Rückblick und Dankbarkeit

Puppen kommen ins Leben

Ein volles Jahr Leben. Mit Krisen. Erfolgen und Niederlagen. Stops und Neuanfängen. Voll das Leben. All die Wesen, die heuer in Form von Puppen zur Welt kommen. Irgendwann im April geht es so richtig los. Nach Wochen in der Werkstatt des Herumprobierens, Schnittezeichnens und Tüftelns. Plötzlich wird es für meine Finger klarer, was sie zu tun haben. War es nicht mehr nur neu. Sondern formten sie bewusst. Ganz schön viel Veränderung von April bis Dezember. Im Juni fahre ich mit dem Puppen.Raum zu den Tagen der Zukunft und überarbeite gemeinsam mit den Coaches die Herangehensweise. Da gibt es auch die nächsten Jahre noch viel und ausreichend zu tun. Im Herbst kaufen drei von uns Frauen sich ein Wensleydale-Schaf. Schließlich und endlich brauchen wir Locken für unsere Puppen. Lara ist eine entzückende Schafsdame und lebt ab sofort bei meiner Freundin und Schafzüchterin am Berg.

Nähmaschinenführerschein ermöglicht Picknickdecken

Wir laden ein zum gemeinsamen Nähen beim Verein VOBIS in den Räumen des Volxhauses in Klagenfurt. Ein paar Österreicherinnen wagen sich in den Kurs. Gemeinsam mit interessierten Frauen mit syrischem, irakischem und afghanischem Hintergrund lernen sie von Renate Maschinen zu reinigen, zu warten und nähbereit zu machen. Und von mir lernen sie, dass Möbel- und Vorhangstoffmuster zu neuem Brauchbarem umgenäht werden können. Aufbewahrungskistchen. Und Picknickdecken für den Sommer.

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Why not Begegnungsfest?

Während die Studierenden der FH Kärnten/Spittal über Plänen brüten, fangen wir an, die grindige und vollgestopfte Kegelbahn auszuräumen, auszuweißen und zu putzen. In einer beispielslosen Aktion mit vielen ehrenamtlichen Händen laden wir im Juni zum ersten Begegnungsfest in die alte Kegelbahn ein. Überhaupt feiern wir viel dieses Jahr. Gemeinsam mit VOBIS beim Fest der Kulturen, beim Freudenfest, hier bei uns im Haus beim Sommerfest, bei Best of the Rest ein Weihnachtsfest.

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Fotochallenge schult das Sehen

Unter dem Hashtag #derraum365 werden sich bis Weihnachten 2018 exakt 2550 Fotos angesammelt haben. Lars Poeck und sein Kreativbuch inspierieren nicht nur mich dazu, Fotografie auch aus anderen Perspektiven und mit anderem Fokus als üblich auszuprobieren. Wir wachsen zu einer Gruppe von Fotografinnen und Fotografen im deutschsprachigen Raum zusammen. 365 Tage und 365 Fotos. Einige haben tatsächlich fast jeden Tag durchgehalten. Ich sogar in unseren drei Wochen England mit den 7700 gefahrenen Kilometern. Ich schwächle erst in den letzten Wochen. Und erfinde dabei gemeinsam mit meinem Mann eine Fotochallenge für 2019, die den Weg ein bissel leichter machen und uns kreativ vermutlich noch mehr herausfordern wird.

 

Danke ihr alle, Danke Leben – wir freuen uns auf 2019!

Nachruf und mehr

Als mir eine gemeinsame Bekannte vor ein paar Wochen die Parte wegen des plötzlichen Todes meiner Fotografenkollegin und langjährigen Bekannten Karin schickt, zieht es mir den Boden unter den Füßen weg. Zwei erwachsene Kinder, die die Mutter verlieren. Das ist etwas, was ich kaum ertrage. Eine Künstlerin durch und durch, deren Weg von heute auf morgen zu Ende ist. Ganz so plötzlich ist es nicht, enge Vertraute wissen um die Details ihrer Auseinandersetzung mit einer schweren Erkrankung. Zu denen zähle ich mich nicht, ich habe mir nur einiges zusammen gereimt. Ich bin froh und dankbar zu hören, dass Menschen in diesen letzten Monaten für Karin da sind. Eigentlich bin ich heute mit meiner Mutter in Ljubljana, will ein Glas Prosecco auf Karin zu trinken, wissend, wie gern sie dort war und fotografierte. Das Leben entscheidet anders. Wegen des auch in Slowenien strömenden Regens bin ich in Kärnten. Als wir heute im Klagenfurter Friedensforst mit einer Handvoll gemeinsamer Freunde und Bekannter über unsere unterschiedlichen Begegnungen mit Karin reden, wird sie noch einmal lebendig, höre ich sie lachen und reden. Was für ein schöner Ort an der Sattnitz. Karin’s Urne ruht neben einer jungen Buche in diesem lichten Grün, das Buchenwälder so an sich haben. Ein vom Tod von Karin vollkommen überraschter gemeinsamer Freund gibt sich einen Ruck. Sagt mir, dass er unregelmäßig meinen Blog liest und dass ich ihn mit meinen Worte erreiche. Und wie gern er Karin doch sagen würde, was er an ihr so schätzte. Dass wir so oft darauf vergessen, den Lebenden zu sagen, was wir an ihnen lieben. Sie lebt weiter. In ihren wunderschönen Kindern. In ihren eleganten und berührenden Fotos von Menschen, die sie unvergleichlich bearbeitete. Sie hat unsere Hochzeit vor vier Jahren mit berückend schönen Fotos eingefangen, ich hätte niemand anderen gefragt. Sie lebt weiter in ihrem Fotoprojekt mit Sternenkindern. In ihren selbst gebauten Musikinstrumenten, ihrer Musik. In so vielen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Menschen, von denen ich keine Ahnung habe. Ich bin traurig. Traurig, weil eine so talentierte Frau so früh geht. Weil wir einander nie mehr wiedersehen und uns nicht mehr austauschen können über unser Lieblingsthema Fotografie. Weil ich sicher auch viel zu wenig ausgedrückt habe, wie sehr ich dich und deine Kunst schätze. Danke, dass du in meinem Leben warst.

