Gehandwerkt und verregnet

Genau. Es regnet. Mal wieder. Was grundsätzlich gut ist. Wenn im Garten nichts ansteht, habe ich kein schlechtes Gewissen, mich an den Computer zu setzen. Mitte Juni. Nach zwei schwülen Sommerhitzetagen zeigt das Thermometer nachwinterliche Temperaturen unter 15 Grad. Jedes weitere Wort ist überflüssig.

Regenbogen Katze

Eins und eins ergibt viele

Normalerweise stricke oder häkle ich um diese Jahreszeit nicht mehr. Viel zu heiß. Viel zu schwitzig. Aber da gibt es zwei Frauen in meinem Leben, die selbst färben, Ann und Sandra. Hier in Kärnten. Ihre Stricktreffen vor dem Lockdown waren die reine Inspiration. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Freitag genau daran wieder anschließen. Abgesehen davon, dass sie handwerklich an ähnlichen Dingen interessiert sind wie ich, haben sie meine latente Begeisterung fürs Stricken erweckt. Von wegen weibliches Handwerk. Ich darf in meinem Leben weiter unüberprüfte Vorurteile aufräumen, die sich in versteckten Schubladen ins Dunkle ducken. Stricken und Häkeln begeistert Frauen und Männer. Die Online-Community ist riesig und die gefertigten Stücke haben eine unglaubliche Qualität. Wir wissen aus der kinesiologischen Forschung, dass es dem Menschen sehr dient, beide Hirnhälften zu aktivieren. Wenn ich mit der linken und mit der rechten Hand strickend auf glorreiche Ideen komme, so hat das hirntechnische Hintergründe. Bei mir zeigt sich die Wirkung, dass meine räumliche Vorstellung erwacht. „Du bist ein Mädchen, Mädchen können nicht räumlich denken!“ Ha! Sobald ich mit beiden Händen arbeite, kann ich mir genau ausmalen, wie ich meine Strick-, Häkel- oder Nähschritte anlegen muss, um zu einem passablen Ergebnis zu kommen. Kaum flitzen die Nadeln durch die Reihen, „sehe“ ich die nächsten Schritte. Lässig, oder?

Regenbogen Raupe

Die Katze vom Regenbogen

Meine bunte Regenbogen-Katze hat es nicht (mehr) in den Shop geschafft. Sie wurde im halbfertigen Zustand reserviert und wohnt mittlerweile in Graz. Ich widme ihr hier ein paar Zeilen der Nachbetrachtung. Angefangen hat ihre Entstehung mit dem #regenbogenkal2020 einer begnadeten Wiener Strickerin. Durchaus auch gesellschaftspolitisch motiviert tummeln sich auf ihrer Plattform Frauen und Männer, die tolle Strick- und Häkelprojekte umsetzen. Eine wie ich, die grad mal mit Ach und Krach einfachste Strickleistungen hinlegt, die staunt, was mit Stricknadeln und sehr oft selbst gefärbten Fäden alles machbar ist. Socken stricken, Pullover stricken – kann sein, dass ich das im Winter angehe. Mich reizt es derzeit, mich figural auszutoben. Einfach aus dem Bauch heraus jenen Wesen Leben einzuhauchen, die auftauchen. Da sind archaische Figuren dabei. Aber auch solche, die aussehen wie Puppen. Oder eben Fantasiewesen. Alles sehr spannend und unabsehbar. Derzeit schlüpft eine bunte Drachin von meinen Nadeln. All das Vorzeichnen hat wenig genutzt. Sie wird ganz anders als erwartet. Lass dich überraschen.

Regenbogen Katze

Gequiltet und inspiriert

Mir tut es für alle an Textilem interessierte Handwerker*innen leid, die am Montag die textile artist Heike Schäfer im Villacher Revilla verpassten. Patchwork und quilten ist so viel mehr als ich dachte. Wir haben sie dreieinhalb Stunden mit unseren Fragen gelöchert. Voller Eindrücke dieses textilen Handwerks probiere ich bis zu ihrem hoffentlich stattfindenden Quiltkurs im Herbst, was mit einer Haushaltsnähmaschine und mit Handarbeit umsetzbar ist. Mittlerweile habe ich mit Hilfe einer Top Näherin herausgefunden, wie ich meine Maschine für diese Arbeit adaptieren kann.

Rückzug und Miteinander

Regenzeit nach einem langen, trockenen Winter und Frühling. Es wird und wird nicht Sommer. Als ich gestern gegen Mittag mit dem Auto losfahre staune ich. Was für ein Licht! Es nieselt. Die Sonne scheint durch die Wolken, alles schimmert. Genauso wäre es jetzt in Cornwall. Und genau dort wären wir, wenn – ja, wenn. Danke geschätztes Wetter, dass du hier in Südösterreich so ein Wetter inszenierst. Nach dem Drama-Regenbogen vor drei Tagen wundert mich gar nichts mehr.

Drei Monate bin ich jetzt auf Rückzug. Mehr oder weniger. Drei Monate, um mir anzuschauen, wer ich als Künstlerin bin. Jetzt gerade. Drei ruhige und geschenkte Monate, um viel Neues auszuprobieren. Meiner Intuition und meiner Liebe zu folgen. Drei Monate, um die Ruhe des selbstbestimmten Arbeitens zu schätzen. Und auch drei Monate um mir darüber klar zu werden, dass die Menschen in meinen Netzwerken kostbar sind und ich unsere Beziehungen hüte und pflege wie einen Schatz.

Regenwasser tropft in die Gießkanne

Unsere Politiker*innen und Expert*innen sprechen von einer neuen Normalität nach dem Lockdown. Und meinen damit, dass die Wirtschaft mit Schutzmaßnahmen wieder Fahrt aufnehmen soll. Kann. Muss. Ich, die Nichtexpertin, fürchte, sonst wäre sehr schnell sichtbar, wie fragil und ohne Fundament diese Geldwirtschaft bereits ist. All die kleinen EPUs und KMUs können ein Trauerlied davon singen.

Auch ich mache mir Gedanken. Ich schaue hinaus ins Cornwall-Licht. Es tropft und rinnt, die Gießkannen und Kübel fangen das kostbare Regenwasser auf. Fließe ich mit dem Fluss weiter wie bisher? Was ist wichtig geblieben nach der dreimonatigen Pause? Was kann ich getrost vergessen?

Mir ist im Lockdown nie langweilig. Nach zwei Wochen hört die getriebene Unruhe des „Jetzt-hab-ich-endlich-Zeit-jetzt-muss-Ich“ auf. Irgendwann bin auch ich ausreichend und ohne schlechtem Gewissen ausgeschlafen. Funktioniert mein Hirn ausgeruht wie nach einem Retreat. Der Wunsch, Wesen zu erschaffen ist nicht nur geblieben. Er ist stärker geworden. Genäht. Gestrickt. Gehäkelt. Gezeichnet. Gestickt. Gefilzt. Mit paperclay oder Draht oder zwischen Bäume gehängt. Ganz egal.

Rose

Das künstlerische und kreative Gestalten eines mir vorher unbekannten Wesens füttert eine Seite in mir, die sich immer danach gesehnt hat. Meine prall gefüllten Bücherregale sind stumme und bunte Zeugen meines jahrzehntelangen Versuches, dieses innere Sehnen zu beruhigen. Das ständige Umgestalten unseres Wohnraumes und ein paar mickrige Versuche, als Künstlerin den Fuß in die illustre Welt ernst zu nehmender Künstler*innen zu setzen, bleiben als Erinnerung. Auch Scheitern ist ein Weg. Meine Kinder und ich sind Lebenskünstler wider Willen. Und vielleicht ist das die beste Schulung, die wir erhalten konnten. Wer weiß das schon so genau.

Sobald ich in diesen Wochen und Monaten die Wunderwelt unseres Gartens oder mein Atelier betrete, bin ich schlagartig wo ich sein will. Mein Mann und ich teilen diese Liebe. Er ist fast nur mehr im Garten. Oder am Zeichentisch. Ich bin fast nur mehr im Atelier. Oder davor. Diese Arbeit mit den Händen erfüllt und nährt mich. Möglicherweise heilt sie auch still und leise, ich kann das nicht ausschließen. Ich habe überhaupt kein Problem, stundenlang nicht zu reden. Wie gebe ich dir einen Einblick in diese Erfahrung? Ich kann dir Websites empfehlen. Und entweder bekommst du Herzklopfen oder nicht. Ich kann dir Bücher borgen und dich drin blättern lassen. Doch wie schaffe ich einen Raum, dich das erleben zu lassen, was mir so gut tut?

Hollunder

Ich überlege, wie ich das in den letzten Jahren Gelernte und persönlich Erfahrene an andere Suchende weiter geben kann. Kannst du dir mit dem Kopf ausmalen wie es ist, wenn die Quelle deiner Kreativität wieder zu sprudeln beginnt? Wie es ist, wenn du Raum und Zeit und Essen und Trinken vergisst, weil du so vertief in deinen Prozess bist? Spürst du, was ich spüre, wenn ich einem Wesen den Arm annähe und es sich auf meinen Oberschenkelnd sitzend an mich drückt und ich weiche Knie kriege, weil ich so verliebt bin? Ahnst du was ich fühle, wenn Bilder und Ideen durch meinen Kopf ziehen, auf die ich beim Nachdenken niemals gekommen wäre? Aus den Erfahrungen von zwei Jahren mit Workshops weiß ich, dass das Erschaffen von Wesen keinen Menschen kalt lässt. Auch dann nicht, wenn er so ein Wesen für einen anderen Menschen erschafft, für ein Kind, eine Freundin oder als Erinnerung an einen Menschen, der ihm einmal viel bedeutet hat.

Sind Workshops die einzige Möglichkeit?

Eine sehr liebe Freundin fragt nach ihren Erlebnissen mit ihrem bei mir bestellten Wesen an, wie es anderen Menschen mit den Geschöpfen geht. Was sie erleben, was sie ihnen auslösen. Sollen wir so ein Treffen auf die Beine stellen? Die Wesen miteinander sein lassen und uns austauschen? Irgendwas in mir nickt begeistert. 

Zoom- oder Skype-Konferenzen sind eine für mich neue und durchaus funktionierende Möglichkeit, sich auszutauschen. Kannst du dir vorstellen, dein Wesen unter digitaler Anleitung zu erschaffen?Und/oder braucht es auch persönliche Treffen?

Ich träume noch immer von einem monatlichen Puppenmacher*innen-Treffen, wie wir es eine Woche vor dem Lockdown dabei waren, zu organisieren. Mal hier, mal da. Als Empowermentgruppe für Puppenliebende. Ist das noch aktuell, interessiert? Online? In echt?

Gemeinsam mit einer Freundin planen wir eine Veranstaltungsreihe mit kreativem Gestalten von Wesen, Spüren und Reflektieren. Sie ist eine gütige und weitblickende Mentorin und wir erhoffen uns von der Zuammenarbeit ganz neue Einsichten in das kreative Tun mit sich selbst. Frühestens im Herbst, so der Virus uns lässt. 

