Quarantäne und ein Selbstversuch

Gehörst du zu denen, die eine Nähmaschine bedienen, um die verpflichtende Mund-Nasen-Bedeckung selber zu nähen? Oder unterstützt du regionale Klein(st)betriebe, indem du sie kaufst? Holst du dir dein verpflichtendes Teil beim Supermarkt? Ich habe mich die letzten Tage neben breitest angelegter Online-Recherche zum Thema Coronavirus und Covid19 auch mit Schnittmustern für diese Masken auseinander gesetzt. Jeden Tag kommen neuere, bessere, sicherere Schnitte. Mit und ohne Metall, eingenäht. Mit und ohne Tunnel zum Einschieben des Pfeifenputzers. Was ist besser, zweilagig, dreilagig oder sogar vierlagig für den Kohlefilter? Mit Gummi oder mit Bändern? Oder mit Abnähern angepasst, unterschiedlichste Größen? In einer Woche sind wir alle Expert*innen, jetzt ist vieles trial and error. Nebenbei erhalte ich eine Überdosis Theorie für, gegen und überhaupt. Einiges schrecklich nahe am rechten Gedankengut. Da höre ich von „Finanzeliten“, von einer arischen Rasse, die geschützt werden muss vor den Dunkelmächten. Finale Kämpfe. Nein, nicht mit dunklen Masken. Die sind hier auf diesem Planeten voll im Trend. Sondern grundsätzlich. Das muss ich erst verdauen. Ich bin ein denkendes und ein spürendes Wesen. Und durchaus in der Lage, selbst zu denken, zu hinterfragen und mir meine eigene Meinung zu bilden. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Heute trage ich am Vormittag die beiden entzückenden, aus hellen Sommerstoffen genähten und gewölbten Ja-wie-nenne-ich-denn-die-rechtlich-richtig-Dinger zur Post. Eine große für meine Tochter. Eine kleinere für meine Enkelin. Niemand ist mit Maske unterwegs. Nicht vorm Postamt. Nicht drin. Die Schilder sind wie vorgestern. Abstand halten. Wie huste und niese ich korrekt. Hände waschen. Meine selbst genähte Dreifachmaske steckt in meiner Jackentasche. Die freundliche Postlerin schickt die beiden Dinger, aus denen ich ehrlich gesagt lieber was Anderes für Tochter und Enkelin genäht hätte, auf die Reise. Und ich beschließe einen ganz und gar freiwilligen Selbstversuch. Heute ist mein Tag dafür.

Mit der Maske in der Tasche und nicht vorm Gesicht betrete ich die Apotheke. Bloß nicht niesen, bloß nicht hüsteln. Starre Blicke von Kundinnen. Über der Wegwerfmaske. Nein, wohl fühle ich mich nicht. Ganz eindeutig, das wird nicht goutiert. Ich mache den Menschen Angst. Die Angestellte hinter ihrer deckenhohen Plexiglasabdeckung versteht mich nicht. Ich rufe meinen Bestellwunsch. Wir müssen beide lachen. Und ich bekomme meine Zeckenzange. Du, lieber Leser glaubst ja nicht, wer sich vorgestern in meiner Leiste einzugraben probierte. Der frühe Zeck fängt die Lisa.

Richtig wohl fühle ich mich nur im Auto. Meine Bakterien, meine Viren, mein Staub. Nächster Versuch. Ein Lebensmitteldiskonter. Wesentlich mehr atemgeschützte Menschen. Sogar welche, die allein im Auto sitzen. Ich wage es. Gummihandschuhe. Aber keine Maske vorm Gesicht. In der Jackentasche. Mit begegnen Malermasken, Sprayermasken und die von social media bekannten grünlichen Einwegdinger mit den drei Falten, die offensichtlich wirklich verteilt werden. Keine einzige selbst genähte Maske. Beim Ansteuern eines Regals der erste Hakenschlager. Ja genau. Mann mit Maske sprintet davon. Meine Hand zuckt zur Jackentasche. Soll ich? Halte ich es noch aus? „Ma, ich seh nix, meine Brille“, höre ich hinter mir. Möglicherweise Mutter und Tochter. Mit Einwegmasken. Ich halte Abstand, warte, bis ich ans Regal komme. Die Tochter sieht noch immer durch einen Nebel. Eigenartig, wie schwer man Menschen einschätzten kann, wenn man nur die Augen sieht. Ich fühle mich super unwohl. Blicke, die mir nicht gut tun. Dazwischen Todesmutige wie ich, ohne Maske. Wir schauen uns nicht in die Augen. Soll ich abbrechen? Ich merke, dass ich durch die Gänge hetze. Ich will hier raus. Bodenmarkierungen an der Kasse. Das ist neu. Ich gehöre ein bisschen mehr dazu, weil ich mich an das Gelbschwarz halte. Endlich ein Schutz der atemgeschützten Dame an der Kasse, obwohl die Plexiglasscheibe nicht bis vor mich, die Kundin, reicht. Ein Kistenturm, der es mir nicht mehr erlaubt, ihr mit dem Wagen zu nahe zu kommen. Oder sie mir. Umständlich fädle ich mir einen Weg für die Bankomatkarte hinter die Plexiglasscheibe.

Erleichtert verlasse ich diesen Diskonter. Beim nächsten stülpe ich mir meine mit Pfeifenputzerdraht (die Brillen!) selbst genähte Maske über Nase und Mund. Muss herum ziehen und herum drücken, damit die Brille tatsächlich nicht beschlägt. Und siehe da! Erleichterung! Ich darf ans Regal, ohne dass jemand flüchtet. Es gibt wieder sowas wie Augenkontakt. Dreilagig ist nicht so ohne beim Atmen. Ich verstehe Kritiker, die den Sinn der Masken anzweifeln. Oben und unten ist alles gut dicht. Seitlich – ich weiß nicht. Ich nähe mir heute noch eine andere Maske. Einfach, um es auszuprobieren. Dieser Einkauf ist wesentlich entspannter für mich als die anderen. Ich, die Freiheitsliebende. Ich gestehe mir das ein. Am Weg zum Auto ziehe ich mir so schnell als möglich die Handschuhe von den Fingern und achte darauf, meine Maske nicht zu berühren. Ich lege sie zum Trocknen vor die Windschutzscheibe. Sicherheitshalber. Nein, noch ein Geschäft probiere ich heute nicht mehr. Mir reicht es.

Fazit: Was auch immer sich später als richtig oder falsch heraus stellen wird: ich fühle mich wohler mit meiner selbstgenähten Maske, die die Umwelt nicht belastet. Und offensichtlich meine eigenen und die Ängste anderer nicht füttert. Aus upgecyceltem Material, das ich nicht extra anschaffe. Und ich bin ehrlich froh, wenn diese Zeit der Angst vorbei ist. Inzwischen nähe ich halt auch Masken für jene, die das nicht selber wollen oder können. Auf Spendenbasis für unseren gemeinnützigen Verein DER.RAUM, damit wir im Sommer und im Herbst weiter tun können. Wird vielleicht nötig sein, wenn diese Wirtschaft wieder aufgebaut werden muss. Doch das ist eine andere Geschichte.

Struktur und Quarantäne

Ja, es ist Struktur eingekehrt. Still. Heimlich. Aus der Stille, aus der Ruhe. Mit einem über die Jahre gewachsenen Freund*innen und familiären Netzwerk, das wie ich seine Fäden spinnt und mit mir diese Phase durchgeht. Mit den üblichen Aufs und Abs. Mit Gesprächen, Überlegungen, Mutzusprüchen. Und mit Videos, über die ich mich schlapp lachen kann.

