Der Frühling beginnt, zu beginnen

Imbolc. Oder Maria Lichtmess. Hast du es gespürt? Wir haben hier einen Rappel gekriegt. In wenigen Stunden ist Weihnachten in Kisten verpackt, liebevoll einsortiert und verräumt. 40 Tage nach Weihnachten. Und sechs Wochen bis zum heurigen Frühlingsbeginn. Er darf nun langsam kommen. Dass wir ihm entgegen gefahren sind, dazu verrate ich dir in einem der nächsten Absätze mehr.

  1. Werklehrerin ist ein Beruf?
  2. Ruhe für Körper, Geist und Seele
  3. Dem Frühling entgegen
  4. Freudvolle Momente in der Schule
  5. Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt
  6. Große Dankbarkeit

Werklehrerin ist ein Beruf?

„Ist das echt dein Beruf?“ fragt der Zehnjährige die Werklehrerin. „Ja, Werklehrerin, das ist mein Beruf. Was hast du denn gedacht?“, wundert sich die junge Frau, die erst seit diesem Schuljahr hier unterrichtet.

Ich schmunzle in mich hinein. Zur Abwechslung einmal werde nicht ich das gefragt. „Aber du bastelst ja nur mit uns!“, hilft ihm ein Kollege. So ist das.
So sehen das Kinder. Und so sehen das auch viele Erwachsene. Kreatives Handwerk, Kunst, das ist kein Beruf.

Als ich nach Hause fahre, ganz erfüllt von einem wunderschönen Vormittag mit Kindern, die ihre Klappmaulfiguren für ein Wirtschaftsmärchen gestalten, denke ich: Stimmt. Von Kunst zu leben, das kann in den Anfangsjahren ganz schön schwierig sein.

Einen „Job“ zu machen, um das Konto ausgeglichen zu halten, das kenne ich nur zu gut. Was für ein Geschenk, dass mein sehr spezielles Handwerk, das Puppenmachen, ein so breites Feld ist. Und kein Job mehr. Sondern eine kunstnahe Tätigkeit, die mein ganzes Sein glücklich macht und mein künstlerisches Können ergänzt. Die Wissensweitergabe dieses Handwerks garantiert mir, dass ich weiterhin Kunst machen kann, wie sie mir gefällt.

Werklehrer ist wirklich ein Beruf?

Ruhe für Körper, Geist und Seele

Ich habe lange gesucht, bis ich eine Gruppe finde, die Qi Gong praktiziert. Meine Übungen vorm PC, online, sind nicht wertlos. Aber beim Üben mit vier anderen Frauen und einer Anleiterin wird mir klar, warum der Oberkörper der junge Frau online immer ganz ruhig blieb, wenn sie ihre Hüften kreiste. Und bei mir nicht. Puh, anstrengend. Und so hilfreich, wenn jemand genauer hinschaut. Nach diesen ersten 90 Minuten schlafe ich in der Nacht darauf zehn Stunden am Stück durch. Ich glaube, ich habe meine Art der wöchentlichen Bewegung gefunden.

Selbstliebe und Selbstfürsorge mögen aktuelle Schlagworte sein, die keiner mehr hören kann. Meinem Perfektionismus als Mutter, als Frau, als Künstlerin und als Teil der Menschheitsfamilie schadet es nicht, immer wieder genauer hinzufühlen, was ich wirklich, wirklich brauche. Mit meinem heurigen Jahresthema „Meinem Weg vertrauen“ habe ich mir eine sehr wichtige Botschaft vorgenommen. Und ich bin dankbar für Freundinnen, die mich verstehen.

Dem Frühling entgegen

Wir frühstücken spät. Der ganze Oberkärntner Himmel ist wieder einmal grau in grau. Kurz entschlossen entscheiden wir, südwärts zu fahren. Auf der Fahrt nach Koper/Slowenien klart der Himmel kurz vorm Meer auf. Strahlender Sonnenschein. Wärme. Gänseblümchenmeer mit Blick aufs Meer. Wie wir spazieren große Menschengruppen am Meer entlang. Die Cafés sind voller Menschen. Alles spielt sich draußen ab.

Als wir heimkommen, entdecke ich am Hartriegel und am Schneeball, den wir im Herbst geschenkt bekommen, die ersten zarten Blättchen. Den ganzen Winter bin ich unsicher, ob die beiden Stauden es überlebt haben, dass sie wochenlang in der Garage lagen. Als ich sie halb vertrocknet dort entdecke, gebe ich ihnen diese eine Chance. Ich pflanze sie ein und stelle sie indoor an ein Nordfenster. Und jetzt – spüren sie, dass der Frühling nicht mehr weit ist.

