Abschied, Ankunft und Geburtstag

Wir versuchen, in unserem Leben wieder Fuß zu fassen. Treffen in den letzten Tagen Menschen, mit denen wir unseren Weg weiter gehen. Die Familie(n)mitglieder, bei Patchworkfamilien sind das immer viele, versammeln sich um unsere Tische. Wir brauchen noch ein bisschen, doch es wird schon leichter.

 

Wir haben uns gestern von Herzen und mental darauf eingerichtet, dass heute das feierliche Abschiednehmen eines geliebten Herzensmenschen in London am Programm steht. Gestern brannte eine Kerze bis tief in die Nacht, heute brannte eine weitere den ganzen Tag. Die Blumen auf unseren Tischen waren auch für dich. Du warst bei uns. Wir haben dich gespürt, dein fröhliches Lachen gehört, dein gepfeffertes Verfechten von Wahrheiten, die unseren so nahe sind. Haben dich als Kind gespürt, das aus Berlin flüchten musste. Als Jugendliche, die aus Bardolino nach London floh. Wir haben dich gespürt in deiner Zeit in London, dein offenes Herz, deine Liebe zu jungen Menschen, zu Hilfesuchenden. Wir haben an deine Kinder und Kindeskinder gedacht, denen heute noch einmal das Herz besonders schwer ist. An deine Freundinnen und Freunde am Kontinent und auf deiner Insel. Du wirst uns so fehlen. Danke, dass wir dich noch einmal sehen, dich spüren und mit dir lachen konnten. Du lebst in unseren Herzen weiter. Fare well, we’ll meet again ❤

 

Alles Gute zum Geburtstag, mein Liebster! Danke all jenen, die es geschafft haben, trotz Urlaub, trotz Hitze, trotz Sommerferien. Sorry all jenen, die auf den Fotos nicht sichtbar sind – die Kamera ist derzeit so sehr Nebensache, die Gespräche und Begegnungen mit euch sind uns viel wichtiger. Danke für das wundervolle schottische Konzert, die Jamsession im schummrigen Wintergarten, ihr seid einfach nur berührend. Danke für all die Pflanzen, sie bekommen eure Namen und gute Plätze. Es ist neu, dass wir den 12. August im Lande verbringen. Und es ist schön, im August hier zu sein. Die heutige evangelische Messe am Wörthersee war eine einzige Bereicherung, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal freiwillig einem Gottesdienst lauschte. Heute hat es auf so vielen Ebenen gepasst.

 

learning by doing

Langsam finde ich zurück in meine Welt des Handwerks. Unser Jüngster entschleunigt unser Leben mit einer Sommergrippe. Wir wären sonst sicher unterwegs, von einem See zum nächsten. Die derzeitigen Hitzespitzen in meiner kühlen Werkstatt zu verbringen ist auch nicht die schlechteste Idee. Also filze ich wieder vor mich hin.

Geholfen haben mir sicher meine Freundinnen in unserer offenen Puppenmacherpraxisgruppe. Wir tauschen uns aus, ich erfahre viel Neues aus der Praxis jeder Einzelnen. Sommer auf der Terasse, was für ein Genuss. Zwei Kinder plantschen und quietschen im Pool, eine Teenie modelliert interessiert mit und bekommt ein paar Handgriffe gezeigt. Wir geben einander unser Teilwissen weiter, logisch. Hemma war im Sommer bei einem Gathering von Profis in Holland und zeigt und erzählt von Handgriffen, Ticks und Tipps. Ich lechze danach, in so ein Feld einzutauchen, mich mit anderen Frauen anderer Kulturen auszutauschen – und ja, auch heuer waren es Frauen, die lehrten.

 

Es ist eine Sache, sich durch die vielen Tutorials zu arbeiten, die Fotos zu bestaunen, Bücher zu lesen. Davon bekomme ich jedes Mal massives, belebendes Herzklopfen. Und es ist eine ganz andere Sache, das Material in die Hand zu nehmen und anzufangen. Und dann wieder Rat suchend über den Tutorials zu hocken, zwanzig Mal die Pausetaste zu drücken, um den so einfach aussehenden Handgriff zu lernen. Und nein, das ist nicht immer lustig, manchmal tut ein Wutspaziergang durch den Garten gut.

