Fotochallenge 2019 und #derraum365

Neujahrsentschlüsse und die Folgen

Voriges Jahr um diese Zeit war es (m)ein spontaner Entschluss, etwas für mich und mein Fotografieren zu tun. Ein paar Wochen davor war mir Lars Poeck in Form eines kreativen Buches begegnet. Eins und eins ergab am Ende dieses Fotojahres  2018 zweitausendfünfhundertfünfzig. Unglaubliche 2584 Fotos sammelten sich unter dem Hashtag #derraum365 zu einer ansehnlichen Galerie. Freunde, Freunde von Freunden, Interessierte machten bei den Fotoaufgaben mit.

Andeutungen, dass diese Fotochallenge nur 2018 stattfinden würde, kamen bei den FotografInnen nicht so gut an. Also überlegte ich gemeinsam mit meinem Mann, wie ich diese wöchentlichen Aufgaben einfacher für mich selbst gestalten könnte. Und wir entwickelten 52 Wochenthemen im Voraus. Von Kalenderwoche 1 (KW1) bis Kalenderwoche 52 (KW52) dieses nigelnagelneuen Jahres 2019.

Wer Lust hat, mitzufotografieren, ist von ganzem Herzen willkommen. Zu gewinnen gibt es vor allem Freude am Tun, am Miteinander, an der Inspiration. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir heuer ja wirklich eine analoge gemeinsame Ausstellung, auch dazu hätte ich einige Ideen. Gern könnt ihr mit mir Kontakt aufnehmen – Ausstellungen können auch wandern!

Wie und Wo?

Mit dem Smartphone oder dem Fotoapparat. Unsere Fotowoche geht von Montag bis Sonntag. Sieben Fotos sind ebenso möglich wie ein geniales pro Woche. Ihr entscheidet, womit ihr euch am wohlsten fühlt, womit ihr am meisten Entwicklung erlebt. Falls die Lust auf Austausch besteht, kann ich eine Facebook-Gruppe im Foto.Raum einrichten. Selbstverständlich könnt ihr eure Fotos auch wieder auf der Schenk- und Tauschfotoplattform Foto.Raum anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Die Themen 2019  sind derzeit in deutscher Sprache. Was euch nicht daran hindern soll, internationale Entsprechungen zu finden, Ich weiß, dass wir in dieser kleinen, feinen Gruppe französisch, afghanisch, persisch, arabisch und kurdisch locker durch euch AnwenderInnen integrieren können.

Und hier sind sie nun, die Themen für 2019:

wochenaufgaben 2019
#derraum365

Wie 2018 finden wir uns in erster Linie auf Instagram, aber auch auf Facebook und Co unter #derraum365 #fotoaufgaben plus dem Wochenthema, diese Woche wäre es #federleicht bzw. #lightweight.

Ich wünsche uns allen ein traumhaftes Fotojahr und gutes Licht auf allen Wegen!

Rückblick und Dankbarkeit

Puppen kommen ins Leben

Ein volles Jahr Leben. Mit Krisen. Erfolgen und Niederlagen. Stops und Neuanfängen. Voll das Leben. All die Wesen, die heuer in Form von Puppen zur Welt kommen. Irgendwann im April geht es so richtig los. Nach Wochen in der Werkstatt des Herumprobierens, Schnittezeichnens und Tüftelns. Plötzlich wird es für meine Finger klarer, was sie zu tun haben. War es nicht mehr nur neu. Sondern formten sie bewusst. Ganz schön viel Veränderung von April bis Dezember. Im Juni fahre ich mit dem Puppen.Raum zu den Tagen der Zukunft und überarbeite gemeinsam mit den Coaches die Herangehensweise. Da gibt es auch die nächsten Jahre noch viel und ausreichend zu tun. Im Herbst kaufen drei von uns Frauen sich ein Wensleydale-Schaf. Schließlich und endlich brauchen wir Locken für unsere Puppen. Lara ist eine entzückende Schafsdame und lebt ab sofort bei meiner Freundin und Schafzüchterin am Berg.

Nähmaschinenführerschein ermöglicht Picknickdecken

Wir laden ein zum gemeinsamen Nähen beim Verein VOBIS in den Räumen des Volxhauses in Klagenfurt. Ein paar Österreicherinnen wagen sich in den Kurs. Gemeinsam mit interessierten Frauen mit syrischem, irakischem und afghanischem Hintergrund lernen sie von Renate Maschinen zu reinigen, zu warten und nähbereit zu machen. Und von mir lernen sie, dass Möbel- und Vorhangstoffmuster zu neuem Brauchbarem umgenäht werden können. Aufbewahrungskistchen. Und Picknickdecken für den Sommer.

