Pflanzenwinter und Hausgärtnerin

Wie sie hier gelandet ist, kann sie nicht mehr genau sagen. Wohl aber, warum. Da war eine Anzeige in dieser Zeitung im Intercity. „Atelier zwecks Überwinterung im Süden zu vermieten. Holzofen vorhanden. Kühlschrank auch. Bis wir wieder kommen“. Ob die Hausbesitzer jetzt ein halbes Jahr unterwegs sind. Oder ein ganzes, oder zwei oder drei. Eigentlich spielt das keine Rolle für Donna Leila. Was sehr wohl eine Rolle spielt, ist die Kälte, die täglich mehr wird. Zwei fiebernde und hustende Durchgänge am neuen Platz hat sie schon hinter sich. Gut für die Stimme, sie klingt dann schön tief und rau. Schlecht für die Stimmbänder. Die braucht sie noch. Wirklich gewöhnen wird sie sich an diese Temperaturen nördlich des Äquators nie. Aber, so haben es ihr ihre Freundinnen erzählt, kalte Füße sind das kleinste Problem. Das kennen hier alle. Warm anziehen, der Körper wird sich umstellen. Die Wintersonnenwende herbei sehnen. Spüren, wie das Sonnenlicht zurück kehrt. Und viel spazieren gehen. Das sei das beste Mittel.

singing in the falling leaves

Also spaziert sie. Ausreichend. Im nahen Wald. Die beim Haus lebenden Katzen spazieren bis zu einem bestimmten Punkt im Wald mit ihr mit. Dann kehren sie um. In der nahen Kleinstadt lässt es sich auch gut spazieren. Durch Geschäfte. Falls sie den einzigen Schulbus erwischt, der zwischen hier und da verkehrt. Wenn er verkehrt. Ihr wisst schon, dieser Virus, der neuerdings ganze Länder lahmlegt. Oder einen ganzen Planeten. Da kann sogar der Stadtspaziergang eine Herausforderung werden. Mit dieser einen vertrauten Bezugsperson. Oder doch mit zwei? Tinder hilft auf keinen Fall. Kurzfristiges Vertrauen ist gerade ein bisschen verpönt.

Donna Leila

Als sie diese Zeitungsannonce las, geriet sie ins Schwärmen. Ins Träumen. Verpasste ihren Ausstieg. Und fuhr dann einfach weiter. Magisch? Möglicherweise. Einer der Vorzüge des Reisens ist das WLAN an Bord. Die Hausbesitzer und Reisenden in spe waren heilfroh, endlich losfahren zu können. Und Donna Leila war heilfroh, einen Platz zum Überwintern gefunden zu haben. Einen Platz, an dem niemand sie vermuten würde. Ein sehr annehmbarer Bonus nach ihrem überstürzten Aufbruch vom englischen Kanal. Aus Gründen. Oh wenn Danielle nur wüsste, wo sie jetzt gelandet ist. Sie wäre sofort da. Mit all ihrem Drama und Trara. Mit Hund und Katz‘ und Kind und Kegel. Die letzten beiden Jahre waren eine gewaltige Hochschaubahn. Donna Leila wird immer noch ganz schwindelig, wenn sie zurück denkt. Klar war es auch schön mit Danielle. Vor allem das Singen. Danielle ist die Rhythmikerin im Quartett. Der Cellist, Musikstudent mit norwegischen Wurzeln und die Geigerin aus London – es war eine gute Zeit. Donna Leon schüttelt es regelrecht wenn sie daran denkt, jetzt Jahre mit einer entstehenden Familie zu verbringen. Eigentlich passt es ihr gut, dass sie so überhaupt keinen Kinderwunsch hat. Ihre Partnerin Danielle, die träumte schon von den gemeinsam adoptierten Kindern. Als ob die zwei Kinder aus ihrer geschiedenen Ehe nicht genug gewesen wären. Donna Leila träumt eher von langen Konzertreisen, von Gigs auf der ganzen Welt. Und von der Weiterbildung ihrer Stimme bei anderen Kulturen dieses Planeten. Nach diesen Lockdowns werden sich dafür sicher wieder Möglichkeiten bieten.

is there anybody at home? come sing with me!

Gestern hat der eisige Nordwind tagsüber klar gemacht, dass ihre Pflanzengeschwister, die Zitrusfrüchte, keine weitere Nacht im Freien ohne Lebensverlust durchstehen. Also hat Donna Leila all die Kübel, Töpfe und Schalen zusammen gesammelt und in Sicherheit gebracht. Und siehe da, es friert von einem Tag auf den anderen Stein und Bein. Pflanzenkinder sind definitiv einfacher zu betreuen als Menschenkinder. Langsam, ganz langsam bröckelt der Druck und all das schlechte Gewissen von ihrem Herzen. Der Druck der letzten Monate war für Donna Leila fast unerträglich. Und immer dieses Gefühl, falsch abgebogen zu sein. Während sie die ausgetrockneten Pflanzen zum ersten Mal innen im Haus gießt, rinnen ihr Tränen die Wangen hinunter. Es sind Tränen der Erleichterung. Tränen der Vorfreude und der Möglichkeiten. Sie wird all ihre Liebe in diese Pflanzenkinder investieren. Und sobald es wärmer wird, geht ihre Lebensreise weiter.

Reduktion und Vor-Weihnachtliches

Seit ungefähr sechs Wochen räumen wir ein Haus und langjährige Anteile unseres Lebens aus. Wo Künstler und Künstlerin leben, wo Menschen mit anderen Menschen in offenen Werkstätten arbeiten, wo es ein ständiges Kommen und Gehen von Mitbewohner*innen gibt, da sammelt sich in allen Ecken und Enden wunderschönes Material an. Maschinen, Werkzeug, Dekorationsmaterial, all die feine und grobe Materie, die mensch so braucht, wenn mensch kreativ sein möchte. Material, das irgendwann in was Neues umgewandelt werden könnte. Und das niemand in ein nächstes Leben mitnehmen kann. Meines Wissens.

Xmas Ausblicke

Nach sechs Wochen kann ich berichten, dass wir richtig viel dieser Materie in unser bestehendes Kreiswirtschaftssystem eingespeist haben. Einiges im Tausch für Geld, vieles haben wir verschenkt. Je nachdem, wie sich die Beziehung, die Kommunikation um die Dinge gestaltete. Mein Mann und ich sitzen noch lange nicht in leeren Räumen. Davon sind wir weit entfernt. Und ehrlich gesagt war und ist das nie unser Ziel gewesen. Aber Überschüssiges weiter zu geben an Menschen, die gerade jetzt dringend etwas brauchen, die schon lange nach genau dieser Maschine, nach genau diesem Buch oder Stoff gesucht haben – das ist eine Wohltat. Die Erleichterung folgt auf dem Fuße. Das Gefühl, ma, das machte jetzt Sinn, es genau dieser Person zu geben, hier findest die Sache sofort Verwendung. Wir werden das beibehalten. Ich kann mir aus heutiger Sicht nicht mehr vorstellen, mir Belletristik zu kaufen und dieses einmal gelesene Buch zu behalten. Das gehört nach dem Lesen zurück in den Kreislauf. Oder von vornherein ausgeborgt. Mit Arbeitsbüchern ist das anders. Wenn allerdings jemand dringend meine Literatur rund um die Waldorfpuppe braucht – bitte gerne melden, jetzt kann ich auch diese kostbaren Bücher loslassen.

Weihnachtself

In zwei Wochen sind wir keine Hausbesitzer mehr. Freiwillig. Ungezwungen. Aus einem inneren Bedürfnis heraus. Wir sind wieder vorübergehende Nutzer von Räumen, inneren und äußeren. 2021 wird diese Entscheidungen leichte oder größere Veränderungen auslösen, je nachdem. Eine Freundin schreibt heute, wenn du deinen Weg gehst, dann wandelt sich alles in deinem Leben, damit du diesen Weg gehst. Ja! Wir sind in dieser absolut glücklichen, beneidenswerten Situation. Trotz unseres Alters. Oder gerade deswegen. Wenn nicht jetzt, ja wann denn dann?! Niemals vergesse ich das Jahr meines sterbenden Vaters, als er in seinen letzten Monaten plötzlich vom Wohnmobil zu reden begann, von dem er ein Leben lang nicht mal zu sprechen gewagt hatte. Und das er sich nach diesem Jahr nicht mehr gönnen konnte, weil der Krebs stärker war. Wie traurig mich das damals gemacht hat – und wie sehr ich seinen Auftrag spürte, anders zu handeln. Danke Vati! Genau diesen shift beschreibt übrigens auch Julia Cameron in „Der Weg des Künstlers“. Seit vorgestern weiß ich, dass eine tischlernde Freundin sich einen alten Zirkuswagen zu genau so einem Zirkuswagen umbaut wie der, von dem ich träume. Lichtleiste oben, Raum für Workshops und Aufführungen und minimalstem Wohnen innen und außen. Und seit gestern sind wir elektronisch verbunden mit einem Tiny-House-Bauer in Österreich, der großzügigst seine Hilfe und sein Wissen anbietet. Danke Julia von „Verantwortung Erde“ für diesen unglaublichen Kontakt! Ich finde das alles sehr magisch. Und zutiefst menschlich – wir können das. Wir können füreinander da sein. Füreinander sorgen. Den anderen unterstützen, wenn er uns seine Träume erzählt. Manchmal hilft eine Idee. Ein Zuhören kann Wege ebnen, wenn sich verwirrte Gedanken ordnen müssen. Wir müssen uns nicht dauernd die Schädel einhauen, dem anderen was wegnehmen oder uns vergleichen, wer was besser kann. Oder exklusiver hat. Wir sind immer Lernende und Lehrende. Und solange auf diesem Planeten noch ein einziger Mensch hungert, haben wir als Menschheit sowieso noch viel zu tun.

Vorwinter oder Spätherbst

Nun gehen wir in Österreich als Gesellschaft für mindestens drei Wochen in einen zweiten Lockdown. Und das vor Weihnachten. Ob es deshalb besinnlichere, vorweihnachtlichere Wochen werden? Ob dieses Mal Zeit ist, das eine oder andere Geschenk selbst herzustellen? Oder bei einem lokalen Händler zu kaufen und ihn dadurch finanziell in seinem Traum zu unterstützen? Wie werden das Menschen erleben, die im Krankenhaus schwerste Dienste verrichten müssen? Wie Alleinerziehende, die im Home Office auch das Distance Learning ihrer Kinder begleiten? Wie werden diesen Winter insgesamt die Menschen in den Sommerzelten auf Lesbos erleben, wenn er kommt – und er kommt…? Ich habe so wenig Antworten auf all diese Fragen…

Christmas‘ little helpers

Ich weiß so vieles nicht. Bringe mich hier ein. Und da. Meine Tochter schlägt für ihre Tochter vor, einen familiengefüllten Adventkalender zu gestalten, der die Familie zumindest in der Erzählung zusammen hält. Was für eine großartige Idee. Die Urgroßmutter schickt ein Bild vom Hund. Wir schicken Bücher und die von ihr so heißgeliebten Tiere, mit denen sie jedes Mal spielt, wenn sie zu Besuch ist. Und bestimmt wird sich auch ein kleines vorweihnachtliches Wesen aufmachen und ihr diese Zeit verschönern. Vorweihnachtliches Konsumrauschen kenne ich in meiner Familie nur vom Hörensagen. Und wir werden nicht ausgerechnet heuer damit anfangen.

Winterelf

Bevor ich mich jetzt auf den Weg mache, um unter dem Nebel nach oben in die Sonne zu kommen, füge ich dir noch ein paar Fotos vom letzten Sonnenanbeten in den Bergen mit. Und von einem vorweihnachtlichen Elfchen, das bei einem planetaren MAL meiner puppenmachenden Schwestern Astrid und Pam entsteht – vielleicht hast du ja Lust, dich zu beteiligen. Ich schicke dir gerne den link, wenn du mich kontaktierst!

Alima, Anna und die Amsel

Grüne Augen sind selten, sagen die erwachsenen Menschen. Grüne Augen mit gelben Sprenkeln sind möglicherweise noch seltener. Alima hat heute keinen guten Tag. Ihre Augen sind dunkelgrün. Ein bisschen wütendes Lila blitzt auch aus ihnen. „Nein, heute wird nicht getanzt und gesungen, heute besuchen wir deine Großmutter und bringen ihr einen Kuchen. Sie feiert Geburtstag! Iss dein Frühstück!“ Mama tanzt durch die Küche, summt ein Lied vom Sommer und von dem Mann, der dort am Tor auf sie wartet. Mama darf natürlich tanzen. Sie ist ja schon groß. Keiner sagt ihr, wann sie zu frühstücken hat. Welches kratzige Kleid sie heute anziehen soll. Und wie sie die Haare zusammenbinden muss, damit sie ihr nicht in die Augen hängen.