Ganz gesund bin ich nicht in diesen Tagen. Ob es meine Empathie mit Menschen oder mein vorausschauender Umgang mit möglichen Symptomen ist kann ich nicht so recht beurteilen. Atemnot habe ich schon ein Leben lang, seit ich als Neunjährige eine saftige Lungenentzündung hatte. Von meiner Anämie will ich da jetzt gar nicht anfangen. Und ich huste seit November, derzeit wieder ein bisschen mehr. Mir fehlt es, im Garten zu sein. Und so wie es aussieht, gibt der Winter ein spätes Debut. Wir heizen wieder und alles spielt sich mehr im Hausinneren ab. Vielleicht raffe ich mich heute trotz allem auf und gehe mal wieder an den Fluss. Meinen Bronchien tut das sicher gut.

Meine Tage verlaufen relativ systematisch. Gemeinsames Frühstück mit meinen beiden Männern. Der Zehnjährige strahlt vor sich hin wie die Sonne. Und erzählt, was er von den Arbeitsaufträgen schon im Pyjama erledigt hat. Und dass er sich noch ein Video mit Turnübungen anschauen will. Aber er turnt herinnen. Weil, draußen ist es einfach zu grau und zu trüb. Zuhören, als mein Mann erzählt, dass in der WG einer seiner Töchter ein junger Mann Symptome hat. Quarantäne, nun auch außerhalb unserer vier Wände. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen. Es war klar, dass auch solche Nachrichten kommen werden. Dass mein Sohn heute Morgen seinen angekündigten und frei gewählten Milizdienst im Kosovo antritt habe ich als liebende Mutter zu akzeptieren. Meine persönlichen Gefühle sind meine Gefühle und werden auch wieder vergehen.

Einheizen in meinem freundlichen Atelier, aufräumen, wegräumen. Zusammen räumen, was vom Vortag liegen geblieben ist. Mich daran hindern, schon wieder zu googeln, wie es in Spanien und in Italien, in den USA und speziell in London aussieht. Wie es den Kindern und Eltern in den Flüchtlingslagern zwischen Griechenland und der Türkei geht. Weiterhin Zurückhaltung auf Facebook, sonst sitze ich zwei Stunden später noch immer da. Die Töne am Handy ausschalten, auch das Vibrieren. Dauernd neue Meldungen. Sie sind auch ohne mich da. Ich schaue mir die Pressekonferenzen täglich auszugsweise an. Ich freue mich heute besonders darüber, dass wir als Stammkunden des Mittelkärntner Bioboten weiterhin versorgt werden. Sabine und Irmgard, ihr wisst gar nicht, wie gut uns eure Donnerstagskisten vor der Tür tun, psychisch und physisch. Hinterher wird Zeit sein, euch zu drücken.

Während ich handwerklich in irgendeine meiner vielen fantastischen Figuren eintauche und dran weiter arbeite, kehren meine Lebensgeister langsam zurück in meinen Körper. Beginne ich mich zu freuen, dass meine Enkelin und Tochter in Wien demnächst per whatsapp live mit mir sein werden. Dann darf ich wieder Bücher mitlesen und verstecken spielen. Meiner Enkelin aus 350 Kilometer Entfernung dabei zuschauen, wie sie auf abenteuerlich aufgeschichteten Matratzen in den engen zwanzig Quadratmetern einer Wohnungsquarantäne Purzelbäume und Rutschpartien veranstaltet oder mit dem Kindergarten telefoniert, weil der Hase dringend abgeholt werden muss. Wie schnell sie sich umgestellt hat! Mein jüngster Sohn ruft regelmäßig an. Nun gibt es auch positive Testungen in seiner Firma und die Dinge ändern sich. Wir werden uns der Armatur in der Küche widmen, da ist irgendwas so locker, dass der Hahn herauszufallen droht. Was gut ist (hoffentlich!), weil wir dann vielleicht auch den Fehler finden, warum unser Geschirrspüler partout nicht abpumpen will. Abenteuer Installation. Und wir als Laien werden vermutlich eine Menge dazu lernen. Und zu schätzen wissen dass es eine Zeit gibt, in der man einfach einen Installateur anruft und hofft, dass er Zeit hat.

Morgen treffen wir Puppenmacherinnen uns zum ersten Mal auf Zoom. Ein globales Treffen. Und der erste Termin seit zwei Wochen, an den ich mich halte. Ich bin sehr gespannt, wie das sein wird. Unser Make Along auf Facebook ist einer der Lebensfäden mit der Außenwelt, der mich beruflich nährt und wärmt.

Tag 14 unserer Quarantäne. Ein Zwischenbericht. Ich schicke meine herzlichen Grüße hinaus an euch alle!

Atelier und eine Pause

Statt emsiger Geschäftigkeit im Atelier totale Pause im Atelier. Stillstand. Quarantäne in der Quarantäne. Ich habe mit vielem gerechnet, nur damit nicht. Diese vielen Angebote online, auch das ist mir zu viel geworden. Und Leute, es tut mir gut. Inklusive Social Media Fasten. Meine Freundin Ingeborg schickt mir jeden Tag kurze Meditationen, die ich fast jeden Tag mache. Wenig konsequente Struktur im Hause Stoberdorf vulgo Leitgeb. Ein zehnjähriges Kind, das sowas von brav mitmacht beim homeschooling. Das erstaunliche Selbstentwicklungsschritte hinlegt, einfach so. Einfach jetzt. Die Biber, die unsere Neugier am Leben erhalten. Unerfreuliche Erlebnisse beim Wocheneinkauf im Supermarkt und beim privaten Bauern. Die Angst, die Übervorsicht und auch die Rücksichtslosigkeit sind da. Verständlich, vollkommen. Und trotzdem unangenehm. Nächstes Mal schütze ich mich besser. Und es wird reichen, den Einkauf vierzehntägig zu machen. Dann gibt es die Spaziergänger, die freundlich aus ihrem Respektabstand mit uns kommunizieren, erzählen, wie es ihnen geht. Uns zuhören, wie es uns geht. Voll das Leben. Seit gestern kehren die kreativen Lebensgeister zurück. Passend mit dem Wintereinbruch in Österreich, der uns hier Schnee in hohe Tallagen beschert. Und mit der heutigen Nacht vermutlich viel Erfrorenes, das drei Wochen zu früh den Frühling gespürt hat. Das Erdbeben in Zagreb, das heute Morgen auch hier messbar war, ist nur mehr ein Drüberstreuer.

Ich jammere noch immer auf hohem Niveau, habe ein Dach überm Kopf. Menschen sind da, die mich lieben und die ich liebe. Wir können ohne Probleme in die Natur gehen. Sie ist vor der Haustür. Es gibt smarte Medien, um mit Familie und Freund*innen in Verbindung zu bleiben. Nicht zu vergleichen mit dem Istzustand von geflüchteten Menschen, die an Europas’s Grenzen in Lagern hocken und nicht wissen, was sie heute essen, ob sie morgen noch leben und wohin es für sie geht. Ein Planet, der sich fühlbar reinigt, weil wir unsere Wirtschaftssysteme herunter fahren. Eh nicht lange. In China geht es schon wieder los.

Heute gehe ich schnitttechnisch und an der Nähmaschine das an, was sich seit Tagen in meinem Kopf formt. Danke ihr so besonderen Menschen, die JETZT bestellen, die JETZT für Sommer und Herbst planen und mich einbinden. Die mit ihrem Kauf und ihren Vorschlägen mein Weiterkommen auch wirtschaftlich unterstützen. Ich werde in diesem Leben kein Onlineprofi UND ich leiste meinen Beitrag, indem ich auf eure Wünsche und Bedürfnisse, mich und meine Wesen zu zeigen, eingehe. Neben mir knackst der sich erwärmende Ofen, der schon eine ganze Woche kalt bleiben konnte. #onwards! sagt die schreibenden Künstlerin Elizabeth Gilbert. Wir schaffen das, sagt die WKO. Ich habe keine Ahnung, sage ich. Und gehe einen Schritt nach dem anderen. In meinem Tempo. Mit dem vollen Bewusstsein, in einer besonderen Zeit zu leben und diese mitzugestalten.