Was heute stark in mir nachschwingt ist Dankbarkeit. Und die Absicht, meinen  Freundinnen, Freunden und Weggefährten öfter zu sagen, was ich an ihnen so liebe und schätze. Dankbarkeit für die letzten drei prägenden Jahre, die mich verändert haben. Dankbarkeit für eine stetig wachsende Familie. Dass wir uns lieben und das immer wieder zum Ausdruck bringen.

Die letzten Tage meines persönlichen Lebens waren so angefüllt mit Begegnungen, mit Geschenken, mit diesen Zufällen, die das Leben uns in den Weg streut, damit wir unsere Bestimmung begreifen und ihr auch wirklich folgen, weil ein Zähnchen ins andere greift. Elizabeth Gilbert beschreibt das in ihrem Buch „Big Magic“ so genial.

Seit gestern weiß ich, dass der erste Kurs für selbst hergestellte Stoffpuppen im Oktober unter meiner Leitung stattfindet. Ich weiß noch nicht genau wo, aber auch das wird sich finden. Im gestrigen Gespräch mit einer Puppenmacherin habe ich letzte Bedenken über Bord geworfen, dass ich das nicht selbst anleiten kann. Ich kann. Und ich werde. Worauf soll ich noch warten. Das Ferlacher OTELO hat voriges Jahr von der Klagenfurter Waldorfschule eine große Materialspende kompakter Vlieswolle für genau diesen Zweck bekommen und sie nicht komplett aufgebraucht. Der Rest des Materials wandert nun großzügigerweise in unseren Verein. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Für jene Menschen, die sich das Material nicht leisten können und mit mir diese Stoffpuppen im Tun beforschen und praktisch erlernen wollen. Danke Monika, danke Laetitia, danke Hemma und Maria Regina, dass ihr mich so unterstützt. Danke auch dir, liebe Karin, dass du mir vor ein paar Monaten gesagt hast, wie schön du meine Puppen findest. Ich habe das tief in meinem Herzen aufbewahrt.

Abschied, Ankunft und Geburtstag

Wir versuchen, in unserem Leben wieder Fuß zu fassen. Treffen in den letzten Tagen Menschen, mit denen wir unseren Weg weiter gehen. Die Familie(n)mitglieder, bei Patchworkfamilien sind das immer viele, versammeln sich um unsere Tische. Wir brauchen noch ein bisschen, doch es wird schon leichter.

 

Wir haben uns gestern von Herzen und mental darauf eingerichtet, dass heute das feierliche Abschiednehmen eines geliebten Herzensmenschen in London am Programm steht. Gestern brannte eine Kerze bis tief in die Nacht, heute brannte eine weitere den ganzen Tag. Die Blumen auf unseren Tischen waren auch für dich. Du warst bei uns. Wir haben dich gespürt, dein fröhliches Lachen gehört, dein gepfeffertes Verfechten von Wahrheiten, die unseren so nahe sind. Haben dich als Kind gespürt, das aus Berlin flüchten musste. Als Jugendliche, die aus Bardolino nach London floh. Wir haben dich gespürt in deiner Zeit in London, dein offenes Herz, deine Liebe zu jungen Menschen, zu Hilfesuchenden. Wir haben an deine Kinder und Kindeskinder gedacht, denen heute noch einmal das Herz besonders schwer ist. An deine Freundinnen und Freunde am Kontinent und auf deiner Insel. Du wirst uns so fehlen. Danke, dass wir dich noch einmal sehen, dich spüren und mit dir lachen konnten. Du lebst in unseren Herzen weiter. Fare well, we’ll meet again ❤

 

Alles Gute zum Geburtstag, mein Liebster! Danke all jenen, die es geschafft haben, trotz Urlaub, trotz Hitze, trotz Sommerferien. Sorry all jenen, die auf den Fotos nicht sichtbar sind – die Kamera ist derzeit so sehr Nebensache, die Gespräche und Begegnungen mit euch sind uns viel wichtiger. Danke für das wundervolle schottische Konzert, die Jamsession im schummrigen Wintergarten, ihr seid einfach nur berührend. Danke für all die Pflanzen, sie bekommen eure Namen und gute Plätze. Es ist neu, dass wir den 12. August im Lande verbringen. Und es ist schön, im August hier zu sein. Die heutige evangelische Messe am Wörthersee war eine einzige Bereicherung, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal freiwillig einem Gottesdienst lauschte. Heute hat es auf so vielen Ebenen gepasst.

 

Unterwegs sein und bloggen

Tja, ich hab mir das leichter vorgestellt. Gemütlich am Abend vorm neuen, extra angeschafften Vereinstablet sitzen. Fotos hochladen. Fertig. Statt dessen ist der alte Laptop so alt, dass er nach dem Herunterladen von 7 Tagen Fotos einen fast leeren Akku hat. Beim Runterladen wäre gut gewesen, die extra kleinen mitgespeicherten Fotos auf der extra angeschaften card des neuen digitalen Datenträgers zu belassen, den Android dann auch lesen könnte. Dazu gelernt.

Allles andere funktioniert wie immer gut. Das umgebaute Auto ist auch ein Liegeschreibplatz, während draußen undefinierbare weiße schottische Mücken versuchen, alles zu pieksen, was menschlich atmet. Die neue App wayz führt uns im perfekten English durch das Land. Sie versagt nur, wenn in Glasgow eine Autobahn des Nächtens gesperrt wird und sie einen autobahnlosen Weg finden soll. Da springt dann wieder Frau Google ein und lernt nach zweimaligem Fahren an die gesperrte Ausfahrt, dass es nicht reicht, wenden vorzuschlagen. Sondern dass es leichter wird, sich dem intuitiven und spontanen Glasgowneuling, nämlich mir, unterzuordnen und dann wieder auf Datenbankwissen zuzugreifen. London und Glasgow mit Linksverkehr und einem kontinentalen Auto, das links zu lenken ist. Ich bastle mir einen Orden.