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Why not Begegnungsfest?

Während die Studierenden der FH Kärnten/Spittal über Plänen brüten, fangen wir an, die grindige und vollgestopfte Kegelbahn auszuräumen, auszuweißen und zu putzen. In einer beispielslosen Aktion mit vielen ehrenamtlichen Händen laden wir im Juni zum ersten Begegnungsfest in die alte Kegelbahn ein. Überhaupt feiern wir viel dieses Jahr. Gemeinsam mit VOBIS beim Fest der Kulturen, beim Freudenfest, hier bei uns im Haus beim Sommerfest, bei Best of the Rest ein Weihnachtsfest.

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Fotochallenge schult das Sehen

Unter dem Hashtag #derraum365 werden sich bis Weihnachten 2018 exakt 2550 Fotos angesammelt haben. Lars Poeck und sein Kreativbuch inspierieren nicht nur mich dazu, Fotografie auch aus anderen Perspektiven und mit anderem Fokus als üblich auszuprobieren. Wir wachsen zu einer Gruppe von Fotografinnen und Fotografen im deutschsprachigen Raum zusammen. 365 Tage und 365 Fotos. Einige haben tatsächlich fast jeden Tag durchgehalten. Ich sogar in unseren drei Wochen England mit den 7700 gefahrenen Kilometern. Ich schwächle erst in den letzten Wochen. Und erfinde dabei gemeinsam mit meinem Mann eine Fotochallenge für 2019, die den Weg ein bissel leichter machen und uns kreativ vermutlich noch mehr herausfordern wird.

 

Danke ihr alle, Danke Leben – wir freuen uns auf 2019!

Netzwerken und Frauentempel

Gestern Vormittag interessantes und sinnstiftendes Netzwerken im St. Veiter Rathaus-Innenhof. „Gesundheit und Soziales“ als Aufhänger stand in meinem klugen Kalender. Herzlichen Glückwunsch den Veranstalterinnen und Veranstaltern für diesen gelungenen Vormittag! Schon spannend, dass immer genau die richtigen Menschen da sind, dass immer genau die richtigen Menschen Gruppen formen, bewegen und sich austauschen. Nach und nach verschwindet meine manchmal autistisch anmutende Angst vor Menschen, sie mit mir, meinen Ideen und Projekten zu überfordern, zu überfrachten, lästig zu sein. Endlich. Das ist wirklich ein Lebensprozess. Und wird mich nicht mehr davon ablenken, so sprudelnd lebendig zu sein, wie ich bin. Zugleich liebe ich es, zuzuhören, Fragen zu stellen, mich einzuspüren in die Lebenswahrheit anderer Menschen, ihre Facette an der großen Wahrheit unserer Zeit zu erleben. So ein Austausch ist sehr belebend.

Sehr beeindruckend für mich die Masterstudentinnen der FH Kärnten/Feldkirchen, die ihre heurigen Arbeiten präsentieren und daraufhin uns einladen, in tiefere Gesprächsrunden zu dabei entstehenden Fragen und Themen zu gehen. Jede und jeder dort, wo sie oder er grad unterwegs ist. Und die ein wenig bange Erkenntnis für mich: für junge Menschen bedeutet der Altersabschnitt ab 50+ die Notwendigkeit, sich mit seinem persönlichen Altern und Altwerden auseinander zu setzen. Passend zum gestrigen Vortrag über Selbstfürsorge, nicht nur im Alter. Yes, Leben, danke, ich habe verstanden.

Die Wetterprognosen für die Steiermark, den Bezirk Leibnitz im speziellen sind für den gestrigen Nachmittag wirklich furchterregend. Vor Wochen habe ich mit meiner Freundin Ingeborg ausgemacht, dass wir an einem Ritual eines steirischen Frauenkreises teilnehmen. Unwetterprognosen, Hagel, Starkregen, die derzeit üblichen Überflutungen in Südostösterreich. Na servas. Ich bin total unsicher, spüre in mir weder ein klares Nein noch ein klares Ja, ob wir fahren sollen oder nicht. Ingeborg ist ganz sicher. Wir fahren also. Es schüttet abschnittweise wie aus Kübeln, Tempo 80 ab Graz südwärts.