Rückzug und Forschung

Ja. Stimmt vollkommen. Wir sind begünstigt. Wir leben relativ einsam am Land, neben einem Wald. Oberhalb eines plätschernden Flusses. Mit wildem Garten, in dem schon wegen der Bienen alles so sein darf wie es die Natur will. Und wir Menschen, wir dürfen jederzeit und immer hinaus. Auch jetzt in einer Zeit, wo die Vorsichtsmaßnahmen um einen Corona Virus Menschen dazu anhalten, drinnen und daheim zu bleiben.

Ich möchte dir – und vielleicht auch deinem Kind – etwas erzählen und auf diesem Weg mit dir teilen. So hast auch du etwas von unserem Ausflug. Wir haben heute nämlich etwas entdeckt. Da hüpft mein Herz, obwohl ich mehr ahne als ich weiß. Link am Ende des Artikels.

Doch schön der Reihe nach. Mein Mann, unser Sami und ich, wir werden jetzt jeden Tag in den Wald gehen. Teil dieser Quarantäne-Struktur, die zu uns passt und niemandem schadet. Und gut für uns winterliche Werkstatthocker. Weil Sami so vertieft in seine Schularbeiten ist, machen wir unseren ersten Ausflug mit Katze(n) und Sammelsack. Es könnte ja sein. Altholz und Wurzeln. Du kennst uns. Sammlerin und Sammler, notorisch und unbelehrbar. Wir gehen hinunter an die Gurk, einen ganz anderen Weg als sonst. Und dann sehe ich es von weitem. Biberspuren. Aber nicht so kleine, vorsichtige. Sondern dieser Biber nagt ordentlich. Dicke Späne liegen rund um eine sehr dicke Weide. Ich schätze, in ein paar Tagen ist der Stamm durchgenagt. Flussabwärts hat er sich scheinbar die Zähne ausgebissen an einer Doppelweide und bei der Hälfte aufgegeben. Flussaufwärts finden wir nicht nur ein Flussholzparadies an einer Wassertränke für die Sommerkühe. Ich träume davon, dass das auch die Biberburg ist. Ich finde überall Elfenkrokusse im weichen, angespülten Sand. So sagt Frau Google zu diesen Schönheiten. Ausgewilderte, zarte Wesen mit hauchdünnen lila Blütenblättern. Dieses Novemberhochwasser hat ein kleines Paradies hinterlassen.

Natürlich sehen wir keinen Biber weit und breit. Nachtaktiv sind diese Wesen, das habe ich schon gehört. Kommen nur in der Dämmerung und dann in der Nacht. Es lässt uns nicht los. Und wir schauen gemeinsam mit Sami, was es online über Biber zu finden gibt. Und das ist die Krönung des heutigen Tages. Eine geniale Dokumentation aus Frankreich. Mit so ähnlich Biberbegeisterten wie wir es sind. Prädikat: unbedingt anschauen. Und dein Kind weiter über Biber forschen lassen. Ich hoffe, der Landbesitzer entdeckt die hiesigen Spuren nicht so schnell und der Biber kann hier leben. Und wir können weiter forschen. Und noch mehr hoffe ich, diesen bezaubernden Wesen irgendwann mal in echt zu begegnen. Hast du Biber in deiner Nähe? Und durftest du sie schon beobachten! Bitte erzähl mir davon!

SERIE „UPCYLING DOLLs“

Interkulturelle Wesen aus einer interkulturellen Initiative. Unikate, Handarbeit, Upcycling und Recycling von vorhandenen Rohstoffen und Materialien.

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

SOREYA

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 45,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Sabina

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 65,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Osterhasenmädchen

Stoffpuppe aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 45,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Handwerk und Digitalisierung

Seit ich mich vor knapp einem Jahr wirtschaftlich als Künstlerin auf eigene Beine gestellt habe weiß ich, dass ich online präsent sein soll. Sagt mir jede und jeder. Wissen heißt aber noch lange nicht, dass ich es tue. Kennst du vielleicht auch. Je mehr Menschen mir zureden, was ich tun soll, desto weniger – mag ich. Liegt sicher nicht an mir. Sondern an meinem freiheitsliebenden Sternzeichen, Aszendent Zigeunerin. Mit der Sonne im Gartenstudio. Dorthin braucht mich niemand zu schicken. Wenn ich mit meinen Händen arbeite, bin ich ich. Bin ich glücklich. Fühle ich mich rundherum wohl.

Doch zurück zum Eigentlichen. Nein, keine langen Lamentos über derzeitige Kronenviren, was du machen sollst, damit du daheim nicht verschimmelst. Du weißt selber, was gut für dich ist. Und derzeit kriege ich eher Stress, welches Hilfsangebot ich mir noch anschauen soll, das mir meine Zeit tot schlägt. Ich brauche eher eine Pause von den sich überschlagenden Meldungen und Fake-Meldungen. Als Handwerkerin mit Sinn für Kunst benötige ich keine Tipps, die Einsamkeit zu ertragen. Ich kann das. Ich arbeite am liebsten allein. Treffe mich mit Menschen. Und arbeite dann wieder allein.

Aber, riesengroßes Aber, ich nutze diese Wochen, endlich das zu tun, wovor ich mich drücke. Ich digitalisiere. Das Ergebnis der Arbeit meiner Hände, meines Herzens, meiner Seele. Meine freundlichen Wesen werden in Zukunft auf einer ganz einfachen Seite meiner vernachlässigten homepage sichtbar sein. Diese Site wird SHOP heißen. Und kein Webshop sein. Ich kann das nicht, es passt nicht zu mir. Derzeit jedenfalls nicht. Meine textilen Wesen entstehen aus Geschichten und Fantasie. Aus Träumen, Emotionen und sind oft genug eine Reaktion auf das Leben. Ich mache das auf meine Art. Und dann sehe ich eh weiter.

Eine Serie liegt mir besonders am Herzen. Es sind kleine handliche, recht einfache Wesen. Sie wurden im Herbst 2018 in Gemeinschaftsarbeit mit afghanischen und österreichischen Frauen und einem Mädchen in Klagenfurt begonnen. Viele dieser Frauen hatten mit Puppen nichts am Hut. „Lisa, das kauft man billig beim Chinesen. Wieso selber machen?“ war die Antwort der meisten aus dem arabischen und persischen Raum. Einige von ihnen fingen beim Tun doch Feuer. Vor allem, als die eigenen Kinder sahen, was beim Nähen mit gebrauchten Stoffen heraus kam. Ich habe im Voraus Köpfe gerollt und vorbereitet. Körper zugeschnitten, damit wir flott vorankommen. Und ich freue mich, dass ein paar Puppen liebevoll in afghanische Haushalte aufgenommen wurden. Dass sich Kinder gefreut haben.

Diese kleine Serie von Wesen habe ich diesen Winter fertig gestellt, nachdem klar wurde, dass es die gemeinschaftlichen Kurse in dieser Form nicht weiter geben würde. Für die Körper verwende ich gewaschene und gereinigte Stoffmusterproben aus unserem reichen Stofflager. Upcycling. Re-Use. Wie ihr unschwer erkennen könnt, werde ich nie zur Kunsthandwerkerin taugen. Alle meine Gesichter sind ein bisschen anders. Diese Wesen haben unter meinen Fingern immer ein Eigenleben, dem ich mit Wolle und Filz und Textilien nachgehe. Ich habe bei einigen Körpern mit Nadel und Häkelnadel Spuren hinterlassen, die die Puppen zu etwas sehr Individuellem machen. Zwei Wesen kommen nach dazu, die ich aus dem Kunst&Werk zurück gebracht habe. Und nein, es wird keine neuen Wesen dieser Art geben. Derzeit jedenfalls nicht. Mehr zu diesen Puppen und zu anderen Kostbarkeiten in meinem SHOP. Klingt doch schon fast professionell, was meinst du?