Alima und Ann

Alima löffelt den süßen Haferbrei in sich hinein. Bei Oma riecht in letzter Zeit alles komisch. Sie liegt den ganzen Tag im Bett und steht nicht auf. „Es zahlt sich nicht mehr aus. Am Abend muss ich sowieso wieder früh schlafen gehen. Also bleibe ich gleich liegen“, sagt sie oft zu Mama. Mama verdreht dann die Augen. Sagt nichts dazu und liest Oma aus der Zeitung vor. Lesen kann Oma nämlich auch nicht mehr. Sie hat beim Sturz ihre Brille zerbrochen. „Ich brauche keine Brille mehr, ich bin schon alt“, sagt sie zu Opa. Der ärgert sich, weil jetzt er das Geschirr abwaschen, den Boden kehren und die Einkäufe erledigen muss. „Werde du mal endlich gesund“, brummelt er oft. Und stöhnt und jammert.

Alima wartet auf den Winter

„Kommt Anna auch zum Geburtstagsfest?“ fragt sie ihre Mama. Anna ist die Tochter der Nachbarin, die manchmal für Oma einkaufen geht, wenn Opa sich zum Kartenspielen mit seinen Freunden trifft. Und Anna spielt Geige. Alima darf manchmal zuhören, wenn Anna ein Konzert gibt oder für eine Prüfung übt. Alima’s Papa spielt Gitarre und singt. So gerne würde Alima wieder einmal alle zusammenbringen und miteinander musizieren lassen. Dann könnte sie dazu tanzen. So wie damals beim Sommerfest, als plötzlich die Besucher Trommeln und Flöten und Gitarren und sogar ein Akkordeon auspackten und die ganze Nacht am Fluss Musik machten. Alima tanzte, dass ihre Zöpfe nur so flogen. Sie hat ein Foto geschenkt bekommen, das zeigt, wie sie zwischen den Feuerfunken wirbelt.

Alima und der Winter

„Bist du endlich fertig Alima? Hast du schon Zähne geputzt und die Schuhe hergerichtet, über die wir gestern Abend sprachen?“ Mama hat rote Flecken im Gesicht und am Hals. Das sind klare Anzeichen, dass sie jetzt gleich sehr grantig wird, wenn etwas nicht funktioniert. Alima isst ganz schnell zu Ende. Räumt ihr Geschirr in den Geschirrspüler, fetzt ins Badezimmer und steht in kürzester Zeit fix und fertig angezogen vor ihrer Mama. „Fertig Mama! Wir können dann fahren!“ Mama drückt sie kurz an sich. Papa ist mit dem blitzsauberen Auto aus der Waschanlage gekommen und wartet vor der Haustür. Seufzend schnallt Alima sich an und das Auto fährt los. Hoffentlich, hoffentlich wird das kein fader Nachmittag…

Alima und der Herbst

Und wer steht vorm Haus, stützt sich auf einen Stock und winkt, als sie rückwärts in der Einfahrt einparken? Oma und Opa strahlen um die Wette, als Alima jubelnd auf die beiden zustürmt. „Oma, du bist ja wieder gesund“, lacht sie. „Wurde auch Zeit, ich hatte schon Häute zwischen den Fingern vom vielen Geschirr abwaschen“, schimpft Opa. Er lächelt aber. Oma drückt ihre Enkelin fest an sich. Sie riecht wieder so wie früher. Nach Orangenblüten. „Kommt jetzt, Geburtstagtorte futtern, ab in den Garten“, lacht Mama. „Alima, hallo, ich habe schon so auf dich gewartet“, ruft Anna, die mit ihren Eltern am Griller steht.

Alima, die Neugierige

Würde jetzt jemand in Alima’s Augen sehen könnte er erkennen, dass sie hellgrün strahlen. So glücklich ist sie. Ihre Füße fangen wie von selbst an, zu springen. Sie hört den Gesang der Amsel am Nachbardach und muss sich zu der süßen Melodie drehen und winden und um die Gartenbänke unter den alten Obstbäumen tanzen. Lachend zieht sie Anna mit sich. Aus den Augenwinkeln sieht sie, wie Papa die Gitarre aus dem Auto holt. Die Melodie der Amsel nachsingt, Akkorde zupft und sich zur Musik wiegt. Alima singt zur Amsel am Hausdach hinauf. Die Amsel antwortet ihr mit einer neuen Melodie. Die Natur hält den Atem an bei dieser wunderbaren Musik. Von diesem Abend werden die Menschen noch lange erzählen…

Alima macht sich auf die Reise

Loslassen in Schritten

Festzustellen, dass es im ganzen Haus keinen Messbecher mit exakterer Einteilung als Viertel oder Halb gibt liegt einerseits am Chaos, das wir derzeit als unser „Normal“ bezeichnen. Und andererseits am Loslassen. Denn ziemlich sicher habe ich in in den letzten Wochen mindestens einen Messbecher verschenkt, verflohmarktet oder entsorgt. Kennst du ja. Lässt du nach Jahrzehnten irgendwas endlich los – dann brauchst du es. Garantiert. Da kann ich persönlich Gift drauf nehmen.

Herbst am Acker

Egal. Ich übe mich weiter im Loslassen. Einem freiwilligen Loslassen und einem Loslassen in Schritten. Niemand zwingt mich, ich mache das aus freien Stücken. Mit den dazu gehörenden Auf und Abs von weinerlichem Gejammer bis zur überschäumenden Begeisterung über die Erleichterung vom Losgelassenen.

Leo der Halbstarke

Ganz anders als die Menschen in den Zelten auf Lesbos, die ihr bisschen Hab und Gut vor Regen, Wind und menschlichen Übergriffen schützen müssen. Ja, ich bekomme das mit, ich lebe nicht im Elfenbeinturm der kindlichen Kaiserin von Michael Ende. Und nein, es ist mir nicht wurscht, wie es anderen Menschen geht. Es zerreißt mir das Herz. Es macht mich wütend. Und dankbar, einen winzigkleinen Beitrag leisten zu können, weil es Menschen gibt, die aktiv werden. Zivilgesellschaft. Und ich weiß es ein bisschen mehr zu schätzen, wie gut es uns hier in Österreich geht. Falls es dich interessiert, wie es auf Lesbos zugeht und wie du in dieser aussichtslosen Lage (nein, parteipolitische österreichische Lippenbekenntnisse und Werbefotos in Athen sind keine Hilfe) in Europa doch mithelfen kannst, lies bei Doro Blancke am Blog mit. Wir. Sind. Europa. Wir alle.

Forschergeist

Bis wir in einem oder zwei mobilen tiny houses mit Werkstatt leben und dann später auch unterwegs sein können, wird noch ein wenig Wasser die Gurk hinunter rinnen. Weder beneide ich meinen Mann um all die (geerbten) und angesammelten Dinge, die nun in neue Kanäle kommen müssen. Noch beneide ich mich selbst, wenn ich mich von geliebten Büchern trenne. Meine größte Hürde. Bücher. Und schöne Stoffe. Außer – tja, außer ich finde so geniale Interessierte, die noch immer vorbei kommen. Oder wie die Menschen in der Leihbibliothek unserer Freund*innen von Verantwortung Erde, die sich wie verrückt über Lesestoff freuen, der mir viele neue Erkenntnisse im Leben öffnete. Nun dient dieser Lesestoff vielen, vor allem jungen Forscher*innen und am Leben Begeisterten. Und das erhöht den Wert eines Buches in meinen Augen enorm. Wäre doch eigentlich überhaupt eine gute Sache, dieses Ausleihen, Herborgen, sich gegenseitig austauschen. Auf allen Ebenen. Je mehr wir in dieses Schenken kommen, desto mehr Möglichkeiten tun sich für uns auf. Und viele Dinge werden wir wieder in die Hand nehmen, weil wir sie geschenkt zur Verfügung stellen. Cool, oder?

My Home is my Wohnwagen

Wofür ich den Messbecher brauche? Ja, genau. Neben Haus ausräumen, im Haus in die kleine Einliegerwohnung mit Küche und Bad zu siedeln und die Werkstatt wie ein tiny house einzurichten arbeite ich konzentriert und intensiv an meinen Kreaturen. Neben mir quillt Paper Clay im Gefriersackerl vor sich hin. In der hoffentlich korrekten Konsistenz, um daraus Köpfe zu formen. Mein Retreat, der so wunderbar geleitete und begleitete Workshop bei Johanna Flanagan und das Buch und Kennenlernen der amerikanischen Puppenmacherin Barb Kobe lösen einen Paradigmenwechsel in meinem Tun aus. Rückblickend sehe ich, dass es kostbar und wertvoll war, Zwerge zu stricken. Wesen für Kinder zu filzen. Zu nähen. Zu stricken und zu häkeln. Mir Methoden anzueignen, mit den Händen Techniken auszuprobieren. Von Anfang an ging es mehr um Wesen als um Puppen. Und vor allem ging es darum, wie ich mich dabei fühlte. Was ich beim Erschaffen dieser Wesen empfand. Und wie intensiv Menschen worauf reagierten. Auch jetzt, auf die ganz neuen Wesenheiten.

Para del Sol

Egal, wie in meinem Leben ich mich künstlerisch betätige, ich komme immer an diese Tür, hinter der es darum geht, ehrlich, tief und im Dreck zu stochern. Das war beim Fotografieren so. Das war beim Schreiben so. Und nun geschieht das mit meinen lieben und netten Wesen. Noch drehe ich mich im Kreis und weiß vage wie ich es angehen könnte, „schiache“ Wesen zu machen. „Schiach“ ist österreichische Mundart und bedeutet Grauslich, Erschreckend und „Ich-will-gar-nicht-Hinschauen“. Gemeinsam mit einer Freundin wage ich mich in die tiefsten Tiefen unseres jeweiligen Unbewussten. Hinunter zu Glaubenskonzepten, Bildern und erlernten Annahmen, die wir so gern als „wahr“ und „normal“ betrachten. Aber auch hinein in eine magische und mystische Welt, die ich gerne ablehne, weil sie mir aus so vielen esoterischen und energet(h)ischen Kreisen wie ein fader Abklatsch dessen erscheint, worum es im Leben geht. Ums ganze Leben, nicht nur um die Rosinen im Kuchen. Um Erfahrungen. Und ums Hinschauen.

Eine Gartenelfe auf Wanderschaft

Parallel arbeite ich weiter an meinen Stoffpuppen, die mich erfreuen und von denen ich mich auch trenne, falls jemand Herzkopfen bekommt und sie gerne haben möchte. Einfach bei mir melden – du findest mich wie gewohnt auf Instagram, Facebook und Linkedin.

Wilder Wein

Für heute lasse ich dir ein paar Bilder unseres wunderschönen Gartenraumes und des daran anschließenden Waldes da. Sehr inspirierend, wie üppig die Farben noch einmal werden, bevor der Winter und die Kälte der Natur die meisten warmen Farben entzieht.

Eierschwammerl

Retreat und Wiederkehr

Wenn sogar meine eigene homepage mich nicht wieder erkennt, dann könnte das bedeuten, dass ich eine Weile nicht hier war. Ja, ich hatte einen wunderbaren fünfwöchigen Rückzug inklusive allen Schritten, die ich mir seit Beginn des Puppenmachens vor drei Jahren für mich wünschte. Danke liebe Johanna für deine feinsinnige, zurückhaltende und inspirierende Begleitung durch deinen e-mail-Workshop. Deine Lektionen werden ihre volle Wirkung entfalten, ein bisschen etwas ist schon zu spüren. Sich erfolgreich dagegen zu wehren, einen bestimmten Schritt zu machen, ist eine Sache. Und ihn dann zu machen, weil der Raum geschützt genug ist, eine andere. Das nenne ich dann Geschenke des Lebens.

Wenn frau sich auf den Tag genau am letzten Workshop-Tag einen Zehenknochen bricht, dann hat das auch etwas zu bedeuten. Geduld? Ja, aber flott. Das wäre meine Devise. Mein Körper sagt allerdings „autsch“ bei jedem Schritt zu viel und zwingt mich in eine Ruhe, die ich selten habe. Ist ja nicht so, dass ich nicht auch gerade jetzt ganz viel zu schleppen hätte, um unser Haus aus- und für die nachfolgenden Besitzer*innen frei zu räumen. Hätte. Könnte. Würde. Ich habe aber hier zu sitzen und mich weiterhin in meinem Atelier meinen Wesen zu widmen. Den alten. Und den neuen. Und diesen Fuß hoch zu lagern, der das sonst schmerzhaft einfordert. Auch so ein kleines Knöchelchen hat seine Wichtigkeit in der großen Kunstform „Körper“.