Kontaktiere mich gerne, hier in den Kommentaren. Oder via Kontaktformular

rainbow cat

Amanda R. Bowy und der Wandel

Heute hat die Regenbogenprinzessin das Atelier verlassen. Und wie so oft bin ich ein bisschen traurig und vermisse ihren Anblick und ihre Ausstrahlung. Wenn mich meine Wesen zum ersten Mal räumlich verlassen, fehlen sie mir eine Weile körperlich. Dass Madame sichtbar sein will, ist schon im Frühling dieses schrägen Jahres 2020 klar. Ein Wesen drängt darauf, aus diesem mittelbraunen Woll-Filz gemacht zu werden, der mir zufällt. Kein Plastikindustriefilz, wirklicher, echter, richtiger Filz aus Schafwolle! Und es drängt ganz klar darauf, ein kleines Stückchen erwachsener zu sein als die meisten ihrer Vorgänger*innen. Also keine niedlichen runden Bäckchen sondern definierte Wangen. Eine besondere Nase. Volle Lippen. Und in einer Technik, die ich vor allem bei textilen Künstler*innen aus dem englischen Kulturraum bestaune und bewundere. Und die ich unbedingt ausprobieren will.

Amanda R. Bowy

Der Kopf gefällt mir. Die Augen sind sehr besonders, die Lippen sinnlich. Sie bekommt eine tolle Nase. Körper und Arme entstehen. Beine. Und trotzdem heißt es für das Wesen, einige Monate zu warten. Der Instagram #regenbogenkal2020 ist der perfekte Zeitpunkt, das dunkelhäutige Wesen wieder aus dem Korb der unerledigten Geschöpfe heraus zu holen. Und es einzustricken. Mit Regenbögen, Liebe zu Detail. Glitzer und Gloria. Von den Haarspitzen bis zu den Zehen. Es ist ein absoluter Zufall, dass zwei textile „people of colour“ auf meinem Arbeitstisch liegen, als George Floyd in den Staaten so schrecklich zu Tode kommt. Und mit seinem Sterben diese Bewegung lostritt, auf die ich gefühlt ein Leben lang warte. Ich habe heute nachgerechnet. Es ist für mich 38 Jahre her, dass wir in der Schule hitzige, tränenreiche und wütende Debatten über das Apartheitsregime in Südafrika, über Menschenrechtsverletzungen überall auf diesem Planeten führten. Uns mit Martin Luther King und der first nation und der Sklaverei in Amerika beschäftigten. Voller Scham und Wut waren über das, was Menschen angetan wird, nur weil ihr Haut dunkler pigmentiert ist als die Haut weißer Menschen. Was ist nur los mit uns Menschen, dass wir so extrem langsam lernen, dass wir als Menschheit und mit allem, was auf diesem Planeten kreucht und fleucht, engstens verbunden sind? Dass es eben nicht egal ist, wie und unter welchen Umständen für mich produziert wird, wenn dabei meine Schwestern und Brüder und dieser Planet, der unsere Grundlage bildet, ausgebeutet werden? Dass immer noch viel zu viele Menschen Hungers sterben, weil es hinten und vorne nicht reicht mit dem bisschen Geld? Unter so prekären Umständen und mit so viel Ablehnung von einer Mehrheitsbevölkerung, von der auch wir weißen Frauen nur den Hauch einer Ahnung haben?

knitted shoes

Und so geht Amanda R. Bowy im Juni, dem Monat des Regenbogens und der Queer-Community, nicht nur als Botschafterin für die grenzenlose Liebe zwischen allen Menschen hinaus in die Welt. Sondern sie passt wie ein fuzzikleines Zahnrädchen in die globale #blacklivesmatter Bewegung, die unseren Planeten rasend schnell umrundet. Und hoffentlich dieses Mal viele Menschen erreicht und berührt und nachhaltig in ihnen Veränderung bewirkt. Die heutige Demo in Klagenfurt gegen Polizeigewalt und Rassimus ist von jungen Menschen auf die Beine gestellt worden. Als junge Menschen sich auf den Boden werfen, die Hände am Rücken, und „I can’t breath“ skandieren, erfasst mich eine solche Welle von Traurigkeit, dass mir die Tränen herunter rinnen. Meinem Mann geht es ebenso. Ich kann mich den Demo-Chören nicht anschließen. Mir bleibt die Stimme weg. Diese Traurigkeit, die Ungerechtigkeit, die Erschöpfung – ich kann sie spüren. Ich baue so sehr darauf, dass die jungen Menschen von heute am Weg ins Erwachsenwerden, in die Arbeits- und Wirtschaftswelt nicht vergessen, wofür sie in Wien vorgestern und heute in Klagenfurt durch die Straßen gezogen sind. In Klagenfurt, wo meistens mehr Ordner bei Demos sind als Teilnehmer! Danke Klagenfurt! Danke ihr Menschen, die ihr euch gezeigt habt! Ihr entscheidet nun, wie es weiter geht. Ihr jungen Leute seid der Pfeil, der von unseren Bögen fliegt. Ganz frei nach Khalil Gibran. Wir werden da sein, wenn ihr unsere Unterstützung braucht.

Amanda R. Bowy

Amanda R. Bowy spricht für mich, wenn du sie im Kunst&Werk in St. Veit an der Glan besuchst. Ich bin seit heute mit meinen Wesen und ihren Geschichten Partnerin unserer ehemaligen Kolleg*innen vor Ort. Im Grunde haben wir nur den Status geändert und bleiben mit den feinen Menschen dort verbunden. Ich werde immer wieder eine meiner textilen Skulpturen mit einer Botschaft ins Geschäft setzen. Und wenn es wieder leicht möglich ist auf Möglichkeiten hinweisen, mit mir das Herstellen textiler Wesen gemeinsam zu machen. Danke Angela und Ingrid und Sultan für die heutige feine Zeit mit euch. Und danke Amanda, dass du dich heute so kurz vor deiner ersten Reise noch fotografieren hast lassen. Das hätte wir bei dieser neuen Normalität nach der Quarantäne nämlich beinahe vergessen. Die Tigerbabies lieben dich genau so sehr wie ich. let your light shine. Und ich blättere noch ein wenig im Instagram Account und lasse die Zeit mir dir im Herzen vorüber ziehen…

Fingerpuppen und andere Zeitvertreiber

Darf ich vorstellen: hier sind Finger-Wesen. Handgestrickt und etwa erwachsenenhandgroß. Teilweise bestickt und behäkelt. Mit Baumwollwatte gefüllt und aus Wollresteln gemacht. Jedes Wesen ist ein Unikat, entspringt meiner Fantasie und ist ausschließlich dazu da, dir und deinem Kind ein treuer Begleiter zu sein. Mit und ohne Coronaviren oder Quarantäne. Kein Spielzeug für Kinder unter drei Jahren, da verschluckbare Kleinteile dabei sind. Diese bunten Gesellen können vorlesen. Geschichten erzählen, verstecken sich gerne in Handtaschen und Hosentaschen und haben eine rege Fantasie. Sie passen auf Erwachsenenfinger und können bei Bedarf unten am Bündchen umgekrempelt und verkürzt werden. In meinem Blog kannst du ein bisschen mehr über ihre Entstehung erfahren. Falls du eine Idee für eine Fingerpuppe für dich und dein Kind oder Enkelkind oder das Kind der Nachbarin hast – lass es mich wissen! Gerne krame ich in meinen Kisten und stelle weitere von diesen kleinen Figuren her.

MR DACHS

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

Mlle CANDY RAINBOW

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

MR FOX

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

JANUS PRIDE

handgestricktes Unikat, Vorder- und Rückseite
€ 25,- exkl. Versandgebühren

MRS DACHS

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

REGENBOGEN RAUPE

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Sonne

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Die Sonne hat ein neues Zuhause gefunden/the may sun is sold!

Biene

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

MR CANDY RAINBWO

handgestricktes Unikat,
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Schnecke

handgestricktes Unikat
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Schmetterling

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Marienkäfer

handgestricktes Unikat
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Libelle

handgestricktes Unikat
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Igel

handgestricktes Unikat
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Drache/Krokodil

handgestricktes Unikat
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Häschen

handgestricktes Unikat
€25,- exklusive Versandgebühren

Sommerblume

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Finger und Puppen

Wenn ich es zulasse, Wirtschaft anders zu denken als ausschließlich im Austausch von Geld, dann entstehen in allererster Linie Beziehungen. Menschen, die mich kontaktieren, nehmen Anteil an dem, was ich so liebe. Sie wissen oft, worum es mir mit meinen Wesen geht. Sie lassen sich auf einen gemeinsamen kreativen Prozess ein. Solche Beziehungen und dabei stattfindende Begegnungen beseelen. Sie inspirieren und zeigen mir, woran ich weiter arbeiten werde.

Biene, Igel, Blume, Krokodil

Meine heuriges Fingerpuppenprojekt entsteht aus so einer Begegnung. Vollkommen überraschend. Und vermutlich aus der Umstellung meines Schulprojektes von vor Ort zu online. Kein direktes Arbeiten mit den Kindern! Wie ich das heuer vermisse! Ich habe etwas ganz anderes im Kopf, als ich einerseits ein von mir erschaffenes Wesen an eine Kundin übergebe. Und mir andererseits gerade Gedanken über Handpuppen mache, die man beim Vorlesen verwenden kann. Ehrlicherweise denke ich über gefilzte oder textile Wesen nach. Doch dann erzählt mir diese Frau, die mittlerweile eine wundervolle Freundin ist, von ihrem Enkelkind. Und dass in ihrer Familie mit Enkelkind so gern mit Fingerpüppchen gespielt wird. Sie zeigt mir ein Foto dieser „Tulis“. Und es ist Liebe auf den ersten Blick.

Schnecke

Und tja, ein paar Wochen später – hier sind sie. Meine ersten gestrickten, behäkelten und bestickten I-Dolls erblicken täglich das Licht dieser Welt. Sie sind für Erwachsenenhände gemacht. Unter Aufsicht können sie bestimmt auch von Kindern bespielt werden. Ich habe extra unten ein Bündchen angestrickt, das man umschlagen kann, um die Puppe zu verkleinern. Sie sind bewusst einfach gehalten. Vieles ist angedeutet, manches dafür mit Genuss und ohne auf meine Zeit zu achten, aufwändig bestickt. Ich sage nur Libelle. Meine Libelle muss funkeln. Sonst ist es keine Libelle. Gestrickte Libellen funkeln nur mit schimmernden Glasperlen. Diese Fingerpüppchen „passieren“ wie nebenbei. Ganz ohne Schnitt und Anleitung, einfach so. Das ganze Stricken geht wie nebenbei. Beim Lesen. Beim Film. Beim Reden. Ich brauche etwa zwei Abende oder zwei Terrassenbesuche einer Freund*in für eines dieser Wesen. Weißt du eigentlich, dass beidhändiges Arbeiten beide Hirnhälften aktiviert und dabei kreative Prozesse ablaufen? Also – ich breche hiermit eine weitere Lanze fürs beidhändige Arbeiten sprich stricken! Es macht mir zunehmend Freude. Bis auf die Größe wird jedes Wesen ein bisschen anders. Du kennst mich ja. Zwei Mal das Gleiche langweilt mich. Die Fingerpüppchen sind Unikate, die jedes Mal geringfügig anders ausschauen werden. Vieles kommt aus dem Pflanzen- und Naturreich. Und ganz oft steht eine Emotion dahinter. Bei der Häsin beispielsweise, die schüchtern lispelt. Ganz im Gegensatz zur Blume, die jedem erzählt, wie toll sie diesen frühen Sommer findet. Und die schielende Schnecke, die von ihrer Schönheit ganz begeistert ist.