JOHANN

Johann ist eigentlich ein Regalhucka. Wie du aber unschwer erkennen kannst, fühlt sich Johann am wohlsten in der Nähe von Tieren, Kindern, Pflanzen und Natur. Er ist ein Naturbursch. Ein Erdwesen. Ich kann es gar nicht glauben, dass Johann in keinem meiner Blogbeiträge vorkommt. Er war kurz ein Star auf Instagram. Das ist auch schon wieder fast ein Jahr her. Und wir hatten bereits Baustelle für das neue Gartenstudio.

Johann kann stundenlang zuhören. Gut für Sami, der auf der Baustelle sehr aufpassen musste, nicht unter die Hölzer, die Balken und die Farben zu kommen. Er und Johann haben den blühenden Garten erkundet. Der zukünftigen Katzenmama ganz zart den Bauch gestreichelt. Und an den Schlüsselblumen gerochen.

JOHANN
Regalhucka aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design

geboren am 1. Mai 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 325,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

RUBIA

Dieser Rotschopf ist in den Sommermonaten des letzten Jahres zur Welt gekommen. Sie hat auf eine Art und Weise Kleidung geordert, dass mir Hören und Sehen verging. 35 Grad im Schatten. Staub. Irgendwie durchhalten, was an grober Arbeit beim Hausbau durchzuhalten ist. Und Rubia. Ich will ein Umhängetäschchen. Und jetzt will ich dazu passende Schuhe. Und ein Perlenjäckchen. Und ein Stricktop. Und im Rock sollen Blüten sein und er muss glitzern. Den Bikini und die Sonnenbrille habe ich dann verweigert. Mach dich auf etwas gefasst: sie ist ein echter Rotschopf. Einer mit Durchsetzungskraft und Klarheit. Sie bringt auch Ordnung und Struktur in dein Leben. Davon kannst du ausgehen.

RUBIA

Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 11. Juli 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 215,–
mit Kleidung, ohne Deko, exklusive Versandkosten

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FRANZI

Franzi ist nach ihrem Aufenthalt im Klagenfurter Gemeinwohlladen wochenlang im Studio um mich herumgeschlichen. Hat um eine Osterhasenmütze gebettelt. Das musste sie. Es war einfach sowas von nicht auf meinem Plan. Aber nun gut, ihr kennt das ja schon. Der Mensch denkt. Die Puppe lenkt. Franzi kann ausnahmsweise sitzen. Ansonsten fällt sie in die Kategorie der einfachen Stoffpuppen. Wer ihr tief in die grünen Augen schaut sieht, dass sie nicht einfach ist. Sie ist liebenswürdig. Aber nicht einfach.

Osterbunny FRANZI
Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design

geboren am 10.1.2020 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 225,–
ohne Deko, exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

MIRA

Mira ist eines der Wesen, das mich seit einem halben Jahr zu Kursen begleitete und vielen zukünftigen Puppenmacherinnen zeigte, wie so einer Zauberwesen aussehen kann. Sie trägt einen Pullover in meinen absoluten Lieblingsfarben, den Farben der dreifärbigen Bougainvillea und ist überhaupt ein Sonnenschein.

Mira

Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 27. September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 195,–
exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Jarah

Nachlesen über Jarah auf meinem Blog


Jarah

Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 18. März 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 195,–
exklusive Versandkosten
Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

Allegra

Hier auf meinem Blog kannst du über Allegra nachlesen!

Allegra
Handliche Stoffpuppe aus Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design
geboren am 9. März 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 195,–
exklusive Versandkosten
Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Stoffpuppe versandfertig gemacht und zugeschickt.



FINN ist wieder da!

Finn hat ganz rasch ein neues Zuhause gefunden!
Finn has found a new home, he is no longer available!

FINN hat seine Zeit im Klagenfurter Deins-und-meins-Shop sehr genossen. Da kam ein kleiner Kronenvirus. Und er wollte heim. Flott und sapperlott. Er vermisst Minnie, seine Katzenfreundin. Das hat er mir schon im Auto erzählt. Und noch Einiges mehr. Jetzt darf er sich mal ein Wochenende lang ausruhen. Und dann schauen wir weiter. Seine Freundin Greta war heute ganz traurig, dass er sie verlässt. Die beiden haben sich gut unterhalten in der lichtdurchfluteten Auslage. Aber Greta verlässt ihr neues Zuhause nicht mehr, sie fühlt sich wohl bei Ingun und den Damen ihres Teams.

Hier ist noch mal FINN’s Geburtstsgeschichte aus dem Nicht-Winter dieses Jahres 2020.

Und ja, natürlich – FINN freut sich auf ein neues Zuhause. Ab Montag. Wie gesagt, ich will ihn jetzt mal ordentlich drücken und ein Weilchen um mich haben. Bis ich es geschafft habe, hier als Laie übers Wochenende einen Webshop auf die Beine zu stellen, bitte einfach direkt bei mir melden!

Innere Stimmen und das Jetzt

Es geht mir gut. Innen drinnen. Unten drunter. Innen ist Klarheit, ist Ruhe. Weite und Zuversicht. Lust am Leben und Lust am Tun. Und zugleich erlebe ich mich im Alltag, vorm Einschlafen, beim Aufwachen wie ein aufgescheuchtes Hendel, dass von Nachrichten bezüglich Pandemien, Menschen auf der Flucht, vom Entsetzen vor sexistischen und zutiefst frauenverachtenden Texten im Rudel mit anderen Aufgescheuchten flattert und zittert und zwischendurch emotional vollkommen ausklinkt. Von diversen Existenzängsten und den üblichen Selbstsabotagewesen, die latent auf Futtersuche sind, einmal ganz zu schweigen. Die bringen mich in diesen Tagen eher zum Lachen. Ich habe vor ein paar Tagen so geweint wie schon lange nicht mehr. Das Fass zum Überlaufen brachten Bilder von flüchtenden Menschen, Frauen, Männern, Kindern an der griechischen Grenze. Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich angesichts dieser Bilder das Gefühl gespürt, dass es irgendwann reicht, dieses Erdenleben. Dass es auch für mich vorstellbar wird, dass er kommt. Dieser Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt zu sagen: „Danke, es genügt mir dann. Danke für all die Erfahrungen. Wir entwickeln uns als Menschheit nicht weiter. Ich kann keinen nachhaltigen Beitrag leisten, der wirklich etwas verändert. Ich bin müde. Ich fühle mich vollkommen hilflos. Mir tut alles weh vor Mitgefühl, und ja, all ihr Coaches und Mentoren, ich leide mit! Ich spüre den Schmerz meiner Schwestern und Brüder. Und ich mag nicht mehr.“

Was mir hilft? Ausweinen. Einen Tag lang. Oder länger, wenn es nötig sein sollte. Meiner erwachsenen Tochter zuhören, die mir am Telefon all die Sachen sagt, die ich ihr sagen würde, wenn sie zusammen bricht. Bloß nichts zurückhalten von all dem Schmerz. Spüren, bis in die letzte Zelle. Die Ohnmacht, die Wut, die Hoffnung und die Liebe für alles, was auf diesem Planeten leben will. Ich packe die Gleichgültigkeit nicht mehr. Die Selbstverliebtheit, die in unseren Wohlstands-Breiten epidemieartig um sich greift. Statt den Nächsten zu lieben wie uns selbst lieben manche Menschen nur sich selbst. Yeah, gut haben wir das gelernt in all den gutgemeinten Selbsthilfe- und Selbstliebekursen. Narzissmus an den Hebeln der Macht. Und mitten unter uns. Wir zerstören den nächsten, verbal und wirtschaftlich, bevor er uns etwas weg nimmt. Mir einzugestehen, ja genau, ich kann gerade überhaupt nichts tun. Ich, die Macherin, die Anpackerin und Voraus-Rennerin. Ich wirke nur in meinem direkten, kleinen Umfeld. Und bin nicht immer sicher, dass es gut ist, was ich tue. Auch ich mache Fehler. Schätze Dinge falsch ein. Ich „faste“ social media in diesen Tagen. Freiwillig, ohne große Ankündigung. Zwei Drittel der Kommentare dort machen mich unglücklich und ich bin der Argumentationen so müde, in denen es nur darum geht, Recht zu bekommen. Das schlagkräftigere Argument zu haben. Den anderen zu vernichten. Oder es besser zu wissen und ihm einen weiteren Selbsthilfekurs aufzudrängen. Nein. Danke.