Dieses Mal sind wir wieder mit drei Schubladen unterwegs. Alexander hat eine fehlende am vorletzten Tag zusammengeschraubt. In Kendal leisten wir uns ein Tablett, ein echtes, analoges, um eine Art Tischplatte zu haben, die sich perfekt zwischen Lattenrost und mittlerer Lade verkeilen lässt. Eine Leiste am Bambusgestell mit Hutablage verhindert heuer, dass uns immer wieder Sachen auf den Kopf fallen. Die blickdichten Vorhänge sind zwei Jahre alt und gut. Der Trick mit den Moskitonetzen an den seitlichen Kippfenstern hält hoffentlich auch die schottischen Mücken draußen und ermöglicht Frischluft.

Nach drei Tagen unterwegs sein und Katzenwäsche gönnen wir uns heute einen Campingplatz mit warmer Dusche und Fön. Das nächste Mal wieder mit Stromanschluss, damit die Geräte nicht alle fahrend laden müssen. Lösungen warten nur darauf, von uns gefunden zu werden. Hey. Mittlerweile tippe ich wieder mit fast allen Fingern und komme besser voran als vor einer halben Stunde…

Freudenfest

Sonntag ist Ruhetag, Zeit für Herumsitzen, Reflektieren, Nachspüren. Das Freudenfest war unser viertes (!) Fest in Folge. Dieses Mal genial organisiert von Sabrina und Elke, wir sind glückliche Mitgeher gewesen. Allerdings jeden Tag von Anfang bis Ende vor Ort. Ich ziehe eine Menge neuer Erfahrungen aus diesem wunderschönen Fest.

Da ist die Erfahrung des „Ich-verkaufe-Nichts“ sondern „Ich-bin-da-und-zeige-mich-mit-dem-was-mich-Ausmacht“. Absolut kein Verkaufsdruck, einfach sein. Bereits am zweiten Tag setzte dieser Flow ein. Ich nähte an Jaani, meinem nächsten Elf, weiter. Ich war ausschließlich dafür da. Alexander zeichnete Ornamente oder beschriftete Tafeln für unsere Freunde vor Ort. Dabei führten wir so viele Gespräche wie gefühlt noch nie in meinem Leben. So viele neue Interessierte trugen sich in die neue DSVO-Liste ein, weil sie wirklich, wirklich Interesse an unserem Why-Not-Projekt in Waidmannsdorf haben und Teil davon werden wollen. Eine Glücksrede gleich zu Beginn des Festes. So viel herzwarmer Austausch, so viel Anvertrautes, so schöne Begegnungen. Shayan, den es zauberte, weil sein viertes Fahrrad geklaut wurde, bekam von Konrad am Samstag ein neues „Gebrauchtes“, generalüberholt und mit Ein-Monats-Gutschein geschenkt. Alles, alles Gute für dich und deinen neuen Sommerjob! Marlies stattete uns Frauen zwei Tage lang mit ihren geknöpfelten und trageleichten, formschönen Halsketten, Armbändern und Ringen aus. Wir waren ihre lebenden Modelle – und das mit Würde, schaut mal auf den Fotos. Meine erste Lesung in Brailleschrift, die ich erlebte. Und so hochwertige Lesungen von anderen Schriftstellerinnen. Kinder, die ihr Können ungeniert und voller Freude präsentierten. Der Kleidertausch – ein einziges Fest. Das Essen – wir haben drei Tage gegessen und getrunken wie die Königinnen und Könige. Und als klar war, dass Essen auch (Spenden)Geld braucht, flossen die nötigen Spenden in den Topf. Verantwortung Erde mit seinem großen Schenkstand, mit seinen freundlichen Erdlingen, die geduldig all die Fragen beantworteten. Seelensängerinnen, die ganz unterschiedliche Zugänge zum Heilgesang haben. Weil ein Abendmusiker am dritten Tag krank wurde, erschien die restliche Band auch nicht. Der Himmel sandte uns Jurii, der slowenischen Reggae playback tanzte und sang und strahlende Freude verbreitete. Und wir mittendrin. Drei Tage lang. Traumkonzerte, Lachen, Tanzen und Mitsingen. Einziger Wermutstropfen – an einem Nachmittag geschah ein gröberer Diebstahl, den keiner von uns Umstehenden und -sitzenden bemerkte. Ich zehre noch lange von diesen drei Tagen, so viel ist gewiss.

Sabrina und Elke haben die Devise ausgegeben: „Nach dem Freudenfest ist vor dem Freudenfest!“ Wenn du dich angesprochen fühlst, hol dir die Fahne, die Alexander gezeichnet hat und lade zum nächsten Freudenfest in deiner Clique, in deiner Umgebung, mit deinem Netzwerk – wir kommen gerne dazu. Von unserer Seite erst ab August – denn wir verabschieden uns jetzt in unsere Sommerpause. Ab 6. August findet ihr uns auf der Baustelle in Waidmannsdorf – immer Montags ab 9 Uhr. Kommt und besucht uns, wir freuen uns schon jetzt aufs kraftvolle Weitertun!

 

Miteinander feiern, why not?

Es ist halb Acht Uhr Morgens. Die Fotos für die Presse sind seit gestern bei unserer PR-Frau Bettina, damit ich jetzt Zeit und Muse habe, das Baustellenfest, aus dem ein Begegnungsfest wurde, Revue passieren zu lassen. So viele Eindrücke. So viele Menschen. So viele Emotionen und nächste mögliche Schritte. Überwältigend und schön zugleich.

Why not? So hieß das Laufhaus, das vielen Waidmannsdorfern noch gut in Erinnerung ist. In dem jetzt Maximilian mit seiner Fassl-Bar wirkt. Und hinter dem sich eine Kegelbahn versteckt, in der wieder Bewegung entsteht. Why not ist unser Arbeitstitel für alles, was sich rund um die alte Kegelbahn und das leerstehende alte Bauernhaus tut.