Krokodil

Unser Sami ist ein recht guter Seismograph, was Anziehung betrifft. Ich hab das Gefühl, ihm bleibt immer ein bisschen die Luft weg, wenn ich ihm neue Minis zeige. Für die Fotos reißt er sich drum, mit den Fingerlingen zu spielen. Und Alexander will sich noch beim Abendkrimi das Krokodil mit den Glupschaugen reservieren. Er kann froh sein, dass das Krokodil nur mit gehäkelten Zähnen zubeißt! Er hat sich schon ordnungsgemäß für den Übergriff entschuldigt und erklärt, dass in jedem von uns mindestens (!) zwei Persönlichkeiten wohnen. Und dass es auch ihm als erwachsenen Menschen gut tut, die zum Sprechen zu bringen. Da werde ich wohl noch ein paar Wesen machen müssen…

Hase

Und ja, natürlich, du kannst diese Wesen auch erwerben! Sami darf noch ein paar Tage mit ihnen reden und welche bei mir bestellen. Und dann stelle ich die erste Partie ab 25. Mai 20 Uhr in den Shop. Sie werden wöchentlich aktualisiert, je nachdem, was mir so einfällt. Und wer uns als erstes verlässt. Gern mache ich auch Wesen, die noch nicht da sind. Wir Menschen wachsen ja an unseren Herausforderungen.

Libelle, Biene, Marienkäfer, Blume, Krokodil

Yasemine und das weibliche Handwerk

Wir sind hier in Stoberdorf in der neunten Woche unserer Quarantäne mit einem Homeschooler. Aus Gründen, würde meine Freundin Ina sagen. Irgendwann wurde es mir in den letzten Wochen zu langweilig, am Abend Pullover und Mützen und Socken für meine Wesen zu stricken oder zu häkeln. Abgesehen davon, dass sie diese tollen Stücke nicht übereinander anziehen können, war es vom Prozess her logisch, die Wesen selbst auf diese Art in Angriff zu nehmen. Häkeln fällt mir leicht, nur gefällt mir das Maschenbild nicht für eine Hautoberfläche. Also entscheide ich mich für das Stricken. Raus aus meiner Komfortzone, mal wieder. Yasemine und ein zweites Wesen entstehen. Von den Zehenspitzen bis zum Hals und zu den Handgelenken Strickmaschen. Mit einem Spiel feiner Sockenstricknadeln. Ganz old fashioned, immer in Runden und mit vielen Markern. Die übliche Zettelwirtschaft für auf- und abgenommene Maschen. Immerhin ein Hauch von Struktur. Das intuitive Stricken orientiert sich an meiner räumlichen Vorstellung der Schnitte für die Stoffwesen. Kopf und Hände werden später gefilzt, ich möchte dort keine Maschen sehen. Nach fast drei Jahren probieren und tun und studieren und lernen und wieder ausprobieren kann ich auf Einiges an Fertigkeiten zurückgreifen. Es wird spielerischer, leichter. Ich traue mir mehr zu. Und ich traue mich mehr. Es ist wie mit dem Lernen eines Instrumentes. Am Anfang sind in unserer Kultur die nervtötenden Etüden. Und irgendwann lernst du, dich zu lösen und zu improvisieren.

Ich erinnere mich rund um Yasemine an eine zwei Jahre zurück liegende Diskussion. Eine Freundin findet, dass es falsch sei, bei der Herstellung textiler Wesen und Puppen von „weiblichem Handwerk“ zu sprechen. Es würde zu sehr ausschließen. Wir forschen eine Weile, 2018 war ja DAS Jahr des Handwerks. Vom Bundesministerium beforscht werden Tischler, Schmiede und ähnliches Handwerk mehr. Nähen kommt in der wissenschaftlichen Arbeit vor. Und es ist viel die Rede von kaum mehr existenten Gewerben wie Schneider, Weber, Näher. Viele schöne Worte, tolle Lobgesänge auf das Handwerk und seinen immensen Wert für den Wert des immateriellen Erbes der Kultur einer Region. Aber monetär ineffizient. Häkeln, stricken, sticken? What? Ein Gewerbe? Nö. Als ich 2018 bei der WKO nachfrage, ob es eine Ausbildung oder Lehre für Puppenmacher*innen gibt, wurde mir nach zwei Wochen aus Wien und Klagenfurt beschieden, dass es das definitiv nicht gibt.

Für die Herstellung meiner Wesen braucht es eine Menge von diesem weiblichen Handwerk. Ich nähe von Hand und mit der Maschine. Aquarelliere und maskenbildnere. Ich stricke. Häkle und sticke. Filze und färbe. Webe und pflanze Färbepflanzen in unser Paradies. Ich lerne, mit Draht umzugehen. Ein bisschen florale Gestaltung kommt dazu. Um unser Schaf kümmert sich meine Freundin Hemma. Da fehlt mir jedes Können und Wissen. Ich kann Lara nur viel zu selten gernhaben und ein- oder zweimal im Jahr auf sehr unprofessionelle Weise ihre Wolle verarbeiten. Manchmal bin ich auch bildhauerisch tätig, mit Pappmaché oder Wolle. Für die Stabilisierung mancher Wesen bitte ich meinen Partner und die Maschinen seiner Tischlerwerkstatt um Hilfe. So viel Handwerk!!

Was ist das also? Meine Nähkenntnisse würden derzeit gebraucht. Ihr wisst schon, Masken nähen. Ich denke noch darüber nach. Dazu müsste ich ein passendes Gewerbe anmelden. Die Künstlerin näht nicht. Gewerbetechnisch. Doch was ist mit Fertigkeiten wie häkeln, stricken, sticken? Ein Handwerk wie tischlern und nähen? Ein feines unbezahltes Hobby zugunsten der Familie? Wie so vieles, das Frauen „freiwillig“ und unentgeltlich machen. War dieses Können immer schon „nicht systemrelevant“? Und wurde somit nicht mit Geld entlohnt? Ich weiß selbst zu wenig darüber. Bin bei meinen Nachforschungen allerdings auf Fragmente einer japanischen Tradition gestoßen. Herausragende „Künstler“, und dazu zählen auch kulturtechnische Fertigkeiten, wurden oder werden vom Staat insofern unterstützt, als man ihnen ein staatliches und lebenslanges Gehalt auszahlte. Voraussetzung: die Bereitschaft, dieses Wissen neben ihrer künstlerischen Arbeit in Form von vielen Jahren Lehre an junge Menschen weiter zu geben. Hier stehe ich mit meiner Forschung sprachbedingt an. Falls DU mir darüber etwas erzählen kannst, dann freue ich mich wirklich! Daran könnten wir hier in unserer Kultur vielleicht anknüpfen.

Falls du das Kaffeeservice meiner Kaffeetanten ebenso bewunderst wie ich, dann empfehle ich dir einen Besuch bei Rapunzel Naturkost im deutschen Regau. Dort wird in einem langen Prozess das Besuchercafé umgebaut. Ein Teil des Geschirrs bekam ein neues Design. Du weißt vielleicht, dass Alexander in den Anfängen dieser Firma aktiv dabei war, als Zeichner und Grafiker und Teil der Wohngemeinschaft. Er ist mit den Menschen dort verbunden geblieben. Der Winterauftrag für das Porzellandesign ist wunderschön in der Ausführung. So genial, wenn Alexander’s Arbeit noch ein bisschen sichtbarer wird.

Textile Skulpturen und unsichtbare Mächte

Die Eremitin in mir schränkt die Zeit auf social media auf ein Minimum ein. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Offensichtlich treffen diese Entscheidung mehr Menschen. Abos von besonders ängstlich nach Kontrolle schreienden Menschen aus der timeline zu entfernen ist eine Erleichterung. Wenn das Recht, recht zu haben, regiert, nehme ich mir das Recht, auf meine Art mit meiner Lebenszeit umzugehen. Und mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die zuhören können, ohne zu missionieren, zu belehren oder ihre starren, engen Glaubenskonzepte wie Kriegsgebiete zu verteidigen. Es ist was dran, dass man Menschen erst in Krisenzeiten kennen lernt.

Wohl zum ersten Mal in meinem Leben gibt es keine Ablenkung durch einen geregelten Alltag. Unsere stille Entscheidung im Vorjahr, das große Haus in den nächsten Jahren für andere Menschen in einer Art Nachbarschaftsgemeinschaft mit Werkstätten zu öffnen und mit unseren Händen in kleinen Wohnraum zu investieren war richtig. Für uns. Gott sei Dank haben wir darauf gehört. Nichts geht von heute auf morgen. Abhängig davon, ob wir heuer Material ertauschen oder anschaffen können wird es weiter gehen. Ein Schritt nach dem anderen.

Mein Atelier ist mehr oder weniger fertig. Wie ich mich über die zwei gerade fertig gestellten Fensterumrandungen nach Süden freue! Nach den gefühlt eiskalten Monaten zu Jahresbeginn ist klar, dass noch eine Bodenisolierschicht dazu kommen wird. Fliegen, Wanzen, Marienkäfer und ähnliches Getier brauchen Grenzen, die zu befestigen und zu silikonieren sind. Der neue alte Arbeitstisch im Retrochic ist wunderschön anzuschauen und ein Segen für meinen Rücken. Der ganze Raum hat an Größe und Effizienz gewonnen. Die kleine ausziehbare Traumcouch lebt in meinem Kopf und wird ihren Weg zu mir finden, wenn die Zeit gekommen ist. Derzeit behelfe ich mir mit den Matratzen unseres ungenutzten Reiseautos. Und wir überlegen schon, wie sich eine auszieh- oder ausklappbare Holzkonstruktion gestalten ließe.

Ich arbeite an völlig neuen Köpfen. Es waren wirkmächtige Schritte, Grundsätzliches über den Aufbau von Puppenkörpern und Puppenköpfen aus der Technik der Waldorfpuppen zu lernen und auszuprobieren. Diese Art der Herstellung wird immer die Basis sein, die mir künstlerische Umsetzung ins Figurale ermöglichte. Und für kleine Wesen passt diese Herangehensweise weiter. Das Wort „Puppe“, das mir jahrelang gegen den Strich ging, mich triggerte und ärgerte war rückblickend betrachtet mein Prozess, der Einstieg in meine Kunst. Nun geht es ans freie Formen. Ich studiere Gesichter, Münder, Nasen, Augen und Ohren. Es ist ein Unterschied, ob ein menschliches Wesen lacht, weint oder giftig schaut. Der Ausdruck von Gefühl im Gesicht ist spannend. Zeichnend und malend kam ich nicht so recht weiter. Meine Welt ist das Formen mit den Händen. Daraus kann ich dann Schnitte ableiten, die auf Papier landen. Geometrische Körper und sie als Schnitt auszurollen beschäftigt mich, die Mathematik-Geschädigte. Da heilt wieder etwas. Derzeit scheinen die entstehenden Köpfe meiner Innenwelt zu entsprechen. Sie sind bunt und ich bemale sie mit Fäden, mit gefärbter Wolle, Pailetten und Perlen. Gehäkeltes und Gesticktes kommt zum Einsatz. Unglaublich, wie viele tutorials es dazu im Internet gibt! Im Hinterkopf warten Ideen für freie Applikationen mit Textilien und Stickfuß der Nähmaschine. Für den nächsten Kopf. Groß. Ich muss immer wieder groß arbeiten, mit dem ganzen Körper, unter Einsatz all meiner Kraft. Manchmal ist der entstehende Kopf größer als mein eigener. Immer kommt Material zum Einsatz, das ich bereits daheim habe. Danke Maria für den kostbaren Schatz an wunderschönem Material, auf den ich immer und immer wieder zurück greifen kann. Beim Herstellen der Köpfe entwickeln sich in meiner Fantasie Umsetzungsmöglichkeiten stabiler Körper für eine Ausstellung. Auch die haben mit dem Material zu tun, das ich in unseren Lagern finde. Drähte. Hölzer. Textilien und Dekorationselemente. Dieses Suchen und Finden setzt unglaublich viel kreatives und logisches Potential frei.

