Vergangene Woche führen Treffen mit ganz unterschiedlichen Frauen dazu, dass ich meine Haltung zu Märchen verändere. Märchen und ich. Das ist eine spezielle Geschichte. Zwischen Liebe und Ablehnung ist bei mir ein ganz schmaler Grat. Und langsam weiß ich auch, warum. Lass dich überraschen, was beim Wochenrückblick der Kalenderwoche 15 auftaucht.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Verbundenheit war vergangene Woche besonders für mich?
- Welche neue Freiheit habe ich mir gegönnt?
- Was ist mir vergangene Woche aufgefallen?
- Was habe ich gemacht, weil ich es kann, aber nicht muss?
- Was funktionierte überhaupt nicht?
- Was verlerne ich gerade, um etwas dazu zu lernen?
- Was gibt mir derzeit viel Energie?
- Was hat mich wirklich überrascht?
- Was ist oder war dein Lieblingsmärchen?
Welche Verbundenheit war vergangene Woche besonders für mich?

Es sind in der Hauptsache Frauen, die mich berühren und begeistern. Wie eine Wolke schwebt das Thema „Märchen“ die ganze Woche mit mir mit. Eine besonders liebe Freundin legt mir drei Bücher der Philosophin und Kultur- und Gesellschaftsforscherin Heide Göttner-Abendroth hin, die sich mit der matrilinearen Sicht auf das Leben als Mensch auseinandersetzen. Eines kenne ich schon. Die anderen beiden ziehen mich sofort in ihren Bann.
Am Abend treffe ich mich mit den „Business & Professionel Women“ in meiner Region. Eine Künstlerkollegin, Tünde Toll, hält einen Impulsvortrag zum Thema „Märchenanalyse“. Womit ich überhaupt nicht rechne, sind die anregenden Gespräche, die nach dem von ihr erzählten Märchen entstehen. Ich kann mir plötzlich so gut vorstellen, dass diese „Geschichten“ für Erwachsene früher ähnliche Impulse in der Gemeinschaft setzten. Dass Menschen sich mit einem Aspekt der Geschichte indentifizieren. Ihre Wahrheit dazu mit den anderen teilen, neue Wahrheiten sichtbar werden lassen. Und tiefergehende Gespräche führen. Wir nutzen heute Social Media oder Nachrichten, Filme und Bücher, um in Verbindung zu gehen und darüber zu sprechen. Früher war es eben „mære„, also „das, worüber gesprochen wird“. Das Märchen wird im Laufe der sprachlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zur „Kleinen Geschichte“ mit ihren Unglaubwürdigkeiten.
Mir fällt wieder ein, wie sehr ich das Märchen der Frau Holle geliebt habe. Oder wie mich die Geschichte um die Prinzessin im „Froschkönig“ beschäftigt hat, die einen nassen Frosch in ihr Himmelbett lassen musste, um ein Versprechen zu halten. Jetzt, aus matrilinearer Sicht, macht auch die Frau Holle plötzlich Sinn. Streife ich die patriarchale Schicht der Gebrüder Grimm ab, wird Frau Holle zur Großen Göttin, die kraftvoll und weise über die drei Reiche Himmel, Erde und Unterwelt wacht. Und zögernd beginne ich mich zu fragen, ob es stimmen kann, dass in diesen Geschichten Codes verborgen sind, die zutiefst menschlich sind.
Welche neue Freiheit habe ich mir gegönnt?

In diesem April bauen wir eine Terrasse zwischen den Tiny Houses. Das hat viel gute Gründe. Einer davon ist der, dass ich mit Menschen an unserem schönen, wilden Platz kreativ arbeiten möchte. Bis jetzt sitzen wir auf einem sehr unregelmäßigen Boden und sind Wind und Wetter und Sonne ausgeliefert. Die schöne Lärchenveranda, die wir natürlich selbst bauen, ist in unseren Köpfen schon fix und fertig. Heute haben wir das Holz geholt. Nächste Woche, falls es wider Erwarten nicht regnet, bereiten wir den Boden dafür vor.
In meinem Kopf spuken aber auch andere Ideen. Ich habe mir vor vier Jahren eine Trocken-Trenn-Toilette für mich gewünscht. Und auch bekommen. Bis jetzt war nicht die Zeit, sie zu installieren. Das öffentliche Camping-Platz-Badehaus hat auch gereicht. Als ich darüber nachdenke, wo dieser Luxus heuer hinkommt, fällt mir das Tomatenhaus ein, das wir vergangenes Jahr angeschafft haben. Was, wenn wir direkt an das Tomatenhaus das Baugerüst anschließen, idealerweise gleich an den Zirkuswagen gelehnt? Und was, wenn ich die Trocken-Trenn-Toilette direkt dort hinein installiere?
Gesagt, getan. Ich packe das Luxusding ins Auto und gebe ihm einen Palettenplatz im alten Tomatenhaus. Es passt perfekt hinein! Diesen Sommer werde ich gemütlich auf meinem Luxus-Thron sitzen und dabei den Tomaten beim Wachsen zusehen. Sobald ich sie im Herbst im Zirkuswagen installiere, bekommt sie auch ihren Ablüfter eingebaut.
Was ist mir vergangene Woche aufgefallen?