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Vorgestern ging mir ein weiterer Knopf beim Modellieren mit Filz auf. Oft genug sind es kleine und größere Fehler, die zumindest bei mir großes Erschrecken auslösen. Ma, das ging doch schon so gut, warum passiert das jetzt, das wird nix mit diesem Kopf, die ganze Puppe wird nix werden. Und so weiter und so fort. Um dann mit ein wenig Abstand draufzukommen – ja hey, da ist ja ein ganz neuer Gesichtszug entstanden! Wenn die Augenlinie auf diese Art und Weise „falsch“ verläuft, dass der Gesichtsausdruck eben nicht mehr neutral sondern eindeutiger wird, dann ist das ein Lernen. Wenn das Kinn zu weit hinten angesetzt wurde, fliehend wird, dann macht auch das was mit dem ganzen Kopf.  Und so ist das mit den Augen, der Stirn, der Nase, dem Mund, den Augen, mit den Proportionen insgesamt. Ich schaue mir zur Zeit sehr genau Profile und Gesichtszüge von Menschen an. Wie unterschiedlich wir doch sind! Kein Gesicht ist wie das andere, da ist eine ganz eigene Harmonie oder auch Disharmonie in den Formen, Linien und Strukturen, die sich im restlichen Körper fortsetzt. Ganz abgesehen davon, dass kindliche Proportionen ganz anders sind als die Erwachsener – und auch da gibt es keine fixen Dinge. Äußerst interessant.

Das Machen und Gestalten von Puppen ist eine Tradition, die in Österreich kaum (noch) gelebt wird. In den Kindergärten und Schulen nach Rudolf Steiner gibt es ausgezeichnete Expertinnen. Online folge ich einigen, die mit diesem Basiswissen weiter arbeiten und Puppen nach Waldorfart machen. Und praktisch freue ich mich im Herbst auf eine Zusammenarbeit mit einer dieser Lehrerinnen. Doch die Palette ist viel, viel breiter. Und das zu erforschen wird mich vermutlich die nächsten Jahre beschäftigen. Drahtgestelle mit anmodellierten Filzwesen spuken schon geraume Zeit in meinem Kopf herum. Fix am Plan ist dieses Jahr im Herbst ein Projekt mit Handpuppen und Kindern und Schreibwerkstatt, auf das ich mich persönlich sehr freue, weil ich nicht genau abschätzen kann, wohin dieser Weg führt. Und ebenso werden wir mit Erwachsenen beginnen, sehr einfache Wesen in Workshops selbst herzustellen. Basiswissen plus Eigenes. Plus Upcycling. Plus Begeisterung beim Tun. Mensch kommt sich selbst beim Herstellen eines menschenähnlichen Wesens sehr nahe – bei jeder Puppe ein bisschen mehr.

Elfen und Finley

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Dieses Wesen hier hat mich nun ein paar Tage beschäftigt. Eigentlich sollte Er eine Sie werden. Schon wieder. Das Herstellen von diesen Wesen ist weniger eine Sache des Wollens. Obwohl so viel Wolle eine Rolle spielt, harrharr. Es ist eher eine – keine Ahnung, welche Sache eigentlich? Intuition? Herz? Kind? Wesensanteil? Eigentlich eh vollkommen egal. Ich habs schon geahnt, dass die Haare dieses Mal wieder kupferrot werden könnten. Die Mohairwolle von Dolly Mo ist eine feine Sache. Und ich hätte noch gerne Grün-, Rosa- und Blautöne. Schottland, wir kommen! Ich bin das erste Mal richtig zufrieden mit dem Profil. Es darf noch ausgeprägter werden – aber der Weg stimmt jetzt. Danke #figandme für deine superfeinen Tipps. Die Augenform verändert sich, auch eine interessante Sache, die beim Machen entsteht. Oder die mir eingeflüstert wird.

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Sind Elfen androgyne Wesen? Ich hab auch dieses hier eingehend und immer wieder befragt. Und es kam nur Gekicher, Augenrollen und vergnügtes Schenkelklopfen. Wenn ich es richtig deute, dann SIND sie einfach, diese Wesen. Nicht menschlich einordenbar. Das ist neu für mich. Finley heißt der Elf. Sagt er/sie/es. Na gut. Dann eben Finley. Schön dass du da bist.

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Eigentlich wollten wir ja ausgiebig fotografieren. Aber. Finley. Kraxelte. Auf. Bäume. Und blödelte und kasperte in einer Tour. Wollte lieber über den Zaun klettern, statt sich ausgiebig bewundern zu lassen. Er hat es geschafft, das weit entfernte Gewitter so schnell näher zu ziehen, dass wir statt zu fotografieren zur Wäschespinne rennen mussten, um die halbwegs trockenen Sachen auch halbwegs trocken ins Haus zu bekommen. Tja, nun kennst du also auch Regen. Und in feuchter Wäsche neben dem Fotoapparat durchgeschüttelt zu werden. Kaum waren wir herinnen, war auch der Regenguss vorbei. Kerl. Süßer Kerl. Mit einer Menge Temperament und Durchsetzungskraft.