Absolut keine Ahnung, was das für eine tolle blühende Pflanze an einem Zaun in Slowenien ist. Farben! Mir macht das Hoffnung auf den Frühling.

Freudvolle Momente in der Schule

Vergangene Woche spielen wir kein Theater. Sondern beginnen mit den Klappmaulfiguren. Meine Rechnung mit den abgepackten Materialsäcken geht voll auf. Die Kinder entwickeln kreative Eigenheiten bei der Gestaltung mit Material, das sich kaum vom Material des Nachbarn unterscheidet. Wir kleben die vorbereiteten Klappmaulkartons in die Grundschnitte. Die Kinder müssen viel schneiden und plagen sich mit den Scheren. Ich bestelle zwei Linkshänderscheren, damit wir in Zukunft besser gerüstet sind.

In der Pause kommt einer der ganz stillen Jungs mit ukrainischen Wurzeln zu mir und fragt mich, ob er mir etwas zeigen darf. Er hält mir eine Mappe hin. Als ich sie öffne, bestaune ich mit Bleistift gezeichnete Unterwassertiere. Einsiedlerkrebse mit und ohne Muschel. Tintenfische, Riesenkraken und alle möglichen Formen und Ansichten von Kraken. Sogar eine Qualle ist dabei. Wie offensichtlich talentiert und begabt manche Kinder schon mit neun Jahren sind!

Warten, dass die Spiele endlich beginnen!

Nachdenkliche Momente in der Theaterwerkstatt

Die ganze Woche beschäftigt mich die Frage, wie ich mit den Kindern aus dem offensichtlichen Bedürfnis herauskomme, Gewaltphantasien im Theaterspiel auszuagieren. Soll und muss ich Grenzen setzen, damit wir aus den Begräbnisfeierlichkeiten aussteigen und neue Szenen entwickeln?

Oder geht es darum, neue Handlungsmöglichkeiten anzubieten? Ich bin sehr niedergeschlagen, als ich in meinen klugen Büchern kaum Hinweise auf Mord- und Totschlag im Jeux Dramatiques finde. Also – frage ich meine technische Assistentin mit Bezahlzugang, Frau Chat GPT. Eine Stunde lang frage und feile ich an Vorschlägen. Sortiere aus, bringe eigene Ideen ein, stelle um und finde langsam wieder mögliche Wege. Und dann stelle ich zwei Tage lang Hilfskärtchen her. Hilfskärtchen für mich. Und für die Kinder.

Ob sie es annehmen, dass wir Fingerpistole und menschliche Gewalt durch andere Strategien ersetzen? Darüber berichte ich dann nächste Woche!

Izola, Slowenien, Ende Januar 2026 – wir sind viele, die es draußen schon gut aushalten.

Große Dankbarkeit

„Meinst du, wir könnten schon ein paar Figuren herzeigen? Wir bekommen hohen Besuch aus Klagenfurt“, fragt mich die Direktorin der Schule. Ich stimme zu, meine Musterfigur da zu lassen, damit sie etwas vorzuweisen hat. Dann erzähle ich meinem Mann davon, dass es eigentlich eine coole Sache wäre, die halbfertigen Figuren auf Stäben aufzubewahren, bis wir sie weiter bearbeiten. Die Tischtennisaugen reagieren empfindlich auf Druck.

„Ich schneide dir etwas zu“, bietet er mir an. Ich warne vor. 28 Unterteile. 28 Buchenholzstäbe. Und dann sind ja noch die Stäbe zu schneiden und mit Schraube zu präparieren, damit wir sie an einen Figurenarm montieren können. Das Ende vom Lied? Wir düsen zum Baumarkt. Und dann in die Werkstatt. Und dann werkeln wir gemeinsam. Nicht auszudenken, wenn ich das alles alleine machen müsste! Danke!

Am zweiten Tag in der Schule zeigt mir die Werklehrerin, dass sie schon einige Arme angenäht hat. Nähen, das klappt nur bei ganz wenigen Kindern. Einige lassen sich von mir einweihen und sticheln tapfer vor sich hin. Die meisten Kinder sind überfordert. Sie verspricht mir, so viel als möglich dieser Näharbeit einzuplanen, wenn sie zwischendurch Zeit hat.

Am Ende ist es dann nicht nur meine Figur, die mir entgegen lacht. Es sind einige, die schon Arme und Augen haben. Wir werden sehen, ob wir diese Woche neben dem Theaterspiel noch Zeit finden, alle Figuren auf den gleichen Stand der Fertigstellung zu bekommen.

Klebepunkt für Klebepunkt nähern wir uns dem Gesicht der Klappmaulfiguren.

Bist du gut im zweiten Monat des neuen Jahres angekommen? Und vergeht bei dir die Zeit heuer gefühlt auch so schnell?





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