Nach Merime und dem Geldfresser beschäftigt mich nun ein Magier. Oder eine Magierin. Es ist vollkommen unklar, ob er eine Sie wird oder ein Er oder beides. Unser Jüngster sucht einen Namen für diese Figur. Immer wieder kommt er vorbei und seine „Aaahs“ und „Oooohs“, seine natürliche Freude an der Entstehung der Kopftätowierungen mit Nähseide und Nadel bestätigen mir meine gefühlten Schritte. „Immer habe ich mir so einen Magier vorgestellt. Der ist ganz sicher nicht aus Österreich, wahrscheinlich auch nicht aus Europa“, hat er mir gestern anvertraut. Und mit seinen einfachen Worten bestätigt, was ich beim Machen des Eierkopfes dauernd fühlte. Für mich ist es wieder eine dieser Phasen, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führt. „Es“ ist einfach zu tun. Und es geht leicht, logisch, wie von selbst. Beim Tun kommen Ideen, Bilder, Worte. Und wenn ich glaube, nach diesem Kopf sei Schluss, dann täusche ich mich. Wie sonst soll ich mir erklären, dass sich noch nicht gemachte Augäpfel bis ins Detail und in die Montage in mein Tagesbewusstsein drängen und Formen annehmen. Nur die Gesichtsform kann ich noch nicht klar erkennen. Logisch. Mein Magier ist noch nicht ganz fertig.

Während ich hier an meiner Tastatur des Laptops meine Gedanken ordne und sortiere und verdichte legt mein Liebster draußen ein großes Gemüsebeet an. Die Saatkartoffeln sind am Weg. Ganz viele Pflanzen warten schon im Wintergarten, dass die Eisheiligen da waren. Ich werde heute Nachmittag mein Versprechen einlösen, die Südseite von den wilden Brombeerranken zu befreien. Ich wünsche rundherum ein sonniges, warmes Wochenende!

Struktur und Quarantäne

Ja, es ist Struktur eingekehrt. Still. Heimlich. Aus der Stille, aus der Ruhe. Mit einem über die Jahre gewachsenen Freund*innen und familiären Netzwerk, das wie ich seine Fäden spinnt und mit mir diese Phase durchgeht. Mit den üblichen Aufs und Abs. Mit Gesprächen, Überlegungen, Mutzusprüchen. Und mit Videos, über die ich mich schlapp lachen kann.

Ganz gesund bin ich nicht in diesen Tagen. Ob es meine Empathie mit Menschen oder mein vorausschauender Umgang mit möglichen Symptomen ist kann ich nicht so recht beurteilen. Atemnot habe ich schon ein Leben lang, seit ich als Neunjährige eine saftige Lungenentzündung hatte. Von meiner Anämie will ich da jetzt gar nicht anfangen. Und ich huste seit November, derzeit wieder ein bisschen mehr. Mir fehlt es, im Garten zu sein. Und so wie es aussieht, gibt der Winter ein spätes Debut. Wir heizen wieder und alles spielt sich mehr im Hausinneren ab. Vielleicht raffe ich mich heute trotz allem auf und gehe mal wieder an den Fluss. Meinen Bronchien tut das sicher gut.

Meine Tage verlaufen relativ systematisch. Gemeinsames Frühstück mit meinen beiden Männern. Der Zehnjährige strahlt vor sich hin wie die Sonne. Und erzählt, was er von den Arbeitsaufträgen schon im Pyjama erledigt hat. Und dass er sich noch ein Video mit Turnübungen anschauen will. Aber er turnt herinnen. Weil, draußen ist es einfach zu grau und zu trüb. Zuhören, als mein Mann erzählt, dass in der WG einer seiner Töchter ein junger Mann Symptome hat. Quarantäne, nun auch außerhalb unserer vier Wände. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen. Es war klar, dass auch solche Nachrichten kommen werden. Dass mein Sohn heute Morgen seinen angekündigten und frei gewählten Milizdienst im Kosovo antritt habe ich als liebende Mutter zu akzeptieren. Meine persönlichen Gefühle sind meine Gefühle und werden auch wieder vergehen.

Einheizen in meinem freundlichen Atelier, aufräumen, wegräumen. Zusammen räumen, was vom Vortag liegen geblieben ist. Mich daran hindern, schon wieder zu googeln, wie es in Spanien und in Italien, in den USA und speziell in London aussieht. Wie es den Kindern und Eltern in den Flüchtlingslagern zwischen Griechenland und der Türkei geht. Weiterhin Zurückhaltung auf Facebook, sonst sitze ich zwei Stunden später noch immer da. Die Töne am Handy ausschalten, auch das Vibrieren. Dauernd neue Meldungen. Sie sind auch ohne mich da. Ich schaue mir die Pressekonferenzen täglich auszugsweise an. Ich freue mich heute besonders darüber, dass wir als Stammkunden des Mittelkärntner Bioboten weiterhin versorgt werden. Sabine und Irmgard, ihr wisst gar nicht, wie gut uns eure Donnerstagskisten vor der Tür tun, psychisch und physisch. Hinterher wird Zeit sein, euch zu drücken.

Während ich handwerklich in irgendeine meiner vielen fantastischen Figuren eintauche und dran weiter arbeite, kehren meine Lebensgeister langsam zurück in meinen Körper. Beginne ich mich zu freuen, dass meine Enkelin und Tochter in Wien demnächst per whatsapp live mit mir sein werden. Dann darf ich wieder Bücher mitlesen und verstecken spielen. Meiner Enkelin aus 350 Kilometer Entfernung dabei zuschauen, wie sie auf abenteuerlich aufgeschichteten Matratzen in den engen zwanzig Quadratmetern einer Wohnungsquarantäne Purzelbäume und Rutschpartien veranstaltet oder mit dem Kindergarten telefoniert, weil der Hase dringend abgeholt werden muss. Wie schnell sie sich umgestellt hat! Mein jüngster Sohn ruft regelmäßig an. Nun gibt es auch positive Testungen in seiner Firma und die Dinge ändern sich. Wir werden uns der Armatur in der Küche widmen, da ist irgendwas so locker, dass der Hahn herauszufallen droht. Was gut ist (hoffentlich!), weil wir dann vielleicht auch den Fehler finden, warum unser Geschirrspüler partout nicht abpumpen will. Abenteuer Installation. Und wir als Laien werden vermutlich eine Menge dazu lernen. Und zu schätzen wissen dass es eine Zeit gibt, in der man einfach einen Installateur anruft und hofft, dass er Zeit hat.

Morgen treffen wir Puppenmacherinnen uns zum ersten Mal auf Zoom. Ein globales Treffen. Und der erste Termin seit zwei Wochen, an den ich mich halte. Ich bin sehr gespannt, wie das sein wird. Unser Make Along auf Facebook ist einer der Lebensfäden mit der Außenwelt, der mich beruflich nährt und wärmt.

Tag 14 unserer Quarantäne. Ein Zwischenbericht. Ich schicke meine herzlichen Grüße hinaus an euch alle!

Atelier und eine Pause

Statt emsiger Geschäftigkeit im Atelier totale Pause im Atelier. Stillstand. Quarantäne in der Quarantäne. Ich habe mit vielem gerechnet, nur damit nicht. Diese vielen Angebote online, auch das ist mir zu viel geworden. Und Leute, es tut mir gut. Inklusive Social Media Fasten. Meine Freundin Ingeborg schickt mir jeden Tag kurze Meditationen, die ich fast jeden Tag mache. Wenig konsequente Struktur im Hause Stoberdorf vulgo Leitgeb. Ein zehnjähriges Kind, das sowas von brav mitmacht beim homeschooling. Das erstaunliche Selbstentwicklungsschritte hinlegt, einfach so. Einfach jetzt. Die Biber, die unsere Neugier am Leben erhalten. Unerfreuliche Erlebnisse beim Wocheneinkauf im Supermarkt und beim privaten Bauern. Die Angst, die Übervorsicht und auch die Rücksichtslosigkeit sind da. Verständlich, vollkommen. Und trotzdem unangenehm. Nächstes Mal schütze ich mich besser. Und es wird reichen, den Einkauf vierzehntägig zu machen. Dann gibt es die Spaziergänger, die freundlich aus ihrem Respektabstand mit uns kommunizieren, erzählen, wie es ihnen geht. Uns zuhören, wie es uns geht. Voll das Leben. Seit gestern kehren die kreativen Lebensgeister zurück. Passend mit dem Wintereinbruch in Österreich, der uns hier Schnee in hohe Tallagen beschert. Und mit der heutigen Nacht vermutlich viel Erfrorenes, das drei Wochen zu früh den Frühling gespürt hat. Das Erdbeben in Zagreb, das heute Morgen auch hier messbar war, ist nur mehr ein Drüberstreuer.

Ich jammere noch immer auf hohem Niveau, habe ein Dach überm Kopf. Menschen sind da, die mich lieben und die ich liebe. Wir können ohne Probleme in die Natur gehen. Sie ist vor der Haustür. Es gibt smarte Medien, um mit Familie und Freund*innen in Verbindung zu bleiben. Nicht zu vergleichen mit dem Istzustand von geflüchteten Menschen, die an Europas’s Grenzen in Lagern hocken und nicht wissen, was sie heute essen, ob sie morgen noch leben und wohin es für sie geht. Ein Planet, der sich fühlbar reinigt, weil wir unsere Wirtschaftssysteme herunter fahren. Eh nicht lange. In China geht es schon wieder los.

Heute gehe ich schnitttechnisch und an der Nähmaschine das an, was sich seit Tagen in meinem Kopf formt. Danke ihr so besonderen Menschen, die JETZT bestellen, die JETZT für Sommer und Herbst planen und mich einbinden. Die mit ihrem Kauf und ihren Vorschlägen mein Weiterkommen auch wirtschaftlich unterstützen. Ich werde in diesem Leben kein Onlineprofi UND ich leiste meinen Beitrag, indem ich auf eure Wünsche und Bedürfnisse, mich und meine Wesen zu zeigen, eingehe. Neben mir knackst der sich erwärmende Ofen, der schon eine ganze Woche kalt bleiben konnte. #onwards! sagt die schreibenden Künstlerin Elizabeth Gilbert. Wir schaffen das, sagt die WKO. Ich habe keine Ahnung, sage ich. Und gehe einen Schritt nach dem anderen. In meinem Tempo. Mit dem vollen Bewusstsein, in einer besonderen Zeit zu leben und diese mitzugestalten.

Handwerk und Digitalisierung

Seit ich mich vor knapp einem Jahr wirtschaftlich als Künstlerin auf eigene Beine gestellt habe weiß ich, dass ich online präsent sein soll. Sagt mir jede und jeder. Wissen heißt aber noch lange nicht, dass ich es tue. Kennst du vielleicht auch. Je mehr Menschen mir zureden, was ich tun soll, desto weniger – mag ich. Liegt sicher nicht an mir. Sondern an meinem freiheitsliebenden Sternzeichen, Aszendent Zigeunerin. Mit der Sonne im Gartenstudio. Dorthin braucht mich niemand zu schicken. Wenn ich mit meinen Händen arbeite, bin ich ich. Bin ich glücklich. Fühle ich mich rundherum wohl.