Die Studies und ihre Dozenten. Sie waren gestern schon vor uns in der ausgeräumten Kegelbahn. Und hatten alles dabei, was es für eine gelingende Ausstellung in dieser rauen Umgebung braucht. Helle Baustellenlampen, funktionierende Kabel, wunderschöne handgefertige Modelle von Visionen für den Platz, weiße Präsentationsplatten, Laptops voller Abläufe und Beschreibungen, tolle Plakate und riesige ausgedruckte Phasenpläne. Und jede Menge Wach-Sein. Das ist es, was mich an dieser Welt der Architektur nachhaltig inspiriert. Nicht nur, dass diese jungen Menschen von überall her auf diesem Planeten kluge Ideen haben, was sie aus Altem machen könnten. Und handwerkliche Fertigkeiten, die nichts mit dem Studium zu tun haben. Sondern dass sie kreativ und empathisch und achtsam vorgehen. In der Lage sind, auf verändernde Situationen einzugehen. Wir haben ihnen in unserer Begeisterung, so schnell als möglich Räume fürs erbetene Socializing zu schaffen, viel zu viel „Altes“ entsorgt. Es war bezeichnend, dass sie sich gestern vorwiegend in einem sehr alten und von uns wenig beachteten Raum des Bauernhauses aufhielten und auf den eigentlich unbequemen Fassl-Bänken hockten, die wir nicht entsorgt sondern gereinigt und aufgebaut hatten. Wenn ich mir rückblickend anschaue, wie unsere erste Präsentation im Winter bei VOBIS war, als wir miteinander starteten, dann an die zweite Präsentation an der FH in Spittal denke und mit der gestrigen vergleiche, dann sehe und spüre ich, was für einen intensiven gemeinsamen Weg wir bereits miteinander gehen. Ich freue mich darauf, mit euch im Sommer vor Ort zu sein. Und zu feiern. Und zu träumen, was wir noch alles umsetzen können. Wir haben noch lange nicht ausgeredet, jetzt geht es erst richtig los. Und Danke für den tollen Film, den Adnane von der gemeinsamen Zeit gemacht hat, für mich ist er jetzt schon Kult! Danke euch wundervollen Dozenten, die diese spürbare prozessuale Entwicklung des sozialen Bauens so hochprofessionell begleiten und immer wieder herunter auf die Erde holen. Danke für eure Formulierungen, eure großartigen Ideen für die Zukunft. Ich liebe dieses Miteinander, das meine gewohnte Sichtweise sprengt.

Die Helfer. Wo wären wir ohne euch? Wir wären wahrscheinlich entweder noch auf Raumsuche. Oder stünden ratlos vor einem möglichen Raum, der vollgestopft ist mit Altlasten und derzeit gerade nicht Benötigtem. Danke für euer tatkräftiges Anpacken, Ausräumen, Hin- und Herschleppen, Putzen und Reparieren, Kochen und Tanzen, Beraten und Dasein, wenn mal alles zu viel wird. Und Danke all den neuen Menschen, die schon am Vormittag vorbeigeschaut haben, weil am Nachmittag und Abend so viele andere Termine stattfanden. Ganz bestimmt tun wir miteinander weiter, wir freuen uns auf euch!

Die Kooperationspartner. Danke an das Besitzerpaar, das Michael vertraut und uns tun lässt, Danke fürs Kennenlernen gestern. Das war mein persönliches fehlendes Puzzleteil. Dann Konrad vom Verein „Das Lastrad“. Konrad war gestern durchgehend mit Radreparaturen beschäftigt. Er spricht nicht viel, er macht. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, waren es zwölf Fahrräder, die er gestern richten konnte. Natürlich hat er auch unserer kleinen Freundin Amina Luft in einen Kinderradreifen gepumpt, als sie ihn darum bat. Konrad eben. Auch so ein Macher ist Maximilian vom Nachbarlokal Fassl. Danke, dass die Bewirtung mit Getränken durch deine Leute so reibungslos geklappt hat, und Danke auch für euren Besuch bei der Ausstellung! Dann Klaudia mit ihrer beeindruckend flexiblen internationalen Tanzgruppe „EinAnder“. So viel Begeisterung, Lebensfreude und Symbolik des Gemeinsamen ist ansteckend und zeigt genau das, wofür wir uns auf den Weg gemacht haben. Danke liebe Elke von Best of the Rest, dass du uns diese Riesenmengen an Geschirr und Besteck geliehen hast. Und Danke an die Menschen in den Büroräumen des Landes Kärnten, die uns in den letzten Wochen mit Rat und Tat zur Seite standen, dieses Projekt so zu beschreiben, dass es auch jene verstehen, die nicht direkt darin involviert sind. Niemals hätte ich mir vorgestellt, dass wir so aneinander und miteinander wachsen können. Auch wir aus der Startgruppe wachsen zu einem Team zusammen, lernen einander immer besser kennen und wissen langsam um unsere Stärken, Ecken und Kanten. Ganz schön vielseitig und ganz schön lebendig. Gruppe ist eine Riesenchance, viel über sich selbst zu lernen. Niemals reibungslos. Aber nicht zum ersten Mal in meinem Leben absolut bereichernd.

Und ein abschließendes Danke an euch Besucherinnen und Besucher gestern. Für uns war das der erste öffentliche Auftritt aus unserer „geschützten“ Ideenwerkstatt der letzten Monate. Danke für euer Feedback. Eure Bitte, das über den Stadtteil hinaus zu tragen, was wir hier vorhaben. Für eure Angebote, euch einzubringen, eure Bereitschaft, mit uns weiter zu gehen. Und dass ihr die ungewohnt kalten Temperaturen, Leute, es hatte am Abend nur mehr 15 Grad Celsius, ausgehalten habt. Es wird Zeit, dass unsere Decken fertig genäht werden. Dieser Sommer spielt alle Stückerln. Wir sichten und ordnen in den nächsten Tagen, welche Schätze es durch euch zu heben gibt. Und wie wir euch von Herzen gern einbinden.