Wenn ich davon spreche, dass mein Jahresthema heuer „Dem eigenen Weg vertrauen“ ist, dann habe ich dazu bestimmte Bilder im Kopf. Ich stelle in meiner Fantasie ausschließlich Figuren her, die zu mir und den Menschen passen. Ich habe meine helle Freude daran. Und lasse mich nicht davon abbringen. Und ehrlich gesagt – bis jetzt bestätigt sich diese Fantasie vollkommen. Ein Auftrag ist spannender als der andere und begeistert mich.
Eine Freundin spricht konsequent von „Intuition“, wenn ich mich darüber mit ihr austausche. Bei mir fällt erst diese Woche der Groschen (inzwischen wohl eher der Cent), dass sie vollkommen recht hat. Es geht um mein Bauchgefühl. Um dieses klare „Ja“ oder „Nein“, das keine Zweifel hat. Bei Kundinnenanfragen. Aber auch als vielfältiger Mensch, als Frau, die wie die meisten Menschen – nicht in eine Schublade oder ein Schema passt.
Was habe ich gemacht, weil ich es kann, aber nicht muss?

Hach, ich bin glücklich. Ich habe mit meiner Buchhaltung und der jährlichen Einkommensteuererklärung des Jahres 2025 begonnen. Abgeben MÜSSEN ist im Juni. Jetzt im April habe ich noch locker Zeit. Leichtes Stress-Krieseln im System. Ich bilde mir ein, ich MUSS gleich in der Früh, vor dem Frühstück und allem anderen, mit den täglichen und sehr ungeliebten 1,5 Stunden beginnen. Damit ich dann fröhlich in meinen Tag starten kann. Es braucht ein bisschen, bis mein innerer Manager sich beruhigt. Er akzeptiert schnaufend und stöhnend, dass der Tag 12 Stunden hat und ich mir meine Zeit frei einteilen kann. Vor allem in diesem April! Jedes Jahr der gleiche Zirkus. Ob ich das endlich mal beenden könnte? Dieser innere Manager würde gern andere Aufgaben übernehmen…
Und dann läuft es wie geschmiert. Ich erreiche locker Ende Juni mit meinen Einträgen. Noch zwei Tage, und ich bin fertig mit meinen Einträgen. Ein weiterer Tag kommt demnächst dazu, dann kommt sofort das erste Quartal 2026 dran. Er hat recht, der innere Manager. Ein bisschen lächerlich, was die Prokrastiniertante jedes Jahr aufführt. Monatlich erinnere ich mich easy peasy an die Buchungen am Bankkonto. Die Arbeit ist außerdem spürbar einfacher, als sich ein Konzept für ein kreatives Projekt auszudenken. Wenn dieser Widerstand nicht wäre! Logisches Sortieren. Belege ausdrucken und abheften. Eintragen. Eigentlich – eigentlich sehr erholsam verglichen mit anderen Herausforderungen als Unternehmerin!
Was funktionierte überhaupt nicht?

