60 Jahre – und jetzt?

Mein Geburtstag fällt in den Wochenrückblick der Kalenderwoche 08. Dieser Sechziger hat mich ein bisschen mehr beschäftigt als die 59 Geburtstage davor. Heuer hatte ich zur Abwechslung einmal Lust, mit diesem Datum und meinem Geburtstag auch online sichtbar zu sein.

Sechs Mal ein ganzes Jahrzehnt. Das ist schon eine ganze Menge Leben, nicht wahr? Eines weiß ich sicher: ich lebe immer noch richtig gerne. Der Frühling beginnt, zu beginnen. Wie jedes Jahr um diese Zeit. Mein Körper mag sich am Morgen und gegen Abend dem biologischen Alter gemäß wie 60 fühlen. Mein bunter Geist ist mittlerweile ein bisschen ruhiger, aber immer noch offen, voller Begeisterung für Neues, lernbereit und wenig älter als 35 Jahre.

Danke für all die tollen Ständchen, die per Nachrichten und live eintrudelten. Die beeindruckenden und manchmal Tränen auslösenden Karten, die Nachrichten auf so vielen Kanälen. Ich kann ganz klar sagen: diesen Geburtstag habe ich mit all meinem Sein gespürt.

Wie ich diesen Geburtstag begangen habe? Das bekommt in diesem Wochenrückblick einen eigenen Abschnitt.

  1. Jeux Dramatiques und die Gebrüder Grimm
  2. Aufträge und Eindrücke
  3. Von Neurodivergenz und Schubladen
  4. Queenager und das neue 60
  5. Von tiefen Tälern und Licht am Ende des Tunnels
  6. Karnevalsbeobachtungen in Italien und Slowenien
  7. Abramović und die Kompromisslosigkeit

Jeux Dramatiques und die Gebrüder Grimm

Seit einem Monat freue ich mich darauf. Bei meiner Lesung im Alten Theaterhaus am Millstätter See im November 2025 erzählt mir eine Pädagogin davon, dass es in der Künstlerstadt Gmünd eine Theatergruppe gibt. Und bei einem Druckkurs, ebenfalls in Gmünd, berichtet mir eine Künstlerkollegin noch einmal von dieser Theatergruppe. Jetzt erfahre ich auch, dass sie die Theatertechnik „Jeux Dramatiques“ praktizieren. Das bedeutet sinngemäß „Spielen aus dem Erleben“. Ohne zu sprechen. Mit Tüchern und Requisiten, klaren Vorgaben und Regeln des Miteinanders und mit großer Freiheit. Ich weiß vom Kopf her viel aus meinen Büchern. Habe bei meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin aber noch viel zu wenig Praxismöglichkeiten live miterlebt.

Ich tauche in eine ganz neue Gruppe von Menschen ein. Die Gruppe beschäftigt sich seit Herbst mit dem Thema „Märchen“. Heute ist das Grimmsche „Die drei Spinnerinnen“ dran. Ich spiele dieses Mal freiwillig eine Dienerin, um mir die Herangehensweise im Spiel ein bisschen aus einer Randposition anzusehen. Die patriarchale Sicht auf diese Geschichte geht mir von Anfang an ziemlich gegen den Strich. Da ich neu in dieser Gruppe bin, weiß ich nicht, ob ich einfach inhaltlich ausscheren darf und ordne mich dem erzählten Spielfluss unter. Sehe viel. Beobachte noch mehr. Und bewege mich als erstaunlich selbstständige Randfigur für so ein altes Märchen durch die Geschichte. Die Abschlussreflexionen im Sitzkreis sind augenöffnend und einfach erstaunlich. Was für ein besonderer Ort hat hier auf mich gewartet!

Nächstes Mal stelle ich meine Fragen zu den Spielmöglichkeiten. Und ich traue mich, mehr in die Mitte des Spiels zu kommen. Ich bin begeistert von der Lebendigkeit der versierten und aktiven Menschen. Die meisten sind in meinem Alter. Und älter. Manches erinnert mich stark an Aufstellungsarbeit. Hier habe ich etwas gefunden, was mir gut tun wird, mich und meine bunte Gefühlswelt auszudrücken. Neue Strategien auszuprobieren als die gewohnten. Wie schon ein Schulkind in der Schule sagte: „Das ist ja wie im echten Leben!“ Die Anleitung durch zwei versierte Frauen ist klar und kompetent. Die bunten Requisiten sind ein Traum. Und ich werde viel dazu lernen, was ich in den nächsten Jahren für Schulprojekte einsetzen kann.

