Der nächste Jahresrückblick wird anders

Dieser Januar ist ungewohnt. Kein Ausruhen. Kein „Was kommt denn jetzt?“. Kein entspanntes ins Jahr hinein planen. Sondern sehr aktiv machen und tun, was noch im alten Jahr geplant wurde. Und dann eine grobe Erkenntnis: nach drei Wochen stelle ich fest, dass mein Jahresrückblog 2025 zwar gewohnt ausführlich und voller Überraschungen für mich selbst ist. Ich aber heuer nicht so rund damit bin wie in den vergangenen zwei Jahren. Fotos und Kalendereinträge helfen tatsächlich, auf das ganze Jahr zurückzuschauen und mich an Fakten zu erinnern. Doch die Fakten kratzen nur an der Oberfläche meiner Entwicklung. 2025 war ein starkes Jahr der Veränderung. Das sich auf heuer auswirken wird. Und es möglicherweise schon tut.

Deshalb meine Entscheidung: ich schreibe ab sofort Wochenrückblicksreflexionen, solange der Prozess noch frisch ist. Gegliedert nach Lebensthemen, die schon immer meinen kurvigen und bunten Weg ausmachten. Es wird das ganze Jahr, Woche für Woche, um Verbundenheit, Vielfalt, Struktur und Potenzialentfaltung gehen. Ob es bei den jetzigen vier Überschriften bleiben wird? Das erzähle ich dir dann am Jahresende.

Übersicht Kalenderwoche 3

  1. Verbundenheit und Alleinsein
  2. Vielfalt und Buntheit
  3. Struktur und Technik, (m)eine Hassliebe
  4. Potenzialentfaltung und Lernen

Verbundenheit und Alleinsein

Ganz langsam lerne ich in Lienz/Osttirol Menschen kennen. Eine Geburtstagseinladung. Fünf Frauen, ein Mann. Alle Menschen in meinem Lieblingsalter, nämlich Queenager. Nach zwei Jahren in dieser Region zwischen Kärnten und Osttirol ist es eine Wohltat, einen so entspannten und herzwarmen Abend zu erleben. Auf der nächtlichen Heimfahrt durch mystische Nebelschleier, die mich an die Saligen Frauen erinnern, die Idee: vielleicht wird es Zeit, eine Gruppe zu gründen, in der wir uns selbst Begleiterinnen erschaffen.

  • Begleiterinnen aus Wurzeln, Hölzern, Pappmaché und Textilien
  • Begleiterinnen, die uns daran erinnern, was wir im Leben schon alles erlebt, geschafft, gefeiert und durchgestanden haben.
  • Die uns daran erinnern, wie resilient wir nach diesen Jahrzehnten sind.
  • Mir fällt der Spruch von Barb Kobe ein. Sie sagt: „Wir sind nicht kaputt und müssen auch nicht repariert werden!“ In Your Face, allgegenwärtiger Selbstoptimierungswahn!

Schon am nächsten Abend ein Treffen der Spittaler BPW-Frauen. Business Professional Women. Ich bin unsicher, ob ich in diese Gruppe auch so gut hinein passe wie am Vorabend. Und wie so oft ist alles anders als befürchtet. Fußläufig, im coolsten Lokal der ganzen Kleinstadt, trifft sich eine sehr lebendige Gruppe von Frauen aller Altersstufen. Ein für mich vollkommen überraschender und herausragend recherchierter Vortrag über Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts und womit sie sich als Frauen, Musen und Handwerkerinnen herumschlugen. Dann eine Hoffnungsträgerin. Eine der Frauen erzählt von der Aktion des Langen Freitag der Frauen in Island im Jahr 1975 und von Islands Ex-Präsidentin Vigdis Finnbogadottir. Was für eine mutmachende Frau! Es gibt auch eine packende Doku dazu. „Ein Tag ohne Frauen“ – über diese Aktion, als über 90 Prozent der Frauen jede Form von Arbeit hinlegten und spürbar wurde, was es bedeutet, wenn Frauen privat und beruflich keine Arbeit mehr leisten.

Ein Lichtblick an diesem Abend ist auch die Moderatorin und Motivatorin Martina Klementin, die Mut macht und mehr Frauen auf den Bühnen des Lebens sehen will. Wir lachen leise und laut über all die angesprochenen Schwellenängste, die vor allem Frauen daran hindern, sich zu zeigen und ihr Können zu präsentieren. Ich nehme für mich vor allem mit, in Zukunft wertschätzende Rückmeldung an Frauen weiterzugeben, wenn sie sich auf eine Bühne getraut und vor Publikum gesprochen haben. Denn so einfach ist das nicht. Es will auch gelernt und geübt werden.