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Elfen und andere Spitzohren

Morgen fahre ich mit der Idee für ein internationales Puppenprojekt zu den drei Tagen der Zukunft nach Arnoldstein. Bin ein wenig bang, ob ich gut genug vorbereitet bin. Und übe mich in zähneknirschender Gelassenheit, dass unser Drucker mal wieder keine Nachfüllpatrone aus dem Fachhandel erkennt und ich mir nicht einmal mein vorbereitetes paper ausdrucken kann. Mal sehen, ob es mit Google-Drive und Smartphone klappt. Wenigstens spare ich so Papier und Druckertinte. Ich möchte dieses Mal im Auto schlafen. Ausprobieren, wie das ist, welche Seen zum morgendlichen Baden ich finde, ein bisschen vom Gailtal kennen lernen. Es wird sich heraus stellen ob ich es schaffe, ein bissel was auf Instagram zu posten.

Auch wenn in den letzten Wochen vor lauter Papierkram und intensivem Nach- und Vorausdenken kaum Zeit für eine neue Figur war, ist sie heute fertig geworden. Geplant war eine Elfe. Prinzessinnenhaft. Mit grünen Locken, spitzen Ohren, dem üblichen Schalk im Nacken. Geworden ists ein Arthur. Tja, so gehts Puppenmacherinnen. Diese Wesen entwickeln in sehr kurzer Zeit ein Eigenleben. Spätestens, wenn das Gesicht dran ist. Und es ist zu spät für eigene Befindlichkeiten, wenn die Puppe Augen bekommt und mir bei jedem Handgriff zusieht. Ab da übernimmt sie die Regie.

Die grünen Locken habe ich wieder eingepackt. Habe sie voll Vorfreude via Internet bestellt. Und stelle fest, mit diesem extrem verfilzten Material (ob das beim Färben passiert?)  kann ich vielleicht einen flotten Wintermantelkragen filzen. Aber sicher keine Perücke mit weichen Locken nähen. Gott sei Dank hat unsere Lehrerin in Holland gutes Material. Und Gott sei Dank lassen sich die Schafe scheren. Sie hat einen Bauern gefunden, der sie mit wunderbarem Material versorgt, dass sie dann verarbeitet und in die Community weiter verkauft. Die nächste Puppe bekommt dann holländische Schafslocken. Auch da habe ich noch viel, viel zu lernen. Mohair und häkeln hat sich bei Arthur allerdings mehr als ausgezahlt, erist ein fescher Elf geworden. Meine ersten (Elfen)-Ohren verschwanden unter dem Lockengemenge, jetzt ragen die spitzinge Dinger klein und fein hervor. Und Sami, unser Spitzohrsami, sagt, das sei eine richtige Elfe. Also ein Elfenmann. Und wenn er das sagt, dann wird das schon stimmen.

 

 

 

Nähte und Wände

Dritter Durchgang unsere Probemoduls fürs Nähen im Rahmen eines Nähmaschinenführerscheins. Bis jetzt durfte die Naht auch mal krumm und schief sein. Seit heute wird genau genäht. Das tolle Metalllineal eingesetzt, eine Naht vorgezeichnet. Und jeder von uns trennt ein bisschen. Auch ich. Heute wird nicht nur gelacht. Das Heften verweigert, weil zu viel Arbeit. Das Heften geliebt weil danach Naht ohne Trennen. Lernen. Lernen. Lernen. Lebenslang. Maxi sagt, heute sei die Stimmung ein bisschen anders als sonst. Ja, genau. Wir arbeiten genau. Bei dieser Arbeit ist Genauigkeit genauso kostbar und wichtig wie das schöne Material. Das sonst nicht ausreichend zur Geltung kommt.

Die Decken werden so wunderschön, ihr könnt euch das gar nicht vorstellen. Vielleicht werden es doch eher Tagesdecken als Picknickdecken, bis jetzt hat sich mit der wasserabweisenden Folie, die wir mit unseren Haushaltsnähmaschinen annähen könnten, noch nichts ergeben. Die Stoffquadrate exquisitester Herkunft haben aneinandergenäht schon jetzt eine ansehnliche Dicke erreicht. Viel mehr geht da nicht mehr. Heute entstanden zwei neue Bahnen in Rot-Beige-Zartgrün-Tönen. Und wir haben alle Vokabeln vom ersten Durchgang wiederholt. Oh das war ein Hallo! Wieviel wir schon aufgeschrieben haben, wieviel uns jetzt schon vertrauter ist. Grüße an Franziska in Wien, wir hoffen alle, du bist beim Abschluss nächste Woche wieder bei uns!

