Ein Wirtschaftsmärchen

Im ersten Semester dieses Schuljahres beschäftigen sich 30 Kinder der Volksschule Bad Kleinkirchheim (Kärnten/Österreich) mit grundlegendem Wirtschaftswissen. Sie gründen unter Anleitung der „Junior Mini Company“ eine Firma und lernen Marketing kennen. Als Direktorin Veronika Zeiner mich einlädt, mit den Kindern von Januar bis Ende März kreativ und künstlerisch zu arbeiten, denken wir diesen Wirtschaftsgedanken märchenhaft weiter. Was, wenn wir miteinander durchspielen, ob es in der Wirtschaft noch um andere Dinge als Geld geht? Wie sehen das Kinder?

Hier gehts zu einem turbulenten Rückblick:

  1. Wie es beginnt
  2. Die Techniken
  3. Jahreszeit Fasching
  4. Die weitere Handlung der Geschichte
  5. Musik, Musik
  6. Jeux Dramatiques, was ist das?
  7. Das hat mich überrascht
  8. Kompetenzen
  9. Finanzierung
  10. Statistik und Zahlen
  11. Warum mache ich das?

Wie es beginnt

Mit zwei Sagen aus dieser Region lande ich bei der Vorentwicklung der Geschichte rasch im Mittelalter. Es existiert geschichtlich eine „Adlerburg“, in der es einen Schatz geben soll. Ein „Golddrache“ ist also naheliegend, der seit Ewigkeiten diesen Schatz bewacht. Dem stinklangweilig und fad ist, weil sich keiner mehr für diesen Goldschatz interessiert, da es ja Geld und Banken gibt. Außerdem gibt es die Sage von der „Glücksfichte“, an deren Wurzeln ebenfalls ein Schatz liegen soll. Der gehörte angeblich einem geizigen Altbauern, der sein Geld vor seinen Erben im Wald vergrub. Ein Junge bringt eine weitere Geschichte mit ein – die vom Räuber Paul Zopf. Auch sie wird im Laufe des Spiels integriert.

Die Techniken

31 Klappmäuler, 31 Kopfzuschnitte, 62 Arme – das Wochenende vor dem Workshop verbringe ich an der Nähmaschine.

Wie (fast) immer übernehme ich mich gewaltig. Als ich in der Werkstatt 30 Grundfiguren plus eine Vorführfigur für Klappmaulpuppen zuschneide und zusammennähe wird mir rasch klar, dass Stoff alleine für den Kopf der Figur nicht reicht. Ich fertige Schaumstoffoberteile für die Pappe-Klapp-Mäuler, damit die Kopfform nicht in sich zusammenfällt. Ich nähe 62 Arme vor.

Zusätzlich bereite ich 30 Werkpakete in Säckchen mit bunten Filzresten für Iris und Pupille, Tischtennisbällen für die Augenkugeln, Filzbändern für Augenbrauen und Webreste für wilde Haare vor. So viel Einkauf wie nötig, so viel Upcycling als möglich. Die Arme aus Socken werden später an die Grundkörper der Handpuppen angenäht. Danke an dieser Stelle an die Werklehrerinnen für euren Einsatz. Alleine hätten wir das niemals geschafft! Heißkleber oder mein amerikanischer Tacky Glue sind das Hauptwerkzeug der Kinder, um die Utensilien miteinander zu fixieren.

Für die Weiterentwicklung der Geschichte arbeite ich wieder mit Mitteln des „Jeux Dramatiques“. Das erkläre ich weiter unten ein bisschen detaillierter.

Jahreszeit Fasching

Der rote Koffer mit den vielen Tüchern in allen Farben ist ein Magnet für die Kinder.

Weil wir uns mitten in der närrischen Zeit befinden, stürzen sich die Kinder auf meine Verkleidungsutensilien. Ich komme mit einem Koffer voller bunter Tücher. Und mit Hüten, Brillen, Krönchen und anderen Verkleidungmöglichkeiten. Der Funke springt über. Die Kinder bringen rasch eigene Kostüme von zu Hause mit. So haben wir bald zwei Katzen. Einen wilden Räuber und eine ebenbürtige Räuberin mit Köpfchen. Sechs magische Waldwesen. Eine Königin mit ihren vier Prinzessinnen-Töchtern. Nach ein paar Wochen stößt auch ein Ritter dazu. Jäger, Koch und Kellner samt Wirt und Rezeptionistin stellen sich ein. Einige Kinder möchten einfach Bäume sein, die sich im Wind wiegen und alles sehen und alles hören.

Die weitere Handlung der Geschichte

Der tiefe Schlaf der beiden Prinzessinnen. Zum Glück gibt es hilfsbereite magische Wesen, die alle Kräfte bündeln und die beiden Mädchen wieder aus ihrem Zauberschlaf erlösen.
  • der alte, einsame Golddrache klagt sein Leid, wie sehr es ihn langweilt, einen Schatz zu hüten, den niemand mehr interessiert
  • eine sehr konservative Königinmutter mit vier Töchtern lebt ein höfisches Leben im Schloss
  • die rebellische Königstochter Lea will raus aus dem Schloss und Abenteuer erleben, ihre Schwester Dajana schließt sich im Laufe der Spielrunden an, sie machen sich zu zweit auf die Suche nach dem sagenhaften Goldschatz
  • der Sohn des Bauern aus der alten Sage kann nichts mit dem Hof anfangen, verspielt alles und feiert lieber mit seinen Freunden im Wirtshaus
  • zwei Glücksfichten lassen sich nicht von Menschen umschneiden und bekommen Hilfe von magischen Waldwesen
  • der Wald und seine Bäume sind stetig da und bilden eine prächtige Kulisse für die Handlung
  • der gewitzte Räuber Paul Zopf und seine kluge Gefährtin Sarah können gut von sich selbst ablenken und stehlen, bis sie allen nur noch auf die Nerven gehen
  • ein stolzer Wirt, der sich vor allem für sich und seinen Reichtum begeistert, pocht auf seine Ordnung im Wirtshaus Trattlerhof
  • zwei kluge Katzen entdecken die gestohlenen Schätze und das Geld aus dem Wirtshaus und überreden die Königin und alle anderen Menschen, es an den Wald, seine Bewohner und an die Menschen in Bad Kleinkirchheim zu verschenken
  • der Golddrache bannt die beiden Räuber mit einem Bannspruch und gewinnt dadurch endlich Freunde

Musik, Musik

Michael Minnesänger und der Golddrache singen ein gewaltiges Duett. Unter dem Jubel der Besucherinnen und Besucher des Wirtshauses Trattlerhof.

Ein Junge will unbedingt den Star „Michael Minnesänger“ spielen. „Ich liebe es, zu singen, und anderen damit Freude zu machen!“, sagt er. Wir haben schon im Vorfeld besprochen, dass der Schulchor beim Projekt mitmacht. Kurz vor den Semesterferien bietet mir die Direktorin die musikalische Mitarbeit ihres Sohnes Peter Zeiner an. Wenn ich einen Liedtext schreibe, komponiert er uns einen Song. Und der Schulchor unter der kongenialen Leitung von Mathias Aschbacher lernt dieses und andere Lieder.

Gesagt, getan. Ich liefere meinen Text noch vor den Semesterferien. Ein schwungvoller Song, die Golddrachen-Ballade, entsteht durch Peter Zeiner. Der Musikpädagoge Mathias schreibt ihn so um, dass die Kinder die Ballade in vier Strophen singen können. Michael Minnesänger singt von Anfang an ein selbst ausgewähltes Lied, kräftig unterstützt von allen Kindern. Erst im letzten Drittel des Projektes höre ich, was die Kinder noch einstudiert haben. Da weiß ich noch nicht, dass unsere fast einstündige Präsentation der Szenen durch diese Musik so richtig stimmig wird.

Jeux Dramatiques, was ist das?

Endlich interessieren sich Menschen für den Drachen, und nicht so sehr für sein Gold. Ende gut. Alles gut.

Ich bin immer noch so dankbar, dass die Schulleitung Direktorin Veronika Zeiner und der Projektleiter Armin Kramer zugestimmt haben, kein „normales“ Theaterstück einzustudieren. Denn so arbeite ich nicht. Als ich in meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin das „Jeux Dramatiques“ kennenlerne, bin ich hellauf begeistert. Am besten erklärt das ein Schüler gleich zu Beginn unserer Arbeit: „Das ist ja wie im echten Leben!“, sagt er, als wir den Ablauf und die wenigen, dafür klaren Regeln festlegen. Freiwilligkeit ist ein wichtiger Bestandteil. Niemand wird gezwungen, etwas bestimmtes zu spielen. Aber alle suchen sich eine Rolle aus. Das darf auch Wind und Wetter sein. Oder ein Gefühl.

Die Kinder bereiten den Ort ihres Spieleinsatzes mit Tüchern und wenigen Utensilien vor. Auch sich selbst verkleiden sie mit passenden Tüchern und den mitgebrachten Requisiten. Dann lese ich die Geschichte vor, wie sie bis jetzt ist. Ein mitgebrachter Gong beginnt und beendet die Szenen und das Standbild, wenn Chaos ausbricht und wir den weiteren Ablauf klären müssen. Und dann – spielen die Kinder mit Mimik und Gestik weiter und ich begleite mit Worten, was ich sehe. Dabei entwickelt sich eine Handlung.

Für die Aufführung ersetzen die meisten Kinder zunehmend Mimik und Gestik durch Worte. Manche Kinder behalten lieber Mimik und Gestik bei und sind weiterhin auf diese Art beim Spiel dabei. Alles ist erlaubt und möglich.

Das hat mich überrascht

Ich biete den Kindern nach diesen mörderischen Spieldurchgängen neue Handlungsmöglichkeiten an. Sie nehmen sie (fast) ohne zu murren an.

Womit ich überhaupt nicht rechne, ist das begeisterte Töten durch Schießen und Köpfen im Spiel. So viel Aufgestautes in den Kindern wird in diesem Angebot zum offenen Spiel frei! In den ersten Runden liegen überhaupt nur tote Darsteller am Boden. Und Mädchen bedecken die Körper mit Tüchern und Plastikblumen und spielen Begräbnis.

Ich führe ein neue Regel ein. Statt zu töten gibt es neue Handlungsmöglichkeiten wie

  • einen Zaubertrank einsetzen, der in einen tiefen Schlaf mündet
  • verhandeln
  • tauschen
  • Hilfe holen
  • tricksen, ablenken
  • eine Aufgabe, zum Beispiel ein schwieriges Rätsel stellen

Wer tötet oder getötet wird, setzt eine Spielrunde aus. Dann führe ich noch den „Königlichen Rat“ ein. Die Königin kann gerufen werden, wenn sich Kinder im Spiel nicht einigen können. Und sie, die mächtigste Position im Spiel, entscheidet, wie das Spiel weitergeht.

Tatsächlich greifen die Kinder zum Zaubertrank, zum Tricksen und eine Baumwächterin stellt einer Mitspielerin ein kompliziertes Rätsel, damit das Spiel weitergeht. Genial. Ein Jäger wird bis zum letzten Aufführungstag säuerlich sagen: „Wenn ich schon kein Tier töten darf, dann will ich wenigstens mit meinen Freunden feiern“. Der köngliche Rat war für diese Altersgruppe zu kompliziert. Die Königin muss nie entscheiden, weil sie nie angerufen wird. Aber – sie steht zur Verfügung. Aus der leisen Königin der ersten Stunden wird dadurch sehr schnell eine königliche und würdevolle Mitspielende.

Kompetenzen

Eine Waldelfe, verzaubert von der selbst angefertigten Waldelfe.

Für mich ist es nicht so erstaunlich, wie sehr sich die Kinder als Menschen weiterentwickeln. Für meine Begleiterinnen und den Begleiter des Projektes schon.

  • eine stille Königin ist zu Beginn kaum zu verstehen; am Ende sorgt sie klar und gut für ihre Familie
  • ein lebendiger und lauter Musikstar und eine wilde Prinzessin erkennen im Laufe des Spieles, dass sie dramaturgisch wichtige Teile der Handlung UND nicht die einzig Wichtigen des Spiels sind – sie gehen auch auf die anderen Kinder zu und lassen ihnen Raum
  • Kinder mit Schwierigkeiten der deutschen Sprache sprechen ihre Rollen zunehmend klar und deutlich
  • ein ständig beleidigter Junge bleibt zwar im Hintergrund, spielt aber am Ende seine Rolle ohne Schmollen
  • zwei Katzen sind mutiger, wenn sie alle Texte zu zweit sprechen und sorgen dafür, dass Geld und Gold an alle fair-teilt wird
  • ein sehr leiser Wirt hat Schwierigkeiten, den reichen Angeber heraushängen zu lassen, schlüpft aber zum Projektende doch in diese Rolle und begeistert das Publikum
  • den magischen Waldwesen ist das Wohlergehen und der Schutz der Bäume des Waldes zunehmend wichtig
  • einige Kinder wagen es, eigene Texte einzubauen und ihre Rollen zu erweitern
  • drei Buben sind bis zum Schluss nicht dazu zu bewegen, wirklich mitzuspielen – auch das muss man als Spielleitung und Begleitung tragen und aushalten
  • alle Kinder verbinden sich gut mit ihren Figuren und schaffen es, die Klappmaulpuppen ziemlich silbengenau mitsingen und sprechen zu lassen

Finanzierung

Herzlichen Dank an dieser Stelle, das so geniale Theaterprojekte für Kinder unterstützt werden!

Schulprojekte, wie ich sie mache, werden vom Österreichischen OEAD teilfinanziert. Ich beantrage nach Absprache mit einer Schule das Projekt, indem ich ausführe, was wir vorhaben und was wir planen. Dann wird das Projekt geprüft und im Idealfall genehmigt. Material- und Fahrtkosten sowie Gerätemiete müssen noch mitfinanziert werden. Und schon kann es losgehen.

Statistik und Zahlen

Die Kinder spielen ihre Präsentation vor vollem Hause. Was für eine Wertschätzung durch die Angehörigen! Sie geben alles und machen diesen letzten wichtigen Lernschritt des Herzeigens voller Einsatz, Freude und Begeisterung.
  • 11 Vormittage à 5 Stunden plus eine Abendvorstellung
  • zuerst 29 Kinder, nach 2 Monaten 30 Kinder
  • 20 Chorkinder
  • 1 Projektpartner aus der Schule
  • 2 PädagogInnen, die regelmäßig mitarbeiten
  • 1 Komponist, der einen Song komponiert
  • 1 Musiklehrer, der die passenden Lieder im Chorgesang mit den Kindern einstudiert
  • zahllose Näh- und Bastelstunden durch die Werklehrerinnen
  • zahllose Vorbereitungsstunden und Einkäufe für das Riesenbuffet durch Eltern bei der Abendaufführung

Warum mache ich das?

Wenn aus Kinderzeichnungen Theater von Kindern für Kinder entsteht, das allen Freude gemacht hat – dann habe ich mein Ziel erreicht!

Mir bedeutet es sehr viel, dass ich Kindern mit meiner Arbeit an Schulen Räume schaffen kann, in denen sich ihre Kreativität frei ausdrückt. Kein Lehrplan. Keine Noten. Kein Richtig oder Falsch. Sondern ein Projekt, das sie reizt und in das sie sich einbringen. Jedes Kind auf seine Art. Ich arbeite nicht mit vorgegebenen Ideen. Es ist ganz bestimmt aufwändiger, sich ganz auf die Kinder einzulassen und nicht schon alles vorzubereiten. Doch genau das zahlt sich aus.

Wenn ich in eine Klasse komme und die ersten Gesprächs- und Spielrunden mit den Kindern durchführe, dann zeigt sich recht schnell, wo die Talente und die Fähigkeiten sich schon voll zeigen. Und wo sie sich noch schlummernd verstecken. Wir treten alle gemeinsam als Gruppe, als Netzwerk an. Alle Kinder sind Teil des Projektes.

Es gibt klare Regeln, wie wir unser Miteinander gestalten. Innerhalb dieser Regeln kann Kreativität fließen. Die klaren Grenzen ermöglichen, dass sich auch die Kinder auf eine neue Art kennenlernen. Auch die klassenführenden PädagogInnen erfahren Neues über die ihnen anvertrauten Kinder.



