Netzwerken und Frauentempel

Gestern Vormittag interessantes und sinnstiftendes Netzwerken im St. Veiter Rathaus-Innenhof. „Gesundheit und Soziales“ als Aufhänger stand in meinem klugen Kalender. Herzlichen Glückwunsch den Veranstalterinnen und Veranstaltern für diesen gelungenen Vormittag! Schon spannend, dass immer genau die richtigen Menschen da sind, dass immer genau die richtigen Menschen Gruppen formen, bewegen und sich austauschen. Nach und nach verschwindet meine manchmal autistisch anmutende Angst vor Menschen, sie mit mir, meinen Ideen und Projekten zu überfordern, zu überfrachten, lästig zu sein. Endlich. Das ist wirklich ein Lebensprozess. Und wird mich nicht mehr davon ablenken, so sprudelnd lebendig zu sein, wie ich bin. Zugleich liebe ich es, zuzuhören, Fragen zu stellen, mich einzuspüren in die Lebenswahrheit anderer Menschen, ihre Facette an der großen Wahrheit unserer Zeit zu erleben. So ein Austausch ist sehr belebend.

Sehr beeindruckend für mich die Masterstudentinnen der FH Kärnten/Feldkirchen, die ihre heurigen Arbeiten präsentieren und daraufhin uns einladen, in tiefere Gesprächsrunden zu dabei entstehenden Fragen und Themen zu gehen. Jede und jeder dort, wo sie oder er grad unterwegs ist. Und die ein wenig bange Erkenntnis für mich: für junge Menschen bedeutet der Altersabschnitt ab 50+ die Notwendigkeit, sich mit seinem persönlichen Altern und Altwerden auseinander zu setzen. Passend zum gestrigen Vortrag über Selbstfürsorge, nicht nur im Alter. Yes, Leben, danke, ich habe verstanden.

Die Wetterprognosen für die Steiermark, den Bezirk Leibnitz im speziellen sind für den gestrigen Nachmittag wirklich furchterregend. Vor Wochen habe ich mit meiner Freundin Ingeborg ausgemacht, dass wir an einem Ritual eines steirischen Frauenkreises teilnehmen. Unwetterprognosen, Hagel, Starkregen, die derzeit üblichen Überflutungen in Südostösterreich. Na servas. Ich bin total unsicher, spüre in mir weder ein klares Nein noch ein klares Ja, ob wir fahren sollen oder nicht. Ingeborg ist ganz sicher. Wir fahren also. Es schüttet abschnittweise wie aus Kübeln, Tempo 80 ab Graz südwärts.

Wer mich ein wenig kennt, weiß um meine Angst und meinen Heidenrespekt vor Ritualen, vor allem um meine Abneigung vor Ritualen, die nicht in die Tiefe gehen. Dieses Mal gehe ich einfach mit, vertraue Ingeborg und ihrer Intuition. Und erlebe einen der schönsten Frauenabende meines Lebens. In der kraftvollen und doch sanften Energie eines Frauentempelberges in den sanften Hügeln der Südsteiermark, die mich an die Energie der italienischen Toskana erinnert. Die Tempelhüterin des Ortes steckt mich an mit ihrer Liebe zur weiblichen Seite zur Forschung dieses Gebietes. Barbara, die das Ritual anleitet, ist einfach nur gut geerdet und wunderschön, von innen und von außen. Ich kann mich vollkommen fallen lassen in diesen heilenden Frauenkreis. Danke ihr wunderbaren Frauen, dass ich gespürt habe, was ich gespürt habe. Und danke Wetter, dass du uns genau dieses Wetterfenster ohne Regen bis zum Ritualende geschenkt hast. Wir kommen sicher wieder.

Diese Woche haben wir ja das Thema #sky in unserer Istagram-Foto-Challenge. Ich hätte zu Wochenbeginn nicht gedacht, dass ich so einen atemberaubenden Sonnenuntergang spüren und erleben werde. Ich muss euch leider sagen, dass die Farben noch gewaltiger, noch prächtiger waren, der aufsteigende Nebel das Ganze sehr mystisch aussehen ließ. Einfach gewaltig dieses Naturschauspiel, meine Augen sehen mehr als meine Kamera das einfangen kann.

 

Frauen und Räume

Während ich an meinen Elfenwesen stichle, Taschen nähe oder mich sonstwie künstlerisch ausdrücke, tobt in den sozialen Medien ein Krieg zwischen den Menschen, weil sexuelle Übergriffe und sogar Missbrauch an Frauen ein öffentliches Thema wird, das in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt. Er beschäftigt mich, auch wenn ich mich selten dazu äußere. Als eine enge Freundin es wagte, unter #metoo via facebook an die Öffentlichkeit zu gehen, traute ich mich nicht, es ihr gleich zu tun. Ich brauchte ein paar Nächte des Nachspürens und Nachfühlens, ob ich diesen Schritt für mich gehen wolle. Es war meine Frauensolidarität, die mich schließlich herzklopfend dazu bewog.

Der befürchtete shitstorm blieb aus. Zu Beginn. Ich brauche hier nicht darüber schreiben, was nun los ist. Ich bin wirklich erschüttert. Abgesehen davon, dass offensichtlich noch immer vorhandene Reste meiner eigenen Traumen sich ein weiteres Mal erheben, erschreckt mich die Wut und die Arroganz und die Würdelosigkeit in den Kommentaren, mit der sich jene Frauen konfrontiert sehen, die mit Details an die Öffentlichkeit gehen. Von Männern. Und von Frauen. Ja, es wird polarisiert und verallgemeinert. Ja, einige Frauen schießen übers Ziel hinaus. Das hat es so auf sich mit lange unterdrückten Emotionen.

Ich war selber viele Jahre in der Opferrolle gefangen. Viel zu lange. Als sehr angepasstes, braves Mädchen und später als junge Frau stellte ich kaum Regeln in Frage. Das ist meine Verantwortung. Und ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden, als ich mich auf die Suche nach mir selbst machte. Ich hatte das große, das riesige Glück, dass mein „Hinausgehen“ mit dem Missbrauchsthema in anonymen Gruppen in Deutschland geschah. Ich wurde liebevollst behandelt, in den Arm genommen, Frauen und Männer weinten mit mir und ich konnte tiefe Traumen still und leise aufarbeiten. Meine Opferhaltung durfte ich selber als nicht mehr passendes und unbrauchbares Muster erkennen. Und es in meinem Tempo bearbeiten. Kein einziges Mal schlug mir solche Häme, solche Demontierung meines Seins entgegen, wie es nun geschieht.

Der Wunsch, in sozialen Medien Gehör zu finden ist meiner Meinung nach der steinigste Weg, den jemand wählen kann, der sich mit seiner Missbrauchsvergangenheit auseinander setzt. Hut ab vor jenen Frauen und Männern, die ihn gehen. Ich gehöre nicht dazu.