Nach einer flotten Billa-Jausen-Pause gehts ab zur Baustelle. In drei Wochen wollen wir hier feiern und unsere Ideen herzeigen. Zwischendurch zweifeln wir, ob wir groß feiern wollen. Oder nur ganz klein mit den Nachbarn. Jedenfalls werden die Wände immer heller, obwohl die Farbe keine Chance hat, die Flecken zu verdecken, irgendwas Öliges ist am Putz, da wartet noch viel Arbeit auf uns. Alexander malt. Und hat die glorreiche Idee, Gordana’s Vorschlag des „Willkommens“ in vielen Sprachen und natürlich vor allem fürs Fest in einem Wortband an die Wand zu pinseln. Und weil wir von einer Minute auf die andere plötzlich zu sechst sind, wird diese Idee sofort in die Tat umgesetzt. Danke übrigens Sissy, für die gebrauchte Couch, die in unseren Räumen sehr geehrt werden wird. Danke für die Küche, die uns angeboten wurde. Die Großzügigkeit der Menschen geht weiter.

Eva und ich ziehen uns zu einer höchst notwendigen intensiven Besprechung der Schritte der nächsten Wochen zum Nachbarn ins „Fassl“ zurück. Und kommen gerade zurecht, als die Jungs mit dem Schreiben an der Wand fertig sind. Danke ihr Lieben,  die ersten beiden Räume werden immer freundlicher! Baustellenflair, aber ein freundliches, sehr lebendiges.

Gestern war endlich wieder eine Puppe dran. Jetzt hab ich wirklich schon Entzugserscheinungen. Der Körper sieht gut aus, ist fertig. Aber, der Kopf. Omei. Dieser Kopf wird zu einer anderen Puppe passen , er ist sehr kräftig und ausdrucksstark geworden durch viele Versuche, andere Proportionen und ein neues Profil zu filzen. Ich würde sagen: für diesen Körper so richtig daneben gegangen. Genau. Lebenslanges Lernen. Und die Erkenntnis: nutze im kommenden Winter die Stunden besser, im Sommer kannst du dir deine Lieblingsarbeiten für eine Weile abschminken.

 

 

OTELO und Nähen

Monika ist eine dieser Frauen, deren Lebenswege sich regelmäßig mit meinen kreuzen. Ob beim Talentetauschkreis Kärnten, bei meinem jährlichen Fixtermin des Weihnachtsbazars in der Klagenfurter Waldorfschule, bei meiner Freundin von Best of the Rest oder unerwartet und plötzlich: wir sehen uns, wissen sofort tausend Dinge zu besprechen, weil unsere Ausrichtung eine sehr ähnliche ist.

Gestern war es endlich soweit. Wir besuchten Monika und das OTELO in Ferlach. Das ehemalige Apothekerhaus in dieser Kleinstadt am Fuße des Loiblpasses ist hell, hat hohe Altbauräume, bietet Platz für Werk- und Begegnungsräume, eine schöne Küche. Auf der Nordseite des Hauses ist ein gar nicht so kleiner Garten mit vielen Sitzgelegenheiten, einer Brückenbühne, einem kleinen Wasserspiel. Heuer hilft ein Mitglied der Freunde natürlichen Lebens mit, die Kräuter zu katalogisieren, anzubauen, zu verwenden. Zweisprachige Namensschilder (Deutsch/Slowenisch) an Birkenzweigen lassen auf eine rege Jahrestätigkeit in diesen Außenräumen schließen. Die Verwaltung und Leitung von OTELO Ferlach sitzt im zweiten Stock. Monika und ihr Team sorgen für eine Belebung und Belegung der wunderschönen Räume. Da wird getanzt, meditiert, fotografiert, gekocht, genäht, designt, gesungen und es gibt auch Vorträge. Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es die Struktur eines Jahresthemas und viele Kleinprojekte.

Staunend schaue ich mir die professionell genähten Upcycling-Werkstücke aus der Nähabteilung an. Monika erzählt mir, dass mittlerweile vor Ort vor allem geplant und entwickelt, vor großen Ausstellungen und projektbezogen auch gemeinsam genäht und zugeschnitten wird. Dazu nutzen die Menschen mit interkulturellem Background den Raum mit gut sortiertem Lager und den vielen Nähmaschinen sowie den großzügigen Begegnungsraum davor, in dem sie lange Tischreihen aufbauen können. Eigentlich perfekt das, was unsere Studentinnen und Studenten für den Umbau der Kegelbahn geplant haben. Dort soll ja in der Mitte eine lange Tischreihe mit Schienensystem an jenem Podest sein, das vorher die Kegelbahnen voneinander trennte.