Sprecht jeden von uns an, wenn ihr die Ausstellung der Studierenden selbst erleben wollt. Sie ist noch etwa drei Wochen zu besichtigen. Termine zu vereinbaren ist sinnvoll und möglich. Wir gehen sehr gerne mit euch durch die Ausstellung, organisieren auch Fachbegleitung aus der FH Kärnten/Spittal. Wir wünschen uns euer Feedback, eure Einschätzung, eure kritische Betrachtungsweise und eure Ideen.

 

Miteinander sauber machen

Heute ist also Weltflüchtlingstag. Von den Vereinten Nationen ausgerufen. Er betrifft uns alle. Seit 2015 spüren wir hautnah, was es für Menschen heißt, die Heimat zu verlassen. Was es für Menschen im Asylland heißt, sie in die Gesellschaft aufzunehmen. Was es grundsätzlich für Menschen heißt, sich mit dem Neuen, dem Fremden, dem Unkontrollierbaren, dem Unvorhergesehenen auseinander zu setzen.

Wir machen heute das, was wir immer machen. Das Naheliegendste. In der derzeitigen Situation Staub wischen. Malerflecken entfernen. Schilder putzen. Jene aufmuntern, die verzweifelt sind. Einander zuhören. Miteinander lachen. Lösungen suchen. Viel Wasser trinken, weil die Temperatur gegen 30 Grad Celsius klettert. Uns über unsere Freundin Franziska freuen, die den ganzen Arbeitstrupp auf ein Getränk einlädt. Und dann auch noch mit mir die Kegelbahnböden wischt, um weiteren Staub hinaus zu bekommen. Mit Alex, dem Architekten, neue und abseits vom Bautechnischen und Planerischen Ideen spinnen, wie wir die Kegelbahn noch vorm Winter weiter beleben können. Was für ein fröhlicher, ausgelassener Flow. Er misst die Baustelle der Kegelbahn aus, damit seine Studenten sich noch besser auf ihre Projektpräsentation vorbereiten können. Gordana putzt am „Why-Not“-Schild mit, das uns der Nachbar fürs Fest borgt. Sandro schleppt schwere Säcke von B nach C, nachdem sie gestern von A nach B geschleppt wurden und freut sich auf das Fußballspiel um zwei Uhr. Mohammed kommt überraschend spät und packt trotzdem noch mit an, bevor er zum Sprachcafé bei VOBIS muss, um dort sein Deutsch weiter zu schulen. Ahmad hat am Abend davor seine Brille vergessen und freut sich wie ein König, dass ich, die Hauptputze, weiß, wo sie ist. Tja, und ich komme nach drei Stunden endlich drauf, dass mein Smartphone, dass ich im Geist schon als verloren verabschiedet habe, draußen auf der neuen Bank in der Sonne schmort, weil ich es genau dort hingelegt habe, nachdem ich zwei Blechkuchen fürs Fest bei einer Tauschkreisfreundin bestellt habe. Nein, keiner hats angerührt. Ich war der Schussel. Und ich erkenne den Hausbesitzer nicht, der plötzlich da steht und mit uns redet, weil er dieses Mal nicht in Anzug und Krawatte gekommen ist. Tja.

Ich lasse euch ein paar Bilder da, an diesem Weltflüchtlingstag. Und wünsche mir von ganzem Herzen, dass Fluchtgründe lösungsorientiert angegangen werden und nicht gegen Menschen vorgegangen wird, die hier abwarten wollen, bis sie entweder zurück kehren oder hier in Österreich ein neues Leben anfangen können.

 

Vielfalt und europäische Wurzeln

Gestern erst wurde mir so richtig klar, wie bunt unsere Kultur geworden ist. Wenn man seit fast drei Jahren täglich in diesem gesellschaftlichen Wandelprozess drin ist, dann wird alles alltäglich. Der ethnische und kulturelle Hintergrund zieht uns mehr an als er uns abstößt, wir sind so gemacht. Vielleicht hat es wirklich mit meinem multikulturellen, typisch europäischen Hintergrund, den ein Gentest sichtbar machte, zu tun, dass ich zwar Ängste vor dem Fremden wahrnehme, das Interesse an dem Neuen, Unerforschten, zu Erlebenden aber größer ist. Es zieht mich magisch an.

Was hat sich unmerklich verändert: wir haben unser Sprechtempo schon in den Deutschkursen reduziert, bemühen uns, deutlich zusprechen, viel zuzuhören, aktiv in Konflikte einzugreifen, wenn wir darum gebeten werden. Und nur dann. Eines der größten learnings. Wir lernen Namen auszusprechen, deren Konsonanten und Vokale unser Sprechsystem kaum herausbringt. Lachen miteinander darüber, dass es dem Kommunikationspartner mit unserer Sprache genau so geht. Probieren für unseren Gaumen fremde Geschmäcker aus. Manches kommt für immer in die Liste der Lieblingsspeisen, manches bleibt fremd. Wir spüren und erleben das Pulsierende, Lebendige, Herzliche, obwohl das für den gelernten Österreicher, die gelernte Österreicherin mit dem Bedürfnis nach Respektabstand eher suspekt ist. Natürlich auch mir, ich bin ja hier sozialisiert. Nie werde ich vergessen, dass wir damals im August 2015 zwischendurch einfach heimfahren mussten, um uns eine Stunde auszuruhen von all dem Temperament, all den Emotionen und der vollkommen ungewohnten Nähe zwischen den Menschen.