Der Gong oder die Glocke sind wertvolle Instanzen im Jeux Dramatiques – sie eröffnen und beenden das Spiel.

Aufträge und Eindrücke

Dass ich mich im Arbeitsprozess in meine Figuren verliebe, das bin ich gewohnt. Sonst würde etwas an meiner Arbeit nicht stimmen. Beide Figuren, die sich derzeit an meinem Arbeitsplatz befinden, haben bereits ihren vorübergehenden Platz in meinem Künsterinnenherzen. Wenn ich dann die Rückmeldung bekomme, dass auch die zukünftigen Quartiergeberinnen sich über die Entwicklung freuen, dann gibt mir das große Sicherheit mit den nächsten Schritten.

Parallel gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass beide Figuren der Start von zwei neuen Serien ist. Die Idee zu den Serien und die Auseinandersetzung mit der dahinter liegenden Thematik war schon Ende letzten Jahres da. Ich mag noch nicht zu viel verraten. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ich richtig liege. Und dann teile ich den Prozess zuallererst mit dir, der Abonnentin und dem Abonnenten meines Newsletters.

Langsam und sicher wird sie fertig. Dieses reduzierte Arbeiten ist Teil eines großen Veränderungsschrittes auf meinem Weg als Künstlerin.

Von Neurodivergenz und Schubladen

In unserer großen Familie gibt es einige junge Menschen, die sich testen ließen und im Laufe der Jahre Befunde von Autismus über Legasthenie bis Neurodivergenz einsammelten. Bei jedem Gespräch mit diesen höchst liebenswerten und lebensfähigen jungen Menschen habe ich das Gefühl, ein bisschen besser zu verstehen, worum es hier geht. Und zu erkennen, ich kann mich mit meiner extrem stark fühlenden Seite dazu rechnen. 60 Jahre später habe ich gelernt, manches auszuhalten. Mich zu arrangieren. Und trotzdem ein gutes Leben zu führen.

Ich bin vor allem für die jungen Leute froh und dankbar, dass es heute Hilfsmittel gibt, um Alltagsreize niedriger zu halten. Jetzt kann auch ich sie nutzen. Das Nervensystem bewusst zu regulieren ist eine tolle Möglichkeit, es herunter zu fahren. Entwicklungstraumen, großen und kleinen, bewussten und unbewussten, Raum zu geben, genauer hinzuschauen und sie idealerweise aufzulösen, das schadet wahrlich niemandem.

Ich beginne allerdings auch zu verstehen, warum Menschen Einwände gegen diese Entwicklung der Sichtbarkeit von Neurodivergenz haben können. Auch das begegnet mir. Gefühlt gibt es mittlerweile deutlich mehr Menschen als früher, die sich zum neurodivergenten Spektrum zählen. Was mich selbst aufrichtig stört ist die Haltung, mit diesen Menschen stimme etwas nicht. Schon zu fordern, sie bräuchten unbedingt eine klinische Diagnose, hat den Touch von Krankheit. Ganz bestimmt kann das sinnvoll sein. Aber muss es immer sein?

Was wir dringend brauchen, und das ist meine persönliche Meinung, ist eine Änderung des Systems an sehr vielen Stellen. Was, wenn wir akzeptieren, dass Menschen doch unterschiedlicher mit Reizen umgehen, als wir bisher angenommen haben? Dass es nicht das „eine“ System geben kann, das zu allen passt. Sondern eines entwickeln sollten mit anpassbaren, flexiblen Möglichkeiten, in Übereinstimmung mit den höchst unterschiedlichen Menschen, die schließlich unser gesellschaftliches System bilden? Und nicht die Menschen sollten sich an ein starres, einförmiges System anpassen?

Und ja, das Thema Trauma ist auch noch nicht ausreichend erforscht. Vielleicht ist es wirklich so, dass auch Entwicklungstraumen die Auslöser von überwältigender Reizüberflutung und Flucht und unregulierten Nervensystemen sind. Das schließt eine angeboren „andere“ Reizverarbeitung nicht aus, sondern erweitert das Spektrum.