Dreieinhalb Stunden lang reden, schauen, fotografieren und filmen wir, was es zu sehen gibt. Die OTELO-Struktur hat mir immer gut gefallen. Nach OTELO-Spittal ist das jetzt das zweite lebendige Labor, das ich unmittelbar erlebe. Wir denken zumindest darüber nach, diese Struktur auch für Klagenfurt mitzudenken. Dort gibt es ebenfalls Interesse, doch kam bisher kein praktisches Projekt zustande. Wir werden sehen, wir wissen ja, an wen wir uns wenden müssen, falls es in diese Richtung geht.

Es sieht außerdem so aus, als käme es zu einer Zusammenarbeit bezüglich meines Puppenprojektes über eine gemeinsame Bekannte, die ich vor vielen Jahren einmal für die Zeitung interviewt habe. Sie nähte im Vorjahr mit afghanischen Frauen einfache Waldorfpuppen  für einen Weihnachtsbazar in Ferlach, ganz genau, ganz sauber und perfekt. Wir werden sie heuer im August gemeinsam treffen und weiter planen. Da ich mir alle Handgriffe der Puppenherstellung selber beibringe und in unserer Praxisgruppe vertiefe und neu erarbeite, freue ich mich riesig darauf, einen Profi zu erleben und von ihr Kniffs und Tricks zu erlernen, die für mich neu sind.

Nach all dem für mich so komplizierten Antragschreiben rückt nun MEIN Herzensprojekt wieder in meinen Fokus. Das übliche Herzklopfen setzt sofort ein…

Wir reden noch über die Möglichkeit eines Fotoprojektes vor Ort und genießen das selbstgemachte Eis des Nachbarkaffeehauses. Ich vergesse ganz darauf, Monika von unserer interkulturellen Fotogruppe zu erzählen, die ich in so ein Projekt einbinden kann.

Auf der Heimfahrt bleiben wir noch bei einer Brandruine an einem Kreisverkehr in Kirschentheuer stehen. Die Hitze des sicher fürchterlichen Brandes hat aus den Luxusjachten, dem vielen Blech, den Holzträgern und den Solarpaneelen wunderbare Skulpturen in Blau und Bronze und Gold geschmiedet. Unsere anfängliche Scheu, so einen Ort des Schreckens zu fotografieren, verschwindet im Tun sofort. Sami bleibt gerne im Auto sitzen, ihm ist der Ort zu unheimlich.

Genießt eure Fenstertage oder euren Arbeitstag, ich hole jetzt geschenkte Kübel für unseren Kübelgarten in Klagenfurt und freu mich am Abend auf Giaconda Beli, die in Klagenfurt gastiert.

Schneckenkinder und der Frühling

Ich muss dauernd hinaus ins Licht, in die Sonne, in den Wald, an die frische Luft. Dankbarkeit ohne Ende, dass es warm wird, dass die Zeit im Haus vorbei ist.

Bei einem dieser Kameraausflüge runter zur Gurk fielen mir die vielen leeren Schneckenhäuser auf, die auf der Erde lagen. Schneckenfriedhöfe? Ich weiß es nicht. Liebste Hemma, ich hab uns hier einen link gefunden, der einige offene Fragen beantwortet 😀 Bei meinem nächsten Spaziergang schlüpfte ich in wasserdichte Winterschuhe, und mit Mann und Kind und Kübel rückten wir aus, um diese Schönheiten einzusammeln. Die schönen, zarten Gebilde in sehr unterschiedlichen Größen und Farbschattierungen dürften zum größten Teil Weinbergschnecken sein. Einige hatten noch Reste der Winterverdeckelung aus Kalk, sehr spannend. Wie wenig wir doch über unsere Tiergeschwister wissen. Was übrigens erklärt, warum unsere Nacktschneckenplage sich in Grenzen hält. Angeblich frisst die Weinbergschnecke die Gelege der spanischen Nacktschnecke. Unsere Hühner haben diesem Gleichgewicht vor ein paar Jahren mächtig zugesetzt, weil sie die Gehäuseschnecken mit Begeisterung verspeisten. Inzwischen dürfte sich der Bestand wieder erholt haben. Und übrigens: die Brunnenkresse ist da! Jihaaa!