Doch zurück zum Eigentlichen. Nein, keine langen Lamentos über derzeitige Kronenviren, was du machen sollst, damit du daheim nicht verschimmelst. Du weißt selber, was gut für dich ist. Und derzeit kriege ich eher Stress, welches Hilfsangebot ich mir noch anschauen soll, das mir meine Zeit tot schlägt. Ich brauche eher eine Pause von den sich überschlagenden Meldungen und Fake-Meldungen. Als Handwerkerin mit Sinn für Kunst benötige ich keine Tipps, die Einsamkeit zu ertragen. Ich kann das. Ich arbeite am liebsten allein. Treffe mich mit Menschen. Und arbeite dann wieder allein.

Aber, riesengroßes Aber, ich nutze diese Wochen, endlich das zu tun, wovor ich mich drücke. Ich digitalisiere. Das Ergebnis der Arbeit meiner Hände, meines Herzens, meiner Seele. Meine freundlichen Wesen werden in Zukunft auf einer ganz einfachen Seite meiner vernachlässigten homepage sichtbar sein. Diese Site wird SHOP heißen. Und kein Webshop sein. Ich kann das nicht, es passt nicht zu mir. Derzeit jedenfalls nicht. Meine textilen Wesen entstehen aus Geschichten und Fantasie. Aus Träumen, Emotionen und sind oft genug eine Reaktion auf das Leben. Ich mache das auf meine Art. Und dann sehe ich eh weiter.

Eine Serie liegt mir besonders am Herzen. Es sind kleine handliche, recht einfache Wesen. Sie wurden im Herbst 2018 in Gemeinschaftsarbeit mit afghanischen und österreichischen Frauen und einem Mädchen in Klagenfurt begonnen. Viele dieser Frauen hatten mit Puppen nichts am Hut. „Lisa, das kauft man billig beim Chinesen. Wieso selber machen?“ war die Antwort der meisten aus dem arabischen und persischen Raum. Einige von ihnen fingen beim Tun doch Feuer. Vor allem, als die eigenen Kinder sahen, was beim Nähen mit gebrauchten Stoffen heraus kam. Ich habe im Voraus Köpfe gerollt und vorbereitet. Körper zugeschnitten, damit wir flott vorankommen. Und ich freue mich, dass ein paar Puppen liebevoll in afghanische Haushalte aufgenommen wurden. Dass sich Kinder gefreut haben.

Diese kleine Serie von Wesen habe ich diesen Winter fertig gestellt, nachdem klar wurde, dass es die gemeinschaftlichen Kurse in dieser Form nicht weiter geben würde. Für die Körper verwende ich gewaschene und gereinigte Stoffmusterproben aus unserem reichen Stofflager. Upcycling. Re-Use. Wie ihr unschwer erkennen könnt, werde ich nie zur Kunsthandwerkerin taugen. Alle meine Gesichter sind ein bisschen anders. Diese Wesen haben unter meinen Fingern immer ein Eigenleben, dem ich mit Wolle und Filz und Textilien nachgehe. Ich habe bei einigen Körpern mit Nadel und Häkelnadel Spuren hinterlassen, die die Puppen zu etwas sehr Individuellem machen. Zwei Wesen kommen nach dazu, die ich aus dem Kunst&Werk zurück gebracht habe. Und nein, es wird keine neuen Wesen dieser Art geben. Derzeit jedenfalls nicht. Mehr zu diesen Puppen und zu anderen Kostbarkeiten in meinem SHOP. Klingt doch schon fast professionell, was meinst du?

FINN ist wieder da!

Finn hat ganz rasch ein neues Zuhause gefunden!
Finn has found a new home, he is no longer available!

FINN hat seine Zeit im Klagenfurter Deins-und-meins-Shop sehr genossen. Da kam ein kleiner Kronenvirus. Und er wollte heim. Flott und sapperlott. Er vermisst Minnie, seine Katzenfreundin. Das hat er mir schon im Auto erzählt. Und noch Einiges mehr. Jetzt darf er sich mal ein Wochenende lang ausruhen. Und dann schauen wir weiter. Seine Freundin Greta war heute ganz traurig, dass er sie verlässt. Die beiden haben sich gut unterhalten in der lichtdurchfluteten Auslage. Aber Greta verlässt ihr neues Zuhause nicht mehr, sie fühlt sich wohl bei Ingun und den Damen ihres Teams.

Hier ist noch mal FINN’s Geburtstsgeschichte aus dem Nicht-Winter dieses Jahres 2020.

Und ja, natürlich – FINN freut sich auf ein neues Zuhause. Ab Montag. Wie gesagt, ich will ihn jetzt mal ordentlich drücken und ein Weilchen um mich haben. Bis ich es geschafft habe, hier als Laie übers Wochenende einen Webshop auf die Beine zu stellen, bitte einfach direkt bei mir melden!

Innere Stimmen und das Jetzt

Es geht mir gut. Innen drinnen. Unten drunter. Innen ist Klarheit, ist Ruhe. Weite und Zuversicht. Lust am Leben und Lust am Tun. Und zugleich erlebe ich mich im Alltag, vorm Einschlafen, beim Aufwachen wie ein aufgescheuchtes Hendel, dass von Nachrichten bezüglich Pandemien, Menschen auf der Flucht, vom Entsetzen vor sexistischen und zutiefst frauenverachtenden Texten im Rudel mit anderen Aufgescheuchten flattert und zittert und zwischendurch emotional vollkommen ausklinkt. Von diversen Existenzängsten und den üblichen Selbstsabotagewesen, die latent auf Futtersuche sind, einmal ganz zu schweigen. Die bringen mich in diesen Tagen eher zum Lachen. Ich habe vor ein paar Tagen so geweint wie schon lange nicht mehr. Das Fass zum Überlaufen brachten Bilder von flüchtenden Menschen, Frauen, Männern, Kindern an der griechischen Grenze. Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich angesichts dieser Bilder das Gefühl gespürt, dass es irgendwann reicht, dieses Erdenleben. Dass es auch für mich vorstellbar wird, dass er kommt. Dieser Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt zu sagen: „Danke, es genügt mir dann. Danke für all die Erfahrungen. Wir entwickeln uns als Menschheit nicht weiter. Ich kann keinen nachhaltigen Beitrag leisten, der wirklich etwas verändert. Ich bin müde. Ich fühle mich vollkommen hilflos. Mir tut alles weh vor Mitgefühl, und ja, all ihr Coaches und Mentoren, ich leide mit! Ich spüre den Schmerz meiner Schwestern und Brüder. Und ich mag nicht mehr.“

Was mir hilft? Ausweinen. Einen Tag lang. Oder länger, wenn es nötig sein sollte. Meiner erwachsenen Tochter zuhören, die mir am Telefon all die Sachen sagt, die ich ihr sagen würde, wenn sie zusammen bricht. Bloß nichts zurückhalten von all dem Schmerz. Spüren, bis in die letzte Zelle. Die Ohnmacht, die Wut, die Hoffnung und die Liebe für alles, was auf diesem Planeten leben will. Ich packe die Gleichgültigkeit nicht mehr. Die Selbstverliebtheit, die in unseren Wohlstands-Breiten epidemieartig um sich greift. Statt den Nächsten zu lieben wie uns selbst lieben manche Menschen nur sich selbst. Yeah, gut haben wir das gelernt in all den gutgemeinten Selbsthilfe- und Selbstliebekursen. Narzissmus an den Hebeln der Macht. Und mitten unter uns. Wir zerstören den nächsten, verbal und wirtschaftlich, bevor er uns etwas weg nimmt. Mir einzugestehen, ja genau, ich kann gerade überhaupt nichts tun. Ich, die Macherin, die Anpackerin und Voraus-Rennerin. Ich wirke nur in meinem direkten, kleinen Umfeld. Und bin nicht immer sicher, dass es gut ist, was ich tue. Auch ich mache Fehler. Schätze Dinge falsch ein. Ich „faste“ social media in diesen Tagen. Freiwillig, ohne große Ankündigung. Zwei Drittel der Kommentare dort machen mich unglücklich und ich bin der Argumentationen so müde, in denen es nur darum geht, Recht zu bekommen. Das schlagkräftigere Argument zu haben. Den anderen zu vernichten. Oder es besser zu wissen und ihm einen weiteren Selbsthilfekurs aufzudrängen. Nein. Danke.

Es hilft mir, mich auf meine klare innere Stimme, auf meinen inneren Ruf auszurichten. Ich bin Künstlerin. Ich bin so zur Welt gekommen und ich habe das sehr lange sehr erfolgreich überhört. In meiner Fantasie entstehen lebensgroße Wesen und Texte, die all das ausdrücken, was ich derzeit empfinde. Einiges wird das Licht dieser Welt erblicken. Da sind tragische und anklagende Wesen dabei. Aber auch humorvolle und augenzwinkernde. Sie und ich, wir beschäftigen uns mit dem, was hinter dem Alltäglichen schwer fassbar und oft unsichtbar ist. Und wie so oft im Leben, wenn mensch auf seine innere Stimme hört, so geschieht es auch jetzt. Eines fügt sich zum anderen. Eine Einladung zur Kunstausstellung hier. Ein Angebot für kostbarstes textiles Material dort. Tiefgehende Gespräche mit Menschen, ihre andere Sicht auf das Leben, die meine Batterien aufladen und meine Fantasie wieder bunter machen. Und Kinder. Volksschulkinder, die Träume haben für ihr Leben in einer Stadt. Für das, was sie mitgestalten wollen. Für ein Leben, das sie hier leben möchten. Und die Erkenntnis, wie dankbar ich sein kann, dass ich lebe, wie ich lebe. Dass ich eine Wahl habe. Dass ich sagen kann, was ich denke. Und sogar die Möglichkeit habe, anderen Menschen zu helfen, wenn sie um Hilfe bitten. Nicht weil ich muss. Sondern weil es möglich ist.

Wie ihr im Titelbild sehen könnt, helfen mir auch „unsere“ gefiederten Freunde, die die neue Futterstation vor meinem Atelierfenster fast zweitäglich leeren. So viele verschiedene Meisenarten. Die lärmenden Spatzenschwärme, die zwar für Aufregung sorgen aber irgendwie nicht ans Futter heran gelassen werden. Außer im Rudel. Ein wunderschönes Kleiberpärchen, das sich artgerecht von oben rennend Futter holt, während sich unten die pickenden Horden auf die zarten Krallen treten. Es ist laut da draußen. Und abends vorm Schlafengehen bekomme ich wunderbare Ständchen zu hören. Das Leben geht weiter. So lange es dauert. Und es ist nicht immer nur schön und positiv und rosarot. Sondern verwirrend und schmerzhaft zugleich. Rollercoaster. Ich weiß das. Ich lebe schon fünf Jahrzehnte und ein paar Jahre mitten unter euch.

Die Bienen und die Kinder

Noch ist es draußen kalt und feucht. Der Graupelschauer hat schöne Punktmuster auf den Asphalt gezeichnet. Die Sonne beginnt zu wärmen. Leute, der Frühling ist schon so nahe. Drinnen summt es wie in einem Bienenstock. Große Fenster lassen viel Tageslicht in die Gänge und Klassen. Schöne Farben, Holz, das übliche Sammelsurium von Winterjacken, Stiefeln und Handschuhen. Vor sieben Jahren ist die Schule hierher gesiedelt. „Wir haben ein Hochbeet gebaut“, erzählt mir eine Pädagogin des Friesacher Schulzentrums. Ich sehe einen großen Rosmarinstrauch, das Hochbeet aus Palettenholz. Ein Insektenhotel, das an der Wand der Mittelschule lehnt. Eines, das in das Hochbeet des Volksschulmodells integriert ist. Ein paar Sträucher, Bäume. Viel Gras. Viele Steine. Die Schuldirektorin erzählt mir von Gartenmodellen, die Kinder vor Jahren entwickelt haben, um ihren Schulgarten lebendiger zu gestalten. Von einer Studentin, deren gute Ideen zwar gut geheißen. Aber nie umgesetzt wurden. Ich speichere alle Infos vorsorglich in meinem Gedächtnis. Hier sind wir mit unseren Ideen willkommen.