Wer mich ein wenig kennt, weiß um meine Angst und meinen Heidenrespekt vor Ritualen, vor allem um meine Abneigung vor Ritualen, die nicht in die Tiefe gehen. Dieses Mal gehe ich einfach mit, vertraue Ingeborg und ihrer Intuition. Und erlebe einen der schönsten Frauenabende meines Lebens. In der kraftvollen und doch sanften Energie eines Frauentempelberges in den sanften Hügeln der Südsteiermark, die mich an die Energie der italienischen Toskana erinnert. Die Tempelhüterin des Ortes steckt mich an mit ihrer Liebe zur weiblichen Seite zur Forschung dieses Gebietes. Barbara, die das Ritual anleitet, ist einfach nur gut geerdet und wunderschön, von innen und von außen. Ich kann mich vollkommen fallen lassen in diesen heilenden Frauenkreis. Danke ihr wunderbaren Frauen, dass ich gespürt habe, was ich gespürt habe. Und danke Wetter, dass du uns genau dieses Wetterfenster ohne Regen bis zum Ritualende geschenkt hast. Wir kommen sicher wieder.

Diese Woche haben wir ja das Thema #sky in unserer Istagram-Foto-Challenge. Ich hätte zu Wochenbeginn nicht gedacht, dass ich so einen atemberaubenden Sonnenuntergang spüren und erleben werde. Ich muss euch leider sagen, dass die Farben noch gewaltiger, noch prächtiger waren, der aufsteigende Nebel das Ganze sehr mystisch aussehen ließ. Einfach gewaltig dieses Naturschauspiel, meine Augen sehen mehr als meine Kamera das einfangen kann.

 

Foto und #derraum365

Vierzehn Tage ist das neue Jahr schon alt. So schnell geht das. Ich habe Lust, hier mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Ausnahmsweise mal nicht über das Nähen, obwohl sich viel tut.

Ich bin eine mittelalte Häsin, was das Fotografieren betrifft. Ich liebe es einfach. Nach dreißig Jahren bin ich sicher schon ein bisschen berufsblind. Als gelernte Berufsfotografin (analog) habe ich mir irgendwie den Umstieg auf die digitale Kamera und ihre grundsätzlichen Bildbearbeitungstechniken beigebracht. So weit, so gut. Da ich als dreifache Alleinerzieherin immer vom Fotografieren und Schreiben leben können wollte/musste, blieb das Kreative und Künstlerische in so vielen Bereichen Wunschdenken. Jetzt, jetzt ist es soweit.

Vor Weihnachten war ich auf der Suche nach fotografischer Inspiration für meine interkulturellen Fotoworkshops. Ich strich durch eine Klagenfurter Buchhandlung und wurde vollkommen überraschend fündig. Der Autor des kleinen, handlichen Büchleins heißt Lars Poeck und ich packe euch hier den link zu seinem coolen Arbeitsbuch und seiner homepage rein.

Fotobücher gibt es viele. Auch sehr viele gute. Dieser junge Mann hat mich mit seiner Art zu schreiben sofort gehabt. Er vermittelt klar, logisch, augenzwinkernd und fundiert fotografische Möglichkeiten, die eigenen Fotos kreativer werden zu lassen. Anfänger, Fortgeschrittene und auch Profis finden coole Anregungen. Wie nebenbei möchte man selbst die nötige Menge handwerkliches Wissen über Kameratechnik, Licht und Komposition erlernen, die ein Foto braucht, um besonders zu sein. Oder sein Smartphone oder I-Phone studieren. Und – für mich extrem wichtig: dieses Buch funktioniert nur „learning by doing“. Es ist nett, beim Lesen Herzklopfen zu bekommen. Zustimmend zu nicken. Sich zu erinnern, dass man das ja immer schon probieren hatte wollen/müssen/sollen. Fakt ist: dafür nimmt man die Kamera oder das Smartphone in die Hand. Steht auf und schaut sich um. Von Schwere kann keine Rede sein. Es macht riesigen Spaß und ich schaue wieder ganz anders in die Welt.

Um kreativ zu werden, brauche ich eine klare innere Struktur. In diesem Fall: 52 Wochenthemen, jeden Tag ein Foto. Oder anders ausgedrückt: 1/52 und zugleich 1/365. Der Buchautor inspiriert mich. Einige Aufgaben werden wir 1:1 übernehmen. Eigene Ideen fließen bereits ein, weil sie dran sind.

