Ethel Rose

Es ist Sommer. Es sollte heiß sein. Ist es aber nicht. Dieser Sommer verschont die Menschen vor so vielem. Vor Sonnenbrand. Hitzekoller. Vorm unnötigen Wegfahren. Vorm unnötigen Geldausgeben. Seufzend sitzt Ethel Rose in ihrer englischen Küche mit den weiß lackierten Holzstühlen. Vor dem Rosenteegeschirr mit dem zweiten Darjeeling. First Flush. Und vor der letzten Pfingstrose dieses Sommers, die sie vor dem nächsten Regenschwall abschnitt und in die Küche herein rettete.

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Rückzug und Miteinander

Regenzeit nach einem langen, trockenen Winter und Frühling. Es wird und wird nicht Sommer. Als ich gestern gegen Mittag mit dem Auto losfahre staune ich. Was für ein Licht! Es nieselt. Die Sonne scheint durch die Wolken, alles schimmert. Genauso wäre es jetzt in Cornwall. Und genau dort wären wir, wenn – ja, wenn. Danke geschätztes Wetter, dass du hier in Südösterreich so ein Wetter inszenierst. Nach dem Drama-Regenbogen vor drei Tagen wundert mich gar nichts mehr.

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Amanda R. Bowy und der Wandel

Heute hat die Regenbogenprinzessin das Atelier verlassen. Und wie so oft bin ich ein bisschen traurig und vermisse ihren Anblick und ihre Ausstrahlung. Wenn mich meine Wesen zum ersten Mal räumlich verlassen, fehlen sie mir eine Weile körperlich. Dass Madame sichtbar sein will, ist schon im Frühling dieses schrägen Jahres 2020 klar. Ein Wesen drängt darauf, aus diesem mittelbraunen Woll-Filz gemacht zu werden, der mir zufällt. Kein Plastikindustriefilz, wirklicher, echter, richtiger Filz aus Schafwolle! Und es drängt ganz klar darauf, ein kleines Stückchen erwachsener zu sein als die meisten ihrer Vorgänger*innen. Also keine niedlichen runden Bäckchen sondern definierte Wangen. Eine besondere Nase. Volle Lippen. Und in einer Technik, die ich vor allem bei textilen Künstler*innen aus dem englischen Kulturraum bestaune und bewundere. Und die ich unbedingt ausprobieren will.

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Fingerpuppen und andere Zeitvertreiber

Darf ich vorstellen: hier sind Finger-Wesen. Handgestrickt und etwa erwachsenenhandgroß. Teilweise bestickt und behäkelt. Mit Baumwollwatte gefüllt und aus Wollresteln gemacht. Jedes Wesen ist ein Unikat, entspringt meiner Fantasie und ist ausschließlich dazu da, dir und deinem Kind ein treuer Begleiter zu sein. Mit und ohne Coronaviren oder Quarantäne. Kein Spielzeug für Kinder unter drei Jahren, da verschluckbare Kleinteile dabei sind. Diese bunten Gesellen können vorlesen. Geschichten erzählen, verstecken sich gerne in Handtaschen und Hosentaschen und haben eine rege Fantasie. Sie passen auf Erwachsenenfinger und können bei Bedarf unten am Bündchen umgekrempelt und verkürzt werden. In meinem Blog kannst du ein bisschen mehr über ihre Entstehung erfahren. Falls du eine Idee für eine Fingerpuppe für dich und dein Kind oder Enkelkind oder das Kind der Nachbarin hast – lass es mich wissen! Gerne krame ich in meinen Kisten und stelle weitere von diesen kleinen Figuren her.

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Finger und Puppen

Wenn ich es zulasse, Wirtschaft anders zu denken als ausschließlich im Austausch von Geld, dann entstehen in allererster Linie Beziehungen. Menschen, die mich kontaktieren, nehmen Anteil an dem, was ich so liebe. Sie wissen oft, worum es mir mit meinen Wesen geht. Sie lassen sich auf einen gemeinsamen kreativen Prozess ein. Solche Beziehungen und dabei stattfindende Begegnungen beseelen. Sie inspirieren und zeigen mir, woran ich weiter arbeiten werde.