Frühlingsbeginn und Aufwachen

Jetzt ist es soweit! Der Frühling zieht auch astronomisch ins Land herein. Pünktlich zum ersten Frühlings-Wochenende fühlt es sich hier in den Alpen wieder nach Schnee und Kälte an. Ich schaue im dieswöchigen Wochenrückblick der 12 Kalenderwoche auf eine starke Woche zurück.

Weiterlesen: Frühlingsbeginn und Aufwachen

Ich muss dir sicher nicht erzählen, dass zumindest im DACH-Raum endlich genug Feuer am Dach ist, was Frauenanliegen betrifft. Collien Fernandes gilt meine ganze Hochachtung für ihren Mut, mit ihrem digitalen Missbrauch an die Öffentlichkeit zu gehen. Gefühlt ist ihr Sichtbarwerden der Tropfen, der endlich das Fass zum Überlaufen bringt. Noch nie habe ich auf Linkedin so viele Beiträge von Männern gelesen, die ihre Bereitschaft signalisieren, auch in der eigenen Bubble und im eigenen Leben genauer auf strukturellen Sexismus zu achten. Ich möchte hier an dieser Stelle auf das Buch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“ von Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr verweisen. Es ist augenöffnend und unterstützt all das, was wir Frauen schon immer gefühlt, aber nicht immer zu hören bekommen haben. Und es bietet sehr gute Impulse an, die in den Alltag zu integrieren sind.

Auch ich frage mich, ob ich überhaupt noch irgendetwas Erfreuliches schreiben soll, wenn es in den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaften so zugeht wie gerade. Und entscheide mich. Ich mache weiter. Vielleicht ist es mein kleiner Beitrag, dass auch du ein paar Minuten abschalten kannst.

Wochenrückblick Kalenderwoche 12

  1. Freundinnen und Kommunikation
  2. Ich bin schon ich
  3. Paulo und seine Namensvettern
  4. Künstliche und menschliche Intelligenz
  5. Schulfotos vom Liebsten
  6. Wertvolles Fallen auf die Nase
  7. Und du?

    Freundinnen und Kommunikation

    Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Gehen miteinander durch dick und dünn. Meinen englischen Ladies geht der Gesprächsstoff grundsätzlich nie aus!

    Aus dem Human Design Feld höre ich immer wieder, eine meiner Stärken sei in meiner Kehle. Was soviel wie „du solltest mehr sprechen“ bedeutet. Nun habe ich grundsätzlich wenig Bedürfnis und Anlass, ZU Menschen zu sprechen. Außer in meinen raren Videos über meine Arbeit. Da verstecke ich mich gern hinter Voice Over und lasse meine Figuren sprechen. Was ich aber sehr liebe, ist der echte Austausch mit anderen Frauen und Männern. Gerade diese Woche wieder erlebt, wie unterschiedlich die Energie fließt. Wie sie sich vervielfacht und ausbreitet, wenn offenes, liebevolles und wertschätzendes Zuhören im Raum ist. Gemeinsam über Sätze zu lachen wie „Es fühlt sich nicht schwer an, also ist es keine Arbeit“. Aus dem tiefen Wissen, wie tief wir solche Sprüche verinnerlicht haben. Sie schallend gemeinsam auszulachen, die Sprüche. Wie gut wir sie kennen! Vom Lachen erleichtert gehen wir weiter in unseren Alltag.

    Mein zweiter Energiebooster diese Woche ist eines dieser Gespräche mit dem Liebsten, als ich ihm erzähle, dass ein Rahmen nicht genug Tiefe für wirkungsvolles Diorama hat. Ich beschreibe ihm in allen Details, was fehlt – und höre mich sagen: „Ein Spiegel. Ein Spiegel müsste an die Rückwand. Spiegelfolie, ich bestelle eine Spiegelfolie!“ Ich schwöre, die Lösung ist vorher nicht da. Sondern fällt mir einfach aus dem Mund. Wir lachen mittlerweile über meine regelmäßige und sehr akkurate „Lösungsfindung“, wenn mein Mann einfach zuhört. Kennst du das vielleicht auch?

    Ich bin schon ich

    Auch so ein „das war ja nur ein Schnappschuss“-Sager. Wer sagt, dass die richtigen Fotos zur rechten Zeit nicht wertvoll sind?

    Als ich vor zehn Jahren entscheide, diesen neuen Weg der Künstlerin in diesem Leben wirklich und echt zu gehen, habe ich einfach keine Ahnung. Da ist eine verschwommene Vorstellung von immerwährendem Glück, weil ich endlich tue, wovon ich immer träumte. Da ist die vage Vorstellung des Selbermachens. Und nicht mehr nur über Künstlerinnen und Künstler zu berichten. Sondern selbst in dieses Feld einzutauchen Und eine tiefe Sehnsucht, in mir anzukommen. Ein tiefes Wissen, was ich auf keinen Fall mehr machen will. Dafür steige ich in eine Hochschaubahn der Gefühle, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe.

    Vergangene Woche sage ich zu einer guten Bekannten im Brustton der Überzeugung: „Ich bin schon ich. Ich suche nicht mehr.“ Ich erschrecke, was ich da ausspreche. Wann ist das geschehen? Seit wann suche ich nicht mehr? Wann habe ich diesen neuen Raum betreten? Der Unterschied zu 2016 ist – ich fühle diesen Satz in jeder Zelle meines Körpers. Seit Montag schwebe ich ein bisschen auf Wolke Sieben.

    Paulo und seine Namensvettern

    Schau gern einmal bei meiner Kundin Claudia di Chio vorbei. Sie ist als Herzschätzerin angetreten, um gesunde Arbeitskultur und Resilienz in Unternehmen zu fördern. An ihrer Seite ist ab sofort Paulo für die nonverbale Auseinandersetzung zuständig und unterstützt sie mit all seiner Klarheit und seiner Freundlichkeit!

    Nun ist es ganz offiziell: der von mir angefertigte Paulo mit den verschränkten Armen und dem freundlichen Lächeln darf jetzt ins Licht der Öffentlichkeit. Und sein Publikum als „Türsteher der Gedanken“ inspirieren und verzaubern. Er entsteht im März, parallel zur „Mini Me“ meiner Freundin Anita. Seine Entstehungsgeschichte läuft eher im Hintergrund ab. Bei mir heißt er eigentlich Max. Du weißt schon, das erzählt er mir im Prozess. Also ist das sein erster Arbeitsname.

    Schon während der Entstehung und im Austausch mit meiner Kundin schwebt der Name „Paolo“ oder „Paulo“ durch unseren Kopf. Paulo wohnt sehr kurz zur Probe bei seiner Auftraggeberin. Und als klar wird, dass er sich häuslich niederlässt, mache ich seine Reisepapiere fertig. Echtheitszertifikat. Seine Entstehungsgeschichte. Überall steht „Paulos“. Ja, ich kenne einen Paulos. Der begabteste afrikanische Trommler, der hier in Kärnten lebt. Wir kennen uns gut.

    Ich bin erschüttert, als ich erfahre, dass die Reisepapiere schlicht und ergreifend einen falschen Vornamen tragen. Mittlerweile sind die neuen Papiere unterwegs. Fünf Mal korrekturgelesen. Wenn ich mir irgendwann Bürohilfe leisten kann, dann wird das nicht nur eine Buchhalterin, sondern auch eine Lektorin sein!

    Künstliche und menschliche Intelligenz

    Diese Zeichnung hat der Liebste angefertigt. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Tanzend!

    Done. Erledigt. Geschafft. Chat GPT ist nicht mehr Teil meines Lebens. Nach Facebook, Spotify und CapCut verabschiede ich mich wieder von einer vertrauten Plattform. Ich trauere meiner Handvoll digitaler Prompts nach, die ich mir irgendwann einmal geleistet habe. Und viel zu selten angewandt habe. Jetzt sind sie im Datennirwana verschwunden. Gemini muss mich erst kennenlernen und wird wieder als Suchmaschine trainiert. Also füttere ich sie mit meinen eigenen Texten und lasse sie eventuell Vergessenes dazu fantasieren. Ich bin AI-müde. Die Plattform macht definitiv schönere Bilder als Chat GPT. So viel kann ich jetzt einmal positiv zu ihr sagen.

    Ganz ohne KI weiß ich, dass die Bremsen der Familienkutsche schleifen und ich höre, dass mindestens ein Stoßdämpfer die winterlichen Fahrbahnen und die heurige Kälte nicht so gut verkraftet hat. Kommende Woche hat das Auto Reifenwechseltermin. Ganz analog und händisch. Und dann schauen wir einmal, wie lange es die nun schon in die Jahre gekommene Dame noch mit uns aushält.

    Schulfotos vom Liebsten

    Alexander kommt am Dienstag mit in die Schule. Ich möchte den letzten Tag im lichtdurchfluteten Musikzimmer noch einmal nutzen, dass wir Fotos von Kindern in Aktion machen. Ich lasse dir hier ein paar Juwelen. Kommende Woche ziehen wir um und proben nur mehr im Festsaal neben der Schule. Donnerstag ist unsere Abschlussveranstaltung. Die Kinder sind schon ganz schön aufgeregt und eifrig dabei, die Nerven der Erwachsenen mit kinderkrankheitsbedingten Ausfällen stark zu beanspruchen. Ich werde berichten!

    Wertvolles Fallen auf die Nase

    Meine Ratten und Rättinnen gehörten zu den mutigsten Figuren meiner bisherigen Laufbahn. Sie haben großen Ekel ausgelöst und große Liebe. Sie waren jeden Handgriff wert!

    Maren Martschenko und Anna Koschinkski tauschen sich auf dem „Verbindung schaffen“-Podcast über „Magnetismus, Bademäntel und naked blogging“ aus. Sowas von hörenswert, große Emfpehlung. Und Maren fragt im Rahmen ihres klugen #reflectandlearn diese Woche: Was ist es wert zu tun, auch wenn ich damit vollkommen auf die Nase falle?“ Rückblickend ist das definitiv meine Entscheidung gewesen, diesen neuen Weg der Künstlerin vor zehn Jahren wenig kompromissbereits einzuschlagen. Aktuell sind es die Riesenfiguren, die ich im Sommer bauen will. Kann sein, dass das komplett in die Hose geht. Wir werden sehen – mich zieht es schon so lange zu dieser Erfahrung des Machens. Wir werden sehen, was und ob wir etwas sehen!

    Und du?

    Was riskierst du heuer oder eben und gerade, auch wenn du dabei auf die Nase fallen könntest?








    Familienfotos und Pappexperimente

    Beim Blick in den Kalender vergangene Woche bin ich zuerst erleichtet.

    Weiterlesen: Familienfotos und Pappexperimente

    Dann ruft eine Freundin an, ob ich unseren Termin vergessen habe. Habe ich, aber wie! Und dann dreht sich das Rad wieder rasanter. Willkommen beim Wochenrückblick der Kalenderwoche 11 dieses jungen Jahres. Heute mit einer Buchempfehlung ohne Affiliate-Link. Selbst und freiwillig gekauft. Für unglaublich gut befunden. Und deshalb hier in den Rückblick aufgenommen.

    Hier gehts zum Inhaltsverzeichnis:

    1. Gemeinsam gehts leichter
    2. Trotzdem Zuhause
    3. Klappmaulpuppen lernen singen
    4. Gesunde Intervalle und ich
    5. Diorama und Pappe
    6. 26 Jahre digitale Fotos
    7. Wie machst du das mit deinen Familienfotos?

    Gemeinsam gehts leichter

    Gemeinsam zu arbeiten ist gut gegen Prokrastinieren. Bei mir auf alle Fälle!

    In meinem Kopf schwirren so viele Ideen umher, dass ich froh bin, jeden Dienstag Abend in meiner Accountability Gruppe einzutauchen und mich mit anderen Künstlerinnen zu besprechen, was gerade wirklich ansteht. Dieser nächste wichtige Schritt, um an einer Sache dran zu bleiben. Die regelmäßige Gruppe ist gut gegen Prokrastinieren. Danke ihr wunderbaren Frauen!

    Ebenso dankbar bin ich für die monatlichen Treffen der Spittaler BPW. Vergangene Woche war wieder eines. So viele kreative Inputs an einem Abend. So gute und bestärkende Gespräche. So oft das Gefühl, wir alle kennen die typischen Herausforderungen. Jede einzelne. Warum ich sechzig Jahre alt werden musste, um so eine Gruppe zu finden, das weiß der Himmel.

    Trotzdem Zuhause

    Das hier ist ein Screenshot des neuen Buches dieser wundervollen Autorin. Mehr dazu im Text!

    So heißt das neue Buch von Tupoka Ogette. Kennen- und schätzen gelernt habe ich die Autorin irgendwann um 2015, als wir Wege suchen, rassistischer Sprache besser zu begegnen. Zu lernen, dass systemischer Rassismus auch in mir angelegt ist, hat bei einem Workshop weh getan. Doch wie weh es tut, diesem rassistischem Widerstand in uns allen als Kind und Heranwachsende ausgeliefert zu sein, das spüre ich beim Lesen jedes Kapitels. Ich bin einfach nur dankbar, dass Tupoka nie aufgegeben hat und heute so erfolgreich als Brückenbauerin wirkt.

    In mir sind beim Lesen dieser so persönlichen Geschichte eines Mädchens, das mit brauner Haut in der ehemaligen DDR aufwächst, Tränen gekommen. Und weitere Türen aufgegangen. Ich verstehe noch besser, warum Tupoka ihre Akademie betreibt und so viele Workshops gibt. Warum sie so klar ist. Wir sind, verdammt noch mal, Brüder und Schwestern hier auf diesem Planeten. Wir alle. Können wir endlich aufhören, unsere sozialisierten Grenzen im Kopf zu pflegen? Bestimmt schafft es dieses herzberührende Buch besser als ich.

    Klappmaulpuppen lernen singen

    Ein Golddrache fliegt seit Jahrhunderten über Kärnten. Oder bewacht ganz traurig den alten Schatz, für den sich keiner mehr interessiert. Wie gut, dass er zu singen lernt!

    Die gemeinsame Zeit mit den Kindern beginnt zu wirken, wie ich es mir jedes Mal bei so einem Projekt wünsche. Laute Klassenclowns erkennen, dass es nur gemeinsam geht und halten sich an ihre Struktur. Immer mehr stille Kinder erweitern ihre Rolle und verblüffen uns mit leichten Szenenänderungen und zunehmendem Sprechen während des Spiels. Ich habe vor den Semesterferien eine Ballade für den Golddrachen geschrieben. Der Sohn der Schuldirektorin – ich liefere den Namen nach, versprochen! – hat uns den Text vertont. Der Musikpädagoge Mathias hat Text und Musik an die Möglichkeiten des Schulchores angepasst. Und ich habe wirklich Gänsehaut, als die Kinder mir am Donnerstag zum ersten Mal vorsingen, was aus dem Text geworden ist.

    Nun lernen auch die Klappmaulpuppen, dass sie Vokale mit offenem Mund und silbenkonform mitgestalten sollten, damit es echt aussieht. In zwei Wochen führen sie das Stück auf. Ich freue mich schon sehr!

    Gesunde Intervalle und ich

    Egal, ob Getreidekaffee oder Kaffee mit oder ohne Coffein – Hauptsache, wir halten unsere Pausen ein!

    Nicht nur, dass ich endlich wieder meinen Magen ab 16 Uhr ausruhen lasse. Außerdem verpasse ich mir eine andere Arbeitsstruktur. Ich bin zwei Tage in der Woche ausschließlich für mich und meine Kunstprojekte im Atelier. Auftragsarbeiten mache ich an zwei anderen Tagen. Einen Tag reserviere ich für all das, was Unternehmerinnen wie wir eben auch noch so machen müssen. Management. Marketing. Verkauf und Kunden. Pausen sind nicht (mehr) verhandelbar.

    Diorama und Scheitern mit Pappe

    „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ wusste schon Hermann Hesse.

    Ich habe es mir echt so schön vorgestellt. Ein tiefer Rahmen für die dreidimensionalen Szenen. Bemal- oder beklebbar. Zwei bis drei Ebenen aus Pappe, auf einen u-förmigen Einschubkarton montiert. Ganz easy zu machen. Ganz elegant eingeschoben. Dann noch eine Lichterkette montiert – und fertig.

    So ist die Realität.

