Rückzug und Miteinander

Regenzeit nach einem langen, trockenen Winter und Frühling. Es wird und wird nicht Sommer. Als ich gestern gegen Mittag mit dem Auto losfahre staune ich. Was für ein Licht! Es nieselt. Die Sonne scheint durch die Wolken, alles schimmert. Genauso wäre es jetzt in Cornwall. Und genau dort wären wir, wenn – ja, wenn. Danke geschätztes Wetter, dass du hier in Südösterreich so ein Wetter inszenierst. Nach dem Drama-Regenbogen vor drei Tagen wundert mich gar nichts mehr.

Drei Monate bin ich jetzt auf Rückzug. Mehr oder weniger. Drei Monate, um mir anzuschauen, wer ich als Künstlerin bin. Jetzt gerade. Drei ruhige und geschenkte Monate, um viel Neues auszuprobieren. Meiner Intuition und meiner Liebe zu folgen. Drei Monate, um die Ruhe des selbstbestimmten Arbeitens zu schätzen. Und auch drei Monate um mir darüber klar zu werden, dass die Menschen in meinen Netzwerken kostbar sind und ich unsere Beziehungen hüte und pflege wie einen Schatz.

Regenwasser tropft in die Gießkanne

Unsere Politiker*innen und Expert*innen sprechen von einer neuen Normalität nach dem Lockdown. Und meinen damit, dass die Wirtschaft mit Schutzmaßnahmen wieder Fahrt aufnehmen soll. Kann. Muss. Ich, die Nichtexpertin, fürchte, sonst wäre sehr schnell sichtbar, wie fragil und ohne Fundament diese Geldwirtschaft bereits ist. All die kleinen EPUs und KMUs können ein Trauerlied davon singen.

Auch ich mache mir Gedanken. Ich schaue hinaus ins Cornwall-Licht. Es tropft und rinnt, die Gießkannen und Kübel fangen das kostbare Regenwasser auf. Fließe ich mit dem Fluss weiter wie bisher? Was ist wichtig geblieben nach der dreimonatigen Pause? Was kann ich getrost vergessen?

Mir ist im Lockdown nie langweilig. Nach zwei Wochen hört die getriebene Unruhe des „Jetzt-hab-ich-endlich-Zeit-jetzt-muss-Ich“ auf. Irgendwann bin auch ich ausreichend und ohne schlechtem Gewissen ausgeschlafen. Funktioniert mein Hirn ausgeruht wie nach einem Retreat. Der Wunsch, Wesen zu erschaffen ist nicht nur geblieben. Er ist stärker geworden. Genäht. Gestrickt. Gehäkelt. Gezeichnet. Gestickt. Gefilzt. Mit paperclay oder Draht oder zwischen Bäume gehängt. Ganz egal.

Rose

Das künstlerische und kreative Gestalten eines mir vorher unbekannten Wesens füttert eine Seite in mir, die sich immer danach gesehnt hat. Meine prall gefüllten Bücherregale sind stumme und bunte Zeugen meines jahrzehntelangen Versuches, dieses innere Sehnen zu beruhigen. Das ständige Umgestalten unseres Wohnraumes und ein paar mickrige Versuche, als Künstlerin den Fuß in die illustre Welt ernst zu nehmender Künstler*innen zu setzen, bleiben als Erinnerung. Auch Scheitern ist ein Weg. Meine Kinder und ich sind Lebenskünstler wider Willen. Und vielleicht ist das die beste Schulung, die wir erhalten konnten. Wer weiß das schon so genau.

Sobald ich in diesen Wochen und Monaten die Wunderwelt unseres Gartens oder mein Atelier betrete, bin ich schlagartig wo ich sein will. Mein Mann und ich teilen diese Liebe. Er ist fast nur mehr im Garten. Oder am Zeichentisch. Ich bin fast nur mehr im Atelier. Oder davor. Diese Arbeit mit den Händen erfüllt und nährt mich. Möglicherweise heilt sie auch still und leise, ich kann das nicht ausschließen. Ich habe überhaupt kein Problem, stundenlang nicht zu reden. Wie gebe ich dir einen Einblick in diese Erfahrung? Ich kann dir Websites empfehlen. Und entweder bekommst du Herzklopfen oder nicht. Ich kann dir Bücher borgen und dich drin blättern lassen. Doch wie schaffe ich einen Raum, dich das erleben zu lassen, was mir so gut tut?

Hollunder

Ich überlege, wie ich das in den letzten Jahren Gelernte und persönlich Erfahrene an andere Suchende weiter geben kann. Kannst du dir mit dem Kopf ausmalen wie es ist, wenn die Quelle deiner Kreativität wieder zu sprudeln beginnt? Wie es ist, wenn du Raum und Zeit und Essen und Trinken vergisst, weil du so vertief in deinen Prozess bist? Spürst du, was ich spüre, wenn ich einem Wesen den Arm annähe und es sich auf meinen Oberschenkelnd sitzend an mich drückt und ich weiche Knie kriege, weil ich so verliebt bin? Ahnst du was ich fühle, wenn Bilder und Ideen durch meinen Kopf ziehen, auf die ich beim Nachdenken niemals gekommen wäre? Aus den Erfahrungen von zwei Jahren mit Workshops weiß ich, dass das Erschaffen von Wesen keinen Menschen kalt lässt. Auch dann nicht, wenn er so ein Wesen für einen anderen Menschen erschafft, für ein Kind, eine Freundin oder als Erinnerung an einen Menschen, der ihm einmal viel bedeutet hat.

Sind Workshops die einzige Möglichkeit?

Eine sehr liebe Freundin fragt nach ihren Erlebnissen mit ihrem bei mir bestellten Wesen an, wie es anderen Menschen mit den Geschöpfen geht. Was sie erleben, was sie ihnen auslösen. Sollen wir so ein Treffen auf die Beine stellen? Die Wesen miteinander sein lassen und uns austauschen? Irgendwas in mir nickt begeistert. 

Zoom- oder Skype-Konferenzen sind eine für mich neue und durchaus funktionierende Möglichkeit, sich auszutauschen. Kannst du dir vorstellen, dein Wesen unter digitaler Anleitung zu erschaffen?Und/oder braucht es auch persönliche Treffen?

Ich träume noch immer von einem monatlichen Puppenmacher*innen-Treffen, wie wir es eine Woche vor dem Lockdown dabei waren, zu organisieren. Mal hier, mal da. Als Empowermentgruppe für Puppenliebende. Ist das noch aktuell, interessiert? Online? In echt?

Gemeinsam mit einer Freundin planen wir eine Veranstaltungsreihe mit kreativem Gestalten von Wesen, Spüren und Reflektieren. Sie ist eine gütige und weitblickende Mentorin und wir erhoffen uns von der Zuammenarbeit ganz neue Einsichten in das kreative Tun mit sich selbst. Frühestens im Herbst, so der Virus uns lässt. 

Kontaktiere mich gerne, hier in den Kommentaren. Oder via Kontaktformular

rainbow cat

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