Das Auto ist einen halben Tag in der Werkstatt. Größere Reparatur. Höhere Kosten. Man(n) entschuldigt sich bei mir, „wir mussten auch die Bremsscheiben auswechseln“. Entschuldigung angenommen. Hauptsache, die Bremsen sind wieder einsatzfähig und sicher. Als ich den Haushügel hinunter fahre, freue ich mich wie eine Schneekönigin. Erledigt! Als ich die letzte Kurve zum Haus einbiege, ist das Geräusch wieder da. Irgendetwas hinten schleift, wenn ich öfter bremse. Die Bremsen vorne waren es offensichtlich nicht…
Ich bin beim schwedischen Möbelhaus und checke mir ganz alleine ein Element für eine Außenküche. Inklusive Waschbecken und allem drum und dran. Als ich das schwere Paket nicht aus dem Regal heben kann, hilft mir eine Verkäuferin. Und organisiert mir einen starken Mann, der mir das Ding ins Auto hievt. Ich bin sooo stolz auf mich!
Beim Zirkuswagen zerlege ich die schwere Schachtel und packe die Teile schon im Auto aus, um sie einzeln wegzutragen. Hier hilft mir ja keiner. Oh Schreck! Kein Waschbecken. Keine Armaturen? Seit Freitag warte ich nun auf eine digitale Antwort vom schwedischen Riesen. Zwei Mal hänge ich mehr als 20 Minuten in der Telefonschleife. Nichts. Hier geht leider nix weiter. Wir werden wohl nächste Woche noch einmal direkt vor Ort auftauchen müssen…
Was verlerne ich gerade, um etwas dazu zu lernen?

Ich verlerne das Social Media Scrollen am iPhone. Es ist eine Wohltat. Und weißt du, was mir auffällt? Ich bin wieder in der Lage, Newsletter zu genießen. Oder ein Video meiner Lieblingspuppenmacherin vor zehn Jahren in Ruhe zu schauen. Und was entdecke ich? Sie ist mittlerweile von Mexico über Canada nach Portugal gezogen. Und lebt jetzt als Künstlerin mit Mann und zwei Töchtern gar nicht so weit von meinem Sohn entfernt.
Außerdem freue mich jeden Samstag darauf, meinen Wochenrückblick zu komprimieren und mit dir zu teilen. Mir fehlen nur die Kommentare wie auf Social Media, der direkte Austausch.
Danke Lebenserfahrung, dass ich endlich Pause mache von Dingen und Handlungen, die mir zu viel Energie kosten. Ich ahne, dass Social Media nicht mehr auf mein iPhone zurückkehren wird. Einmal am Tag eine geplante halbe Stunde am PC, das wird mein neuer Einstieg im Mai.
Himmel, wie gut mir diese Pause und der Abstand tut!
Was gibt mir derzeit viel Energie?

- dem Rotkehlchen beim Singen zuhören
- viel draußen sein und den Pflanzen beim Wachsen zusehen
- mein System weiter herunter fahren, immer weiter
- viel zu Fuß unterwegs sein, sowohl in der Natur als auch in der Stadt
- bei einer tollen Vernissage gemeinsam mit anderen Menschen Schattenbilder studieren
- der Austausch und Gespräche mit echten Menschen im echten Leben
- das Nicht-mehr-Essen nach 16 Uhr – welcome Intervallfasten in meinem Leben!

Was hat mich wirklich überrascht?

Am Mittwoch höre ich ein Märchen von einem alten Mann, der „sieht“, dass die Freude dabei ist, die Großfamilie und das Haus zu verlassen. Ich habe viele Fragen, warum diese Geschichte diverse Wendungen hat. Und dann kommt mir plötzlich der Gedanke, dass es eigentlich schön ist, dass der „Alte“ in der Geschichte derjenige ist, der entdeckt, dass etwas fehlt. Dass er in der Lage ist, dem „Jungen“ zuzuhören, offen und aufmerksam für andere Wahrheiten als die eigene zu sein. Und dass Alter einfach ein Reifegrad ist, Dinge und Situationen und Fakten zu sehen, die andere nicht sehen.
Irgendetwas wird wirklich interessant an diesen Geschichten, weil Botschaften verborgen sind.
Ich habe meinen eigenen Kindern kaum „normale“ Hausmärchen vorgelesen, weil ich Märchen als Kind weder besonders mochte noch wirklich verstand. Meinen Kindern las ich anthroposophische und kindgerechte Geschichten über Zwerge, Wichtel und Feen vor, bevor sie Lust auf andere Bücher bekamen. Jetzt zu entdecken, dass in diesen Geschichten zwar keine Kinderweisheiten, dafür aber gesellschaftliche Codes stecken, lässt mich gerade tief in das uralte Märchen der Frau Holle eintauchen, wie es seit der Jungsteinzeit mündlich weitergegeben und im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde.
Was ist oder war dein Lieblingsmärchen?
Lass uns ein wenig plaudern, welche Märchen dich als Kind oder jetzt als Erwachsener beschäftigt haben oder immer noch beschäftigen – ich bin gespannt auf den märchenhaften Austausch mit dir!
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