„Ist das die Sumsi?“ „Nein, das ist doch die Maja!“ „Aber geh, das ist der Willi!“ Ich sitze in einer lebendigen, aufgeregten Kinderschar von Acht- und Neunjährigen. Wir diskutieren, ob Bienen Nester bauen wie die Wespen. Ob beim Puppentheater Schauspieler sichtbar sind oder sich verstecken müssen. Ob Musik und Tanz dazu gehört. Oder nicht. Ich höre viele Geschichten von Bienen- und Wespenstichen. Und dass sie, die Bienen, „das Gelbe aus den Blumen holen“. Tja, lieber Egon. Nächste Woche bist du als Bienenexperte für Wildbienen dran, dir von uns allen Löcher in den Bauch fragen zu lassen. Und vielleicht finden wir auch einen Bienennamen, der zu unserer (Wild)Biene an meiner Hand passt.

Und wisst ihr was? Ich bin glücklich. Das ist genau mein Element. Wie ich es liebe, mit diesen neugierigen, interessierten Wesen zu arbeiten. Voller Vertrauen gehen sie in die Übungen, die ich heuer aus dem tollen Handbuch „Spiel- und Theater Grundschule“ des Schulverlags Hamburg aussuche. Wieder so ein Glücksfund im Internet! Wir erleben heute Kinder in der vierten und fünften Schulstunde, die einander kaum ausreden lassen vor lauter Begeisterung. „Ich weiß was, ich weiß was!“ pulsiert durch das kindliche Lernsystem. Und das will geteilt werden, und zwar flott. Junge Leute, die schon so viel wissen, selbst wenn Zusammenhänge noch nicht erforscht sind. Kinder wollen nur eines – dazu lernen, ihr Wissen weitergeben. Das ist natürlich in ihnen angelegt. Dieses Bedürfnis, diese Welt zu verstehen, dazu zu gehören. Sich als sinnvollen, erwünschten Teil dieser Welt zu verstehen. Ich werde nie kapieren, warum ihnen Erwachsene diese Kompetenz des Wollens absprechen. In diesem Alter ist sie spürbar noch da.

Wir werden sehen, welche Puppen an Stäben, an Händen oder vor uns her getragen wir heuer entwickeln. Welche Geschichten die Kinder zu erzählen haben. Ich bin einfach dankbar, dass ich hier wieder auftanken und selbst Mensch sein darf. Und dass ich die Kinder mit meiner eigenen Begeisterung anstecke, das Beste aus sich herauszuholen. Onwards!

Alleinunterhalter Finn und der Nichtwinter

Finn ist nach dem erstaunlich langen Hin und Her der letzten Tage reisefertig. Kein Wunder, muss er doch mit meiner Enkelin telefonieren. Unfassbar, wen Finn zum Reden bringt. Meine Tochter bekommt immer wieder den Auftrag: „Oma anrufen!“ Wenn ich am Bildschirm erscheine, ist die Sache für meine Enkelin ehrlich gesagt erledigt. Sie wartet. Ich rede. Sie schweigt. Ganz anders ist es dieses Mal, als ich mir Finn auf die Knie setze und in die Kamera Bussis hinein schmeißen und andere Faxen machen lasse. Jana spricht! Und zwar geschlagene fünfzehn Minuten. Die beiden unterhalten sich über Mama’s Kopfhörer, singen sich ein Lied vor. Als Finn kurz auszuckt, weil er auch unbedingt mit Jana schaukeln will, wird er eingeladen: „Komm, hier ist noch Platz!“, sagt die Zweieinhalbjährige und rutscht auf ihrer Marienkäferschaukel nach vor. Ich führe Finn’s Hände, bin ständig im Bild – aber Jana spricht mit diesem Wesen! Es ist so unglaublich, wie Menschen auf diese Geschöpfe reagieren. Und ich freue mich schon so auf alles, was wir heuer in dieser Richtung vorhaben…

Finn und die Handküsschen

Vorerst wandert Finn einmal in den Klagenfurter Gemeinwohlladen zu Ingun und ihrem genialen Team. So schön zu erleben, wie meine Wesen dort willkommen geheißen und wertgeschätzt werden. Da streicht ihnen mal wer über den Kopf. Werden sie herum getragen und her gezeigt. An ihm gibt’s schon ein paar Sachen zu bestaunen. Die extra coolen gestreiften Schuhsohlen beispielsweise, Ton in Ton mit dem handgestrickten Pullover. Die spitzen Elfenohren, seine voll beweglichen Arme und Beine. Und den Blumenstrauß, den er direkt für den heurigen Valentinstag mitbringt. Mal sehen, wer ihn bekommt!

Finn und Minnie

Bevor ich meine Wesen ziehen lasse, müssen sie mit mir eines oder mehrere Shootings absolvieren. Finn brauchte insgesamt drei. Eines im Abendlicht, noch ganz ohne Beinkleidung. Ein absolut lustiges mit unserer interessierten Katze. Die sich nicht immer sicher ist, ob Finn ernst zu nehmen, ein Feind oder was ganz Anderes sei. Jedenfalls untersucht sie ihn genauestens, als sie meint, niemand würde es sehen.

Finn und der Kunstschnee

Und heute löse ich mein Schneeversprechen ein. Müßig zu erzählen, dass der für vergangenen Samstag prognostizierte Schneefall nicht ausreicht, Finn in heftigem Schneetreiben abzulichten. Es fällt ungefähr eine Flocke alle zwei Minuten. So helfen wir heute nach. Mit Kunstschnee. Angeblich garantiert abbaubar. Finn ist glücklich. Endlich eine Art Schneeball in den beweglichen Fingern. Endlich pulverleichte Flocken. Und endlich auch wieder eine Katze. Die sich mit Begeisterung auf meinen Aufheller legt. Sie lässt es sich auch heute nicht nehmen, durchs Foto zu spazieren, wie es ihr gefällt. Möglicherweise hat sie den smarten Kerl ins Herz geschlossen.

Finn und sein Sonnenyoga

Künstliche Schneeflocken rieseln wunderbar. Und dann, dann kleben sie. Sie fühlen sich wie Maiswaffeln an. Und verbinden sich innig mit Mohairhaaren, Strickpullovern und gewalkten Hosen. Abschütteln. Niente. Abstreifen. Nada. Ich rücke ihnen mit einer Katzenbürste an den Flockenleib. Ein paar kleben nun zwischen den feinen Borsten. Ein paar wandern rüber auf meine Kleidung und feiern dort ihr neues Daheim. Ein bisschen ratlos wandern wir zurück ins Atelier. Wir glitzern und funkeln. Die Katze staunt.

Drinnen fällt mir ein, ha, Staubsauger. Und der hilft uns endlich. Ich bekomme fast alle Flocken von uns beiden runter. Auch von der Kamera. Von der Linse und dem Gehäuse. Wir sind wieder im Frühling angekommen.

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Ich leihe mir diesen Titel bei der von mir so geschätzen Julia Cameron. Mit der Empfehlung, dieses Buch bei Bedarf in der lokalen Buchhandlung deines Vertrauens anzuschauen und zu kaufen. Nein, keine Werbung. Empfehlung aus praktischer Erfahrung. Mir haben Morgenseiten, Künstlertreffs und das Aufraffen zum Gehen in meinem Leben immer weiter geholfen.

Seit Wochen staune ich selbst über mich, dass ich diesen oder einen ähnlichen Satz in mir herumtrage: „Zu spät für mich. Hätte ich das vor 30 Jahren gehört, gewusst, ausprobiert, dann hätte das Sinn gemacht. Jetzt ist es zu spät!“ Ich ahne, dass mein Kopf sich dabei leicht zur Seite neigt, ich im Gespräch gekonnt diesen leicht frustrierten Ausdruck in die Augen bringe, den ich in meiner Opferrolle perfektioniert habe. Und dass ich damit meiner Umgebung noch mehr auf den Wecker gehe als mir selber. Die Umstände. Die Menschen. Alles hat mich davon abgehalten, damals einen Weg zu gehen. Und jetzt. Ist es halt zu spät. Riesenseufzer. Wie arm ich bin.

Bullshit! sagt meine Freundin Stefanie, wenn es ihr reicht. Und hier passt dieser Ausdruck so richtig gut. Was für ein riesiger Scheibendreckkleister! Hätte ich vor 30 Jahren auf mich gehört, dann hätte ich – vielleicht, unter Umständen, eventuell – eine Karriere als Künstlerin, als Psychotherapeutin oder als Sozialarbeiterin mit Studium und Abschluss angepeilt. Das weiß ich aber erst, weil ich seit drei Jahren nicht denke, dass ich etwas Bestimmtes tun sollte. Sondern meinem Herzklopfen nachgebe und genau das tue, was mir von innen sehr ruhig und klar angesagt wird. Nicht umsonst schenke ich (!) meinem Allerliebsten zu Weihnachten ein Buch. Für Menschen in der Pension. Damit sie die neue Freiheit ihrer Zeit kreativ zu nutzen, falls bisher dafür kein Platz war. Und eben auch mit dieser Frage: „Wenn es nicht zu spät wäre, würde ich …. “ Mich reizt es derzeit überhaupt nicht, meine Biografie zu schreiben. Und – es reizt mich, Neues auszuprobieren. Selbst wenn es zu spät ist.

Und ja! Für eine herkömmliche und wirtschaftlich erfolgreich Unternehmer*innenkarriere ist es möglicherweise zu spät. Ich schließe keine Überraschung aus. Aber für mich, für mich als Mensch, ist es niemals zu spät. Mir steht diese Zeitspanne zwischen meiner Geburt und meiner Geburt in was Unbekanntes in einer relativ gesicherten Umgebung eines ziemlich demokratischen Landes zur Verfügung. Ich lerne ständig dazu. Entwickle mich lebenslang weiter. Kann auf Erfahrungen zurück greifen, die ich vor 30 Jahren nicht hatte. Die mich damals ängstigten und blockierten. Weiß, dass Krisen riesengroße Chancen in sich tragen, wenn mensch durchhält und sich den Herausforderungen stellt. Dass das Leben liebevoll mit uns umgeht. Dass sich Türen sehr oft zurecht schließen und andere dafür aufgehen. Meine Coachin sitzt da drüben beim Wasserspender und verdreht lachend die Augen. „Hat sie endlich wieder einen Mikroschritt kapiert? Was für Geschütze ich immer auffahren muss, damit sie wütend wird und sich einfach traut?“ Danke du mein wundervolles Alter Ego. Du erzeugst nach wie vor Heiterkeitsausbrüche in mir.