Wie es mir jetzt geht? Schon nach wenigen Tagen war mir klar, wie sehr ich mich in den letzten Jahren eingeschränkt habe! Jetzt stelle ich fest, es gibt Brennweiten, die Einfluss auf meinen Ausdruck haben. Mit dem neuen Objektiv macht es auch wieder Sinn, kleine Blenden und große Tiefenschärfen auszuprobieren. Hach, und ich habe große Freude daran, das gemeinsam mit anderen zu tun. Wir inspirieren uns gegenseitig unter #derraum365 auf facebook und Instagram. Aber wie! Für mich unglaubliche 119 Fotos haben sich in zwei Wochen in unserer Instagram-Galerie versammelt. Einige Fotograf*Innen ziehen es vor, ihr Material auf facebook zu veröffentlichen. Auch diesen Spagat schaffen wir locker. Für euch – einfach auf Facebook #derraum365 eingeben. Und staunen.

Wie inspirierend, in der Gruppe aktiv zu sein! Sich virtuell auszutauschen. Dran zu bleiben. Zu sehen, wie die anderen an das Thema herangehen. Spielen in einer puren, simplen Form. Wundervoll.

Selbstverständlich könnt ihr jederzeit in diese fröhliche Challenge einsteigen, die das (fotografische) Sehen und Schauen und Betrachten schult. Das Thema für die kommende Woche ist „Rahmen“. Wer noch Infos braucht, bitte einfach per e-mail, facebook oder Instagram nachfragen.

 

 

 

 

 

Ängste und Schätze

„Lisa, wir können jetzt auf Schatzsuche gehen, da ist ein Regenbogen!“ Sami ist aufgeregt. Dunkel und bedrohlich sind die schwarzen Sturmwolken, die aus der Steiermark herüber winken. Ein leuchtender Regenbogen überspannt das ganze Tal. Es gibt viele Schätze draußen. Es ist warm. Im Winterapfelbaum neben dem Brunnenhäuschen pfeifen Stare. Sie futtern, was in ihre kleinen Mägen geht. Böig frischt der Wind auf, die Schafe trollen sich. Auch die Katzen sind unruhig und verkriechen sich. Und dann prasselt der Regen los und fegt der Sturm über uns hinweg. Glücklich über die eindeutigen Zeichen kehre ich zurück in meine Werkstatt und stichle und pinsle und stopfe und fädle weiter an meiner Elfe herum, die seit gestern Abend entsteht.

Meine Gedanken wandern noch einmal zurück zum Freitag, als Menschen so vieler Kulturen vollkommen problemlos miteinander sprachen, fotografierten, sich gegenseitig halfen oder Modell standen. Wie sehr ich mir wünschte, wir könnten noch mehr Menschen in diese für uns normalen Alltagserfahrungen einbinden. Wir haben ein gemeinsames künstlerisches, kreatives Ziel bei all unseren Aktivitäten. Eine Ausrichtung. Wir fotografieren zu bestimmten Themen. Nähen und Upcycling gehört für uns zum normalen Prozess. Malen und Holzwerkstatt sind momentan kein Thema. Ende November hat sich eine polnische Liedermacherin aus Feldkirchen für ein Konzert eingeladen. Wir kennen einander seit acht Jahren. Sie war dabei, als wir in St. Veit mit meiner Freundin Jutta grenzenlos gekocht und später auch gegartelt haben. Nach dieser langen Pause wird es der Seminarküche gut tun, wenn wir kochen und Rezepte austauschen und plaudern. Mit einem wunderschönen Abschlusskonzert.

Ich höre mir die Ängste der Menschen an. Auch ich mache unangenehme Erfahrungen. Aber Himmel, ich kann doch nicht von einzelnen schwarzen Schafen auf alle schließen! Ich lese von Erfahrungen im Umgang miteinander in sozialen Medien, in den Kommentaren zur Politik. Der Wahlkampf mit seiner Polemik hat Öl ins Feuer geschüttet. Auch nach zwei Jahren sind Ängste und gute Erfahrungen ungebrochen da. Derzeit scheinen die Ängste wieder Oberhand zu bekommen. Da hat man gehört und gelesen und wurde einem erzählt. Vor allem Grauslichkeiten natürlich. In meinem eigenen Kreis höre ich von allen möglichen Erfahrungen, vom Scheitern und vom Gelingen. Aber so viel ist schwarz oder weiß. Heiß oder kalt. Gut oder schlecht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in so polarisierenden Zeiten gelebt zu haben. Muss selber gut auf mich achten, den Menschen zu sehen, nicht eine Schublade. Ich dachte, unsere Integrationsarbeit sei abgeschlossen und getan. Ich habe mich getäuscht. Wir machen weiter.

