Jahresplanung und innere Drachen

Mein Mann zeichnet Drachen. Die von der freundlichen Sorte.

Meine Drachin ist eher semifreundlich. Aber sie wacht über mich. Holla die Waldfee. Da strukturiert und plant frau das Jahr nach Themen. Genauer gesagt, will sie. Kommt im Jänner aber über das Monatsthema „Planung“ nicht hinaus, weil die Drachin sie…

…mit dem nächsten Virus ins Bett legt. Und das wars dann mit der Planung. Heißer Kopf und A3-Zettel mit viel Leerraum, das verträgt sich nicht. Ich schwöre, ich hatte die allerbesten Vorsätze für die Woche mit Schulbeginn. Endlich wieder Zeit. Gleich mit Buchhaltung loslegen. Das wollte ich. Wirklich und echt.

Dafür starte ich jetzt mit einer Woche Verspätung die Wochenreflexionen. Dazu hole ich mir Hilfe von der wunderbaren Maren Martschenko, der ich vergangenes Jahr bei LinkedIn begegne. Sorry, Maren. Aber heuer. Großes Ehrenversprechen. Deine #ReflectYourSelf Tipps sind wundervoll.

Und hier gehts zur Wochenübersicht:

  1. Was lerne oder verlerne ich gerade?
  2. Wo war ich blockiert?
  3. Wer hat mich diese Woche inspiriert?
  4. Welchen Loop habe ich geschlossen?
  5. Welche Veränderung begeistert mich gerade am meisten?
  6. Und was war jetzt mit den Drachen?
  7. 12 von 12

Was lerne oder verlerne ich gerade?

Loslassen. Es ist wieder dran. Mein Ältester ist eine Weile zu Hause. Bevor er nach Portugal abreist. „Workaway“ eines holzerfahrenen jungen Tischlers, der seine Prüfung geschafft hat. Um den sich jetzt viele reißen, weil er Handwerker ist und gerne mit anpackt. Wir tauschen Kameras. Er nimmt meine kleine GoPro mit. Ich teste seine Systemkamera. Und dann höre ich wieder von ihm, als er mit kurzer Hose in Faro am Strand liegt und die Sonne genießt. Dazu später mehr.

Ich lerne, wie wichtig Schlaf ist. Vor allem, wenn ich neues Fachliches verstehen möchte. So viel Kopfkino! Reels schneiden. Die neue Website auf Squarespace. Filmen generell. Einen neuen Mobiltarif suchen. Die Lektionen des Studiums an der Ikonenschmiede. So viel Logik. So viele Schritte. Wild träumen beim Schlafen. Der Verstand ordnet sich.

Erst am Morgen nach dem Lernen erspüre ich, dass ich mich nicht so hinein theatern muss. Abstand! ruft mein ganzes Nervensystem. Halte Abstand ein. Du bist die Herrin über deinen Verstand. Lernen soll auch Freude machen. Also akzeptiere dein Alter. Dass du langsamer wirst. Und mach die Schritte. Aber langsamer.

Verlernen? Oh ja. Ich verlerne, mich antreiben und unter Druck setzen zu lassen. Wer ist der größte Feind? Genau! Da ist was dran an dem Vorschlag, zu meditieren, wenn der Stress am größten ist. Ich mach das bei meinen Spaziergängen.

Wo war ich blockiert?

Erstaunlicherweise beim Singen mit lieben Freunden. Eine Sache, auf die ich mich total freue, wenn sie stattfindet. Dieses Mal ist es wohl dem gerade steigenden Fieber geschuldet, dass ich mir eine neue Melodie überhaupt nicht merken kann. Und mich insgesamt unser Repertoire nicht anspricht. Meine ganze musische Begabung geht innerhalb von Minuten den Bach ‚runter und wir reisen ganz rasch wieder ab.

Da haben zwei richtig viel zu besprechen gehabt. Zwei Tage vor Weihnachten. Ptuj, wir kommen sicher wieder!