Hier an meinem Arbeitsplatz steht Ricarda Rose und trällert und singt. Wir hatten heute schon intensive Gespräche wegen frierenden, schmalen Schultern. Sie erinnerte mich – seeehr vorwurfsvoller Blick unter dem Rand des riesigen Häkelhutes mit den Riesenblüten – an einen nassgefilzten Stoff, der eine Lampe hätte werden sollen. Der doch jetzt perfekt und wunderbar um ihre Schultern… Okay, so läuft das. Ich stelle mein Atelier auf den Kopf. Finde das Prachtstück. Grabe einen Schnitt der wunderbaren Jill Maas aus, der Ricarda Rose den Körper verleiht. Mache einen Bolero. Nähe einen riesigen Knopf an. Ich sehe aus den Augenwinkeln, dass sie murmelt und nickt und an den Blüten ihrer Gartenschürze herum zupft. Also passt es. Und seitdem – singt sie. Oder übt sie? Jedenfalls schmettert sie Arien. Mit den Kohlmeisen und dem Buntspecht um die Wette, die schon rund ums Vogelhäuschen fliegen. Es könnte ja schon was da sein für die Körndlspezialisten, n’est pas? Die schmale Ricarda Rose jubiliert. Vom Herbst, der jetzt ein bisschen arg schnell kommt. Vom Häuschen, das ich jetzt ein bisschen flott putzen soll – das mit der roten Eingangstür. Weil lang, lang kann sie nicht mehr „Bin im Garten“ an der Türe hängen haben. Die Nächte sind schon sehr kühl. Der Morgennebel ist sehr feucht. Und außerdem hat der kleine Tiger-Halbstarke Leo sie aufgestöbert und maunzt sie an, dass sie endlich mit ihm auf Mäusejagd gehen soll. Wo sie doch Veganerin ist. Sieht man an ihrer Hautfarbe. Schafgarben-Buchenblatt-Wegerich-Gün. Und nur Pflanzen und Tautropfen verträgt. Eijeijei. Ein strenger Blick trifft mich. Ob mir ihr Gesang vielleicht nicht gefalle? Sie könne auch gehen und ihre Musenqualtiät in den Gartenkorb packen. Zu den schönen letzten Lilien, die sie gepflückt hat. Weil pflanzen lasse sie sich nicht. Auch nicht von mir.

Ihr seht, immer was zu tun hier im Atelier. Oder ein paar Stengel grad zu biegen. Ich lasse euch noch ein paar Fotos hier von Ricarda Rose und von Marie Fitzgerald und ihren Freundinnen. Die beiden meiner englischen Damen haben mich ganz überraschend verlassen. Aber ich kann sie besuchen, sie sind in Kärnten geblieben. Danke Maria Regina und Melitta, dass ihr ihnen ein neues Zuhause gegeben habt. Und falls Marie Fitzgerald auch so viel singt – bringt sie raus in den Garten. Die nächste Gärtnerin schweigt vielleicht. Sag ich jetzt mal, so aus dem Bauch heraus. Wir werden dann eh sehen…

Der Hugo und der Herbst

Als Marie Fitzgerald gestern Abend waschelnass und heulend mit ihrem sperrigen Koffer vor der Tür steht, schüttelt Ethel Rose erst einmal den tropfenden Regenschirm in die Nacht. Dann holt sie den guten schottischen Whiskey unter der Abwasch hervor. Ihr ganz besonderes Fensterputzmittel für ganz besondere Anlässe. Jetzt hat sie eh schon Ewigkeiten nicht mehr getrunken. Also mindestens seit ihrem Geburtstag. „Dieser Schuft hat seit Jahren eine Beziehung, wenn er auf seine Baustellen fährt“, schluchzt Marie ins zweite halbleere Glas. Und so weiter und so fort. Wie gemein. Wie verblödet diese Männerwelt ist. Ab jetzt lebt sie nur mehr mit Frauen. Und Basta. Ob sie nicht Platz für sie hätte in der großen Wohnung? Sie brauche eh nur ein Bett. Und vielleicht einen Kasten. Den Rest könne man doch teilen. Ethel Rose trauert dem Abendkrimi hinterher, den sie gerade verpasst. Freundin ist Freundin. Sie nimmt sich vor, eine Stunde widerspruchslos zuzuhören. Reicht wortlos ein Schneuztuch nach dem anderen. Füllt Gläser nach. Zündet eine Kerze an. Steht ein Weilchen am offenen Fenster und saugt gierig die regenfrische Luft ein. Viele dramatische „Mhmmmms“ und „Oh mein Gott, wie kann er nur“ später ruft sie den Pizzadienst an. Brokkoli und Pilz und ohne Käse bitte. Marie will alles. Plus Ananas und extra viel Mozarella und Oliven und Artischocken. Und pronto.

Heute Morgen bemüht sie sich, das Chaos in der weißen Küche zu entfernen. Sie haben sogar gequalmt, der Whiskey hat ihren Verstand benebelt. Zum Glück wollte Marie ihren Freund dann doch nicht anrufen. Sie lallte schon. Dankbar genießt sie den heißen Bohnenkaffee mit Hafermilch in der Rosentasse und überlegt, womit sie ihrer Freundin heute eine Freude machen könnte. Sie rührt noch einen Löffel braunen Zucker ein. Die glühenden Nadeln in ihrem Kopf weichen bleierner Müdigkeit. Aber heute kann sie sich nicht ins Bett legen. Dort liegt Marie und schnarcht ihren Rausch aus. „Hast du Lust, heute mit Marie und mir ins Einkaufszentrum zu gehen und zu shoppen?“ fragt sie Eloise. Sie ist die Erste, die heute zu erreichen ist. Als die Freundin die Geschichte des gestrigen Abends hört, ist sie voller Verständnis. „Aber shoppen? Mit Nasen-Mund-Bedeckung? Und müssen wir für den Frühstücksprosecco dann mit oder ohne Schutz zum Italiener gehen?“ Alles klar. So wird das nichts. Sie ruft Claire an. Unterbreitet auch ihr den Vorschlag, um die gemeinsame Freundin ein wenig von ihrem Schmerz abzulenken. „Quatsch“, lacht Claire. „Ich habe gestern so eine coole Doku gesehen. Wir packen jede fünf ausrangierte Teile in eine Tasche, die uns nicht mehr passen. Schuhe, Taschen, Kleidungsstücke. Aber sie müssen noch schön sein. Und wir machen einen Kleidertausch, bei dir daheim. Das sah gestern voll spannend aus“, sprudelt sie ins Telefon. Sie bringe Frühstück und Prosecco mit. Eloise sei natürlich auch eingeladen. Je mehr kämen, desto lustiger wäre so etwas. Haben sie in der Doku gesagt. Seufzend lässt Ethel Rose das Handy sinken. Als sie aus den Augenwinkeln das Aufblinken des Displays sieht, schaut sie in ihren Facebook Newsfeed. Und siehe da. Google schlägt vor, endlich mal wieder beim Versandriesen nach Kleidung zu suchen. Hört dieses Handy mit? Sie schickt Eloise eine Whatsapp Einladung zum späten Brunch und beschließt, sich eine Dusche zu gönnen. Beine enthaaren ist sowieso dringend nötig. Nicht auszudenken, wenn ihre Freundinnen sehen, wie nachlässig sie mit der Entfernung ihrer Körperbehaarung ist.

Als sie den Rumpler aus dem ersten Stock unter ihren Füßen in der Duschtasse spürt, spült sie gerade das Shampoo aus ihren Haaren. Dann hört sie auch schon, dass Marie weint. Na prima. Rettung. Krankenhaus. Drama. Kleidertausch findet heute eher nicht statt. Während sie dem Notarzt ihre Adresse durchgibt, versucht sie Marie vom Boden hochzuhelfen. Dann reicht sie ihr in einen bequemen Pullover und Leggings und beide sehen, wie angeschwollen der linke Knöchel ist. „Lass uns das jetzt von einem Arzt anschauen“, beruhigt sie die aufgeregte Freundin, die auf keinen Fall ins Krankenhaus will. „Und am Nachmittag, wenn du wieder daheim bist, haben wir eine Überraschung für dich!“

Als die Sanitäter Marie mit dem Rollstuhl aus der Wohnung fahren, verschiebt sie den Kleidertermin auf den Nachmittag. Ja, Prosecco ist auch am Nachmittag gut. Mit Hollerblütensirup und Minze einfach perfekt. So ein Hugo hilft sicher, den anderen Hugo zu vergessen. Oder wie der hieß. Als sie zum Bus rennt, um ins Krankenhaus zu fahren, rutscht sie fast aus. Der ganze Boden ist voller nasser, gelber Blätter. Der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen.

Leben, wo andere Urlaub machen

Frühstücks.Raum

„Frühstücken? Es ist so schön im Garten… Und ich möchte gleich jetzt die Puppenhaare machen…“ „Wir haben ein paar Tage kein Kind, komm. Lass uns was unternehmen. Und der Termin um 11 Uhr… Oder soll ich uns wirklich nur was vom Bäcker holen?“ First World Problems in Stoberdorf. Es ist am Morgen schon ganz schön warm. Wir sollten vielleicht. Wirklich. Könnten endlich mal. Müssten das ausnutzen. Na gut. Längsee. Wir frühstücken am Längsee, schauen in welchem der zwei Bäder mein veränderungsbegeisterter Cafetier-Freund mit seiner Genuss-Schmiede gelandet ist. Und dann sofort wieder nach Hause. Weiterarbeiten.

Halbzehn. Bei der Strandbadkasse stehen die Menschen wie in England an. Schön brav hintereinander. Corona sei Dank. Der Parkplatz ist voll. Huch. Um diese Zeit schon. Schlossbad Parkplatz, ein paar hundert Meter weiter. Die Parkplatzreihen sind nicht ganz so dicht gefüllt. Und yes. Genuss-Schmiede Taupe steht an den neuen Holzwänden. Hier sind wir richtig. Jetzt muss es nur noch ein Frühstück geben und unser Morgen ist gerettet. Klar dürfen wir nur auf einen Kaffee hinein, sagt die freundliche junge Frau an der Badekasse. Der Umbau hat dem alten Bad sehr gut getan. Ich war lange nicht mehr hier. Von wegen, dem Wasser ist es egal, welche Figur ich habe. Ich hadere ein bissel mit mir und meinen Denkmustern. Kurz. Es ist viel zu idyllisch. Der Liegeplatz ist locker gefüllt, der Steg mit den zwei Tretbooten und einem Kanu mehr oder weniger leer. Drinnen ist es hell, viel Holz, riesige Fenster. Auf der Terrasse die vertrauten Möbel aus der Stadt. Blick zum See. Geruch nach See. Nach Sommer. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens“, strahlt Harald Taupe, Chef der Sommeridylle und Herr über mobilen Backofen, Reindling und die g’schmackigste Schlossbad-Essenskarte, die ich bisher an diesem Platz erlebt habe. Einmal mehr sind wir uns einig, dass die einzige Sicherheit im Leben die Veränderung ist. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Plus Durchhalten. Plus zur Kenntnis nehmen, wer bei Veränderung mitgeht und wer Widerstand leistet. Und weiter leben. Wir kommen mit Familie und Freund*innen wieder, das ist ein Versprechen. Inklusive Hupfer in den spiegelnden See. Ich könnte ja eines meiner textilen Wesen einpacken und daran in anderer Umgebung weiter arbeiten. Inspiration hat viele Gesichter…

Stadt.Raum

Während mein Liebster seinen Termin wahrnimmt, erledige ich ein paar Wichtigkeiten in der Stadt. Tausche mich am Markt mit meinem Seelenbruder über das Leben aus. Vereinbare den Launch meiner homepage für September. Finde in unserem tollen Kunstgewerbegeschäft am Hauptplatz exakt die Ölpastellkreiden, die ich für die nächsten Schritte in der Textilwerkstatt brauche. Und bin viel zu schnell fertig. Einer der wenigen Schattenplätze in einem Café am Hauptplatz muss gegen coronaleugnende Einheimische verteidigt werden, die nicht glauben wollen, dass sie mir mit Tisch und Stühlen nicht so nahe rücken sollten wie sie es gerne möchten. Gell, die Cafétiers der Stadt werden sich schon was dabei gedacht haben, wie sie ihre Tische und Stühle platzieren. Auch diese Übung gelingt. Drei Hochzeiten und ihre aufgehübschten Gesellschaften sehe ich an diesem Samstagvormittag. Streetfood, Bauernmarkt, Flohmarkt. Wären da nicht immer wieder Mund-Nasen-Bedeckungen zu sehen, könnte mensch glauben, alles ist wie immer.