Meine Gedanken schweifen noch einmal zur Fotogruppe. Ich weiß seit Freitag, dass man mit Konsequenzen rechnen muss, wenn man auf eine Fullsensorkamera umsteigt. Alle Objektive ab 50mm sind unbrauchbar. Auch mit künstlerischem Gesichtspunkt ist die Vignettierung zu stark. Ich brauche also auch neue Objektive.

Wir sind für Mahdi auf der Suche nach einem halbwegs starken alten PC oder Laptop, an dem er die Fotos meiner uralten Kamera bearbeiten kann. Wenn er das schafft, was vor eineinhalb Jahren mein erster syrischer Schüler geschafft hat, nämlich mit dieser alten Kamera vernünftige Fotos zu machen, dann will er das. Hach, was für ein Oldtimer 😀 Wie gut es tut, Menschen wie ihm zu begegnen. Es scheint, als sei er Künstler durch und durch. Ich weiß noch so wenig von ihm. Er ist scheu und zurück haltend, wir treffen einander neuerdings beim Tanztheaterstück vom Verein VOBIS, das meine Freundinnen Klaudia und Laura anleiten. Mahdi macht, wenn er nicht mit dem Smartphone filmt oder fotografiert, afghanische Glücksbringer aus bunten Fäden. Arash war vor dem Krieg Grafiker und Fotograf. Das sieht man an seinen umwerfend schönen Kompositionen, die er am Freitag hergestellt hat. Ich bin sicher, wir werden uns gegenseitig genug Impulse geben, unsere Fotografie weiter zu entwickeln. Hussain wird in etwa zwei Wochen wissen, ob er und seine Familie in Österreich bleiben darf. Es geht mir selber nahe, wie nervös er ist. Das kann ihm niemand abnehmen. Brigitte und Gertraud haben überhaupt keine Berührungsängste mit den Jungs. Billan, der Restaurator und bildende Künstler, kommt wie immer eine halbe Stunde zu spät und bringt sich fließend mit seinem lila Schirm ein. Und verschwindet auch eine halbe Stunde früher wieder. Ganz neu dabei ist dieses Mal auch Levi, ein Jugendlicher mit seiner nagelneuen SLR-Kamera. Auch er ist vor allem mit seiner Kamera beschäftigt, schaut den anderen über die Schulter, wenn etwas erklärt oder ausprobiert wird. Keine Berührungsängste. Auch vor mir nicht. Kunst ist schon ein geniales Mittel, um Brücken zu bauen.

Der Samstag gehört meinen zwei Freundinnen aus der Puppenecke und einer interessierten Besucherin. Und heute arbeite ich überhaupt alleine vor mich hin. Die erste Elfe wird fertig. Ich mache Fehler. Im neuen Buch sind unglaublich viele Anleitungsfehler. Das zwingt mich, auf mein ganzes erlerntes Wissen des letzten Jahres zurück zu greifen. Mich beschäftigt, ob es einen logischen Zusammenhang gibt zwischen der Wollmenge, der Breite des Mullbindenschlauches, dem Kopftrikotstück und natürlich der Körpergröße der Puppe. Mathematik. Pur. Via whatsapp frage ich bei meinen Freundinnen nach. Nein, Erfahrungswerte sagt mir Hemma. Und abhängig davon, wie fest man wickelt und bindet. Gut. Schreibe ich mir eben die Erfahrungswerte auf. Von Puppe zu Puppe. Irgendwann wird sich schon eine Regel ablesen lassen. Vielleicht. Oder auch nicht.

Ich spüre, dass mit diesen Puppen, mit den dazu passenden Tragetaschen und dem Zubehör mehr möglich ist. Schön fände ich, wenn zur österreichischen Puppenmacher-Tradition einer Elli Riehl auch noch andere dazu kämen. Die waldorfartigen Wesen sind mein ganz persönlicher Ausgangspunkt. Ich weiß, dass im skandinavischen Raum die Herstellung von Puppen eine eigene Tradition hat. Auch Deutschland ist organisierter und gründlicher. Hier in Österreich ist es eine glückliche Fügung, jemanden in der Nähe zu wissen. Wir können hier locker noch ein Jahr weiter üben, lernen, ausprobieren, uns ganz neue Dinge trauen. Und wünschen, wünschen darf ich mir alles. In diesem Fall Männer und Frauen aus der ganzen Welt, die ihre Art, ihren Zugang oder ihr Interesse zu diesen Wesen mit in unseren Kreis bringen. Bitte auch gerne weiter sagen. Wir bleiben dafür als Praxis- und Erprobungsgruppe offen. Und geben einmal im Monat das bis dahin Erlernte an Interessierte weiter.