    Die geschnittene Pappe sieht an den Rändern unschön aus. Glücklicherweise verwende ich in meinem Fall von diesem Menschen getragene Textilien. Also einmal über die unschöne Kante geschlagen und die Kante ist verdeckt. Ich verwende Tapetenkleister, um die Textilien zu fixieren. Ganz weit hinten in der Erinnerung meldet sich eine Stimme. War da nicht schon mal was?

    Die Pappe weicht – wieder, wie bei den Pinselfiguren im ersten Durchgang – vollkommen auf. Zieht sich beim Trocknen zusammen. Schnell pappe ich auf die Rückseite ebenfalls reichlich Tapetenkleister. Und beschwere das Ganze mit schweren Büchern. Die Bücher verhindern, dass am nächsten Tag der Kleister getrocknet ist. Also weg damit. Ein paar Stunden später ist alles trocken. Und dramatisch gebogen. Also Bücher wieder drauf!

    Kleine Schweißausbrüche, wenn ich an den Workshop denke. Fehler, Denkfehler! Das muss ich anders machen. Der Liebste sagt: nimm Weißleim dazu! Dann hält das besser! Ich glaube eher, ich verwende das nächste Mal Sprühkleber. Oder ein anderes Basismaterial als Pappe. Nächste Woche gehts weiter mit der Forschungsarbeit in der Praxis.

    Mein Diorama rund um einen Trauerfall in der Familie ist übrigens am Wochenende fertig geworden. Endlich. Irgendwas in meinem System hält nicht mehr die Luft an. Sondern atmet durch. Nächste Woche gestalten wir die Familienwand, von der wir schon so lange reden. Dieses Diorama macht den Anfang und wird ein sehr geliebter Teil davon sein.

    26 Jahre digitale Fotos

    Fotografieren – will auch frühzeitig gelernt werden. Darf ich vorstellen? Meine jüngste interessierte Schülerin!

    Die Zahl müsste stimmen. 26 bis 30 Jahre. Als ich erleichtert auf die Digitalkamera umsteige, ahne ich noch nicht, wieviele Daten das irgendwann einmal sind. Ich mache nebenbei weiter mit dem digitalen und ganz privaten Frühlingsputz meiner Fotos. Ordner für Ordner. Manches ist doppelt, dreifach und vierfach auf der externen Festplatte gesichert. Sicher – ist sicher, nicht wahr?

    Nun geht es darum, was kann weg? Was bleibt gespeichert? Derzeit gehen die Bilder zurück bis ins Jahr 2000. Ich weiß, dass ich noch gebrannte CDs in einer Schublade habe, die vor den Festplatten waren. Irgendwann gehen wir auch diese technische Herausforderung an.

    Und weißt du, was richtig gut ist? Ich kann die Ordner mit meinen erwachsenen Kindern teilen. Wir greifen auf unsere gemeinsame Vergangenheit zu. Mit einer Mutter, die Fotografin war, ist das eine spezielle Herausforderung…

    Und wie machst du das mit deinen Familienfotos?

    Früher haben wir gesagt – im Winter, im Winter ist Zeit. Dann kleben wir all die Papierfotos ins Album. Ich habe bis heute kein Album.
    Wie löst du das?

    Von Frauen und von Männern

    Diese Woche ist gespickt mit Abschlüssen. Ein Mann. Und eine Frau. Sie ziehen aus dem Atelier aus und weiter in ihre neuen Familien. Dieser Wochenrückblick ist voller Abschiede. Komm mit und lies selbst.

    Weiterlesen: Von Frauen und von Männern

    Und hier gehts zum Inhaltsverzeichnis dieses Wochenrückblicks:

    1. Abschied von Maschinen
    2. Abschied von zwei Figuren
    3. Abschied von einer Weide
    4. Theater, wir kommen!
    5. Hoppalas
    6. Worauf ich mich freue
    7. Ein neuer Blickwinkel

    Abschied von Maschinen

    Wie klein und putzig dieses riesige Paket aussieht! Gute Reise, ihr lieben Maschinen, ihr werdet schon sehnsüchtig in Portugal erwartet.

    Er war im innerfamiliären Bauteam, als wir unsere Tiny Houses auf Rädern bauten. Und jetzt baut er selbst. Nicht hier vor Ort. Sondern in seiner neuen Heimat, in Portugal. Die Rede ist von meinem erstgeborenen Sohn. Der Bruder kommt am Sonntag vorbei und wir packen essentielle Baumaschinen auf eine Euro-Palette. Er und der Liebste kommen ganz schön ins Denken und ins Schwitzen, wie sie die sperrigen Teile so übereinanderstapeln, dass nichts kaputt geht. Sie filmen und fotografieren, wie sie die Maschinen zerlegen. Schrauben werden in Plastiksackerln einsortiert, beschriftet und an die richtige Stelle geklebt. Nichts darf über die Palette nach außen ragen. Nach dreieinhalb Stunden wickeln sie stolz die extra angeschaffte, klebrige Plastikfolie um das Kunstwerk à la Christo. Nur durchsichtiger. Versehen mit unseren allerbesten Wünschen, die wir auf die Folie zeichnen.

    „I warat in zwei Minuten da“, ruft der Fahrer zwei Tage später ins Telefon, als wir noch überlegen, ob wir einen Termin vereinbaren sollen. Und dann gehts ganz schnell. Eine vorübergehende Straßenblockade. Leichte Schwierigkeiten, mit den langen Eisenstangen unter die Palette zu kommen. Kreative Lösung finden. Einladen. Losfahren. Und jetzt ist das Paket unterwegs zu seiner neuen Bestimmung!

    Abschied von zwei Figuren

    Paulos kommt wie gerufen in mein Leben. Er geht einer Serie von Figuren voraus, die im Herbst das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. Lass dich überraschen!

    Ich habe in meiner Künstlerinnenlaufbahn bis jetzt nur zwei Männer geformt. Einer war ein Zwerg. Und einer war der Gefährte einer weiblichen Filzfigur. Als jetzt eine zauberhafte Auftraggeberin anklopft und fragt, ob ich ihr eine ganz bestimmte Figur für ihre Arbeit mit Menschen anfertigen kann, wissen wir beide: das MUSS eine männliche Figur werden. Wir brauchen genau diese zielstrebige, durchsetzende und logisch-rationale Energie.

    Paulos verlässt mich vergangene Woche und kommt bereits am Montag in seinem neuen Zuhause an. Als ich am Abend ein Unpacking-Video bekomme, darf ich spüren, wie sehr sich eine Frau über eine Figur freut, deren Entstehung sie zwar in den letzten Wochen online verfolgen konnte. Echt ist dann doch anders.

    Ja, ich teile bei Auftragsarbeiten auf Wunsch auch Überlegungen, Fotos und Videos! Am Ende, zum Verabschieden, schaute der junge Mann noch einmal bei mir in einem Fotoshooting vorbei. Viel Erfolg bei deiner wichtigen Arbeit, geschätzter Paulos!

    Verbunden. Mit sich. Mit der Welt. Mit Allem-was-Ist. Auf Social Media verbindet sie vergangene Woche Menschen im Austausch.

    Einen Tag später darf ich die zweite Figur des Februars persönlich in ihr neues Zuhause chauffieren. Es ist Winter 2025, als ich mit dieser Art von Künstlerfiguren beginne. Ich stehe noch sehr unter dem Eindruck der Kunst und Biografie von Niki de Saint Phalle. Und ich weiß, künstlerisch geht es in diese Richtung weiter. Gefühle ausdrücken. Mich vom Prozess leiten lassen. Weiblichkeit, Spüren und Frausein im Mittelpunkt meines Schaffens.

    Als ich den Auftrag einer lieben Freundin bekomme, ihr eine Figur zu machen, die zu ihr passt, weiß ich tief drinnen, dass es genau diese Art von Figur sein könnte. Ich zeige ihr einen Prototypen, mit dem ich noch nicht ganz zufrieden bin. Die begeisterte Reaktion gibt mir recht. Nach unserem intensiven Gespräch weiß ich noch ein bisschen besser, wovon sie träumt, was sie als Mensch und als Künstlerin ausmacht. Und dann ist auch diese Figur fertig, die von mir den Titel „VERBUNDEN“ erhält.

    Drüben, auf Social Media und Linkedin, wurde die Figur sehr gut aufgenommen. Unter dem Foto ist ein Link, falls du dort nachlesen willst, was den Menschen durch den Kopf ging.

    P.S. Eine Veranstalterin meldet sich und fragt an, ob ich nächstes Jahr mit einer Serie solcher Figuren bei einer Ausstellung dabei sein könnte. Einmal mehr fühle ich mich so bestärkt, auf meine innere Stimme zu hören!

    Abschied von einer Weide

    Nun ist Großmutter Weide viele morsche Äste leichter geworden!

    Aber nicht ganz!

    Als wir vor fast drei Jahren (!) den Zirkuswagen vor einer Weide abstellen, ist es der Schatten am hitzigen Pfingstwochenende, der uns magisch anzieht. Wir standen vorher mit den Tiny Houses in der prallen Sonne und wenn es eines gibt, das im Tiny House unangenehm ist, dann ist das Hitze im Sommer. Vor allem Nachts, wenn frau gerne schlafen würde.

    Drei Jahre später ist dieser alte Baum kräftig weitergewachsen. Seine dicken Äste klopfen bei starkem Wind an das Dach. Irgendein neues, klebriges Insekt nistet im Sommer an den Blättern und es tropft unentwegt. Naja, und es ist nicht mehr schattig, sondern finster im Zirkuswagen. Von den Gelsen und Tigermücken, die den feuchten Schatten lieben, will ich gar nicht reden.

    Nun bin ich so gemacht, dass ich lieber zehn Mal überlege, ob eine Pflanze ausgerissen oder ein Baum umgeschnitten wird. Bei der Weide war klar: sie ist teilweise morsch. Gefahr in Verzug. Und – wir kappen ungefähr ein Drittel.

    In einem gemeinsamen und doch stundenlangen Ho-Ruck, zwei Männer, eine Frau, eine Akku-Motorsäge und viel Glück und Können, ist der Raum vor und im Zirkuswagen nun deutlich heller und zugänglicher. Die gekappten Äste werden in den nächsten Tagen zu Hackschnitzeln verarbeitet. Und lichter Schatten wird uns den Sommer versüßen.

    Und Leute, es hat 19 Grad, als wir am frühen Abend matt und fertig in den Stühlen hängen und uns zu diesem Schritt gratulieren! Neunzehn Grad! Der Frühling nimmt gerade voll Fahrt auf.

    Theater, wir kommen!

    Bis jetzt haben die Kinder ihre Geschichte verkleidet aufgeführt. Ab nun kommen ihre selbst angefertigten Klappmaulpuppen dazu. Wie sie sich darauf gefreut haben – die Kinder, und die Figuren!

    Als ich mich am Mittwoch für den Theaterdonnerstag in der Volksschule vorbereite, bin ich erstaunlich entspannt. Schon vergangene Woche war mir schrittweise klar, wie ich mit dieser großen Gruppe besser weiter arbeiten kann. Und dass es jetzt zielgerichtet auf die Aufführung kurz vor den Osterferien zugeht.

    Was ich mir dieses Mal bei der Anfahrt erlaube, ist hilfreich: ich höre keine aktuellen Nachrichten. Bekomme ich mit, was in der Welt los ist? Aber sicher, ich lebe ja nicht im Elfenbeinturm. Ich will entspannt und ohne Sorgenenergien mit den Kindern sein. Also höre ich meinen geliebten Sting und sein Musical „The Last Ship“. Solltest du so ein Musikfan sein wie ich, dann könnte dir das vielleicht auch gefallen.

    Als mir die ersten Mädchen entgegen purzeln, als ich vor der Schule vorfahre, weiß ich: so mache ich das in Zukunft immer. Ich komme entspannt, egal, wie sich Erwachsene da draußen in der Welt benehmen. Für fünf Stunden sind es die Kinder, ihre beiden pädagogischen Begleiter, ihr selbst entwickeltes Stück, ihre Figuren – und ich. Und sonst gar nichts.

    Wir sind so vertieft in zwei Durchgänge Theater, dass ich aufs Fotografieren vollkommen vergesse. Nun sind auch alle Erwachsenen wieder zuversichtlich und entspannt. Die Kinder haben die Geschichte in meiner krankheitsbedingten Abwesenheit tiefer integriert als angenommen.

    Hoppalas

    Diese Woche muss ich ein bisschen schärfer nachdenken, ob auch etwas schiefgegangen ist. Aber klar – hier ist ein technischer Fail, der mich die nächsten Wochen beschäftigen wird. Ich habe schon eine Weile im Hinterkopf, dass ich meine Online-Zugänge besser absichern sollte. Dieses Mal geht es um die Passwörter. Ich führe ein Heft, handschriftlich. Seit einigen Jahren. Meine Kinder schlagen jedes Mal die Hände überm Kopf zusammen …

    „Alles ganz easy“, sagt der jüngste Sohn. „Wirst sehen, das geht ganz leicht mit der Umstellung auf einen Passwortmanager“. Du kennst mich. Triggerwarnung. Alarm. Alaaaarm! Was kommt da wieder auf mich zu?

    Dass ich derzeit Umwege gehen muss, damit ich meine e-banking-Geschäfte machen kann, das nehme ich einfach zur Kenntnis. Ich halt wieder. Fakt ist – es ist kompliziert, jeden Zugang neu einzustellen. Klar werde ich das machen. Aber schön einen Schritt nach dem anderen. Die Expertin bei der Bank und ich, wir lachen, als ich ihr erkläre, was ich bis jetzt unternommen habe, um wieder ein „Normal“ herzustellen. Einfach – ist einfach anders! Da sind wir uns einig.

    Worauf ich mich freue

    Nächste Woche treffe ich einerseits einen Puppenspieler, der von mir drei Figuren gemacht haben will. Und ich beginne ein neues Projekt, das mich fordert: ich baue Dioramas für einen Workshop. Gemeinsam mit einer professionellen Begleiterin entsteht ein neues Projekt, in dem Menschen erleben, wie hilfreich und heilsam Kreativität ist. Auch oder besonders in stark herausfordernden Zeiten.

    Mehr dazu in den nächsten Wochen, versprochen!

    Ein neuer Blickwinkel

    Ich bin dem Oead wirklich dankbar, dass er Menschen wie mich und Schulen finanziell dabei unterstützt, kreative Freiräume zu ermöglichen.

    Die Bonusfrage von Maren Martschenko diese Woche beantworte ich gerne. Ich weiß, warum ich in diesem Leben nicht Lehrerin geworden bin. Ich hätte sehr gerne mit Kindern gearbeitet. Meine Schulzeit war entmutigend und ich verabschiedete mich noch als Schülerin von dieser Idee. Aber sie lässt mich nicht los. Seit zwanzig Jahren gehe ich als Außenstehende an Schulen und biete unterschiedlichste kreative Workshops an.

    Vergangene Woche tausche ich mich mit einem Pädagogen über meine Beobachtungen und Veränderungen im Umgang mit den Kindern heute aus. Und er erzählt mir, wie wenig Zeit bleibt für Zeiten, wie ich sie den Kindern anbieten kann. In denen sie wirklich spielen, sich und ihren Platz in der Gemeinschaft besser kennenlernen. In denen sie Rollen ausprobieren, für die im Schulalltag schlicht und ergreifend kein Raum ist. Wieder höre ich, wie stark die Bürokratie in der Schule zugenommen hat. Testungen, die das System herausfordern. Und dass wenig Zeit bleibt, all die Gewalt, die damit verbundenen Ängste, Sorgen und Fantasien, die durch die Kinder- und Schulzimmer schwappen, zu benennen und zu besprechen.

    Mir ist bewusst, dass meine Arbeit ein wertvoller, aber eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Und ich merke, ich werde geduldiger und verständnisvoller mit Pädagoginnen und Pädagogen, die, jeder und jede auf seine Art, ihr Bestes geben.

    Und du?

    Hast auch du dich vergangene Woche verstärkt von Umständen, Situationen oder Menschen verabschiedet?








    Virenschleuder und Aufträge

    Wir befinden uns in der neunten Kalenderwoche dieses Jahres. Ich bewege mich zwischen Kranksein und Atelier hin und her. Willkommen zu einem Wochenrückblick aus der Sicht einer etwas angeschlagenen Kunstschaffenden.

