Künstler:innen der Welt, kommen wir herunter aus unseren Elfenbeintürmen!
Als 57jährige Frau, die erst vor ganz kurzer Zeit akzeptiert hat, dass sie als Künstlerin einen ganz normalen Brotberuf wie jede andere hat, zerlegt es mir jetzt im November endgültig alte Glaubenskonzepte über die Kunst. Und über den Erfolg. Den wirtschaftlichen. Es geht in mir rund, seit mein höchst persönlicher Sündenbock, das verflixte gesellschaftliche System, täglich als Skulptur vor meiner Nase hängt. Er erinnert mich, das ich bei der Herstellung erkannt habe, dass ich kein Opfer der vergangenen Umstände bin. Diese Erinnerung brauche ich, um die notwendige Veränderung in mein Leben zu lassen. Warum die Veränderung jetzt so leicht passiert, weiß ich nicht. Es ist offenbar so weit. Ich gehe, Schritt für Schritt, in mein neues Weltbild. Selbstverständlich mit meinen sehr persönlichen künstlerischen Techniken. Und selbstverständlich mit der Unterstützung meiner Netzwerke.
Niko Ingerle von der Ikonenschmiede finde ich, als ich mir zum Nähen an einer größeren Figurengruppe einen inhaltsreichen Podcast für erfolgreiche Künstler suche. Was für ein Volltreffer! Als er den Begriff des Kunstunternehmers verwendet, spitze ich die Ohren. Da war ich schon einmal. Genau bei diesem Wort. Die nächsten Tage arbeite ich an meinen Werken und höre mir auf seinem Kanal einen Podcast nach dem anderen an. Schreibe mir eine ganze Menge auf, um nichts zu vergessen. Meine alten Vorstellungen von Kunst, die Niko so richtig schön zerlegt, verblassen im auf sie gerichteten Licht meiner Aufmerksamkeit. Mein unscharfes Selbstbild der Künstlerin, die einfach tut und hofft, dass sie irgendwann irgendwer entdeckt und ins Himmelreich der Galerien entführt, gerät ordentlich ins Wanken. Meine Selbstorganisation als Unternehmerin? Gibt es die überhaupt? Und Himmel, wo war dieser junge Mann eigentlich, als ich vor fünf Jahren nach genau so einem Coach gesucht habe?

L’art pour l’art, mein Ausprobieren des Materials in alle Richtungen, hat mir die letzten Jahre riesige Freude gemacht. Keinen einzigen Tag möchte ich missen. Von der Babypuppe über die Handpuppen zu den Ratten, das war eine aufregende und sinnvolle Reise quer durch alle Materialien dieser Welt. Davon werde ich jetzt profitieren. Doch eigentlich wollte ich immer schon Serien zu e i n e m Thema machen. So richtig dran bleiben. An den Höhen und den Tiefen des Themas. Dieses Geschenk mache ich mir nun das ganze nächste Jahr. Komme, was da wolle. Den Rest des heurigen Jahres nutze ich zur Fertigstellung von drei Projekten. Zur Recherche. Zu Gesprächen mit dir. Und zur Verschriftlichung mehrerer Serien.
Mein Arbeitsthema wird 2024 Frau in der Gesellschaft sein. Als ich zum Sachverhalt „Schädliche Selbstbilder von Frauen“ die digitale künstliche Intelligenz um Unterstützung bei der Recherche bitte, bekomme ich die gewünschten zwanzig Ergebnisse. Sie zählt mir zwanzig negative Selbstbilder rund um – unsere Schönheit auf. S c h ö n h e i t ? What?! Haben wir sonst keine Sorgen? Wer füttert die Künstliche Intelligenz mit Daten? Männer und Frauen? Ich lese in einem vorgeschlagenen Artikel, dass wir Menschen den Schönen unter uns mehr Fähigkeiten zutrauen als jenen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Stehe ich also vorm Spiegel, dann… ? Du ahnst, was mir dämmert.
Als technische Anfängerin versuche ich, weitere Ergebnisse aus der Artificial Intelligence herauszukitzeln. Er/Sie/Es sammelt eine Weile Daten. Dann purzeln Selbstbilder zu folgenden Themen auf den Bildschirm:
- Erfolg
- Karriere
- Familie
- Heirat
- Kinder
- Religion
- Nationalität
- Bildung
Neun Vorschläge also, zu denen ich arbeiten kann. Nun sitze ich hier und mache mir Gedanken, wie ich als Künstlerin konsequent dazu beitragen kann, unsere wissende und unverstellte Selbstwahrnehmung als Frauen dieser Gesellschaft freundlich, mutig, unterstützend und hilfreich mitzutragen. Gerne auch gewohnt liebevoll und leichtfüßig. Meine Sicht ist meine Sicht. Die wird einfließen.
Doch wie siehst du die Welt?
