Hinter den Kulissen

Jetzt ist die Zeit, da sich hinter der Probenwelt mindestens so viel tut wie auf den Bühnen in und vor dem upgecycelten Kastentheater. Kommt mal ein bisschen mit hinter diese Glitzerwelt.

Letzten Freitag gehe ich mit drei Mädchen ins hiesige Bürgermeistervorzimmer, um unsere Veranstaltung anzumelden. Gemeinsam mit den freundlichen Damen checken wir ab, ob wir bei unserer mobilen Veranstaltung jemandem im Weg sein könnten. Wir verändern einen problematischen Standplatz gegen einen besseren. Überprüfen, ob wir Strom bekommen können. Als der Bürgermeister überraschend auftaucht und den Kindern die Hand schüttelt, freuen die sich volle. Und noch mehr, als er ihnen Gutscheine in die Hand drückt. Ja, die Veranstaltung wird beworben. Ja, natürlich dürfen wir bei Regen im Rathaushof spielen. Und schon ist der Chef wieder weg. Die Kinder staunen. Und ich bin so konzentriert, keine Frage zu vergessen, dass es kein Foto gibt.

Eva, die Lehrerin, führt perfekte Listen, damit wir nichts übersehen. Die Listen werden nachjustiert, ergänzt und korrigiert. Ich bin inzwischen froh, dass wir diese Listen haben. Mein Hirn ist nicht mehr das Jüngste. Und das Projekt wird immer größer. Und dann noch ein bisschen größer. Eva ist es auch, die das Radiointerview nächste Woche einfädelt. Sie hat sehr viel Verantwortung für die Probearbeit rund um die Szenen und für das Üben der Musikstücke übernommen. Ohne so eine geniale Pädgagogin wäre ein Projekt in dieser Dimension gar nicht umsetzbar. Wir sind einhellig der Meinung, dass wir noch ein Jahr weiter machen könnten, weil so viele Entwicklungsschritte stattfinden. Nicht nur bei den Kindern! Viktoria ist ständig und bei allen Proben da, ausgleichend, beruhigend, beobachtend und mit anpackend, wenn Hilfe benötigt wird. Sie wirkt wie ein Fels in der Brandung, auch die Kinder lieben sie heiß und vertrauen sich ihr an. Unsere wissenschaftliche Begleiterin, Hemma, ist da, so oft es ihre intensive Ausbildung zulässt. Auch sie hat stark die Rolle des Beobachtens, des Helfens, wenn frau gebraucht wird. Wir sind sehr gespannt auf ihren Bericht. Ich bin permanent anwesend. Mache Fotos, versuche mir Situationen zu merken, über die ich später bloggen könnte. Höre den Kindern zu, schaue mir ihre Performances an und biete meine Hilfe an. Höre mir so bezaubernde Geschichten an, sehe die Entwicklungsschritte, höre die selbstbewussteren Stimmen, spüre die Freude und manchmal auch die Frustration der Kinder. In dieser heißen Phase muss ich mir jede Nadel, jeden Stift, jedes kleine Detail aufschreiben, das noch gebraucht wird. Ich staune, wie sehr wir als Gruppe zu einem Team mit Helfern zusammen gewachsen sind. Dreamteam. Aber klassisch.