Wie siehst du das? Betrifft dich dieses Thema oder nervt es dich einfach?

No Words needed. Eine dieser spannenden Türen in der Heidelberger Innenstadt. Germany.

Queenager und das neue 60

Ab jetzt gehöre ich nicht mehr zur Gruppe der 50+ Menschen, sondern ich gehe seit vergangenem Dienstag in den Schuhen der 60+ Frauen dieser Welt. Meine Schwester bringt mir ein Buch mit, das sie regelrecht anspringt. Und bittet mich, es ihr zu ihrem Sechziger zurückzuschenken. „60 IST DAS NEUE 60“ lautet der Titel. Mit dem Untertitel „Und warum es gar nicht weh tut“.

Ich bin sehr bei ihr, dass 60 weder das neue 40 oder 50 ist, sondern dass die meisten von uns mit sechzig Jahren und darüber heute so leben können, wie wir uns das vorstellen. Ich lese das Buch kapitelweise, mit einem Schmunzeln und muss offen sagen – es hat mir ein bisschen der Schwere genommen, die ich dieses Mal rund um den Geburtstag spürte. Und es hat mir Mut gemacht, zu meiner Zuversicht zu stehen und einfach weiter zu gehen. Ich bin so, wie ich angelegt bin. Bunt, ein bisschen wild und wunderbar. Und ich nutze weiterhin jeden Tag, um das zu leben.

Als ich dieses Jahr zu meinem Tag am Meer aufbreche, vergesse ich mein iPhone am Schreibtisch. Ich bemerke es, als wir gerade auf die Autobahn nach Slowenien auffahren. Und denke, ach, was solls. Ein Tag ohne Erreichbarkeit, das bringt mich nicht gleich um. Meinen erwachsenen Kindern sendet der Liebste eine Nachricht, dass ich wegen Vergesslichkeit am Geburtstag nicht erreichbar bin. Die ersten paar Stunden sind erwartungsgemäß seltsam. Ich sage das ganz ehrlich. Alexander bietet mir sein Handy an und ich merke bei einer Kaffeepause – nein, ich will nicht!

Ich habe dieses Mal meine alte Spiegelreflexkamera mitgenommen und freue mich drauf, eventuell ein bisschen zu fotografieren. Auch diese Begeisterung hält sich in Grenzen. Wie schwer die Kamera im Vergleich zum iPhone ist! Doch wieviel schöner und gezielter die Fotos sind!

Meine Quintessenz: ich werde meine Social Media Zeit weiter herunterfahren. Bewusste Pausen von iPhone und Computer machen. Der eigenwilligen Sucht die Stirn bieten. Mein Verstand erholt sich relativ schnell und wird offener für die Realität. Und das tut dem Nervensystem sowas von gut!

Vor zwei Wochen in Izola. Wir haben es geschafft, kein einziges Geburtstagsfoto von mir zu machen. Aber es gibt das hier – eine entspannte Pause am Meer in Izola/Slowenien.

Von tiefen Tälern und Licht am Ende des Tunnels

Falls du hier einen Jubelbericht über mein laufendes Schulprojekt erwartest, darf ich dir freudig mitteilen: es ist endlich wieder so weit. Der absolute Tiefpunkt im Prozess ist wieder einmal erreicht. Die erste Woche nach den Schulferien. Die Kinder sind mit dem Kopf entweder noch beim skifahren oder spüren bereits, dass die Bäume ausschlagen. Es ist laut. Es ist chaotisch. Sie spielen mit Begeisterung Theater. Singen sogar, weil sie sich das vorher ausgemacht haben. Dafür sprechen sie nicht, wenn die Szene es erfordert. Es ist ein Riesendurcheinander.

Dieses finstere Tal im Freien Theaterspiel kommt in jedem Projekt. Mit dem Blick auf eine geplante Abschlussveranstaltung verlieren wir Erwachsenen angesichts ungerührt weiterspielender Kinder vorübergehend die Nerven und sind überzeugt davon, dieses Mal geht es schief. Die Eltern werden schockiert sein. Wir werden uns ganz schrecklich vor unserem Publikum blamieren. Und die Kinder werden auf der Bühne toben. Und, keine Ahnung, die Vorstellung wird auf alle Fälle ein Desaster sein.

