachte. My Way. Deiner kann ganz anders aussehen!

Irgendwie fühlt sich dieses Archivfoto meiner bunten Zwerge aus der Anfangszeit perfekt zum Text passend an…

#reflect&learn

Liebe Maren, was ich vergangene Woche anders als gemacht habe als ursprünglich gedacht?

Ich erzähle dir von heute, weil der Eindruck noch so frisch ist.

Heute sitze ich statt beim Frühstück im Lieblingscafé vor dem Getränkeautomaten in einem Krankenhaus. Schlürfe beruhigenden heißen Kakao, warte und spüre sehr viel. Das Wartezimmer ist so richtig voll. Gesundheit und Krankheit kennt keinen Sonntag. Überall sind Menschen, die gerade echte Schwierigkeiten mit ihrem Leben haben. Auch drinnen vor den Untersuchungsräumen sind Reihen von Wartenden. So viele, dass manche Behandlungen direkt bei uns im Warteraum durchgeführt werden. Wir tauschen Blicke aus, ein Lächeln, einen mitfühlenden Satz.

Ständig werden von der Rettung neue Notfälle durchgeschoben. „Wir nehmen zuerst die Brustschmerzen dran, tut uns leid“, sagt ein Pfleger, als eine Frau verzweifelt fragt, wann sie endlich dran kommt. Sie wartet seit drei Stunden. Ganz offensichtlich hat sie große Schmerzen. Vier Stunden bin ich zufällig an dieser Grenze zwischen Leben und Tod, die man in Notaufnahmestationen erlebt.

Daheim erzähle ich dem Lebensgefährten meiner Mutter, was wir gerade erlebt haben. Er fasst für mich zusammen: „Wenn du dich im Leben ein bisschen mutlos und deprimiert fühlst, setz dich ein paar Stunden in den Warteraum eines Krankenhauses“. Es stimmt. Die Sonne scheint heller, wenn du den Warteraum wieder verlassen darfst. Und du hast eine große Übung in Demut und Empathie hinter dir, falls du dich darauf einlassen konntest.


Entdecke mehr von Lisa Engel

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..