Wie sieht es aus, hast du Lust, mich auf dieser Reise zu begleiten?
Ich sammle Themen aus der Frauenwelt, die blockieren und einschränken. Von echten Frauen, mit und ohne künstlicher Intelligenz. Falls du einen Online Tipp für mich hast, gerne her damit. Gibt es Themen, die dir schon lange unter den Nägeln brennen? Denen du erfolgreich ausweichst? Auf die du gerne verzichten kannst? Ich reiße mich d’rum, lass mich wissen, was in dir Schreckstarre, Nichtfühlen und Hirnnebel auslöst. Schreibe mir gerne direkt hier in den Kommentaren oder melde dich auf LinkedIn. Dort findest du mich derzeit häufiger als auf meinen anderen Social Media Kanälen. Und deshalb kommt der einen oder dem anderen dieser Artikel vage bekannt vor. Ich habe meinen Newsletter auf LinkedIn komplett überarbeitet und fühle mich damit jetzt wahrer und klarer.
Zum Abschluss lasse ich dir ein Zitat des österreichischen Lyrikers Rainer Maria Rilke da, das mich schon ein paar Jahre durch meine Ausstellungen begleitet. Ich spüre jedes Wort und die Lebenserfahrung, wenn er schreibt:
„Unsere größten Ängste sind die Drachen,
Rainer Maria Rilke
die unsere tiefsten Schätze bewahren.“
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Oh liebe Lisa, da freue ich mich aber sehr auf unseren morgigen Termin! Schlagworte:
Patriarchat
Frauengesundheit
Frauenidentität
Frauen als Führungskraft (sind sie die besseren Männer?)
Frau als Mutter und Führungskraft?
Frau sein, was ist das überhaupt? Mutterfigur? Barbie? Whatever?
Bücher dazu
Die Wahrheit über Eva
Die kranke Frau
Die Reise zur Gleichstellung wird noch etwas dauern
GLG Ingeborg
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Danke liebe Ingeborg für deine Unterstützung! Freue mich sehr auf unser Fachfrauengespräch ❤️ glg Lisa
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Liebe Lisa,
du weißt, dass das Zentrum des wundersamen Landes Ramasurien mein Elfenbeinturm ist, wie meine Wohnung in vielen meiner Schriften und Podcasts bezeichnet wird. Es ist kein Ort der Isolation, sondern die Geburtsstätte für Qualitäten eines neuen Zeitalters, für kreative Prozesse und konstruktive Impulse für Jung und Alt. Es bedarf der Stärkung des weiblichen Prinzips in alles Lebensbereichen.
Es kann nur auseinanderbrechen, was brüchig ist.
Für die Zukunft benötigen wir Systeme, die flexibel und belastbar sind.
Frauen und Männer, die sich um „ganzheitlich Neues“ bemühen, zählen zu den wahrhaften Pionieren der Zukunft.
Die Menschheit gleicht einem Vogel
mit zwei Flügel,
der eine ist das weibliche
der andere das männliche Geschlecht.
Wenn beide Flügel nicht gleich stark sind,
ist es diesem Vogel unmöglich zu fliegen.
Er wird im Sumpf selbstgeschaffener
Problem versinken.
(Zitat aus „Also spricht Seraphina – Gespräche im Rosengarten“ von R.Ph.S.)
Liebe Grüße
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Danke liebe Philomena für deine Perspektive! Ich finde deinen Kommentar erst jetzt, dein Postfach lernt wohl noch.
Ich mag es sehr, dass du mit den Büchern und Podcasts Brücken zu den Menschen spannst, damit sie dich hören und verstehen und so viel Kostbares und Wertvolles für ihr Leben mitnehmen können. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn deine Kunst unsichtbar bei dir im Elfenbeinturm bliebe. Wenn ich deine Bücher nie gelesen hätte! Was für ein Verlust das wäre, nicht nur für mich! Herzliche Grüße an dich und Seraphina und an deine wunderbare Enkelin! Lisa
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Liebe Lisa, freute mich sehr über deine Antwort. Du weißt ja, dass es seit meinem Schlaganfall vor zwei Jahren für mich schwierig ist, meinen Elfenbeinturm ohne Begleitung zu verlasse. Als Frau des gesprochenen und geschriebenen Wortes bin ich jedoch nach wie vor in der Lage, schriftlich und mündlich Entwicklungs-Botschaften an die Menschen der Zeitenwende zu übermitteln. Und ich bin dankbar, dieser Aufgabe nach wie vor nachkommen zu können. Ich wünsche dir bei deinen Unternehmungen weiterhin gutes Gelingen. Liebevolle Umarmung Philomena
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Ich werde mir jetzt noch mehr Zeit für dich und eure Podcasts nehmen. Danke für die Erinnerung ❤️ Lass uns mal wieder telefonieren! Umarmung, Lisa
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