Rotkäppchen. Ein bisschen anders.

Was ist eigentlich aus dem Handpuppenprojekt für eine Sprachgruppe in Kärnten geworden?

Ich mag es sehr, wenn Menschen mir in der Folgejahren erzählen, wie es ihnen mit den Figuren geht, die ich mit liebevollen Händen und mit meiner ganzen Fantasie erschaffen habe. Dieser Auftrag ist ein besonderer. Weil es um außergewöhnliche Handpuppen geht. Doch lies selbst.

  1. Die Idee zum Auftrag
  2. Der schöpferische Prozess
  3. Der Telefonanruf
  4. Die Wirkung von geballter Kreativität
  5. Und wie geht es weiter?
  6. Das Spiel mit den Handpuppen

Die Idee zum Auftrag

„Kann ich handgemachte Stabpuppen in Auftrag geben?“, fragt mich eine langjährige Leserin meines Blogs im Januar letzten Jahres. Sie weiß, dass mein zweites Standbein die pädagogische und kreative Arbeit an Schulprojekten mit Kindern ist. Kinder entwickeln mit mir Geschichten und stellen später verschiedene Puppenformen der Protagonisten her.

Als Lehrerin einer Sprachgruppe in Slowenisch für Erwachsene hat Roswitha Vospernik ständig kreative neue Ideen. Dieses Mal möchte sie ihre erwachsenen Schülerinnen und Schüler mit einem Projekt zum Märchen „Rotkäppchen“ dazu bringen, an einem Mini-Theater-Stück zu arbeiten und ins freie Sprechen zu kommen. Die Idee ist, Dialoge in slowenischer Sprache zu entwickeln und sie irgendwann im kleinen Rahmen aufzuführen.

Wer jemals eine weitere Sprache gelernt oder unterrichtet hat weiß, dass diese Hürde vorm freien Sprechen groß sein kann. Man versteht schon ein bisschen. Aber hat noch mächtig Angst, zu viele Fehler zu machen und sich zu blamieren.

Der schöpferische Prozess

Wir einigen uns auf sieben Charaktere. Ich überschlage kurz, wieviel Zeit sieben Köpfe und einfache Körper in Anspruch nehmen werden. Und sage nach einem weiteren persönlichen Gespräch zu, diese Wesen anzufertigen. Mir macht es riesige Freude, die gewünschten Charaktere selbst zu entwickeln. Wir tauschen uns über Farben und Materialien aus. Und dann lässt mich die Auftraggeberin frei schalten und walten.

Die Übergabe der Figuren erfolgt im Februar 2024. Meine Kundin ist total begeistert von den Ergebnissen. Und wie immer braucht es das einwöchige Loslass-Ritual, um mich von der siebenköpfigen Bande zu verabschieden. Ein bisschen weiter unten im Video kannst du sehen, wie gut das war. Ich hätte sonst kaum Material für das Video gehabt.

Dieser äußerst gefährliche Wolf entpuppt sich als einer, der Anschluss sucht. Sieht man, oder?

Der Telefonanruf

Als ich eines Morgens des neuen Jahres mit meiner App tanze und keuchend herumhüpfe, läutet das Telefon. Da ist die Auftaggeberin wieder! Wir tauschen uns über ein Beitragsdetail im neuen Blog aus. Ich frage vorsichtig nach, wie es ihr mit den Stabpuppenfiguren in der Sprachpuppe ergangen sei. Ein Jahr ist vergangen. Ich wurde jedenfalls nicht zu einer Aufführung eingeladen.

Sie lacht. Und erzählt mir, dass es inzwischen mehrere Versionen der Geschichte gibt. Der treuherzige böse Wolf und Kater Fridolin kommen ebenso vor wie die Zauberin. Und dass ein Buch geplant ist.

Ein Buch?! Ich will mehr wissen und lade mich ganz frech zu einem der nächsten Kursabende im Café Seerose am Aichwaldsee ein. Das kleine Restaurant Café Seerose betreibt übrigens ein langjähriger guter Freund. Bist du einmal in Kärnten, schau hier vorbei. Ich kenne nicht viele Gaststätten, in denen so viel Kultur zu den Menschen gebracht wird wie hier.

Im Verlauf des neuen Märchens bekommt eine Mutter endlich die Freizeit, die ihr zusteht. Spannend!

Die Wirkung von geballter Kreativität

„Unsere Professorin Roswitha hat gedacht, die Geschichte vom Rotkäppchen kann man auch anders erzählen“, sagt Josef mit blitzenden Augen. Er spricht flüssig Slowenisch, wenn ihn seine Lehrerin beim Kurs in dieser Sprache anspricht. „Wir sind fünfzehn Menschen, wenn wir vollzählig sind“, sagt Roswitha Vospernik. Die große Gruppe trifft sich seit zwei Jahren wöchentlich, um in die Feinheiten der slowenischen Sprache eingeweiht zu werden.

Nach ein bisschen Stottern und Sich-verdrücken-Wollen vor Angst, ich könnte sie filmen, beruhigt sich die Lage. Teilnehmer und Teilnehmerinnen erzählen mir sehr lebendig vom pubertierenden Rotkäppchen, das lernt, wie man Wäsche wäscht und Geschirr abspült. Von einer Mutter, die sich in den Jäger verliebt. Und dass es eigentlich schöne Entwicklungen sind, wenn aus Schwere und herausfordernden Lebenserfahrungen Freude entsteht. Nicht nur im Märchen. Sondern auch im echten Leben.

Und das Buch? „Ich mache kunstvolle Scherenschnitte für den Buchdeckel“, erzählt mir Margit. Eine andere Frau ruft: „Und die schönen Illustrationen macht Arnold, auch einer aus dem Kurs!“

Hier ist der Link zum Youtube Short für dich!

Und wie geht es weiter?

Warum sie seit zwei Jahren Slowenisch lernen?  „Weil man die Sprache und die Lieder des Nachbarlandes versteht und damit zeigt, dass man sich mit Slowenien verbindet“, sagt Josef. „Und wer will schon in Ljubljana alle zwei Minuten zugeben, dass er kein Wort versteht“, lacht die Professorin. „Ein bisschen Gehirntraining ist es auch“, sagte eine Frau am Ende des Tisches. Und die Gruppe ist sich einig, dass es durch die Verschiedenartigkeit der teilnehmenden Menschen eine schöne Runde ist, in der sich jeder wohlfühlt.

„Mein Talent ist es, Menschen beim Lernen zu motivieren. Ich habe viele Übungen zu den entstandenen Texten angefertigt. Dieses Mal sind es die Steigerungen von Eigenschaftswörtern“, sagt Vospernik schmunzelnd. Ganz ohne Lernen geht es trotz Märchenstunde nicht. Und gefragt, wie sie eigentlich auf die Idee mit dem Märchen kam, sagt sie: „Ich kannte das aus meinem Studium. Und dann hat es sich hier mit diesen Figuren einfach weiterentwickelt. Außerdem tut es uns Erwachsenen gut, beim Theaterspiel unserem inneren Kind zuzuhören.“

Das Spiel mit den Handpuppen

Hast du als Kind mit Puppen gespielt?
Und wann hattest du als Erwachsener eine Handpuppe zum freien Spiel in der Hand?

Hinterlasse mir in den Kommentaren, woran dich der treuherzige Wolf und das pubertierende Rotkäppchen erinnern.


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