Die Unsicherheit einer Lehrperson verunsichert auch mich. Sie erzählt mir von einer Profisängerin, die bei den Aufführungen hinter den Kindern dieser Schule steht, die Texte spricht und die Kinder müssen nur die Mundbewegungen mitmachen. So professionell. So toll. Wenn meine innere Kritikerin es nicht selbst macht, dann macht es jemand anderes mit mir. Nach den letzten zwei Schulstunden bin auch ich sicher: dieses Mal scheitern wir zum ersten Mal. Das von mir entwickelte Theaterkonzept mit selbst entwickelter Geschichte, selbst gebauten Figuren und einer Aufführung kann ich einstampfen.

Als ich daheim bin, verwöhnt mich der Liebste mit einem guten Essen. Ich erzähle ihm lachend und weinend, was los ist. Und finde schon im Erzählen Lösungen, wie ich all das Neue noch besser für diese Kinder aufbereite. Die Aufführung ist nicht übermorgen, sondern in fünf Wochen. Das sind noch zehn Möglichkeiten, die Szenen durchzuspielen. Sich an sie zu gewöhnen. Und die tollen Klappmaul-Figuren einzusetzen.

Ich bin mega gespannt, wie sie die neue Art der Geschichtsvermittlung in ihr Spiel aufnehmen werden. Wir sind nicht mehr im Jeux Dramatiques. Jetzt geht es an den Feinschliff. Die unbändige kindliche Spiellust bekommt kreative Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen wird wieder mehr Freiheit möglich sein. Ich werde berichten!

So kann es aussehen, wenn Chaos und Lebendigkeit pädagogische Anleitung aussticht. Danke für so viel Begeisterung!

Karnevalsbeobachtungen in Italien und Slowenien

Faschingdienstag ist auch das Ende des Karnevals in Trieste in Italien. Voller Vorfreude stelle ich mich mit vielen anderen an der Kasse in einem Café an, um dem Servierpersonal die Arbeit abzunehmen, uns draußen in der Sonne zu bedienen. Dort ist genug freier Platz. Dort setzen wir uns später hin. Das denke ich ganz naiv. Nach dem Zahlen nehme ich unsere Getränke und steuere die sonnigen Plätze am Wasser an.

Eine Kellnerin fährt mich an, dass das nicht geht. Im Laufe unseres zunehmend emotionalen Gespräches verliert sie jede Englischkenntnis und ich kann mir mit meinen Französischkenntnissen aus ihrem wütenden Italienisch zusammen reimen, dass die „Cioccolata calda“ an der italienischen Kassa weniger kostet, als vom Service, also ihr, zum Tisch gebracht. Das weiß ich eigentlich, habe ich vorübergehend nicht am Schirm gehabt. Zwei Frauen an einem Tisch lachen schrill über unseren Disput. Vermutlich froh, dass nicht sie ihr Fett abkriegen. Sondern ich. Ich bin fassungslos über so viel Unfreundlichkeit. Hey Leute, es ist erst Februar, das Gastronomiejahr ist noch lang!

Wir entscheiden uns, Triest schleunigst zu verlassen und in die Grenzstadt Muggia zu fahren. Ich bleibe auf einem gelb gekennzeichneten Parkplatz einer vollkommen verstopften Kleinstadt stehen. Gelb? Was solls. „Solo Residente“, ruft ein faschingsmäßig gekleideter Mann über die Straße her und wackelt mit dem Zeigefinger. Das bedeutet also dieses Gelb! Nur Einwohner dürfen hier parken.

Wir entscheiden: nichts wie zurück nach Slowenien, aus dem wir über die Autobahn hergekommen sind. Irgendwas stimmt hier heute nicht für uns. Ich lande durch die vielen Straßensperrungen vor einem Tunnel mit roter Ampel. Ein Busfahrer hupt mich von hinten an. Einmal. Zweimal. Dreimal. Die Ampel wird nicht grün. Mein Mann findet heraus, dass wir hier aus irgendeinem Grund nicht umdrehen dürfen. Ein Polizeiauto parkt ein und wartet ab. Ich drehe mühevoll um und wir müssen über eine holprige Kopfsteinpflasterstraße, die ich noch nie gefahren bin, aus der Schlange ausscheren.