Kunst.Raum Bahnhof

Nein. Es reicht uns noch nicht. Es ist schön, unter Menschen zu sein. Mit Abstand, was ich sowieso liebe. Unsere niederösterreichische Freundin hat uns auf eine Gartenausstellung irgendwo am Wörthersee hingewiesen. Und heute Morgen sehe ich, dass Klakradl im Kunstbahnhof Wörthersee Station machen. Wir lassen uns treiben, wie wir uns sonst auf unseren Sommerreisen treiben lassen. Meiden Autobahnen und Schnellstraßen und fahren gemütlich durch die Mittelkärntner Landschaft. Schön ist es hier. Mit ordentlicher Verspätung genießen wir noch ein paar musikalische Leckerbissen der vier Vollblutmusiker*innen, treffen eine Facebook-Bekannte und vereinbaren einen realen Besuchstermin in unserem Paradies. Plauschen mit Freund*innen. Und lassen uns weiter treiben.

Kunst.Raum Hof

Unseren Hunger stillen wir zwei Reisenden stilecht mit veganer Kost aus dem Supermarkt. Wie leicht das mittlerweile geht. Sitzen gemütlich im Schatten unseres Kofferraums unter einem Baum. Und machen uns auf den Weg zu unserer Freundin. Lachen und stellen fest, dass Beginnzeiten für uns Richtwerte sind. Und kommen auf die Minute pünktlich zur Eröffnung des schönsten Kunstevents an, das ich persönlich bisher erlebt habe. Okay. Stimmt. Ich habe noch nicht so viele Ausstellungseröffnungen erlebt. Dieser Virus zwingt Menschen, neue Formate zu entwickeln. Von mir aus dürfen auch in Zukunft gern Ausstellungen und Konzerte in Scheunen, sich öffnenden Gärten und Innenhöfen, auf schwimmenden Bühnen und zu Hause bei den Menschen stattfinden. Elitäre Vernissagen in heiligen Hallen waren und werden nie so ganz meine Sache sein. Kunst zu den Menschen zu bringen schon viel mehr. Als Newbie in diesem Bereich genieße ich es, ein paar Gesichter zu vertraut klingenden Namen aus der Kärntner Kunst- und Kulturszene direkt zu erleben. Natürlich merke ich mir erst mal gar nichts. Aber das wird schon werden. Wir genießen bildende Kunst, Musik, ein tolles Buffet, gute Gespräche und die Umgebung. Danke ihr Menschen!

Kunst.Raum Waldarena

2015 waren wir hier zum ersten Mal. Damals, als so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Grauen nach Europa und nach Krumpendorf in eines der ersten Auffanglager kamen. Und auch in Krumpendorf die Wogen hoch gingen wegen Ängsten vor den Veränderungen, die bereits stattfanden. Nie werde ich dieses bunte Fest vergessen, das spätere Freund*innen hier veranstalteten. Unser ganzes Leben hat sich 2015 verändert. Und mit diesen fünf Jahren Erfahrung sitzen wir heute abschließend und für uns selbst überraschend auf den Holztreppen der Waldarena. Und lauschen den feinen und den rockigen Klängen unserer Freunde Elke, Harald und David. Schön mit Abstand, ja klar. Gerne. Das Sonnenlicht wird weniger. Ein langer Tag geht zu Ende, der sich so anders entwickelt hat als wir dachten. Morgen. Morgen sitze ich wieder an meinem Puppen. Heute war ein anderer Tag.

Ethel Rose

Es ist Sommer. Es sollte heiß sein. Ist es aber nicht. Dieser Sommer verschont die Menschen vor so vielem. Vor Sonnenbrand. Hitzekoller. Vorm unnötigen Wegfahren. Vorm unnötigen Geldausgeben. Seufzend sitzt Ethel Rose in ihrer englischen Küche mit den weiß lackierten Holzstühlen. Vor dem Rosenteegeschirr mit dem zweiten Darjeeling. First Flush. Und vor der letzten Pfingstrose dieses Sommers, die sie vor dem nächsten Regenschwall abschnitt und in die Küche herein rettete.

Ethel Rose

Ethel Rose will heute endlich einkaufen gehen. Das Mandelmus ist aus. Und ohne Mandelmus schmeckt der ganzen Familie das vegane Curry nicht. Der Tipp kommt von ihrem besten Freund Till, dem Mann ihrer besten Freundin Claire aus dem Nachbardorf Kleinau. Seit der IT Experte coronabedingt zu Hause im homeoffice arbeitet, kocht er. Manchmal. Wenn ihn Claire lässt.

Ethel Rose

Sie träumt vor sich hin. Der letzte Urlaub in St. Yves liegt schon viel zu lange zurück. Eine Tigermücke singt ihr ins Ohr, wie gern sie an ihrem Blut naschen würde. Sie erschrickt. Springt auf. Einkaufen. Sie schnappt sich die fast leere Liste. Hafermilch macht sie heute noch selbst, wenn sie ihre Enkelin aus dem Kindergarten geholt hat. Und eigentlich hat sie keine Lust, hinaus zu gehen. Die Sonne scheint durchs Küchenfenster herein. Das könnte nach all dem Regen einen Putzdurchgang brauchen. Und außerdem…

Ethel Roe hat nicht damit gerechnet, dass ihre besten Freundinnen Claire und Eloise an ihren zweiundfünfzigsten Geburtstag denken. Heute. Niemand sollte daran denken. Über fünfzig. Sie geht auf die sechzig zu. Unfassbar! Als sie am späten Nachmittag vor ihrer Tür stehen und sie mit Champagner und Gladiolen überraschen, helfen keine Einwände. Die drei Freundinnen werden an diesem Abend nicht nur ihren Fünfuhrtee stilgerecht zu sich nehmen. Genauere Details dieses Geburtstags sollen noch lange Zeit hinter vorgehaltener Hand weiter erzählt werden…

Tierisches und Menschliches aus dem Paradies

Wir sitzen im Morgenlicht beim Frühstück vor meinem Atelier. Beim mehr oder weniger veganen Frühstück. Eine der grundsätzlichsten Umstellungen, die dieser Virus mit sich brachte, war die der Ernährung. Wir haben den Wechsel vom tierischen Eiweiß zum pflanzlichen Eiweiß noch keinen Moment bereut. Danke an meine Tochter Isabella. Ihre Konsequenz ist es, die diesen schon länger im Raum stehenden Wunsch möglich macht. Danke auch an meinen Mann, der seine Kreativität so geduldig in der Küche ausübt. Seine Barista-Hafer-Milch im Kaffee ist mittlerweile genauso gut wie die im Packerl. Wir essen noch ab und zu ein Sonntagsei von unserem Lieblingsbauernladen, weil es den Tieren dort gut geht. Auch der „eigene“ Honig wird löffelweise geschätzt. Vor allem von den beiden Männern, die Süßes lieben. Aber Käse und Milch oder Fleisch aus einer Industrie, die Tiere und Menschen derart schlecht behandelt, kaufen wir nicht mehr. Mittlerweile kann ich beim Einkauf auch den Käse im Kühlregal ohne Wehmut ignorieren. Die Aufstriche aus Sonnenblumenkernen, Bohnen und Sesammus schmecken ohnehin interessanter. Derzeit sind wir auf der Suche nach den entbitterten Lupinenprodukten. Einmal mehr. Vor acht Jahren scheiterten wir am Angebot. Mittlerweile haben vor allem junge Menschen gute Vorarbeit geleistet und die Produktpalette heimischer Anbieter wird größer.

Die Terrasse vor meinem Wohnwagen bricht nach fünf Jahren witterungstechnisch zusammen. Also sind wir mit Sack und Pack für die gemeinsamen Sommermahlzeiten in meinen neuen Gartenraum vorm Atelier umgezogen. Alexander mäht heuer entgegen unseren Permakulturwerten jene Flächen sehr kurz, an denen wir uns oft aufhalten. Der tägliche Zeck‘, den vor allem ich mir aus der Haut ziehe, ist normal geworden. Ich kann zuschauen, wie die Kleinsttiere über meine Schuhe die Wadeln entlang an mir hochkrabbeln. Mittlerweile reagiere ich nicht mehr so hysterisch sondern schätze gute, präzise Zeckenzangen. Und eine gut desinfizerende Creme, die wir von einer Reise aus Südtirol mitgebracht haben. Brennt höllisch. Lindert aber den Juckreiz und verhindert erfolgreich eine Entzündung. Seit gestern sind an zwölf Plätzen Zeckenrollen verborgen. In der Hoffnung, dass Mäuse, die Ursprungswirte, tatsächlich die mit dem Wirkstoff der Chrysanthme präparierte Watte in ihre Nester tragen und wir das überwältigende Zeckenwachstum eindämmen können. Die Zecken scheinen überhaupt keine natürlichen Fressfeinde mehr zu haben. Und die milden Winter tragen das ihre zu ihrer rasanten Vermehrung bei.

Salat aus dem Garten

Apropos Tiere: nach den Fliegen im Herbst und im Frühling haben nun Waldameisen Gefallen an meinem Atelier gefunden. Ich bin mir nicht sicher ob wir es geschafft haben, das Atelier genau an ihren natürlichen Arbeitswegen zu platzieren. Oder ob sie die Schafwolle lieben. Oder mich. Was unwahrscheinlich ist. Und einseitig. Jedenfalls – ziehen sie seit Wochen quer durch mein Atelier oder fallen mir von oben auf den Kopf. Vielleicht müssen wir doch noch einmal ausrücken und all die Ritzen und Lücken abdichten, die im Vorjahr offen geblieben sind. Einen Versuch wäre es wert.

Königskerze an Mohnblüte

Der heurige Noch-Nicht-Sommer mit Regen, angenehmen Temperaturen und irr schwülen Hitzetagen macht, dass es im Garten gefühlt subtropisch zugeht. Stoberdorf war, wenn ich den Erzählungen von Alexander’s Kindern zuhöre, schon immer ein wucherndes Paradies. Heuer ist der Garten kaum mehr zu bändigen. Die Wegwarte, die ich vor zwei Jahren bewusst setzte, weil sie mir hier so fehlte, bildet einen dichten Waldzaun vorm Haus, in dessen Schatten unsere Katzenmama ihre Babies stillt. Jeden Morgen freue ich mich, wenn ich an dieser Hecke entlang gehe und die lichtblauen Blüten sich der Sonne entgegen recken. Das ist ein Blau, das meine Seele nährt.

Regentropfen

Ich kuriere nach unserem Jüngsten die erste Sommergrippe oder den ersten Schnupfen dieses Jahres 2020 aus. Gott sei Dank ist die drückende Schwüle des gestrigen Tages mit dem Sturm und dem Starkregen des gestrigen Abends verschwunden. Meine rinnende Nase und das bisschen Temperatur sind für mich ein Zeichen eines nach wie vor gut funktionierenden Immunsystem. Trotz Angst. Trotz Vorsicht. Trotz Rücksicht auf andere, denen dieser Virus mehr schaden könnte als mir. Schon erstaunlich, dass mensch auch einen Schnupfen als erfreulich „normal“ empfinden kann…

Glockenblume

Gehandwerkt und verregnet

Genau. Es regnet. Mal wieder. Was grundsätzlich gut ist. Wenn im Garten nichts ansteht, habe ich kein schlechtes Gewissen, mich an den Computer zu setzen. Mitte Juni. Nach zwei schwülen Sommerhitzetagen zeigt das Thermometer nachwinterliche Temperaturen unter 15 Grad. Jedes weitere Wort ist überflüssig.

Regenbogen Katze

Eins und eins ergibt viele

Normalerweise stricke oder häkle ich um diese Jahreszeit nicht mehr. Viel zu heiß. Viel zu schwitzig. Aber da gibt es zwei Frauen in meinem Leben, die selbst färben, Ann und Sandra. Hier in Kärnten. Ihre Stricktreffen vor dem Lockdown waren die reine Inspiration. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Freitag genau daran wieder anschließen. Abgesehen davon, dass sie handwerklich an ähnlichen Dingen interessiert sind wie ich, haben sie meine latente Begeisterung fürs Stricken erweckt. Von wegen weibliches Handwerk. Ich darf in meinem Leben weiter unüberprüfte Vorurteile aufräumen, die sich in versteckten Schubladen ins Dunkle ducken. Stricken und Häkeln begeistert Frauen und Männer. Die Online-Community ist riesig und die gefertigten Stücke haben eine unglaubliche Qualität. Wir wissen aus der kinesiologischen Forschung, dass es dem Menschen sehr dient, beide Hirnhälften zu aktivieren. Wenn ich mit der linken und mit der rechten Hand strickend auf glorreiche Ideen komme, so hat das hirntechnische Hintergründe. Bei mir zeigt sich die Wirkung, dass meine räumliche Vorstellung erwacht. „Du bist ein Mädchen, Mädchen können nicht räumlich denken!“ Ha! Sobald ich mit beiden Händen arbeite, kann ich mir genau ausmalen, wie ich meine Strick-, Häkel- oder Nähschritte anlegen muss, um zu einem passablen Ergebnis zu kommen. Kaum flitzen die Nadeln durch die Reihen, „sehe“ ich die nächsten Schritte. Lässig, oder?