Wer hat mich diese Woche inspiriert?

Einer dieser jungen veganen Köche auf Instagram. Dieser Monat ist ja Veganer Januar. Wir essen hier kaum mehr Fleisch aus dem Supermarkt. Und seit meine Tochter ihre Ernährung radikal umgestellt hat, kann auch ich mich für die wachsende Produktpalette begeistern. Als uns eine Tochter des Liebsten über die Feiertage besuchen kommt, bringt sie Schwung in die Küche. Der Kühlschrank geht plötzlich über mit frischem italienischen Gemüse vom Markt, Pilzen und Tofu und Ersatzkäsen. Und wir schlemmen wie die Könige. Ich lasse dir hier einen Link zu den köstlichsten Gerichten, die du dir vorstellen kannst.

Welchen Loop habe ich geschlossen?

Die Lust auf eine ruhige Silvesternacht. Laute Feiern und Silvestergekrache waren eigentlich nie mein Ding. Deshalb entscheiden wir heuer kurzfristig, den Jahreswechsel daheim zu verbringen. Der Hund meiner Mutter verkriecht sich schon Tage vorher unter der Sitzbank, wenn die verirrten Schießer losgehen. Wir begegnen beim Silvesterspaziergang einer Dame mit großem Hund, der ohne links und rechts zu schauen dahin trabt. Die vereinzelten Böller stören ihn scheinbar nicht. „CBD-Tropfen“, sagt sie. „Endlich hilft etwas!“

Ich möchte heuer kein Blei gießen. Kurz vor Ladenschluss finden wir im Bastelladen noch Gießmasse. Wie gut, dass wir unsere gehamsterten Toffiffee-Packungen aufgehoben haben. Die Idee dazu – auch auf Instagram gefunden. Wenn mir wieder einfällt, welcher Beitrag das war, verlinke ich im nachhinein.

Wie findest du unsere Fliegenpilze? Die Jungs haben sie ganz anders gestaltet als ich… Und hey, Silvester und kreativ sein, es hat Freude gemacht. Und wir erfreuen andere mit den Mitbringseln.

Fliegenpilze aus Toffifee-Verpackungen. Muss mensch mal drauf kommen. Wir waren live dabei!

Welche Veränderung begeistert mich gerade am meisten?

Tagesroutinen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mir so viel Freude bereiten. Du glaubst nicht, dass ich mir einen Stundenplan für die Woche verpasst habe? Das kann ich mir gut vorstellen. Freiheit ist mein zweiter Vorname.

Ich habe es zwischen den Feiertagen geschafft, mir eine Art Stundenplan auf Notion einzurichten. Plötzlich weiß ich, dass ich bis 10 Uhr nur Dinge mache, die meiner körperlichen und geistigen Gesundheit dienen. Ich hüpfe beispielsweise vor meinem iPhone zu einer Dance App mit, so gut ich das am kleinen Bildschirm erkennen kann. Move, yeah! Und ich werde dauernd gelobt, jihaaa! Du darfst gespannt sein, ob ich es innerhalb meiner drei Probemonate schaffe, die Lektionen auf den PC-Bildschirm zu übertragen. Ich bin es auch. Glücklicherweise schaut mir keiner zu. Und der Liebste schläft solange, dass ich locker fertig bin, wenn er aus dem Bett kommt.

Und siehe da: dank Planung komme ich täglich wieder in die Werkstatt. Weil der Kopf frei genug ist und nicht wilde Löwen bändigen muss. Die nächste Serie von Figuren hat schon im Dezember begonnen. Und jetzt geht es weiter. Ob ich diese Woche den Montagnachmittag zum Kapitel Buchhaltung gekommen bin? Das erzähle ich dir dann nächste Woche.

Und was war jetzt mit den Drachen?