    Inhaltsangabe zur Kalenderwoche 09:

    1. Verbundenheit mit Arbeitsprozessen und Gesundheit
    2. Auftragsarbeiten und Erkenntnisse
    3. Mein Weg als Künstlerin
    4. Druck erzeugt Widerstand
    5. Sechs Jahrzehnte in Fotos
    6. Technik & Me
    7. Das war wohl nix
    8. Kreativität & Me
    9. Vorfreude und Planung

    Verbundenheit mit Arbeitsprozessen und Gesundheit

    Die letzte Woche meiner Auftragsarbeiten rauscht herbei. Mich legt am Sonntag vollkommen überraschend ein Virus flach. „Leg dich hin und kurier dich aus“, sagt der Liebste. Ich bleibe einen Tag lang brav liegen. Wohl wissend, dass die kommende Woche mir Einiges abverlangt. Das Fieber sinkt. Ich niese und schlafe mich durch den Tag. Am Montag Morgen fühle ich mich besser. Und stürze mich in den Tag. Der Körper einer Auftragsfigur bekommt seine Kleidung. Die andere Figur soll geschliffen, grundiert, bemalt und beklebt werden.

    Hier entsteht ein Körper aufgrund einer Zeichnung und einer Idee


    Mir ist es eine große Freude, dass ich nur über wenige Holprigkeiten stolpere, ich komme gut voran. Genau so, wie ich es mir vorgenommen habe. Weil es erwünscht ist, versende ich während des Arbeitsprozesses Fotos und Videos. Der Technik sei Dank. Dieses Entgegenkommen hilft allen Beteiligten, wenn sie nicht zu mir ins Atelier kommen können.

    Papermachéfigur mit Fühlern in die Welt

    In der Mitte der Woche beginnt das Fieber wieder zu steigen. Was zuerst nur die rechte Stirnhöhle betrifft, wandert nun auch in die linke. Meine Bronchien und die Lunge senden morgens Signale von Beklemmung und Überlastung. Hatte meine Freundin also doch recht, der ich bereits absagte – ich bekomme eine Bronchitis? Jetzt wird mir mulmig. Also – stundenweise zurück in die liegende Position. Literweise Yogi-Tee zum Aufheizen, Badewanne, Hustensaft und Einschmieren.

    Diese Woche gibt es Regelunterricht an der Schule der Kinder. Nächste Woche starten wir dann wieder durch.

    Und ich sage den Schultermin mit sehr schlechtem Gefühl ab. Ich bin ganz schön wackelig und fiebere noch. Und anstecken will ich niemanden. Bekomme die Rückmeldung, dass in der Schule sehr viele Kinder krank sind. Das verschafft mir Zeit, mich um meine Gesundheit zu kümmern. Irgendwie werde ich diesen Vormittag in den nächsten vier Wochen wieder einarbeiten.

    Auftragsarbeiten und Erkenntnisse

    Handgemachte, winzige Schuhe brauchen viele Handgriffe, damit sie echt aussehen.

    Mir hat es die letzen zehn Jahre riesige Freude gemacht, für mich und meine Themen künstlerisch tätig zu sein. Diese Freude an der Auseinandersetzung wird nie enden. Nur bin ich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen auf diesem Planeten, ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch, das Zuhören, das Beisteuern eigener Erfahrungen. Gruppe ist Magie und sowas von hilfreich!

    Wenn ich ausstelle oder meine Figuren herzeige, erfahre ich Resonanz von anderen Menschen. Immer wieder höre ich, wie sehr diese Figuren berühren. Und ob ich auch Auftragsfiguren herstelle. Ganz individuell. Ganz auf einen Menschen zugeschnitten und maßgeschneidert. Wie sagt meine Freundin Pippi: „Das habe ich noch nie gemacht, also kann es nur gut werden!“ Mit dem mir eigenen Mut zu Neuem biete ich das seit 2025 an.

    Dieser Februar beschert mir zwei Auftragsarbeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Figur soll eine Idee verwandeln, mit der sich sogar die Künstliche Intelligenz auseinander gesetzt hat. Was für mich vollkommen neu ist. Die andere Figur soll mein Spüren einer Person darstellen, ihre Essenz, ihre Seelenanteile, ihr Wirken in der Welt.

    Mit den Figuren erlebe ich zwei sich ergänzende Seiten von Auftragsarbeit. Totale Freiheit auf der einen, klare Vorgabe auf der anderen. Es passt zu mir, dass beides zugleich da ist. Dass dieser scheinbare Widerspruch eine geniale Ergänzung ist. Ich glaube nämlich höchst selten an Schwarz oder Weiß im Leben. Mich interessiert das Feld dazwischen. Schwarz und Weiß machen dieses Feld klarer, sichtbarer. Ich ziehe es sowieso vor, Situationen und Menschen von vielen Seiten und Perspektiven zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

    Nun sind beide Figuren fertig. Ich habe so viel dazu gelernt wie lange nicht mehr. Handwerklich. Menschlich. Und kreativ. Es sind Türen für mich aufgegangen, die ich vorher nicht einmal gesehen habe. Danke für euer Vertrauen in mein Tun, ihr beiden Frauen!

    Mein Weg als Künstlerin

    Das Jahresthema für 2026 kommt im November zu mir, als mein Körper mich drei Mal zur Ruhe und zum Reflektieren verdonnert. Mein heuriges Jahresthema ist kein Leitwort, sondern ein Leitsatz: „Meinem Weg als Künstlerin vertrauen“. Wie gut, dass Korina mich inspiriert und online zu einer Blogparade über Jahresthemen einlädt. Der Link zum Beitrag ist auch unter dem Beitragsbild zu finden!

    Druck erzeugt Widerstand

    Wenn sich das Netz an Erwartungen über dich wirft, wie reagierst du darauf?

    Druck in Form künstlicher Verknappung beleidigt meine Intelligenz. Spoiler und Warnung: in diesem Abschnitt wird geschimpft.

    Gerade und speziell auf Social Media erhöht sich in diesen Monaten die Dichte dieser Angebote. Mir ist klar, dass wir vor wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Wir alle. Das macht Existenzängste und kratzt am Selbstwert. Doch es ist eine Entscheidung, diese Ängste in Schafspelze verpackt weiter zu geben. Oder sich ihnen in einer stillen Stunde zu stellen und sie zu fragen, was sie zu sagen haben.

    Ich wollte das einfach einmal aufgeschrieben und ausgesprochen haben. Ich lese das. Entfolge dich nach dem dritten Nein und vergesse dein Angebot sofort.

    Auch mein Spam-Ordner quillt derzeit über vor Drohungen, mein Konto oder meine Fotos (!) zu löschen. Vor der Erinnerung, nicht bestellte Paketen zurückzusenden, vor unnötigen Angeboten und Last Minute Checks. „Ich habe nur mehr x Plätze frei, besser, du buchst heute noch“ oder „Einen Monat bekommst du meine Dienstleistung noch um diesen Preis, dann verdoppelt sich der Beitrag“. Ich staune, dass irgend jemand überhaupt darauf reagiert. Also, wozu dieser künstliche Hustle?

    Nachdem ich gestern Nacht sämtliche Kontolöschungen und diverse andere Drohungen gelöscht habe, ist heute Morgen mein SPAM-Ordner schon wieder gut gefüllt.


    Das ist so durchschaubar! Bei mir greift Werbung nicht, wenn wir keine Beziehung entwickelt haben. Wenn ich den Sinn für dein Angebot nicht spüre oder sehe. Und wenn ich gar nicht auf der Suche bin! Ich bin bekannt dafür, dass ich alle Hebel in Bewegung setze, wenn ich etwas für mich oder für andere ermöglichen will. Wenn ich es wirklich, wirklich brauche. Da kann ich all meine Kreativität einsetzen. Mir muss niemand eine saftige Karotte vor die Nase hängen!

    • Der Termin passt gerade nicht?
    • Ich habe das Geld dafür nicht?
    • Was solls!
    • Wenn es diese Zusammenarbeit, diese Ausbildung nicht zustande kommt, dann kommt eben die nächste.
    • Womöglich sogar die, die besser zu mir und zu meiner Situation passt. Und das Gleiche gilt für dich.
    • Enspann dich!

    Fotos und eine Reise durch die Jahrzehnte

    Geschwister. Erkennst du mich?

    Meine Familie schenkt mir zum Geburtstag, zum runden, ein Fotobuch. Hach. Da fließen Tränen. Kindheitsfotos. Dann wenige Fotos aus den Zwischenzeiten einer jungen Mutter, weil ich die Fotografierende bin. Und seit zwanzig Jahren wieder mehr Fotos, weil auch andere fotografieren. Und weil Fotos der mobilen Telefone druckbar werden.

    Mein jüngster Sohn speichert Familienfotos und Videos auf einem extra angeschafften und aufgesetzten Server. Immer wieder zieht es mich dorthin. Schon berührend, auf so eine lange Zeitspanne mit Familie, Herausforderungen und den vielen beruflichen Aufträgen zurückzuschauen. Ich staune, wieviele Fotos ich vergessen habe. Sie kommen jetzt nach und nach hier auf der Website zum Vorschein.

    Technik & Me

    So fotografiere ich mir im Leben kleine Helferleins herbei …

    Diese Woche gibt es, krankheitsbedingt, weniger Herausforderungen im Office als sonst. Die Nähmaschine schnurrt zuverlässig vor sich hin und bekommt demnächst ein Service, damit das auch so bleibt. Das Filmschneideprogramm Da Vinci Resolve kann frau sang- und klanglos verlernen, wenn sie wochenlang nicht damit arbeitet und dann auch noch ein Riesen-Update herunterlädt.

    Die Notizenfunktion in meinem Pocket-Book entdecke ich erst jetzt. Ich lese zum zweiten Mal ein Buch über Nicki du Saint Phalle . In ihrer Anfangszeit als junge Mutter und Künstlerin begeistert sie sich sehr für den spanischen Gaudi-Garten. Jetzt aber, das will ich nicht wieder vergessen! Mir erschließt sich das Angebot des Markers im Notizenbereich nicht, weil es so spartanisch und zeitverzögert angelegt ist. Wohl aber das Lesezeichen. Das scheint später im Inhaltsverzeichnis wieder auf.

    Das war wohl nix

    Hier hat wohl jemand vergessen, die Wand zu verputzen?

    Mein größtes Hoppala! diese Woche:

    Für die Zukunft bitte merken: wenn der Körper sagt, du bist krank, dann meint er das so. Und will sich auskurieren. Wie schon Mutter immer sagte, einen Tag fieberfrei sein, bevor er und sie sich wieder ins Getümmel schmeißt. Sonst dauert der Prozess länger als erwartet. Und vermutlich auch länger als notwendig. So ein Rückfall ist anstrengend und unlustig.

    Kreativität & Me

    So schaut es momentan bei mir auf #linkedin aus. Ich freue mich, wenn du mir auch hier folgst!

    Was liegend immer möglich ist, sind geschriebene Beiträge. Ich lade dich herzlich ein, mir auch auf Linkedin, meiner favorisierten Social Media Plattform, zu folgen. Dort gibt es regen Austausch unter meinen Artikeln und ich komme direkt mit dir ins Gespräch.

    Einerseits habe ich diese Woche einen Beitrag zur Stecknadel veröffentlicht. Und außerdem einen VLOG über meine praktische Arbeit im Atelier.

    Vorfreude und Planung

    Danke liebe Maren Martschenko für dein unermüdliches Zurverfügungstellen von Reflexionsfragen. Sie sind immer die Vorstufe zu meinen Wochenrückblicken. Für diese Woche geht es um das Thema Vorfreude. Selbstverständlich finde ich schnell einen Grund.

    Während wir dieses Wochenende die Maschinen des Liebsten zusammenpacken, damit sie nächste Woche mit der Spedition nach Portugal in die neue Werkstatt meines Sohnes gefahren werden, freue ich mich schon wie verrückt. Wir reisen den Maschinen Ende April, Anfang Mai für einen Urlaub nach. Dann sind sie dort schon in Verwendung.

    Portugal kenne ich noch überhaupt nicht. Ich freue mich auf eine Reise durch Frankreich und Spanien und ins neue Lebensumfeld meines Ältesten.

    Vor einem Jahr packt er nach einem Urlaub seine sieben Sachen und wandert voller Vorfreude aus. Man beachte den Kärntner Kren in der Außentasche. Der durfte in Portugal zu Ostern nicht fehlen.

    Ein Jahr später entsteht ein neues Leben mit neuen Menschen und neuen Aufgaben.
    That’s Life!

    Und wie hast du diese letzte Woche im Februar erlebt?


    Dem eigenen Weg vertrauen

    Ich habe große Lust, meinen Beitrag zur Blogparade „Jahresmotto 2026: Welches Leitwort begleitet dich durchs Jahr?“ von Korina Dielschneider zu gestalten. Sie meint, ich könnte damit Menschen in meinem Alter Mut machen. Warum? Ich habe vor zehn Jahren, an meinem 50. Geburtstag in diesem Leben entschieden, endlich dem Weg der Künstlerin in mir zu folgen.

    Wie es mir mit dieser Entscheidung ergangen ist und warum ich heuer ein spezielles Jahresthema gewählt habe, darüber liest du hier mehr.

    Inhaltsangabe:

    1. Ein kurzer Rückblick
    2. Mein Jahresthema 2026
    3. Das Thema findet mich
    4. Das JA zum eigenen Weg
    5. Die NEINs dieses Weges
    6. Kontrolle und Erlaubnis
    7. Jahresthema und Hoffnung

    Ein kurzer Rückblick

    Und so hat es begonnen…

    Ja, ich habe vor zehn Jahren, mit 50, tatsächlich meinen Beruf als Freie Journalistin und Fotografin abgemeldet. Und dann sogar den bezahlten Teilzeitjob als Verwaltungsassistentin an einer großen Volksschule gekündigt. Mensch, hatte ich weiche Knie! Und sofort waren sie da, alte, vergessene und neue Glaubenssätze, die hochkochten:

    • Kunst ist brotlos
    • von Kunst kannst du nicht leben, mach lieber was G’scheites
    • ist ja nett, was du machst, aber vielleicht lieber am Wochenende?
    • das ist nur Basteln
    • das ist nur Kunsthandwerk, keine Kunst
    • ohne Studium wird das nix
    • als Frau hast du damit keine Chance

    Jetzt war es so weit. Ohne irgend eine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Haha, was für ein Glück! Sonst wäre ich nie gesprungen! Ich war in einer Lebensphase mit einem Künstler als Partner, der mir gut zuredete. Der viel mit mir zeichnete und ausprobierte. Und der mich voll unterstützte. Ich wollte es mir und ihm beweisen, dass es möglich ist, von und mit Kunst zu leben. Was für mich bedeutet: ich entwickle mich als Mensch weiter. Und ich kann ganz praktisch meine Sozialversicherung und meine Pensionsversicherung fürs Alter selbst einzahlen und mir das leisten, was ich zum Leben brauche.

    2015 – wir erforschen gemeinsam mit anderen Menschen das Wesen der Kreativität

    Zehn Jahre später bin ich noch immer auf diesem Weg. Mit so viel mehr Erfahrung. Der Liebste, er hat recht behalten. Schon nach den ersten Jahren schaue ich erstaunt und glücklich zurück auf meine Babyschritte als Künstlerin. Queenagerin und im fortgeschrittenen Alter zu sein bedeutet noch lange nicht, alles im Neuen zu wissen. Ich zweifle. Fühle mich zu alt. Wünschte, ich hätte schon früher studiert. Kann viel Lebenserfahrung beisteuern. Das Handwerk muss ich trotzdem lernen. Und lange ist nicht einmal klar, für welche Richtung der Kunst ich mich entscheide. Ich probiere ein Medium nach den anderen aus. Wir binden zugewanderte Menschen aus Kriegsgebieten in diesen Prozess ein. Unzählige Workshops für Malerei, Holzarbeit, Fotografieren, Grenzenlos Kochen, Upcycling finden statt. Das endet nach zweieinhalb Jahren. Die Ausrichtung wird in dieser Suche klarer. Ich forme unzählige Kinderpuppen und lerne das Handwerk.

    Wir malen, spielen in einem Bürgertheaterstück mit, nähen, filzen, essen und kochen gemeinsam – eine intensive Zeit mit unfassbar vielen Begegnungen.