Nun mitzuerleben, dass auch bei den zugezogenen Menschen innerer und äußerer Wandel passiert, seit sie hier in Österreich um Schutz und Unterkunft angesucht haben. Manche Herzens-Menschen schmerzlich zu vermissen, die eine Weile Teil unseres Lebens waren, jetzt einerseits anderswo in Österreich leben und versuchen, neu anzufangen. Oder, viel tragischer, sie zurückgeschoben in ein Herkunftsland wie Afghanistan zu wissen, für das eine Reisewarnung für Menschen mit österreichischem Pass gilt. Nicht aber für Menschen, die vor vor genau diesem korrupten, kriminellen und fundamentalistischen System geflohen sind. Zu hören, dass tatsächlich Menschen aus den Privatquartieren abgeholt und in ein größeres Quartier in die Landeshauptstadt gebracht werden. Sie haben drei Tage Zeit, zu packen und alles aufzulösen. Oder es geht direkt nach Niederösterreich in die Schubhaft und dann in das Flugzeug zurück in ein Land, das manche kaum kennen, weil sie schon ein Leben lang auf der Flucht vor den Kontrollfreaks dieses Systems sind. Und sorry, ich muss das einmal in dieser Klarheit sagen – es sind auch gut integrierte, gut Deutsch sprechende Menschen, die das betrifft. Manche waren in erfolgsversprechenden Ausbildungen und Schulen. Manche intensiv auf der Suche nach Arbeit, nach Beitragen in unser System. Ich bin nicht einverstanden, diese Menschen abzuschieben. Punkt.

Ja, klar, es gibt Probleme hier in Österreich. Im Zusammenleben. Innerfamiliär. No Na Net. Glauben wir wirklich, wir hier hätten diese Probleme des Miteinanders vorher nicht gehabt? Österreich, die Insel der Seeligen? Wo Menschen zusammen leben, gibt es Konflikte. Und manchmal keine einfachen Lösungen. Und manchmal gibts grad keine Lösung. Das ist das Leben, es ist eine einzige Herausforderung. Wir sind lieber Teil der Lösungen als Teil des Problems. Danke lieber Martin Kirchner von den „Pioneers of Change“ – genau darum geht es. Du hast bei den Tagen der Zukunft ausgesprochen, wofür auch wir gehen. Auch wir stolpern immer wieder in dieses alte Denken und versuchen, aktuelle Probleme mit alten Lösungen zu lösen, die sich überlebt haben. Und ja, genau, auch uns zittern manchmal die Knie vor so viel Neuem und Ungewohnten. Und zu manchen Menschen bauen zwar wir keine Brücken, dafür schaffen es andere. Es braucht sehr viel Mut und Durchhaltevermögen, all die inneren Grenzen wahrzunehmen, sie manchmal zu schützen, weil sie nötig sind. Und manchmal tief Luft zu holen und drüber zu gehen. So viele innere blinde Flecken werden sichtbar, die gut unter Verschluss waren. So viele Vorurteile, die getriggert werden. Niemals hätte ich gedacht, dass der angekündigte gesellschaftliche Wandel auf diese Weise geschieht. Wir tun gut daran, uns mit unserer Kultur, mit unseren gesamteuropäischen Wurzeln daran zu beteiligen und uns nicht in gute alte Zeiten zurück zu sehnen, die es nie gab. Lernen wir Geschichte!

Wir haben ehrlich gesagt mit einem kleinen Fest unseres Kooperationspartners VOBIS  und der Klagenfurter Universität im Klagenfurter Lendhafen gerechnet. Selten in meinem Leben liege ich so falsch. Ich muss mich regelrecht von meinen dauerbesetzten zwei Nähmaschinen zum Upcyceln von Mustervorhängen und Möbelstoffen wegstehlen, um zumindest ein bisschen näher an die Bühne und unter die Menschen zu kommen. Unser europäisches Kulturerbe mischt sich stundenlang vollkommen selbstverständlich mit dem arabischen, persischen und afrikanischen Raum. Singend, tanzend, redend, gustierend und trinkend. Ansteckend, mitunter tragisch und dann wieder fröhlich und mitreißend komisch – voll das Leben. Meine Fotos können nur teilweise wiedergeben, wie bunt vielfältig der Nachmittag und Abend war. Der Hafen ist gesteckt voll. Mein Mann, der durch solche Veranstaltungen wieder in seine Jugend zurückversetzt wird, lässt sich glücklich im Gedränge treiben, wenn er nicht für mich an den Nähmaschinen aufpasst, dass kein Finger angenäht wird. Unser Achtjähriger taucht überhaupt nur auf, wenn er Hunger oder Durst hat. Er ist zu sehr damit beschäftigt, zu spielen und Kontakte zu knüpfen, wie nur Kinder das können.

Ina, die den „Völkerchor“ aus Völkermarkt mit mir so vielen bekannten und vertrauten Menschen leitet, spricht mich auf meine Puppen an. Sie meint die langgliedrigen, schmalen. Und erzählt mir von einer armenischen Puppenkultur, an die sie sich durch diese Wesen ganz intensiv erinnert fühlt. Fragt, ob ich denn interessiert sei daran, solche Puppen mit genau dieser traditionellen Kleidung herzustellen. Spürt ihr mein Herzklopfen? Ist das nicht magisch? Der „Völkerchor“ hatte, wie unser „Puppen.Raum“, bei den Tagen der Zukunft in Arnoldstein, ein professionelles Coaching gewonnen. Wir haben uns alle miteinander ein bisschen näher kennen gelernt. Nun wird sonnenklar, dass auch hier die neue, alte Verbindung zu Evelin gestärkt wird, mit der wir vor 11 (!) Jahren grenzenlos kochten, um Frauen hinterm Herd heraus zu holen und mit ihnen Deutsch zu sprechen. Jutta war damals die dritte Verbündete. Dort knüpfen wir wieder an. Oh ja, und ich werde wieder singen. Sabrina, Melanie, kommt ihr mit? Und oh ja, ich komme auch gern runter nach Völkermarkt und weihe euch in die Geheimnisse guter Fotografie ein. Grenzüberschreitend. Natürlich.