Danke all jenen, die mir in den letzten Tagen und genau genommen Monaten Tipps und Hinweise in die richtige Richtung gegeben haben. Herausforderung angenommen, ich beschäftige mich aktiv mit Handpuppen! Auf mich rollt gerade eine kleine Bücherlawine zu. Recht passend rund um meinen Geburtstag und für jene, die unrund werden, weil sie nicht wissen, womit sie mir an diesem Tag eine Freude machen könnten. Und unserem jüngsten Familienmitglied danke ich, dessen aktuelle Bedürfnisse mich reizen, diesen zusätzlichen Weg rund um Stoffpuppen und Wesen anzugehen, der meine ohnehin geliebte Arbeit ergänzen wird. Wie so oft sind es in meinem Leben mir anvertraute Kinder, die als große Lehrer*innen daher kommen und Veränderungen und Paradigmenwechsel einleiten.

Der Frühling und sein Anklopfen

Finn begleitet mich seit den Weihnachtsfeiertagen. Krank und gesund. Also ich, ich bin krank. Er ist schüchtern, aber kerngesund. Die Kopfgrippe, die zwischen meiner Lunge und den Stirnhöhlen hin- und herwandert und zwischendurch sogar die Zähne in die Mangel nimmt, sie ist ausdauernd. Genau genommen macht mich die Arbeit an ihm und mit ihm gesund.

Irgendwann nach dem Vierzundzwanzigsten ist es mir zu viel, herumzusitzen und meiner bezaubernden Enkelin und ihrer Mama, meiner Tochter, und Sami beim Spielen zuzuschauen. Heuer schaffen wir es, dass wir alle mehr oder weniger fiebrig herumsitzen und Weihnachten bis Silvester verlängern. Ein russisches Tutorial fesselt mich zu diesem Zeitpunkt besonders. Ich verstehe kein Wort. Bin aber mittlerweile so tief in den Prozess des Machens eingedrungen, dass ich mir die Handgriffe selbst erklären kann. Jedenfalls genügend, um selbst auszuprobieren, was ich russisch besprochen sehe. Habe ich schon mal gesagt, dass die russischen Puppenmacher*innen ein Traum sind? Jana, das ist die Enkelin, erklärt mir beim Filzen und Sticheln, dass ich den Mond mache. Wie recht sie hat. Sie staunt, als ich einen meiner nicht mehr ganz sooo passenden Bikinis zerschneide und zu einem Kopf zusammen nähe. Tja, Upcycling beziehungsweise ReUse as usual, ich brauche mich nur durch meine japanisch sortierten Kisten zu wühlen. Jana schaut sich den Kopf ganz genau an, von allen Seiten. Ganz, ganz leise regt sich in mir die Hoffnung, dass sie dieses Interesse beibehalten wird. Ich hätte ihr so viel zu zeigen, sobald sie es ausprobieren will…

Finn ist sehr geduldig mit mir. Ich langweile euch jetzt nicht mit handwerklichen Details. Nur so viel, dass ich euch verrate, dass an ihm fast alles anders und neu ist. Und dass er der Auslöser ist, mich noch mehr ins Filzen zu vertiefen. Es liegt mir einfach mehr, nur mit Wolle zu arbeiten. Ganz ohne Stoffüberzug. Sage ich jetzt einfach mal so. Das ändert sich eh wieder. Ich kenne mich.

Heute Morgen jedenfalls fordert er mich auf, mit ihm die erste Fotorunde im Garten zu drehen. Wir staunen beide, wie warm es ist. Wir sehr der Frühling schon darauf wartet, zu explodieren. Auch wenn der Kalender sagt, wir sind verrückt, wir zwei. Bei den Bienen sehen wir, dass ein paar den Winter nicht überlebt haben. Eine dafür außen herum spaziert und Flugreisen rund um den Stock veranstaltet. Und mich böse anbrummt und mal wieder stirnwärts zwischen die Augen stupst, weil ich ihr Finn zu nahe ans Flugloch setze. Auf gut bienisch heißt das „Schleich‘ dich, wir brauchen unser bisschen Futter, um über die nächsten Wochen zu kommen. Der Winter ist noch nicht vorbei. Das war die letzte Warnung, das nächste Mal steche ich!“ So ist das, wenn man mit Finn im Garten unterwegs ist. Dann versteht mensch sogar die Sprache der Bienen.

Ich muss jetzt los. Ich habe mir für heuer die Aufgabe gestellt, mehr von mir und meiner Arbeit sichtbar zu machen. Nicht nur die Ergebnisse, sondern ehrliche, tiefe Einblicke in mein Tun. Dazu benötige ich ein gutes Stativ, sagt die Dame aus dem Instagrambuch. Und eine Menge Nerven, um tiefer in die Tiefen des I-Phones der vorletzten Generation einzudringen, das mir mein Jüngster geschenkt hat. Das weiß ich selber. Nun hat sich auch dieser Wunsch erfüllt, den ich vor zwei Jahren aussprach. Yeah. Veränderungen, wohin ich schaue.

Das Schreiben und seine Prozesse

Brrr, minus vier Grad hat es da draußen. Gerade habe ich zähneklappernd den Kaminofen in meinem Gartenatelier mit Holz gefüttert. So bleibt mir eine knappe Stunde vorm PC, um ein paar Überlegungen mit euch zu teilen. Bevor ich mich wieder meinem Elfenkönig, der neuen Stoffpuppe, widme.

Ich schreibe, seit ich es kann. Waren es am Anfang gezeichnete und mit gelochtem Zeichenpapier und Bindfäden zusammengehalten Heftchen rund um Märchen, unseren Hund und unseren Alltag in der Kindheit, kamen später Reflexionen dazu. Heute würde ich „Morgenseiten“ zu diesen Ergüssen sagen. Sehr frei übersetzt und interpretiert als Teil von „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ausgekotztes. Gelangweiltes. Unverstandenes. Tagebuchartiges. Schreibend reflektiere ich nach wie vor meine Wahrheit dieser Welt, mache mir bewusst, wie sie auf mich wirkt, wie ich in ihr funktioniere und kann dadurch eigene Schritte gehen.

Literarisches Schreiben war nie erwünscht. Mit Abstand, aus der Distanz, in Rollen schlüpfend. In der Schule wurde es nicht unterstützt. Ich war eine superangepasste, brave Schreiberin mit römischen Einsen. Blümchen und Bienchen in der Sprache. Mit rosa Mascherl, ein bisschen plüschweiche Kritik hier und da. Und aus. Literarisches Schreiben gab es nicht im begonnenen Germanistik- und Publizistikstudium. Eine herbe Enttäuschung. Dazu hätte ich in den englischsprachigen Sprachraum reisen müssen, das wusste ich nicht. Creative Writing kommt bei uns im deutschen Sprachraum langsam an. Oh ihr Glücklichen, die ihr bereits in den Genuss kommt, von Anfang an so zu schreiben! Als Journalistin versuchte ich mich kurz und knackig und fachlich objektiv auszudrücken. Meine Meinung, meine Art die Welt zu spüren, waren der gewünschten Objektivität eher hinderlich.

Und nun sitze ich also wieder an den Zeilen, die mir vor zwanzig Jahren in die Tasten geflossen sind. Schön von außen das Leben betrachtend. Nie mitten drin. Träume und Wünsche. Sehnsüchte und Vorstellungen, wie das Leben sein könnte, wenn es nur endlich das machen würde, was ich mir von ihm wünsche.

Als ich am Samstag bei unserem Schreibmeeting vorlese, was ich vor einem Monat geschrieben habe, wird mir ganz anders. Was für ein Durcheinander. Zeitlich. Inhaltlich. Ich spüre, wie in mir Frust und Beklemmung aufsteigt. Das, das soll ich vor einem Monat verfasst haben? Mehr ist echt nicht da? Meine Freundin beruhigt mich. Findet die Story immer noch gut, die Herangehensweise. Fragt, wo sie sich logischerweise nicht auskennt. Dann höre ich ihr bei ihren neuen Texten zu. Frage ebenfalls nach. Gebe Feedback. Und dann kommt er zurück, der lustvolle Fluss des Fabulierens. Langsam finde ich wieder in die Rollen, die ich mir ausgesucht habe. In die Sprachmelodie, in die Erfahrenswelt meiner Protagonist*innen. Genau DAS habe ich in der Schreibwerkstatt mit Susanne Axmann doch eineinhalb Jahre lang praktiziert! Den Raum zu erschaffen, in dem sich die Geschichte abspielt. In diesem selbst geschaffenen Raum zu fühlen, zu spüren, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Das passende Sprachmuster zu entwickeln und Unterschiede in der Sprache klar zu definieren, damit nicht alles zu einem Einheitsbrei, zum Monolog verkommt, der vor 20 Jahren dominierte und aus dem ich nicht heraus fand.

Nach einer sehr tief durchschlafenen Nacht die Erkenntnis: Struktur, oh ja! Die brauche ich als Rahmen für diese Texte. Aber ich schreibe kein Buch. Diese Struktur des fertig geschriebenen Buches macht mir unnötig Druck, logisch Szene an Szene zu reihen. Beschneidet meine Freude am schreibenden Erzählen und Wahrnehmen. Mir liegt es, mit Sprachmelodie und ihrer Musik zu spielen. Mit unterschiedlichen Sprachmustern von Menschen zu experimentieren und sie zu erforschen. Ich bleibe bei den Grundzügen meiner Geschichte. Bei den Szenen, die mir nach wie vor wichtig und kostbar sind. Alles andere fliegt hinaus. Federleichten Herzens. „Fleckerlteppich“ nennt meine versierte Schreibfreundin diese Herangehensweise. Der Teilzeithippie in mir jubelt. Ich spüre förmlich, dass dieses Schreiben meine anderen künstlerischen Anteile verbindet und zugleich einer meiner vielfältigen Anteile ist. Das Bedürfnis, unterwegs sein zu müssen und zugleich einen Garten zu pflegen, damit er uns ernährt. Meine künstlerischen, handwerklichenen Ausdruck des Seins auf diesem Planeten. Schreibend halte ich das alles irgendwie zusammen, ohne verrückt zu werden. Der Prozess des Hineinfühlens in Rollen ist mir hundert Mal wichtiger als ein mögliches Ergebnis. Ziemlich magisch. Mal wieder.

Mein Beitragsbild stammt übrigens von einem Wochenende in Caorle mit einer schreibenden Freundin. Wir haben uns lustvoll Gedanken gemacht, wie wir Menschen dabei begleiten können, kreative Texte am Rande des Meeres zu entwickeln. Diese Einladung werden wir auch heuer wieder aussprechen und ausschicken. Ab Ostern kann mensch ja wieder die Zehen ins Meer hängen und Salzluft schnuppern…

Yaruna und der Jahreswechsel

Da ist sie nun. Reisefertig. Ihr Name hat sich um ein Ypsilon an erster Stelle geändert. Aus ganz logischen und nachvollziehbaren Gründen, die mir ins Ohr geflüstert wurden. Sie ist heute ganz schön aufgeregt und ein bisschen ungeduldig. Kein Wunder. Wir hatten Fotoshooting, trotz Nebel und sich auflösendem Schnee. Es ist wieder grau und trist da draußen und ziemlich unweihnachtlich. Deshalb aktivieren wir das Tageslichtatelier und haben schlussendlich sogar Spaß am Tun. Ja genau. Ein bisschen Wehmut. Von meiner Seite. Das kenne ich schon, ist im Grunde immer so. Wenn ich so viel Zeit mit einem Wesen verbringe, dann liebe ich es. Nicht ein bisschen, sondern voll. Seine Eigenheiten, seine Auffälligkeiten. Seinen Charme. Yaruna sieht das anders. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie schon vor einer Woche gesiedelt. Sie wird in ihrem neuen Zuhause liebevoll erwartet. Das weiß sie. Das spürt sie. Und ich weiß, dass sie das tun wird, was eine Yaruna am besten kann: Leuchten. Strahlen. Ihr Licht auch dorthin richten, wo es duster oder finster ist. Und mir ihrer sonnigen Art Aufmerksamkeit auf die Geschenke des Lebens richten. Selbst wenn das Geschenkpapier schon ein bisschen zerknüllt ist. Und nicht dem entspricht, was die Beschenkte oder der Empfänger erwartet hat. Sie wird außerdem pünktlich zur längsten Nacht, der Wintersonnenwende, dort sein, wohin sie gewünscht wurde. Und genau so soll es sein.

