Reduktion und Vor-Weihnachtliches

Seit ungefähr sechs Wochen räumen wir ein Haus und langjährige Anteile unseres Lebens aus. Wo Künstler und Künstlerin leben, wo Menschen mit anderen Menschen in offenen Werkstätten arbeiten, wo es ein ständiges Kommen und Gehen von Mitbewohner*innen gibt, da sammelt sich in allen Ecken und Enden wunderschönes Material an. Maschinen, Werkzeug, Dekorationsmaterial, all die feine und grobe Materie, die mensch so braucht, wenn mensch kreativ sein möchte. Material, das irgendwann in was Neues umgewandelt werden könnte. Und das niemand in ein nächstes Leben mitnehmen kann. Meines Wissens.

Xmas Ausblicke

Nach sechs Wochen kann ich berichten, dass wir richtig viel dieser Materie in unser bestehendes Kreiswirtschaftssystem eingespeist haben. Einiges im Tausch für Geld, vieles haben wir verschenkt. Je nachdem, wie sich die Beziehung, die Kommunikation um die Dinge gestaltete. Mein Mann und ich sitzen noch lange nicht in leeren Räumen. Davon sind wir weit entfernt. Und ehrlich gesagt war und ist das nie unser Ziel gewesen. Aber Überschüssiges weiter zu geben an Menschen, die gerade jetzt dringend etwas brauchen, die schon lange nach genau dieser Maschine, nach genau diesem Buch oder Stoff gesucht haben – das ist eine Wohltat. Die Erleichterung folgt auf dem Fuße. Das Gefühl, ma, das machte jetzt Sinn, es genau dieser Person zu geben, hier findest die Sache sofort Verwendung. Wir werden das beibehalten. Ich kann mir aus heutiger Sicht nicht mehr vorstellen, mir Belletristik zu kaufen und dieses einmal gelesene Buch zu behalten. Das gehört nach dem Lesen zurück in den Kreislauf. Oder von vornherein ausgeborgt. Mit Arbeitsbüchern ist das anders. Wenn allerdings jemand dringend meine Literatur rund um die Waldorfpuppe braucht – bitte gerne melden, jetzt kann ich auch diese kostbaren Bücher loslassen.

Weihnachtself

In zwei Wochen sind wir keine Hausbesitzer mehr. Freiwillig. Ungezwungen. Aus einem inneren Bedürfnis heraus. Wir sind wieder vorübergehende Nutzer von Räumen, inneren und äußeren. 2021 wird diese Entscheidungen leichte oder größere Veränderungen auslösen, je nachdem. Eine Freundin schreibt heute, wenn du deinen Weg gehst, dann wandelt sich alles in deinem Leben, damit du diesen Weg gehst. Ja! Wir sind in dieser absolut glücklichen, beneidenswerten Situation. Trotz unseres Alters. Oder gerade deswegen. Wenn nicht jetzt, ja wann denn dann?! Niemals vergesse ich das Jahr meines sterbenden Vaters, als er in seinen letzten Monaten plötzlich vom Wohnmobil zu reden begann, von dem er ein Leben lang nicht mal zu sprechen gewagt hatte. Und das er sich nach diesem Jahr nicht mehr gönnen konnte, weil der Krebs stärker war. Wie traurig mich das damals gemacht hat – und wie sehr ich seinen Auftrag spürte, anders zu handeln. Danke Vati! Genau diesen shift beschreibt übrigens auch Julia Cameron in „Der Weg des Künstlers“. Seit vorgestern weiß ich, dass eine tischlernde Freundin sich einen alten Zirkuswagen zu genau so einem Zirkuswagen umbaut wie der, von dem ich träume. Lichtleiste oben, Raum für Workshops und Aufführungen und minimalstem Wohnen innen und außen. Und seit gestern sind wir elektronisch verbunden mit einem Tiny-House-Bauer in Österreich, der großzügigst seine Hilfe und sein Wissen anbietet. Danke Julia von „Verantwortung Erde“ für diesen unglaublichen Kontakt! Ich finde das alles sehr magisch. Und zutiefst menschlich – wir können das. Wir können füreinander da sein. Füreinander sorgen. Den anderen unterstützen, wenn er uns seine Träume erzählt. Manchmal hilft eine Idee. Ein Zuhören kann Wege ebnen, wenn sich verwirrte Gedanken ordnen müssen. Wir müssen uns nicht dauernd die Schädel einhauen, dem anderen was wegnehmen oder uns vergleichen, wer was besser kann. Oder exklusiver hat. Wir sind immer Lernende und Lehrende. Und solange auf diesem Planeten noch ein einziger Mensch hungert, haben wir als Menschheit sowieso noch viel zu tun.

Vorwinter oder Spätherbst

Nun gehen wir in Österreich als Gesellschaft für mindestens drei Wochen in einen zweiten Lockdown. Und das vor Weihnachten. Ob es deshalb besinnlichere, vorweihnachtlichere Wochen werden? Ob dieses Mal Zeit ist, das eine oder andere Geschenk selbst herzustellen? Oder bei einem lokalen Händler zu kaufen und ihn dadurch finanziell in seinem Traum zu unterstützen? Wie werden das Menschen erleben, die im Krankenhaus schwerste Dienste verrichten müssen? Wie Alleinerziehende, die im Home Office auch das Distance Learning ihrer Kinder begleiten? Wie werden diesen Winter insgesamt die Menschen in den Sommerzelten auf Lesbos erleben, wenn er kommt – und er kommt…? Ich habe so wenig Antworten auf all diese Fragen…

Christmas‘ little helpers

Ich weiß so vieles nicht. Bringe mich hier ein. Und da. Meine Tochter schlägt für ihre Tochter vor, einen familiengefüllten Adventkalender zu gestalten, der die Familie zumindest in der Erzählung zusammen hält. Was für eine großartige Idee. Die Urgroßmutter schickt ein Bild vom Hund. Wir schicken Bücher und die von ihr so heißgeliebten Tiere, mit denen sie jedes Mal spielt, wenn sie zu Besuch ist. Und bestimmt wird sich auch ein kleines vorweihnachtliches Wesen aufmachen und ihr diese Zeit verschönern. Vorweihnachtliches Konsumrauschen kenne ich in meiner Familie nur vom Hörensagen. Und wir werden nicht ausgerechnet heuer damit anfangen.

Winterelf

Bevor ich mich jetzt auf den Weg mache, um unter dem Nebel nach oben in die Sonne zu kommen, füge ich dir noch ein paar Fotos vom letzten Sonnenanbeten in den Bergen mit. Und von einem vorweihnachtlichen Elfchen, das bei einem planetaren MAL meiner puppenmachenden Schwestern Astrid und Pam entsteht – vielleicht hast du ja Lust, dich zu beteiligen. Ich schicke dir gerne den link, wenn du mich kontaktierst!