FRANZI

Franzi ist nach ihrem Aufenthalt im Klagenfurter Gemeinwohlladen wochenlang im Studio um mich herumgeschlichen. Hat um eine Osterhasenmütze gebettelt. Das musste sie. Es war einfach sowas von nicht auf meinem Plan. Aber nun gut, ihr kennt das ja schon. Der Mensch denkt. Die Puppe lenkt. Franzi kann ausnahmsweise sitzen. Ansonsten fällt sie in die Kategorie der einfachen Stoffpuppen. Wer ihr tief in die grünen Augen schaut sieht, dass sie nicht einfach ist. Sie ist liebenswürdig. Aber nicht einfach.

Osterbunny FRANZI
Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design

geboren am 10.1.2020 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 225,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

MIRA

Mira ist eines der Wesen, das mich seit einem halben Jahr zu Kursen begleitete und vielen zukünftigen Puppenmacherinnen zeigte, wie so einer Zauberwesen aussehen kann. Sie trägt einen Pullover in meinen absoluten Lieblingsfarben, den Farben der dreifärbigen Bougainvillea und ist überhaupt ein Sonnenschein.

Mira

Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 27. September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 195,–
exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Allegra

Hier auf meinem Blog kannst du über Allegra nachlesen!

Allegra
Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 9. März 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 195,–
exklusive Versandkosten
Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Stoffpuppe versandfertig gemacht und zugeschickt.



FINN ist wieder da!

Finn hat ganz rasch ein neues Zuhause gefunden!
Finn has found a new home, he is no longer available!

FINN hat seine Zeit im Klagenfurter Deins-und-meins-Shop sehr genossen. Da kam ein kleiner Kronenvirus. Und er wollte heim. Flott und sapperlott. Er vermisst Minnie, seine Katzenfreundin. Das hat er mir schon im Auto erzählt. Und noch Einiges mehr. Jetzt darf er sich mal ein Wochenende lang ausruhen. Und dann schauen wir weiter. Seine Freundin Greta war heute ganz traurig, dass er sie verlässt. Die beiden haben sich gut unterhalten in der lichtdurchfluteten Auslage. Aber Greta verlässt ihr neues Zuhause nicht mehr, sie fühlt sich wohl bei Ingun und den Damen ihres Teams.

Hier ist noch mal FINN’s Geburtstsgeschichte aus dem Nicht-Winter dieses Jahres 2020.

Und ja, natürlich – FINN freut sich auf ein neues Zuhause. Ab Montag. Wie gesagt, ich will ihn jetzt mal ordentlich drücken und ein Weilchen um mich haben. Bis ich es geschafft habe, hier als Laie übers Wochenende einen Webshop auf die Beine zu stellen, bitte einfach direkt bei mir melden!

Innere Stimmen und das Jetzt

Es geht mir gut. Innen drinnen. Unten drunter. Innen ist Klarheit, ist Ruhe. Weite und Zuversicht. Lust am Leben und Lust am Tun. Und zugleich erlebe ich mich im Alltag, vorm Einschlafen, beim Aufwachen wie ein aufgescheuchtes Hendel, dass von Nachrichten bezüglich Pandemien, Menschen auf der Flucht, vom Entsetzen vor sexistischen und zutiefst frauenverachtenden Texten im Rudel mit anderen Aufgescheuchten flattert und zittert und zwischendurch emotional vollkommen ausklinkt. Von diversen Existenzängsten und den üblichen Selbstsabotagewesen, die latent auf Futtersuche sind, einmal ganz zu schweigen. Die bringen mich in diesen Tagen eher zum Lachen. Ich habe vor ein paar Tagen so geweint wie schon lange nicht mehr. Das Fass zum Überlaufen brachten Bilder von flüchtenden Menschen, Frauen, Männern, Kindern an der griechischen Grenze. Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich angesichts dieser Bilder das Gefühl gespürt, dass es irgendwann reicht, dieses Erdenleben. Dass es auch für mich vorstellbar wird, dass er kommt. Dieser Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt zu sagen: „Danke, es genügt mir dann. Danke für all die Erfahrungen. Wir entwickeln uns als Menschheit nicht weiter. Ich kann keinen nachhaltigen Beitrag leisten, der wirklich etwas verändert. Ich bin müde. Ich fühle mich vollkommen hilflos. Mir tut alles weh vor Mitgefühl, und ja, all ihr Coaches und Mentoren, ich leide mit! Ich spüre den Schmerz meiner Schwestern und Brüder. Und ich mag nicht mehr.“