Yaruna

Zuerst sah es ja so aus, als würde Yaruna mit leichtem Gepäck reisen. Doch im Laufe von Gesprächen und nicht zuletzt den Ansprüchen von Madame „Ich-weiß-genau-was-ich-nicht-Will“ kommen in diesen Wochen ein verspielter Leopard dazu. Eine strahlend weiße Schaukel, die in Bäumen hängen kann. Und ein Mantel. Fluffig leicht und sich liebevoll und schützend um die Trägerin schmiegend. Und Perlen. Noch nie zuvor hat ein Wesen ständig Glasperlen verlangt. Auch dieser Wunsch ist zu erfüllen gewesen.

Wäre Yaruna noch eine Woche hier, hätte sie weitere Ideen. Problemlos. Sie sprudelt vor Ideen. Und neigt ein bisschen dazu, sich mit schönen Dingen zu überladen. Nobody is perfect. Gleichzeitig ist sie großzügig mit ihrer Magie und ihrer Liebe. Sogar meine Coachin musste zwei Mal schmunzeln über ihre Ideen. Ein bisschen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Keine Ausrede!!!

Yaruna ist das letzte liebenswürdige Wesen, das heuer mein Studio verlässt. Es war ein volles, erstes Jahr als angehende Künstlerin. Mit den üblichen turbulenten Auf und Abs dieser ersten zwölf Monate. Das nächste Jahr strukturiert sich bereits. Ich bin ehrlich gespannt, welche Überraschungen auf mich warten, auf mich und auf meine Arbeit. Ich wünsche auf diesem Weg eine erfreuliche und kerzenerleuchtete Wintersonnenwende, frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen feinen Jahreswechsel. Ab der zweiten Jännerwoche bin ich wieder für euch und eure Wünsche da.

Werkstattgeflüster

„Rosa? Ja spinnt jetzt die Welt? Und Spitzohren und vielleicht auch noch Elfenschmuck?“ Unverständnis. Das zwingende Bedürfnis, mich zurück auf den Pfad der Normalität zu bringen. Zunehmende Verzweiflung, weil ich es mir mit dem neuen Wesen in der Werkstatt so gemütlich mache. Und mir Zeit lasse, mir und ihr Raum gebe für das, was kommen mag. Und jetzt rutscht der Coachin auch noch die überdimensionale Wärmflasche vom Magen. Die Welt, die dreht sich nimmer lang.

„Einfach weitermachen, bitte, mach einfach weiter“, flüstert mir die Elfenkönigin auf meinem Schoß zu. Ja, sie ist vollkommen zufrieden, dass die Haare jetzt nicht mehr weiß und rosa sind. Sondern rosa und weich und füllig. Strähnchenweise heller und dunkler. Und ja, Stirnfransen könnten gut ausschauen, lässt sie mich wissen. Und diese Silberdrahtohrkostbarkeiten, die sie mir seit gestern einflüstert. Und sie möchte dann endlich Arme bekommen, beweglich, wie schon die Beine. Und hach, der Mantel. Die luftige Kleidung. Eine Schaukel. Und ein Geheimnis. So viel, worauf wir uns beide freuen.

„Ist der Winter und Weihnachten bald vorbei?“ wispert die Wolfsfrau zu Frau Herbst, die neben König Winter und dem Glöckchenschaf steht. Frau Herbst und Herr König haben schon etwa zehn Jahre am Buckel. Standen Jahr für Jahr in der vorweihnachtlichen Krippe für die heranwachsenden Kinder. Beide nicken weise. Die Schafsglocke klingelt. Frau Wolf wundert sich ein bisschen über die Glitzerbäume, die ihr seit ein paar Wochen vor der Nase stehen. Sie genießt die Wärme des Ofens an ihrem luftigen Platz, meldet sich selten zu Wort. Ruht in sich. So eine gute Seele. Sie beobachtet viel und schaut. Sie ist einfach da, braucht uns alle nicht. Ich bin es, die froh ist, dass ich sie da oben spüre.

Prinzessin Orsola ist nach einem langen Aufenthalt im Gemeinschaftsladen Kunst&Werk wieder daheim. Wie gut sie mit ihrem Glitzerband und dem vielen Weiß ins neue Studio passt. Orsola und ihre Freundinnen, die Plaudertaschen, freuen sich so, dass ich gestern endlich den geschälten Ast mit den geschliffenen Glassteinen und der Lampe an die Decke montiert habe. Sie werden sich noch mehr freuen, wenn diese Lampe am Sonntag von meinem Lieblingselektrikersohn mit Strom versorgt wird und mir den Abend über dem Arbeitstisch erhellt.

„Ma, diese Fliegen nerven, sind die immer noch nicht erfroren? Und, tust du jetzt weiter an den Armen, oder worauf wartest du?“ meldet sich Frau Coach wieder. Was für eine quengelige Stimme sie heute hat! Mir kommt sie vor wie meine innere Kritikerin, die mich jahrzehntelang sabotiert und mich vorm spielerischen Arbeiten mit Material abhält. Kein Geld, Hunger, Tod. Ihr wisst schon. „Dein Puppenmachen ist ein Hobby, kein Beruf. Von einem Hobby kannst du nicht leben. Hobby ist unentgeltlich und fürs Wochenende oder deine Freizeit. Basta.“ Diese Einflüsterin auf meiner Schulter, die mir statt dessen zum übermäßigen Konsum von Zeitschriften und Büchern rät, die diese kreative und künstlerische praktische Auseinandersetzung von anderen Menschen zeigt. Von Anderen, nur nicht von mir. Mich ständig ein bisschen schlecht macht. Mich mit anderen vergleicht, an deren Arbeit ich sowieso nie heran reichen werde. Ich finde es ganz praktisch, dass sie nun an der Rückenlehne meiner Studiobank lehnt. Und sich an ihre heiße Wärmflasche klammert. Immer noch an meiner Schulter, aber eben sichtbar. Auf Augenhöhe, sozusagen. Die Drohung, sie vor die Tür in die Eiseskälte und zur verspielten Katze zu setzen, wenn sie mir zu anstrengend wird, genügt meistens. Sie bringt mich so zum Lachen, wie sie da sitzt, grantig, untätig, meckernd, immer auf der Suche nach Fehlern. Ja, genau, du meinst es nur gut. Ich auch. Trink deinen Tee und genieß das Leben. Die Elfe und ich, wir haben heute noch Einiges vor…

Eine Adventüberraschung und Wa(h)re Weihnachten

Seit Oktober fühle ich es. Und ein so cooles Facebook-Posting heute Morgen mit dem Wortspiel um die Ware und das wahre Weihnachten haben mich motiviert, meine Gedanken zu teilen. Es ist heuer ein seltsames Rumoren, wenn ich an Weihnachten denke. Mein Sohn kehrt von seiner Weltreise zurück, obwohl er Weihnachten auf Hawaii verbringen wollte. Er möchte aber rund um den 24. Dezember mit uns und seiner Herkunftsfamilie zusammen sein. Rundherum die Puppenmacherinnen fangen im Oktober an, weihnachtlich angehauchte Texte und Wesen zu präsentieren. Ganz vorsichtig. Sehr achtsam. Und doch. Es ist sommerlich warm. Der Garten geht über vor Gemüse, Früchten und Blumen. Wie jedes Jahr. Spätsommer in Südösterreich. Und ich? Ich werde im Oktober unruhig. Ich sollte. Auch. Müsste doch. Mag nicht.

Mitte November treffen mein Mann und ich eine Entscheidung, die uns heuer ganz leicht fällt. Für uns fängt die Adventzeit am ersten Adventwochenende an. Privat und beruflich. Wir ignorieren sogar den geliebten Spekulatius, den wir seit September kaufen könnten. Bis zu diesem Wochenende sind wir mit dem, was wir tun, weihnachtlich nicht präsent. Diese Freiheit nehmen wir uns. Und es fühlt sich sowas von richtig an!

Unbedingt anführen möchte ich, dass ich die vier Wochen vor Weihnachten liebe. Ich liebe den Kitsch, den Glanz, das Gloria. Schnee. Hey, ich liebte Weihnachten mit den Kindern. Und seit Jana auf der Welt ist, sehe ich Weihnachten wieder mit den Augen der Zweijährigen. Ich liebe Keksgeruch, vielleicht weil ich eine grottenschlechte Bäckerin bin. Seit zwanzig Jahren feiern wir Advent und Weihnachten so gut wie ohne Geschenke. Im Dezember. Wir „wichteln“. Und es darf nach Herzenslust getauscht, geratscht, getrascht und gegessen werden. Für mich ist diese Zeit, bevor am 21ten das Licht anfängt, zurück zu kehren, eine der magischsten Zeiten im Jahresverlauf. Bei uns überbrückt mit flackerndem Kerzenschein, mit zusätzlichen Lichtquellen, um das fehlende Tageslicht zu kompensieren. Und mit großräumigem Ausweichen von Einkaufszentren. Es geht einfach nicht. Ich ertrage es nicht, das Gewusel, den Wirbel, den Stress des Shoppens. Nach dem Weihnachtsabend und den Feiertagen und Ferien freue ich mich auf den Frühling und genieße das bissel Schnee, das in Mittelkärnten ab und zu vom Himmel fällt.

Ich bin so glücklich, euch ins St. Veiter Kunst&Werk einzuladen. Seit heute Vormittag ist das fertig, womit sich mein Mann kurzfristig beschäftigt hat. Wir haben unsere Präsentationsfläche auf Kinderhöhe mit einer Überraschungskrippe für Kinder ausgestattet. Unverkäuflich. Sie ist einfach vier Wochen lang da. Entstanden ist sie, weil unsere Freundin Sladana aus dem Friesacher Kost-Nix-Laden uns vor einem Jahr einen beweglichen Werbeaufsteller für Plastikspielzeug schenkte. Ein Jahr lang drehte ein Drachenbaby auf der Bühne seine Runden im Stoberdorfer Bubenzimmer. Nun – dreht sich was anderes. Kommt und schaut nach. Re-Use auf verspielte Art, ganz mein Mann, ganz unsere Einstellung zur stillsten Zeit des Jahres. Staunen, schauen, träumen. Kinder haften für ihre Eltern!

Voll begeistert bin ich von den Weihnachtselfen Friedolin und Pamino auf ihrem roten Samtstuhl in der Auslage des Klagenfurter Gemeinwohlladens. Sie sehen zum Anbeißen bezaubernd aus. Und in Villach verbreiten die nordischen textilen Helfer Niklas, Jule und Aengel ihre weihnachtliche Magie. Laden zum Staunen ein, zum Liebhaben und zur Inspiration, was Weihnachten in der Tiefe bedeutet. Und dort ist es eben keine Ware, sondern ein Gefühl, ein Spüren, ein Zusammenrücken. Schönen ersten Advent ihr Lieben!

Adventüberraschung