Kennt ihr den Film „Drachenläufer“ zufällig? Neben unserem Upcycling-Stand waren drei Männer unermüdlich am Bauen von afghanischen Flugdrachen. Ich muss mir das noch einmal in Ruhe zeigen lassen. Das ist eine traditionell afghanische Kunst, diese äußerst fragilen Gebilde aus Seidenpapier und Holzstäbchen und Leim herzustellen. Ach, und Konrad vom Verein „Das Lastrad“ war wie vereinbart mit seinem Reparaturanhänger da und erzählt mir in der Nacht, dass er innerhalb weniger Stunden zehn Fahrräder flott gemacht hat. So ist Konrad. Danke, dass du diesen Weg mit uns gemeinsam gehst. Der Herrenschneider Ahmad, der mit seiner herzlichen Freundlichkeit und seinen schönen Taschen auch in unserer Familie großen Eindruck hinterlässt, verspricht, mir seine Quelle bezüglich Nähmaschinenseide zu nennen, ich kann einen weiteren wichtigen Punkt auf meiner To-do-Liste abhaken. Und das hier musste ich auf Frau Google fragen: Die Piñatas sind bunt gestaltete Figuren, heutzutage aus Pappmaché, früher aus mit Krepp-Papier umwickelten Tontöpfen, die bei Kindergeburtstagsfeiern mit Süßigkeiten und traditionell mit Früchten (Mandarinen, Zuckerrohr, Guaven, Tejocotes, Jicamas, Erdnüssen) gefüllt sind. Sie sind in Mittelamerika bei Kindergeburstagen und zur Weihnachtszeit und in Spanien zu Ostern verbreitet. Auch am Fest der Vielfalt kennengelernt (Quelle: Google). Auch das haben wir gestern zum ersten Mal live erlebt. Ich treffe „alte“ Freunde aus meiner Mentorenausbildung und aus der Lais-Schule. Meine Freundin Stefanie macht Acroyoga, mittlerweile so gut, dass sie das herzeigt und ich sie wenigstens ein paar Minuten bewundern konnte. Wow. Alles neu. Alles nicht beängstigend sondern schön.

Eines möchte ich zum Abschluss noch loswerden: ich liebe es, zu feiern. Seit drei Jahren bekomme ich ein Gespür dafür, wie feiern noch geht. Dafür danke ich euch allen, ihr, die ihr ganz still und planlos geworden seid, wenn wir euch auf meine Geburtstags- oder auf Hochzeitsfeiern eingeladen haben. Wenn ihr auf unserem Sommerfest für Schwung gesorgt habt. Das soll eine Feier sein, habt ihr gefragt. Wieso die Menschen so leise seien. Wo denn die Musik sei, das stundenlange Tanzen, das tagelange Essen bis zum Umfallen und das Trinken. Und dann habt ihr uns mehrmals gezeigt, wie ihr euer Zuckerfest feiert. Oder beim Grillen das Leben feiert. Oder wie ihr euch freut und das feiert, wenn ein neues Kind das Licht der Welt erblickt. Oder ich habt mich auf eine tschetschenische Hochzeit eingeladen, die ich niemals in meinem Leben vergessen werde. Diese Kunst zu feiern, die solltet ihr weiter geben. Es ergänzt uns auf eine sehr lebendige, erdige und inspirierende Art und Weise.

OTELO und Nähen

Monika ist eine dieser Frauen, deren Lebenswege sich regelmäßig mit meinen kreuzen. Ob beim Talentetauschkreis Kärnten, bei meinem jährlichen Fixtermin des Weihnachtsbazars in der Klagenfurter Waldorfschule, bei meiner Freundin von Best of the Rest oder unerwartet und plötzlich: wir sehen uns, wissen sofort tausend Dinge zu besprechen, weil unsere Ausrichtung eine sehr ähnliche ist.

Gestern war es endlich soweit. Wir besuchten Monika und das OTELO in Ferlach. Das ehemalige Apothekerhaus in dieser Kleinstadt am Fuße des Loiblpasses ist hell, hat hohe Altbauräume, bietet Platz für Werk- und Begegnungsräume, eine schöne Küche. Auf der Nordseite des Hauses ist ein gar nicht so kleiner Garten mit vielen Sitzgelegenheiten, einer Brückenbühne, einem kleinen Wasserspiel. Heuer hilft ein Mitglied der Freunde natürlichen Lebens mit, die Kräuter zu katalogisieren, anzubauen, zu verwenden. Zweisprachige Namensschilder (Deutsch/Slowenisch) an Birkenzweigen lassen auf eine rege Jahrestätigkeit in diesen Außenräumen schließen. Die Verwaltung und Leitung von OTELO Ferlach sitzt im zweiten Stock. Monika und ihr Team sorgen für eine Belebung und Belegung der wunderschönen Räume. Da wird getanzt, meditiert, fotografiert, gekocht, genäht, designt, gesungen und es gibt auch Vorträge. Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es die Struktur eines Jahresthemas und viele Kleinprojekte.

Staunend schaue ich mir die professionell genähten Upcycling-Werkstücke aus der Nähabteilung an. Monika erzählt mir, dass mittlerweile vor Ort vor allem geplant und entwickelt, vor großen Ausstellungen und projektbezogen auch gemeinsam genäht und zugeschnitten wird. Dazu nutzen die Menschen mit interkulturellem Background den Raum mit gut sortiertem Lager und den vielen Nähmaschinen sowie den großzügigen Begegnungsraum davor, in dem sie lange Tischreihen aufbauen können. Eigentlich perfekt das, was unsere Studentinnen und Studenten für den Umbau der Kegelbahn geplant haben. Dort soll ja in der Mitte eine lange Tischreihe mit Schienensystem an jenem Podest sein, das vorher die Kegelbahnen voneinander trennte.

Dreieinhalb Stunden lang reden, schauen, fotografieren und filmen wir, was es zu sehen gibt. Die OTELO-Struktur hat mir immer gut gefallen. Nach OTELO-Spittal ist das jetzt das zweite lebendige Labor, das ich unmittelbar erlebe. Wir denken zumindest darüber nach, diese Struktur auch für Klagenfurt mitzudenken. Dort gibt es ebenfalls Interesse, doch kam bisher kein praktisches Projekt zustande. Wir werden sehen, wir wissen ja, an wen wir uns wenden müssen, falls es in diese Richtung geht.