Regenbogen Raupe

Die Katze vom Regenbogen

Meine bunte Regenbogen-Katze hat es nicht (mehr) in den Shop geschafft. Sie wurde im halbfertigen Zustand reserviert und wohnt mittlerweile in Graz. Ich widme ihr hier ein paar Zeilen der Nachbetrachtung. Angefangen hat ihre Entstehung mit dem #regenbogenkal2020 einer begnadeten Wiener Strickerin. Durchaus auch gesellschaftspolitisch motiviert tummeln sich auf ihrer Plattform Frauen und Männer, die tolle Strick- und Häkelprojekte umsetzen. Eine wie ich, die grad mal mit Ach und Krach einfachste Strickleistungen hinlegt, die staunt, was mit Stricknadeln und sehr oft selbst gefärbten Fäden alles machbar ist. Socken stricken, Pullover stricken – kann sein, dass ich das im Winter angehe. Mich reizt es derzeit, mich figural auszutoben. Einfach aus dem Bauch heraus jenen Wesen Leben einzuhauchen, die auftauchen. Da sind archaische Figuren dabei. Aber auch solche, die aussehen wie Puppen. Oder eben Fantasiewesen. Alles sehr spannend und unabsehbar. Derzeit schlüpft eine bunte Drachin von meinen Nadeln. All das Vorzeichnen hat wenig genutzt. Sie wird ganz anders als erwartet. Lass dich überraschen.

Regenbogen Katze

Gequiltet und inspiriert

Mir tut es für alle an Textilem interessierte Handwerker*innen leid, die am Montag die textile artist Heike Schäfer im Villacher Revilla verpassten. Patchwork und quilten ist so viel mehr als ich dachte. Wir haben sie dreieinhalb Stunden mit unseren Fragen gelöchert. Voller Eindrücke dieses textilen Handwerks probiere ich bis zu ihrem hoffentlich stattfindenden Quiltkurs im Herbst, was mit einer Haushaltsnähmaschine und mit Handarbeit umsetzbar ist. Mittlerweile habe ich mit Hilfe einer Top Näherin herausgefunden, wie ich meine Maschine für diese Arbeit adaptieren kann.

Rückzug und Miteinander

Regenzeit nach einem langen, trockenen Winter und Frühling. Es wird und wird nicht Sommer. Als ich gestern gegen Mittag mit dem Auto losfahre staune ich. Was für ein Licht! Es nieselt. Die Sonne scheint durch die Wolken, alles schimmert. Genauso wäre es jetzt in Cornwall. Und genau dort wären wir, wenn – ja, wenn. Danke geschätztes Wetter, dass du hier in Südösterreich so ein Wetter inszenierst. Nach dem Drama-Regenbogen vor drei Tagen wundert mich gar nichts mehr.

Drei Monate bin ich jetzt auf Rückzug. Mehr oder weniger. Drei Monate, um mir anzuschauen, wer ich als Künstlerin bin. Jetzt gerade. Drei ruhige und geschenkte Monate, um viel Neues auszuprobieren. Meiner Intuition und meiner Liebe zu folgen. Drei Monate, um die Ruhe des selbstbestimmten Arbeitens zu schätzen. Und auch drei Monate um mir darüber klar zu werden, dass die Menschen in meinen Netzwerken kostbar sind und ich unsere Beziehungen hüte und pflege wie einen Schatz.

Regenwasser tropft in die Gießkanne

Unsere Politiker*innen und Expert*innen sprechen von einer neuen Normalität nach dem Lockdown. Und meinen damit, dass die Wirtschaft mit Schutzmaßnahmen wieder Fahrt aufnehmen soll. Kann. Muss. Ich, die Nichtexpertin, fürchte, sonst wäre sehr schnell sichtbar, wie fragil und ohne Fundament diese Geldwirtschaft bereits ist. All die kleinen EPUs und KMUs können ein Trauerlied davon singen.

Auch ich mache mir Gedanken. Ich schaue hinaus ins Cornwall-Licht. Es tropft und rinnt, die Gießkannen und Kübel fangen das kostbare Regenwasser auf. Fließe ich mit dem Fluss weiter wie bisher? Was ist wichtig geblieben nach der dreimonatigen Pause? Was kann ich getrost vergessen?

Mir ist im Lockdown nie langweilig. Nach zwei Wochen hört die getriebene Unruhe des „Jetzt-hab-ich-endlich-Zeit-jetzt-muss-Ich“ auf. Irgendwann bin auch ich ausreichend und ohne schlechtem Gewissen ausgeschlafen. Funktioniert mein Hirn ausgeruht wie nach einem Retreat. Der Wunsch, Wesen zu erschaffen ist nicht nur geblieben. Er ist stärker geworden. Genäht. Gestrickt. Gehäkelt. Gezeichnet. Gestickt. Gefilzt. Mit paperclay oder Draht oder zwischen Bäume gehängt. Ganz egal.

Rose

Das künstlerische und kreative Gestalten eines mir vorher unbekannten Wesens füttert eine Seite in mir, die sich immer danach gesehnt hat. Meine prall gefüllten Bücherregale sind stumme und bunte Zeugen meines jahrzehntelangen Versuches, dieses innere Sehnen zu beruhigen. Das ständige Umgestalten unseres Wohnraumes und ein paar mickrige Versuche, als Künstlerin den Fuß in die illustre Welt ernst zu nehmender Künstler*innen zu setzen, bleiben als Erinnerung. Auch Scheitern ist ein Weg. Meine Kinder und ich sind Lebenskünstler wider Willen. Und vielleicht ist das die beste Schulung, die wir erhalten konnten. Wer weiß das schon so genau.

Sobald ich in diesen Wochen und Monaten die Wunderwelt unseres Gartens oder mein Atelier betrete, bin ich schlagartig wo ich sein will. Mein Mann und ich teilen diese Liebe. Er ist fast nur mehr im Garten. Oder am Zeichentisch. Ich bin fast nur mehr im Atelier. Oder davor. Diese Arbeit mit den Händen erfüllt und nährt mich. Möglicherweise heilt sie auch still und leise, ich kann das nicht ausschließen. Ich habe überhaupt kein Problem, stundenlang nicht zu reden. Wie gebe ich dir einen Einblick in diese Erfahrung? Ich kann dir Websites empfehlen. Und entweder bekommst du Herzklopfen oder nicht. Ich kann dir Bücher borgen und dich drin blättern lassen. Doch wie schaffe ich einen Raum, dich das erleben zu lassen, was mir so gut tut?

Hollunder

Ich überlege, wie ich das in den letzten Jahren Gelernte und persönlich Erfahrene an andere Suchende weiter geben kann. Kannst du dir mit dem Kopf ausmalen wie es ist, wenn die Quelle deiner Kreativität wieder zu sprudeln beginnt? Wie es ist, wenn du Raum und Zeit und Essen und Trinken vergisst, weil du so vertief in deinen Prozess bist? Spürst du, was ich spüre, wenn ich einem Wesen den Arm annähe und es sich auf meinen Oberschenkelnd sitzend an mich drückt und ich weiche Knie kriege, weil ich so verliebt bin? Ahnst du was ich fühle, wenn Bilder und Ideen durch meinen Kopf ziehen, auf die ich beim Nachdenken niemals gekommen wäre? Aus den Erfahrungen von zwei Jahren mit Workshops weiß ich, dass das Erschaffen von Wesen keinen Menschen kalt lässt. Auch dann nicht, wenn er so ein Wesen für einen anderen Menschen erschafft, für ein Kind, eine Freundin oder als Erinnerung an einen Menschen, der ihm einmal viel bedeutet hat.

Sind Workshops die einzige Möglichkeit?

Eine sehr liebe Freundin fragt nach ihren Erlebnissen mit ihrem bei mir bestellten Wesen an, wie es anderen Menschen mit den Geschöpfen geht. Was sie erleben, was sie ihnen auslösen. Sollen wir so ein Treffen auf die Beine stellen? Die Wesen miteinander sein lassen und uns austauschen? Irgendwas in mir nickt begeistert. 

Zoom- oder Skype-Konferenzen sind eine für mich neue und durchaus funktionierende Möglichkeit, sich auszutauschen. Kannst du dir vorstellen, dein Wesen unter digitaler Anleitung zu erschaffen?Und/oder braucht es auch persönliche Treffen?

Ich träume noch immer von einem monatlichen Puppenmacher*innen-Treffen, wie wir es eine Woche vor dem Lockdown dabei waren, zu organisieren. Mal hier, mal da. Als Empowermentgruppe für Puppenliebende. Ist das noch aktuell, interessiert? Online? In echt?

Gemeinsam mit einer Freundin planen wir eine Veranstaltungsreihe mit kreativem Gestalten von Wesen, Spüren und Reflektieren. Sie ist eine gütige und weitblickende Mentorin und wir erhoffen uns von der Zuammenarbeit ganz neue Einsichten in das kreative Tun mit sich selbst. Frühestens im Herbst, so der Virus uns lässt. 

Kontaktiere mich gerne, hier in den Kommentaren. Oder via Kontaktformular

rainbow cat

Amanda R. Bowy

Meine Regenbogenprinzessin Amanda R. Bowy ist bereit, ihr buntes Licht in dein Leben zu scheinen. Hier erfährst du ein wenig mehr von ihr und mir und was uns gerade bewegt.

AMANDA R. BOWY
Ein Fantasiewesen aus der Familie der „Regalhucka“, Naturmaterialien, handgemacht, eigenes Design, Unikat

geboren am 22. Mai 2020 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 350,-
ohne Tigerkatzenbaby – just saying…
exklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt oder kann persönlich abgeholt werden

Amanda R. Bowy und der Wandel

Heute hat die Regenbogenprinzessin das Atelier verlassen. Und wie so oft bin ich ein bisschen traurig und vermisse ihren Anblick und ihre Ausstrahlung. Wenn mich meine Wesen zum ersten Mal räumlich verlassen, fehlen sie mir eine Weile körperlich. Dass Madame sichtbar sein will, ist schon im Frühling dieses schrägen Jahres 2020 klar. Ein Wesen drängt darauf, aus diesem mittelbraunen Woll-Filz gemacht zu werden, der mir zufällt. Kein Plastikindustriefilz, wirklicher, echter, richtiger Filz aus Schafwolle! Und es drängt ganz klar darauf, ein kleines Stückchen erwachsener zu sein als die meisten ihrer Vorgänger*innen. Also keine niedlichen runden Bäckchen sondern definierte Wangen. Eine besondere Nase. Volle Lippen. Und in einer Technik, die ich vor allem bei textilen Künstler*innen aus dem englischen Kulturraum bestaune und bewundere. Und die ich unbedingt ausprobieren will.