Die zweite Hälfte der Buttons mit den bezaubernd gezeichneten Kinderraben wird heute von mir gepresst. Ihr Verkauf soll uns dabei unterstützen, mit den Kindern ein massives Danke-Sommer-Fest zu feiern. Ich hab schon ein schlechtes Gewissen – mein Mann verbringt auch viele Stunden vorm Computer. Spinnende Druckerdrüsen, abweichende Größenangaben zwischen Hardware und Software und andere technischen Problemchen fordern ihn volle. Nebenbei entsteht das so einladende Plakat und kleine Flyer, die wir in den Geschäften rund um den Hauptplatz austragen und verteilen werden. Für diese Papiere brauchen wir Logos, Kostenvoranschläge und einen kühlen Kopf. Und immer wieder fällt uns ein Fehler auf. Diskutieren wir auf Whatsapp, wie das Ergebnis aussehen soll. Und ob die Kinder eh einverstanden sein werden. Hier wird spätestens klar – wir setzen um, was sie sich wünschen. Aber nun müssen auch die Erwachsenen voll ran. Die natürliche Arbeit der Kinder direkt in der Stadt ist messbar und unschätzbar wertvoll. Ihre und unsere Anwesenheit rund um die Pop-Up-Werkstatt bringen fremde Erwachsene dazu, mit uns allen zu reden. Und miteinander zu reden. Wir haben nun auch Herrchen und Frauchen des Hundes mit Plastikhuhn persönlich kennen gelernt, die uns schon aufgefallen sind. Kinder aller Altersstufen kleben tagsüber an den Auslagenschreiben und bestaunen die Filzraben. Auch wenn wir vis à vis beim Italiener sitzen und die Türen geschlossen sind. Dieses Projekt belebt die Stadt, das war unser heimlicher Wunsch. Wie sehr ich mir wünsche, dass so etwas in Zukunft öfter geschieht!

Die Subventionsabrechnung wartet auf ihren Abschluss. Das Versenden des Abschlussberichtes nach Wien, das Aussenden der Einladungen an Medien und ihre VertreterInnen stehen an. Alles kein Pipifax, sondern sehr nötig. Die Bühne ist so gut wie fertig, immer wieder müssen Kleinigkeiten nachjustiert oder schon repariert werden. Sie ist ein Traum geworden, mit gemaltem Vordergrund, stilechten roten und ausklappbaren Vorhängen mit goldgelben Borten, die mal wieder wie gerufen vor einer Woche von Maria Slama kamen, mit den fünf farbenfrohen von den Kinder entworfenen und gemalten Hintergründen, dem ausgeklügelten Brett im Showroom, um alles gut auf der Bühne unterzubringen, was nicht mit der Hand bespielt wird. Um diese Bühne darf man die hiesige Volksschule als zukünftige Benutzerin beneiden. Alles nur machbar, weil eine Lehrerin uns den wunderschönen Kasten zur Verfügung gestellt und mein Mann wieder einige Stunden in der Holzwerkstatt verbracht hat. Gott sei Dank hatte er einige Male Hilfe aus unserem tollen Team.

Apropos erste Reparaturen. Vorgestern stehen wir am Abend vor verschlossenen Geschäftstüren. Der Hauptschlüssel war sauber in zwei Teile zerbrochen. Nach meiner Explosion und anschließenden Implosion hilft uns am nächsten Tag der hiesige Schlüsseldienst von Gabi Köppl weiter. Der Hauseigentümer ist unerreichbar, die Kinder müssen in der gewohnten Umgebung weiter proben. Das Gute ist, dass dieser Stress für unfreiwillige Belebung in der Fußgängerzone sorgt. Sich ein weiterer Gast für die Aufführungen ankündigt, die Nachbarn voll Mitgefühl fragen, was denn passiert sei und wir intensiver miteinander in Verbindung treten. Es ist halt nicht immer alles schön, was das Leben daher bringt. Aber wir wünschen. Und es wird gespielt. Die Prüfung in Gelassenheit versemmle ich zu Beginn vollkommen. Stichwort Explosion. Stichwort Implosion. Mein Verantwortungsgefühl für das Projekt und das geliehene Objekt, das mir anvertraut ist, ist größer. Ich beruhige mich erst langsam wieder und bemerke, wie schwer ich mir selbst Fehler zugestehe.

Das war ein unvollständiger Rundgang hinter den Theaterbühnenvorhängen. Falls ihr uns in der Stadt besuchen kommen wollt, hier sind unsere Probentermine. Wir freuen uns, kommt einfach herein und hört zu. Ihr könnt gerne auch vorher anrufen oder uns über social media kontaktieren, weil sich die Dinge manchmal rasant ändern. Morgen proben die Kinder schon ab der ersten Stunde. Es wird spannend.

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