Es hilft mir, mich auf meine klare innere Stimme, auf meinen inneren Ruf auszurichten. Ich bin Künstlerin. Ich bin so zur Welt gekommen und ich habe das sehr lange sehr erfolgreich überhört. In meiner Fantasie entstehen lebensgroße Wesen und Texte, die all das ausdrücken, was ich derzeit empfinde. Einiges wird das Licht dieser Welt erblicken. Da sind tragische und anklagende Wesen dabei. Aber auch humorvolle und augenzwinkernde. Sie und ich, wir beschäftigen uns mit dem, was hinter dem Alltäglichen schwer fassbar und oft unsichtbar ist. Und wie so oft im Leben, wenn mensch auf seine innere Stimme hört, so geschieht es auch jetzt. Eines fügt sich zum anderen. Eine Einladung zur Kunstausstellung hier. Ein Angebot für kostbarstes textiles Material dort. Tiefgehende Gespräche mit Menschen, ihre andere Sicht auf das Leben, die meine Batterien aufladen und meine Fantasie wieder bunter machen. Und Kinder. Volksschulkinder, die Träume haben für ihr Leben in einer Stadt. Für das, was sie mitgestalten wollen. Für ein Leben, das sie hier leben möchten. Und die Erkenntnis, wie dankbar ich sein kann, dass ich lebe, wie ich lebe. Dass ich eine Wahl habe. Dass ich sagen kann, was ich denke. Und sogar die Möglichkeit habe, anderen Menschen zu helfen, wenn sie um Hilfe bitten. Nicht weil ich muss. Sondern weil es möglich ist.

Wie ihr im Titelbild sehen könnt, helfen mir auch „unsere“ gefiederten Freunde, die die neue Futterstation vor meinem Atelierfenster fast zweitäglich leeren. So viele verschiedene Meisenarten. Die lärmenden Spatzenschwärme, die zwar für Aufregung sorgen aber irgendwie nicht ans Futter heran gelassen werden. Außer im Rudel. Ein wunderschönes Kleiberpärchen, das sich artgerecht von oben rennend Futter holt, während sich unten die pickenden Horden auf die zarten Krallen treten. Es ist laut da draußen. Und abends vorm Schlafengehen bekomme ich wunderbare Ständchen zu hören. Das Leben geht weiter. So lange es dauert. Und es ist nicht immer nur schön und positiv und rosarot. Sondern verwirrend und schmerzhaft zugleich. Rollercoaster. Ich weiß das. Ich lebe schon fünf Jahrzehnte und ein paar Jahre mitten unter euch.

Die Bienen und die Kinder

Noch ist es draußen kalt und feucht. Der Graupelschauer hat schöne Punktmuster auf den Asphalt gezeichnet. Die Sonne beginnt zu wärmen. Leute, der Frühling ist schon so nahe. Drinnen summt es wie in einem Bienenstock. Große Fenster lassen viel Tageslicht in die Gänge und Klassen. Schöne Farben, Holz, das übliche Sammelsurium von Winterjacken, Stiefeln und Handschuhen. Vor sieben Jahren ist die Schule hierher gesiedelt. „Wir haben ein Hochbeet gebaut“, erzählt mir eine Pädagogin des Friesacher Schulzentrums. Ich sehe einen großen Rosmarinstrauch, das Hochbeet aus Palettenholz. Ein Insektenhotel, das an der Wand der Mittelschule lehnt. Eines, das in das Hochbeet des Volksschulmodells integriert ist. Ein paar Sträucher, Bäume. Viel Gras. Viele Steine. Die Schuldirektorin erzählt mir von Gartenmodellen, die Kinder vor Jahren entwickelt haben, um ihren Schulgarten lebendiger zu gestalten. Von einer Studentin, deren gute Ideen zwar gut geheißen. Aber nie umgesetzt wurden. Ich speichere alle Infos vorsorglich in meinem Gedächtnis. Hier sind wir mit unseren Ideen willkommen.

„Ist das die Sumsi?“ „Nein, das ist doch die Maja!“ „Aber geh, das ist der Willi!“ Ich sitze in einer lebendigen, aufgeregten Kinderschar von Acht- und Neunjährigen. Wir diskutieren, ob Bienen Nester bauen wie die Wespen. Ob beim Puppentheater Schauspieler sichtbar sind oder sich verstecken müssen. Ob Musik und Tanz dazu gehört. Oder nicht. Ich höre viele Geschichten von Bienen- und Wespenstichen. Und dass sie, die Bienen, „das Gelbe aus den Blumen holen“. Tja, lieber Egon. Nächste Woche bist du als Bienenexperte für Wildbienen dran, dir von uns allen Löcher in den Bauch fragen zu lassen. Und vielleicht finden wir auch einen Bienennamen, der zu unserer (Wild)Biene an meiner Hand passt.

Und wisst ihr was? Ich bin glücklich. Das ist genau mein Element. Wie ich es liebe, mit diesen neugierigen, interessierten Wesen zu arbeiten. Voller Vertrauen gehen sie in die Übungen, die ich heuer aus dem tollen Handbuch „Spiel- und Theater Grundschule“ des Schulverlags Hamburg aussuche. Wieder so ein Glücksfund im Internet! Wir erleben heute Kinder in der vierten und fünften Schulstunde, die einander kaum ausreden lassen vor lauter Begeisterung. „Ich weiß was, ich weiß was!“ pulsiert durch das kindliche Lernsystem. Und das will geteilt werden, und zwar flott. Junge Leute, die schon so viel wissen, selbst wenn Zusammenhänge noch nicht erforscht sind. Kinder wollen nur eines – dazu lernen, ihr Wissen weitergeben. Das ist natürlich in ihnen angelegt. Dieses Bedürfnis, diese Welt zu verstehen, dazu zu gehören. Sich als sinnvollen, erwünschten Teil dieser Welt zu verstehen. Ich werde nie kapieren, warum ihnen Erwachsene diese Kompetenz des Wollens absprechen. In diesem Alter ist sie spürbar noch da.

Wir werden sehen, welche Puppen an Stäben, an Händen oder vor uns her getragen wir heuer entwickeln. Welche Geschichten die Kinder zu erzählen haben. Ich bin einfach dankbar, dass ich hier wieder auftanken und selbst Mensch sein darf. Und dass ich die Kinder mit meiner eigenen Begeisterung anstecke, das Beste aus sich herauszuholen. Onwards!

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Ich leihe mir diesen Titel bei der von mir so geschätzen Julia Cameron. Mit der Empfehlung, dieses Buch bei Bedarf in der lokalen Buchhandlung deines Vertrauens anzuschauen und zu kaufen. Nein, keine Werbung. Empfehlung aus praktischer Erfahrung. Mir haben Morgenseiten, Künstlertreffs und das Aufraffen zum Gehen in meinem Leben immer weiter geholfen.