Es dauerte eine Weile, bis alle Häuschen unter dem Wasserstrahl gereinigt, gespült, geschrubbt und auch wieder getrocknet waren. Im Kopf hatte ich schon Bilder von kleinen Wesen, die im Schneckenhaus leben, noch schlafen, neugierig heraus blinzeln. Handwerklich wollte ich filzend an die Lösung der Herausforderung heran kommen. Und als gestern Hemma für unseren Puppenpraxiskurs mit ihren halbfertigen Puppen auftauchte war klar, jetzt sind sie dran, die Schneckenkinder. Hemma hatte die gute Idee, dass sie ihre Häuschen auch am Rücken tragen können. Die wunderbar gefärbten Walkstrickreste der Friesacher Firma Boos sind perfekt geeignet für die kleinen Schneckenoveralls, die zu entwickeln waren. Und für die langen Zipfelmützen. Ich werde heute noch ein wenig mit Maria’s Dekoblüten und anderen Resten herumjonglieren. Und möglicherweise entstehen neue Schneckenhausreiche – ich werde einige Bilder im Kopf umsetzen. Draußen, auf der Sonnenterrasse. Neben den Goldfischen, die durchs getaute Wasser schießen und sich wie durch Magie nur um ein oder zwei Fischchen pro Jahr vermehren. Vorgestern schwamm übrigens Frau Kröte mit den Goldfischen im Kreis. Was bedeutet, dass unser Terrassenbiotop bald wieder voll ist mit kleinen Kaulquappen, die sich über das Fischfutter hermachen.

Schönen Sonntag rundherum!

Mogli und die Logik

Tja. Nicht gedacht, dass ich vor Ostern noch an den PC komme. Aber lieber jetzt als nie.

Selten so einen kreativen Fluss gehabt wie mit diesen Puppen. Rückblickend wird klar, dass es irgendwann geschehen würde. Dass es grundsätzlich geschieht, macht mich so glücklich, dass ich es kaum beschreiben kann. DAS war es, was ich immer wollte. Puppen nähen. Puppen entwickeln. Ihnen das Drumherum schaffen. Meine ersten Puppen in der Volksschule waren entsetzlich. Hässlich, unförmig, sinnlos. Ich gab sofort auf. Und wagte es nie wieder. Und das war es, was mir jeder auf seine Art erklärte. An den Wochenenden kannst du kreativ sein. Aber jetzt musst du die Matura machen oder einen Beruf lernen oder Geld verdienen (aber flott) und Geld verdienen für deine drei Kinder und dich und Geld verdienen. Vor allem – Geld verdienen. Und das Kreative, Künstlerische? Nein, zu unsicher. Drei verhungernde Kinder vor Augen. Die schimpfende, mit dem Finger zeigende Verwandtschaft. Die augenrollende Gesellschaft. Nein. Bloß nicht. Und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, absolut kein Glaube an mich und meine händischen oder gar kunsthandwerklichen oder überhaupt künstlerischen Fähigkeiten. Obwohl das Fotografieren und das Schreiben ein durchaus künstlerisches Handwerk hätte sein können, habe ich es meistens zum Geldverdienen missbraucht und mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich liebe was ich tue.

Das kann eh nur verstehen, wer das schon erlebt hat. All die Angst vorm Lernen ist zur Zeit wie aufgelöst. Keine Alpträume mehr, wo ich in Mooren herum wandere, irgendeine Aufgabe lösen soll und überall verkehrsartige Schilder sehe, die ich nicht verstehe. Und keine Ahnung habe, was ich denn überhaupt für eine Aufgabe lösen soll. Diese Träume waren die letzten dreißig Jahre konsequent da, sobald ich Neues lernte. Lernen muss bei mir an Panik, Angst und Verzweiflung gekoppelt gewesen sein. Ich erinnere mich voller Grausen an die Volksschullehrerin in der ersten Klasse in Spittal, die mir unvermittelt mit den Knöcheln auf den Kopf schlug, wenn diese bescheuerte Mengenlehre nicht in meinen Kopf wollte. Mit dem Lineal zuschlug. Pfoah. Ich hatte echt noch Glück, dass diese „Pädagogin“ zu Weihnachten suspendiert und dann in Pension geschickt wurde. Ihr und ihrer Lehre verdanke ich, dass logisches und mathematisches Lernen fast durchgehend ein Alptraum wurde. Logik chinesisch für mich blieb und nur Angst und Hirnnebel auslöste. Und ihr verdanke ich auch, dass ich jetzt bewusst miterlebe, wie beglückend lernen sein kann.

