Vergangene Woche habe ich das große Vergnügen, zwei vollkommen unterschiedliche Theaterstücke und Inszenierungen zu besuchen. Dazu liest du in meinem Wochenrückblick der Kalenderwoche 18 einen eigenen Beitrag. Dieses Wochenende läuft außerdem die letzte Woche meiner Social Media Absenz aus. Ganz untheatralisch. Dafür mit vielen starken Gefühlen.
Und hier gehts direkt zum knackigen Wochenrückblick!
- Was hat mir Energie gegeben?
- Was hat mich diese Woche inspiriert?
- Welchen freudvollen Moment nehme ich mit?
- Was habe ich gelernt?
- Was hat überhaupt nicht funktioniert?
- Was hat mich nachdenklich gemacht?
- Ein großes Lernen aus dieser Woche?
- Worauf freue ich mich nächste Woche?
Was hat mir Energie gegeben?

- es regnet einen Abend, eine Nacht und einen ganzen Tag – wir atmen alle auf und durch
- ich finde in Laubhäufen in einem Villacher Park Keimlinge von Ahorn und Hainbuche und errichte mit einigen dieser kräftigen Pflänzchen einen geschützten Pflanzenkindergarten vor dem Zirkuswagen
- als ich meine von mir für tot erklärte Feige ausgrabe, erkenne ich staunend, dass sie zwar von Ameisennestern und Sauerampfer arg bedrängt wird, aber noch lebt – sie bekommt ein ausgiebiges Wasserbad, aufgelockerte Wurzeln und einen neuen Platz mit frischer Erde
- unsere Naschhecke wird dank weiterer Pflanzungen deutlich größer, mittlerweile wachsen im Tiny Garden auch japanische Weinbeere und Stachelbeere kräftig heran
Was hat mich diese Woche inspiriert?

Ich bin Gast in zwei Theateraufführungen, die unterschiedlicher nicht sein können. Einerseits lädt mich Christoph Rabl zu einer Schulaufführung des Kindermusiktheaterstückes „Anna und der Wolf, Klick ins Herz“ für Volksschulkinder ein. Und ebenfalls diese Woche hat der Sechzehnjährige in meiner Familie in seiner Schule Premiere für das Theaterstück „Undine“.
Abgesehen davon, dass das Kindertheater für Kinder aufgeführt und das Jugendtheater VON Jugendlichen für Menschen aller Altersgruppen dargeboten wird, nehme ich für mich zwei wertvolle Impulse für die eigene Theaterarbeit mit Kindern mit.
Es macht etwas mit zuschauenden Kindern, wenn sie von der Bühne her um ihre Meinung gebeten oder um Hilfe gebeten werden. Christoph schafft es auf geniale Art, die „alten“ Erzählungen aus dem Märchenwald ins Jetzt des Alltags von Kindern zu holen, sie zu hinterfragen und aus den bekannten märchenhaften Narrativen eine Brücke in in die heutige Zeit zu bauen. So wird aus dem Spiegel der bösen Stiefmutter im Märchen ein Tablet auf dem Tabletstativ. Und der Gestiefelte Kater ist ein gefuchster Coach, der Fotos für den idealen Social Media Auftritt verscherbelt. Die vielen Kinder hören, dass es früher im Märchenwald genauso wild zuging wie heute auf Social Media. Und dass es darum geht, WIE wir mit unseren Möglkichkeiten umgehen.

Beim Stück „Undine“ der Jugendlichen entwickle ich viel Begeisterung für ein eindrucksvolles Bühnenbild mit tollen Stoffdrapierungen und einem gezielt gerichtetem Licht, dass Gefühltes sichtbar und noch beeindruckender macht. Schon unglaublich, wieviel Text junge Menschen mit viel Gefühl und schauspielerischer Grazie auf die Bühne bringen können. Ich kenne die Regisseurin Linda Haluschan-Springer aus beeindruckenden Theaterprojekten des Vitustheater St. Veit und freue mich sehr, dass sie mit jungen Menschen arbeitet und all ihr Wissen weitergibt.
Welchen freudvollen Moment nehme ich mit?