Es sieht außerdem so aus, als käme es zu einer Zusammenarbeit bezüglich meines Puppenprojektes über eine gemeinsame Bekannte, die ich vor vielen Jahren einmal für die Zeitung interviewt habe. Sie nähte im Vorjahr mit afghanischen Frauen einfache Waldorfpuppen  für einen Weihnachtsbazar in Ferlach, ganz genau, ganz sauber und perfekt. Wir werden sie heuer im August gemeinsam treffen und weiter planen. Da ich mir alle Handgriffe der Puppenherstellung selber beibringe und in unserer Praxisgruppe vertiefe und neu erarbeite, freue ich mich riesig darauf, einen Profi zu erleben und von ihr Kniffs und Tricks zu erlernen, die für mich neu sind.

Nach all dem für mich so komplizierten Antragschreiben rückt nun MEIN Herzensprojekt wieder in meinen Fokus. Das übliche Herzklopfen setzt sofort ein…

Wir reden noch über die Möglichkeit eines Fotoprojektes vor Ort und genießen das selbstgemachte Eis des Nachbarkaffeehauses. Ich vergesse ganz darauf, Monika von unserer interkulturellen Fotogruppe zu erzählen, die ich in so ein Projekt einbinden kann.

Auf der Heimfahrt bleiben wir noch bei einer Brandruine an einem Kreisverkehr in Kirschentheuer stehen. Die Hitze des sicher fürchterlichen Brandes hat aus den Luxusjachten, dem vielen Blech, den Holzträgern und den Solarpaneelen wunderbare Skulpturen in Blau und Bronze und Gold geschmiedet. Unsere anfängliche Scheu, so einen Ort des Schreckens zu fotografieren, verschwindet im Tun sofort. Sami bleibt gerne im Auto sitzen, ihm ist der Ort zu unheimlich.

Genießt eure Fenstertage oder euren Arbeitstag, ich hole jetzt geschenkte Kübel für unseren Kübelgarten in Klagenfurt und freu mich am Abend auf Giaconda Beli, die in Klagenfurt gastiert.

Netzwerken und Frauentempel

Gestern Vormittag interessantes und sinnstiftendes Netzwerken im St. Veiter Rathaus-Innenhof. „Gesundheit und Soziales“ als Aufhänger stand in meinem klugen Kalender. Herzlichen Glückwunsch den Veranstalterinnen und Veranstaltern für diesen gelungenen Vormittag! Schon spannend, dass immer genau die richtigen Menschen da sind, dass immer genau die richtigen Menschen Gruppen formen, bewegen und sich austauschen. Nach und nach verschwindet meine manchmal autistisch anmutende Angst vor Menschen, sie mit mir, meinen Ideen und Projekten zu überfordern, zu überfrachten, lästig zu sein. Endlich. Das ist wirklich ein Lebensprozess. Und wird mich nicht mehr davon ablenken, so sprudelnd lebendig zu sein, wie ich bin. Zugleich liebe ich es, zuzuhören, Fragen zu stellen, mich einzuspüren in die Lebenswahrheit anderer Menschen, ihre Facette an der großen Wahrheit unserer Zeit zu erleben. So ein Austausch ist sehr belebend.

Sehr beeindruckend für mich die Masterstudentinnen der FH Kärnten/Feldkirchen, die ihre heurigen Arbeiten präsentieren und daraufhin uns einladen, in tiefere Gesprächsrunden zu dabei entstehenden Fragen und Themen zu gehen. Jede und jeder dort, wo sie oder er grad unterwegs ist. Und die ein wenig bange Erkenntnis für mich: für junge Menschen bedeutet der Altersabschnitt ab 50+ die Notwendigkeit, sich mit seinem persönlichen Altern und Altwerden auseinander zu setzen. Passend zum gestrigen Vortrag über Selbstfürsorge, nicht nur im Alter. Yes, Leben, danke, ich habe verstanden.

Die Wetterprognosen für die Steiermark, den Bezirk Leibnitz im speziellen sind für den gestrigen Nachmittag wirklich furchterregend. Vor Wochen habe ich mit meiner Freundin Ingeborg ausgemacht, dass wir an einem Ritual eines steirischen Frauenkreises teilnehmen. Unwetterprognosen, Hagel, Starkregen, die derzeit üblichen Überflutungen in Südostösterreich. Na servas. Ich bin total unsicher, spüre in mir weder ein klares Nein noch ein klares Ja, ob wir fahren sollen oder nicht. Ingeborg ist ganz sicher. Wir fahren also. Es schüttet abschnittweise wie aus Kübeln, Tempo 80 ab Graz südwärts.

Wer mich ein wenig kennt, weiß um meine Angst und meinen Heidenrespekt vor Ritualen, vor allem um meine Abneigung vor Ritualen, die nicht in die Tiefe gehen. Dieses Mal gehe ich einfach mit, vertraue Ingeborg und ihrer Intuition. Und erlebe einen der schönsten Frauenabende meines Lebens. In der kraftvollen und doch sanften Energie eines Frauentempelberges in den sanften Hügeln der Südsteiermark, die mich an die Energie der italienischen Toskana erinnert. Die Tempelhüterin des Ortes steckt mich an mit ihrer Liebe zur weiblichen Seite zur Forschung dieses Gebietes. Barbara, die das Ritual anleitet, ist einfach nur gut geerdet und wunderschön, von innen und von außen. Ich kann mich vollkommen fallen lassen in diesen heilenden Frauenkreis. Danke ihr wunderbaren Frauen, dass ich gespürt habe, was ich gespürt habe. Und danke Wetter, dass du uns genau dieses Wetterfenster ohne Regen bis zum Ritualende geschenkt hast. Wir kommen sicher wieder.

Diese Woche haben wir ja das Thema #sky in unserer Istagram-Foto-Challenge. Ich hätte zu Wochenbeginn nicht gedacht, dass ich so einen atemberaubenden Sonnenuntergang spüren und erleben werde. Ich muss euch leider sagen, dass die Farben noch gewaltiger, noch prächtiger waren, der aufsteigende Nebel das Ganze sehr mystisch aussehen ließ. Einfach gewaltig dieses Naturschauspiel, meine Augen sehen mehr als meine Kamera das einfangen kann.