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Yasemine und das weibliche Handwerk

Wir sind hier in Stoberdorf in der neunten Woche unserer Quarantäne mit einem Homeschooler. Aus Gründen, würde meine Freundin Ina sagen. Irgendwann wurde es mir in den letzten Wochen zu langweilig, am Abend Pullover und Mützen und Socken für meine Wesen zu stricken oder zu häkeln. Abgesehen davon, dass sie diese tollen Stücke nicht übereinander anziehen können, war es vom Prozess her logisch, die Wesen selbst auf diese Art in Angriff zu nehmen. Häkeln fällt mir leicht, nur gefällt mir das Maschenbild nicht für eine Hautoberfläche. Also entscheide ich mich für das Stricken. Raus aus meiner Komfortzone, mal wieder. Yasemine und ein zweites Wesen entstehen. Von den Zehenspitzen bis zum Hals und zu den Handgelenken Strickmaschen. Mit einem Spiel feiner Sockenstricknadeln. Ganz old fashioned, immer in Runden und mit vielen Markern. Die übliche Zettelwirtschaft für auf- und abgenommene Maschen. Immerhin ein Hauch von Struktur. Das intuitive Stricken orientiert sich an meiner räumlichen Vorstellung der Schnitte für die Stoffwesen. Kopf und Hände werden später gefilzt, ich möchte dort keine Maschen sehen. Nach fast drei Jahren probieren und tun und studieren und lernen und wieder ausprobieren kann ich auf Einiges an Fertigkeiten zurückgreifen. Es wird spielerischer, leichter. Ich traue mir mehr zu. Und ich traue mich mehr. Es ist wie mit dem Lernen eines Instrumentes. Am Anfang sind in unserer Kultur die nervtötenden Etüden. Und irgendwann lernst du, dich zu lösen und zu improvisieren.

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Textile Skulpturen und unsichtbare Mächte

Die Eremitin in mir schränkt die Zeit auf social media auf ein Minimum ein. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Offensichtlich treffen diese Entscheidung mehr Menschen. Abos von besonders ängstlich nach Kontrolle schreienden Menschen aus der timeline zu entfernen ist eine Erleichterung. Wenn das Recht, recht zu haben, regiert, nehme ich mir das Recht, auf meine Art mit meiner Lebenszeit umzugehen. Und mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die zuhören können, ohne zu missionieren, zu belehren oder ihre starren, engen Glaubenskonzepte wie Kriegsgebiete zu verteidigen. Es ist was dran, dass man Menschen erst in Krisenzeiten kennen lernt.

Wohl zum ersten Mal in meinem Leben gibt es keine Ablenkung durch einen geregelten Alltag. Unsere stille Entscheidung im Vorjahr, das große Haus in den nächsten Jahren für andere Menschen in einer Art Nachbarschaftsgemeinschaft mit Werkstätten zu öffnen und mit unseren Händen in kleinen Wohnraum zu investieren war richtig. Für uns. Gott sei Dank haben wir darauf gehört. Nichts geht von heute auf morgen. Abhängig davon, ob wir heuer Material ertauschen oder anschaffen können wird es weiter gehen. Ein Schritt nach dem anderen.

Mein Atelier ist mehr oder weniger fertig. Wie ich mich über die zwei gerade fertig gestellten Fensterumrandungen nach Süden freue! Nach den gefühlt eiskalten Monaten zu Jahresbeginn ist klar, dass noch eine Bodenisolierschicht dazu kommen wird. Fliegen, Wanzen, Marienkäfer und ähnliches Getier brauchen Grenzen, die zu befestigen und zu silikonieren sind. Der neue alte Arbeitstisch im Retrochic ist wunderschön anzuschauen und ein Segen für meinen Rücken. Der ganze Raum hat an Größe und Effizienz gewonnen. Die kleine ausziehbare Traumcouch lebt in meinem Kopf und wird ihren Weg zu mir finden, wenn die Zeit gekommen ist. Derzeit behelfe ich mir mit den Matratzen unseres ungenutzten Reiseautos. Und wir überlegen schon, wie sich eine auszieh- oder ausklappbare Holzkonstruktion gestalten ließe.