Was mir hilft? Ausweinen. Einen Tag lang. Oder länger, wenn es nötig sein sollte. Meiner erwachsenen Tochter zuhören, die mir am Telefon all die Sachen sagt, die ich ihr sagen würde, wenn sie zusammen bricht. Bloß nichts zurückhalten von all dem Schmerz. Spüren, bis in die letzte Zelle. Die Ohnmacht, die Wut, die Hoffnung und die Liebe für alles, was auf diesem Planeten leben will. Ich packe die Gleichgültigkeit nicht mehr. Die Selbstverliebtheit, die in unseren Wohlstands-Breiten epidemieartig um sich greift. Statt den Nächsten zu lieben wie uns selbst lieben manche Menschen nur sich selbst. Yeah, gut haben wir das gelernt in all den gutgemeinten Selbsthilfe- und Selbstliebekursen. Narzissmus an den Hebeln der Macht. Und mitten unter uns. Wir zerstören den nächsten, verbal und wirtschaftlich, bevor er uns etwas weg nimmt. Mir einzugestehen, ja genau, ich kann gerade überhaupt nichts tun. Ich, die Macherin, die Anpackerin und Voraus-Rennerin. Ich wirke nur in meinem direkten, kleinen Umfeld. Und bin nicht immer sicher, dass es gut ist, was ich tue. Auch ich mache Fehler. Schätze Dinge falsch ein. Ich „faste“ social media in diesen Tagen. Freiwillig, ohne große Ankündigung. Zwei Drittel der Kommentare dort machen mich unglücklich und ich bin der Argumentationen so müde, in denen es nur darum geht, Recht zu bekommen. Das schlagkräftigere Argument zu haben. Den anderen zu vernichten. Oder es besser zu wissen und ihm einen weiteren Selbsthilfekurs aufzudrängen. Nein. Danke.

Es hilft mir, mich auf meine klare innere Stimme, auf meinen inneren Ruf auszurichten. Ich bin Künstlerin. Ich bin so zur Welt gekommen und ich habe das sehr lange sehr erfolgreich überhört. In meiner Fantasie entstehen lebensgroße Wesen und Texte, die all das ausdrücken, was ich derzeit empfinde. Einiges wird das Licht dieser Welt erblicken. Da sind tragische und anklagende Wesen dabei. Aber auch humorvolle und augenzwinkernde. Sie und ich, wir beschäftigen uns mit dem, was hinter dem Alltäglichen schwer fassbar und oft unsichtbar ist. Und wie so oft im Leben, wenn mensch auf seine innere Stimme hört, so geschieht es auch jetzt. Eines fügt sich zum anderen. Eine Einladung zur Kunstausstellung hier. Ein Angebot für kostbarstes textiles Material dort. Tiefgehende Gespräche mit Menschen, ihre andere Sicht auf das Leben, die meine Batterien aufladen und meine Fantasie wieder bunter machen. Und Kinder. Volksschulkinder, die Träume haben für ihr Leben in einer Stadt. Für das, was sie mitgestalten wollen. Für ein Leben, das sie hier leben möchten. Und die Erkenntnis, wie dankbar ich sein kann, dass ich lebe, wie ich lebe. Dass ich eine Wahl habe. Dass ich sagen kann, was ich denke. Und sogar die Möglichkeit habe, anderen Menschen zu helfen, wenn sie um Hilfe bitten. Nicht weil ich muss. Sondern weil es möglich ist.

Wie ihr im Titelbild sehen könnt, helfen mir auch „unsere“ gefiederten Freunde, die die neue Futterstation vor meinem Atelierfenster fast zweitäglich leeren. So viele verschiedene Meisenarten. Die lärmenden Spatzenschwärme, die zwar für Aufregung sorgen aber irgendwie nicht ans Futter heran gelassen werden. Außer im Rudel. Ein wunderschönes Kleiberpärchen, das sich artgerecht von oben rennend Futter holt, während sich unten die pickenden Horden auf die zarten Krallen treten. Es ist laut da draußen. Und abends vorm Schlafengehen bekomme ich wunderbare Ständchen zu hören. Das Leben geht weiter. So lange es dauert. Und es ist nicht immer nur schön und positiv und rosarot. Sondern verwirrend und schmerzhaft zugleich. Rollercoaster. Ich weiß das. Ich lebe schon fünf Jahrzehnte und ein paar Jahre mitten unter euch.