Amanda R. Bowy

Der Kopf gefällt mir. Die Augen sind sehr besonders, die Lippen sinnlich. Sie bekommt eine tolle Nase. Körper und Arme entstehen. Beine. Und trotzdem heißt es für das Wesen, einige Monate zu warten. Der Instagram #regenbogenkal2020 ist der perfekte Zeitpunkt, das dunkelhäutige Wesen wieder aus dem Korb der unerledigten Geschöpfe heraus zu holen. Und es einzustricken. Mit Regenbögen, Liebe zu Detail. Glitzer und Gloria. Von den Haarspitzen bis zu den Zehen. Es ist ein absoluter Zufall, dass zwei textile „people of colour“ auf meinem Arbeitstisch liegen, als George Floyd in den Staaten so schrecklich zu Tode kommt. Und mit seinem Sterben diese Bewegung lostritt, auf die ich gefühlt ein Leben lang warte. Ich habe heute nachgerechnet. Es ist für mich 38 Jahre her, dass wir in der Schule hitzige, tränenreiche und wütende Debatten über das Apartheitsregime in Südafrika, über Menschenrechtsverletzungen überall auf diesem Planeten führten. Uns mit Martin Luther King und der first nation und der Sklaverei in Amerika beschäftigten. Voller Scham und Wut waren über das, was Menschen angetan wird, nur weil ihr Haut dunkler pigmentiert ist als die Haut weißer Menschen. Was ist nur los mit uns Menschen, dass wir so extrem langsam lernen, dass wir als Menschheit und mit allem, was auf diesem Planeten kreucht und fleucht, engstens verbunden sind? Dass es eben nicht egal ist, wie und unter welchen Umständen für mich produziert wird, wenn dabei meine Schwestern und Brüder und dieser Planet, der unsere Grundlage bildet, ausgebeutet werden? Dass immer noch viel zu viele Menschen Hungers sterben, weil es hinten und vorne nicht reicht mit dem bisschen Geld? Unter so prekären Umständen und mit so viel Ablehnung von einer Mehrheitsbevölkerung, von der auch wir weißen Frauen nur den Hauch einer Ahnung haben?

knitted shoes

Und so geht Amanda R. Bowy im Juni, dem Monat des Regenbogens und der Queer-Community, nicht nur als Botschafterin für die grenzenlose Liebe zwischen allen Menschen hinaus in die Welt. Sondern sie passt wie ein fuzzikleines Zahnrädchen in die globale #blacklivesmatter Bewegung, die unseren Planeten rasend schnell umrundet. Und hoffentlich dieses Mal viele Menschen erreicht und berührt und nachhaltig in ihnen Veränderung bewirkt. Die heutige Demo in Klagenfurt gegen Polizeigewalt und Rassimus ist von jungen Menschen auf die Beine gestellt worden. Als junge Menschen sich auf den Boden werfen, die Hände am Rücken, und „I can’t breath“ skandieren, erfasst mich eine solche Welle von Traurigkeit, dass mir die Tränen herunter rinnen. Meinem Mann geht es ebenso. Ich kann mich den Demo-Chören nicht anschließen. Mir bleibt die Stimme weg. Diese Traurigkeit, die Ungerechtigkeit, die Erschöpfung – ich kann sie spüren. Ich baue so sehr darauf, dass die jungen Menschen von heute am Weg ins Erwachsenwerden, in die Arbeits- und Wirtschaftswelt nicht vergessen, wofür sie in Wien vorgestern und heute in Klagenfurt durch die Straßen gezogen sind. In Klagenfurt, wo meistens mehr Ordner bei Demos sind als Teilnehmer! Danke Klagenfurt! Danke ihr Menschen, die ihr euch gezeigt habt! Ihr entscheidet nun, wie es weiter geht. Ihr jungen Leute seid der Pfeil, der von unseren Bögen fliegt. Ganz frei nach Khalil Gibran. Wir werden da sein, wenn ihr unsere Unterstützung braucht.

Amanda R. Bowy

Amanda R. Bowy spricht für mich, wenn du sie im Kunst&Werk in St. Veit an der Glan besuchst. Ich bin seit heute mit meinen Wesen und ihren Geschichten Partnerin unserer ehemaligen Kolleg*innen vor Ort. Im Grunde haben wir nur den Status geändert und bleiben mit den feinen Menschen dort verbunden. Ich werde immer wieder eine meiner textilen Skulpturen mit einer Botschaft ins Geschäft setzen. Und wenn es wieder leicht möglich ist auf Möglichkeiten hinweisen, mit mir das Herstellen textiler Wesen gemeinsam zu machen. Danke Angela und Ingrid und Sultan für die heutige feine Zeit mit euch. Und danke Amanda, dass du dich heute so kurz vor deiner ersten Reise noch fotografieren hast lassen. Das hätte wir bei dieser neuen Normalität nach der Quarantäne nämlich beinahe vergessen. Die Tigerbabies lieben dich genau so sehr wie ich. let your light shine. Und ich blättere noch ein wenig im Instagram Account und lasse die Zeit mir dir im Herzen vorüber ziehen…

Fingerpuppen und andere Zeitvertreiber

Darf ich vorstellen: hier sind Finger-Wesen. Handgestrickt und etwa erwachsenenhandgroß. Teilweise bestickt und behäkelt. Mit Baumwollwatte gefüllt und aus Wollresteln gemacht. Jedes Wesen ist ein Unikat, entspringt meiner Fantasie und ist ausschließlich dazu da, dir und deinem Kind ein treuer Begleiter zu sein. Mit und ohne Coronaviren oder Quarantäne. Kein Spielzeug für Kinder unter drei Jahren, da verschluckbare Kleinteile dabei sind. Diese bunten Gesellen können vorlesen. Geschichten erzählen, verstecken sich gerne in Handtaschen und Hosentaschen und haben eine rege Fantasie. Sie passen auf Erwachsenenfinger und können bei Bedarf unten am Bündchen umgekrempelt und verkürzt werden. In meinem Blog kannst du ein bisschen mehr über ihre Entstehung erfahren. Falls du eine Idee für eine Fingerpuppe für dich und dein Kind oder Enkelkind oder das Kind der Nachbarin hast – lass es mich wissen! Gerne krame ich in meinen Kisten und stelle weitere von diesen kleinen Figuren her.

MR DACHS

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

Mlle CANDY RAINBOW

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

MR FOX

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

JANUS PRIDE

handgestricktes Unikat, Vorder- und Rückseite
€ 25,- exkl. Versandgebühren

MRS DACHS

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

REGENBOGEN RAUPE

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Sonne

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Die Sonne hat ein neues Zuhause gefunden/the may sun is sold!

Biene

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

MR CANDY RAINBWO

handgestricktes Unikat,
€ 25,- exkl. Versandgebühren

Schnecke

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Schmetterling

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Marienkäfer

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Libelle

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Igel

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Drache/Krokodil

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Häschen

handgestricktes Unikat
€25,- exklusive Versandgebühren

Sommerblume

handgestricktes Unikat
€25,- exkl. Versandgebühren

Finger und Puppen

Wenn ich es zulasse, Wirtschaft anders zu denken als ausschließlich im Austausch von Geld, dann entstehen in allererster Linie Beziehungen. Menschen, die mich kontaktieren, nehmen Anteil an dem, was ich so liebe. Sie wissen oft, worum es mir mit meinen Wesen geht. Sie lassen sich auf einen gemeinsamen kreativen Prozess ein. Solche Beziehungen und dabei stattfindende Begegnungen beseelen. Sie inspirieren und zeigen mir, woran ich weiter arbeiten werde.

Biene, Igel, Blume, Krokodil

Meine heuriges Fingerpuppenprojekt entsteht aus so einer Begegnung. Vollkommen überraschend. Und vermutlich aus der Umstellung meines Schulprojektes von vor Ort zu online. Kein direktes Arbeiten mit den Kindern! Wie ich das heuer vermisse! Ich habe etwas ganz anderes im Kopf, als ich einerseits ein von mir erschaffenes Wesen an eine Kundin übergebe. Und mir andererseits gerade Gedanken über Handpuppen mache, die man beim Vorlesen verwenden kann. Ehrlicherweise denke ich über gefilzte oder textile Wesen nach. Doch dann erzählt mir diese Frau, die mittlerweile eine wundervolle Freundin ist, von ihrem Enkelkind. Und dass in ihrer Familie mit Enkelkind so gern mit Fingerpüppchen gespielt wird. Sie zeigt mir ein Foto dieser „Tulis“. Und es ist Liebe auf den ersten Blick.

Schnecke

Und tja, ein paar Wochen später – hier sind sie. Meine ersten gestrickten, behäkelten und bestickten I-Dolls erblicken täglich das Licht dieser Welt. Sie sind für Erwachsenenhände gemacht. Unter Aufsicht können sie bestimmt auch von Kindern bespielt werden. Ich habe extra unten ein Bündchen angestrickt, das man umschlagen kann, um die Puppe zu verkleinern. Sie sind bewusst einfach gehalten. Vieles ist angedeutet, manches dafür mit Genuss und ohne auf meine Zeit zu achten, aufwändig bestickt. Ich sage nur Libelle. Meine Libelle muss funkeln. Sonst ist es keine Libelle. Gestrickte Libellen funkeln nur mit schimmernden Glasperlen. Diese Fingerpüppchen „passieren“ wie nebenbei. Ganz ohne Schnitt und Anleitung, einfach so. Das ganze Stricken geht wie nebenbei. Beim Lesen. Beim Film. Beim Reden. Ich brauche etwa zwei Abende oder zwei Terrassenbesuche einer Freund*in für eines dieser Wesen. Weißt du eigentlich, dass beidhändiges Arbeiten beide Hirnhälften aktiviert und dabei kreative Prozesse ablaufen? Also – ich breche hiermit eine weitere Lanze fürs beidhändige Arbeiten sprich stricken! Es macht mir zunehmend Freude. Bis auf die Größe wird jedes Wesen ein bisschen anders. Du kennst mich ja. Zwei Mal das Gleiche langweilt mich. Die Fingerpüppchen sind Unikate, die jedes Mal geringfügig anders ausschauen werden. Vieles kommt aus dem Pflanzen- und Naturreich. Und ganz oft steht eine Emotion dahinter. Bei der Häsin beispielsweise, die schüchtern lispelt. Ganz im Gegensatz zur Blume, die jedem erzählt, wie toll sie diesen frühen Sommer findet. Und die schielende Schnecke, die von ihrer Schönheit ganz begeistert ist.

Krokodil

Unser Sami ist ein recht guter Seismograph, was Anziehung betrifft. Ich hab das Gefühl, ihm bleibt immer ein bisschen die Luft weg, wenn ich ihm neue Minis zeige. Für die Fotos reißt er sich drum, mit den Fingerlingen zu spielen. Und Alexander will sich noch beim Abendkrimi das Krokodil mit den Glupschaugen reservieren. Er kann froh sein, dass das Krokodil nur mit gehäkelten Zähnen zubeißt! Er hat sich schon ordnungsgemäß für den Übergriff entschuldigt und erklärt, dass in jedem von uns mindestens (!) zwei Persönlichkeiten wohnen. Und dass es auch ihm als erwachsenen Menschen gut tut, die zum Sprechen zu bringen. Da werde ich wohl noch ein paar Wesen machen müssen…

Hase

Und ja, natürlich, du kannst diese Wesen auch erwerben! Sami darf noch ein paar Tage mit ihnen reden und welche bei mir bestellen. Und dann stelle ich die erste Partie ab 25. Mai 20 Uhr in den Shop. Sie werden wöchentlich aktualisiert, je nachdem, was mir so einfällt. Und wer uns als erstes verlässt. Gern mache ich auch Wesen, die noch nicht da sind. Wir Menschen wachsen ja an unseren Herausforderungen.

Libelle, Biene, Marienkäfer, Blume, Krokodil

Yasemine und das weibliche Handwerk

Wir sind hier in Stoberdorf in der neunten Woche unserer Quarantäne mit einem Homeschooler. Aus Gründen, würde meine Freundin Ina sagen. Irgendwann wurde es mir in den letzten Wochen zu langweilig, am Abend Pullover und Mützen und Socken für meine Wesen zu stricken oder zu häkeln. Abgesehen davon, dass sie diese tollen Stücke nicht übereinander anziehen können, war es vom Prozess her logisch, die Wesen selbst auf diese Art in Angriff zu nehmen. Häkeln fällt mir leicht, nur gefällt mir das Maschenbild nicht für eine Hautoberfläche. Also entscheide ich mich für das Stricken. Raus aus meiner Komfortzone, mal wieder. Yasemine und ein zweites Wesen entstehen. Von den Zehenspitzen bis zum Hals und zu den Handgelenken Strickmaschen. Mit einem Spiel feiner Sockenstricknadeln. Ganz old fashioned, immer in Runden und mit vielen Markern. Die übliche Zettelwirtschaft für auf- und abgenommene Maschen. Immerhin ein Hauch von Struktur. Das intuitive Stricken orientiert sich an meiner räumlichen Vorstellung der Schnitte für die Stoffwesen. Kopf und Hände werden später gefilzt, ich möchte dort keine Maschen sehen. Nach fast drei Jahren probieren und tun und studieren und lernen und wieder ausprobieren kann ich auf Einiges an Fertigkeiten zurückgreifen. Es wird spielerischer, leichter. Ich traue mir mehr zu. Und ich traue mich mehr. Es ist wie mit dem Lernen eines Instrumentes. Am Anfang sind in unserer Kultur die nervtötenden Etüden. Und irgendwann lernst du, dich zu lösen und zu improvisieren.

