Beim Blick in den Kalender vergangene Woche bin ich zuerst erleichtet.
Weiterlesen: Familienfotos und PappexperimenteDann ruft eine Freundin an, ob ich unseren Termin vergessen habe. Habe ich, aber wie! Und dann dreht sich das Rad wieder rasanter. Willkommen beim Wochenrückblick der Kalenderwoche 11 dieses jungen Jahres. Heute mit einer Buchempfehlung ohne Affiliate-Link. Selbst und freiwillig gekauft. Für unglaublich gut befunden. Und deshalb hier in den Rückblick aufgenommen.
Hier gehts zum Inhaltsverzeichnis:
- Gemeinsam gehts leichter
- Trotzdem Zuhause
- Klappmaulpuppen lernen singen
- Gesunde Intervalle und ich
- Diorama und Pappe
- 26 Jahre digitale Fotos
- Wie machst du das mit deinen Familienfotos?
Gemeinsam gehts leichter

In meinem Kopf schwirren so viele Ideen umher, dass ich froh bin, jeden Dienstag Abend in meiner Accountability Gruppe einzutauchen und mich mit anderen Künstlerinnen zu besprechen, was gerade wirklich ansteht. Dieser nächste wichtige Schritt, um an einer Sache dran zu bleiben. Die regelmäßige Gruppe ist gut gegen Prokrastinieren. Danke ihr wunderbaren Frauen!
Ebenso dankbar bin ich für die monatlichen Treffen der Spittaler BPW. Vergangene Woche war wieder eines. So viele kreative Inputs an einem Abend. So gute und bestärkende Gespräche. So oft das Gefühl, wir alle kennen die typischen Herausforderungen. Jede einzelne. Warum ich sechzig Jahre alt werden musste, um so eine Gruppe zu finden, das weiß der Himmel.
Trotzdem Zuhause

So heißt das neue Buch von Tupoka Ogette. Kennen- und schätzen gelernt habe ich die Autorin irgendwann um 2015, als wir Wege suchen, rassistischer Sprache besser zu begegnen. Zu lernen, dass systemischer Rassismus auch in mir angelegt ist, hat bei einem Workshop weh getan. Doch wie weh es tut, diesem rassistischem Widerstand in uns allen als Kind und Heranwachsende ausgeliefert zu sein, das spüre ich beim Lesen jedes Kapitels. Ich bin einfach nur dankbar, dass Tupoka nie aufgegeben hat und heute so erfolgreich als Brückenbauerin wirkt.
In mir sind beim Lesen dieser so persönlichen Geschichte eines Mädchens, das mit brauner Haut in der ehemaligen DDR aufwächst, Tränen gekommen. Und weitere Türen aufgegangen. Ich verstehe noch besser, warum Tupoka ihre Akademie betreibt und so viele Workshops gibt. Warum sie so klar ist. Wir sind, verdammt noch mal, Brüder und Schwestern hier auf diesem Planeten. Wir alle. Können wir endlich aufhören, unsere sozialisierten Grenzen im Kopf zu pflegen? Bestimmt schafft es dieses herzberührende Buch besser als ich.
Klappmaulpuppen lernen singen

Die gemeinsame Zeit mit den Kindern beginnt zu wirken, wie ich es mir jedes Mal bei so einem Projekt wünsche. Laute Klassenclowns erkennen, dass es nur gemeinsam geht und halten sich an ihre Struktur. Immer mehr stille Kinder erweitern ihre Rolle und verblüffen uns mit leichten Szenenänderungen und zunehmendem Sprechen während des Spiels. Ich habe vor den Semesterferien eine Ballade für den Golddrachen geschrieben. Der Sohn der Schuldirektorin – ich liefere den Namen nach, versprochen! – hat uns den Text vertont. Der Musikpädagoge Mathias hat Text und Musik an die Möglichkeiten des Schulchores angepasst. Und ich habe wirklich Gänsehaut, als die Kinder mir am Donnerstag zum ersten Mal vorsingen, was aus dem Text geworden ist.
Nun lernen auch die Klappmaulpuppen, dass sie Vokale mit offenem Mund und silbenkonform mitgestalten sollten, damit es echt aussieht. In zwei Wochen führen sie das Stück auf. Ich freue mich schon sehr!
Gesunde Intervalle und ich