Seit Wochen staune ich selbst über mich, dass ich diesen oder einen ähnlichen Satz in mir herumtrage: „Zu spät für mich. Hätte ich das vor 30 Jahren gehört, gewusst, ausprobiert, dann hätte das Sinn gemacht. Jetzt ist es zu spät!“ Ich ahne, dass mein Kopf sich dabei leicht zur Seite neigt, ich im Gespräch gekonnt diesen leicht frustrierten Ausdruck in die Augen bringe, den ich in meiner Opferrolle perfektioniert habe. Und dass ich damit meiner Umgebung noch mehr auf den Wecker gehe als mir selber. Die Umstände. Die Menschen. Alles hat mich davon abgehalten, damals einen Weg zu gehen. Und jetzt. Ist es halt zu spät. Riesenseufzer. Wie arm ich bin.

Bullshit! sagt meine Freundin Stefanie, wenn es ihr reicht. Und hier passt dieser Ausdruck so richtig gut. Was für ein riesiger Scheibendreckkleister! Hätte ich vor 30 Jahren auf mich gehört, dann hätte ich – vielleicht, unter Umständen, eventuell – eine Karriere als Künstlerin, als Psychotherapeutin oder als Sozialarbeiterin mit Studium und Abschluss angepeilt. Das weiß ich aber erst, weil ich seit drei Jahren nicht denke, dass ich etwas Bestimmtes tun sollte. Sondern meinem Herzklopfen nachgebe und genau das tue, was mir von innen sehr ruhig und klar angesagt wird. Nicht umsonst schenke ich (!) meinem Allerliebsten zu Weihnachten ein Buch. Für Menschen in der Pension. Damit sie die neue Freiheit ihrer Zeit kreativ zu nutzen, falls bisher dafür kein Platz war. Und eben auch mit dieser Frage: „Wenn es nicht zu spät wäre, würde ich …. “ Mich reizt es derzeit überhaupt nicht, meine Biografie zu schreiben. Und – es reizt mich, Neues auszuprobieren. Selbst wenn es zu spät ist.

Und ja! Für eine herkömmliche und wirtschaftlich erfolgreich Unternehmer*innenkarriere ist es möglicherweise zu spät. Ich schließe keine Überraschung aus. Aber für mich, für mich als Mensch, ist es niemals zu spät. Mir steht diese Zeitspanne zwischen meiner Geburt und meiner Geburt in was Unbekanntes in einer relativ gesicherten Umgebung eines ziemlich demokratischen Landes zur Verfügung. Ich lerne ständig dazu. Entwickle mich lebenslang weiter. Kann auf Erfahrungen zurück greifen, die ich vor 30 Jahren nicht hatte. Die mich damals ängstigten und blockierten. Weiß, dass Krisen riesengroße Chancen in sich tragen, wenn mensch durchhält und sich den Herausforderungen stellt. Dass das Leben liebevoll mit uns umgeht. Dass sich Türen sehr oft zurecht schließen und andere dafür aufgehen. Meine Coachin sitzt da drüben beim Wasserspender und verdreht lachend die Augen. „Hat sie endlich wieder einen Mikroschritt kapiert? Was für Geschütze ich immer auffahren muss, damit sie wütend wird und sich einfach traut?“ Danke du mein wundervolles Alter Ego. Du erzeugst nach wie vor Heiterkeitsausbrüche in mir.

Danke all jenen, die mir in den letzten Tagen und genau genommen Monaten Tipps und Hinweise in die richtige Richtung gegeben haben. Herausforderung angenommen, ich beschäftige mich aktiv mit Handpuppen! Auf mich rollt gerade eine kleine Bücherlawine zu. Recht passend rund um meinen Geburtstag und für jene, die unrund werden, weil sie nicht wissen, womit sie mir an diesem Tag eine Freude machen könnten. Und unserem jüngsten Familienmitglied danke ich, dessen aktuelle Bedürfnisse mich reizen, diesen zusätzlichen Weg rund um Stoffpuppen und Wesen anzugehen, der meine ohnehin geliebte Arbeit ergänzen wird. Wie so oft sind es in meinem Leben mir anvertraute Kinder, die als große Lehrer*innen daher kommen und Veränderungen und Paradigmenwechsel einleiten.

Das Schreiben und seine Prozesse

Brrr, minus vier Grad hat es da draußen. Gerade habe ich zähneklappernd den Kaminofen in meinem Gartenatelier mit Holz gefüttert. So bleibt mir eine knappe Stunde vorm PC, um ein paar Überlegungen mit euch zu teilen. Bevor ich mich wieder meinem Elfenkönig, der neuen Stoffpuppe, widme.

Ich schreibe, seit ich es kann. Waren es am Anfang gezeichnete und mit gelochtem Zeichenpapier und Bindfäden zusammengehalten Heftchen rund um Märchen, unseren Hund und unseren Alltag in der Kindheit, kamen später Reflexionen dazu. Heute würde ich „Morgenseiten“ zu diesen Ergüssen sagen. Sehr frei übersetzt und interpretiert als Teil von „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ausgekotztes. Gelangweiltes. Unverstandenes. Tagebuchartiges. Schreibend reflektiere ich nach wie vor meine Wahrheit dieser Welt, mache mir bewusst, wie sie auf mich wirkt, wie ich in ihr funktioniere und kann dadurch eigene Schritte gehen.

Literarisches Schreiben war nie erwünscht. Mit Abstand, aus der Distanz, in Rollen schlüpfend. In der Schule wurde es nicht unterstützt. Ich war eine superangepasste, brave Schreiberin mit römischen Einsen. Blümchen und Bienchen in der Sprache. Mit rosa Mascherl, ein bisschen plüschweiche Kritik hier und da. Und aus. Literarisches Schreiben gab es nicht im begonnenen Germanistik- und Publizistikstudium. Eine herbe Enttäuschung. Dazu hätte ich in den englischsprachigen Sprachraum reisen müssen, das wusste ich nicht. Creative Writing kommt bei uns im deutschen Sprachraum langsam an. Oh ihr Glücklichen, die ihr bereits in den Genuss kommt, von Anfang an so zu schreiben! Als Journalistin versuchte ich mich kurz und knackig und fachlich objektiv auszudrücken. Meine Meinung, meine Art die Welt zu spüren, waren der gewünschten Objektivität eher hinderlich.

Und nun sitze ich also wieder an den Zeilen, die mir vor zwanzig Jahren in die Tasten geflossen sind. Schön von außen das Leben betrachtend. Nie mitten drin. Träume und Wünsche. Sehnsüchte und Vorstellungen, wie das Leben sein könnte, wenn es nur endlich das machen würde, was ich mir von ihm wünsche.

Als ich am Samstag bei unserem Schreibmeeting vorlese, was ich vor einem Monat geschrieben habe, wird mir ganz anders. Was für ein Durcheinander. Zeitlich. Inhaltlich. Ich spüre, wie in mir Frust und Beklemmung aufsteigt. Das, das soll ich vor einem Monat verfasst haben? Mehr ist echt nicht da? Meine Freundin beruhigt mich. Findet die Story immer noch gut, die Herangehensweise. Fragt, wo sie sich logischerweise nicht auskennt. Dann höre ich ihr bei ihren neuen Texten zu. Frage ebenfalls nach. Gebe Feedback. Und dann kommt er zurück, der lustvolle Fluss des Fabulierens. Langsam finde ich wieder in die Rollen, die ich mir ausgesucht habe. In die Sprachmelodie, in die Erfahrenswelt meiner Protagonist*innen. Genau DAS habe ich in der Schreibwerkstatt mit Susanne Axmann doch eineinhalb Jahre lang praktiziert! Den Raum zu erschaffen, in dem sich die Geschichte abspielt. In diesem selbst geschaffenen Raum zu fühlen, zu spüren, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das passende Sprachmuster zu entwickeln und Unterschiede in der Sprache klar zu definieren, damit nicht alles zu einem Einheitsbrei, zum Monolog verkommt, der vor 20 Jahren dominierte und aus dem ich nicht heraus fand.

