Nie mehr Schule, keine Schule mehr!
So grölten wir nach dem letzten Tag der mündlichen Matura. Das ist jetzt fast 38 Jahre her. Die Schule mit Frontalunterricht endete zu diesem Zeitpunkt. Die Schule des Lebens ging los. Nach dem Drücken der Schulbank bin ich begeisterte Studentin und Lernende geworden. Und bis heute geblieben. Du kennst das wahrscheinlich auch. Kaum ist der Notendruck weg, lernen die meisten Menschen wieder sehr gern. Vor allem, wenn es Sinn macht. Worauf ich hinaus will? Du ahnst es sicher.
- Kunststudium, zweiter Durchgang
- Nachtschatten Nummer 1
- Der Mittwoch und die Sonne
- Der Donnerstag und das Singen
- Der Freitag und meine Hausschuhe
- Der Samstag und mein linkes Knie
- Der Sonntag und unser Kinoabend
Kunststudium, zweiter Durchgang
Vor ziemlich genau 17 Jahren kommt jener Mann in mein Leben, der mir auf den Kopf zusagt, dass ich Künstlerin sei. Dass mein Gefühl, nicht von diesem Planeten zu sein und nicht hierher zu passen, aus diesem Nichtwissen resultiere. Ich versuche auf sein Anraten, neben drei Kindern, neben zig Jobs, um Geld zu verdienen, ein Studium der Malerei zu absolvieren. Erstaunlich, wie viel mir damals gelingt. Und nicht erstaunlich, dass mir nach eineinhalb Jahren die Luft ausgeht. Ich breche ab. Nehme aber unfassbar viel Neues mit in meine Fotografie und in die Auseinandersetzung mit mir selbst.
Jetzt studiere ich wieder. Dieses Mal online. Und mit ein bisschen mehr Fokus auf das Kunstbusiness. Ich habe mir letztes Jahr in einem Anfall von Verzweiflung so sehr gewünscht, Kunst zu studieren. Wirklich und echt und richtig. Tiefer in die Kunstgeschichte und ihre Epochen einzutauchen. Ihre malenden, fotografierenden, skulpturierenden, darstellenden, schreibenden und musizierenden Vertreterinnen kennen zu lernen. Und nun – mache ich es einfach.
Ich habe heuer meinen arbeitenden Fokus auf den Frauen dieser Gesellschaft. Wie kann es sein, dass in all den Jahrhunderten Frauen nur so selten auftauchen? Wo, um Himmels Willen, sind all die weiblichen Künstlerinnen? Konnten sie nicht? Wollten sie nicht? Durften sie nicht? Und wie ist es heute? Neben meinem Bett liegt wieder die „Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés. Die immer schon unterschätzte Anne Wilson-Schaef. Und jede Menge Bücher über Farben. Ich entwickle Serien zum Thema „Frau in der Gesellschaft“. Lass dich überraschen. Heuer wird es spannend. Ich tauche tief ins Thema ein. Wohin auch immer das führen mag.

Nachtschatten Nummer 1
Wie du ja weißt, schreibe ich seit Mai regelmäßig mit vier anderen Frauen in einer Online-Schreib-Gruppe. Regelmäßig bedeutet, wir treffen uns wöchentlich einmal via Zoom. Tauschen uns zum Thema aus, um das es gehen soll. Und unterstützen uns gegenseitig, durchzuhalten und weiter zu machen. Bei mir hat das nun dazu geführt, dass ich Abends meinen Tag rückblickend betrachte und mir all das Geniale herausfiltere, das geschehen ist. Bei mir läuft kein Film mehr, kein Social Media. Dieser Rückblick und das beruhigende Ende eines langen Tages tun meinem Geist und meinem Herzen gut.
Wenn es dich interessiert, nehme ich dich in meinen heurigen Blogbeiträgen ein bisschen in meine Nachtschatten-Betrachtungen mit. Wer weiß, vielleicht bekommst auch du Lust, so eine Abendroutine einzuführen? Danke auf alle Fälle an Romy Pfyl, die mir das seit Monaten vormacht. Und die einverstanden ist, wenn andere diesen Impuls aufnehmen. Ihre Homepage empfehle ich von Herzen gerne weiter. Ich habe noch keinen wöchentlichen Blogbeitrag dieser Künstlerin verpasst, seit wir uns kennen gelernt haben.
Der Mittwoch und die Sonne
Letzte Woche am Mittwoch sitzen wir nach 14 Uhr am Arbeitstisch, der um diese Zeit meist ein Esstisch ist. Die Sonne blendet mich. Die Sonne blendet mich?! Wie gebannt starren wir drei auf die Kuppe des Hausberges Goldeck, die seit Monaten die Sonne pünktlich um 14 Uhr am Scheinen hindert. Zugegeben, in den Tagen nach Weihnachten und Silvester hatten wir fast durchgehend Wolken oder Hochnebel. Da fiel es nicht auf, ob das Licht über den Bergrücken kraxelte oder nicht. Es wird zehn Minuten nach 14 Uhr. Um 14.14 Uhr strahlt sie den Bergrücken an und rund um die Kante leuchtet eine Corona. Wie bei einer Sonnenfinsternis. Wir beobachten nun täglich, ob sie die drei Kuppen schafft. Mittlerweile ist es schon halb Drei, bevor der blaue Bergschatten sich über den Garten legt. Der Frühling, er beginnt zu beginnen! Der Vogelgesang wird täglich lauter und vielfältiger, obwohl es für unsere gefiederten Freunde sicher noch viel zu früh ist, um mit der Familienplanung loszulegen.