Bin ich froh, dass mich die Drachin erinnert. Elftes Drachengebot. Du sollst nicht jahresplanen. Das war ihr Vorsatz für mich. Sie sagt vollkommen zurecht: „Im natürlichen Rhythmus des Jahresverlaufes schläft jetzt alles. Nur der Mensch nicht. Der strudelt sich schon wieder ab“. Still und heimlich schaffe ich es am Wochenende in einem Rutsch, das kommende Halbjahr zu strukturieren. Und jetzt freue ich mich drauf. Der Riesenberg ist zwar immer noch hoch. Aber überschaubarer.

Sie wacht sie über mich. Schon seit 2020. Da war zwar derdiedas Virus ein anderer. Aber kalt wars auch. Die Drachin hat mich heuer im Auge. Ähm, brauchst du einen besonders drachigen Wacher über deine Zeit? Ich würde das Schätzchen sofort loslassen.

Melde dich und ich packe ihre Koffer.

„Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“ Chat GPT schwört, dass dieser Text von Rilke ist. Aus den „Briefen an einen jungen Dichter“ an Franz Xaver Kappus. Falls du Rilkefan bist, sag mir Bescheid, ob Chatty drachenmäßig schwindelt.

Vorsicht! Wachsam! Komm bloß nicht auf falsche Gedanken.

12 von 12

Zum Abschluss eine Challenge in der Challenge. Ist mir voriges Jahr begegnet. Auch auf LinkedIn. Ja, ich war viel dort unterwegs. Und ja, jetzt bin ich wieder da. Ich schwindle dieses eine Mal ein bisschen und packe dir 12 Bilder eines Wochenendes ein, dass am Sonntag, dem zwölften endete. Jede Stunde ein Foto von einem Tag. Das ist die Herausforderung. Dieses Mal breche ich die Regeln.

1. Ein Samstag-Morgen-Spaziergang in Kranj. Die Fahrräder trotzen den eisigen Temperaturen.
2. Auch der Efeu. Trotzt. Der Kälte. Anders als die Fahrräder.
3. Da hilft nur eines. Heiße Schokolade des Süden. Dick. Süß. Und sättigend. Auf die Kremšnita verzichten wir. Dieses Mal. In Kranj schmecken sie übrigens genauso gut wie in Bled.
4. Der Samstag endet so eisig, wie er begonnen hat. Schneekanonen at Work. Die Jungs staunen, warum ich hier mit dem Handy herumstapfe. Geforenes Wasser in Slow Motion. Muss ich noch schneiden. Üben.
5. Sonntag Morgen in Kärnten. Mit der schönsten Kaffeetasse, die du dir vorstellen kannst. Melde dich, falls sie dir gefällt. Ich weiß, wer sie anbietet.
6. Das wird ein Mantel. Ob heuer oder nächstes Jahr, das weiß ich nicht so genau. Granny Squares aus Wollresten, wohin das Auge schaut.
7. Mittagsspaziergang am Millstätter See. Ich liebe Schilder. Und ihre situationskomischen Schildbürger.
8. Granaten am Ufer des Millstätter Sees. Die von der schönen Sorte. Äußerst friedliebend.
9. Nach einer Stunde und einem Telefonat mit Portugal den Knopf fürs Filmen gefunden. Nein. Manuals brauche ich nicht. Dafür höre ich meinen Sohn, der bei 20° Celsius am Weg zum Strand ist.

10. Magentafarbener Chinakohl an orangen Mandarinen. So schaut das aus, wenn die Veganen wüten. Geschmacksnote – umwerfend!
Erwischt! Und sie plant ja doch! Aber doch erst für die kommende Woche, Leute. Bin wieder ganz gesund.
Schwindeln, was das Zeug hält. Dieses Mal fällt der Fünfzehnjährige konsequent auf seinen Opa herein. Der Opa ist einfach der größte Geschichtenerzähler vor dem Herrn. Und gewinnt. Immer.

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