Genau betrachtet war das ganze Wochenende eine einzige Schatzfindezeit…

Kinder und Kinder

Es gibt Zeiten, da komme ich kaum zum Schreiben. Wir sind abwechselnd in Werkstätten, unterwegs mit Freunden oder Familie oder mit Der.Raum. Voll das Leben. Immer wieder in diesen Tagen denke ich dran, dass ich euch was erzählen möchte. Und dann ist es Mitternacht. Und nichts geht mehr.

Am Wochenende gab es das erste echte Morgen:Land Treffen in Perchtoldsdorf. Schon ganz erstaunlich. Unsere Initiative wurde voriges Jahr für würdig befunden, in einem Buch zu erscheinen. Ich glaube, ich habe es in all dem Trubel nicht einmal irgendwo erwähnt. Wow. Man schreibt über uns. Naja. Ich habe über uns geschrieben. Einen Tag lang real mit den Menschen hinter den anderen Initiativen an einem ziemlich großen Tisch zu sitzen hat eine feine Qualität. Parallel hören wir seit einer halben Woche Interviews der pioneers of change. Auch der Schöpfer dieser Initiative war im Buch vertreten. So viele mutmachende, beglückende und auch kontroversielle Wortmeldungen wie bei diesem summit habe ich überhaupt noch nie in dieser Dichte erlebt. Meldet euch noch an oder erwerbt das Konferenzpaket, um alle Beiträge dann zu sehen, wann es sich für euch ausgeht. Für uns zahlt es sich voll aus. Wir fühlen uns bestärkt und nehmen richtig gute Tipps mit.

Nach all dem Filzen und Puppennähen und den vielen Upcyclingarbeiten rund um Altpapier und Co. war heute wieder das interkulturelle Fotografieren an der Reihe. In meiner Vorstellung wollte ich gemeinsam mit Kindern beschauliche Fotos im Freien machen und meinen wissbegierigen Schülern eine weitere Lernbühne zu den praktischen Anwendungen einer Kamera bauen. Weit gefehlt. Statt der geplanten drei Kinder kamen fast alle dreißig. Es summte und quietschte, schrie und jubelte, schimpfte und lachte aus vollen Kinderkehlen. Und wirklich jeder wollte dran kommen. Wir redeten mit Händen und Füßen, auf Deutsch und auf Arabisch oder Farsi. Was für eine bunte Mischung! In meiner Zeit als Berufsfotografin war ich IMMER mit Assistenz bei kleinen Kindern. Heute sprangen wir einfach ins kalte Wasser. Hardcore und sooo lebendig.

Apropos fotografieren. Unsere Plattform für Schenk- und Tauschfotos hat einen ganz neuen Anstrich bekommen. Für eine Weile fliegt unser Elefanten-Logo auf dem Foto.Raum. Danke wie immer an Mario. Ohne einen kreativen und klugen und liebenswürdigen Freund und IT-Menschen wie dich könnten wir online gar nicht sichtbar sein. Wie sehr wir dir wünschen, dass deine genaue und professionelle Arbeit rasch auch anderen Menschen zur Verfügung stehen kann!

Hey, bedient euch! In den nächsten Wochen werden wieder massig Fotos dazu kommen, weil unser kreatives Foto.Raum-Team unterwegs ist. Ruft an, falls ihr glaubt, bei euch fände eine coole Veranstaltung statt, die es wert ist, fotografisch sichtbar zu werden. Einen Teil der Fotos schenken wir in Absprache mit den Fotografierten her.

Und ihr Nutzer, ihr könnt auch gerne den einen oder anderen Fotografen buchen, um Fotos in seiner Handschrift zu bekommen. Wir stellen den Kontakt her.