Ich arbeite an völlig neuen Köpfen. Es waren wirkmächtige Schritte, Grundsätzliches über den Aufbau von Puppenkörpern und Puppenköpfen aus der Technik der Waldorfpuppen zu lernen und auszuprobieren. Diese Art der Herstellung wird immer die Basis sein, die mir künstlerische Umsetzung ins Figurale ermöglichte. Und für kleine Wesen passt diese Herangehensweise weiter. Das Wort „Puppe“, das mir jahrelang gegen den Strich ging, mich triggerte und ärgerte war rückblickend betrachtet mein Prozess, der Einstieg in meine Kunst. Nun geht es ans freie Formen. Ich studiere Gesichter, Münder, Nasen, Augen und Ohren. Es ist ein Unterschied, ob ein menschliches Wesen lacht, weint oder giftig schaut. Der Ausdruck von Gefühl im Gesicht ist spannend. Zeichnend und malend kam ich nicht so recht weiter. Meine Welt ist das Formen mit den Händen. Daraus kann ich dann Schnitte ableiten, die auf Papier landen. Geometrische Körper und sie als Schnitt auszurollen beschäftigt mich, die Mathematik-Geschädigte. Da heilt wieder etwas. Derzeit scheinen die entstehenden Köpfe meiner Innenwelt zu entsprechen. Sie sind bunt und ich bemale sie mit Fäden, mit gefärbter Wolle, Pailetten und Perlen. Gehäkeltes und Gesticktes kommt zum Einsatz. Unglaublich, wie viele tutorials es dazu im Internet gibt! Im Hinterkopf warten Ideen für freie Applikationen mit Textilien und Stickfuß der Nähmaschine. Für den nächsten Kopf. Groß. Ich muss immer wieder groß arbeiten, mit dem ganzen Körper, unter Einsatz all meiner Kraft. Manchmal ist der entstehende Kopf größer als mein eigener. Immer kommt Material zum Einsatz, das ich bereits daheim habe. Danke Maria für den kostbaren Schatz an wunderschönem Material, auf den ich immer und immer wieder zurück greifen kann. Beim Herstellen der Köpfe entwickeln sich in meiner Fantasie Umsetzungsmöglichkeiten stabiler Körper für eine Ausstellung. Auch die haben mit dem Material zu tun, das ich in unseren Lagern finde. Drähte. Hölzer. Textilien und Dekorationselemente. Dieses Suchen und Finden setzt unglaublich viel kreatives und logisches Potential frei.

Nach Merime und dem Geldfresser beschäftigt mich nun ein Magier. Oder eine Magierin. Es ist vollkommen unklar, ob er eine Sie wird oder ein Er oder beides. Unser Jüngster sucht einen Namen für diese Figur. Immer wieder kommt er vorbei und seine „Aaahs“ und „Oooohs“, seine natürliche Freude an der Entstehung der Kopftätowierungen mit Nähseide und Nadel bestätigen mir meine gefühlten Schritte. „Immer habe ich mir so einen Magier vorgestellt. Der ist ganz sicher nicht aus Österreich, wahrscheinlich auch nicht aus Europa“, hat er mir gestern anvertraut. Und mit seinen einfachen Worten bestätigt, was ich beim Machen des Eierkopfes dauernd fühlte. Für mich ist es wieder eine dieser Phasen, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führt. „Es“ ist einfach zu tun. Und es geht leicht, logisch, wie von selbst. Beim Tun kommen Ideen, Bilder, Worte. Und wenn ich glaube, nach diesem Kopf sei Schluss, dann täusche ich mich. Wie sonst soll ich mir erklären, dass sich noch nicht gemachte Augäpfel bis ins Detail und in die Montage in mein Tagesbewusstsein drängen und Formen annehmen. Nur die Gesichtsform kann ich noch nicht klar erkennen. Logisch. Mein Magier ist noch nicht ganz fertig.

Während ich hier an meiner Tastatur des Laptops meine Gedanken ordne und sortiere und verdichte legt mein Liebster draußen ein großes Gemüsebeet an. Die Saatkartoffeln sind am Weg. Ganz viele Pflanzen warten schon im Wintergarten, dass die Eisheiligen da waren. Ich werde heute Nachmittag mein Versprechen einlösen, die Südseite von den wilden Brombeerranken zu befreien. Ich wünsche rundherum ein sonniges, warmes Wochenende!