Wir lachen irgendwann auf der Fahrt durch italienisch-slowenische Weinberge schallend. Nein. Italien will uns heute nicht. Im slowenischen Izola – freundliche Menschen. Freundliches Personal. Ruhiges Meer. Schaukelnde Boote im Hafen. Und endlich Entspannung und so etwas wie Geburtstagsstimmung.

Peace Or Not Peace – das ist hier die Frage! Figur vor einer der wunderschönen Kirchen in Trieste/Italia.

Abramović und die Kompromisslosigkeit

Der Liebste schickt mir ein Interview mit der Performance-Künstlerin Marina Abramović, das sie vor einem Jahr im Schweizer Fernsehen gegeben hat. Ich verstehe nun Einiges besser, das mich in der Wiener Retrospektive über ihre jahrzehntelange Arbeit teilweise schockiert und vor allem abgeschreckt hat.

Mich beeindruckt, wie klar sie von sich sagt, dass sie schon als Kind wusste, sie würde als Künstlerin leben. Die Mutter nahm sie mit in Ateliers und es war für sie völlig normal, Ton zu kneten und mit Farben zu malen. „Ich wollte keine Kinder und keine Familie haben“, sagt sie sinngemäß. Sie wollte sich ausschließlich ihrer Kunst und deren Prozessen widmen. Ich füge dir in der Bildunterschrift einen Link zu diesem sehr sehens- und hörenswerten Interview ein.

Mir fällt wieder ein, dass ich als Jugendliche Alpträume hatte. Gleichaltrige verspotteten mich, weil ich trotz meiner Behauptung, ich würde nie Kinder haben, früh verheiratet bin und Kinder aufziehe. In meinem Leben ist es genau so gekommen. Ich habe relativ früh geheiratet und rasch hintereinander zwei Kinder bekommen. Und dann noch eines.

Diese Kinder waren meine größten Lehrmeister in meinem Leben. Durch sie habe ich erst kennen gelernt, was es heißt, jemanden zu lieben. Und zu lieben. Ich bin heute überzeugt davon, dass ich mit 50 Jahren erst durch die Zeit mit diesen Kindern und anderen Unterstützern so weit war, eine Entwicklung als Künstlerin in Betracht zu ziehen. Zu gering war vorher mein Selbstwert. Mein Sinn im Leben. Und meine Selbstliebe.

Was ich mit dieser Künstlerin teile ist die Absicht, sehr alt zu werden. Ich freue mich noch auf sehr viele künstlerische Projekte. Mein Leben fängt an, interessant zu werden!

Viel Vergnügen mit diesem spannenden Interview einer Ausnahmekünstlerin!
  • Wie hast du diese letzte Woche erlebt?
  • Ist dir bewusst, dass am Dienstag Abend kulturübergreifend der Beginn der Fastenzeit bei Christen und Muslimen war und zugleich der Beginn des chinesischen Feuerpferd-Mondjahres, dass sich seit 1966 zum ersten Mal wiederholt?



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4 Einträge zu „60 Jahre – und jetzt?

  • hi Lisa, ich wollte ein kommentar hinterlassen, geht so leicht aber nicht, muss mich bei wordpress oder so anmelden. Das will ich aber nicht. Es hat aber so auch schon funktioniert, mit Hilfe der Angabe meiner mai. Hast du da was verändert?

    Jedenfalls hier mein Kommentar zu Deinem Newsletter:

    Ich kann gut verstehen, dass es entlastend ist, wenn Unterschiede heute mehr gesehen und ernst genommen werden. Gleichzeitig sehe ich das Thema zwiespältig. Einerseits ist Unterstützung wichtig, andererseits habe ich den Eindruck, dass sehr unterschiedliche Phänomene — angeborene Besonderheiten, Traumafolgen, Lernstörungen, persönliche Empfindsamkeit und allgemeine Lebensbelastung — zunehmend unter einem großen Begriff zusammengefasst werden. Dadurch wird es schwer zu unterscheiden, wo tatsächlich eine spezifische Problematik vorliegt und wo eher die Lebensumstände eine Rolle spielen.