Die Bienen und die Kinder

Noch ist es draußen kalt und feucht. Der Graupelschauer hat schöne Punktmuster auf den Asphalt gezeichnet. Die Sonne beginnt zu wärmen. Leute, der Frühling ist schon so nahe. Drinnen summt es wie in einem Bienenstock. Große Fenster lassen viel Tageslicht in die Gänge und Klassen. Schöne Farben, Holz, das übliche Sammelsurium von Winterjacken, Stiefeln und Handschuhen. Vor sieben Jahren ist die Schule hierher gesiedelt. „Wir haben ein Hochbeet gebaut“, erzählt mir eine Pädagogin des Friesacher Schulzentrums. Ich sehe einen großen Rosmarinstrauch, das Hochbeet aus Palettenholz. Ein Insektenhotel, das an der Wand der Mittelschule lehnt. Eines, das in das Hochbeet des Volksschulmodells integriert ist. Ein paar Sträucher, Bäume. Viel Gras. Viele Steine. Die Schuldirektorin erzählt mir von Gartenmodellen, die Kinder vor Jahren entwickelt haben, um ihren Schulgarten lebendiger zu gestalten. Von einer Studentin, deren gute Ideen zwar gut geheißen. Aber nie umgesetzt wurden. Ich speichere alle Infos vorsorglich in meinem Gedächtnis. Hier sind wir mit unseren Ideen willkommen.

„Ist das die Sumsi?“ „Nein, das ist doch die Maja!“ „Aber geh, das ist der Willi!“ Ich sitze in einer lebendigen, aufgeregten Kinderschar von Acht- und Neunjährigen. Wir diskutieren, ob Bienen Nester bauen wie die Wespen. Ob beim Puppentheater Schauspieler sichtbar sind oder sich verstecken müssen. Ob Musik und Tanz dazu gehört. Oder nicht. Ich höre viele Geschichten von Bienen- und Wespenstichen. Und dass sie, die Bienen, „das Gelbe aus den Blumen holen“. Tja, lieber Egon. Nächste Woche bist du als Bienenexperte für Wildbienen dran, dir von uns allen Löcher in den Bauch fragen zu lassen. Und vielleicht finden wir auch einen Bienennamen, der zu unserer (Wild)Biene an meiner Hand passt.

Und wisst ihr was? Ich bin glücklich. Das ist genau mein Element. Wie ich es liebe, mit diesen neugierigen, interessierten Wesen zu arbeiten. Voller Vertrauen gehen sie in die Übungen, die ich heuer aus dem tollen Handbuch „Spiel- und Theater Grundschule“ des Schulverlags Hamburg aussuche. Wieder so ein Glücksfund im Internet! Wir erleben heute Kinder in der vierten und fünften Schulstunde, die einander kaum ausreden lassen vor lauter Begeisterung. „Ich weiß was, ich weiß was!“ pulsiert durch das kindliche Lernsystem. Und das will geteilt werden, und zwar flott. Junge Leute, die schon so viel wissen, selbst wenn Zusammenhänge noch nicht erforscht sind. Kinder wollen nur eines – dazu lernen, ihr Wissen weitergeben. Das ist natürlich in ihnen angelegt. Dieses Bedürfnis, diese Welt zu verstehen, dazu zu gehören. Sich als sinnvollen, erwünschten Teil dieser Welt zu verstehen. Ich werde nie kapieren, warum ihnen Erwachsene diese Kompetenz des Wollens absprechen. In diesem Alter ist sie spürbar noch da.

Wir werden sehen, welche Puppen an Stäben, an Händen oder vor uns her getragen wir heuer entwickeln. Welche Geschichten die Kinder zu erzählen haben. Ich bin einfach dankbar, dass ich hier wieder auftanken und selbst Mensch sein darf. Und dass ich die Kinder mit meiner eigenen Begeisterung anstecke, das Beste aus sich herauszuholen. Onwards!