Struktur und Quarantäne

Ja, es ist Struktur eingekehrt. Still. Heimlich. Aus der Stille, aus der Ruhe. Mit einem über die Jahre gewachsenen Freund*innen und familiären Netzwerk, das wie ich seine Fäden spinnt und mit mir diese Phase durchgeht. Mit den üblichen Aufs und Abs. Mit Gesprächen, Überlegungen, Mutzusprüchen. Und mit Videos, über die ich mich schlapp lachen kann.

Ganz gesund bin ich nicht in diesen Tagen. Ob es meine Empathie mit Menschen oder mein vorausschauender Umgang mit möglichen Symptomen ist kann ich nicht so recht beurteilen. Atemnot habe ich schon ein Leben lang, seit ich als Neunjährige eine saftige Lungenentzündung hatte. Von meiner Anämie will ich da jetzt gar nicht anfangen. Und ich huste seit November, derzeit wieder ein bisschen mehr. Mir fehlt es, im Garten zu sein. Und so wie es aussieht, gibt der Winter ein spätes Debut. Wir heizen wieder und alles spielt sich mehr im Hausinneren ab. Vielleicht raffe ich mich heute trotz allem auf und gehe mal wieder an den Fluss. Meinen Bronchien tut das sicher gut.

Meine Tage verlaufen relativ systematisch. Gemeinsames Frühstück mit meinen beiden Männern. Der Zehnjährige strahlt vor sich hin wie die Sonne. Und erzählt, was er von den Arbeitsaufträgen schon im Pyjama erledigt hat. Und dass er sich noch ein Video mit Turnübungen anschauen will. Aber er turnt herinnen. Weil, draußen ist es einfach zu grau und zu trüb. Zuhören, als mein Mann erzählt, dass in der WG einer seiner Töchter ein junger Mann Symptome hat. Quarantäne, nun auch außerhalb unserer vier Wände. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen. Es war klar, dass auch solche Nachrichten kommen werden. Dass mein Sohn heute Morgen seinen angekündigten und frei gewählten Milizdienst im Kosovo antritt habe ich als liebende Mutter zu akzeptieren. Meine persönlichen Gefühle sind meine Gefühle und werden auch wieder vergehen.

Einheizen in meinem freundlichen Atelier, aufräumen, wegräumen. Zusammen räumen, was vom Vortag liegen geblieben ist. Mich daran hindern, schon wieder zu googeln, wie es in Spanien und in Italien, in den USA und speziell in London aussieht. Wie es den Kindern und Eltern in den Flüchtlingslagern zwischen Griechenland und der Türkei geht. Weiterhin Zurückhaltung auf Facebook, sonst sitze ich zwei Stunden später noch immer da. Die Töne am Handy ausschalten, auch das Vibrieren. Dauernd neue Meldungen. Sie sind auch ohne mich da. Ich schaue mir die Pressekonferenzen täglich auszugsweise an. Ich freue mich heute besonders darüber, dass wir als Stammkunden des Mittelkärntner Bioboten weiterhin versorgt werden. Sabine und Irmgard, ihr wisst gar nicht, wie gut uns eure Donnerstagskisten vor der Tür tun, psychisch und physisch. Hinterher wird Zeit sein, euch zu drücken.

Während ich handwerklich in irgendeine meiner vielen fantastischen Figuren eintauche und dran weiter arbeite, kehren meine Lebensgeister langsam zurück in meinen Körper. Beginne ich mich zu freuen, dass meine Enkelin und Tochter in Wien demnächst per whatsapp live mit mir sein werden. Dann darf ich wieder Bücher mitlesen und verstecken spielen. Meiner Enkelin aus 350 Kilometer Entfernung dabei zuschauen, wie sie auf abenteuerlich aufgeschichteten Matratzen in den engen zwanzig Quadratmetern einer Wohnungsquarantäne Purzelbäume und Rutschpartien veranstaltet oder mit dem Kindergarten telefoniert, weil der Hase dringend abgeholt werden muss. Wie schnell sie sich umgestellt hat! Mein jüngster Sohn ruft regelmäßig an. Nun gibt es auch positive Testungen in seiner Firma und die Dinge ändern sich. Wir werden uns der Armatur in der Küche widmen, da ist irgendwas so locker, dass der Hahn herauszufallen droht. Was gut ist (hoffentlich!), weil wir dann vielleicht auch den Fehler finden, warum unser Geschirrspüler partout nicht abpumpen will. Abenteuer Installation. Und wir als Laien werden vermutlich eine Menge dazu lernen. Und zu schätzen wissen dass es eine Zeit gibt, in der man einfach einen Installateur anruft und hofft, dass er Zeit hat.