Den Moment, als ich Montag Abend, am Ende meiner Handgelenkskräfte, mit dem Akkuschrauber die 535te aller Schrauben in die Lärchenbretter drehe. Alleine hätte ich das niemals geschafft, zu zweit gings. Der Liebste erzählt mir, früher wären solche Projekte genagelt worden. Die Selbstschneiderschrauben und die unterstützende Maschine tragen wesentlich dazu bei, dass unsere neue Terrasse in insgesamt drei Arbeitstagen fertig ist.
Ich zeige dir in der Galerie, wie wir von einem welligen Boden zwischen den Tiny Houses zu einer formidablen und schönen Holzterrasse gekommen sind. Jetzt kann der Sommer und die geplanten Workshops im Freien kommen!
Was habe ich gelernt?

Fünf Wochen Pause von Social Media. Was anfangs wirklich holperte und händeringend Auswege suchte, wurde von Woche zu Woche leichter und angenehmer. Mein Abstand von Social Media zeigt mir klar, wo ich Zeit verplempere. Und zwar so richtig. Einmal am Tag via PC online zu gehen reicht auch in Zukunft.
Fazit:
- es bleibt dabei – keine Social-Media-Buttons auf dem Handy mehr
- auch weiterhin keine aktivierten Nachrichtenmitteilungen auf dem Handy
- ich bin einmal am Tag aktiv via PC, aber mit Zeitplan und einer Liste
- ich lese Newsletter, die mich interessieren
Was hat überhaupt nicht funktioniert?

Ich weiß nicht, ob ich darüber schon viel geschrieben habe – ich bin eine Leseratte. Versuche, so viele e-books als möglich zu lesen oder online auszuborgen. Doch bei Büchern mit Fotografie wird das kritisch. Ich möchte mir Zeit lassen. Sie auf mich wirken lassen. Also sause ich in die städtische Bibliothek, um mir die Bildbände von Sebastião Salgado auszuborgen, von dem ich schon vergangene Woche schwärme.
Tja. Die Bibliothekarin ist selbst nicht glücklich, als sie mir die Kunstabteilung zeigt. „Bastelbücher gehen deutlich besser, wir haben so wenig Nachfrage nach Kunst“, gesteht sie mir.
Wie ich mein Leben kenne, werden mir diese Bildbände des begnadeten Fotografen, der sie gemeinsam mit seiner Frau Lélia gestaltete, zufallen. Ich werde berichten!
Was hat mich nachdenklich gemacht?

Diese alte Erzählung von Undine. Sie beschäftigt mich immer noch. Eine junge Frau erkennt, dass diese alte Welt nicht mehr zu ihr passt. Es sind klar patriarchale Systeme, aus denen sie ausbrechen will. Der Vater entscheidet, was die Töchter des Wassers zu wollen haben. Mutter gibt es keine. Der Fürst der ersehnten anderen Welt entscheidet, sie zu heiraten, obwohl sie für diesen Wechsel der Systeme ihre Stimme geopfert hat. Hier dargestellt durch den wenig mitfühlenden Pakt mit den drei Nornen, die als Hexen auftreten. Sie bekommt für den Verlust der Stimme einen Körper, der ins andere patriarchale System passt.
Undine und der Fürst, sie scheitern beide. Er stirbt, als er erkennt, dass er sie nie wirklich gesehen hat. Sie landet als Irrlicht mit anderen Irrlichtern in einer Zwischenwelt und wir erfahren als Zusehende nicht, ob dort eine neue Welt entsteht. Oder ob sie ein Zwischenreich – und alles beim Alten – bleibt.
Das kann Kunst (auch). Aufzeigen, was ist. Schmerzhaft hinweisen, wo wir nicht so gerne hinschauen. Zum Reden einladen. Und zum Handeln in der realen Welt. Für mich ist dieses Zwischenreich in diesen letzten Jahren stark spürbar. So viele bewegen sich dort, Frauen und Männer. Hinterfragen alte Konventionen und Schubladen. Organisieren sich. Entdecken Türen in eine neue Welt des Miteinanders, die schon lange einen Spalt geöffnet sind. Und treffen immer wieder schmerzhaft auf jene, die zurück ins alte „Normal“ wollen und diese Veränderungen ablehnen. Quo vadis?
Habe ich diese Woche etwas dazu gelernt?