Ich erinnere mich rund um Yasemine an eine zwei Jahre zurück liegende Diskussion. Eine Freundin findet, dass es falsch sei, bei der Herstellung textiler Wesen und Puppen von „weiblichem Handwerk“ zu sprechen. Es würde zu sehr ausschließen. Wir forschen eine Weile, 2018 war ja DAS Jahr des Handwerks. Vom Bundesministerium beforscht werden Tischler, Schmiede und ähnliches Handwerk mehr. Nähen kommt in der wissenschaftlichen Arbeit vor. Und es ist viel die Rede von kaum mehr existenten Gewerben wie Schneider, Weber, Näher. Viele schöne Worte, tolle Lobgesänge auf das Handwerk und seinen immensen Wert für den Wert des immateriellen Erbes der Kultur einer Region. Aber monetär ineffizient. Häkeln, stricken, sticken? What? Ein Gewerbe? Nö. Als ich 2018 bei der WKO nachfrage, ob es eine Ausbildung oder Lehre für Puppenmacher*innen gibt, wurde mir nach zwei Wochen aus Wien und Klagenfurt beschieden, dass es das definitiv nicht gibt.

Für die Herstellung meiner Wesen braucht es eine Menge von diesem weiblichen Handwerk. Ich nähe von Hand und mit der Maschine. Aquarelliere und maskenbildnere. Ich stricke. Häkle und sticke. Filze und färbe. Webe und pflanze Färbepflanzen in unser Paradies. Ich lerne, mit Draht umzugehen. Ein bisschen florale Gestaltung kommt dazu. Um unser Schaf kümmert sich meine Freundin Hemma. Da fehlt mir jedes Können und Wissen. Ich kann Lara nur viel zu selten gernhaben und ein- oder zweimal im Jahr auf sehr unprofessionelle Weise ihre Wolle verarbeiten. Manchmal bin ich auch bildhauerisch tätig, mit Pappmaché oder Wolle. Für die Stabilisierung mancher Wesen bitte ich meinen Partner und die Maschinen seiner Tischlerwerkstatt um Hilfe. So viel Handwerk!!

Was ist das also? Meine Nähkenntnisse würden derzeit gebraucht. Ihr wisst schon, Masken nähen. Ich denke noch darüber nach. Dazu müsste ich ein passendes Gewerbe anmelden. Die Künstlerin näht nicht. Gewerbetechnisch. Doch was ist mit Fertigkeiten wie häkeln, stricken, sticken? Ein Handwerk wie tischlern und nähen? Ein feines unbezahltes Hobby zugunsten der Familie? Wie so vieles, das Frauen „freiwillig“ und unentgeltlich machen. War dieses Können immer schon „nicht systemrelevant“? Und wurde somit nicht mit Geld entlohnt? Ich weiß selbst zu wenig darüber. Bin bei meinen Nachforschungen allerdings auf Fragmente einer japanischen Tradition gestoßen. Herausragende „Künstler“, und dazu zählen auch kulturtechnische Fertigkeiten, wurden oder werden vom Staat insofern unterstützt, als man ihnen ein staatliches und lebenslanges Gehalt auszahlte. Voraussetzung: die Bereitschaft, dieses Wissen neben ihrer künstlerischen Arbeit in Form von vielen Jahren Lehre an junge Menschen weiter zu geben. Hier stehe ich mit meiner Forschung sprachbedingt an. Falls DU mir darüber etwas erzählen kannst, dann freue ich mich wirklich! Daran könnten wir hier in unserer Kultur vielleicht anknüpfen.

Falls du das Kaffeeservice meiner Kaffeetanten ebenso bewunderst wie ich, dann empfehle ich dir einen Besuch bei Rapunzel Naturkost im deutschen Regau. Dort wird in einem langen Prozess das Besuchercafé umgebaut. Ein Teil des Geschirrs bekam ein neues Design. Du weißt vielleicht, dass Alexander in den Anfängen dieser Firma aktiv dabei war, als Zeichner und Grafiker und Teil der Wohngemeinschaft. Er ist mit den Menschen dort verbunden geblieben. Der Winterauftrag für das Porzellandesign ist wunderschön in der Ausführung. So genial, wenn Alexander’s Arbeit noch ein bisschen sichtbarer wird.

EPU und andere Abkürzungen

Nach sechs Stunden ist mein unternehmerisches Gründungsjahr 2019 als in Österreich noch nicht anerkannte Künstlerin in Spalten und Zahlen zerlegt. Einnahmen. Minus Ausgaben. Es wird hinten und vorne nicht reichen für einen Ausgleich aus dem Härtenotfallfond. Irgendwie schaffe ich das mit der SVS (Gewerbliche Sozialversicherung), andere Fixkosten habe ich glücklicherweise nicht. Und ich habe als ehemalige Pressefotografin und Journalistin gelernt, wie man bescheiden aber gut lebt, wenn man ständig wirtschaftlich am Limit entlang schrammt. Pimperlbuchhaltung für die Pimperlunternehmerin. Stimmt schon, was ein Facebook-User von uns Freischaffenden und EPUs so sagt. Wir sollen jetzt gefälligst daheim bleiben und nicht jammern. Keine Rücklagen gebildet? ja, was soll dann diese Scheinselbstständigkeit? Vor wenigen Jahren sah mich meine coachende Freundin als Chefin eines größeren Unternehmens, das Puppen herstellt. Ich. Mich. Nicht. Gar nicht. Ich bin keine begeisterte Konsumentin. Also fast nicht. Bücher. Material zum Tun. Weiterbildung und Reisen mit unserem selbst umgebauten Personenkraftwagen. Dafür gebe ich Geld aus. Für Fertiges fehlt mir meistens das Bedürfnis.

An meiner Haltung zum Geld stimmt was nicht? Zum Loslassen? Ach, lasst mich in Ruhe mit Empfehlungen für meine Haltung. Wenn ich heute die erschütternden Berichte von (alleinerziehenden) Menschen lese, die mit kleinen Betrieben vor dem wirtschaftlichen Nichts stehen, dann dreht sich mir der Magen um. Wir nennen sie EPUs. Ein-Personen-Unternehmen. Oder KMUs. Klein- und Mittelbetriebe, besser kann es die WKO (Wirtschafskammer) auch nicht übersetzen. Hinter dieser Abkürzung verbergen sich echte Menschen aus Fleisch und Blut. Mit echten Bedürfnissen und Gefühlen. Manche mit Familien, Kindern, Enkelkindern. Manche für sich alleine. Ihre haarscharfe Gratwanderung kenne ich aus eigener Erfahrung. Mit drei Kindern. Solche Menschen, die es aus eigenem Antrieb und aus eigener Begeisterung für ihr Tun schaffen, diesem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. Ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld, meistens ohne Arbeitslosenversicherung – die Pensionsversicherung frisst schon genug. Diese Menschen werden nun von Menschen angegriffen, die nicht nachvollziehen können, wie mensch von so wenig Geld leben kann. Tja. Ich muss nicht Steuerberaterin sein um mir aus ihren Zahlen auszurechnen, wo sie sparen, wo sie investieren und was sie sich vom Mund absparen. Jede Geschichte ist ein bisschen anders. Dass das sehr oft Menschen sind, die für ihre „Arbeit“ für und in der Familie oder fürs Gemeinwohl nicht bezahlt werden – dieses Fass lasse ich für heute lieber zu. Und wir sollten dringend darüber reden.

Ich weiß, dass ich subjektiv bin. Aus meiner Sicht argumentiere. Ich nehme mir diese Freiheit, subjektiv zu sein. Unternehmer*innen tragen meiner Meinung nach das ganze Risiko, die ganze finanzielle Verantwortung dieser Geldwirtschaft. Für sich. Für ihre Angestellten. Fürs Gemeinwohl. Für eine Wirtschaft, die ständig wachsen muss. Sie zahlen die Gehälter unserer politischen Vertreter, die zukunftsweise und nachhaltige Entscheidungen für unser gemeinsames Wohlergehen treffen sollen. Dazu treten Politiker*innen bei Wahlen an. Eigentlich. Wirtschaftlich erfolgreich ist die Unternehmerin, der Unternehmer, wenn sie und er günstig(st) herstellt oder einkauft und gewinnbringend weiter verkauft. An so viele Kund*innen als möglich. Selbermachen in der Region rechnet sich in dieser wachstumsgezwungenen Wirtschaft immer weniger. All die kleinen Handwerksbetriebe fallen dieser Ratio zum Opfer. Was ist der Zauber am Geldverdienen, außer dass ich muss, weil alles Geld kostet? Warum stelle ich nicht selbst her, was ich brauche? Warum brauche ich Berater*innen, die mir sagen, wie ich mein selbst Geschaffenes besser verkaufe, indem ich nicht verkaufe sondern Geschichten erzähle, damit du kaufst? Wo ist die Lust am schöpferischen Tun? Habe ich ein Brett vorm Hirn?

Können wir bitte Wirtschaft weiter denken? Das Wohlergehen dieses Planeten mit einbeziehen in unsere Überlegungen? Nicht dass sie uns braucht, diese Erde. Sie kann sich wunderbar ohne uns weiter drehen. Aber wir leben nun einmal hier. Auch das wird seine Gründe haben. Geld war bei seiner Erfindung ein geniales Tauschmittel. Und das ist gar nicht so lange her, wie uns eingeredet wird. Neben den Überlegungen eines jetzt dringend nötigen Grundeinkommens oder des geldlosen Nutzens von Gebäuden und Böden – was gibt es da noch? Komplementäre Wege des Tauschens von Zeit, ein super Übungsfeld. Schenkwirtschaft, Regionalwährungsbewegungen, Permakultur, Repair-Cafés, TransitionTownBewegungen, Lebens- und Arbeitsprojekte, in denen es mehr um Beziehung als um Geld geht – schauen wir dort bitte hin? Probieren wir es aus, solange uns die Puste nicht ganz ausgeht. Nicht nur einzelne Menschen und kleine Gruppen – sondern wir als Gemeinschaft. Die Zeit scheint gekommen, das „Alte“ genauer anzuschauen. Auszusortieren, was davon keinen Bestand hat. Heute. Das Funktionierende mitzunehmen. Mit Neuem zu arbeiten und zu experimentieren. Selten hat sich die Abhängigkeit des Menschen von diesem starren Geld- und Wirtschaftssystem so ehrlich gezeigt wie jetzt.

Textile Skulpturen und unsichtbare Mächte

Die Eremitin in mir schränkt die Zeit auf social media auf ein Minimum ein. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Offensichtlich treffen diese Entscheidung mehr Menschen. Abos von besonders ängstlich nach Kontrolle schreienden Menschen aus der timeline zu entfernen ist eine Erleichterung. Wenn das Recht, recht zu haben, regiert, nehme ich mir das Recht, auf meine Art mit meiner Lebenszeit umzugehen. Und mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die zuhören können, ohne zu missionieren, zu belehren oder ihre starren, engen Glaubenskonzepte wie Kriegsgebiete zu verteidigen. Es ist was dran, dass man Menschen erst in Krisenzeiten kennen lernt.

Wohl zum ersten Mal in meinem Leben gibt es keine Ablenkung durch einen geregelten Alltag. Unsere stille Entscheidung im Vorjahr, das große Haus in den nächsten Jahren für andere Menschen in einer Art Nachbarschaftsgemeinschaft mit Werkstätten zu öffnen und mit unseren Händen in kleinen Wohnraum zu investieren war richtig. Für uns. Gott sei Dank haben wir darauf gehört. Nichts geht von heute auf morgen. Abhängig davon, ob wir heuer Material ertauschen oder anschaffen können wird es weiter gehen. Ein Schritt nach dem anderen.

Mein Atelier ist mehr oder weniger fertig. Wie ich mich über die zwei gerade fertig gestellten Fensterumrandungen nach Süden freue! Nach den gefühlt eiskalten Monaten zu Jahresbeginn ist klar, dass noch eine Bodenisolierschicht dazu kommen wird. Fliegen, Wanzen, Marienkäfer und ähnliches Getier brauchen Grenzen, die zu befestigen und zu silikonieren sind. Der neue alte Arbeitstisch im Retrochic ist wunderschön anzuschauen und ein Segen für meinen Rücken. Der ganze Raum hat an Größe und Effizienz gewonnen. Die kleine ausziehbare Traumcouch lebt in meinem Kopf und wird ihren Weg zu mir finden, wenn die Zeit gekommen ist. Derzeit behelfe ich mir mit den Matratzen unseres ungenutzten Reiseautos. Und wir überlegen schon, wie sich eine auszieh- oder ausklappbare Holzkonstruktion gestalten ließe.