Ich lerne nun täglich. Die Puppen von vor zwei Wochen sehen vollkommen anders aus als die Puppen der letzten Tage. Meine Lehrerin in Mexico hat Recht. Die Arbeit an den Puppen ist durch und durch heilend. Durch das Tun mit den Händen. Und auch, weil so viel Liebe für diese Wesen entsteht. Weil ich mir vorstelle, dass ein Kind mit diesen Wesen spielt. Ein Erwachsener Freude daran hat. Da ist eine Engelsgeduld dabei, die ich vor zwanzig Jahren noch nicht hatte, als so eine Nebenbei-Puppen-Phase sich abzeichnete. Da musste alles schnell-schnell gehen. Ich kann eine Puppenhand drei Mal neu annähen, wenn sie dann am Körper besser aussieht. Ein anderes Kleid nähen, wenn es einfach nicht zur Puppe passen will. Sogar einen neuen Körper nähen wie heute, wenn die Proportionen auch mit zugedrücktem Auge nicht passen wollen. Überhaupt kein Problem! Es entstehen logische Abfolgen im Tun. Die Arbeit lässt sich in Schritten darstellen. Ich lerne Logik nach. Unglaublich. Der Hirnforscher Professor Huether hat schon Recht wenn er sagt, dass unsere Hirne nachlernen, nachrüsten, neu schalten. Und auch meine Begleiter im LAIS-System hatten vollkommen Recht, dass der Wunsch nach Lernen natürlich in uns angelegt ist. Da ist oft nur viel Schutt und Geröll wegzuräumen, um diesen Fluss zu befreien.

Nein, ich werde mich hüten, Empfehlungen abzugeben, um die mich keiner gebeten hat. Frage mich heute still und leise, was diese Welt für ein Platz wäre, wenn Menschen in Ruhe ihre kreativen Talente und handwerklichen und denkenden und liebenden Fähigkeiten entwickeln könnten, um ihrer Begeisterung nachzugehen. Für mich ist das der Inbegriff des „Lernens“. Egal was. Jede und jeder hat andere in ihr und in ihm angelegte Talente. Das Herzklopfen beim Tun weist den Weg. Und manchmal auch der Widerstand…

Mogli heißt übrigens die Puppe mit der dunklen Haut. Sie erinnert mich an den Sohn einer lieben Freundin, der auch ein Mogli ist. Dieser hier will sich nicht anziehen lassen. Da heißt es noch warten, ob er sagt, was er braucht. Das Elfchen mit der Ohrenmütze ist ein Minizugeständnis an Ostern. Und die rothaarige Puppe entstand vor einem Jahr. Es liegen Welten in der Ausführung dazwischen. Aber vielleicht kann das auch nur ich sehen.

 

Februar und Figuren

An der Masse der nicht geschriebenen Blogbeiträge ist unschwer zu erkennen, dass ich kaum Zeit habe, hier in Ruhe und mit Genuss Reflexionen zu schreiben.

Ja genau. Nach einer Phase vollkommenen Stillstandes unserer RAUM-Aktivitäten und einem plötzlichen Scheitern aller angedachten Projekte geht es plötzlich wieder dahin.

Gestern saß ich glücklich und zufrieden in meiner Werkstatt und wollte die nächste prototypische Elfe angehen. Die erste war so voller kleiner Fehler, diese Chance muss ich sofort nutzen. Sonst verdränge ich die Fehler und lerne nichts. Der Körper mit den angeschnittenen Beinen war flott gemacht. Leicht gestopft. Der Kopf ging überraschend schnell mit einer neuen Technik, die ich gesehen hatte. Ein bisschen übermütig begann ich, mit Wollvlies und Filznadel Wangen auf den abgebundenen Kopf zu filzen. Ein bisschen hier. Ein bisschen dort. Und weil so schöne Formen machbar und sie nie ganz gleichmäßig waren – ja, ich bin chaotisch – entstand immer mehr Gesicht unter meinen Händen. Ich spielte ein bisschen herum, begann eine kleine Nase zu filzen. Sie zu vergrößern. Baute ein Kinn auf. Und dachte mir, naja, versuchst du es halt – jetzt bastle ich Lippen. Ich trau mich einfach. Sehr naiv. Denn nun begann der Puppenkopf zu leben! Pfoah! Das ist magisch! Plötzlich hast du einen menschlichen Kopf in der Hand. Jeder Stich, jeder Winkel ändert ein wenig den Ausdruck. Herzklopfend stichelte ich Augenhöhlen. Nach zwei Stunden war klar – dieser Kopf ist viel zu groß für die kleine zarte Elfe. Und – ich habe eine Blockierung überwunden. Niemals in meinem Leben hätte ich mir zugetraut, ein Gesicht zu formen. Und schon gar nicht mit Wolle. Beim Zeichnen schossen mir jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn ich es aus dem Gedächtnis versuchen sollte. Blockierung und aus und fertig. Jetzt ist es einfach passiert. Mein Körper weiß, wie meine Hände ein Gesicht formen – er spürt es. Ich glaube, das kann nur verstehen, wem Ähnliches geschehen ist…

Bis ein Uhr Nachts saß ich am PC und zog mir jedes Video und jeden Satz von Fabs in Mexico und Astrid in Holland in die zunehmend matter werdende, aber lernbereite Birne. Es ist schon unglaublich, wie großzügig manche Menschen ihr Wissen teilen. Ich schreibe ein anderes Mal mehr darüber, weil bei Fabs auch ein bemerkenswertes Projekt dahinter steckt, das vielleicht viele Kreative nicht kennen. Ach, und auch Astrid macht ein tolles Projekt. Wie gesagt. Das ist eine andere Geschichte und soll frei nach Michael Ende ein anderes Mal erzählt werden…

Ein fast gestorbenes Projekt in Klagenfurt mit unseren Freund*innen vom Verein VOBIS in Klagenfurt feiert Auferstehung. Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich darüber bin. Noch diesen Freitag geht es weiter. Und wir haben richtig viel vor. Darüber berichte ich ebenfalls ein anderes Mal.