    2019 melde ich die Bildendende Künstlerin offiziell an. Es ist ein innerer Impuls. Ich weiß nicht, warum ich genau in diesem Jahr das Gefühl habe, jetzt, jetzt ist es so weit. Ich möchte Künstlerfiguren für Erwachsene herstellen. Und es soll ganz offiziell ablaufen. Ich fange in diesem Jahr an, berufliche Kontakte zu knüpfen. 2020 dann der Rundum-Kahlschlag für uns alle. Ich nähe Stoffmasken, um ein bisschen Geld zu verdienen. Und ziehe mir online jeden Workshop hinein, in dem es um die Gestaltung von Figuren geht. Bin im Schlafanzug und Pulli frühmorgens im englischen Sprachraum unterwegs, weil wir zeitlich so weit auseinanderliegen. Es ist eine Zeit ohne Stress von außen.

    Ich fange an, ganz eigene Figuren zu entwickeln.

    Der alte Glaubenssatz „Jeder braucht Druck. Nur so wird das was mit dir.“ beginnt zu zerbröseln. Ich arbeite Tag und Nacht. Freiwillig und mit Begeisterung. Ich nutze all das Material, das mir zur Verfügung steht. Werde wie nebenbei zur Upcyclerin. Jedes Handwerk, das ich jemals erlernt habe, fließt in diese Figuren. Meine Regale im Gartenatelier füllen sich mit den unterschiedlichsten Charakteren. Ich veröffentliche die Geschichten und meine Entwicklung online auf meiner neuen Website.

    Die wohl strahlendste Sonne in meinem Atelier

    Die Zeit mit dem daheim zu beschulenden Enkelkind meines Mannes ist das Einzige, das uns fordert. Wir strukturieren unsere Tage nach unserem persönlichen Dafürhalten.

    Dann die Rückkehr in die „normale“ Businesswelt. Parallel eine Entscheidung: in vielen Gesprächen dieser Pausenzeit wird klar: es zieht es uns als Familie weg aus dem Haus meines Mannes. Wir bauen mit meinem ältesten Sohn zwei Tiny Houses und testen das Leben in einer Gemeinschaft. Dann ein schrecklicher Trauerfall in der engsten Familie. Wir fliegen als Familiensystem vollkommen aus der Kurve. Die Gemeinschaft und wir, das scheitert auch. Wir ziehen mit Kind und Häusern weiter. Die Künstlerin in mir hat keine Luft zum Atmen.

    Da blicken wir noch sehr entspannt in unsere Zukunft mit dem Gemeinschaftsprojekt und den Tiny Houses.

    Ich beginne in meiner größten Sinnkrise dieses Lebens ein Studium zum Thema „Kunst und Business“. Kümmere mich zum ersten Mal nur um mich und meine Bedürfnisse als Selbstständige. Ich bin eine Business-Analphabetin und lerne eine vollkommen neue Sprache. Beginne, Zusammenhänge zu verstehen. Vor lauter Kopfarbeit komme ich seltener ins Atelier. Und ich merke das. Ich bin gereizt und ungeduldig und immer wieder stark am Wasser gebaut. Die Menopause tut das ihre dazu. Meine Hormone spielen verrückt.

    Die Erschafferin einer Klappmaulpuppe aus alten Socken spricht mit ihrem Sockenmonster mit Armen, das ein oranges Maul und riesige Augen hat.
    Immer öfter kommen Theaterfiguren in mein Leben. Als der Verein Blooom uns ruft, nähe ich mit Kindern Klappmaulpuppen aus alten Socken.


    Ich ziehe 2025 die Reißlinie. Verordne mir eine zu mir und nicht zum Studium passende menschliche Wochen- und Jahresstruktur. Teilweise übernehme ich Vorschläge aus dem Studium. Vor allem räume ich mir wieder großzügig Atelier- und Lebenszeit ein.

    Ende des Jahres steige ich ganz aus dem Studium aus. Und nehme mir Zeit für ausgiebige Reflexion und Ausrichtung. Ich gehe in Dankbarkeit. Ich habe unglaublich viel dazu gelernt. Jetzt geht es wieder um mich.

    Mein Jahresthema 2026

    Wieder auf meine Intuition hören. So wie meine Lieblinge, die Katzen.

    Für mich ist es vollkommen logisch, dass ich mich heuer dem Jahresthema „Dem eigenen Weg vertrauen“ verschrieben habe. Mein eigener Weg, das fühlt sich von der Formulierung schon gut an. Ihm auch zu vertrauen und ihn praktisch zu gehen, das ist die größere Herausforderung.

    • Inwieweit vertraue ich meinem Bauchgefühl, meiner inneren Stimme, meiner Lebenserfahrung?
    • Was verunsichert mich so, dass ich wieder Abkürzungen durch selbstoptimierende Angebote suche?
    • Wann ordne ich mich unter, wann ist es Zeit, meinem Bauchgefühl zu vertrauen?
    • Und wie gehe ich mit inneren Widerständen um, welche Art von Wegweiser sind sie und wann übertönen sie mein Bauchgefühl?

    Das Thema findet mich

    Ich beginne, mich erschöpft und ausgelaugt zu fühlen.

    Im Herbst des letzten Jahres bin ich wiederholt am Kränkeln. Mich begeistert gerade alles, was ich tue. Es werden tolle Möglichkeiten für 2026 sichtbar. Beim letzten Durchgang des Kränkelns klettert die Fiebersäule auf über 39 Grad. Ich fange an, tiefer in mich hineinzuspüren. Ich entdecke eine sehr alte Wurzel in mir. Ich leiste, also bin ich. Je mehr ich leiste, desto mehr bin ich wert. Und wenn ich anderen Menschen oder Projekten helfe, dann bin ich überhaupt am meisten wert. Das hat durchaus Suchtqualität.

    Mit einigem Entsetzen entdecke ich auch an meinen erwachsenen Kindern Stresssymptome, die aus dieser Ecke unserer gemeinsamen Vergangenheit kommen könnten. Ich tauche tiefer in diese Symptome ein. Kann ich jemals Pause machen, ohne vorher fiebrig zusammen zu brechen? Plane ich in meinem Arbeits- und Lernjahr Pausen ein, in denen ich nichts tue? Reicht es wirklich, am Wochenende für einen Tag ans Meer zu fahren, den Tapetenwechsel zu genießen und dann sofort wieder weiter zu machen?

    Und was wäre mein Weg? Das zu beobachten, das nehme ich mir für dieses Jahr vor. Und es ist ganz erstaunlich – es kristallisieren sich schon jetzt, im Februar, To-Dos & Don’ts heraus.

    Das JA zum eigenen Weg

    • Geplante Pausen in Form von Urlaub
    • ungeplante Pausen und Nichtstun, wenn sich der Körper spürbar meldet
    • die wöchentliche, angeleitete Präsenz Qi Gong Gruppe tut mir und meinem Körper ausgesprochen gut
    • Suche nach einer Tanzgruppe, in der ich allein, als Frau, tanzen gehe
    • Freundinnen und Freunde in echt treffen
    • Austausch mit echten Menschen im Businesskontext: redend formuliere ich oft die Lösung für ein Problem
    • den Zirkuswagen zum Atelier mit Schlafplatz umbauen und ihn frühlings- und herbstfest machen
    • eine überdachte Terrasse zwischen die Tiny Houses bauen
    • ausreichend trinken und gezielt essen
    • schreiben mit Struktur: ein Buch fürs Schreiben nach dem Aufwachen; eines für Ideen; ein stark strukturiertes Buch für den Wochenrückblick und unter Zuhilfenahme von Fragen aus dem #reflectandlearn von Maren Martschenko, erweitert um Empfehlungen aus dem alten Studium
    • ich lasse nach ausreichender Reflexion los, wenn meine Träume und mein Körper mir ein Nein zu einem Menschen oder einem Projekt vermitteln
    • ich orientiere mich an persönlichen Quartals- und Lebenszielen und sortiere unerschrocken aus, was nicht (mehr) dazu passt
    • ich ändere meinen Weg, wenn er unstimmig wird
    • ich bin, die ich nach 60 Jahren bin – bunt, wild und wunderbar

    Die NEINs dieses Weges

    • Social Media technisch einschränken, meine Lebenszeit ist wertvoller denn je
    • politische NEWS maximal einmal pro Tag aufnehmen, technisch einschränken
    • Neues nur, wenn es wirklich nötig ist, ansonsten im Ausprobieren vertiefen, was bereits da ist
    • kein fluchtartiges Unterwegssein, sondern, wenn es zu meinem beruflichen und privaten Weg und Ziel passt
    • ich verabschiede mich konsequent von Menschen, die mir Energie kosten, beruflich und privat
    • kein Helfen, wenn ich den Sinn meines Energieeinsatzes nicht fühle
    • wenn Schamgefühle auftauchen, nachspüren und umarmen und nicht nachgeben

    Kontrolle und Erlaubnis

    Die Sache mit der Kontrolle, der menschlichen.

    Ich muss gerade so lachen. Korina wirft die Frage in den Schreibraum, ob sich diese Liste der Jas und Neins eher nach Druck oder nach Erlaubnis anfühlen. Ganz ehrlich? Bei einigen Dingen, die bei mir Suchtstrukturen haben, gebe ich mir die Erlaubnis zur Kontrolle. Social Media und Verbindung herstellen. Essen, wann mir danach ist. Neues lernen – das alles braucht ein bisschen Struktur und Kontrolle. Ich kenne mich schon recht gut. Was für andere Druck macht, hilft mir, aus ungesunden Mustern auszusteigen.

    Ich gebe mir also die Erlaubnis, mich ein bisschen zu kontrollieren, um eine gesunde Struktur für den eigenen Weg in diesem Jahr zu entwickeln. Und wenn ich scheitere? So what! Ich bin 60. In jedem Scheitern ist ein mindestens ein Funken Erkenntnis und Dazulernen verborgen. Manchmal auch mehr.

    Jahresthema und Hoffnung

    Meine Mädels, sie wissen auf alle Fälle, was kommt.

    Ausblick auf einen Rückblick

    Woran ich erkennen werde, dass es ein gut gewähltes Beobachtungsthema für dieses Jahr war? Vielleicht an Folgendem:

    • Ich bin konsequent im Atelier – der Zirkuswagen im Sommer und im Herbst ist ebenfalls mein bezahlbares Atelier geworden
    • Ich höre meiner bunten und ausufernden Gedanken- und Gefühlswelt, den Glaubenssätzen, dem in der Nacht geklärten Gedankenkarussell morgens schreibend zu und lasse mich von dieser inneren Stimme leiten
    • Ich mache meine eigenen Serien von Figuren zu Themen, die mich beschäftigen
    • Ich spüre mich wieder zuverlässig und höre auf meinen Körper
    • Bei Aufträgen arbeite ich weder als Coachin, Mentorin oder Therapeutin, sondern als offene Zuhörerin und praktische Umsetzerin von Kunstfiguren
    • Bei Workshops zu inneren Themen kooperiere ich mit erfahrenen Begleiterinnen, die zu mir passen
    • Ich bin im dritten Akt meines persönlichen Lebens eine bunte, lebendige, lebenserfahrene Künstlerin, die individuelle Figuren umsetzt

    Danke liebe Korina, für die Möglichkeit, dein Thema der Blogparade gründlich schriftliche auszukosten. Das Schreiben hat mir wesentlich mehr Insights vermittelt als erwartet. Ich freue mich übrigens von Herzen auf alles, was wir beide noch auf die Beine stellen werden!

    Um 10:10 Abfahrt nach Heidelberg. Glückszahlen! Wir werden immer optimistischer.

    60 Jahre – und jetzt?

    Mein Geburtstag fällt in den Wochenrückblick der Kalenderwoche 08. Dieser Sechziger hat mich ein bisschen mehr beschäftigt als die 59 Geburtstage davor. Heuer hatte ich zur Abwechslung einmal Lust, mit diesem Datum und meinem Geburtstag auch online sichtbar zu sein.

    Sechs Mal ein ganzes Jahrzehnt. Das ist schon eine ganze Menge Leben, nicht wahr? Eines weiß ich sicher: ich lebe immer noch richtig gerne. Der Frühling beginnt, zu beginnen. Wie jedes Jahr um diese Zeit. Mein Körper mag sich am Morgen und gegen Abend dem biologischen Alter gemäß wie 60 fühlen. Mein bunter Geist ist mittlerweile ein bisschen ruhiger, aber immer noch offen, voller Begeisterung für Neues, lernbereit und wenig älter als 35 Jahre.

    Danke für all die tollen Ständchen, die per Nachrichten und live eintrudelten. Die beeindruckenden und manchmal Tränen auslösenden Karten, die Nachrichten auf so vielen Kanälen. Ich kann ganz klar sagen: diesen Geburtstag habe ich mit all meinem Sein gespürt.

    Wie ich diesen Geburtstag begangen habe? Das bekommt in diesem Wochenrückblick einen eigenen Abschnitt.

    1. Jeux Dramatiques und die Gebrüder Grimm
    2. Aufträge und Eindrücke
    3. Von Neurodivergenz und Schubladen
    4. Queenager und das neue 60
    5. Von tiefen Tälern und Licht am Ende des Tunnels
    6. Karnevalsbeobachtungen in Italien und Slowenien
    7. Abramović und die Kompromisslosigkeit

    Jeux Dramatiques und die Gebrüder Grimm

    Seit einem Monat freue ich mich darauf. Bei meiner Lesung im Alten Theaterhaus am Millstätter See im November 2025 erzählt mir eine Pädagogin davon, dass es in der Künstlerstadt Gmünd eine Theatergruppe gibt. Und bei einem Druckkurs, ebenfalls in Gmünd, berichtet mir eine Künstlerkollegin noch einmal von dieser Theatergruppe. Jetzt erfahre ich auch, dass sie die Theatertechnik „Jeux Dramatiques“ praktizieren. Das bedeutet sinngemäß „Spielen aus dem Erleben“. Ohne zu sprechen. Mit Tüchern und Requisiten, klaren Vorgaben und Regeln des Miteinanders und mit großer Freiheit. Ich weiß vom Kopf her viel aus meinen Büchern. Habe bei meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin aber noch viel zu wenig Praxismöglichkeiten live miterlebt.

    Ich tauche in eine ganz neue Gruppe von Menschen ein. Die Gruppe beschäftigt sich seit Herbst mit dem Thema „Märchen“. Heute ist das Grimmsche „Die drei Spinnerinnen“ dran. Ich spiele dieses Mal freiwillig eine Dienerin, um mir die Herangehensweise im Spiel ein bisschen aus einer Randposition anzusehen. Die patriarchale Sicht auf diese Geschichte geht mir von Anfang an ziemlich gegen den Strich. Da ich neu in dieser Gruppe bin, weiß ich nicht, ob ich einfach inhaltlich ausscheren darf und ordne mich dem erzählten Spielfluss unter. Sehe viel. Beobachte noch mehr. Und bewege mich als erstaunlich selbstständige Randfigur für so ein altes Märchen durch die Geschichte. Die Abschlussreflexionen im Sitzkreis sind augenöffnend und einfach erstaunlich. Was für ein besonderer Ort hat hier auf mich gewartet!

    Nächstes Mal stelle ich meine Fragen zu den Spielmöglichkeiten. Und ich traue mich, mehr in die Mitte des Spiels zu kommen. Ich bin begeistert von der Lebendigkeit der versierten und aktiven Menschen. Die meisten sind in meinem Alter. Und älter. Manches erinnert mich stark an Aufstellungsarbeit. Hier habe ich etwas gefunden, was mir gut tun wird, mich und meine bunte Gefühlswelt auszudrücken. Neue Strategien auszuprobieren als die gewohnten. Wie schon ein Schulkind in der Schule sagte: „Das ist ja wie im echten Leben!“ Die Anleitung durch zwei versierte Frauen ist klar und kompetent. Die bunten Requisiten sind ein Traum. Und ich werde viel dazu lernen, was ich in den nächsten Jahren für Schulprojekte einsetzen kann.

    Der Gong oder die Glocke sind wertvolle Instanzen im Jeux Dramatiques – sie eröffnen und beenden das Spiel.