Alleinunterhalter Finn und der Nichtwinter

Finn ist nach dem erstaunlich langen Hin und Her der letzten Tage reisefertig. Kein Wunder, muss er doch mit meiner Enkelin telefonieren. Unfassbar, wen Finn zum Reden bringt. Meine Tochter bekommt immer wieder den Auftrag: „Oma anrufen!“ Wenn ich am Bildschirm erscheine, ist die Sache für meine Enkelin ehrlich gesagt erledigt. Sie wartet. Ich rede. Sie schweigt. Ganz anders ist es dieses Mal, als ich mir Finn auf die Knie setze und in die Kamera Bussis hinein schmeißen und andere Faxen machen lasse. Jana spricht! Und zwar geschlagene fünfzehn Minuten. Die beiden unterhalten sich über Mama’s Kopfhörer, singen sich ein Lied vor. Als Finn kurz auszuckt, weil er auch unbedingt mit Jana schaukeln will, wird er eingeladen: „Komm, hier ist noch Platz!“, sagt die Zweieinhalbjährige und rutscht auf ihrer Marienkäferschaukel nach vor. Ich führe Finn’s Hände, bin ständig im Bild – aber Jana spricht mit diesem Wesen! Es ist so unglaublich, wie Menschen auf diese Geschöpfe reagieren. Und ich freue mich schon so auf alles, was wir heuer in dieser Richtung vorhaben…

Finn und die Handküsschen

Vorerst wandert Finn einmal in den Klagenfurter Gemeinwohlladen zu Ingun und ihrem genialen Team. So schön zu erleben, wie meine Wesen dort willkommen geheißen und wertgeschätzt werden. Da streicht ihnen mal wer über den Kopf. Werden sie herum getragen und her gezeigt. An ihm gibt’s schon ein paar Sachen zu bestaunen. Die extra coolen gestreiften Schuhsohlen beispielsweise, Ton in Ton mit dem handgestrickten Pullover. Die spitzen Elfenohren, seine voll beweglichen Arme und Beine. Und den Blumenstrauß, den er direkt für den heurigen Valentinstag mitbringt. Mal sehen, wer ihn bekommt!

Finn und Minnie

Bevor ich meine Wesen ziehen lasse, müssen sie mit mir eines oder mehrere Shootings absolvieren. Finn brauchte insgesamt drei. Eines im Abendlicht, noch ganz ohne Beinkleidung. Ein absolut lustiges mit unserer interessierten Katze. Die sich nicht immer sicher ist, ob Finn ernst zu nehmen, ein Feind oder was ganz Anderes sei. Jedenfalls untersucht sie ihn genauestens, als sie meint, niemand würde es sehen.

Finn und der Kunstschnee

Und heute löse ich mein Schneeversprechen ein. Müßig zu erzählen, dass der für vergangenen Samstag prognostizierte Schneefall nicht ausreicht, Finn in heftigem Schneetreiben abzulichten. Es fällt ungefähr eine Flocke alle zwei Minuten. So helfen wir heute nach. Mit Kunstschnee. Angeblich garantiert abbaubar. Finn ist glücklich. Endlich eine Art Schneeball in den beweglichen Fingern. Endlich pulverleichte Flocken. Und endlich auch wieder eine Katze. Die sich mit Begeisterung auf meinen Aufheller legt. Sie lässt es sich auch heute nicht nehmen, durchs Foto zu spazieren, wie es ihr gefällt. Möglicherweise hat sie den smarten Kerl ins Herz geschlossen.

Finn und sein Sonnenyoga

Künstliche Schneeflocken rieseln wunderbar. Und dann, dann kleben sie. Sie fühlen sich wie Maiswaffeln an. Und verbinden sich innig mit Mohairhaaren, Strickpullovern und gewalkten Hosen. Abschütteln. Niente. Abstreifen. Nada. Ich rücke ihnen mit einer Katzenbürste an den Flockenleib. Ein paar kleben nun zwischen den feinen Borsten. Ein paar wandern rüber auf meine Kleidung und feiern dort ihr neues Daheim. Ein bisschen ratlos wandern wir zurück ins Atelier. Wir glitzern und funkeln. Die Katze staunt.

Drinnen fällt mir ein, ha, Staubsauger. Und der hilft uns endlich. Ich bekomme fast alle Flocken von uns beiden runter. Auch von der Kamera. Von der Linse und dem Gehäuse. Wir sind wieder im Frühling angekommen.