    Dass heute scheinbar „immer mehr“ Menschen neurodivergent sind, heißt für mich nicht unbedingt, dass sich die menschliche Natur verändert hat. Vieles lässt sich auch durch mehr Aufmerksamkeit, erweiterte Diagnosekriterien und die real gestiegene Belastung durch moderne Lebensbedingungen erklären — etwa Reizüberflutung, Leistungsdruck und permanente Erreichbarkeit.

    Nachdenklich macht mich außerdem der Gedanke, dass sich Systeme immer stärker an einzelnen Bedürfnissen ausrichten sollen. Ein funktionierendes System muss möglichst vielen Menschen gerecht werden und zugleich Unterschiede berücksichtigen. Vielleicht wäre es genauso wichtig, die Lebensbedingungen insgesamt menschlicher zu gestalten, sodass weniger Menschen überhaupt an ihre Grenzen kommen.

    lg. Karin

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    • liebe Karin,

      ich danke dir, dass du dich mit dem Antworten durchgeplagt hast! Das mit dem Anmelden ist bestimmt eine plattformspezifische Lösung – Spam wird bis jetzt sehr gut ausgefiltert, daran wird das wohl liegen.

      Mir geht es sehr ähnlich wie dir mit dieser Thematik. Ich weiß nicht, ob du jemals von Anne Wilson-Schaef und ihrer Sicht auf gesunde und kranke Systeme gelesen oder gehört hast? Sie spricht von starren, kranken Systemen, die sich nach außen verschließen und schließlich im Kreis und um sich selbst drehen und Suchtstrukturen haben. Ich muss da immer an Krebszellen denken. Und sie spricht von natürlichen Systemen, die flexibel reagieren auf notwendige Änderungen. Wie der Baum, der aufhört zu wachsen, bevor er durch die Wolken bricht. Das menschliche Kind, das ebenfalls nach einem Jahr anders weiter wächst als in den ersten Monaten – Systeme, die sich auf Gegebenheiten anpassen.

      Ich bin heute, mit 60 Jahren, ziemlich sicher, dass wir beides brauchen. Systeme, die funktionieren und die man nicht ständig in Frage stellen muss. Hand in Hand mit Systemen, die weich und flexibel funktionieren.

      Aus persönlicher Sicht sage ich: endlich haben wir Worte dafür, wie wir ticken! Du führst das selbst wunderbar aus, dem habe ich nichts hinzuzufügen. Die menschliche Natur hat sich vermutlich nicht wesentlich verändert, aber unser Verständnis dafür. Kinder, die früher nicht zusammenlauten oder rechnen lernen konnten, erkennt man heute als junge Leute mit Legasthenie oder Dyskalkulie. Hoch empfindliche Menschen wie mich nannte man früher lebensunfähig. Ha, ich bin noch da! Und klar sind Entwicklungstraumen oder vererbte Traumen dabei. Wie gut, dass hier immer weiter geforscht und ausprobiert wird.

      Du weißt ja, ich bin viel und gern in Schulen unterwegs und arbeite mit Kindern von heute. Bei mir haben sie deutlich mehr Freiheit im Ausdruck ihrer Seinszustände als im Regelunterricht. Wir bekommen Schulzeit dafür zur Verfügung, deshalb werden Künstlerinnen wie ich an die Schule geholt. Das ist eigentlich so eine ideale Form des Miteinanders. Dass und ob Regelschule grundsätzlich Veränderungen bräuchte, nach so langer Zeit, ist für mich persönlich keine Frage. Aber vielleicht leben wir auch hier in einer Übergangszeit, die wir beim Gehen mitgestalten?

      Herzliche Grüße, von Werkstatt zu Werkstatt

      Lisa

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      • Liebe Lisa,

        Anne Wilson-Schaef kannte ich tatsächlich nicht, aber der Gedanke mit starren und flexiblen Systemen leuchtet mir ein. Ich glaube auch, dass nicht alles verändert werden muss — manches funktioniert ja gut, anderes eben nicht mehr, so wie du schreibst. Dass wir heute für vieles Worte und Erklärungen haben, ist hilfreich, und zugleich frage ich mich manchmal: Warum nicht einfach sein, ohne im Nachhinein noch eine Schablone darüberzulegen?

        Herzliche Grüße

        Karin

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