Handwerk und nach vorne sehen

Vergangene Woche sitze ich etwa um diese Zeit hier vorm Bildschirm.

Und klicke nach längerem Innehalten auf das Kreuz rechts oben am Bildschirmrand, um WordPress wieder zu schließen. Unser Fünfzehnjähriger ist nach dem Wochenende Betroffener von plötzlich überkochendem Cybermobbing in seiner Klasse geworden. Mir ist am Montag nach einem Polizeieinsatz und vierständigem Verhör überhaupt nicht danach, fröhlich so zu tun, als sei meine und unsere Welt in Ordnung. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass fühlende Mitlesende spüren, wie es mir gerade wirklich geht.

Wir nutzen die ganze vergangene Woche dazu, den Schaden zu verstehen. Einzugrenzen. Lösungen zu suchen. Nicht zu verhärten und nicht davonzulaufen. Sondern der Tatsache ins grausliche Gesicht zu sehen. Und am Ende der Woche erleichtert aufzuatmen, weil es zu einer guten Lösung für unseren Jugendlichen kommt und er rehabilitiert ist. Wir haben die Nase wieder über Wasser. Das Verarbeiten wird noch eine Weile dauern. Die Lähmung ist allerdings vorbei.

Wie immer, wenn Tragisches geschieht, ist auch das Gute mit dabei.

Viva la Vulva

Ich stelle wieder einmal aus. Dieses Mal bei einem Gemeinschaftsprojekt in der Villacher Galerie TART. Die Einladung zum Thema „Viva la Vulva“ reizt mich, eine schon lange in meinem Kopf herumspukende Idee zu versticken. Mit rotem Glitzerfaden, schimmernden Glasperlen und rosa Seidenchiffon. Ich verlinke dir unterm Foto ein Video, das ich dazu angefertigt habe.

Es hat mir so viel Freude bereitet, zum Thema dieser Ausstellung ein sehr persönliches Stück Stickkunst beizutragen. Hier ist der Link zum Video.

27 (!) Künstlerinnen und Künstler sind dem Ruf gefolgt und haben ihre Werke abgegeben. Falls du in der Nähe bist und dir die höchst unterschiedlichen Zugänge zu alles rund um Weiblichkeit anschauen möchtest, sag mir Bescheid. Ich begleite dich gerne. Die Ausstellung ist Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 14 Uhr und Freitag von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Sie endet in einem knappen Monat am 2. April mit einer großen Finissage. Solltest du dich für eines meiner beiden Werke interessieren und es kaufen wollen, sag mir einfach Bescheid. Dann reserviere ich das Werk unkompliziert für dich.

Handwerk 4.0

Wer meine Kunstfiguren genauer betrachtet wird erkennen, dass sie fast immer mehr sind als ein wohlgeformter Kopf und ein beweglicher Körper. Ich liebe es, ihnen viele kleine Details mitzugeben, damit sie ihre Wirkung voll entfalten können. Oft schließe ich die Nähte von Hand, weil es mir gut tut, lieber langsame und vorsichtige Stiche zu setzen, als schnell mit einer Maschinennaht drüber zu rattern. Das Sticken mit bunten Stickfäden, edlen Glasperlen oder glitzernden Pailletten setzt aller Begeisterung für diese Wesen noch die handwerkliche Krone auf. Schon lange vorher ahne ich, was diese Persönlichkeiten brauchen, um eine gewünschte optische und künstlerische Wirkung zu erzielen.

Es gibt Menschen, die überzeugt davon sind, dass durch die Arbeit mit den Händen eine Sprache des Herzens sichtbar wird. Für den, der seine Hände einsetzt und mit ihnen tätig ist. Und für jene, die diese Arbeit später in den Händen halten. So eine Figur fühlt sich anders an als eine Plastikpuppe aus dem Spielzeuggeschäft. Ich höre oft Worte wie „beseelt“, „so lebendig“ oder „das könnte ich sein“, wenn sich Menschen diese Figuren genauer anschauen. Oder sie in die Hand nehmen.

Kunst zum Angreifen, ich finde das sehr passend für meine liebenswürdigen Wesen. Erschaffen von Händen, die sie im Prozess der Herstellung lieben. Und erspürt von liebenden Händen, die sie mitnehmen in ein neues, liebendes Zuhause.

Teamplay

Ab sofort nutze ich ein Werkzeug, um auf meine eigenen Bedürfnisse als Frau, als Künstlerin und als Teil dieser Gesellschaft einzugehen. Und damit besser zu verstehen, was meine Kundinnen- und Kundenbedürfnisse angeht.

Kennst du das Kartenset „Teamplay“ von Dirk Rossom, das mit dem Inneren Team von Menschen spielt, um die Anteile sichtbar zu machen? Ich bin so begeistert von den Möglichkeiten dieser klugen 21 Einschätzungen, dass ich dir hier die Website des Herstellers verlinke. Wer weiß, vielleicht hilft dir das Kartenset ja auch weiter, wenn du ein privates oder berufliches Plateau erreicht hast. Es ist kein Affiliatelink oder ähnliches, ich möchte einfach dass du weißt, dass es dieses Kartentool gibt. Und wir spielen eh viel, viel zu selten.

Zwei Forscherinnen, die dieses Set auf alle Fälle immer wieder nutzen werden. Hier ist der Link zur Website

Nach vorne sehen

Ich habe einer Freundin versprochen, über diesen Vorfall mit dem Cybermobbing öffentlich zu sprechen. Merke schon jetzt im direkten Umfeld, dass es viel mehr Betroffene gibt, als mir bis jetzt bewusst war. Nicht erst jetzt durch Online-Medien, die den Prozess pushen und in der Verbreitung beschleunigen. Sondern immer schon. Dass es eher die Sanften und Ruhigen trifft, das wird mir auch erst jetzt ganz klar. Ich war selbst in der Schule eine Außenseiterin, weil ich die Welt anders sah als die meisten Kolleginnen und Kollegen. Es heilt auch in mir etwas aus der Schulzeit, wenn wir durch diesen Prozess gehen.

Ich suche Wege, dies auf eine Art und Weise zu tun, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kommen. Ein Betroffener und seine Familie reichen derzeit vollkommen. Aber wir müssen reden. Wir alle. Es gibt so unfassbar viele Ängste und Traumata in unserer Gesellschaft. Ich ahne, ich werde eine Kunstfigur zu dieser Thematik herstellen. Noch viele Gespräche führen. Aktiv selbst und in mir nach Lösungen suchen, die einer Kreativen bestimmt einfallen. Wir werden wieder lernen müssen, Brücken zwischen Meinungen zu bauen. Und nicht Mauern.

Falls du gern mehr zur laufenden Ausstellung oder zu diesem Kartenset wissen willst, sag Bescheid. Die Kommentarfunktion von WordPress sollte wieder einwandfrei funktionieren!


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