Und dann wär da noch was. Wir suchen dauernd kreative Fotografen, die uns ihren Zugang zur Welt mit ihren Fotos zeigen und ein paar ihrer schönsten Bilder in der Community teilen und zur Verfügung stellen. Unser Traum wäre derzeit beispielsweise ein neues Foto pro Monat. Der Schwerpunkt in Der.Raum sind lebendige Fotos von der Vielfalt des Lebens. Wir sind interkulturell und global. Weniger geht nicht. Ist angesichts der vielen zugewanderten Menschen und unserer Auseinandersetzung aber simpel und logisch. Für uns auf jeden Fall. In den Räumen vor Ort und bei unseren Kooperationspartnern in Klagenfurt, in Feldkirchen und am Längsee treffen sich derzeit hauptsächlich Österreicher, Syrer, Afghanen und Menschen aus dem Irak. Und das klappt die meiste Zeit wunderbar. Und manchmal gar nicht. Und ganz viel dazwischen. Wir lernen uns kennen. Wir sprechen miteinander. Und vor allem tun wir miteinander. Wir kommen drauf, was uns verbindet und wo wir große Unterschiede wahrnehmen. Das Leben eben. So sollen ja auch die Fotos sein. Lebendig. Bunt. Vielfältig. Funkelnd und mit allem Licht und allen Schatten, die es in diesem Leben gibt.

Wir arbeiten im Hintergrund aktiv an der Verbreitung unserer Plattform. Derzeit nutzen ausgesuchte Initiativen in Österreich, Deutschland, Luxemburg und Canada unsere Fotos. Auch da freuen wir uns über gute Tipps und Tricks und Rückmeldungen und Vorschläge von euch.

Knapp vor Mitternacht. Puh, grad noch geschafft.

Habt eine gute Woche!

Anfängergeist

Vier Fotografen, drei Modelle. Fotografenlehrherz, was willst du mehr. Was für eine coole Truppe ihr doch seid! Immer mehr wird Hussain zum Lehrer, der sein Wissen weiter gibt. Er macht das sensationell gut. Einfach und klar. Offene Fragen können so schnell geklärt werden. Es ist der erste warme Tag seit langem. Die Herzogstadt St. Veit zeigt sich von ihrer schönen Seite. Sowohl im Rathaus drinnen. Als auch draußen vorm Tor. Und dann in den Räumlichkeiten einer Praxis mitten in der Altstadt.

Vorgabe: eine korrekte Belichtung, und dann ausprobieren, was geschieht, wenn Blende und Verschlusszeit verändert werden. Was machte eine offene Blende, wie drückt sie sich technisch aus, wo stelle ich das um? Und was macht eine kurze Verschlusszeit im Gegensatz zu einer langen Verschlusszeit mit meinen Fotos. Und tja, was sind eigentlich ISO? Und wo stellt man die ein? Da kanns schon mal vorkommen, dass Hirnwindungen sich verknoten und Köpfe rauchen.

Die Luftballons waren eine gute Wahl. Und unsere Models tauen zunehmend auf und zeigen, in welchen Rollen sie sich gern zur Verfügung stellen. Am Ende ist rasch klar, dass zwei der Models beim nächsten Mal mit Kamera dabei sein werden. Der Funke ist übergesprungen. So soll es sein.

Zwerge, Nähcafé und Fotoanfänge

Am Mittwoch Nachmittag war wieder Zwergeln dran in der Nachmittagsgruppe der Sechsjährigen in Klagenfurt. Vor lauter Moos und Steinen und Tschurtschen und Sackerln herumschleppen vergaß ich endlich wieder etwas Wichtiges – meine heißgeliebte Klebepistole. Was echte Frauen sind, die wissen sich zu helfen. Betreuerin Elisabeth borgte mir ihr Werkzeug, die Rahmen gingen in die Endfertigung. Und dieses Mal war – nach dem Schreck über meine Vergesslichkeit – wieder alles ganz leicht und lustig und entspannt. Und ich muss echt sagen – diese Zwergenrahmen, die sind sehr persönlich geworden. Finstere Bergwerke und blühende Gärten mit Schneefall, von Sternen erleuchtete Nachtszenen und tiefe Höhlen, die Kinder waren sehr großzügig im Teilen ihrer Fantasie und Kreativität. Ich freue mich sehr mit euch über die schönen Ergebnisse!