Als wenn das nicht schon genug wäre, kommt unsere geniale Fotochallenge auf Instagram und Facebook nach nicht ganz zwei Monaten in Schwung. Es ist für mich das reine Vergnügen, mich kreativ herauszufordern. Struktur und Raum für Kreativität für viele zu halten. Themen pünktlich am Sonntag Abend für die kommende Woche auszugeben. Täglich ein neues pic hochzuladen, das in MEINEM Fall nicht aus dem Archiv kommt, sondern neu angefertigt wurde. Anfragen zu beantworten. Andere zu begleiten in ihrem Tun. Mich mitzufreuen, dass alle Fortschritte machen, die dran bleiben. Und liebevoll auf jene zu warten, die zwischendurch wegbrechen, weil sich halt der Alltag breit macht. Voll das Leben! Die Gruppe bleibt geöffnet. Jede und jeder ist herzlichst willkommen, mit zu machen. Es ist ein Vergnügen zu sehen, wie einer vom anderen lernt. Langsam und sichtbar eine eigene Handschrift entwickelt. Sich zähneknirschend und beinah mir zuliebe doch mit Themen auseinander setzt. Die Zuschreibung #alleswegenLisa wird mir zeitlebens eine (Herzens)Ehre bleiben. Ach. Ich mag das so gern. Ihr Instagramer, schaut rein unter #derraum365. Und macht mit!

Mit unseren Partner*innen von Kunst & Werk geht es ebenfalls fein weiter. Ein ORF-Beitrag macht uns in der Region und darüber hinaus sichtbar. Intern entwickelt sich nach einer Storming- und Normingphase (tja, so ist das, wenn neue Menschen in Gruppen kommen) in der Formingphase ein Miteinander-Gehen, zu dem langsam auch wir Zutritt finden. Nichts ist jemals konfliktfrei. Aber dieser Weg ist absolut gehenswert und bereichert uns.

Aus einem total gescheiterten, obwohl wohldurchdachten, wohlstrukturierten und sogar durchfinanzierten Projekt entsteht durch menschliche Verbindung in der Auseinandersetzung eine geniale neue Sache. Innerhalb von drei Monaten bekomme ich so viele Schulungen in Projektentwicklung und Antragstellung für Förderungen, dass es nur so raucht. Langsam blicke ich durch, was in Österreich geht. Und was nicht geht. Ich habe vor etwa einem Jahr ein wenig bedauert, dass es diese dahingehenden Studien während meiner suchenden Zeiten an der UNI nicht gab. Ich hätte sie gerne gemacht. Nun bekomme ich all das Wissen auf eine andere Art vermittelt. Und kann es sofort in der Praxis testen. Und wieder scheitern. Und daraus lernen. Und immer weiter und weiter. Dieser ganze normale, natürliche Lernprozess, der mich so begeistert. Wie dankbar ich bin, dass ich im Rahmen meiner Ausbildung im LAIS-Institut dafür sensibilisiert und vor allem daran erinnert wurde.

So. Genug Text für heute. Ich stricke jetzt die Winterstrumpfhose mit Ferse (!) und Zwickel (!!) für meine Elfe. Verkühlte Elfen werden schnell grantig. Das hat mir Romana mit den wilden Schafwollhaaren schon zu verstehen gegeben. Und mich mit ihrem Niesen angesteckt.

 

Ende gut, alles gut

Ja, das Kostüm wurde fertig. Inklusive Kronenmütze mit Riesenschnabel des Phönix. Unser jüngstes bei uns lebendes Familienmitglied hat heute seine erste öffentliche, wunderschöne, bunte, laute und lärmende, verspielte und freundschaftliche Geburtstagfete gefeiert. Es tut einfach gut, ihn sozial so gut aufgenommen zu sehen. Seinen Platz zu erkennen in der Gruppe. Die Verbindungen zu erspüren, die sich in eineinhalb Jahren Schule aufgebaut haben. Müde und glücklich beende ich diesen Tag mit ein paar Bildern vom Entstehen und Sein eines Kostüms, das uns näher zueinander gebracht hat. Danke Leben.