Alima, Anna und die Amsel

Grüne Augen sind selten, sagen die erwachsenen Menschen. Grüne Augen mit gelben Sprenkeln sind möglicherweise noch seltener. Alima hat heute keinen guten Tag. Ihre Augen sind dunkelgrün. Ein bisschen wütendes Lila blitzt auch aus ihnen. „Nein, heute wird nicht getanzt und gesungen, heute besuchen wir deine Großmutter und bringen ihr einen Kuchen. Sie feiert Geburtstag! Iss dein Frühstück!“ Mama tanzt durch die Küche, summt ein Lied vom Sommer und von dem Mann, der dort am Tor auf sie wartet. Mama darf natürlich tanzen. Sie ist ja schon groß. Keiner sagt ihr, wann sie zu frühstücken hat. Welches kratzige Kleid sie heute anziehen soll. Und wie sie die Haare zusammenbinden muss, damit sie ihr nicht in die Augen hängen.

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Loslassen in Schritten

Festzustellen, dass es im ganzen Haus keinen Messbecher mit exakterer Einteilung als Viertel oder Halb gibt liegt einerseits am Chaos, das wir derzeit als unser „Normal“ bezeichnen. Und andererseits am Loslassen. Denn ziemlich sicher habe ich in in den letzten Wochen mindestens einen Messbecher verschenkt, verflohmarktet oder entsorgt. Kennst du ja. Lässt du nach Jahrzehnten irgendwas endlich los – dann brauchst du es. Garantiert. Da kann ich persönlich Gift drauf nehmen.

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Retreat und Wiederkehr

Wenn sogar meine eigene homepage mich nicht wieder erkennt, dann könnte das bedeuten, dass ich eine Weile nicht hier war. Ja, ich hatte einen wunderbaren fünfwöchigen Rückzug inklusive allen Schritten, die ich mir seit Beginn des Puppenmachens vor drei Jahren für mich wünschte. Danke liebe Johanna für deine feinsinnige, zurückhaltende und inspirierende Begleitung durch deinen e-mail-Workshop. Deine Lektionen werden ihre volle Wirkung entfalten, ein bisschen etwas ist schon zu spüren. Sich erfolgreich dagegen zu wehren, einen bestimmten Schritt zu machen, ist eine Sache. Und ihn dann zu machen, weil der Raum geschützt genug ist, eine andere. Das nenne ich dann Geschenke des Lebens. 

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Der Hugo und der Herbst

Als Marie Fitzgerald gestern Abend waschelnass und heulend mit ihrem sperrigen Koffer vor der Tür steht, schüttelt Ethel Rose erst einmal den tropfenden Regenschirm in die Nacht. Dann holt sie den guten schottischen Whiskey unter der Abwasch hervor. Ihr ganz besonderes Fensterputzmittel für ganz besondere Anlässe. Jetzt hat sie eh schon Ewigkeiten nicht mehr getrunken. Also mindestens seit ihrem Geburtstag. „Dieser Schuft hat seit Jahren eine Beziehung, wenn er auf seine Baustellen fährt“, schluchzt Marie ins zweite halbleere Glas. Und so weiter und so fort. Wie gemein. Wie verblödet diese Männerwelt ist.

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Ethel Rose

Es ist Sommer. Es sollte heiß sein. Ist es aber nicht. Dieser Sommer verschont die Menschen vor so vielem. Vor Sonnenbrand. Hitzekoller. Vorm unnötigen Wegfahren. Vorm unnötigen Geldausgeben. Seufzend sitzt Ethel Rose in ihrer englischen Küche mit den weiß lackierten Holzstühlen. Vor dem Rosenteegeschirr mit dem zweiten Darjeeling. First Flush. Und vor der letzten Pfingstrose dieses Sommers, die sie vor dem nächsten Regenschwall abschnitt und in die Küche herein rettete.

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Rückzug und Miteinander

Regenzeit nach einem langen, trockenen Winter und Frühling. Es wird und wird nicht Sommer. Als ich gestern gegen Mittag mit dem Auto losfahre staune ich. Was für ein Licht! Es nieselt. Die Sonne scheint durch die Wolken, alles schimmert. Genauso wäre es jetzt in Cornwall. Und genau dort wären wir, wenn – ja, wenn. Danke geschätztes Wetter, dass du hier in Südösterreich so ein Wetter inszenierst. Nach dem Drama-Regenbogen vor drei Tagen wundert mich gar nichts mehr.

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Amanda R. Bowy und der Wandel

Heute hat die Regenbogenprinzessin das Atelier verlassen. Und wie so oft bin ich ein bisschen traurig und vermisse ihren Anblick und ihre Ausstrahlung. Wenn mich meine Wesen zum ersten Mal räumlich verlassen, fehlen sie mir eine Weile körperlich. Dass Madame sichtbar sein will, ist schon im Frühling dieses schrägen Jahres 2020 klar. Ein Wesen drängt darauf, aus diesem mittelbraunen Woll-Filz gemacht zu werden, der mir zufällt. Kein Plastikindustriefilz, wirklicher, echter, richtiger Filz aus Schafwolle! Und es drängt ganz klar darauf, ein kleines Stückchen erwachsener zu sein als die meisten ihrer Vorgänger*innen. Also keine niedlichen runden Bäckchen sondern definierte Wangen. Eine besondere Nase. Volle Lippen. Und in einer Technik, die ich vor allem bei textilen Künstler*innen aus dem englischen Kulturraum bestaune und bewundere. Und die ich unbedingt ausprobieren will.

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Fingerpuppen und andere Zeitvertreiber

Darf ich vorstellen: hier sind Finger-Wesen. Handgestrickt und etwa erwachsenenhandgroß. Teilweise bestickt und behäkelt. Mit Baumwollwatte gefüllt und aus Wollresteln gemacht. Jedes Wesen ist ein Unikat, entspringt meiner Fantasie und ist ausschließlich dazu da, dir und deinem Kind ein treuer Begleiter zu sein. Mit und ohne Coronaviren oder Quarantäne. Kein Spielzeug für Kinder unter drei Jahren, da verschluckbare Kleinteile dabei sind. Diese bunten Gesellen können vorlesen. Geschichten erzählen, verstecken sich gerne in Handtaschen und Hosentaschen und haben eine rege Fantasie. Sie passen auf Erwachsenenfinger und können bei Bedarf unten am Bündchen umgekrempelt und verkürzt werden. In meinem Blog kannst du ein bisschen mehr über ihre Entstehung erfahren. Falls du eine Idee für eine Fingerpuppe für dich und dein Kind oder Enkelkind oder das Kind der Nachbarin hast – lass es mich wissen! Gerne krame ich in meinen Kisten und stelle weitere von diesen kleinen Figuren her.

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Finger und Puppen

Wenn ich es zulasse, Wirtschaft anders zu denken als ausschließlich im Austausch von Geld, dann entstehen in allererster Linie Beziehungen. Menschen, die mich kontaktieren, nehmen Anteil an dem, was ich so liebe. Sie wissen oft, worum es mir mit meinen Wesen geht. Sie lassen sich auf einen gemeinsamen kreativen Prozess ein. Solche Beziehungen und dabei stattfindende Begegnungen beseelen. Sie inspirieren und zeigen mir, woran ich weiter arbeiten werde.

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