Kunst statt künstlicher Erregung

Debussy-Klänge plätschern an mein Ohr. Mein Atelierofen hat es endlich geschafft, die nächtliche Kälte zu vertreiben. Draußen rieselt lautlos Schnee vom Himmel. Tiefer Winter eines Jahres, von dem ich wie alle anderen nicht weiß, wohin es sich entwickeln wird. Meine Intuition hat mir geraten, keine Vorsätze zu fassen sondern offen und bereit zu sein für alles, was kommt. Wie geht es dir so in der Mitte dieses ersten Monats des neuen Jahres? Spürst du schon, dass das Tageslicht wieder mehr wird? Die Bauern arbeiten wie wild im Wald, das bedeutet vermutlich, dass der Saft in den Bäumen demnächst zu steigen beginnt und es hoch an der Zeit ist, Brenn- und Bauholz zu schlagen.

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Netzwerke, ein Relaunch und Dankbarkeit

Kein Jahresrückblick von mir. Sorry, not sorry. Keine guten Vorsätze fürs neue Jahr. Noch weniger sorry. Zahlen haben mir noch nie viel bedeutet. Heuer sind sie überhaupt nur Richtwerte. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit für so vieles in meinem Leben, das sich auf eine Art entwickelt, die ich ganz real aus meinen Träumen seit meiner Jugend kenne. Und jetzt mit der Unterstützung einer wunderbaren Familie und Freund*innen und Kund*innen leben kann. Ganz ohne exponentielles Wachstum. Ganz ohne hektisches Geschrei und künstlich aufgebauschtes Begeistert-Sein. Aufrichtig, in meinem Arbeitstempo. Also erstaunlich langsam, sich spiralig wiederholend und vertiefend. Und stetig. Der Weg, er wird immer schöner. Und das Gefühl mit denen, die ihn mit mir gehen, ebenfalls. Danke, dass ihr da seid, ihr Freundinnen und Freunde der letzten Jahre. Ihr Kundinnen und Kunden. Ihr Workshopteilnehmerinnen und Wegbegleiter*innen. Das Leben wäre wesentlich weniger schön, wärt ihr nicht da.

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Lucia, Licht und eine Auktion

Heuer geht es rasch. Von einem ausgedehnten Altweibersommer, warm und gemütlich bis Mitte November, geht es innerhalb von Stunden in den eiskalten Vorwinter. Jeden Abend, wenn ich im Licht meiner Handylampe zurück ins Atelier stapfe, glitzert der Boden von Millionen winziger Eiskristalle, die alles bedecken. Ich kann mich kaum sattsehen an dem Geglitzer. Ganz natürlich. Also das Geglitzer.

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Pflanzenwinter und Hausgärtnerin

Wie sie hier gelandet ist, kann sie nicht mehr genau sagen. Wohl aber, warum. Da war eine Anzeige in dieser Zeitung im Intercity. „Atelier zwecks Überwinterung im Süden zu vermieten. Holzofen vorhanden. Kühlschrank auch. Bis wir wieder kommen“. Ob die Hausbesitzer jetzt ein halbes Jahr unterwegs sind. Oder ein ganzes, oder zwei oder drei. Eigentlich spielt das keine Rolle für Donna Leila. Was sehr wohl eine Rolle spielt, ist die Kälte, die täglich mehr wird. Zwei fiebernde und hustende Durchgänge am neuen Platz hat sie schon hinter sich. Gut für die Stimme, sie klingt dann schön tief und rau. Schlecht für die Stimmbänder. Die braucht sie noch. Wirklich gewöhnen wird sie sich an diese Temperaturen nördlich des Äquators nie. Aber, so haben es ihr ihre Freundinnen erzählt, kalte Füße sind das kleinste Problem. Das kennen hier alle. Warm anziehen, der Körper wird sich umstellen. Die Wintersonnenwende herbei sehnen. Spüren, wie das Sonnenlicht zurück kehrt. Und viel spazieren gehen. Das sei das beste Mittel.