Nicht nur, dass ich endlich wieder meinen Magen ab 16 Uhr ausruhen lasse. Außerdem verpasse ich mir eine andere Arbeitsstruktur. Ich bin zwei Tage in der Woche ausschließlich für mich und meine Kunstprojekte im Atelier. Auftragsarbeiten mache ich an zwei anderen Tagen. Einen Tag reserviere ich für all das, was Unternehmerinnen wie wir eben auch noch so machen müssen. Management. Marketing. Verkauf und Kunden. Pausen sind nicht (mehr) verhandelbar.
Diorama und Scheitern mit Pappe

Ich habe es mir echt so schön vorgestellt. Ein tiefer Rahmen für die dreidimensionalen Szenen. Bemal- oder beklebbar. Zwei bis drei Ebenen aus Pappe, auf einen u-förmigen Einschubkarton montiert. Ganz easy zu machen. Ganz elegant eingeschoben. Dann noch eine Lichterkette montiert – und fertig.
So ist die Realität.
Die geschnittene Pappe sieht an den Rändern unschön aus. Glücklicherweise verwende ich in meinem Fall von diesem Menschen getragene Textilien. Also einmal über die unschöne Kante geschlagen und die Kante ist verdeckt. Ich verwende Tapetenkleister, um die Textilien zu fixieren. Ganz weit hinten in der Erinnerung meldet sich eine Stimme. War da nicht schon mal was?
Die Pappe weicht – wieder, wie bei den Pinselfiguren im ersten Durchgang – vollkommen auf. Zieht sich beim Trocknen zusammen. Schnell pappe ich auf die Rückseite ebenfalls reichlich Tapetenkleister. Und beschwere das Ganze mit schweren Büchern. Die Bücher verhindern, dass am nächsten Tag der Kleister getrocknet ist. Also weg damit. Ein paar Stunden später ist alles trocken. Und dramatisch gebogen. Also Bücher wieder drauf!
Kleine Schweißausbrüche, wenn ich an den Workshop denke. Fehler, Denkfehler! Das muss ich anders machen. Der Liebste sagt: nimm Weißleim dazu! Dann hält das besser! Ich glaube eher, ich verwende das nächste Mal Sprühkleber. Oder ein anderes Basismaterial als Pappe. Nächste Woche gehts weiter mit der Forschungsarbeit in der Praxis.
Mein Diorama rund um einen Trauerfall in der Familie ist übrigens am Wochenende fertig geworden. Endlich. Irgendwas in meinem System hält nicht mehr die Luft an. Sondern atmet durch. Nächste Woche gestalten wir die Familienwand, von der wir schon so lange reden. Dieses Diorama macht den Anfang und wird ein sehr geliebter Teil davon sein.
26 Jahre digitale Fotos

Die Zahl müsste stimmen. 26 bis 30 Jahre. Als ich erleichtert auf die Digitalkamera umsteige, ahne ich noch nicht, wieviele Daten das irgendwann einmal sind. Ich mache nebenbei weiter mit dem digitalen und ganz privaten Frühlingsputz meiner Fotos. Ordner für Ordner. Manches ist doppelt, dreifach und vierfach auf der externen Festplatte gesichert. Sicher – ist sicher, nicht wahr?
Nun geht es darum, was kann weg? Was bleibt gespeichert? Derzeit gehen die Bilder zurück bis ins Jahr 2000. Ich weiß, dass ich noch gebrannte CDs in einer Schublade habe, die vor den Festplatten waren. Irgendwann gehen wir auch diese technische Herausforderung an.
Und weißt du, was richtig gut ist? Ich kann die Ordner mit meinen erwachsenen Kindern teilen. Wir greifen auf unsere gemeinsame Vergangenheit zu. Mit einer Mutter, die Fotografin war, ist das eine spezielle Herausforderung…
Und wie machst du das mit deinen Familienfotos?
Früher haben wir gesagt – im Winter, im Winter ist Zeit. Dann kleben wir all die Papierfotos ins Album. Ich habe bis heute kein Album.
Wie löst du das?
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