Morgen treffen wir Puppenmacherinnen uns zum ersten Mal auf Zoom. Ein globales Treffen. Und der erste Termin seit zwei Wochen, an den ich mich halte. Ich bin sehr gespannt, wie das sein wird. Unser Make Along auf Facebook ist einer der Lebensfäden mit der Außenwelt, der mich beruflich nährt und wärmt.

Tag 14 unserer Quarantäne. Ein Zwischenbericht. Ich schicke meine herzlichen Grüße hinaus an euch alle!

Atelier und eine Pause

Statt emsiger Geschäftigkeit im Atelier totale Pause im Atelier. Stillstand. Quarantäne in der Quarantäne. Ich habe mit vielem gerechnet, nur damit nicht. Diese vielen Angebote online, auch das ist mir zu viel geworden. Und Leute, es tut mir gut. Inklusive Social Media Fasten. Meine Freundin Ingeborg schickt mir jeden Tag kurze Meditationen, die ich fast jeden Tag mache. Wenig konsequente Struktur im Hause Stoberdorf vulgo Leitgeb. Ein zehnjähriges Kind, das sowas von brav mitmacht beim homeschooling. Das erstaunliche Selbstentwicklungsschritte hinlegt, einfach so. Einfach jetzt. Die Biber, die unsere Neugier am Leben erhalten. Unerfreuliche Erlebnisse beim Wocheneinkauf im Supermarkt und beim privaten Bauern. Die Angst, die Übervorsicht und auch die Rücksichtslosigkeit sind da. Verständlich, vollkommen. Und trotzdem unangenehm. Nächstes Mal schütze ich mich besser. Und es wird reichen, den Einkauf vierzehntägig zu machen. Dann gibt es die Spaziergänger, die freundlich aus ihrem Respektabstand mit uns kommunizieren, erzählen, wie es ihnen geht. Uns zuhören, wie es uns geht. Voll das Leben. Seit gestern kehren die kreativen Lebensgeister zurück. Passend mit dem Wintereinbruch in Österreich, der uns hier Schnee in hohe Tallagen beschert. Und mit der heutigen Nacht vermutlich viel Erfrorenes, das drei Wochen zu früh den Frühling gespürt hat. Das Erdbeben in Zagreb, das heute Morgen auch hier messbar war, ist nur mehr ein Drüberstreuer.

Ich jammere noch immer auf hohem Niveau, habe ein Dach überm Kopf. Menschen sind da, die mich lieben und die ich liebe. Wir können ohne Probleme in die Natur gehen. Sie ist vor der Haustür. Es gibt smarte Medien, um mit Familie und Freund*innen in Verbindung zu bleiben. Nicht zu vergleichen mit dem Istzustand von geflüchteten Menschen, die an Europas’s Grenzen in Lagern hocken und nicht wissen, was sie heute essen, ob sie morgen noch leben und wohin es für sie geht. Ein Planet, der sich fühlbar reinigt, weil wir unsere Wirtschaftssysteme herunter fahren. Eh nicht lange. In China geht es schon wieder los.

Heute gehe ich schnitttechnisch und an der Nähmaschine das an, was sich seit Tagen in meinem Kopf formt. Danke ihr so besonderen Menschen, die JETZT bestellen, die JETZT für Sommer und Herbst planen und mich einbinden. Die mit ihrem Kauf und ihren Vorschlägen mein Weiterkommen auch wirtschaftlich unterstützen. Ich werde in diesem Leben kein Onlineprofi UND ich leiste meinen Beitrag, indem ich auf eure Wünsche und Bedürfnisse, mich und meine Wesen zu zeigen, eingehe. Neben mir knackst der sich erwärmende Ofen, der schon eine ganze Woche kalt bleiben konnte. #onwards! sagt die schreibenden Künstlerin Elizabeth Gilbert. Wir schaffen das, sagt die WKO. Ich habe keine Ahnung, sage ich. Und gehe einen Schritt nach dem anderen. In meinem Tempo. Mit dem vollen Bewusstsein, in einer besonderen Zeit zu leben und diese mitzugestalten.