Das dritte Nähcafé in Althofen wird zu einer lieben Routine. Schon erstaunlich, wie klug das Leben immer wieder Gruppen zusammenwürfelt. Dass wir interkulturell sind, freut mich besonders. Wir Österreicherinnen arbeiten mit einer englischen Lady und einem afghanischen Ehepaar. Und das geht – natürlich – ganz wunderbar. Liebes Christkind, ich wünsche mir bitte dringend eine vierfädige Overlockmaschine. Was für ein Segen die Technik sein kann… Mein erster Restelpullover ist schräg und witzig und bunt geworden. Jetzt habe ich eine Ahnung, wohin es mit dem KleidungsUpcycling gehen könnte.

Zweites Highlight heute: ein gut vorbereiteter Fotoschüler platzt fast vor Wissensdurst und Sofort-ausprobieren-Wollen. Die Fotos, die er in den letzten Tagen auf die Plattform Foto.Raum gestellt hat, zeigen deutlich, wie begabt er beim Sehen ist. Da will jemand ganz viel ausprobieren. Wie ansteckend das ist, brauche ich eh niemandem zu erklären. Wir haben uns wegfotografiert heute Nachmittag. Uns gegenseitig so viel gezeigt und gleichzeitig so viel gesehen, dass es eine Freude war. Und seine Fotos sind schon wieder hochgeladen. Er ist so schnell! So macht das tiefe Freude. Danke einmal mehr, wundervolles Leben!

Während wir drei Fotojunkies mit Licht spielten, arbeiteten zwei weitere Jungs aus Pöckstein an den alten Möbeln im Holz.Raum. Sie stellen sich so geschickt an. Alexander ist heute ebenso glücklich wie ich. Morgen haben wir endlich den Termin wegen der Berufsvolontariate und Arbeitspraktika. Jetzt können wir aus Erfahrung sprechen und Wege für die zuwandernden Menschen suchen.

Sehr zufriedenstellend verläuft auch die Integration der zugewanderten Stadtkatze Haru, die meiner Tochter voller Protest mehrmals am Tag in die Wohnung pinkelte. Einmal Draußenkatze, nie mehr Drinkatze. So ist das. Sie spaziert heute das erste Mal hüpfend und hopsend mit uns mit, verträgt sich mit den alten Hauskatzen und findet glaube ich nur das Futter not amusing. Macht nix, es gibt noch genug Mäuse. Wir freuen uns, wenn wir sie nicht im Haus fangen und mühsam weit weg transportieren müssen. Uns lieben alle Tiere. Doch das, das ist eine andere Geschichte…

 

Danke für diesen wunderwunderbaren Tag. Für ein paar Stunden habe ich all das Morden und Kriegführen und Wegschauen unserer macht- und geldgierigen Systemmanipulierer vergessen….

 

Foto Volontariat

Yeeeeiiiih, die interkulturelle Foto-Gruppe kommt zustande! Danke Leben, dass Hussein aus dem Irak von „Lisa“ gehört hat, die „in Althofen Menschen bei ihren Hobbys unterstützt“. Wer auch immer Hussein das erzählt hat, er fühle sich umarmt! An zwei Terminen vor Weihnachten werden wir uns mit der Kamera vertraut  machen. Hussein will eine Lehrstelle als Fotograf suchen, sobald er seinen Bescheid hat. Und bis dahin üben wir. In den Weihnachtsferien rücken wir öfter gemeinsam aus, weil er nicht zur Schule muss. Hussein hat bereits ein bisschen Photoshop Wissen und möchte außerdem auch Film ausprobieren. Es wird das passieren, was ich am meisten liebe – wir werden uns gegenseitig unterrichten. Und miteinander Neues ausprobieren.

Liebe ÖsterreicherInnen, wenn ihr euch fürs Fotografieren interessiert, noch Anfänger seid – dann kommt dazu. Meldet euch bei mir. Auch Jugendliche ab 15 Jahren sind willkommen. Die Erfahrung der letzten 15 Monate hat so eindrucksvoll gezeigt, dass im gemeinsamen Tun Ängste thematisiert und verbalisiert werden können. Dass es einen Riesenspaß macht, die vielen unterschiedlichen Perspektiven beim Tun auszuprobieren. Miteinander die Ergebnisse zu betrachten. Voneinander zu lernen. Sich gegenseitig zu unterstützen. Miteinander ganz Neues zu schaffen. Diese Foto-Gruppe bleibt eine offene Gruppe, bis erste Grundkenntnisse erworben sind. Dann schließen wir sie, um gemeinsam weiter zu gehen. Das wird voraussichtlich im Frühling der Fall sein. Die nächsten Termine können direkt bei mir erfragt werden, bitte einfach Kontakt aufnehmen!