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Reduktion und Vor-Weihnachtliches

Seit ungefähr sechs Wochen räumen wir ein Haus und langjährige Anteile unseres Lebens aus. Wo Künstler und Künstlerin leben, wo Menschen mit anderen Menschen in offenen Werkstätten arbeiten, wo es ein ständiges Kommen und Gehen von Mitbewohner*innen gibt, da sammelt sich in allen Ecken und Enden wunderschönes Material an. Maschinen, Werkzeug, Dekorationsmaterial, all die feine und grobe Materie, die mensch so braucht, wenn mensch kreativ sein möchte. Material, das irgendwann in was Neues umgewandelt werden könnte. Und das niemand in ein nächstes Leben mitnehmen kann. Meines Wissens.

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Alima, Anna und die Amsel

Grüne Augen sind selten, sagen die erwachsenen Menschen. Grüne Augen mit gelben Sprenkeln sind möglicherweise noch seltener. Alima hat heute keinen guten Tag. Ihre Augen sind dunkelgrün. Ein bisschen wütendes Lila blitzt auch aus ihnen. „Nein, heute wird nicht getanzt und gesungen, heute besuchen wir deine Großmutter und bringen ihr einen Kuchen. Sie feiert Geburtstag! Iss dein Frühstück!“ Mama tanzt durch die Küche, summt ein Lied vom Sommer und von dem Mann, der dort am Tor auf sie wartet. Mama darf natürlich tanzen. Sie ist ja schon groß. Keiner sagt ihr, wann sie zu frühstücken hat. Welches kratzige Kleid sie heute anziehen soll. Und wie sie die Haare zusammenbinden muss, damit sie ihr nicht in die Augen hängen.

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Loslassen in Schritten

Festzustellen, dass es im ganzen Haus keinen Messbecher mit exakterer Einteilung als Viertel oder Halb gibt liegt einerseits am Chaos, das wir derzeit als unser „Normal“ bezeichnen. Und andererseits am Loslassen. Denn ziemlich sicher habe ich in in den letzten Wochen mindestens einen Messbecher verschenkt, verflohmarktet oder entsorgt. Kennst du ja. Lässt du nach Jahrzehnten irgendwas endlich los – dann brauchst du es. Garantiert. Da kann ich persönlich Gift drauf nehmen.

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Retreat und Wiederkehr

Wenn sogar meine eigene homepage mich nicht wieder erkennt, dann könnte das bedeuten, dass ich eine Weile nicht hier war. Ja, ich hatte einen wunderbaren fünfwöchigen Rückzug inklusive allen Schritten, die ich mir seit Beginn des Puppenmachens vor drei Jahren für mich wünschte. Danke liebe Johanna für deine feinsinnige, zurückhaltende und inspirierende Begleitung durch deinen e-mail-Workshop. Deine Lektionen werden ihre volle Wirkung entfalten, ein bisschen etwas ist schon zu spüren. Sich erfolgreich dagegen zu wehren, einen bestimmten Schritt zu machen, ist eine Sache. Und ihn dann zu machen, weil der Raum geschützt genug ist, eine andere. Das nenne ich dann Geschenke des Lebens. 

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Der Hugo und der Herbst

Als Marie Fitzgerald gestern Abend waschelnass und heulend mit ihrem sperrigen Koffer vor der Tür steht, schüttelt Ethel Rose erst einmal den tropfenden Regenschirm in die Nacht. Dann holt sie den guten schottischen Whiskey unter der Abwasch hervor. Ihr ganz besonderes Fensterputzmittel für ganz besondere Anlässe. Jetzt hat sie eh schon Ewigkeiten nicht mehr getrunken. Also mindestens seit ihrem Geburtstag. „Dieser Schuft hat seit Jahren eine Beziehung, wenn er auf seine Baustellen fährt“, schluchzt Marie ins zweite halbleere Glas. Und so weiter und so fort. Wie gemein. Wie verblödet diese Männerwelt ist.

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