Nach einer sehr tief durchschlafenen Nacht die Erkenntnis: Struktur, oh ja! Die brauche ich als Rahmen für diese Texte. Aber ich schreibe kein Buch. Diese Struktur des fertig geschriebenen Buches macht mir unnötig Druck, logisch Szene an Szene zu reihen. Beschneidet meine Freude am schreibenden Erzählen und Wahrnehmen. Mir liegt es, mit Sprachmelodie und ihrer Musik zu spielen. Mit unterschiedlichen Sprachmustern von Menschen zu experimentieren und sie zu erforschen. Ich bleibe bei den Grundzügen meiner Geschichte. Bei den Szenen, die mir nach wie vor wichtig und kostbar sind. Alles andere fliegt hinaus. Federleichten Herzens. „Fleckerlteppich“ nennt meine versierte Schreibfreundin diese Herangehensweise. Der Teilzeithippie in mir jubelt. Ich spüre förmlich, dass dieses Schreiben meine anderen künstlerischen Anteile verbindet und zugleich einer meiner vielfältigen Anteile ist. Das Bedürfnis, unterwegs sein zu müssen und zugleich einen Garten zu pflegen, damit er uns ernährt. Meine künstlerischen, handwerklichenen Ausdruck des Seins auf diesem Planeten. Schreibend halte ich das alles irgendwie zusammen, ohne verrückt zu werden. Der Prozess des Hineinfühlens in Rollen ist mir hundert Mal wichtiger als ein mögliches Ergebnis. Ziemlich magisch. Mal wieder.

Mein Beitragsbild stammt übrigens von einem Wochenende in Caorle mit einer schreibenden Freundin. Wir haben uns lustvoll Gedanken gemacht, wie wir Menschen dabei begleiten können, kreative Texte am Rande des Meeres zu entwickeln. Diese Einladung werden wir auch heuer wieder aussprechen und ausschicken. Ab Ostern kann mensch ja wieder die Zehen ins Meer hängen und Salzluft schnuppern…

Yaruna und der Jahreswechsel

Da ist sie nun. Reisefertig. Ihr Name hat sich um ein Ypsilon an erster Stelle geändert. Aus ganz logischen und nachvollziehbaren Gründen, die mir ins Ohr geflüstert wurden. Sie ist heute ganz schön aufgeregt und ein bisschen ungeduldig. Kein Wunder. Wir hatten Fotoshooting, trotz Nebel und sich auflösendem Schnee. Es ist wieder grau und trist da draußen und ziemlich unweihnachtlich. Deshalb aktivieren wir das Tageslichtatelier und haben schlussendlich sogar Spaß am Tun. Ja genau. Ein bisschen Wehmut. Von meiner Seite. Das kenne ich schon, ist im Grunde immer so. Wenn ich so viel Zeit mit einem Wesen verbringe, dann liebe ich es. Nicht ein bisschen, sondern voll. Seine Eigenheiten, seine Auffälligkeiten. Seinen Charme. Yaruna sieht das anders. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie schon vor einer Woche gesiedelt. Sie wird in ihrem neuen Zuhause liebevoll erwartet. Das weiß sie. Das spürt sie. Und ich weiß, dass sie das tun wird, was eine Yaruna am besten kann: Leuchten. Strahlen. Ihr Licht auch dorthin richten, wo es duster oder finster ist. Und mir ihrer sonnigen Art Aufmerksamkeit auf die Geschenke des Lebens richten. Selbst wenn das Geschenkpapier schon ein bisschen zerknüllt ist. Und nicht dem entspricht, was die Beschenkte oder der Empfänger erwartet hat. Sie wird außerdem pünktlich zur längsten Nacht, der Wintersonnenwende, dort sein, wohin sie gewünscht wurde. Und genau so soll es sein.

Yaruna

Zuerst sah es ja so aus, als würde Yaruna mit leichtem Gepäck reisen. Doch im Laufe von Gesprächen und nicht zuletzt den Ansprüchen von Madame „Ich-weiß-genau-was-ich-nicht-Will“ kommen in diesen Wochen ein verspielter Leopard dazu. Eine strahlend weiße Schaukel, die in Bäumen hängen kann. Und ein Mantel. Fluffig leicht und sich liebevoll und schützend um die Trägerin schmiegend. Und Perlen. Noch nie zuvor hat ein Wesen ständig Glasperlen verlangt. Auch dieser Wunsch ist zu erfüllen gewesen.

Wäre Yaruna noch eine Woche hier, hätte sie weitere Ideen. Problemlos. Sie sprudelt vor Ideen. Und neigt ein bisschen dazu, sich mit schönen Dingen zu überladen. Nobody is perfect. Gleichzeitig ist sie großzügig mit ihrer Magie und ihrer Liebe. Sogar meine Coachin musste zwei Mal schmunzeln über ihre Ideen. Ein bisschen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Keine Ausrede!!!

Yaruna ist das letzte liebenswürdige Wesen, das heuer mein Studio verlässt. Es war ein volles, erstes Jahr als angehende Künstlerin. Mit den üblichen turbulenten Auf und Abs dieser ersten zwölf Monate. Das nächste Jahr strukturiert sich bereits. Ich bin ehrlich gespannt, welche Überraschungen auf mich warten, auf mich und auf meine Arbeit. Ich wünsche auf diesem Weg eine erfreuliche und kerzenerleuchtete Wintersonnenwende, frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen feinen Jahreswechsel. Ab der zweiten Jännerwoche bin ich wieder für euch und eure Wünsche da.

Nähen und in die Zukunft planen

Transition Town Friesach. Friesach im Wandel. Klingt gut, oder? Was man drunter versteht? Das ist so wie mit dem Begriff „Permakultur“. Jeder erklärt das aus seiner Logik, aus seiner Erfahrung. Die Transitionbewegung gibt es schon eine Weile. Ich füge jenen unter euch hier einen link der Transition Austria Hub ein, falls ihr tiefer forschen wollt. Für euch andere: für mich sind es erlebbare Wandelstrukturen. Ursprünglich ging es stark um den Oil Peak und die Resilienz von Städten für eine Zeit nach der Nutzung von Öl. Das Ganze bottom up, also von unten nach oben, was das gesellschaftliche Gefüge betrifft. Für mich sind es heute Gruppen von Menschen, die nicht an den Auswirkungen scheinbarer Handlungsunfähigkeit politischer und wirtschaftlicher Systeme verzweifeln. Stark vereinfacht ausgedrückt. Menschen, die dieser mittlerweise sicht- und spürbaren Hoffnungslosigkeit sinnvolles Tun entgegen setzen. Liebevolles und konfliktbereites Auseinandersetzen mit dem Anderen, auch jenen am Rande der Gesellschaft. Zivilgesellschaft in ihrer logischen, regionalen Notwendigkeit dörflicher und kleinstädtischer Strukturen. Nicht (partei)politisch. Sondern politisch im Sinne des Wortes. Also der Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen. Wo mensch sich noch kennt. Generationsübergreifend. Jeder einen Platz in der Gemeinschaft findet, seine Wirkmächtigkeit erlebt. In Friesach ist es ein unglaublich großes Team Ehrenamtlicher, das seit drei Jahren einen essbaren Hang, Gemeinschaftsgärten, Wandelbienen, Lebensmittelrettung und einen Kost-Nix-Laden am Leben und in Bewegung halten. Seit vier Monaten gibt es auch eine Nähgruppe.