Ich arbeite an völlig neuen Köpfen. Es waren wirkmächtige Schritte, Grundsätzliches über den Aufbau von Puppenkörpern und Puppenköpfen aus der Technik der Waldorfpuppen zu lernen und auszuprobieren. Diese Art der Herstellung wird immer die Basis sein, die mir künstlerische Umsetzung ins Figurale ermöglichte. Und für kleine Wesen passt diese Herangehensweise weiter. Das Wort „Puppe“, das mir jahrelang gegen den Strich ging, mich triggerte und ärgerte war rückblickend betrachtet mein Prozess, der Einstieg in meine Kunst. Nun geht es ans freie Formen. Ich studiere Gesichter, Münder, Nasen, Augen und Ohren. Es ist ein Unterschied, ob ein menschliches Wesen lacht, weint oder giftig schaut. Der Ausdruck von Gefühl im Gesicht ist spannend. Zeichnend und malend kam ich nicht so recht weiter. Meine Welt ist das Formen mit den Händen. Daraus kann ich dann Schnitte ableiten, die auf Papier landen. Geometrische Körper und sie als Schnitt auszurollen beschäftigt mich, die Mathematik-Geschädigte. Da heilt wieder etwas. Derzeit scheinen die entstehenden Köpfe meiner Innenwelt zu entsprechen. Sie sind bunt und ich bemale sie mit Fäden, mit gefärbter Wolle, Pailetten und Perlen. Gehäkeltes und Gesticktes kommt zum Einsatz. Unglaublich, wie viele tutorials es dazu im Internet gibt! Im Hinterkopf warten Ideen für freie Applikationen mit Textilien und Stickfuß der Nähmaschine. Für den nächsten Kopf. Groß. Ich muss immer wieder groß arbeiten, mit dem ganzen Körper, unter Einsatz all meiner Kraft. Manchmal ist der entstehende Kopf größer als mein eigener. Immer kommt Material zum Einsatz, das ich bereits daheim habe. Danke Maria für den kostbaren Schatz an wunderschönem Material, auf den ich immer und immer wieder zurück greifen kann. Beim Herstellen der Köpfe entwickeln sich in meiner Fantasie Umsetzungsmöglichkeiten stabiler Körper für eine Ausstellung. Auch die haben mit dem Material zu tun, das ich in unseren Lagern finde. Drähte. Hölzer. Textilien und Dekorationselemente. Dieses Suchen und Finden setzt unglaublich viel kreatives und logisches Potential frei.

Nach Merime und dem Geldfresser beschäftigt mich nun ein Magier. Oder eine Magierin. Es ist vollkommen unklar, ob er eine Sie wird oder ein Er oder beides. Unser Jüngster sucht einen Namen für diese Figur. Immer wieder kommt er vorbei und seine „Aaahs“ und „Oooohs“, seine natürliche Freude an der Entstehung der Kopftätowierungen mit Nähseide und Nadel bestätigen mir meine gefühlten Schritte. „Immer habe ich mir so einen Magier vorgestellt. Der ist ganz sicher nicht aus Österreich, wahrscheinlich auch nicht aus Europa“, hat er mir gestern anvertraut. Und mit seinen einfachen Worten bestätigt, was ich beim Machen des Eierkopfes dauernd fühlte. Für mich ist es wieder eine dieser Phasen, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führt. „Es“ ist einfach zu tun. Und es geht leicht, logisch, wie von selbst. Beim Tun kommen Ideen, Bilder, Worte. Und wenn ich glaube, nach diesem Kopf sei Schluss, dann täusche ich mich. Wie sonst soll ich mir erklären, dass sich noch nicht gemachte Augäpfel bis ins Detail und in die Montage in mein Tagesbewusstsein drängen und Formen annehmen. Nur die Gesichtsform kann ich noch nicht klar erkennen. Logisch. Mein Magier ist noch nicht ganz fertig.

Während ich hier an meiner Tastatur des Laptops meine Gedanken ordne und sortiere und verdichte legt mein Liebster draußen ein großes Gemüsebeet an. Die Saatkartoffeln sind am Weg. Ganz viele Pflanzen warten schon im Wintergarten, dass die Eisheiligen da waren. Ich werde heute Nachmittag mein Versprechen einlösen, die Südseite von den wilden Brombeerranken zu befreien. Ich wünsche rundherum ein sonniges, warmes Wochenende!

Quarantäne und Wirtschaft

Meine „Wirtschaft“ ist aufgeräumt. Zwei Tage intensivsten Nähens für einen Alles-andere-als-Nähprofi liegen hinter mir. Langsam biegt sich mein Kreuz wieder gerade. Mein Arbeitsplatz mit Nähmaschine am tiefergelegten Tisch mit Hocker hat endgültig sein Ablaufdatum erreicht. Draußen in der Garage wartet der aufgehübschte Upcycling-Schreibtisch. Ein ehemaliger Arztschreibtisch aus Sperrholzresten, nach dem Krieg gebaut. Der Umbau vor etwa 10 Jahren verkleinerte das wuchtige Ding. Der weiße Anstrich vor vier Tagen gibt ihm nun das Aussehen, das er für mein Atelier haben muss. Meine Eckbank ist gemütlich, wandert aber zurück in den Seminarraum. Das wird mein Osterprojekt. Frühjahrsputz und so.

Als Mittwoch Morgen mein Handy brummt und mir signalisiert, ich möge einen Kommentar auf der homepage freigeben und kommentieren, ahne ich noch nichts. Ich bin VOR meinem Morgenkaffee. Und ich bin so ein Morgenmuffel, sei froh, dass du mir zu dieser Zeit nicht über den Weg läufst. Eine Dame schreibt mir „Ich möchte Masken bestellen“. Liebe Grüße und eine Telefonnummer. Mein Hirn, schlafgrantig, ächzt. Wo um Himmels Willen hab ich geschrieben, dass ich Masken mache? Bei meiner Coachin? Ich reiße mich zusammen, schreibe Unverfängliches und das Versprechen, mich zu melden.

Zehn Minuten später. Ich richte mir gerade meinen lebenserhaltenden Kaffee. Telefon. Eine total freundliche Frau erzählt mir, da wäre eine Artikel in der Kleinen Zeitung. Ob ich die Künstlerin sei, die auch Atemschutzmasken näht. Jetzt fällt der Groschen! Genau! Ich wurde ja letzte Woche interviewt. In dem Einerlei der Quarantäne habe ich das sofort wieder vergessen. Danke geschätzte Mittelkärnten Redaktion, das war ein super Bericht über Einige von uns, die nun das tun, was eben nötig ist. Genau. Nähen.

Zwei Tage lang rattern Maschine und Hirn. Natürlich geht auch mir der Einziehgummi aus. Die gewohnte gute Nähseide. Und mir wird so Einiges klar, was jetzt möglich ist. Nämlich andere fragen, ob sie noch Material haben. Beziehungsweise kreativ werden mit Ersatz für Ausgehendes. Danke Barbara für den Tipp mit den Jerseywürschteln, na klar! T-Shirt-ReUse! Und ich kann Garn eindrehen. Du weißt schon. Türgriff, Garnfäden, Bleistift – und drehen! Und irgendwann kann ich auch sagen: Danke, genug! Es gibt so viele andere Menschen, die diesen Dienst an der Gemeinschaft leisten und ihre Nähfähigkeiten zur Verfügung stellen. Ich muss nicht alles allein tun. Wir können die Arbeit gut untereinander verteilen. Wirtschaften miteinander. Wirtschaften ohne Wachstumszwang. Eine Form von Wirtschaften, das auch andere Menschen zum Zug kommen lässt. Frauen-Wirtschaft?

Als mir das so richtig klar wird, nehme ich Tempo aus dem Zuschnitt, aus dem ratternden Nähen wie im Schlaf. Bügle ich liebevoller jede Kante. Denke beim Nähen herzwarm an die zukünftigen Träger*innen. Wir haben ja immerhin ein Weilchen miteinander telefoniert, um uns über den Stoff und die Trageweise zu einigen. Ich höre von panischer Angst vor dem Virus bis zur Notwendigkeit, die Maske den ganzen Tag zu tragen. Ich nähe nicht für Geld. Ich nähe für Menschen, um Ängste zu verkleinern. Um Gesundheit zu erhalten. Um sie zu stärken. Und ja klar, die Post will sich den Transport bezahlen lassen. Ich verbrauche Material und Strom. Das wird ausgeglichen. Und ist so stimmig für mich, für meine Situation, die mit keiner einzigen anderen Situation von anderen Freiberufler*Innen oder EPUs zu vergleichen ist. So viel wird gerade sichtbar. Es ist überhaupt nicht nur zum Lachen.

Was mich durch diese Tage trägt ist Musik. Bis zum Anschlag aufgedreht. Oder leise im Hintergrund. Allein im Studio singe ich so laut vor mich hin, dass ich nicht einmal meinen Mann höre, der mich zu den Mittagessen ruft. Der blitzeblankeblaue Himmel aus meiner Kindheit. Freundliche Wölkchen, keine Streifen. Genau. Freundlichkeit. Die Freundlichkeit der Menschen. Unser Teilzeit-Hippie-Auto ist arg beleidigt, weil es nur mehr von Stoberdorf zur Volksschule. Von Stoberdorf zur Post. Von Stoberdorf zu Billa und Hofer. Fahren darf. Es ist daran gewöhnt, am Wochenende Richtung Meer zu düsen. Uns in sich zu beherbergen. Und was tut ein beleidigtes Auto? Genau. Nicht mehr anspringen. Der junge gelbe Engel lacht. Wie viele Kilometer das Auto schon hätte? Waaaaaas? So viel? Und dann ist es Gott sei Dank doch nur eine leere Batterie. Und wir müssen eine halbe Stunde sinnlos durch die Gegend fahren, um sie wieder zu laden. Okay, lieber Gefährte, ab sofort werden wir einmal in der Woche ausfahren. Mal sehen, wem wir das unterwegs erklären müssen. Ist ja doch sowas wie ein Zwangsausflug, gell?

Freundliche Handytelefonate mit Video tun mir gut. Mitten drin im Alltag von Freund*innen. Und ich bekomme snail mail aus Wien. Von der geliebten Tochter und Enkeltochter, die auf zwanzig Quadratmeter in der Quarantäne hocken. Eine so tolle Zeichnung. Eine so tolle Kette. Quarantäneschmuck. Restelverwertung, weil für die Kinderküche Spielnahrungsmittel aus selber gemachtem Salzteig hergestellt wurde.

Ich habe gefühlt drei Wochen Nähen gelernt. Petra, meine Lehrerin, sie wäre stolz auf mich. Meine alte Nähmaschine kann viel mehr, als ich ihr zutraue. Vor allem finde ich die Einstellung der Nadel in der Mitte, links und rechts sehr hilfreich. Es tut einer Maschine gut, sie zu reinigen. Ihr ab und an einen Tropfen Öl ins Getriebe zu gönnen. Zu meiner Freude ist heute das Packerl mit den Stickfüßchen gekommen. Dem free motion embroidering steht nun nichts mehr im Weg. Doch wie immer ist das eine andere Geschichte…

Mund Nasen Schutz

Glücksflügler

Ich liebe sie, die bunten fliegenden Hunde aus upgecyceltem Strickwalk. Meine sind ungefährlich handwarm, kuschelig, gewaschen und liebevoll handgemacht. Ihr Eckzahn bewahrt vorbereitete Osternester vor vorzeitiger Plünderung. Sie passen in Handtaschen, Rucksäcke und Jackentaschen. Bandit und Co. sind bei längeren Wartezeiten ideale Spielgefährten.

PURZEL und HAPPY
HAPPY hat einen neuen Abhängplatz gefunden, Purzel darf noch zu dir fliegen!

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis à € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

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BANDIT
Bandit hat einen neuen Platz zum Abhängen gefunden, Bandit ist sold!

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

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ROSINE (rosa, ganz rechts, die beiden anderen leisten ihr nur Gesellschaft und haben sich schon weiter oben vorgestellt)
ROSINE hat einen neuen Abhängplatz gefunden, she is sold!

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

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SCHLAFMÜTZE

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im Dezember 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis € 35,–
mit zwei Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

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BRÖSEL und LALILALA

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis à € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

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SAHNESCHNITTCHEN und SCHNITTLAUCH

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis à € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

Vorauskasse, Kontodaten werden auf e-mail Anfrage zugesendet, nach Bezahlung wird die Puppe versandfertig gemacht und zugeschickt

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MIRACOLI und SNICKERS

Stoffwesen aus Upcyclingmaterial, handgemacht, eigenes Design
geboren im September 2019 in Stoberdorf/Österreich

Preis à € 35,–
mit zwei Stück Wäscheklammern aus Holz und Sisalschnur zum Abhängen, inklusive Versandkosten

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