    Aufträge und Eindrücke

    Dass ich mich im Arbeitsprozess in meine Figuren verliebe, das bin ich gewohnt. Sonst würde etwas an meiner Arbeit nicht stimmen. Beide Figuren, die sich derzeit an meinem Arbeitsplatz befinden, haben bereits ihren vorübergehenden Platz in meinem Künsterinnenherzen. Wenn ich dann die Rückmeldung bekomme, dass auch die zukünftigen Quartiergeberinnen sich über die Entwicklung freuen, dann gibt mir das große Sicherheit mit den nächsten Schritten.

    Parallel gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass beide Figuren der Start von zwei neuen Serien ist. Die Idee zu den Serien und die Auseinandersetzung mit der dahinter liegenden Thematik war schon Ende letzten Jahres da. Ich mag noch nicht zu viel verraten. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ich richtig liege. Und dann teile ich den Prozess zuallererst mit dir, der Abonnentin und dem Abonnenten meines Newsletters.

    Langsam und sicher wird sie fertig. Dieses reduzierte Arbeiten ist Teil eines großen Veränderungsschrittes auf meinem Weg als Künstlerin.

    Von Neurodivergenz und Schubladen

    In unserer großen Familie gibt es einige junge Menschen, die sich testen ließen und im Laufe der Jahre Befunde von Autismus über Legasthenie bis Neurodivergenz einsammelten. Bei jedem Gespräch mit diesen höchst liebenswerten und lebensfähigen jungen Menschen habe ich das Gefühl, ein bisschen besser zu verstehen, worum es hier geht. Und zu erkennen, ich kann mich mit meiner extrem stark fühlenden Seite dazu rechnen. 60 Jahre später habe ich gelernt, manches auszuhalten. Mich zu arrangieren. Und trotzdem ein gutes Leben zu führen.

    Ich bin vor allem für die jungen Leute froh und dankbar, dass es heute Hilfsmittel gibt, um Alltagsreize niedriger zu halten. Jetzt kann auch ich sie nutzen. Das Nervensystem bewusst zu regulieren ist eine tolle Möglichkeit, es herunter zu fahren. Entwicklungstraumen, großen und kleinen, bewussten und unbewussten, Raum zu geben, genauer hinzuschauen und sie idealerweise aufzulösen, das schadet wahrlich niemandem.

    Ich beginne allerdings auch zu verstehen, warum Menschen Einwände gegen diese Entwicklung der Sichtbarkeit von Neurodivergenz haben können. Auch das begegnet mir. Gefühlt gibt es mittlerweile deutlich mehr Menschen als früher, die sich zum neurodivergenten Spektrum zählen. Was mich selbst aufrichtig stört ist die Haltung, mit diesen Menschen stimme etwas nicht. Schon zu fordern, sie bräuchten unbedingt eine klinische Diagnose, hat den Touch von Krankheit. Ganz bestimmt kann das sinnvoll sein. Aber muss es immer sein?

    Was wir dringend brauchen, und das ist meine persönliche Meinung, ist eine Änderung des Systems an sehr vielen Stellen. Was, wenn wir akzeptieren, dass Menschen doch unterschiedlicher mit Reizen umgehen, als wir bisher angenommen haben? Dass es nicht das „eine“ System geben kann, das zu allen passt. Sondern eines entwickeln sollten mit anpassbaren, flexiblen Möglichkeiten, in Übereinstimmung mit den höchst unterschiedlichen Menschen, die schließlich unser gesellschaftliches System bilden? Und nicht die Menschen sollten sich an ein starres, einförmiges System anpassen?

    Und ja, das Thema Trauma ist auch noch nicht ausreichend erforscht. Vielleicht ist es wirklich so, dass auch Entwicklungstraumen die Auslöser von überwältigender Reizüberflutung und Flucht und unregulierten Nervensystemen sind. Das schließt eine angeboren „andere“ Reizverarbeitung nicht aus, sondern erweitert das Spektrum.

    Wie siehst du das? Betrifft dich dieses Thema oder nervt es dich einfach?

    No Words needed. Eine dieser spannenden Türen in der Heidelberger Innenstadt. Germany.

    Queenager und das neue 60

    Ab jetzt gehöre ich nicht mehr zur Gruppe der 50+ Menschen, sondern ich gehe seit vergangenem Dienstag in den Schuhen der 60+ Frauen dieser Welt. Meine Schwester bringt mir ein Buch mit, das sie regelrecht anspringt. Und bittet mich, es ihr zu ihrem Sechziger zurückzuschenken. „60 IST DAS NEUE 60“ lautet der Titel. Mit dem Untertitel „Und warum es gar nicht weh tut“.

    Ich bin sehr bei ihr, dass 60 weder das neue 40 oder 50 ist, sondern dass die meisten von uns mit sechzig Jahren und darüber heute so leben können, wie wir uns das vorstellen. Ich lese das Buch kapitelweise, mit einem Schmunzeln und muss offen sagen – es hat mir ein bisschen der Schwere genommen, die ich dieses Mal rund um den Geburtstag spürte. Und es hat mir Mut gemacht, zu meiner Zuversicht zu stehen und einfach weiter zu gehen. Ich bin so, wie ich angelegt bin. Bunt, ein bisschen wild und wunderbar. Und ich nutze weiterhin jeden Tag, um das zu leben.

    Als ich dieses Jahr zu meinem Tag am Meer aufbreche, vergesse ich mein iPhone am Schreibtisch. Ich bemerke es, als wir gerade auf die Autobahn nach Slowenien auffahren. Und denke, ach, was solls. Ein Tag ohne Erreichbarkeit, das bringt mich nicht gleich um. Meinen erwachsenen Kindern sendet der Liebste eine Nachricht, dass ich wegen Vergesslichkeit am Geburtstag nicht erreichbar bin. Die ersten paar Stunden sind erwartungsgemäß seltsam. Ich sage das ganz ehrlich. Alexander bietet mir sein Handy an und ich merke bei einer Kaffeepause – nein, ich will nicht!

    Ich habe dieses Mal meine alte Spiegelreflexkamera mitgenommen und freue mich drauf, eventuell ein bisschen zu fotografieren. Auch diese Begeisterung hält sich in Grenzen. Wie schwer die Kamera im Vergleich zum iPhone ist! Doch wieviel schöner und gezielter die Fotos sind!

    Meine Quintessenz: ich werde meine Social Media Zeit weiter herunterfahren. Bewusste Pausen von iPhone und Computer machen. Der eigenwilligen Sucht die Stirn bieten. Mein Verstand erholt sich relativ schnell und wird offener für die Realität. Und das tut dem Nervensystem sowas von gut!

    Vor zwei Wochen in Izola. Wir haben es geschafft, kein einziges Geburtstagsfoto von mir zu machen. Aber es gibt das hier – eine entspannte Pause am Meer in Izola/Slowenien.

    Von tiefen Tälern und Licht am Ende des Tunnels

    Falls du hier einen Jubelbericht über mein laufendes Schulprojekt erwartest, darf ich dir freudig mitteilen: es ist endlich wieder so weit. Der absolute Tiefpunkt im Prozess ist wieder einmal erreicht. Die erste Woche nach den Schulferien. Die Kinder sind mit dem Kopf entweder noch beim skifahren oder spüren bereits, dass die Bäume ausschlagen. Es ist laut. Es ist chaotisch. Sie spielen mit Begeisterung Theater. Singen sogar, weil sie sich das vorher ausgemacht haben. Dafür sprechen sie nicht, wenn die Szene es erfordert. Es ist ein Riesendurcheinander.

    Dieses finstere Tal im Freien Theaterspiel kommt in jedem Projekt. Mit dem Blick auf eine geplante Abschlussveranstaltung verlieren wir Erwachsenen angesichts ungerührt weiterspielender Kinder vorübergehend die Nerven und sind überzeugt davon, dieses Mal geht es schief. Die Eltern werden schockiert sein. Wir werden uns ganz schrecklich vor unserem Publikum blamieren. Und die Kinder werden auf der Bühne toben. Und, keine Ahnung, die Vorstellung wird auf alle Fälle ein Desaster sein.

    Die Unsicherheit einer Lehrperson verunsichert auch mich. Sie erzählt mir von einer Profisängerin, die bei den Aufführungen hinter den Kindern dieser Schule steht, die Texte spricht und die Kinder müssen nur die Mundbewegungen mitmachen. So professionell. So toll. Wenn meine innere Kritikerin es nicht selbst macht, dann macht es jemand anderes mit mir. Nach den letzten zwei Schulstunden bin auch ich sicher: dieses Mal scheitern wir zum ersten Mal. Das von mir entwickelte Theaterkonzept mit selbst entwickelter Geschichte, selbst gebauten Figuren und einer Aufführung kann ich einstampfen.

    Als ich daheim bin, verwöhnt mich der Liebste mit einem guten Essen. Ich erzähle ihm lachend und weinend, was los ist. Und finde schon im Erzählen Lösungen, wie ich all das Neue noch besser für diese Kinder aufbereite. Die Aufführung ist nicht übermorgen, sondern in fünf Wochen. Das sind noch zehn Möglichkeiten, die Szenen durchzuspielen. Sich an sie zu gewöhnen. Und die tollen Klappmaul-Figuren einzusetzen.

    Ich bin mega gespannt, wie sie die neue Art der Geschichtsvermittlung in ihr Spiel aufnehmen werden. Wir sind nicht mehr im Jeux Dramatiques. Jetzt geht es an den Feinschliff. Die unbändige kindliche Spiellust bekommt kreative Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen wird wieder mehr Freiheit möglich sein. Ich werde berichten!

    So kann es aussehen, wenn Chaos und Lebendigkeit pädagogische Anleitung aussticht. Danke für so viel Begeisterung!

    Karnevalsbeobachtungen in Italien und Slowenien

    Faschingdienstag ist auch das Ende des Karnevals in Trieste in Italien. Voller Vorfreude stelle ich mich mit vielen anderen an der Kasse in einem Café an, um dem Servierpersonal die Arbeit abzunehmen, uns draußen in der Sonne zu bedienen. Dort ist genug freier Platz. Dort setzen wir uns später hin. Das denke ich ganz naiv. Nach dem Zahlen nehme ich unsere Getränke und steuere die sonnigen Plätze am Wasser an.

    Eine Kellnerin fährt mich an, dass das nicht geht. Im Laufe unseres zunehmend emotionalen Gespräches verliert sie jede Englischkenntnis und ich kann mir mit meinen Französischkenntnissen aus ihrem wütenden Italienisch zusammen reimen, dass die „Cioccolata calda“ an der italienischen Kassa weniger kostet, als vom Service, also ihr, zum Tisch gebracht. Das weiß ich eigentlich, habe ich vorübergehend nicht am Schirm gehabt. Zwei Frauen an einem Tisch lachen schrill über unseren Disput. Vermutlich froh, dass nicht sie ihr Fett abkriegen. Sondern ich. Ich bin fassungslos über so viel Unfreundlichkeit. Hey Leute, es ist erst Februar, das Gastronomiejahr ist noch lang!

    Wir entscheiden uns, Triest schleunigst zu verlassen und in die Grenzstadt Muggia zu fahren. Ich bleibe auf einem gelb gekennzeichneten Parkplatz einer vollkommen verstopften Kleinstadt stehen. Gelb? Was solls. „Solo Residente“, ruft ein faschingsmäßig gekleideter Mann über die Straße her und wackelt mit dem Zeigefinger. Das bedeutet also dieses Gelb! Nur Einwohner dürfen hier parken.

    Wir entscheiden: nichts wie zurück nach Slowenien, aus dem wir über die Autobahn hergekommen sind. Irgendwas stimmt hier heute nicht für uns. Ich lande durch die vielen Straßensperrungen vor einem Tunnel mit roter Ampel. Ein Busfahrer hupt mich von hinten an. Einmal. Zweimal. Dreimal. Die Ampel wird nicht grün. Mein Mann findet heraus, dass wir hier aus irgendeinem Grund nicht umdrehen dürfen. Ein Polizeiauto parkt ein und wartet ab. Ich drehe mühevoll um und wir müssen über eine holprige Kopfsteinpflasterstraße, die ich noch nie gefahren bin, aus der Schlange ausscheren.

    Wir lachen irgendwann auf der Fahrt durch italienisch-slowenische Weinberge schallend. Nein. Italien will uns heute nicht. Im slowenischen Izola – freundliche Menschen. Freundliches Personal. Ruhiges Meer. Schaukelnde Boote im Hafen. Und endlich Entspannung und so etwas wie Geburtstagsstimmung.

    Peace Or Not Peace – das ist hier die Frage! Figur vor einer der wunderschönen Kirchen in Trieste/Italia.

    Abramović und die Kompromisslosigkeit

    Der Liebste schickt mir ein Interview mit der Performance-Künstlerin Marina Abramović, das sie vor einem Jahr im Schweizer Fernsehen gegeben hat. Ich verstehe nun Einiges besser, das mich in der Wiener Retrospektive über ihre jahrzehntelange Arbeit teilweise schockiert und vor allem abgeschreckt hat.

    Mich beeindruckt, wie klar sie von sich sagt, dass sie schon als Kind wusste, sie würde als Künstlerin leben. Die Mutter nahm sie mit in Ateliers und es war für sie völlig normal, Ton zu kneten und mit Farben zu malen. „Ich wollte keine Kinder und keine Familie haben“, sagt sie sinngemäß. Sie wollte sich ausschließlich ihrer Kunst und deren Prozessen widmen. Ich füge dir in der Bildunterschrift einen Link zu diesem sehr sehens- und hörenswerten Interview ein.

    Mir fällt wieder ein, dass ich als Jugendliche Alpträume hatte. Gleichaltrige verspotteten mich, weil ich trotz meiner Behauptung, ich würde nie Kinder haben, früh verheiratet bin und Kinder aufziehe. In meinem Leben ist es genau so gekommen. Ich habe relativ früh geheiratet und rasch hintereinander zwei Kinder bekommen. Und dann noch eines.

    Diese Kinder waren meine größten Lehrmeister in meinem Leben. Durch sie habe ich erst kennen gelernt, was es heißt, jemanden zu lieben. Und zu lieben. Ich bin heute überzeugt davon, dass ich mit 50 Jahren erst durch die Zeit mit diesen Kindern und anderen Unterstützern so weit war, eine Entwicklung als Künstlerin in Betracht zu ziehen. Zu gering war vorher mein Selbstwert. Mein Sinn im Leben. Und meine Selbstliebe.

    Was ich mit dieser Künstlerin teile ist die Absicht, sehr alt zu werden. Ich freue mich noch auf sehr viele künstlerische Projekte. Mein Leben fängt an, interessant zu werden!

    Viel Vergnügen mit diesem spannenden Interview einer Ausnahmekünstlerin!
    • Wie hast du diese letzte Woche erlebt?
    • Ist dir bewusst, dass am Dienstag Abend kulturübergreifend der Beginn der Fastenzeit bei Christen und Muslimen war und zugleich der Beginn des chinesischen Feuerpferd-Mondjahres, dass sich seit 1966 zum ersten Mal wiederholt?


    Von Passagen und anderen Übergängen

    Während ich diesen Wochenrückblick auf die siebente Kalenderwoche dieses Jahres schreibe, ist er mit der Veröffentlichung da. Der gefürchtete Sechziger. Punktgenau vor 60 Jahren habe ich mit vielen anderen Feuerpferdgeborenen ins Licht dieser Welt geblinzelt. Und nun wiederholt es sich. Ein neues Feuerpferdjahr beginnt. Täglich sehe ich Bilder für das Neue Jahr in China, mit all den roten Pferdedekorationen. Und den Hoffnungen, die Menschen in diese Energie setzen. Ich füge dir ein bisschen weiter unten im Beitrag zwei Links zum Thema ein.

    Und falls du das Beitragbild siehst: ein bisschen Echtheit in der Online-Welt. Mein Arbeitsplatz am Fenster, selbst entworfen und vom Liebsten gebaut. Mit Blick in den Garten komme ich richtig gut durch die lichtarme Zeit unseres Winterdomizils.