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Ich leihe mir diesen Titel bei der von mir so geschätzen Julia Cameron. Mit der Empfehlung, dieses Buch bei Bedarf in der lokalen Buchhandlung deines Vertrauens anzuschauen und zu kaufen. Nein, keine Werbung. Empfehlung aus praktischer Erfahrung. Mir haben Morgenseiten, Künstlertreffs und das Aufraffen zum Gehen in meinem Leben immer weiter geholfen.

Seit Wochen staune ich selbst über mich, dass ich diesen oder einen ähnlichen Satz in mir herumtrage: „Zu spät für mich. Hätte ich das vor 30 Jahren gehört, gewusst, ausprobiert, dann hätte das Sinn gemacht. Jetzt ist es zu spät!“ Ich ahne, dass mein Kopf sich dabei leicht zur Seite neigt, ich im Gespräch gekonnt diesen leicht frustrierten Ausdruck in die Augen bringe, den ich in meiner Opferrolle perfektioniert habe. Und dass ich damit meiner Umgebung noch mehr auf den Wecker gehe als mir selber. Die Umstände. Die Menschen. Alles hat mich davon abgehalten, damals einen Weg zu gehen. Und jetzt. Ist es halt zu spät. Riesenseufzer. Wie arm ich bin.

Bullshit! sagt meine Freundin Stefanie, wenn es ihr reicht. Und hier passt dieser Ausdruck so richtig gut. Was für ein riesiger Scheibendreckkleister! Hätte ich vor 30 Jahren auf mich gehört, dann hätte ich – vielleicht, unter Umständen, eventuell – eine Karriere als Künstlerin, als Psychotherapeutin oder als Sozialarbeiterin mit Studium und Abschluss angepeilt. Das weiß ich aber erst, weil ich seit drei Jahren nicht denke, dass ich etwas Bestimmtes tun sollte. Sondern meinem Herzklopfen nachgebe und genau das tue, was mir von innen sehr ruhig und klar angesagt wird. Nicht umsonst schenke ich (!) meinem Allerliebsten zu Weihnachten ein Buch. Für Menschen in der Pension. Damit sie die neue Freiheit ihrer Zeit kreativ zu nutzen, falls bisher dafür kein Platz war. Und eben auch mit dieser Frage: „Wenn es nicht zu spät wäre, würde ich …. “ Mich reizt es derzeit überhaupt nicht, meine Biografie zu schreiben. Und – es reizt mich, Neues auszuprobieren. Selbst wenn es zu spät ist.

Und ja! Für eine herkömmliche und wirtschaftlich erfolgreich Unternehmer*innenkarriere ist es möglicherweise zu spät. Ich schließe keine Überraschung aus. Aber für mich, für mich als Mensch, ist es niemals zu spät. Mir steht diese Zeitspanne zwischen meiner Geburt und meiner Geburt in was Unbekanntes in einer relativ gesicherten Umgebung eines ziemlich demokratischen Landes zur Verfügung. Ich lerne ständig dazu. Entwickle mich lebenslang weiter. Kann auf Erfahrungen zurück greifen, die ich vor 30 Jahren nicht hatte. Die mich damals ängstigten und blockierten. Weiß, dass Krisen riesengroße Chancen in sich tragen, wenn mensch durchhält und sich den Herausforderungen stellt. Dass das Leben liebevoll mit uns umgeht. Dass sich Türen sehr oft zurecht schließen und andere dafür aufgehen. Meine Coachin sitzt da drüben beim Wasserspender und verdreht lachend die Augen. „Hat sie endlich wieder einen Mikroschritt kapiert? Was für Geschütze ich immer auffahren muss, damit sie wütend wird und sich einfach traut?“ Danke du mein wundervolles Alter Ego. Du erzeugst nach wie vor Heiterkeitsausbrüche in mir.

Danke all jenen, die mir in den letzten Tagen und genau genommen Monaten Tipps und Hinweise in die richtige Richtung gegeben haben. Herausforderung angenommen, ich beschäftige mich aktiv mit Handpuppen! Auf mich rollt gerade eine kleine Bücherlawine zu. Recht passend rund um meinen Geburtstag und für jene, die unrund werden, weil sie nicht wissen, womit sie mir an diesem Tag eine Freude machen könnten. Und unserem jüngsten Familienmitglied danke ich, dessen aktuelle Bedürfnisse mich reizen, diesen zusätzlichen Weg rund um Stoffpuppen und Wesen anzugehen, der meine ohnehin geliebte Arbeit ergänzen wird. Wie so oft sind es in meinem Leben mir anvertraute Kinder, die als große Lehrer*innen daher kommen und Veränderungen und Paradigmenwechsel einleiten.