Als ich an einem ganz normalen Vormittag zum Theaterstück ins Nachbartal aufbreche, bin ich so voller Vorfreude. Die erste Lektion dieses Tages erteilt mir eine riesige gelbe Baustellentafel. Zwölfunddreißig Zeilen soll ich heranbrausend lesen. Ich sehe nur das große STOP-Schild, ziemlich genau in der Mitte des vielen Gelb. Lege eine Vollbremsung ein und drehe um. Überlege mir schon einen anderen Weg als mir dämmert, dass irgendwo im unteren Drittel etwas von 4. Mai zu lesen war. Ich befinde mich im April. Also noch einmal wenden. In Ruhe das ganze Schild lesen. Stimmt. Ich kann heute noch passieren.
Ein Auto kommt mir in den engen Kurven auf meiner Seite entgegen. Ich muss ausweichen und fahre mit dem rechten Vorderrad voll gegen einen spitzen Steinbrocken, der auf der Straße liegt.
Himmel, was ist los? Was sind das für merkwürdige Begebnisse und Zeichen? Weil keine digitale Anzeige aufleuchtet, fahre ich weiter. Auch wenn die Baustelle erst in einer Woche losgehen wird, hindert das fleißige Menschen nicht daran, den Asphalt jetzt schon aufzuschneiden. Im Kriechgang fahren wir viele Male über scharfkantigen Schnittkanten des Asphalts. Ich entwickle Galgenhumor. Das Auto holpert brav weiter.
Ich komme nach einer Stunde fast pünktlich an, habe noch ein paar Minuten.
Kein Parkplatz.
Kein einziger.
Hätte ich mit dem Zug fahren sollen?
Gebe ich jetzt auf?
Ich erspähe bei meinen Kreiselfahrten zwei Parkplätze, schon etwas außerhalb des Zentrums. Eine alte Dame biegt unmittelbar vor mir ab und parkt ihr Auto mittig, genau auf diese beiden Parkplätze.
Hinter mir Autos, auf der gegenüberliegenden Seite Autos. Wir alle wollten diesen letzten Parkplatz. Ich aktiviere den Blinker, lasse den Motor laufen und steige aus. Als ich an die Autoscheibe klopfe und darum bitte, ob sie sich ein bisschen platzsparender hinstellen kann, damit wir beide Platz haben, macht das die weißhaarige Dame. Ein wenig Zentimeterarbeit unter großem Zeitdruck, und wir haben beide einen Platz. Und ich erfahre noch, dass ich jetzt 90 Minuten Parkdauer habe und nicht vergessen soll, die Parkuhr sichtbar ins Cockpit zu legen. Dass ich mein Handy im Auto vergesse und noch einmal zurück sausen muss, um es zu holen, das fällt dann schon unter „Was solls“. Ich sitze im Theatersaal, als die Spiele beginnen und habe einen der schönsten Vormittage seit langem.
Mein „Lörning“ aus diesem Prozess? Aufgeben ist manchmal eine gute Option. Aber eben nicht immer. Dieses Mal hat es sich offenbar ausgezahlt, dran zu bleiben!
Worauf freue ich mich nächste Woche?

- ein Tagesausflug mit Wanderung zu slowenischen Seen und Bergen
- mein Klappmaulpuppen-Drache bekommt noch Panzerung und Flügel, dann ist er besuchsfertig; hier gibt es zwei Mitbewohner in meiner Familie, die strikt dagegen sind, dass er uns verlässt…
- ein Meeting mit tollen Frauen in Millstatt
- Rückkehr in den Arbeitsprozess einer Künstlerin
Welches Theaterstück hat dich in letzter Zeit beeindruckt?
Oder ist das Leben derzeit eh genug Theater für dich? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar in meiner Kommentarspalte.
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