Ich fahre heute mit meinen üblichen vorauseilenden Erwartungen zum vierten Treffen in diesem Jahr. Was soll ich machen, so bin ich. Ich habe heute zum ersten Mal Zeit für die Nähgruppe. Ich rechne mit drei oder vier Frauen. Frage mich, was ich gern einbringen würde. Und stapfe durch den frischen Schnee ins Jugendzentrum „Kistl“. Gleich beim Eingang begeistert mich eine Scheibtruhe (Schubkarre, ihr lieben Mitlesenden aus nördlich von Österreich) mit einem bunten Häkelüberzug. Drinnen wuselt es. Durchzählen kann ich gar nicht, so sehr bin ich damit beschäftigt, Hände zu schütteln, freundliche Nachfragen zu beantworten und mich vorzustellen. Bekannte Gesichter. Fremde Gesichter. Bis auf zwei Jugendliche, die miteinander ein Computerspiel spielen, sind es ausschließlich Frauen. Pfoah, ein Raum ist voll mit mitgebrachten Maschinen und arbeitenden Menschen. Im zweiten Raum wird am Billardtisch im großen Stil zugeschnitten und überlegt. Riesige Taschen in den Maßen eines schwedischen Möbelhauses für den Kost-Nix-Laden sind eine mögliche Vorgabe. Kleine Taschen aus alten Jeans werden bereits genäht. Ein sechsjähriges Mädchen ist mit seiner Mama feuereifrig dabei, eine eigene Tasche zu nähen.

Ich habe Nähmaschinen im Auto, die wir dieser Gruppe zur Verfügung stellen. Mehr oder weniger hochwertige Haushaltsnähmaschinen, die sich seit 2015 bei uns ansammelten und jahrelang wertvolle Dienste in unseren gemischtsprachigen Gruppen leisteten. Draußen im Zuschneidebereich türmen sich Kuchen und Kekse auf der Theke. Kaffee duftet vor sich hin. Ich freue mich so, endlich Marianne kenne zu lernen, die Leiterin des Jugendzentrum’s. Und Edith ist da, die Lehrerin, die 2020 mit mir und den Kindern einer Volksschulklasse ein Transitionmärchen zur Aufführung bringen wird. Sie ist eine Meisterin an der Nähmaschine, im Zuschnitt und im räumlichen Denken. Da werde ich sofort und bereitwillig zur Schülerin. Sladana ist da, die gute Seele hinter dieser Bewegung in der Burgenstadt. Sie kümmert sich um die Menschen und koordiniert Abläufe. Und schon bin ich mitten drin. Schneide zu. Nähe. Bringe mich ein. Taschen nähen habe ich in den letzen Jahren autodidaktisch gelernt. Ich beherrsche sogar den Umkrempeltrick. Wir witzeln über Perfektionismus. Über Ängste und Fortschritte. Unterhalten uns über eine alte Bernina, die seit über 30 Jahren vor sich hin schnurrt, während Maschinen von großen Diskontern schon nach eineinhalb Jahren irreparabler Sondermüll sind. Eine meiner beiden Maschinen streikt, als ich den Retourgang einlege. Marianne beruhigt mich. Ein Experte sieht sich das nächste Woche an. Vielleicht reicht es ja, die alte, gute Maschine zu zerlegen, zu ölen und ihr liebevoll zuzureden. Einige Damen entdecken wohl zum ersten Mal die Lust am Upcycling und am Re-Use, am Auftrennen und Neuzusammensetzen. Pläne werden geschmiedet. Tipps und Ratschläge sausen hin und her.

Und ich? Normalerweise fremdle ich in mir unbekannten Gruppen. Das kann ich richtig gut. Doch hier bin ich sofort zu Hause. Und ich weiß jetzt, wohin mit den wunderschönen schweren Stoffen, den kostbaren Accessoires, die sich bei uns ansammelten. Hier werden die Dinge, eines nach dem anderen, endlich wieder gebraucht und können in ihr zweites Leben abbiegen. Und ja, es ist noch Platz für Mittäter*innen!

Eine Adventüberraschung und Wa(h)re Weihnachten

Seit Oktober fühle ich es. Und ein so cooles Facebook-Posting heute Morgen mit dem Wortspiel um die Ware und das wahre Weihnachten haben mich motiviert, meine Gedanken zu teilen. Es ist heuer ein seltsames Rumoren, wenn ich an Weihnachten denke. Mein Sohn kehrt von seiner Weltreise zurück, obwohl er Weihnachten auf Hawaii verbringen wollte. Er möchte aber rund um den 24. Dezember mit uns und seiner Herkunftsfamilie zusammen sein. Rundherum die Puppenmacherinnen fangen im Oktober an, weihnachtlich angehauchte Texte und Wesen zu präsentieren. Ganz vorsichtig. Sehr achtsam. Und doch. Es ist sommerlich warm. Der Garten geht über vor Gemüse, Früchten und Blumen. Wie jedes Jahr. Spätsommer in Südösterreich. Und ich? Ich werde im Oktober unruhig. Ich sollte. Auch. Müsste doch. Mag nicht.

Mitte November treffen mein Mann und ich eine Entscheidung, die uns heuer ganz leicht fällt. Für uns fängt die Adventzeit am ersten Adventwochenende an. Privat und beruflich. Wir ignorieren sogar den geliebten Spekulatius, den wir seit September kaufen könnten. Bis zu diesem Wochenende sind wir mit dem, was wir tun, weihnachtlich nicht präsent. Diese Freiheit nehmen wir uns. Und es fühlt sich sowas von richtig an!

Unbedingt anführen möchte ich, dass ich die vier Wochen vor Weihnachten liebe. Ich liebe den Kitsch, den Glanz, das Gloria. Schnee. Hey, ich liebte Weihnachten mit den Kindern. Und seit Jana auf der Welt ist, sehe ich Weihnachten wieder mit den Augen der Zweijährigen. Ich liebe Keksgeruch, vielleicht weil ich eine grottenschlechte Bäckerin bin. Seit zwanzig Jahren feiern wir Advent und Weihnachten so gut wie ohne Geschenke. Im Dezember. Wir „wichteln“. Und es darf nach Herzenslust getauscht, geratscht, getrascht und gegessen werden. Für mich ist diese Zeit, bevor am 21ten das Licht anfängt, zurück zu kehren, eine der magischsten Zeiten im Jahresverlauf. Bei uns überbrückt mit flackerndem Kerzenschein, mit zusätzlichen Lichtquellen, um das fehlende Tageslicht zu kompensieren. Und mit großräumigem Ausweichen von Einkaufszentren. Es geht einfach nicht. Ich ertrage es nicht, das Gewusel, den Wirbel, den Stress des Shoppens. Nach dem Weihnachtsabend und den Feiertagen und Ferien freue ich mich auf den Frühling und genieße das bissel Schnee, das in Mittelkärnten ab und zu vom Himmel fällt.

Ich bin so glücklich, euch ins St. Veiter Kunst&Werk einzuladen. Seit heute Vormittag ist das fertig, womit sich mein Mann kurzfristig beschäftigt hat. Wir haben unsere Präsentationsfläche auf Kinderhöhe mit einer Überraschungskrippe für Kinder ausgestattet. Unverkäuflich. Sie ist einfach vier Wochen lang da. Entstanden ist sie, weil unsere Freundin Sladana aus dem Friesacher Kost-Nix-Laden uns vor einem Jahr einen beweglichen Werbeaufsteller für Plastikspielzeug schenkte. Ein Jahr lang drehte ein Drachenbaby auf der Bühne seine Runden im Stoberdorfer Bubenzimmer. Nun – dreht sich was anderes. Kommt und schaut nach. Re-Use auf verspielte Art, ganz mein Mann, ganz unsere Einstellung zur stillsten Zeit des Jahres. Staunen, schauen, träumen. Kinder haften für ihre Eltern!

Voll begeistert bin ich von den Weihnachtselfen Friedolin und Pamino auf ihrem roten Samtstuhl in der Auslage des Klagenfurter Gemeinwohlladens. Sie sehen zum Anbeißen bezaubernd aus. Und in Villach verbreiten die nordischen textilen Helfer Niklas, Jule und Aengel ihre weihnachtliche Magie. Laden zum Staunen ein, zum Liebhaben und zur Inspiration, was Weihnachten in der Tiefe bedeutet. Und dort ist es eben keine Ware, sondern ein Gefühl, ein Spüren, ein Zusammenrücken. Schönen ersten Advent ihr Lieben!

Adventüberraschung