Der Donnerstag und das Singen
Vergangenen Donnerstag Nachmittag finde ich mich in einer Gruppe singender Kinder und Frauen. Auf diesen Termin warte ich schon eine Weile. Und ich bin vollkommen überrascht, wieviel Freude mir das Repertoire dieser Gruppe macht! Klatsch- und Singspiele mit den Kindern sind für mich eine größere Herausforderung als die zwei Stunden danach. Die Kinder helfen mir durch. Wie immer. Danach studieren wir Erwachsenen mehrstimmige, schwungvolle Songs. Die junge Chorleiterin sprüht vor Leben. Und vor Können. Ich singe noch Tage später vor mich hin und freue mich so sehr auf das nächste Mal.
Der Freitag und meine Hausschuhe
Das derzeit stark theoretische und analysierende Arbeiten hat Auswirkungen auf meine Art zu leben. Ich komme zwar immer noch nicht vor Mitternacht ins Bett. Doch dieses Mal liegt es an viel Recherche, forschen und schreiben. Ich höre sämtliche Klavierkonzert von Rachmaninoff, immer und immer wieder. Bei dieser Art von Musik kann ich noch denken. Sobald eine menschliche Stimme sich einmischt, fliege ich aus meinen Gedankenkonstruktionen und muss wieder von vorne anfangen. Freitag Nacht erwische ich mich dabei, dass ich meine schwedischen Hüttenschuhe fein säuberlich und parallel ausgerichtet vorm Bett abstelle. Soll ich mir Gedanken machen?

Der Samstag und mein linkes Knie
Samstag wache ich auf und mein Knie, das jetzt drei Monate vollkommen schmerzfrei war, tut richtig weh. Es ist heiß und fühlt sich geschwollen an. Doch Borreliose? Oder gar Rheuma? Oder Auswirkungen der Operation vor mehr als zehn Jahren nach meinem Skiunfall? Meinem Liebsten fällt ein, dass eine seiner Liebsten früher immer Kohlwickel gegen Entzündungen gemacht hat. Das nehme ich sofort an. Der Kohl kühlt in der Nacht wunderbar. Ich bin tagsüber gezwungen, bei meiner Arbeit sitzen zu bleiben und nicht zu viel zugleich zu machen. So gesehen passt auch die Sache mit dem Knie gerade gut in mein Leben.
Der Sonntag und unser Kinoabend
Vor einer Woche hätte ich noch darum gebettelt, dass sich irgendjemand findet, der mit mir Sonntag Nachmittag und Abend im Millino, Kinocafé Millstatt tanzen geht. Ich kann bei allem auf meinen Liebsten zählen. Beim Tanzen hört für ihn alles auf. Nun, mein Knie. Ich jammere in ein paar Monaten wieder weiter. Jetzt genießen wir wie schon so oft Sonntag Abend „nur“ den wunderbaren Film „Monsieur Blake zu Diensten“ mit einer großartigen Fanny Ardant und dem in die Jahre gekommenen John Malkovich. Und schauen und hören den Tänzerinnen zu. Was für ein Vergnügen. Ich weiß nicht, ob es nur mir so vorkommt. Auf jeden Fall stehen wir zum ersten Mal um Kinokarten an. Und der Kinosaal schaut recht gut gefüllt aus.
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Der Morgen bohrt sich mit seinem Zeigwfinger geräuschvoll in mein Ohr. Liebe Lisa ich lese deinen Blog, fühl fast ein wenig dein Knie und freue mich, dass ich fühlen kann, all die Bildworte von Dur. DANKE♡♡♡
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Guten Morgen liebe Anita! Wie schön, dass dich meine Sprachmusik erreicht! Ich hoffe, dein Tag geht sanft und harmonisch weiter. Herzlichst, Lisa
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