    Doch hier ist einmal der Rückblick auf die vergangene Woche:

    1. Marina Abramovic und die Passage
    2. Netzwerke, wohin ich schaue
    3. Auftragsarbeiten und Auftragsarbeiten
    4. Ein besonderer Anruf
    5. Was nicht so gut funktioniert hat
    6. Ein Plädoyer fürs Schreiben
    7. Feuerpferd, Social Media und China

    Marina Abramović und die Passage

    Meine Familie schenkt mir am Wochenende vor und zum heurigen Sechziger einen Besuch der Retrospektive der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramovic in Wien. „Der Körper war ihr Subjekt und zugleich ihr Medium. Indem sie sich Schmerz, totaler Erschöpfung und Gefahr aussetzte, testete sie ihre physischen und psychischen Grenzen aus, immer auf der Suche nach emotionaler und spiritueller Transformation“ lese ich über sie.

    Diese Ausstellung fordert uns auch in der Familie heraus. Marina Abramović wünscht sich, dass die Menschen diese Ausstellung wie eine „Passage“ erleben. Das ist ihr auf alle Fälle gelungen. Die Meinungen über diese Form der Kunst sind auch in meiner kleinen Familie geteilt. Ihr Werk ist keine Kunst, die man sich zu Hause hinstellt. Sondern es ist die Dokumentation einer Kunst, die etwas in uns in Bewegung bringt. Die Live-Performances berühren unmittelbar. Ich brauche selbst einige Stunden und wohl noch Tage und Wochen, bis ich integriere, was ich an diesem Nachmittag sehe.

    Und ja, mir gelingt tatsächlich eine Passage in eine neue Art, Kunst zu verstehen. Auch meine eigene unter einen neuen Blickwinkel zu stellen.

    Kunst ist eben nicht nur das Schöne und Angreifbare, das Wohnungen unserer Käuferinnen und Käufer aufwertet. Worauf sie gerne hinschauen. Kunst macht auch sichtbar, wie wir diese Welt erfahren. „Wir sind Seismographen, die auf die Umgebung und unsere eigene Wahrnehmung reagieren“, versucht mein Mann, ebenfalls schon ein Leben lang Künstler, unsere gemischten Gefühle nach der Ausstellung in Worte zu kleiden. Künstlerische Werke sollen und dürfen dazu inspirieren, selbst und im eigenen Leben genauer hinzusehen. Zu spüren. Nachzuforschen, was nicht für alle Augen sichtbar ist. Und das Gefühlte und Gespürte für andere Menschen sichtbar zu machen.

    Werde ich jetzt Performance-Künstlerin? Eher nicht. Wobei – wenn ich an die Riesenfiguren denke, die ich im heurigen Sommer machen werde…

    Das Portal. Retrospektive Marina Abramovic, ALBERTINA Museum Wien. Meine erleuchtete Tochter am Weg ins Neue.

    Netzwerke, wohin ich schaue

    Die vergangene Woche füllt sich mit vielen freudvollen Begegnungen. Sowohl online. Als auch im realen Leben. Face to Face.

    Ich wünsche mir zu Weihnachten von meiner Tochter und den erwachsenen Söhnen, dass wir meinen kommenden Sechziger alle zusammen feiern. Meine Tochter organisiert das. Neben ihrer Lohn-Arbeit und dem frisch begonnenen Studium. Ich erfahre bis Freitag nicht, was sie geplant hat. Umso schöner ist es, dass alle da sind – aus Wien, aus Kärnten und über Prag auch aus Portugal. Sogar zwei von Alexanders Töchtern tauchen im Laufe des Samstags auf und schließen sich uns kurz an. Ich hab euch so lieb, ihr drei Großen und der Rest der Riesenfamilie!

    Family – mit Freundinnen.

    Nach zwei Jahren und ein paar Wochen kann ich endlich sagen, dass ich meine Friseurin gefunden habe. Klar könnte ich meine Haare weiterhin selbst schneiden und gelegentlich schnitttechnisch verpfuschen. Ich empfinde es aber mittlerweile als absoluten und durchaus nötigen Luxus, mir mittlerweile alle paar Monate einen Termin bei ihr zu gönnen. Meine Figur staunt und möchte jetzt auch zu ihr.



    „Vive la Reine“ heißt das Online-Format mit der Künstlerin und Kreativ-Coachin Claudia Rogge, die mittlerweile Vollzeit in der Provence lebt und arbeitet. Wir tauschen uns über Carneval, Fasching & Co in den versammelten Regionen aus. Als ich gefragt werde, ob ich diese närrische Zeit liebe oder nicht, bin ich noch der Meinung, dass ich eher ein Faschingsmuffel bin. Erst hinterher fällt mir ein, wie sehr ich es liebe, in dieser Zeit zu fotografieren. Meine persönliche Sicht auf Verkleidung, Masken und Masken im Alltag beizutragen. Das führt dazu, dass ich in alten Ordnern stöbere und Fotos ans Licht hole, die dieses Gefühl so perfekt wiedergeben. Und zu einem Linkedin-Beitrag, der deutlich mehr Zugriffe hat als üblicherweise.

    Einmal im Monat treffen sich die Business- und Professional Women aus dem Spittaler Raum zum Austausch. „Vom Glück reden“ ist dieses Mal der abendliche Impuls. Ich bin sehr berührt von den offenen Worten der vier Frauen, die sich dieses Thema ausgesucht haben. Der Grundtenor: was geschieht, wenn wir nicht nur unsere Businesserfolge wertschätzen und als Glück empfinden, sondern auch die stillen Momente. Allein. Und mit anderen Menschen. Als ich heimkomme, schreibe ich eine ganze Weile darüber, was ich als Glück empfinde. Abgesehen vom Glück, endlich aktive Frauen vor Ort kennen zu lernen. Ich schätze das sehr!

    #equalpayday in Österreich. Erst ab dem 11. Februar verdienen wir in Österreich so viel wie Männer ab dem 1. Januar. Danke für das wichtige Foto Nina Hader!

    Auftragsarbeiten und Auftragsarbeiten

    Derzeit arbeite ich an zwei Figuren, die Aufträge sind. Bei einer bin ich vollkommen frei und darf mich in ganze neue Bereiche meines Schaffens ausdehnen. Bei der anderen gibt es klare Vorgaben, wie die Figur am Ende idealerweise aussieht.

    Mag ich einen Prozess mehr als den anderen? Kann ich verneinen. Es ist ganz anders. Die beiden Prozesse bei der Erschaffung fließen ineinander. Vice & Versa. Und ich lerne so viel dazu!

    Eine der Figuren wird bei der Villacher Ausnahmekünstlerin Anita Wiegele wohnen. Direkt vor einer ihrer besonderen Affreschi-Wände mit ihren persönlichen Kompositionen. Ich freue mich schon so sehr auf den Moment der Übergabe liebe Anita! Das wird eine Figur, wie sie mir seit der Ausstellung von Niki de Saint Phalle in Hannover und später im Tarot-Garten in der Toskana im Kopf herum geht. Diese Figur entsteht aus Draht, altem Zeitungspapier und selbst gekochtem Pappmaché.

    Die andere hat ebenfalls Draht als Rückgrat und bei den Gliedmaßen intus, aber auch Schafwolle. Außerdem ist sie überzogen mit amerikanischem, synthetischem Puppentrikot. Beide Figuren sind die Startfiguren von Serien, die heuer entstehen. Und die ich im Herbst launche. Manchmal passt alles perfekt zusammen.

    Noch sehr roh und trotzdem schon ganz schön lebendig – das wird eine sehr neue Figur mit einer sehr speziellen Intention. Lass dich überraschen!

    Ein besonderer Anruf

    Es gibt Freundschaften, die überdauern die Jahre. So eine besondere Freundin ruft mich vergangene Woche an. Und gratuliert mir. Nein, nicht zum bevorstehenden Geburtstag. Sondern zu meinem Erfolg als Künstlerin. Sie lässt keinerlei Einwände von mir gelten, die instant versuchen, alles ein bisschen klein zu reden. Eine Freundin eben. Sie kennt mich besser als ich mich selbst.

    „Du bist dir und deinem Weg treu geblieben. Aus winzig kleinen Schrittchen als Künstlerin vor 15 Jahren sind große, sichere Schritte geworden“, wischt sie meine Einwände vom Tisch. „Und das nennt man in unserer Welt einen Erfolg. Ich gratuliere dir.“

    Das sitzt. Ich bekomme Herzklopfen. Und fühle Freude im ganzen Körper. Sie hat vollkommen Recht.

    Mir fällt eine Geschichte ein, die Gerald Hüther immer wieder gern erzählt. Von einem Jungen in wirklich schwierigen Verhältnissen, dem ein einziges Mal in seinem Leben in den Slums gesagt wurde, welches große Talent er hätte. Der sich an dieser kurzen Begegnung festhält, sich aus dem Feld heraus arbeitet und tatsächlich ein erfolgreiches Leben aufbaut.

    Es ist eigentlich nicht so schwer, Menschen in unserem Leben Mut zu machen, indem wir ihr Talent und ihre Fähigkeiten aufrichtig und ehrlich bezeugen, oder?

    Technik und Struktur im Kunstbusiness

    • Ich stelle gerade fest, dass mein so toll und schön bunt aufgestellter Wochenplan „for the fishes“ ist. Er funktioniert überhaupt nicht so, wie ich mir das im Dezember ausgemalt habe. Eigentlich schon seit Silvester nicht. Und doch halte ich krampfhaft an seiner Struktur fest. Hey, das war so viel Kopfzerbrechen und Mühe – und jetzt kann ich ihn wegschmeißen. Doch Halt! Wenn ich nächste Woche noch einmal darüber schreibe, dass ich unbedingt die Struktur ändern MUSS, weise mich bitte darauf hin. Dann habe ich es nämlich wieder verschoben. Falls wir uns heuer treffen, in echt, lade ich dich auf einen Kaffee ein. Fürs Erinnern!
    • Ich bin mir äußerst unklar, ob es klug ist, den Wochenrückblick am Montag zu schreiben. Das fühlt sich weder stimmig noch besonders effizient an. Machst du dir diese Arbeit und was bewährt sich bei dir? Samstag oder Sonntag oder doch an einem Werktag? Ich habe gerade keine gute Lösung.
    • Und – die neue Website. Himmel, diese Website. Schon deshalb muss ich meine Struktur ändern. Damit ich entspannt zwei Tagesblöcke nur in diese Website investieren kann, weil ich mir Platz dafür eingeräumt habe. Und nicht schon wieder an meinen Figuren sitzen soll. Kunst ist nicht nur Atelierzeit. Leider oder zum Glück, das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Mein Kunstbusiness funktioniert bei mir nur, wenn es „streng“ organisiert und geregelt ist. Sonst habe ich dauerhaft schlechtes Gewissen, im Atelier und im Office. Und das ist echte Zeitverschwendung.
    • Auch wenn der Wochenplan nicht dran schuld ist: ich habe Zeit verschleudert, als ich in alten Ordnern auf dem externen Server nach Fotos suche. Frau Prokrastinieren hat mich einen ganzen Abend lang in ihren Klauen gehabt, statt mich ins Bett zu schicken. Dafür weiß ich jetzt, dass ich 2009 alle meine Fotos, auch die privaten, drei Mal gesichert habe. Unstrukturiert, das konnte ich immer schon am besten. Dafür habe ich jetzt viele Bytes gelöscht und die Festplatte des Servers erleichtert.
    Das hat auch nicht geklappt – der nächtliche Blick in den Garten der Siedlung. Aber nächstes Mal!

    Ein Plädoyer fürs Schreiben

    Ich zähle es zu den Sternstunden meines Lebens, dass ich als sehr junges Mädchen das Schreiben für mich entdeckt habe. Mit etwa 40 Jahren kommen die Morgenseiten als Technik in mein Leben. Das dazupassende Buch „Der Weg der Künstlerin“ von Julia Cameron rettet mich, die Vielbeschäftigte. Das Leben hat zu dieser Zeit völlig andere Prioritäten. Schreibend erschaffe ich mir im größten Trubel ausreichend Raum, dass die Flamme meiner Kreativität als Künstlerin nicht erlischt. Und das reflektierende Schreiben hilft mir, mich immer wieder neu zu sortieren, zu ordnen und auf meinem Weg auszurichten. Ohne Camerons Übungen, dem Künstlertreffpunkt mit mir selbst, den Morgenseiten und ab und an auch dem Spaziergang mit einer speziellen Frage wäre ich heute nicht da, wo ich nun unterwegs bin.

    Schreibe ich noch regelmäßig Morgenseiten? Für mich hat es sich als sehr sinnvoll herausgestellt, sofort morgens nach dem Aufwachen zu schreiben. Es vergehen wenige Tage, an denen ich das nicht mache. Mittlerweile habe ich meine eigene Form entwickelt und fülle nicht mehr automatisch Seite um Seite. Ich nutze Elemente des Journaling genauso wie Wochen- und Quartalsreflexionen, was meinen beruflichen Weg betrifft. Mein Privatleben fließt ebenfalls in diese Reflexionen und bleibt privat.

    Hier insistiert eine Figur darauf, gefilmt zu werden. Was nicht so einfach ist, wenn der zweite Bildschirm der Handykamera alles auf den Kopf stellt. Technik eben. Ich gehe dann mal schreiben.

    Feuerpferd, Social Media und China

    Wie versprochen füge ich dir hier noch Links zu diesem Detail des Jahres 2026 ein, das in unserer achten Kalenderwoche in China beginnt. 17. Februar 2026. Da gibt es zum Einen einen interessanten Instagram-Beitrag mit praktischen und kurzen Details und möglichen To-Dos für dieses Jahr: Lori Haberkorn. Und hier ist noch ein kurzer Beitrag unmittelbar vor Mitternacht, zwischen der Holzschlange und dem Feuerpferd, viel Vergnügen!

    Was meinst du, wird uns das chinesische Feuerpferd global befeuern oder wirkt es sich ohnehin nur in China aus, weil dort mehr Menschen davon wissen?











    Eine Woche der Entscheidungen

    Wer mich kennt. weiß um meine Liebe zu Neuem. Ich liebe Herausforderungen. Neue Wege. Das Öffnen neuer Türen. Neu ist auf alle Fälle, dass mein heuriges Jahr unter einem Jahresmotto steht. „Meinem Weg vertrauen“. Ich habe es leicht vor mich hinformuliert. Und merke, dass mich dieses Thema herausfordert. Ein bisschen Einblick zu meinen Entscheidungen und wie sie fallen gebe ich dir in meinem Wochenrückblick.

    1. Körper-Proportionen sind nicht ohne
    2. Kleine Welt am Millstätter See
    3. Eigene und andere Wege
    4. Atelier am See
    5. Viele Kinder und ein Gong
    6. Nachrichten und andere Ärgernisse
    7. Nachrichten aus Mexico und Portugal

    Körper-Proportionen sind nicht ohne

    Jede Auftragskunst für eine Kundin oder einen Kunden ist für eine Figurenmacherin wie mich ein bisschen anders. Auch hinsichtlich der Proportionen der Figuren. Eine realistische Figur hat völlig andere Körperproportionen als beispielsweise eine Fantasyfigur oder ein Figur aus der Märchenwelt. Das Verhältinis des Kopfes zum restlichen Körper entscheidet stark über den Gesamteindruck, den eine Figur beim Betrachtenden hinterlässt. Das läuft auf einer unbewussten Ebene ab. Ich tüftle nun an einer Herangehensweise, wie ich das in Zukunft im Vorhinein gut sichtbar machen kann. Meine Skizee macht ein bisschen klarer, wovon ich rede.

    Bei meiner Figur kamen wir über meine Zeichnung zu einer Entscheidung. Wohooo, herausfordernd. Und irgendwie genial, was mit Stift und Papier alles sichtbar gemacht werden kann. Merkst du den spürbaren Unterschied bei den unterschiedlichen Darstellungen?

    Ein Körper. Drei verschiedene Proportionen. Welche spricht dich am meisten an?

    Kleine Welt am Millstätter See

    Was waren wir zu Silvester traurig, als wir im Lieblings-Kino-Kaffee mitgeholfen haben, Tische und Stühle, Bilder und Geschirr, Gläser und Küchenzubehör aus den Räumen zu schleppen. Mittlerweile treffen wir uns deutlich beengter, dafür kommunikativer im Café ein paar Türen weiter. Wir tauschen uns mit einem Adriano-Celenteno-Fan aus, der ein sehr besonderes Hotel am See leitet. Lachen uns kringelig über den Humor eines Oberkärntners, der in Wien lebt. Bekommen hautnah Einblick in das neue Thema und die heuer startende Jahresausstellung des Vereins millstART „DAS TIER. UND WIR“. Und freuen uns mit einer gebürtigen Schwäbin mit, als sie uns darüber aufklärt, dass sie die Großzügigkeit der Kärntner Bevölkerung so liebt.