Donnerstag Abend. Es wäre ein perfekter Abend, um zu sagen: „Heute fahren wir nach Millstatt ins Kino“. Der Lieblingskinobetreiber hat aber mit Ende Dezember aus vielen Gründen resigniert und aufgehört. Es gibt mir immer noch jedes Mal einen Stich ins Herz, wenn die Realität mich an diesen traurigen Fakt erinnert. Ich weiß nicht, wie es uns in den letzten beiden Jahren nach unserem Umzug ergangen wäre, wären Max und das Kinocafé und die Energie dort nicht für uns dagewesen. Das war ein Ort für alle Menschen. Auch für die seltsamsten, verrücktesten und erstaunlichsten Menschen. Es fehlt. Und fehlt. Und fehlt. Ich hoffe immer noch, dass ein Wunder geschieht.

Am fünften Abend der Woche, am Freitag, besuchen wir unsere Freundin und Künstlerin Sabine I. Weinert, die nach Kärnten zurückgekehrt ist. Vernissage im St. Veiter Rathaus. Tolle Kunstwerke für einen guten Zweck. Abgesehen von der Wiedersehensfreude rieselt es warm meinen Rücken hinunter. So viele bekannte Gesichter! Hier habe ich zwanzig Jahre meines Lebens verbracht. Privat als Mama und Freundin. Und beruflich als Journalistin und Pressefotografin und beginnende Künstlerin. Es fühlt sich warm an, vertraut und sicher. Das Neue, die Veränderung, die ich so liebe, sie ist aufregend und inspirierend. Immer. Und doch ist es mir an diesem Abend noch nie so bewusst gewesen wie vergangenen Freitag, wie sehr ich mich in diesen zwanzig Jahren verwurzelt hatte. In der Region, und mit anderen Menschen. Und wie sehr mir diese Wurzeln gerade fehlen.

Wie gut es in diesen Wochen tut, sich warm anzuziehen und die saubere Luft in den Bergen zu genießen! Hier bin ich schneewandernd in der Innerkrems, hart an der Grenze zu unseren österreichischen Bundeslandnachbarn in Salzburg.

Bei aller Wehmut um Erinnerungen an vergangene Jahre tut es mir trotzdem gut, viel Zeit mit mir selbst zu verbringen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, dass ich seit Oktober jeden Morgen schreibe und schreibe und schreibe. Ich muss mich überhaupt nicht zwingen. Es will zuerst einfach weggeschrieben werden, was sich in meinem Kopf dreht. Und wenn ich dran bleibe, dann ordnen sich meine Überlegungen. Ich habe heute meinem Mann erzählt, dass ich eigentlich meine Office-Zeit idealerweise morgens zwischen knapp vor sieben Uhr und neun Uhr im Bett verbringen sollte. Nach meinen durchträumten Nächten bin ich morgens am klarsten und sehe den nächsten Schritt besser als später am Tag.

Vielfalt und Buntheit

Eine Volksschule in den Kärntner Bergen. Ein großes Schulprojekt bis Ostern. „Ich mag nicht mitspielen“, sagt der Neunjährige. Trotzig rutscht er auf dem harten Holzstuhl nach vorn und wird gefühlt immer breiter und flacher und kleiner. 28 Kinder. Wir lernen einander im Theaterspiel und mit Elementen der Theaterspielform „Jeux Dramatiques“ kennen. „Kein Problem. Ich bin die Erzählerin und brauche dringend einen Vorhang. Einmal Vorhang runter am Anfang, wenn die Glocke ertönt. Einmal Vorhang hoch am Ende, wenn sie wieder ertönt. Kannst du dir das vorstellen?“ frage ich ihn. Er nickt. Wenig begeistert. Nein, auf keinen Fall will er ein rotes Tuch holen. Ich hole ein braunes, das offenbar keiner wollte. Er nimmt es. Gelangweilt.

Ich lese aus meinem extra für diese Kinder angefertigten schönen Geschichtenbuch. Er harrt tapfer an meiner Seite aus, als die anderen siebenundzwanzig Kinder dreißig Minuten lang eine ganze Handvoll Prinzessinnen, einen Golddrachen oder Bäume und den Goldschatz spielen. Abschließende Runde. „Wie ist es euch mit eurer Rolle gegangen?“, frage ich von Kind zu Kind durch die fröhliche Runde. „Vorhang war fad. Geht auch Koch?“, fragt der Achtjährige. Tja, Problem gelöst. Und irgendwie sogar alle Spielregeln eingehalten.

Struktur und Technik, (m)eine Hassliebe

Diese fünf Überschriften, die du hier zum ersten Mal als Gliederung meiner Wochenrückblicke liest, sind währende eines Arbeitsmeetings mit mir, der Künstlerin, und mit mir, der Managerin und Social-Media-Betreuerin meines Kunst-Business, entstanden. Ich bin nicht nur als Künstlerin bunt und vielfältig. Das weiß ich. Und das ist für andere manchmal verwirrend und keiner versteht, was ich eigentlich mache.

