Don’t forget to dance!

Ich lese etwas über das Muttersein, über die Herausforderungen, über das Schöne, über das Schmerzliche. Erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit mit drei Kindern, so voll mit Eindrücken, Gefühlen zwischen überfließender Liebe und Angst vor der Zukunft der mir anvertrauten Wesen. Wie schnell diese Zeit vergangen ist. Viel zu schnell, wenn ich zurück schaue. Seit eineinhalb Jahren bin ich selbst Großmutter. Erlebe noch einmal und dieses Mal viel entspannter mit, wie sich ein Neugeborenes hier auf diesem Planeten einfindet und der Welt zuwendet, die es umgibt. Ich denke an meine Großmutter mütterlicherseits, eine jener Trümmerfrauen, die an den inneren und äußeren Auswirkungen des dritten Weltkrieges zerbricht und so früh stirbt, dass sie nicht einmal die Hochzeit und erwachsene Entwicklung ihrer Tochter und Enkelkinder erlebt. Ganz im Gegensatz zu meiner anderen Großmutter, die ihre höchst eindeutige Rolle als Frau eines überzeugten Nationalsozialisten bis ans Ende ihres Lebens verklärt und stolz verteidigt. Ich habe auch diese Frau als Kind geliebt. Und mich später enttäuscht abgewandt. Heute erlebe ich indirekt mit, was sie gesellschaftlich erlebt hat. Als Jugendliche war sie mir einfach ein Rätsel und ich habe mich zutiefst für sie geschämt.

Ich fühle mich in dieser Lebensphase Mutter Erde, all ihren Bewohnern und der allgemeinen Vergänglichkeit, dem Werden und Sterben, mehr verbunden denn je. Endlich scheinen mehr Menschen aufzuwachen und mitzubekommen, dass dieser Planet und seine Bewohner unsere Lebensgrundlage in einem überhaupt nicht greifbaren größeren und Ganzen ist, für das auch wir Menschen Verantwortung tragen.

Es war ein Muttertag, an dem ich meiner Mutter die erste Puppe schenken wollte. Die Wassermanngeborene in mir, ein Ausbund an Leichtigkeit und Fantasie, hatte die Elli-Riehl-Puppen in Maria Saal gesehen und scheiterte kläglich an der Reproduktion einer solchen Stoffpuppe. Muttertag ist für mich auch mit dem Geschichtsunterricht, den nationalsozialistischen Idealen rund um Mutterkreuz und Muttertag, verbunden. Kein Grund für mich, ihn aus diesen Motiven zu feiern. Und trotzdem ein Tag, an dem ich mich mit meiner Mutter, meinen weiblichen Ahninnen, meinen Kindern und der Enkelin stark verbunden fühle.

Und nun stelle ich fest, zwei Wochen vor dem österreichischen Muttertag am 12. Mai, wird eine mütterliche textile Skulptur fertig. Ich habe an viel gedacht beim Tun, beim Entwickeln. Ganz sicher nicht an diesen Muttertag. Es ist die reine Freude am künstlerischen Arbeiten mit Nadel und Faden, Stoff, Sand und Füllmaterial die tanzende, gewichtige Urfrau darzustellen, die sich vom Gewicht ihrer Aufgaben nicht herunter ziehen lässt. Gewidmet allen Müttern auf dieser Erde, vor allem meiner eigenen, die sich für mich entschied und mir das Leben schenkte, als so viele dagegen waren. Gewidmet allen Müttern mit Kindern genauso wie jenen, die Mütter von umgesetzten Ideen und Projekten sind. Gewidmet auch jener Mutter, die jedes Jahr dafür sorgt, dass es Frühling wird. Und Sommer und Herbst und Winter.

Ich habe es schon einmal angekündigt, und ich werde es in den nächsten Wochen verstärkt tun – das heurige Muttertagswochenende verbringen wir unter anderem mit meinem Workshop „Rag-a-Doll“ im Archeologiepark Livelet im Bezirk Treviso in Italien. Das ist ein entzückendes Dorf an einem wunderschönen See in einem Gebiet in Italien, das ich bisher nicht kannte. Die Pfahlbauten haben es mir total angetan. Aufgefallen sind uns in der Karwoche die vielen Wandmalereien an den Häusern rund um den See, die unterschiedlicher nicht sein können – es sind auffallend viele. Vielleicht wissen wir nach dem Muttertag, was es mit diesen Bemalungen auf sich hat. Gemeinsam mit anderen KünstlerInnen und HandwerkerInnen werden wir den Park am Sonntag beleben. Von uns aus ist das eine Reise von knapp dreieinhalb Stunden. Und wenn ich es richtig verstanden habe, dann spezialisiert sich dieses Dorf aktuell auf Künstler und ihre Bedürfnisse, was die Unterkünfte betrifft. Wollte es nur gesagt haben. Ich weiß um unsere reiselustigen FreundInnen im Netzwerk!

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