    Wir erleben alle gemeinsam mit, wie sich das Wetter an einem grauen Vormittag von Schneeregen in Dauerschneefall umstellt. Es ist heuer wirklich ein Winter wie früher. Große, dicke Flocken fallen vom Himmel. Zwanzig Zentimeter werden es am nächsten Tag in der Früh in der Stadt sein. Traumhaft schön. Beim Sonnenspaziergang durchs blendende Weiß wird allerdings klar: die Erde nähert sich wieder der Sonne. Sie ist jeden Tag eine Spur wärmer und länger spürbar.

    Spaziergang im wunderschönen Skigebiet der Innerkrems, an der Grenze zwischen Kärnten und Salzburg.

    Eigene und andere Wege

    Es hätte mir heuer sehr viel Freude gemacht. Ich hatte es mir schon so schön ausgemalt und vorgestellt. Bei einer Besprechung fühlt sich Einiges unstimmig an. Mein innerer Motor will und will nicht anspringen. Und wenn er, ganz vorsichtig, in Bewegung kommt, wird er schnell gestoppt. Im Nachgang, beim gründlichen Reflektieren, wird mir erst klar, dass hier das Leben eingreift. In Form von Menschen, die andere Pläne haben. Die ganz wunderbar sind. Aber eben nicht zu meinem heurigen Jahr passen.

    Also lasse ich los. Ich bin ein paar Tage wirklich traurig. Frustriert. Suche den Fehler bei mir. Himmel, das kann ich immer wieder gut. Und entdecke täglich ein Stück mehr, dass es darum geht, mir treu zu sein. Passt dieser Weg wundervoller Menschen zu mir oder passt er nicht zu mir? Das in Ruhe zu kommunizieren, liebevoll und vor allem bei mir zu bleiben, ist ein großer Schritt gewesen. Kein Krieg. Kein „Meine Wahrheit ist wahrer“, kein „Wenn du nicht für mich bist, bist du dagegen“.

    Was bleibt ist Dankbarkeit für das, was war. Und ganz viel Liebe. Und Weitergehen.

    Atelier am See

    Als ich in einem Interview für eine Wochenzeitung gefragt werde, was ich mir für das Jahr 2026 wünsche, ist ein Atelier am See einer meiner großen Wünsche. Wir informieren uns, wo es im Sommer Räumlichkeiten zu mieten gäbe. Und finden einige Möglichkeiten.

    Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Zirkuswagen! Ich will ihn heuer sowieso ausbauen. Warum nicht gleich ein Atelier draus machen? Atelier mit Schlafmöglichkeit. Atelier mit ganz viel Natur rundherum. Warum ist mir das nicht schon früher eingefallen?

    Wir entscheiden spontan: wir bauen heuer endlich eine Terrasse zwischen die beiden mobilen Wohnräume. Sobald der Frost und die größte Nässe vorbei ist, wird der Boden mit Sand nivelliert. Wir bauen eine Unterkonstruktion und verlegen Lärchenbretter, die gut mit Feuchtigkeit umgehen können. Ein Dach soll diesen Raum regenfest machen. Von diesem überdachten Platz träumen wir, seit wir die Wägen hierher gezogen haben. Ich bekomme Herzklopfen, wenn ich nur daran denke.

    Ringelblumen, ein Zirkuswagen und eine neue Terrasse: der Sommer darf kommen!

    Viele Kinder und ein Gong

    Theaterspiel ist Spiel. Auch die aufmerksamsten Kinder verlieren sich im Tun. Bis jetzt habe ich zuerst mit einem Glas und einem Löffel versucht, Pausen und das „Standbild“ auszurufen. Mit wenig Erfolg. Die Weihnachtsglocke ist viel zu hell und leise, die geht ebenfalls im lebendigen Spiel unter. Mein Liebster bestellt mir einen kleinen Gong. Und der – wirkt. Ich bin überrascht, wie schnell sich die Kinder am Klang orientieren und in ihr „Freeze“ (Stillstand, Abwarten, Schauen, Spüren) gehen. Diese Anschaffung hat sich wirklich gelohnt.

    Ein äußerst gefährlicher Räuber entdeckt diese Woche: ich brauche keine Gewalt. Ich habe Köpfchen!

    Nachrichten und andere Ärgernisse

    Ich lösche vergangene Woche wieder Newsletter, die ich ohnehin nicht lese. Alles an Zeit am PC, die ich nicht vorsorglich regle, ufert bei mir sofort in einer oder zwei Stunden Online-Zeit aus. Dann erwische ich mich dabei, wie ich voller Abscheu Berichte über das Rundherum um die Epstein-Files oder die Brutalos der amerikanischen Heimattreuen lese und mich hilflos und ohnmächtig fühle. Also beschränke ich meinen Medienkonsum auf Nachrichtenportale meines Vertrauens. Idealerweise nicht abends vorm Zubettgehen, sondern irgendwann in der Tagesmitte. So habe ich eher Zeit, das Gehörte und Gelesene zu verdauen.

    Nein, mir ist überhaupt nicht egal, was gerade passiert. Wenn die alten Systeme zerbrechen und sich noch einmal mächtig aufbäumen, führt das zu diesem Durcheinander. Das jetzt als Sechzigjährige mitzuerleben erschreckt mich. Weniger für mich als für die Generationen nach uns. Ich hätte noch vor wenigen Jahren so ein kriegerisches Durcheinander nicht für möglich gehalten. Falls es einen größeren Sinn dahinter gibt, werden wir ihn ohnehin erst rückwirkend erkennen.

    Nachrichten aus Mexico und Portugal

    Ich schließe meinen Kalenderwoche-06-Rückblick mit guten Nachrichten: zwei meiner Puppenfiguren wurden direkt in Mexico versteigert, um ein wirksames Frauenprojekt zu unterstützen. Ich freue mich darauf, der Projektleiterin Professorin Doktorin Katrin Feldmann bald in echt zu begegnen und mehr zu erfahren. Zum Glück gibt es Social Media und ich kann hier von Kärnten aus sehen, wie aktiv sie vor Ort ist.

    Mein Ältester in Portugal erlebt seinen ersten durchgehenden Winter in Portugal. „Es sind Jahrhundertereignisse“, berichtet er mir schön regelmäßig am Telefon, wenn wir wieder ganz aufgeregt anrufen, ob dieses Mal der Sturm, der Regen, die Unwetter Schaden angerichtet haben. Die Schäden sind mittlerweile enorm und wir hoffen alle, dass mit dem Frühling wieder ein bisschen mehr Ruhe für die Menschen in Portugal, Spanien und Marokko einkehrt.


    Eine meiner Figuren, die nun in Mexico eine neue Heimat gefunden hat und mit ihrer Anwesenheit ein Frauenprojekt unterstützt.
    Ich verspreche, mehr darüber zu berichten, sobald es mir möglich ist!

    Was machst du, um nicht zu sehr von Social Media und schlechten Nachrichten erdrückt zu werden? Oder kannst du ganz leicht damit umgehen? Bin sehr dankbar für Tipps und Techniken.



    Der Frühling beginnt, zu beginnen

    Imbolc. Oder Maria Lichtmess. Hast du es gespürt? Wir haben hier einen Rappel gekriegt. In wenigen Stunden ist Weihnachten in Kisten verpackt, liebevoll einsortiert und verräumt. 40 Tage nach Weihnachten. Und sechs Wochen bis zum heurigen Frühlingsbeginn. Er darf nun langsam kommen. Dass wir ihm entgegen gefahren sind, dazu verrate ich dir in einem der nächsten Absätze mehr.

    1. Werklehrerin ist ein Beruf?
    2. Ruhe für Körper, Geist und Seele
    3. Dem Frühling entgegen
    4. Freudvolle Momente in der Schule
    5. Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt
    6. Große Dankbarkeit

    Werklehrerin ist ein Beruf?

    „Ist das echt dein Beruf?“ fragt der Zehnjährige die Werklehrerin. „Ja, Werklehrerin, das ist mein Beruf. Was hast du denn gedacht?“, wundert sich die junge Frau, die erst seit diesem Schuljahr hier unterrichtet.

    Ich schmunzle in mich hinein. Zur Abwechslung einmal werde nicht ich das gefragt. „Aber du bastelst ja nur mit uns!“, hilft ihm ein Kollege. So ist das.
    So sehen das Kinder. Und so sehen das auch viele Erwachsene. Kreatives Handwerk, Kunst, das ist kein Beruf.

    Als ich nach Hause fahre, ganz erfüllt von einem wunderschönen Vormittag mit Kindern, die ihre Klappmaulfiguren für ein Wirtschaftsmärchen gestalten, denke ich: Stimmt. Von Kunst zu leben, das kann in den Anfangsjahren ganz schön schwierig sein.

    Einen „Job“ zu machen, um das Konto ausgeglichen zu halten, das kenne ich nur zu gut. Was für ein Geschenk, dass mein sehr spezielles Handwerk, das Puppenmachen, ein so breites Feld ist. Und kein Job mehr. Sondern eine kunstnahe Tätigkeit, die mein ganzes Sein glücklich macht und mein künstlerisches Können ergänzt. Die Wissensweitergabe dieses Handwerks garantiert mir, dass ich weiterhin Kunst machen kann, wie sie mir gefällt.

    Werklehrer ist wirklich ein Beruf?

    Ruhe für Körper, Geist und Seele

    Ich habe lange gesucht, bis ich eine Gruppe finde, die Qi Gong praktiziert. Meine Übungen vorm PC, online, sind nicht wertlos. Aber beim Üben mit vier anderen Frauen und einer Anleiterin wird mir klar, warum der Oberkörper der junge Frau online immer ganz ruhig blieb, wenn sie ihre Hüften kreiste. Und bei mir nicht. Puh, anstrengend. Und so hilfreich, wenn jemand genauer hinschaut. Nach diesen ersten 90 Minuten schlafe ich in der Nacht darauf zehn Stunden am Stück durch. Ich glaube, ich habe meine Art der wöchentlichen Bewegung gefunden.

    Selbstliebe und Selbstfürsorge mögen aktuelle Schlagworte sein, die keiner mehr hören kann. Meinem Perfektionismus als Mutter, als Frau, als Künstlerin und als Teil der Menschheitsfamilie schadet es nicht, immer wieder genauer hinzufühlen, was ich wirklich, wirklich brauche. Mit meinem heurigen Jahresthema „Meinem Weg vertrauen“ habe ich mir eine sehr wichtige Botschaft vorgenommen. Und ich bin dankbar für Freundinnen, die mich verstehen.

    Dem Frühling entgegen

    Wir frühstücken spät. Der ganze Oberkärntner Himmel ist wieder einmal grau in grau. Kurz entschlossen entscheiden wir, südwärts zu fahren. Auf der Fahrt nach Koper/Slowenien klart der Himmel kurz vorm Meer auf. Strahlender Sonnenschein. Wärme. Gänseblümchenmeer mit Blick aufs Meer. Wie wir spazieren große Menschengruppen am Meer entlang. Die Cafés sind voller Menschen. Alles spielt sich draußen ab.

    Als wir heimkommen, entdecke ich am Hartriegel und am Schneeball, den wir im Herbst geschenkt bekommen, die ersten zarten Blättchen. Den ganzen Winter bin ich unsicher, ob die beiden Stauden es überlebt haben, dass sie wochenlang in der Garage lagen. Als ich sie halb vertrocknet dort entdecke, gebe ich ihnen diese eine Chance. Ich pflanze sie ein und stelle sie indoor an ein Nordfenster. Und jetzt – spüren sie, dass der Frühling nicht mehr weit ist.

    Absolut keine Ahnung, was das für eine tolle blühende Pflanze an einem Zaun in Slowenien ist. Farben! Mir macht das Hoffnung auf den Frühling.

    Freudvolle Momente in der Schule

    Vergangene Woche spielen wir kein Theater. Sondern beginnen mit den Klappmaulfiguren. Meine Rechnung mit den abgepackten Materialsäcken geht voll auf. Die Kinder entwickeln kreative Eigenheiten bei der Gestaltung mit Material, das sich kaum vom Material des Nachbarn unterscheidet. Wir kleben die vorbereiteten Klappmaulkartons in die Grundschnitte. Die Kinder müssen viel schneiden und plagen sich mit den Scheren. Ich bestelle zwei Linkshänderscheren, damit wir in Zukunft besser gerüstet sind.

    In der Pause kommt einer der ganz stillen Jungs mit ukrainischen Wurzeln zu mir und fragt mich, ob er mir etwas zeigen darf. Er hält mir eine Mappe hin. Als ich sie öffne, bestaune ich mit Bleistift gezeichnete Unterwassertiere. Einsiedlerkrebse mit und ohne Muschel. Tintenfische, Riesenkraken und alle möglichen Formen und Ansichten von Kraken. Sogar eine Qualle ist dabei. Wie offensichtlich talentiert und begabt manche Kinder schon mit neun Jahren sind!

    Warten, dass die Spiele endlich beginnen!

    Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt

    Die ganze Woche beschäftigt mich die Frage, wie ich mit den Kindern aus dem offensichtlichen Bedürfnis herauskomme, Gewaltphantasien im Theaterspiel auszuagieren. Soll und muss ich Grenzen setzen, damit wir aus den Begräbnisfeierlichkeiten aussteigen und neue Szenen entwickeln?

    Oder geht es darum, neue Handlungsmöglichkeiten anzubieten? Ich bin sehr niedergeschlagen, als ich in meinen klugen Büchern kaum Hinweise auf Mord- und Totschlag im Jeux Dramatiques finde. Also – frage ich meine technische Assistentin mit Bezahlzugang, Frau Chat GPT. Eine Stunde lang frage und feile ich an Vorschlägen. Sortiere aus, bringe eigene Ideen ein, stelle um und finde langsam wieder mögliche Wege. Und dann stelle ich zwei Tage lang Hilfskärtchen her. Hilfskärtchen für mich. Und für die Kinder.

    Ob sie es annehmen, dass wir Fingerpistole und menschliche Gewalt durch andere Strategien ersetzen? Darüber berichte ich dann nächste Woche!

    Izola, Slowenien, Ende Januar 2026 – wir sind viele, die es draußen schon gut aushalten.

    Große Dankbarkeit

    „Meinst du, wir könnten schon ein paar Figuren herzeigen? Wir bekommen hohen Besuch aus Klagenfurt“, fragt mich die Direktorin der Schule. Ich stimme zu, meine Musterfigur da zu lassen, damit sie etwas vorzuweisen hat. Dann erzähle ich meinem Mann davon, dass es eigentlich eine coole Sache wäre, die halbfertigen Figuren auf Stäben aufzubewahren, bis wir sie weiter bearbeiten. Die Tischtennisaugen reagieren empfindlich auf Druck.

    „Ich schneide dir etwas zu“, bietet er mir an. Ich warne vor. 28 Unterteile. 28 Buchenholzstäbe. Und dann sind ja noch die Stäbe zu schneiden und mit Schraube zu präparieren, damit wir sie an einen Figurenarm montieren können. Das Ende vom Lied? Wir düsen zum Baumarkt. Und dann in die Werkstatt. Und dann werkeln wir gemeinsam. Nicht auszudenken, wenn ich das alles alleine machen müsste! Danke!

    Am zweiten Tag in der Schule zeigt mir die Werklehrerin, dass sie schon einige Arme angenäht hat. Nähen, das klappt nur bei ganz wenigen Kindern. Einige lassen sich von mir einweihen und sticheln tapfer vor sich hin. Die meisten Kinder sind überfordert. Sie verspricht mir, so viel als möglich dieser Näharbeit einzuplanen, wenn sie zwischendurch Zeit hat.

    Am Ende ist es dann nicht nur meine Figur, die mir entgegen lacht. Es sind einige, die schon Arme und Augen haben. Wir werden sehen, ob wir diese Woche neben dem Theaterspiel noch Zeit finden, alle Figuren auf den gleichen Stand der Fertigstellung zu bekommen.

    Klebepunkt für Klebepunkt nähern wir uns dem Gesicht der Klappmaulfiguren.

    Bist du gut im zweiten Monat des neuen Jahres angekommen? Und vergeht bei dir die Zeit heuer gefühlt auch so schnell?