Deshalb diese Entscheidung zu Jahresbeginn: ich helfe mit. Ich schreibe strukturierter. Tut auch mir gut. Ich habe mir neben meiner täglichen Reflexion ein zweites Journaling-Buch zugelegt, in dem es ebenfalls inhaltlich geordnet zugeht. Sogar mit Seitenzahlen und Inhaltsverzeichnis.

Machst du auch so etwas Ähnliches? Und was hilft dir, bei all der Struktur du zu bleiben?

Nach zwei intensiven Jahren des Studiums an der Ikonenschmiede ist es für mich Zeit, weiterzuziehen und das Gelernte auf meine Weise anzuwenden. Und für mich anzupassen. Diese zwei Jahre haben mir als Künstlerin und Unternehmerin sehr viel Klarheit gebracht. Ich habe eine Intention entwickelt, die es mir in Zukunft erlaubt, in Serien zu arbeiten und mich geordneter auszudrücken. Danke von Herzen für die gute Absicht und die vielen tollen Lektionen!

Technische und ständig neue Begriffe aus dem Online Business kosten mir, der fast Sechzigjährigen, immer wieder ein genervtes Lächeln. Himmel, wie oft mussten wir in den Siebziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts geborenen Menschen schon komplett umlernen! Ich bin wirklich dankbar, dass ich heutzutage beim IT-studierenden Sohn immer wieder aufschlagen und meine unprofessionellen Fragen stellen darf. Dann blicke ich eine Weile wieder besser durch. Ich bin nicht mehr 25, doch mein Verstand funktioniert noch zuverlässig.

Was ich sehr liebe, ist unsere kleine, feine Accountabilitygruppe. Früher nannten wir das „Empowerment-Team“. Barbara Sher, do you remember? Die Idee, dass Menschen sich regelmäßig treffen und Ziele setzen und sich dabei unterstützen, sie auch zu erreichen, sie lebt noch. Wir treffen uns online wöchentlich als Künstlerinnen. Vereinbaren Wochenziele und tauschen uns aus. Es gibt Feedback, wenn das jemand wünscht. Und Inspiration frei Haus. Selbst wenn ich meine Wochen-Aufgaben in den letzten Stunden vorm Meeting erledige – ich erledige sie! Diese Gruppe hilft mir und ist so richtig gut gegen prokrastinieren.

Womit ich ringe und kämpfe? Derzeit damit, bei all der praktischen Arbeit wieder in meinen Flow von vor den Weihnachtsfeiertagen zu kommen und die neue, übersichtliche Website mit Galerie zu füllen. Seit den Feiertagen ruhte alles und ich muss mich erst wieder hineinfuchsen. Und dann ist da noch ein tolles Aufnahmegerät, das nicht so tut, wie ich will. „Voice Over“ geht auch mit iPhone und tragbaren Mikros.

Schon ein bisschen verzaubert, unser Stadtpark im heurigen Winter – mit Schnee! Das hatten wir schon ganz lange nicht mehr.

Potenzialentfaltung und Lernen

Wenn es nach mir ginge, würde ich ständig Neues lernen (wollen). Ein sehr intensives Gespräch mit Korina Dielschneider nach unserem tollen Workshop in Reilingen bei Heidelberg schenkte mir eine neue Perspektive: was, wenn ich Gelerntes weitergebe und vertiefe, damit ich es mir ermögliche, Neues zu erlernen? Was, wenn aus meinem Schwarzweiß-Denken zu Alt und Neu – Verbundenes, Verträgliches entstünde? Dieser Frage spüre ich noch ein bisschen nach. Schon der Gedanke, das beides nebeneinander möglich ist, lässt unruhige innere Suche in mir zur Ruhe kommen. Wer weiß, was ich bei all der Suche nach Neuem an Offensichtlichem übersehen habe.

Nach dem Workshop „Neues Jahr, Neues Glück“ in Deutschland beschäftigen mich Archetypen mehr denn je. Wie passen die vertrauten Jung’schen Archetypen mit dem tollen Karten- und Emotions-Set des „Inneren Teams“ von Dirk Rossom zusammen? Und was hat das mit den Begleiterinnen und möglicherweise mit der Arbeit von Barb Kobe zu tun? Ich spüre schon, dass ich am richtigen Weg bin. Auch wenn ich noch sagen kann, wohin er geht.

Angeblich muss man dieser Katze irgendwas goldig wischen, um irgendetwas Außerordentliches zu bekommen. Korina und ich, wie haben ganz schnell gewischt und uns dann fotografiert, bevor die nächsten Schatzsucher an die Katze an der Brücke über den Neckar ran wollten.

Interessiert es dich, den Rückblick für Woche 1 und 2 dieses Neuen Jahres hier zu lesen? Dann würde ich das machen. Handschriftlich gäbe es da ein paar Dinge, die ich in meinen Büchern aufgeschrieben habe. Zum Beispiel den Bericht über einen tollen Workshop mit tollen Frauen und ihren Puppen-Begleiterinnen…

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!








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