Der Frühling und sein Anklopfen

Finn begleitet mich seit den Weihnachtsfeiertagen. Krank und gesund. Also ich, ich bin krank. Er ist schüchtern, aber kerngesund. Die Kopfgrippe, die zwischen meiner Lunge und den Stirnhöhlen hin- und herwandert und zwischendurch sogar die Zähne in die Mangel nimmt, sie ist ausdauernd. Genau genommen macht mich die Arbeit an ihm und mit ihm gesund.

Irgendwann nach dem Vierzundzwanzigsten ist es mir zu viel, herumzusitzen und meiner bezaubernden Enkelin und ihrer Mama, meiner Tochter, und Sami beim Spielen zuzuschauen. Heuer schaffen wir es, dass wir alle mehr oder weniger fiebrig herumsitzen und Weihnachten bis Silvester verlängern. Ein russisches Tutorial fesselt mich zu diesem Zeitpunkt besonders. Ich verstehe kein Wort. Bin aber mittlerweile so tief in den Prozess des Machens eingedrungen, dass ich mir die Handgriffe selbst erklären kann. Jedenfalls genügend, um selbst auszuprobieren, was ich russisch besprochen sehe. Habe ich schon mal gesagt, dass die russischen Puppenmacher*innen ein Traum sind? Jana, das ist die Enkelin, erklärt mir beim Filzen und Sticheln, dass ich den Mond mache. Wie recht sie hat. Sie staunt, als ich einen meiner nicht mehr ganz sooo passenden Bikinis zerschneide und zu einem Kopf zusammen nähe. Tja, Upcycling beziehungsweise ReUse as usual, ich brauche mich nur durch meine japanisch sortierten Kisten zu wühlen. Jana schaut sich den Kopf ganz genau an, von allen Seiten. Ganz, ganz leise regt sich in mir die Hoffnung, dass sie dieses Interesse beibehalten wird. Ich hätte ihr so viel zu zeigen, sobald sie es ausprobieren will…

Finn ist sehr geduldig mit mir. Ich langweile euch jetzt nicht mit handwerklichen Details. Nur so viel, dass ich euch verrate, dass an ihm fast alles anders und neu ist. Und dass er der Auslöser ist, mich noch mehr ins Filzen zu vertiefen. Es liegt mir einfach mehr, nur mit Wolle zu arbeiten. Ganz ohne Stoffüberzug. Sage ich jetzt einfach mal so. Das ändert sich eh wieder. Ich kenne mich.

Heute Morgen jedenfalls fordert er mich auf, mit ihm die erste Fotorunde im Garten zu drehen. Wir staunen beide, wie warm es ist. Wir sehr der Frühling schon darauf wartet, zu explodieren. Auch wenn der Kalender sagt, wir sind verrückt, wir zwei. Bei den Bienen sehen wir, dass ein paar den Winter nicht überlebt haben. Eine dafür außen herum spaziert und Flugreisen rund um den Stock veranstaltet. Und mich böse anbrummt und mal wieder stirnwärts zwischen die Augen stupst, weil ich ihr Finn zu nahe ans Flugloch setze. Auf gut bienisch heißt das „Schleich‘ dich, wir brauchen unser bisschen Futter, um über die nächsten Wochen zu kommen. Der Winter ist noch nicht vorbei. Das war die letzte Warnung, das nächste Mal steche ich!“ So ist das, wenn man mit Finn im Garten unterwegs ist. Dann versteht mensch sogar die Sprache der Bienen.

Ich muss jetzt los. Ich habe mir für heuer die Aufgabe gestellt, mehr von mir und meiner Arbeit sichtbar zu machen. Nicht nur die Ergebnisse, sondern ehrliche, tiefe Einblicke in mein Tun. Dazu benötige ich ein gutes Stativ, sagt die Dame aus dem Instagrambuch. Und eine Menge Nerven, um tiefer in die Tiefen des I-Phones der vorletzten Generation einzudringen, das mir mein Jüngster geschenkt hat. Das weiß ich selber. Nun hat sich auch dieser Wunsch erfüllt, den ich vor zwei Jahren aussprach. Yeah. Veränderungen, wohin ich schaue.